Hallo in die Runde,
auch ich hätte gerne mal eine Einschätzung zu meiner Beziehung von Leuten, die mich im realen Leben nicht kennen
Ich bin seit drei Jahren mit meinem Freund zusammen, seit einem Jahr wohnen wir auch zusammen. Er ist ein sehr liebevoller, emotional fürsorglicher Partner und plant auch eine gemeinsame Zukunft mit mir (die Anspielungen auf einen baldigen Heiratsantrag werden immer häufiger). Auch ich liebe ihn und will meine Zukunft mit ihm verbringen. Kinder sind auch unser gemeinsamer Wunsch.
So weit, so gut...
Wenn (tja, gibt es nicht meistens ein 'wenn'?) da nicht dieses eine Problem wäre, das uns fast schon unsere ganze Beziehung lang begleitet.
Er hatte, als wir uns kennengelernt haben, keinen festen Job und hat freiberuflich (teils recht erfolgreich, aber dann auch wieder mit langen Durststrecken) gearbeitet. Je länger wir zusammen waren und je klarer wurde, dass das auch so bleiben soll, so mehr ist in mir das Bedürfnis nach einem festen Job für ihn gewachsen (ich sage bewusst "in mir" - bei ihm kam dieses Bedürfnis erst viel später). Das hat immer wieder zu heftigen Streitereien geführt, einige Male standen wir ganz schön auf der Kippe. Schlussendlich hat er dann auch (nicht nur mir zu liebe, wie er betont) einen festen Job gefunden, mit gutem Gehalt, unbefristet, etc. Nur leider ist er darin (und das kann ich verstehen, die 'Rahmenbedingungen' sind nicht so prickelnd) nicht besonders glücklich und schließt deshalb nicht aus, nochmal zu wechseln.
Leider belastet mich die Situation immer noch so - trotz momentan festem Job - dass ich den Rest der Beziehung im Moment nicht immer voll "genießen" kann. Ich habe mega Angst davor, dass er den Job verliert/kündigt und wir dann wieder vor diesem Riesenproblem Jobsuche/Arbeitslosigkeit stehen. Habe ich einfach ein zu hohes Sicherheitsbedürfnis? Warum hat dieses Kriterium "fester Job" so einen unheimlich hohen Stellenwert für mich? Sollte vielleicht noch dazu sagen, dass ich auch beruflich relativ gut "situiert" bin (promoviert und feste Stelle), am finanziellen kann es eigentlich nicht liegen...
Kennt das jemand oder hat sowas ähnliches schon mal erlebt? Ich möchte einfach diese ständige Angst loswerden und meine (ansonsten ja wie gesagt sehr schöne) Beziehung genießen können...
Danke für's Lesen![]()
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 45
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04.08.2010, 18:50
Meine Erwartungen/Sicherheitsbedüfnis
"Entweder ich mache mir Sorgen oder was zu essen" 
(Ildikó von Kürthy, Blaue Wunder)
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04.08.2010, 21:13
AW: Meine Erwartungen/Sicherheitsbedüfnis
Hallo Laoca,
meiner Ansicht nach sollgte niemand in einem Job bleiben, der ihm/ihr dauerhaft keinen Spaß macht. Jedenfalls sollte der Job nicht unglücklicn machen - regelmäßiges Geld ist schön und gut, aber nicht zu jedem Preis. Meine Ansicht. Falls er also wechseln will, solltest Du ihm das nicht madig machen. Zumal: Jobs kann man auch unfreiwillig verlieren, nicht nur durch eigene Neuorientierung... und wenn Du da ständig drüber nachgrübelst und Angst hast (tja - vor was eigentlich? Euch geht's doch gut? Verhungern tut Ihr schon nicht gleich, zumal ja zwei Einkommen da sind) - damit nimmst Du Dir doch selber was weg...?
Ich war früher auch jahrelang freiberuflich unterwegs mit allen Pros und Contras, jetzt bin ich fest angestellt, mit allen Pros und Contras - derzeit überwiegen die Pros, auch wenn ich nicht voll zufrieden bin. Hätte mein Lebensgefährte jemals von mir gefordert, es anders zu machen, wäre das nicht gut gekommen - zumal ich (zwar auf niedrigerem Niveau als jetzt) immer für alle meine Kosten selber aufkommen konnte.
Absolute Sicherheit kann Dir keiner geben. Sicher ist nur eins: irgendwann sterben wir alle. In diesem Sinne meine ich: Du kannst Dich vielleicht auch schlicht dafür entscheiden, diese Angst nicht zuzulassen. Sorgen und Gedanken machen kannst Du Dir immer noch genug, wenn es konkreten Anlass gibt - aber den hast Du doch derzeirt gar nicht? Was soll er denn noch machen? Er HAT doch den festen Job. Und wenn er sich was Neues suchen will: sein gutes Recht und keineswegs einen Weltuntergang oder eine Beziehungskrise wert.
Mach Dich ein bissi locker.
“Sometimes I think the surest sign that intelligent life exists elsewhere
in the universe is that none of it has tried to contact us.” (aus Calvin & Hobbes)
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04.08.2010, 21:26
AW: Meine Erwartungen/Sicherheitsbedüfnis
Du willst deine Zukunft mit ihm verbringen, aber nur, wenn er einen festen Job hat?? Würde für mich heissen: Du gestehst ihm keine eigene Meinung/Entwicklung/Veränderung zu.
Man kann doch nicht sein ganzes keben auf der Stelle stehen. Du wirst dich weiterentwickeln und verändern, andere Schwerpunkte setzen, neue Interessen finden. Auch deinem Freund wird es so gehen. Das Abenteuer des gemeinsamen Lebens ist doch, diese neuen Wege und Entwicklungen gemeinsam zu gehen. Wenn du deinen Freund liebst, sollte dir doch sein Glück am Herzen liegen? Und wenn sein Glück in der freiberuflichen Tätigkeit ist, so musst du eben ein Stück mehr Verantwortung tragen und vielleicht streckenweise für euren lebensunterhalt sorgen. Na und? Wozu hast du denn gelernt und promoviert? Um dich als Hausmütterchen von deinem Mann versorgen zu lassen????
Und außerdem: auch ein guter unbefristeter Job schützt einen heutzutage nicht vor Arbeitslosigkeit! -Ist also für das Sicherheitsbedürfnis auch nicht besser, realistisch betrachtet.
Gruß
Schnurpsel
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04.08.2010, 21:47
AW: Meine Erwartungen/Sicherheitsbedüfnis
Hallo Ihr beiden,
danke für Eure Antworten. Ihr habt vollkommen Recht - ich muss einfach versuchen, Veränderungen und auch Unsicherheiten im Leben lockerer zu nehmen bzw. einfach mal auf mich zukommen zu lassen. Ist wohl nicht gerade meine Stärke...den Mut, auch mal nicht den ganz geraden und sichersten Weg zu gehen, hatte ich halt nie (war immer sehr "brav" und hab' halt mein Ding gemacht, bis hin zum Dr.Titel...) Wahrscheinlich könnte/sollte ich mir da von meinem Freund was abschauen!
Und nein, als "Hausmütterchen" sehe ich mich nicht, ich will schon auch arbeiten und Karriere machen - aber trotzdem habe ich irgendwie das Gefühl, diese Sicherheit eines festen Jobs meines Partners zu brauchen. Schon beim Schreiben kommt mir das doof vor...
Mein vorheriger Freund war übrigens das genaue Gegenteil - da "stimmte" das berufliche Umfeld (eher so in meiner Richtung), dafür war der emotional total unzuverlässig und hat mir nie das Gefühl gegeben, dass ich das Wichtigste für ihn bin. Hat mich dann auch von einem Tag auf den anderen ohne jegliche Vorwarnung sitzen lassen.
das hat auch lange gedauert, bis ich meinem jetzigen Freund geglaubt habe, dass er das *nicht* macht...
"Entweder ich mache mir Sorgen oder was zu essen" 
(Ildikó von Kürthy, Blaue Wunder)
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04.08.2010, 21:50
AW: Meine Erwartungen/Sicherheitsbedüfnis
P.S. Vielen mögen meine Bedenken sicherlich trivial vorkommen, was ich auch irgendwie verstehen kann. Trotzdem danke für die Antworten, es tut wirklich gut, das man ganz objektiv gesagt zu bekommen!
"Entweder ich mache mir Sorgen oder was zu essen" 
(Ildikó von Kürthy, Blaue Wunder)
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04.08.2010, 21:50
AW: Meine Erwartungen/Sicherheitsbedüfnis
Das klingt doch ein bißchen zu sehr nach einem ungerechtfertigten Vorwurf. Denn eines ist klar: wenn Kinder geplant sind, bleibt sie mit hoher Wahrscheinlichkeit zumindest eine Weile zu Hause. Wenn er sich als Freiberufler nicht sehr gut steht, kann das zu empfindlichen finanziellen Einbußen führen.
Auf der anderen Seite kann er als Freiberufler vielleicht seine Zeiten so legen, daß er mehr Kinderbetreuung übernehmen kann, als wenn er in einem festen Job zu bestimmten Zeiten anwesend sein muß.
Aber sich bei Kinderwunsch den Vorwurf anzuhören, man lege es darauf an ein Hausmütterchen zu werden, finde ich schon sehr unfair. Ich sehe in meinem Umfeld genug promovierte Mütter, die wirklich strampeln wie verrückt, um Kinder und Karriere zu vereinen.
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04.08.2010, 21:57
AW: Meine Erwartungen/Sicherheitsbedüfnis
Nee, das ist schon das Problem heutzutage - einerseits ist einem die Karriere wichtig, andererseits ist es total out, wenn man sich gerne auch ein wenig "versorgt" sehen will...das ist aber gar nicht so mein Problem.
Ich kenne/kannte ein Paar, da hat sie sich von ihm getrennt, weil er ihr nicht garantieren konnte/wollte, dass er sie mit Kindern ganz allein versorgen kann und sie den Rest ihres Lebens daheim bleiben kann...das find' ich schon krass, das würd' ich nun wirklich nicht von meinem Partner verlangen.
Ich glaub' wie gesagt auch, dass bei mir die finanzielle "Versorgung" überhaupt nicht das eigentliche Thema ist, sondern der (wohl unrealistische) Wunsch nach Beständigkeit und Sicherheit allgemein. Hat sicher auch mit meiner früheren Trennung und der Trennung meiner Eltern zu tun, der auch jahrzentelange Krisen vorausgegangen sind. Dass mir das kein Partner hundertprozentig geben kann, sehe ich (rational betrachtet
) auch ein...
"Entweder ich mache mir Sorgen oder was zu essen" 
(Ildikó von Kürthy, Blaue Wunder)
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04.08.2010, 22:01
AW: Meine Erwartungen/Sicherheitsbedüfnis
Hallo Laoca,
grad war mein bester Freund bei mir.
Er hat jetzt, mit grad 40 geworden, diese Woche seinen gutbezahlten, festen,
totlangweilig-frustrierenden job gekündigt und fängt bei einem (hoffentlich) aufstrebendem, jungen unternehmen mit einem- sagen wir mal außergewöhnlichem- firmenkonzept an.
Seine freundin, konservative Lehrerin ihres Zeichens, hat damit reichlich Kopfschmerzen.
Ich kann sie (und dich) schon ein bisschen verstehen.
Aber er redete schon lange bevor er sie kannte davon, wie unzufrieden er ist,
dass er nochmal was anderes machen will, dass er das gefühl hat er verstaubt...
und wenn das krachen geht... dann sucht er sich was neues, anderes,
ich trau ihm zu, dass er immer wieder auf die beine kommt.
er ist fleißig, zuverlässig, engagiert, gewinnend.
Er wird nie und nimmer als phlegmatischer langzeitarbeitsloser enden,
er ist sich auch für "niedere" Tätigkeiten nie zu schade gewesen, hat damals für sein traumauto nebenbei gegärtnert und zementsäcke geschleppt, neben der 40 stunden woche...
Hätte er's nicht jetzt getan hätte er es nie getan.
und ein bisschen muss man schon ins leben (und auch in die liebe) vertrauen.
Ohne vertrauen keine enttäuschung, klar.
Aber nur mit vorbehalt auch kein gewinn ;)---
In der Wut verliert der Mensch seine Intelligenz.
Dalai Lama
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04.08.2010, 22:28
AW: Meine Erwartungen/Sicherheitsbedüfnis
Kreisch! Ich ich denke immer, diese Frauen sind schon ausgestorben...

Ich würde dieses Gefühl auch gar nicht einfach abtun. Es hat ja viel damit zu tun, wie Eure Rollenbilder sind, wie lange Du Dich um ein Kind kümmern möchtest, ob genug Geld im Hintergrund ist, daß Ihr vielleicht auch beide gemeinsam eine Weile Elternzeit haben könnt.
Eine Freundin von mir ist erfolgreiche Wissenschaftlerin mit einem nicht ganz so erfolgreichen Wissenschaftlergatten. Jeder hat immer erwartet, daß sie sich die Brutpflege teilen würden, wenn es erstmal so weit ist. Statt dessen hat sie nun die klassische Doppelbelastung mit erhöhtem Schweregrad, weil er eine Stelle an einer Uni ein paar Autostunden entfernt annehmen mußte. Aber schon als er noch die ganze Woche zu Hause war, hatte sie den Haushalt neben ihrer vollen Stelle.
Wenn Dein Freund sich jetzt selbstständig macht wird er ja wahrscheinlich eine Weile brauchen, bis der Betrieb wirklich läuft. Was, wenn er dann erst mal unendlich strampeln muß, um etwas zum Familieneinkommen beizutragen? Alles keine unwichtigen Fragen.
Abwr ich finde, Du schilderst Eure Beziehung so positiv und Eurer selbst sicher, daß ich überhaupt keine Zweifel habe, daß Ihr mit ein bißchen Brüten eine gute Lösung findet.
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05.08.2010, 00:10
AW: Meine Erwartungen/Sicherheitsbedüfnis
Ich habe vor kurzem hier einen Thread eröffnet, der zwar thematisch etwas anders gelagert ist, aber mein Problem liegt auch in der Freiberuflichkeit meines Partners, insofern kann ich deine Ängste und Bedenken nachvollziehen.
Allerdings ist das in meinen Augen auch immer eine Frage des Typs, wie sicher man in der Selbstständigkeit ist. In meinem Bekanntenkreis gibt es einige freiberuflich tätige Ingenieure, die mit einem festen Job keinen Vorteil hätten. Einer musste sogar kürzlich seine Zweitfirma verkaufen, die aus einem kleinen Projekt entstanden war, weil sie so gut lief, dass er sich nicht mehr genug darum kümmern konnte.
Wie schon geschrieben, kann ich deine Bedenken verstehen, denke aber eher dass sie irrational sind: du schreibst ja selbst, dass seine Selbstständigkeit teilweise sehr erfolgreich lief. Zudem scheint es ja auch nicht so problematisch gewesen zu sein, eine feste Anstellung zu finden.
Aus diesem Hintergrund sehe ich darin auch kein großes Risiko.
Ich finde es aber wichtig, darüber zu sprechen und auch Vereinbarungen zu treffen, die für beide OK sind.


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