Liebe Brigitte Community,
ich lese jetzt schon seit einiger Zeit mit und habe mich nun entschieden, selbst aktiv zu werden. Es wäre schön, wenn ihr ein paar Tipps hättet.
Ich bin Ende 20 und seit Jahren mit meinem Freund zusammen. Wir hatten lange Zeit eine Fernbeziehung, haben aber auch immer wieder zusammengelebt. Nun steht allmählich die Entscheidung an, wie es weitergehen soll. Das heißt, ob wir einen Kompromiss schließen und zusammen in eine uns unbekannte Stadt ziehen oder ob jeder von uns bleibt, wo er ist (was letztlich hieße, wir trennen uns). In dieser Stadt hätten wir wohl die Möglichkeit, beide einen Job zu finden, sicher ist das jedoch nicht und es wäre zunächst mit mindestens einem weiteren Jahr Fernbeziehung verbunden. Es gibt daneben keine andere Möglichkeit, außer einer von uns gibt seine Berufspläne komplett auf, was für keinen von uns in Frage kommt. So viel zur Ausgangslage.
Mein Freund liebt mich über alles, er bringt mich zum Lachen, ich kann bei ihm ich selbst sein, ich kann mir ihm über alles reden und ich vertraue ihm uneingeschränkt. Natürlich haben wir unsere Probleme (abgesehen von den komplizierten Umständen), aber ich denke, das ist nach einer so langen Beziehung normal.
Nur gibt es ein großes Problem: ich bin nicht wirklich glücklich. Seit 2 Monaten (genau seit wir wieder einmal für ein knappes Jahr zusammenleben) denke ich fast jeden Tag, wie schön es wäre, einfach in meine Heimatstadt zu ziehen und mein Leben leben zu können. Wenn er vom Heiraten spricht, fühle ich mich total unwohl und denke bloß, o Gott, er will mich doch hoffentlich nicht fragen, ich bin nicht bereit. Wenn er sagt, seine Mutter meinte, ich gehöre ja jetzt zur Familie, freut mich das nicht, sondern führt bei mir eher zu Beklemmung. Es läuft wirklich gut zwischen uns, aber vielleicht sind es die Umstände (d.h. dass ich vieles aufgeben müsste für unsere Beziehung und zunächst wieder nur Ungewissheit hätte, ob es jobmäßig klappt) oder vielleicht sind meine Gefühle einfach nicht stark genug. Jedenfalls kann ich nicht mit 100%iger Gewissheit sagen, dass ich ihn liebe und mit ihm zusammenbleiben will. Was ich mir allerdings selbst kaum eingestehen mag, denn man wirft so etwas doch nicht einfach weg. Ganz abgesehen davon, dass ich ihm auf keinen Fall wehtun möchte. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Ich weiß nur, dass am Ende dieses Jahres eine Entscheidung ansteht, in welche Richtung mein Leben gehen soll und ob ich bei ihm bleibe oder nicht.
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 20
Thema: Gehen oder bleiben?
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22.11.2010, 11:33
Gehen oder bleiben?
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22.11.2010, 11:36
AW: Gehen oder bleiben?
Was fühlst du denn bei dem Gedanken er käme heut abend nicht mehr nach hause?
Heute nicht und nie mehr.---
In der Wut verliert der Mensch seine Intelligenz.
Dalai Lama
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22.11.2010, 12:13
AW: Gehen oder bleiben?
Vielleicht nicht so extrem. Vielleicht nur "wie fühlst du dich bei dem Gedanken, er käme heute abend bei dir zu Besuch als bester Freund und du hättest einen anderen Mann an deiner Seite".
Es klingt in meinen Ohren nach einer tiefen Freundschaft. Reicht dir das, um dein Leben mit ihm zu verbringen?
Warum kannst du "dein Leben" nicht woanders mit ihm leben - oder gehört er nicht zu deinem Leben dazu? Oder liegt es "nur" an seiner Familie, wenn du Beklemmungen fühlst?Ich habe den K(r)ampf mit den deutschen Artikel(n) aufgegeben!
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22.11.2010, 15:29
AW: Gehen oder bleiben?
Und warum muss die Entscheidung unbedingt jetzt fallen? Zur Not kann man auch noch 1 oder 2 Jahre Fernbeziehung leben!?
Islabonita
Moderation im Freundschaftsforum, Umgangsformen, Familiensache, Mietforum und in Rund um die Bewerbung - ansonsten normale Userin
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22.11.2010, 15:42Inaktiver User
AW: Gehen oder bleiben?
Auf jeden Fall musst du das ernstnehmen.
Für mich handelt dein Post in erster Linie davon, dass du einen ganz starken Wunsch hast, der anscheinend nicht kompatibel mit deiner Beziehung ist: Einfach dein Leben zu leben...
So gesehen könnte es sein, dass sich deine Innere Stimme weniger gegen deinen Freund richtet, als vielmehr etwas für dich einfordert. Du schriebst ja auch, du hast viel aufgegeben für die Beziehung. Anscheinend will ein Teil deiner Persönlichkeit aber mehr Gewichtung auf deine Bedürfnisse.
Deshalb würde ich mich darauf konzentrieren, was deinem ICH fehlt außerhalb der Beziehung und wie du das bekommen kannst. Möglicherweise muss die Beziehung nochmal neu geordnet werden, damit du dich wohler fühlst.
Mein Tipp also: Sei egoistischer, etwas in dir fordert das vehement ein! Und dann erst schau, ob das mit deiner Beziehung kompatibel ist. Möglicherweise hat dein Freund ja kein Problem, wenn du egoistischer bist und ihr (oder erstmal du allein) z.B. in deine Heimatstatdt zieh(s)t.
Viel Glück
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23.11.2010, 09:54
AW: Gehen oder bleiben?
Vielen Dank für Eure Antworten.
Zur ersten Frage: Wenn ich ganz ehrlich bin, dann denke ich immer mal wieder, dass mir genau das nicht so viel ausmachen würde. Wenn nur die Beziehung beendet wäre, ich ihn nicht damit konfrontieren müsste, dass ich nicht mehr weitermachen will und ich ihm nicht wehtun müsste. Kann man vor dem Schluss machen Angst haben, weil man den anderen nicht verletzen will?
Ich habe bereits einmal Schluss gemacht, danach war ich (nach einer kurzen Trauerphase) der glücklichste Mensch und fühlte mich wie befreit. Er hat dann jedoch alles versucht, um mich zurückzubekommen und so haben wir beschlossen, es wieder zu versuchen. Nur dass unsere Fernbeziehungs- / Zusammenziehprobleme leider nicht gelöst wurden.
Dann kommen natürlich noch weitere Gedanken dazu, zum Beispiel dass ich Angst habe, es später zu bereuen. Wir haben eigentlich eine so tolle Beziehung. Wer weiß, ob ich so etwas noch einmal finde. Und was, wenn er meine große Liebe ist, die ich damit kaputt mache?
Andererseits: die Entscheidung muss im nächsten Jahr fallen. Ich muss meine endgültige Berufsentscheidung treffen und kann diese nicht durch eine weitere befristete Übergangsbeschäftigung hinauszögern. Er kann definitiv in meiner Heimatstadt keinen Job finden, sondern maximal 300km entfernt (wenn nicht noch weiter). Auf die Dauer ist das so kein Zustand. Und derzeit ist er noch bei seinem Arbeitgeber in einem festen Vertrag, den man nicht einfach so kündigt. Mein Vertrag (in seiner Heimatstadt) läuft in 8 Monaten aus und ich denke nicht, dass ich ihn verlängern will, da ich hier einfach nicht wirklich glücklich bin. Er muss aber noch weitere 2 Jahre hier bleiben. Und selbst danach ist es nicht sicher, dass es klappt, gemeinsam an demselben Ort einen Job zu finden. Es ist alles mit so viel Unsicherheit verbunden und ich befürchte auch, dass es mir dort dann vielleicht genauso wenig gefällt wie hier..
Wenn ich mich also dafür entscheide, in meine Heimatstadt zu ziehen, entscheide ich mich definitiv gegen unsere Beziehung.
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23.11.2010, 13:45Inaktiver User
AW: Gehen oder bleiben?
Liebe Nadja,
nach deinem letzten Post liegt für mich klar auf der Hand, wohin es dich zieht.
Es ist alles immer mit sehr viel Unsicherheit verbunden, das liegt in der Natur unseres begrenzten Lebens und darin, dass man nicht in die Zukunft schauen kann.
Um so etwas wie Sicherheit empfinden zu können, müssen wir uns möglichst so entscheiden, dass wir ein gutes Gefühl dabei haben.
Sicherheit entsteht nur aus dir selbst heraus, und nicht, weil du eine gute Beziehung hast.
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23.11.2010, 14:32
AW: Gehen oder bleiben?
Du bist mit ihm zusammen, weil Du ihn nicht verletzen willst? Weil es sicher unangenehm ist, sich dem Trennungsgespräch zu stellen? Du warst glücklich als ihr getrennt wart? Du hast Panik, wenn er von Hochzeit und gemeinsamer Zukunft spricht?
Man - genau das hätte ich vor 2,5 Jahren auch schreiben können.
Mir war damals KLAR, dass ich mir mit meinem damaligen Freund keine Zukunft vorstellen kann - und ich habe Panikattacken gekriegt, wenn er damit angefangen hat.
Mir gings besser, wenn er nicht da war - weil er mich durch seine Erwartungen unglaublich unter Druck gesetzt hat!
Ich habe mich damals getrennt - und es war nicht leicht. Aber mir war klar: Ich liebe diesen Mann nicht! Und da fand ich es ihm gegenüber unfair, weiter die Freundin zu spielen - und mich aber insgeheim nach was ganz anderem zu sehnen!
Mir wurde damals klar, dass ich nur 1 Leben habe - und auch nicht jünger werde. Ich habe mich getrennt - und meinem Ex, so hart das klingen mag - nur ganz wenige Tränen hinterhergeweint. Irgendwo gibts auch noch meinen Strang (irgendwas mit "ich bin die böse").
So hart es im ersten Moment auch war - es war die richtige Entscheidung. Ich habe jetzt einen Partner, mit dem ich auch nach vorne schauen kann, der mich unterstützt und nicht einengt!
Ich weiß, bei eurem Problem ist immer noch die berufliche Komponente dabei - aber ich galube, das eigentliche Problem liegt tiefer!Ich hab meine Ernährung umgestellt.
Die Chips stehen jetzt links von der Tastatur.
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23.11.2010, 17:27Inaktiver User
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25.11.2010, 15:38
AW: Gehen oder bleiben?
Ich glaube, ihr habt recht. Es geht wohl wirklich um mehr als nur das Berufliche und mit 100%iger Sicherheit kann ich nicht sagen, dass er für mich "der Eine" ist und ich ihn liebe und für immer mit ihm zusammen sein will. Und wahrscheinlich ist genau das das Problem. Dass ich mich frage, soll ich DAFÜR alles aufgeben?
Wenn ich nur nicht immer so unentschieden wäre. Dann läuft es wieder ganz gut und ich denke, vielleicht ja doch..?? Aber wenn er mir voller Überzeugung sagt, wie sehr er mich liebt, fühle ich mich auch oft eingeengt und unter Druck. Vielleicht bin ich auch einfach nicht der Romantiker, der für die Liebe alles stehen und liegen lässt? Entweder das oder die Liebe ist nicht groß genug.
Nun kommt noch das Problem dazu, dass ich nicht von jetzt auf gleich sagen kann, ich will nicht mehr, da ich hier einen festen Job habe, den ich nicht vorzeitig kündigen kann. Ich sitze hier also einstweilen fest. Also muss ich mich zunächst auf jeden Fall noch arrangieren und habe Zeit, nachzudenken und hin und her zu schwanken, was ich tun soll.
Wieso ist das Erwachsensein nur so kompliziert?


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