Ich habe irgendwie zwiespältige Gefühle meinem Mann gegenüber und fühle mich in meiner Ehe nicht mehr richtig wohl.
Wir sind seit 3 Jahren verheiratet und haben eine 2 jährige Tochter. Vor der Ehe waren wir mehr oder weniger 10 Jahre zusammen. Ich war mir eigentlich von Anfang an sicher, dass er "der Eine" ist, aber er brauchte viel Zeit und so haben wir uns während der der 10 Jahre "Vorlaufzeit" auch des Öfteren getrennt. Seit wir aber verheiratet sind, gibt es (von Seiten meines Mannes) aber kein Wenn und Aber mehr.
Wir hatten eine sehr leidenschaftliche Beziehung mit viel Sex, sind viel gereist. Trotzdem waren wir immer schon sehr unterschiedlich von den Charakteren her und jeder hat mehr oder weniger sein Ding gemacht, was okay war.
Dann kam vor 2 Jahren unsere Tochter zur Welt und es hat sich einiges geändert. Meine ganze Welt hat sich aus den Angeln gehoben und ich musste mich plötzlich mit einem völlig neuen Leben auseinander setzen, d.h. ich war zuhause mit dem Baby und mein Mann ging weiter arbeiten. Ich war während der ersten Zeit überhaupt nicht glücklich, fühlte mich allein, überfordert, genervt und habe meinem Mann viele Vorwürfe gemacht. Die erste Zeit hat er wirklich viel mit unserer Tochter gemacht, nach einigen Monaten hat es sich so eingependelt, dass ich die Hauptverantwortliche war und er sich um sie gekümmert hat, wenn er Lust hatte. Ich habe ihn in der ersten Zeit soooo beneidet, dass er zur Arbeit gehen durfte und damit praktisch sein Leben weiter leben durfte.
Gut, mittlerweile hat sich das auch eingependelt (d.h. ich habe mich mit der Situation abgefunden) und unsere Tochter ist ja nun auch selbstständiger und ich genieße meine Zeit mit ihr (und arbeiten tue ich jetzt auch wieder in Teilzeit).
Wir streiten uns sehr oft wegen Erziehung, denn wir haben da total unterschiedliche Ansichten, und er hat natürlich immer recht. Er ist sehr streng und erwartet meiner Meinung nach viel zu viel von unserer Tochter, so ist er auch aufgewachsen.
Ich könnte da immer in die Luft gehen, denn ich bin ja die meiste Zeit mit unserer Tochter zusammen und nicht er, er war noch nie auch nur 12 Stunden allein mit ihr. Höchstens mal für ein paar Stunden. Ein weiterer Streitpunkt ist das Finanzielle. Wir haben jeder ein eigenes und ein gemeinsames Konto und fast jeder Euro wird kategorisiert. Ich fühle mich so, als müsste ich jeden Euro, den ich ausgebe, rechtfertigen. Er will da sicher nichts Böses und hält unsere Finanzen zusammen, aber fühle mich total kontrolliert. Natürlich haben wir darüber gesprochen, aber was kann ich gegen das Argument "So halten wir unser geld zusammen, damit wir später eine gute Rente haben und ein Haus kaufen können"???da hat er ja Recht, trotzdem bleibt dieser schale Geschmack im Mund.
Weiterer Knackpunkt: seitdem unsere Tochter auf der Welt ist, habe ich keine Lust mehr auf Sex. Absolut nicht. Mein Mann ist total unzufrieden, kauft mir auch desöfteren schicke Unterwäsche und ist lieb zu mir, nur mehr Lust habe ich dadurch auch nicht. Ich bin abends immer so erschlagen und müde, dass ich nur noch schlafen (oder vielleicht lesen, fernsehen will). Es gibt sicher noch andere Gründe. Ich fühle mich irgendwie so eingeengt, kritisiert etc.. Ich weiß auch nicht. Ich liebe meinen Mann und bin im Prinzip glücklich, wenn wir zusammen sind, aber eben doch nicht ganz.
Ich würde auch so gerne mal wieder wegfahren, übers Wochenende, oder auch mal nur einen Abend/Nacht (ohne unsere Tochter), so dass wir allein sind, aber dafür haben wir dann kein Geld. Und wenn wir über Urlaub reden, schlägt mein Mann Camping im März vor. Nein Danke.
Bei uns liegt einfach so viel im argen und die Seiten sind so fest gefahren, ich kann mit mit meinem Mann gar nicht reden. Er hört dann zwar zu, aber das geht in ein Ohr rein, am anderen raus und dann kommt wieder das "Aber".
Und dann kommt das große Finale: mein Mann möchte unbedingt noch ein Kind, ich aber auf gar keinen Fall. Als wir geheiratet habe, wollte ich auch noch 2 Kinder, aber nachdem ich die Erfahrung gemacht habe, wie es mit einem Kind ist, will ich keins mehr. Ich liebe unsere Tochter, die lieb und unkompliziert ist, aber eins reicht mir einfach. Ich will auch meine Freiheit nicht wieder (wenn auch nur vorübergehend) aufgeben. Da steht mir noch was bevor, denn die Diskussion steht an.
Da gibt es ganz schön viele Baustellen, was?
Danke, dass ihr mir zugehört habt.
Eure Blattpflanze![]()
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 91
-
13.01.2009, 15:04
Fühle mich in meiner Ehe nicht mehr richtig wohl
-
13.01.2009, 15:11Inaktiver User
AW: Fühle mich in meiner Ehe nicht mehr richtig wohl
ich lese und ich sehe mich vor gefühlten tausend jahren.
was ich dir empfehlen kann: mache für dich, ohne grosse ankündigung oder trara einen termin bei pro familia.
einen beratungstermin für dich. rede mit jemandem. ich habe damals 3 termine gebraucht um für mich wieder eine linie zu finden.
mit anlaufstellen und adressen in meinem umfeld.
mir hats geholfen
pro familia hat mehr zu bieten als schwangerschaftskonfliktberatung.
die sind richtig gut.
wenn ihr sowas bei euch nicht habt- das örtliche oder nächstgelegene frauenbüro.
-
13.01.2009, 16:33Inaktiver User
-
13.01.2009, 21:44Inaktiver User
AW: Fühle mich in meiner Ehe nicht mehr richtig wohl
dann fahre über's Wochenende eine Freundin oder Verwandtschaft besuchen - ohne Kind natürlich.er war noch nie auch nur 12 Stunden allein mit ihr.
und "fordere" auch sonst ein, dass er sich beteiligt und immer mal wieder das Kind hat - und Du ein paar freie Stunden ganz für Dich.
und auch Zweisamkeit sollte sein - wie verlaufen die Abende, gibt es Babysitter, Großeltern, andere Eltern aus der Kita, mit denen Ihr mal Kinder tauschen könnt?
dass Du unter diesen Umständen keine Lust auf Sex hast, finde ich völlig klar.
aber das ist für Männer leider oft ein Knackpunkt - anstatt dass sie mal von der anderen Seite kommen
und ansonsten schließe ich mich brighid an - hol' Dir Hilfe.
und mache Deinem Mann klar, dass es 5 vor 12 ist !
nachdrücklich.
Alles Gute,
Gruß, Leonie
-
14.01.2009, 09:39
AW: Fühle mich in meiner Ehe nicht mehr richtig wohl
Liebe Blattpflanze,
erstmal auch von mir mein Mitgefühl!!
Die Themen, die du beschreibst, sind die typischen Dauerbrenner in vielen Ehen! Erziehung, Geld, Sex, Rollenaufteilung.
Ich glaube, viele von uns haben die Erfahrung gemacht, dass "vor" der Familie ganz andere Vorstellungen bei beiden Partner bestanden als dann "in echt". Von "wir teilen uns alles partnerschaftlich" bis "ich bin der Hauptverdiener und der Papi für die schönen Zeiten" ist es leider oft ein nicht allzu weiter Weg. Die Frau kümmert sich mehr um das Kind, der Mann arbeitet mehr, macht auch häufig in dieser Zeit einen Karriereschub, während Mutti leider ins Hintertreffen gerät. Um des lieben Frieden willens sagt sie nichts, und somit geht die Entwicklung immer weiter.
Es ist ja auch eine riesige Enttäuschung, die du da erlebst, man fühlt sich unverstanden und auch noch bevormundet.
Es hilft nichts, du musst mit deinem Mann Klartext reden!!
Ich finde, es geht gar nicht, dass er finanziell Druck auf dich ausübt, ihr wolltet es doch beide so haben. Also muss m. E. "alles in einen Topf", und große Entscheidungen werden gemeinsam getroffen. Diese Verfahrensweise musste ich auch anfangs erst erkämpfen, nach nun einigen Jahren macht es hier gar keine Probleme mehr...
anders das Thema "unterschiedliche Erziehungsauffassungen", mein Mann und ich sind hier über all die Jahre immer wieder in Streit geraten (meine Kinder sind jetzt 10 und fast 13, und es wird nicht automatisch leichter, je größer die Kinder sind), da hilft ein konstruktives Streitverhalten und Kompromissfähigkeit von beiden Seiten.
Eine Unterstützung durch eine Beratungsstelle finde ich auch eine gute Idee.
Unabhängig davon: sprich mit ihm, diskutier das aus! Streite dich mit ihm!! Wahrscheinlich will er das eigentlich auch nicht so, wie es bei euch läuft, aber er kann es auch nicht auf den Punkt bringen.
(Außerdem kommen da manchmal ganz merkwürdige Einstellungen aus der eigenen Kindheit zum Vorschein....)
Alles Gute blaueshaus
-
14.01.2009, 10:38
AW: Fühle mich in meiner Ehe nicht mehr richtig wohl
Schon einmal vielen Dank für eure Beiträge!
Es ist schon richtig, es sind eigentlich immer wieder die gleichen Probleme, die auftauchen, und doch ändert sich nicht wirklich etwas...
Es ist nicht so, dass ich mit meinem Mann nicht rede, aber wir sind da so in einem eingefahreren Muster, dass ich denke, es bringt eigentlich nichts. Wenn wir reden bzw. streiten, hört sich mein Mann meinen Standpunkt auch an, versucht mich dann aber immer von seinem Standpunkt zu überzeugen, das macht mich wahnsinnig! Oder er macht mir ein schlechtes Gewissen, sagt z.B. ich habe nur Angst und mache mir damit das Leben schwer etc. Ich habe sogar auch schon eine Therapie gemacht, weil mir alles zu viel wurde (und ich den Fehler nur bei mir gesucht habe), und die mir sehr geholfen hat. Was mir v.a. bewusst wurde, ist dass meine bzw. unsere Probleme nicht nur meine Schuld, Angst, Verhaltensweisen sind, sondern dass auch mein Mann einen großen Anteil daran hat (ist ja auch logisch). Ich denke schon lange daran, eine Paarberatung mit meinem Mann aufzusuchen, und er hat auch nichts dagegen, aber bisher habe ich gehofft, dass sich das alles von allein einrenkt...
Die Situation bei uns ist leider so, dass beide Großelternteile weit weg wohnen (800 km bzw. über 1000 km) und nicht mal eben so aufpassen können. Weggehen können wir schon, entweder unsere Nachbarin aus der Wohnung über uns passt auf unsere Tochter auf, oder ein Freund von uns. Aber wir gehen nicht oft aus, entweder bin ich oder er müde oder "wir haben kein Geld dafür". Beruflich sieht es so aus, dass mein Mann einiges mehr verdient als ich, mehr als das doppelte und ich auch nur einen befristeten Vertrag habe. Also ist das Modell "beide in Teilzeit" nicht möglich.
So unterschiedlich wir von den Charakteren sind, eine so unterschiedliche Kindheit hatten wir auch. Mein Mann hat 2 ältere Geschwister (3 und 5 Jahre älter als er) und es gab die klassische Rollenaufteilung. Mama war zuhause bis mein Mann in die Schule kam und Papa hat gutes Geld verdient und war praktisch nur am Wochenende zuhause. Bei mir war es ganz anders. Ich bin Einzelkind und meine Eltern haben beide immer gearbeitet, d.h. haben sich die ersten 3 Jahre meine Erziehung, Hauhalt etc. zu 100% geteilt. Kein Wunder, dass wir da unterschiedliche Ansichten haben
.
Gruß, Blattpflanze
-
14.01.2009, 10:56Inaktiver User
AW: Fühle mich in meiner Ehe nicht mehr richtig wohl
liebes pflänzchen,
du hast im gegensatz zu vielen frauen hier einen riesigen vorteil. den du unbedingt nutzen solltest.
dein mann ist bereit zu einem gespräch mit jemandem ausserhalb eurer beziehung.
nutze das. das ist für euere beziehung ein wahres gottesgeschenk.
-
14.01.2009, 11:08
AW: Fühle mich in meiner Ehe nicht mehr richtig wohl
Moderatorin in
*Gesundheit* und *Frauengesundheit*
*Fasten* und *Welchen Nutzen haben Diäten?*
*Haushalt - Tipps und Tricks*
-
15.01.2009, 10:30
AW: Fühle mich in meiner Ehe nicht mehr richtig wohl
Ja, ihr habt wohl recht, wir müssen mal nit jemandem Neutralen reden.
Gestern Abend habe ich es nicht mehr ausgehalten und habe die Themen angesprochen. Es ist eigentlich wie immer gelaufen, es geht ja auch immer um die gleichen Themen. Das Thema Finanzen konnten wir einigermaßen klären. Und ich habe ihm richtig deutlich und eindeutig gesagt, dass ich definitiv kein weiteres Kind will. Ich habe ihm das schon öfter, naja, angedeutet (aber wir wissen ja alle, dass Männer damit nichts anfangen können), wenn er es erwähnt hat, aber diesmal habe ich es richtig gesagt. Er hat natürlich gefragt, warum und ich habe ihm meine Gründe, die ja zu 99% emotional sind, erläutert und er hat es nicht so richtig verstanden bzw. lässt es eigentlich als Gründe nicht gelten, aber da bleibt ihm nichts anderes übrig und diesmal hat er aber wirklich realisiert (glaube ich zumindest), dass ich es wirklich ernst meine. Das muss er erstmal verdauen und es tut mir für ihn auch leid. Aber ich kann ja nicht nur ihm zuliebe ein weiteres Kind bekommen. Das war zumindest anders als sonst.
Dann kam wieder das übliche "warum hast du mich eigentlich geheiratet?". Vor der Hochzeit waren wir uns darüber einig, dass wir bzw. er beruflich (und ich mit ihm) für einige Jahre ins Ausland geht, wir mindestens 2 Kinder bekommen und wir ein Häuschen im Grünen kaufen irgendwann. Das mit dem Ausland habe ich ihm "versaut", denn als die Angebote kamen, war ich gerade schwanger und dann unsere Tochter gerade wenige Monate alt und ich habe mich einfach getraut, schwanger bzw. mit Baby nach Bangkok o.ä. zu gehen. Jetzt sind die Angebote natürlich passé (jetzt könnte ich es mir wieder vorstellen) und mein Mann hat einen ganz langweiligen Job in dem er total unzufrieden ist. Naja, das mit den 2 Kindern habe ich ihm jetzt auch verpatzt. Bleibt nur noch das Häuschen im Grünen, das wir uns hier und jetzt nicht leisten können. Mein Mann sagt, er will nicht, dass ich mich schuldig fühle aber dennoch wirft er mir diese Dinge immer wieder vor und ich fühle mich natürlich Megaschuldig, aber jetzt auch erleichtert, wo das Kinderthema (hoffentlich) vom Tisch ist...
Gruß,
die angefressene Blattpflanze
-
15.01.2009, 10:44
AW: Fühle mich in meiner Ehe nicht mehr richtig wohl
@ Blattpflanze,
eine Bemerkung mal ganz am Rande:
wenn Du mit Deinem Mann so sprichst, wie Du hier schreibst, dann habt ihr vielleicht schon deshalb ein Kommunikationsproblem. Dann wird er sich womöglich in solchen Situationen fühlen, als würde mit einem Schlag ein großer Kübel Kummer über ihm ausgeschüttet. Was mich z.B. ziemlich hilflos machen würde.
Das soll keine Kritik sein - es fiel mir spontan auf + ein.

Prijon


Zitieren

