Hallo zusammen,
nachdem ich am Wochenende ziemlich verzweifelt war und auch lange im Internet recherchiert habe, möchte ich Euch mal um Eure Meinung bitten:
ich bin seit einigen Wochen mit meinem Freund zusammen. In der "Anbahnungsphase" war ich sehr verliebt und überzeugt, dass das richtig toll passt mit uns. Ich konnte ihn auch schon ziemlich gut einschätzen, da wir Kollegen sind (ich hatte in einem anderen Strang darüber geschrieben, vielleicht hat der eine oder andere von Euch ja mitgelesen) und wir uns so sicher schon besser einschätzen konnten, als wenn man sich komplett neu kennen gelernt hätte.
Mein Freund ist sehr herzlich, warmherzig, wir passen von den Interessen gut zusammen und alles könnte gut und harmonisch sein, wenn sich nicht schon wieder meine "inneren Zweifler" massiv melden würden ... Das schaut dann so aus, dass ich ständig innerlich am Prüfen und Abwägen bin, ob das tatsächlich passt mit uns und wenn ich nur kleinste Anzeichen dafür sehe, dass es doch nicht so gut passen könnte (z. B. weil wir in einem Bereich unterschiedliche Angewohnheiten haben), kriege ich die "was, wenn es doch nicht so gut passt"-Gedankenspirale gar nicht mehr unter Kontrolle![]()
Ich habe das Gefühl (und das schreibe ich nicht gern, ich schäme mich richtig dafür), dass ich in "schlechten Momenten" richtiggehend Fehler an meinem Freund suche bzw. auf Äußerungen von ihm "lauere", die mir zeigen, dass es doch nicht so gut passt... Ich verliere dann irgendwie auch komplett das Gefühl für ihn, obwohl er so herzlich und liebevoll ist, und weiß dann nicht mehr ein noch aus, d. h. ich kann in diesem Moment dann überhaupt nicht sagen, ob ich ihn mag oder nicht. Ich weiß, das klingt sehr schlimm und in "guten Momenten" ist das auch wieder ganz anders, da kann ich auch herzlich sein und bin überzeugt, dass wir gut passen und dass wir auch für die Unterschiede Kompromisse finden werden, mit denen wir beide leben können.
Meine Recherchen haben ergeben, dass genau das Anzeichen für Beziehungsangst sind. Aber es wird auf vielen Seiten beschrieben, was die Symptome für Bindungsangst sind aber nirgendwo so richtig, was man dagegen tun kann (ok, Psychotherapie, aber gibt es auch kurzfristigere Methoden, die helfen könnten?).
Wenn ich mal ehrlich zu mir bin, ist meine größte Angst, dass ich "zu spät" merken könnte, dass es mit uns beiden nicht passt. Dass ich sozusagen, den richtigen Moment für den Ausstieg verpasse. Und vor lauter Angst davor kann ich das Ganze gar nicht positiv sehen und mir sagen, dass keiner wissen kann, was die Zukunft bringt aber dass ich ja jetzt einfach mal das Hier und Heute genießen kann.
Puh, ich werde schon wieder ganz traurig und ratslos während ich das so schreibe. Hat vielleicht jemand einen Rat für mich, wie man damit umgehen kann und wie man aus dieser negativen Gedankenspirale aussteigen kann?
Achso, bevor jemand sagt "vielleicht passt es ja tatächlich nicht" - wenn ich ehrlich bin, hatte ich genau diesselben Anzeichen auch schon bei den zwei Freunden vor meinem jetzigen Parter in dieser Art. Erst total verliebt, quasi ein "endlich hab ich ihn gefunden" und nach wenigen Wochen "suche" ich dann nach Fehlern, und bewerte kleine Schwächen (wer von uns hat die nicht) sicher auch massiv über.
Vielen Dank und liebe Grüße vom
Wassernixlein![]()
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Ergebnis 1 bis 10 von 73
Thema: Ist das Beziehungsangst?
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29.08.2011, 13:45
Ist das Beziehungsangst?
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29.08.2011, 16:20
AW: Ist das Beziehungsangst?
Auweia... Schön, das mal aus der Perspektive zu lesen. Sonst schreiben immer nur die Partner solcher "Bindungsphobiker "(sorry für das Wort!!). Und ich bin auch eine solche Partnerin...
Ich lese gerade das Buch "Jein!" von Stefanie Stahl, das genau Dein Verhalten beschreibt und auch genau erklärt, warum das so ist, woher das kommt... Es gibt darin auch ein Kapitel, wie die Betroffenen aus dieser Spirale aussteigen können. Diese Seiten hab ich meinem Freund auch kopiert, weil er selbst unglücklich ist mit seinem Verhalten und gerne wüsste, was er tun kann. Wenn es gut läuft mit uns, fängt er ratzfatz an, sich zurückzuziehen. Dann kommen auch Sätze wie "Ich weiß nicht, ob das mit uns passt - wir leben in verschiedenen Welten - und wenn's schiefgeht, stehen wir wieder vor einem Scherbenhaufen, das will ich nicht" usw. Kommt Dir bestimmt bekannt vor...
Ich bin noch nicht tief genug in das Buch gedrungen, um Dir dazu was genaues zu sagen. Aber ich kann Dir nur empfehlen, es zu lesen. Du findest Dich bestimmt an sehr vielen Stellen wieder und verstehst, warum Du so reagierst und findest hoffentlich einen Weg, da wieder rauszukommen...
Ich hoffe, den findet mein Freund auch... Im Moment ist wieder Auszeit-und-Nachdenk-und-Sortier-Phase angesagt, seit Donnerstag hab ich nicht mehr gesehen und gehört
Nur wer riskiert, zu weit zu gehen, kann sehen, wie weit er gehen kann... (keine Ahnung, wer das gesagt hat, aber ich finde den Spruch toll!)
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29.08.2011, 16:36
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29.08.2011, 16:46
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29.08.2011, 16:47
AW: Ist das Beziehungsangst?
Da liegt in meinen Augen schon des Pudels Kern.
Du leitest aus deinem Verliebtheitsgefühl die Überzeugung ab, dass ihr perfekt zusammen passt und suchst nach Argumenten, warum diese Überzeugung richtig sein muss.
Dies ist in meinen Augen ein DENKFEHLER, der dir quasi unterbewusst sofort aufgefallen ist.
Denn: Es kann gar keiner wissen und deshalb gibt es auch gar keine Argumente für und wider, ob er wirklich der richtige für dich ist. Ob er nämlich wirklich der Richtige ist, kann zum jetztigen Zeitpunkt gar nicht entschieden werden. Darüber entscheidet letztlich die Beziehung, die ihr in der Zukunft führen werdet.
Aber jetzt kommt die gute Nachricht:
Du kannst auf diese Beziehung und auf die Zukunft Einfluss nehmen, indem du an sie glaubst. Indem du dir - als kleine Hilfe - vorstellst, dass jemand genau diese Zukunftsprognose abgibt: Ja, es ist der richtige für dich. Und dieser jemand sagt auch: Dass du ihn nicht immer toll findest, dass sich Eure Beziehung verändern wird, dass du nicht immer total verliebt sein wirst, ist normal, ändert aber nichts daran, dass er der richtige für dich ist.
Und du nimmst dir vor: An dieser Prognose zweifel ich nicht innerhalb der nächsten 6 Monate.
Und dann guck mal, was passiert ist. Wann immer dir Zweifel kommen, denkst du: Das entscheidet sich erst in 6 Monaten. Und in 6 Monaten fragst du erneute dein Orakel: Ist er der Richtige? Stell dir das einfach solange vor, bis du es nicht mehr brauchst oder die Antwort anders ausgeht.
Wünsche dir viel Glück
. Ich bin auch eine alte Beziehungsphobikerin (gewesen), habe mir eine ähnliche Methode selbst ausgedacht und es hat funktioniert. Hatte übrigens schon nach wenigen Monaten überhaupt keine Zweifel mehr.
Geändert von sachensagen (29.08.2011 um 17:31 Uhr)
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29.08.2011, 17:20
AW: Ist das Beziehungsangst?
Hallo zusammen,
danke Euch für Eure Antworten
@Bienchen: "Jein" habe ich auch gelesen (und nehme es immer mal wieder zur Hand) und hatte permanent "Aha"-Effekte .... Ich erkenne mich darin so dermaßen wieder, dass es mir manchmal schon unheimlich ist. Vor allem, dass man am Anfang der Beziehung sicher ist, jetzt "Mr. Right" gefunden zu haben und sich dann nach wenigen Wochen einredet, dass er das wohl doch nicht sein kann, weil er ja diese und jene Fehler hat ... haargenau das, was ich mir dann so denke. Und auch, dass man der festen Überzeugung ist, dass beim nächsten Mann ja alles ganz anders sein wird und man nur lange genug nach "Mr. Perfect" suchen muss ... bis die Spirale von neuem beginnt
@sam und monjja: "zu spät", was meine ich damit, gute Frage
. Komischerweise denke ich dabei in erster Linie gar nicht an mich selbst sondern an meinen Partner. Dass ich ihn dann quasi viel zu lange "getäuscht" und hingehalten habe, und dass ich ihn dann furchtbar enttäuschen und verletzen werde, wenn ich ihm erst nach einiger Zeit der Beziehung (in der er sich Hoffnung auf eine langfristige Partnerschaft gemacht hat) sagen muss, dass es mit uns nicht längerfristig funktioniert. Und ihn damit ins Unglück stürze und Erwartungen nicht erfüllen kann. Vermutlich eh eines meiner Kernprobleme: die Erwartungen. Ich möchte es - leider
- gerne immer allen recht machen und kann es nur sehr schwer aushalten, Erwartungen von anderen nicht zu erfüllen. Und bevor ich Erwartungen eben - EVENTUELL - zerstören muss, befreie ich mich lieber schon ganz am Anfang davon, bevor die Beziehung so richtig begonnen hat und ich tief in der Verantwortung stecke... Ist das irgendwie verständlich?
@sachensagen: das ist ein sehr guter Tipp, herzlichen Dank dafür
Du wirst lachen, so etwas ähnliches habe ich mir gestern auch schon ausgedacht: einfach mal für ein paar Monate alle Zweifel beiseite schieben und nach dieser Zeit dann entscheiden, ob es für mich passt oder nicht.
Haltet Ihr es eigentlich für sinnvoll, mit dem Partner über die Ängste und Zweifel zu sprechen? Bisher habe ich das nicht getan, aus Angst, ihn damit total zu überfordern oder zu verletzen. Ich weiß nämlich auch nicht, wie man das jemanden erklären kann, der diese Gedanken nicht kennt... Ich fände es ja auch schlimm zu hören, dass mein Partner sich nicht sicher ist, ob ich überhaupt die Richtige bin, ob er mit meinen Fehlern leben kann etc ... Da fühlt man sich ja die ganze Zeit wie auf dem "Prüfstand", das möchte ich eigentlich vermeiden... Aber ich weiß natürlich auch nicht, inwieweit er das trotzdem mitbekommt oder zumindest irgendwie spürt...
Vielen Dank an Euch, ich freue mich sehr, dass Ihr Euch soviel Zeit für mich zum Antworten genommen habt
Liebe Grüße vom
Wassernixlein
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29.08.2011, 17:20Inaktiver User
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29.08.2011, 17:28
AW: Ist das Beziehungsangst?
Hallo Nasstja,
mit den beiden Freunden davor war ich jeweils nur wenige Monate zusammen (einmal 3 Monate, einmal ca. 9 Monate), eine längerfristige Beziehung hatte ich noch nicht.
Wobei ich rückblickend denke, dass die beiden auch ihrerseites Probleme mit Bindungen hatten und wir uns damit im negativen Sinne "gesucht und gefunden" haben
Der erste Freund hat sich aus "passt nicht"-Gründen von mir getrennt (ist mir damit aber eigentlich nur zuvorgekommen), beim zweiten Freund habe ich aus "passt nicht"-Gründen schlussgemacht (und bin damit ihm bestimmt auch nur zuvorgekommen).
Bei weiteren Kennenlernen bin ich auch sehr oft schon nach dem zweiten oder dritten Date (dann wenn ich gemerkt habe, dass der Mann Interesse hat) "geflüchtet", ich habe teilweise dann auch richtig körperliche Panik-Symptome, inklusive Herzrasen, Magenkrämpfen etc. und "muss aus dieser Situation raus."
Bei meinem jetzigen Freund war ich dann sehr erleichtet, dass wir uns ganz unverkrampft kennenlernen konnten (als Kollegen, ohne sofortigen Fokus auf Beziehung) und dachte, jetzt hätte ich es geschafft. Tja, und jetzt kommen die Zweifel eben hinterher
Viele Grüße vom
Wassernixlein
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29.08.2011, 17:31Inaktiver User
AW: Ist das Beziehungsangst?
Puh, ja, da solltest Du sensibel vorgehen...
Ich kenne die Gefühle die Du beschreibst auch im Ansatz. Ich habe sie dann wenn ich mir jemandes zu sicher bin.
Dann sehe ich ihn auch manchmal einfach kritisch und mir gefällt das ein oder andere nicht. Bei mir ist es aber glaube ich eher ein Problem des Selbstbewusstseins und daher eine Bindungsscheu.
Wenn der andere dann einmal auf Distanz geht (das muss gar nichts mit mir zu tun haben), vielleicht hat er nur beruflichen Stress - dann kippt es und ich habe Angst ihn zu verlieren... Ich glaube in einer gewissen Weise sind Ängste, Sorgen Zweifel am Anfang einer Beziehung normal.
Bei vielem weiss man, dass es eher die eigene Baustelle ist, als dass es mit dem anderen zu tun hat... Zumindest ist die Erkenntnis schonmal ein wichtiger Schritt.
Ich spreche das schon an, dass ich manchmal eine gewisse Verlustangst habe ( was ja auch eher ein Kompliment an den Partner ist
). Wenn ich Zweifel habe, äussere ich die auch aber nur seeehr vorsichtig. Denn das kann ja verletzen.
Andererseits zeigen sie ja auch, dass man es eigentlich ernst meint.
Ich selbst rufe mir manchmal insgeheim "Selbstbewusstsein" zu, wenn ich gerade einen schwachen Moment habe. Und ich gebe mir Mühe, meine Ängste auszuhalten.... Sie sind nicht allbeherrschend, aber ja, es gibt sie ...
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29.08.2011, 17:39
AW: Ist das Beziehungsangst?
Super! Dann probiere es einfach aus!
Nein. Es gibt keinen Grund dafür. Möglicherweise würdest du damit ein Fass aufmachen, ein Problem künstlich für ihn erzeugen. Und wenn du das, was du dir gestern selbst überlegt hast - die Zweifel einfach mal da zu lassen wo sie sind - beherzigst, dann sollte das erstmal gar kein Thema mehr sein, weder für dich und schon gar nicht für ihn!Haltet Ihr es eigentlich für sinnvoll, mit dem Partner über die Ängste und Zweifel zu sprechen? Bisher habe ich das nicht getan, aus Angst, ihn damit total zu überfordern oder zu verletzen. Ich weiß nämlich auch nicht, wie man das jemanden erklären kann, der diese Gedanken nicht kennt...
Es ist normal, dass man sich nicht sicher ist. Ihm wird es nicht anders gehen.Ich fände es ja auch schlimm zu hören, dass mein Partner sich nicht sicher ist, ob ich überhaupt die Richtige bin, ob er mit meinen Fehlern leben kann etc ... Da fühlt man sich ja die ganze Zeit wie auf dem "Prüfstand", das möchte ich eigentlich vermeiden... Aber ich weiß natürlich auch nicht, inwieweit er das trotzdem mitbekommt oder zumindest irgendwie spürt...
Du weißt doch z.B. auch nicht, ob du den Job, den du machst, bis ans Ende deines Lebens gerne machen wirst? Und hast du Angst, dass dein ARbeitgeber das spüren könnte? Und es ihn verunsichern oder verletzen könnte? Nein?
Geh davon aus, dass er dich auch "prüft" - und lass es dir einfach gefallen. Er darf das, du darfst das auch. Es ist nicht dramatisch. Ihr seid beide erwachsen, ihr werdet beide mit evtl. Verletzungen fertig.
Woher kommt eigentlich dein Wunsch, ihn zu schonen? Und warum hast du keine Angst, dass er vielleicht dich nicht für die Richtige halten könnte? Oder hat dein Zweifel mit genau dieser Angst zu tun und lenkt dich davon ab?


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