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  1. Inaktiver User

    Mein bester Freund stürzt in seinem Kummer ab - und ich stehe hilflos daneben

    Hallo liebe BriCom-Gemeinde

    meistens bin ich nur stille Mitleserin, aber immer begeistert von Euren Anregungen, Denkanstößen und Sichtweisen. Deshalb wende ich ich mich auch an Euch, weil ich weiß, dass ich so vielleicht auf einen "anderen Dampfer" komme.

    Was ist passiert?

    Es geht um meinen besten Freund, der im Moment im Begriff ist, total abzustürzen und von mir keine Hilfe annehmen kann oder will. Wir sind bisher immer füreinander dagewesen und haben uns auch in den schlimmsten Situationen Trost, Halt und Hilfe geben können. Nun hat es ihn aber wirklich richtig schlimm erwischt und ich werde - so kommt es mir zumindest vor - von ihm abgewiesen.

    Nicht nur dass er augenblicklich beruflich großen Stress und Ärger hat, nein, jetzt steht möglicherweise auch noch die Trennung von seiner Frau bevor. Sie haben für die Ehe gekämpft wie die Löwen - beide - aber es sieht so aus, als sei jetzt das Ende gekommen. Angeblich gab es vor einer Woche in der Familie einen Vorfall, der ihre Anwesenheit dort erforderlich macht, so dass sie zur Zeit nicht zu Hause ist. Mein Freund hegt den Verdacht, dass sie möglicherweise gar nicht mehr zurückkommt, da sie so viele Sachen mitgenommen hat. Ehrlich gesagt, ich hege den Verdacht auch, zumal die gemeinsame Wohnung wegen der bevorstehenden Trennung bereits gekündigt ist.

    Wie gesagt, mein Freund und ich waren und sind immer füreinander da. Jetzt ist es aber so, dass er so sehr unter der Trennung leidet, dass er es nicht fertig bringt, nach der Arbeit in die eheliche Wohnung zu gehen und statt dessen bei einem Bekannten haust (im wahrsten Sinne des Wortes!), dessen Wohnung mehr als grenzwertig ist. Die Beschreibung der Zustände dort möchte ich Euch lieber ersparen...

    Mein Freund weiß, dass er bei mir jederzeit willkommen ist und einen Platz hier hat. Statt dessen zieht er es vor, mit diesem Bekannten durch die Kneipen zu ziehen, sich mit Alkohol zu betäuben und regelrecht zu versumpfen. Er will zwar über seinen Kummer reden, aber wenn ich bestimmte Dinge anspreche oder unbequeme Fragen stelle, blockt er ab und ignoriert konsequent die Realität.

    Ich weiß überhaupt nicht, wie ich damit umgehen soll. Und ganz ehrlich, ich bin nicht nur entsetzt darüber, was er sich im Moment antut, sondern auch verletzt und gekränkt, dass er meine Hilfe ganz offensichtlich nicht will. Heute rief ich ihn an und fragte, wie es ihm geht. Ich hatte den Eindruck, dass er schon angetrunken war, weil er, wie er sagte, heute einen sehr, sehr schlimmen Tag hatte. Er sagte, er würde da und da hingehen... wenn ich wollte könnte ich ja auch da hin kommen... Mein Herz hat mir sofort gesagt: Ich muss sofort zu ihm und ihn aus dem Sumpf rausholen. Mein Versand sagt mir: Er will meine Hilfe nicht und ich muss ihn einfach machen lassen, bis er auf mich zukommt. Und genau das fällt mir so schwer. Ich fühle mich so hilflos

    Ich kann auch nicht verstehen, dass er sich bei diesem Bekannten, von dessen Wohnung er selber angewidert ist, wohler fühlt als z.B. bei sich zu Hause... oder meinetwegen auch bei mir... Was mag da in seinem Kopf vorgehen? Dieser Bekannte strauchelt selber am Abgrund (Miete schon seit zwei Monaten nicht bezahlt...) Ich begreife das alles nicht und mache mir große Sorgen um meinen Freund.

    Was meint Ihr dazu? Ich weiß im Augenblick nicht weiter....

    Liebe Grüße

    Magalie

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    AW: Mein bester Freund stürzt in seinem Kummer ab - und ich stehe hilflos daneben

    Nun ja.

    Ich kann verstehen, dass du dir um deinen Freund Gedanken machst.
    Und ich finde es auch schön von dir, dass du für ihn da sein möchtest.

    Nur, er möchte eben derzeit etwas anderes.
    Er hat ein anderes Bedürfnis.
    Mal ab von der Wohnung, so chaotisch sie auch sein mag, vielleicht braucht er gerade die Gesellschaft von einem männlichen Freund. Vielleicht möchte er den Kummer erstmal verdrängen und sich betrinken.

    Du kannst von alledem natürlich halten was du magst - es ist SEINE Art mit der Sache umzugehen.
    Ich gehe mal davon aus, dass dein Bekannter nicht mehr 20 ist sondern erwachsen.

    Und Freundschaft ist nicht nur, dass man hilft sondern auch, dass man den anderen in seinem Kummer, in seinem SO-sein erstmal auch akzeptiert.

    Sei nicht gekränkt und beleidigt, weil er deine Hilfe und Zuwendung jetzt gerade nicht so annimmt, wie du es geben willst.
    Es geht nicht um dich, es geht um ihn. Oder?
    Ich weiß wohl, dass Hilfe leisten auch viel geben kann, aber wie gesagt, um dich geht es hier ja gerade nicht.

    Warum ist es dir denn so wichtig, dass DU die zentrale Rolle der Hilfe spielst?
    Hast du ein Helfersyndrom?
    Ist das, was du verspürst, mehr als Freundschaft?
    Mal ganz provokativ gefragt?

    Weißt du, es ist normal, dass ein Mensch in einer schweren Lage mal einen Durchhänger hat. Dass man sich mit Kumpels betrinkt, dass man irrational handelt und dass man mal ver-rückt ist. Einfach anders als sonst.
    Das darf sein und das gehört auch zum Leben dazu.
    Deswegen stürzt man nicht gleich unwiederbringlich ab.

    Mach dir nicht so viele Sorgen und zieh dir nicht anderer Leute Probleme an wie ein Paar Hosen.
    Bester Freund hin oder her, sein Leben ist nicht dein Leben.
    Du musst da nicht zwingend heilend und positiv und besänftigend einschreiten.
    Oder zumindest nicht JETZT. Jetzt ist es nicht gewollt, jetzt braucht er eben was anderes. Er ist nicht verpflichtet, deine Hilfe anzunehmen und er ist auch kein schlechter Freund, wenn er das im Moment nicht macht.

    Ein lebensunfähiger, hilfloser Tropf wird dein Freund ja nicht sein, oder?

    Sei für deinen Freund da, wenn er das braucht und wenn er dir auch zeigt, dass er das braucht.
    Dräng deine Hilfe nicht auf.
    Und sei nicht eingeschnappt, weil er gerade nicht so macht, wie du dir das vorstellst.
    Er ist er und du bist du.

    Du bist ja nicht seine Mutter oder Betreuerin.

    LG
    Hexl
    The difference between try and triumph is just a little "umph"

  3. Inaktiver User

    AW: Mein bester Freund stürzt in seinem Kummer ab - und ich stehe hilflos daneben

    Hallo Hexl,

    vielen Dank für Deine liebe Antwort. Deine Worte tun mir gut - treffen sie doch mitten in mein Herz...

    Ja, ich denke, dass ich wohl von einem Helfersyndrom gepeinigt bin. Genau deshalb fällt es mir auch im Moment so schwer, ihn einfach machen zu lassen und gelassen abzuwarten, bis er wieder auf mich zukommt. Natürlich mach ich mir Gedanken, warum es ihn ausgerechnet zu diesem Bekannten in dieser Umgebung zieht. Braucht er das gerade jetzt? Muss er sich ausgerechnet jetzt buchstäblich "im Dreck suhlen", um zu sehen, dass es anderen noch schlechter geht als ihm?

    Und was das Verdrängen betrifft...da kann man noch so einiges von ihm lernen... mich macht das verrückt Aber, wie Du so richtig schreibst: Es ist seine Art, damit umzugehen.

    Und ja, wie ich schon schrieb, ich bin gekränkt und verletzt, dass er mich so abweist. Warum? Warum bin verletzt? Er war auch immer für mich da. Ich möchte es zurückgeben, weil ich ihn mag und weil er einfach ER ist. ER im Sinne von "das ist mein bester Freund, der das beste verdient hat" Aber er ist jetzt derjenige, der entscheidet, was das beste für ihn ist... Das zu akzeptieren, fällt mir schwer. Deshalb tun mir Deine Worte ja so gut, weil sie im Grunde auch das sind, was in meinem Herzen (und Verstand) ist.

    Und das andere... ist da mehr als Freundschaft...? Diese Frage ist nicht provokativ, sondern durchaus berechtigt. In all den Jahren, die wir uns kennen, sind wir uns mental sehr nahe gekommen. Es ist auch nicht ausgeblieben, dass wir mal gekuschelt haben. Es gab auch mal eine Zeit, in der wir glaubten, dass da mehr sei.... Aber nein, da ist nicht mehr, zumindest nicht von meiner Seite. Für mich würde sich "mehr" nicht richtig anfühlen.

    Liebe Grüße
    Magalie

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    AW: Mein bester Freund stürzt in seinem Kummer ab - und ich stehe hilflos daneben

    Natürlich mach ich mir Gedanken, warum es ihn ausgerechnet zu diesem Bekannten in dieser Umgebung zieht. Braucht er das gerade jetzt?
    Schlicht und einfach: Ja

    Muss er sich ausgerechnet jetzt buchstäblich "im Dreck suhlen", um zu sehen, dass es anderen noch schlechter geht als ihm?

    Dass das sein Motiv ist, ist lediglich DEINE Interpretation der Situation.
    Es können ganz andere Beweggründe sein.

    Warum? Warum bin verletzt? Er war auch immer für mich da. Ich möchte es zurückgeben, weil ich ihn mag und weil er einfach ER ist. ER im Sinne von "das ist mein bester Freund, der das beste verdient hat"
    Das gehört auch in eine Freundschaft, dass man füreinander da ist.
    Aber doch nicht zwanghaft. Weil DU es willst. Du kannst keine Hilfe aufzwingen.
    Wenn du jetzt so enttäuscht und verletzt bist... Geht es dir wirklich darum, IHM zu helfen? Oder geht es eigentlich um dich? Verfolgst du deine ureigensten Zwecke, die dann so freundschaftlich gar nicht sind? Weil du es brauchst, gebraucht zu werden und wichtig zu sein? Sind das freundschaftliche Motive?
    Ist das Kernproblem wirklich, dass es IHM gerade nicht gut geht oder ist das Kernproblem, dass DU gerade nicht die Wichtigkeit und damit Wertschätzung erfährst, die DU brauchst und von der du auch denkst, einen Anspruch drauf zu haben?

    Offensichtlich gehst du aus, dass du "das Beste" für deinen Freund bist, weil du das beste für ihn willst.
    Das ist vielleicht ein Denkfehler.

    Aber er ist jetzt derjenige, der entscheidet, was das beste für ihn ist... Das zu akzeptieren, fällt mir schwer
    Jetzt erst? Hat er nicht schon immer seine Entscheidungen getroffen und somit auch entschieden, was das beste für ihn ist?
    Oder hast du das in der Vergangenheit für ihn übernommen?

    Es wird schon wieder eine Zeit kommen, da wird er dich und deine Hilfe und Ratschläge auch wieder brauchen.
    Dann kannst du ja für ihn da sein.

    Aber bis dahin kannst du ja versuchen von deiner Allmachtsphantasie wegzukommen.
    Denn das ist es irgendwie auch. Eine Art von "Größenwahnsinn" wenn man sich einbildet, besser als der andere selbst zu wissen, was er braucht, warum er was macht und wenn man glaubt zu wissen, dass das jetzt der falsche Weg ist. Und dass es besser wäre, wenn er DEINEN Weg beschreiten würde.

    Versteh mich nicht falsch, ich meins nicht böse.
    Aber ein bisschen zwanghaft klingt das schon.
    Was dann aber bedeutet, dass das war er gerade erlebt gar nicht der Punkt wäre.
    Dann würde es im Grunde ausschließlich und nur um dich gehen.
    Und dann wäre es vielleicht an der Zeit, dass DU dich lieber um DICH kümmerst, anstatt das Problem von dir weg zu jemand anderem hinzuverlagern...

    LG
    Hexl
    The difference between try and triumph is just a little "umph"

  5. Inaktiver User

    AW: Mein bester Freund stürzt in seinem Kummer ab - und ich stehe hilflos daneben

    Hexl,

    Deine Worte sind starker - aber guter - Tobak.

    Du sprichst da ein Thema an, dass ICH längst verdrängt habe. Jedes Deiner Worte bringt es jedoch auf den Punkt. Es tut weh, das so schwarz auf weiß geschrieben zu sehen... Das Thema ist mir nicht fremd... Ja, ich habe mich lange nicht um mich gekümmert. SEINE Probleme haben mich prima von dem abgelenkt, was in MEINEM Leben gerade schief läuft.

    Es ist jetzt nicht so, dass mich Deine Worte vollkommen überraschen. Es ist einfach nur hart im Moment, aber ich bin Dir sehr dankbar, dass Du so offen warst.

    Ich werde mich jetzt auf den A**** setzen und ein paar Dinge überdenken. Der Gedanke daran ist extrem unangenehm, hat ironischerweise jedoch den Nebeneffekt, dass ich von SEINEN Problemen abgelenkt werde.... Oh Gott, mir ist gar nicht nach Witzen zumute

    Vielen lieben Dank, dass Du mich wieder auf den richtigen Dampfer gebracht hast.

    Liebe Grüße
    Magalie

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    AW: Mein bester Freund stürzt in seinem Kummer ab - und ich stehe hilflos daneben

    Hallo Magalie,

    ich stimme Hexl vorbehaltlos zu.

    Ich kann mich allerdings noch an deinen anderen Strang erinnern (musste eben noch mal kurz reinlesen) und ich nehme an, dass es sich um den gleichen Mann handelt?

    Irgendwie kommt mir das Gefühl, dass dieser Mann an einer "engen" Freundschaft mit Ausquatschen und Auffangen etc. nicht so recht interessiert ist, kann das sein?

    Ihr seid sicher "Freunde", mit allem, was dazugehört, auf mich wirkt es jedoch so, dass er - gerade was die Aussprache von Problemen angeht - gar nicht so richtig will.

    Mag sein, dass Männer da ohnehin anders ticken, ich glaube aber, dass du in dieser Freundschaft Dinge erwartest, die er nicht geben kann und nicht geben wird, so dass es auf deiner Seite immer wieder zu Enttäuschungen kommen wird.

    Bei allen anderen Überlegungen zu Hexls Posts wünsche ich dir alles Gute,
    Kitty
    Coat check girl: Goodness! What lovely diamonds!
    Mae West: Goodness had nothing to do with it...

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    AW: Mein bester Freund stürzt in seinem Kummer ab - und ich stehe hilflos daneben

    Hallo Magali!

    Schön, dass ich den Finger auf die richtige Stelle gelegt habe.
    Das nährt natürlich meinen persönlichen Größenwahnsinn... Harharhar

    Nein, mal im Ernst.

    Es ist gut, sich irgendwann auch wieder auf sich selbst und die eigenen Probleme und Baustellen zu besinnen, statt sich an einer anderen Baustelle abzuarbeiten und abzulenken.
    Da ackerst du dich kaputt - und es ist nie etwas erreicht. Das eigentliche Problem bleibt davon völlig unberührt und wirkt im Hintergrund immer weiter.

    Und wenn es ganz ungünstig läuft, ist irgendwann auch eine Freundschaft kaputt, weil sie deine Erwartungen nicht erfüllen konnte und dein Freund vielleicht auch irgendwann mal ärgerlich wird. Nicht nur du.

    Und wegen was?
    Wegen etwas, das mit euch und eurer Freundschaft gar nichts zu tun hat.
    Wäre doch schade drum.

    Es ist nicht schlimm, dass du nicht ganz selbstlos und völlig ohne Erwartung für jemanden da sein willst. So altruistisch ist eigentlich keiner.
    Irgendeinen Zweck verfolgt man dabei immer. Und sei es nur, weil Freundschaften eben so funktionieren und man ein soziales Gefüge haben will und innerhalb dieses Gefüges sich eben auch entsprechend verhalten muss. Was eben bedeutet, dass man eben auch für den anderen da ist, wenns ihm nicht gut geht. UND: Wenn er deine Hilfe braucht und WILL.
    Wenn man da aber extrem wird, dann kann man auch mehr schaden als nutzen. Da beißt sich die ganze schöne Freundschaftshilfe dann ganz schön in den eigenen Hintern.

    Ich weiß jetzt nicht, von welcher Art Problem du dich ablenken möchtest.
    Gibt es da etwas konkretes, das man bennenen kann und auch ganz konkret angehen kann?

    Oder geht es allgemein um Selbstwert, Wertschätzung, eigene Wichtigkeit/Bedeutung/Stellenwert?
    Auch hier - oder gerade hier - würde es sich wirklich, wirklich lohnen, da mal anzusetzen und dich in eine andere Position zu veebringen.

    Du wirst merken, nicht nur im Umgang mit deinem Freund wird sich was verändern und verbessern, es wird sich auf alle Lebensbereiche auswirken. Und zwar im postiven Sinne!

    Und ich kann dir das auch nur deshalb so ans Herz legen, weil ich weiß, von was ich da spreche.
    Es ist nicht einfach, das muss man nicht schönreden.

    Aber:

    Es lohnt sich!
    Es lohnt sich mehr, als dass du dich jetzt an der Sache mit deinem Freund aufreibst!



    LG
    Hexl
    The difference between try and triumph is just a little "umph"

  8. User Info Menu

    AW: Mein bester Freund stürzt in seinem Kummer ab - und ich stehe hilflos daneben

    Zitat Zitat von Hexl Beitrag anzeigen
    Nun ja.

    Ich kann verstehen, dass du dir um deinen Freund Gedanken machst.
    Und ich finde es auch schön von dir, dass du für ihn da sein möchtest.

    Nur, er möchte eben derzeit etwas anderes.
    Er hat ein anderes Bedürfnis.

    ......
    - alles unterschreib -

    OT: Hexl, mal an dieser Stelle ein großes Kompliment für deine Beiträge . Ich finde auch diesen sehr treffend in seiner Einschätzung - ich könnte es nur selbst längst nicht so gut sagen.

    samtweich

  9. Inaktiver User

    AW: Mein bester Freund stürzt in seinem Kummer ab - und ich stehe hilflos daneben

    Hallo Ihr Lieben,

    vielen Dank für Eure aufmunternden Worte. Es tut wirklich gut, sich hier ausweinen zu können und Antworten zu bekommen, mit denen ich wirklich etwas anfangen kann

    Ja Kitty, es handelt sich hierbei um den gleichen Mann. Die Trennung von seiner Frau zieht sich ja nun schon länger hin. Solange noch alles in der Schwebe war und sie beide gekämpft haben, ist er relativ "locker" damit umgegangen. Die Trennung stand zwar im Raum, aber er hatte immer noch so viel Hoffnung und sah sie nicht wirklich vor sich. Meiner Meinung nach setzte da schon die Verdrängung ein. Wir haben in der Zeit sehr viel miteinander gesprochen und auch einiges zusammen unternommen. Ich denke, dass ich ihm da schon eine echte Freundin und Stütze war.

    Jetzt hingegen ist die endgültige Trennung nur noch eine Frage der Zeit - und das begreift er langsam. Aber auch jetzt will er sich noch nicht damit auseinandersetzen. Das habe ICH jetzt begriffen und lasse ihn machen.

    Ich bin nach wie vor der Meinung, dass Freundschaft nicht nur bedeutet, dass man einen Freund hat und braucht, wenn es einem selber schlecht, sondern dass man auch für Freunde da sein sollte, wenn es IHNEN schlecht geht. Ja, ich wollte in diesem Fall wohl übers Ziel hinausschießen und war der Meinung, ich wüßte schon, was ihm jetzt gut tut. Pustekuchen - nix weiß ich

    Ich habe vorhin mit einem anderen Freund gesprochen, der vor zig Jahren in exakt der gleichen Situation war. Auch dieser Freund ist damals nach der Trennung zu einem Bekannten geflüchtet und durfte für drei Monate in dessen Wäschkammer nächtigen. Er sagte, es war grauenvoll! Er sagte auch, er hätte durchaus bei einer platonischen Freundin unterkommen können. Aber genau das war das Letzte, was er in diesern Situation hätte ertragen können. Er sagte, das liebevolle Umsorgen und Bemuttern einer weiblichen Person hätte ihn emotional noch mehr zusammenbrechen lassen. Wenn ich darüber nachdenke, ja, dann kann ich das auch verstehen.

    Nun, vielleicht muss mein Freund erst ganz unten aufschlagen und sich selber wieder hochzurappeln. Wenn er dann dabei eine helfende Hand braucht... meine wird ausgestreckt sein. Bis dahin kümmere ich mich jetzt um mich selber und werde auch nicht versuchen herauszufinden, warum er jetzt gerade dieses oder jenes will oder auch nicht. Es sind SEINE Entscheidungen, es ist SEIN Leben und da werde ich ihm nicht reinreden.

    Vielen Dank noch mal für die offenen Worte - Ihr glaubt ja gar nicht, wie gut das jetzt getan hat.

    Liebe Grüße
    Magalie

  10. User Info Menu

    AW: Mein bester Freund stürzt in seinem Kummer ab - und ich stehe hilflos daneben

    Liebe Magalie,

    Hexls treffenden Worten, die die Dinge so prägnant auf den Punkt bringen (GROßES Kompliment an dich, Hexl!) kann ich kaum noch etwas hinzu fügen.

    Nur so viel: in einer ähnlich massiven Krisensituation war ich mal damit konfrontiert, dass mir jemand helfen wollte und auch bereits zu wissen meinte, welche Art Hilfe mir gut täte - oder gut zu tun habe. Für mich war das aber in dem Moment nicht das Richtige. Mir hätte gut getan, gefragt zu werden: Kann ich etwas für dich tun? Was wünschst du dir von mir?

    Vielleicht kannst du deinen Freund das ja fragen.

    Herzliche Grüße

    Flabellina
    Geändert von Flabellina (25.02.2012 um 22:05 Uhr) Grund: Tippfehler korrigiert
    Yes we can!

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