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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Angst vor Arbeitslosigkeit



Inaktiver User
22.10.2008, 11:00
Vor ca. 7 Jahren hat mein Mann nach einer Betriebsschließung seinen Arbeitsplatz verloren. Zum Glück fand er danach sofort wieder eine ähnlich gut bezahlte Stelle, sogar bei uns am Ort, so dass wir im Endeffekt mit dem Ausgang zufrieden sein konnten. Die Firma, in der er seitdem arbeitet, war zu dem Zeitpunkt noch Weltmarktführer in ihrer Sparte. Dem ist leider nicht mehr so, im Gegenteil, es gab in den vergangenen Jahren große Verluste, die Verantwortlichen dürfen natürlich weiterhin beim selben Gehalt "weiterwurschteln", für die Anderen gab es erst mal 6 Monate Kurzarbeit. Kein Problem, ist ja nur ein Verlust von ca. 300€ im Monat. Keine Ahnung, wie man das wegstecken soll???

Es soll auch noch bis ins nächste Jahr so weitergehen, und mittlerweiule bin ich mehr oder weniger überzeugt, dass die Firma, wie soviele andere in unserer Gegend, in den nächsten Monaten schließen wird. Es werden nirgendwo Arbeitskräfte eingestellt, im Gegenteil, der größte Arbeitgeber in unserer Region ist gerade dabei, all die Mitarbeiter "abzustossen", die mit befristeten Verträgen eingestellt wurden (viele von denen verloren ihre Jobs im letzten Jahr bei einer Pleite hier am Ort).

Ich habe schreckliche Existenzängste. Gerade dachten wir, dass wir in ein, zwei Jahren finanziell aus dem Gröbsten raus sind, und nun das. Ich habe den ALG Anspruch meines Mannes berechnet, und das würde uns im Leben nicht reichen. Schließlich bleiben unsere festen Ausgaben doch auch bei Arbeitslosigkeit dieselben! Wie soll das gehen?

Kann jemand diese Angst verstehen? Wir haben drei Kinder und ein Haus - keine Luxushütte, sondern ein älteres Haus, aber wir könnten es auf keinen Fall halten.

Ich kann nachts schon nicht mehr schlafen, und am schlimmsten ist es, dass ich mittlerweile richtigen Hass auf die Verantwortlichen in der Firma spüre (und abgesehen davon noch auf eine ganze Reihe anderer Leute).

Wilhelm-Franz
23.10.2008, 23:37
Hallo!

Ich denke, Dein Thema ist ein Tabuthema. Fast jeder hat angst, dass ihn die Arbeitslosigkeit und damit der soziale Abstieg bzw Senkung des bisherigen Lebensstandard drohen könnte. Doch man verschließt halt die Augen und hofft, dass der Kelch vorüber geht.

In meinem ehemaligen Verein war es ganz schlimm: Da wurden von Hartz 4 gebeutelte Vereinsmitglieder regelrecht gemieden, obwohl es total nette und sympathische Leute waren! Tja, die Angst vor Ansteckung ging um, so dass diese Unglücksraben am Ende raus gemobbt wurden!

Wünsche euch das Beste!

Gitta777
24.10.2008, 09:57
Das ist ja wirklich schlimm, Wilhelm-Franz, wenn man dann auch noch gemobbt wird... Das macht mich jetzt echt fassungslos.

Wilhelm-Franz
24.10.2008, 14:38
Ja, genau, Gitta, deshalb hab ich den Verein auch aus Protest und Solidarität verlassen. Ich bin anschließend in einen anderen eingetreten.

Inaktiver User
24.10.2008, 16:09
Dumme Frage: Gibt es einen Betriebsrat bei Euch? Kann sich Dein Mann dahinein wählen lassen? Die sind m.W. unkündbar. Vielleicht wäre die Gewerkschaft auch eine gute Anlaufstelle.
Ansonsten: Vielleicht doch mal prophylaktisch schauen, ob es im weiteren Umkreis nicht doch eine Möglichkeit gibt und sich - noch in Stelle - bewerben.
Und: Es tut mir so leid. Es ist keine schöne Situation für Euch.
Ehrenpreis

julien28
24.10.2008, 16:36
"Machet Euch nicht Sorgen für den nächsten Tag. Der nächste Tag bringt seine eigenen Sorgen. - Der Tag hat am eigenen Übel genug."


Wer noch einen Bezug zur Bibel hat, der kann das nachlesen in der Bergpredigt.
Wer Glauben in sich trägt, der kommt leichter über Ängste hinweg, da bin ich mir sicher.

Sie sind in diesem Fall berechtigt, die Ängste vor Arbeitslosigkeit, aber wie Du so schön geschrieben hast, ging die Sache beim Verlust der ersten Stelle doch sogar positiv für Euch aus. Warum sollte diese Möglichkeit nun nicht mehr bestehen....

jul.

coyoteugly
25.10.2008, 09:05
Liebe Moonbeam,

nach meiner Erfahrung sind die Horrorvorstellungen, die man sich darüber macht, was alles passieren könnte, wesentlich grausamer als die Realität.

Der Kopf läuft dann Amok und man macht sich völlig fertig, vergeudet seine Kräfte, die man besser dazu gebrauchen könnte, im Falle eines Falles sinnvolle Maßnahmen zu ergreifen.
Wem nützt es, wenn du nachts nicht schlafen kannst? Löst das dein Problem? Nein.

Wenn ich merke, dass ich mich verrückt mache, hole ich mich damit runter, dass ich mich frage, ob es irgendetwas gibt, das ich JETZT tun kann. Nachts lautet die Antwort meist nein, aber wenn es ein ja ist, dann stehe ich auch um 3 Uhr auf, und erledige es.

Kannst du nachts die Frage klären, ob dein Mann arbeitslos wird und wie es dann weitergehen wird? Ich denke nicht. Das einzige was du JETZT nachts sinnvolles machen kannst, ist zu schlafen um deine Kräfte zu schonen, damit du im Falle eines Falles fit bist, die nötigen Dinge zu erledigen.

Es hat rational betrachtet überhaupt keinen Sinn, sich über eine mögliche Zukunft Sorgen zu machen, die sowieso anders kommen wird, als man es sich ausmalt. Mit den Herausforderungen des Lebens kommen auch die Fähigkeiten, mit ihnen fertig zu werden. Blicke einmal zurück, und sieh, dass das in der Vergangenheit noch immer gestimmt hat. Vertrau darauf, dass es auch zukünftig so sein wird.

Du schreibst, dass du Existenzängste hast. Ist denn deine Existenz als solche bedroht? Das geht ja schon in die Todesangst, mit entsprechenden körperlichen und psychischen Begleiterscheinungen. Niemand wird sterben, weder du, noch dein Mann oder deine Kinder, das ist die Realität.

Dein Mann könnte seine Arbeitsstelle verlieren, das mag sein.
Es schadet ja nicht, sich schon vorab zu erkundigen, was es dann für Möglichkeiten für euch gibt.


Kann jemand diese Angst verstehen? Wir haben drei Kinder und ein Haus - keine Luxushütte, sondern ein älteres Haus, aber wir könnten es auf keinen Fall halten.

Ich weiß nicht, ob das so stimmt. Angemessenes Wohneigentum ist geschützt und es besteht durchaus die Möglichkeit, dass ihr euer Haus behalten dürft. Meine ehemaligen Nachbarn waren Hausbesitzer und als der Mann in Hartz IV kam, haben sie das Haus behalten dürfen.


und am schlimmsten ist es, dass ich mittlerweile richtigen Hass auf die Verantwortlichen in der Firma spüre (und abgesehen davon noch auf eine ganze Reihe anderer Leute).

Der Haß ist am schlimmsten, weil du es bist, die ihn verspürt und Haß tut weh. Er bringt dir auch keine Lösung deiner Probleme, sondern verstärkt alles nur noch, macht dich schwach und handlungsunfähig. Wenn man andere verantwortlich macht, begibt man sich in eine Opferrolle und erwartet dann irgendwo, dass die anderen etwas begleichen sollten, was aber meist nicht passieren wird. Man nimmt sich damit die volle Handlungsfähigkeit.

LG

Wildblume2008
25.10.2008, 09:16
Vor ca. 7 Jahren hat mein Mann nach einer Betriebsschließung seinen Arbeitsplatz verloren. Zum Glück fand er danach sofort wieder eine ähnlich gut bezahlte Stelle, sogar bei uns am Ort, so dass wir im Endeffekt mit dem Ausgang zufrieden sein konnten. Die Firma, in der er seitdem arbeitet, war zu dem Zeitpunkt noch Weltmarktführer in ihrer Sparte. Dem ist leider nicht mehr so, im Gegenteil, es gab in den vergangenen Jahren große Verluste, die Verantwortlichen dürfen natürlich weiterhin beim selben Gehalt "weiterwurschteln", für die Anderen gab es erst mal 6 Monate Kurzarbeit. Kein Problem, ist ja nur ein Verlust von ca. 300€ im Monat. Keine Ahnung, wie man das wegstecken soll???

Es soll auch noch bis ins nächste Jahr so weitergehen, und mittlerweiule bin ich mehr oder weniger überzeugt, dass die Firma, wie soviele andere in unserer Gegend, in den nächsten Monaten schließen wird. Es werden nirgendwo Arbeitskräfte eingestellt, im Gegenteil, der größte Arbeitgeber in unserer Region ist gerade dabei, all die Mitarbeiter "abzustossen", die mit befristeten Verträgen eingestellt wurden (viele von denen verloren ihre Jobs im letzten Jahr bei einer Pleite hier am Ort).

Ich habe schreckliche Existenzängste. Gerade dachten wir, dass wir in ein, zwei Jahren finanziell aus dem Gröbsten raus sind, und nun das. Ich habe den ALG Anspruch meines Mannes berechnet, und das würde uns im Leben nicht reichen. Schließlich bleiben unsere festen Ausgaben doch auch bei Arbeitslosigkeit dieselben! Wie soll das gehen?

Kann jemand diese Angst verstehen? Wir haben drei Kinder und ein Haus - keine Luxushütte, sondern ein älteres Haus, aber wir könnten es auf keinen Fall halten.

Ich kann nachts schon nicht mehr schlafen, und am schlimmsten ist es, dass ich mittlerweile richtigen Hass auf die Verantwortlichen in der Firma spüre (und abgesehen davon noch auf eine ganze Reihe anderer Leute).


Tu was!!!!! Informiere dich über eure Ansprüche an Arbeitslosengeld etc. Deine Ängste scheinen mir zu übetrieben sein. Vielleicht solltest du dir therpeutische Hilfe holen?

Außerdem lebst du mit deinen zu großen Ängsten deinen Kindern negative Energie vor. Kinder merken jegliche Stimmungen schnell. Wie sollen sie mit einer Mutter umgehen können, die so viel Hass empfindet, wie du hier schreibst? Du bist Vorbild für deine Kinder!!!!

Notfalls müsste ihr vielleicht umziehen und das Haus verkaufen. Geht vielen anderen Menschen mit Familie in Deutschland auch, die der Arbeit hinterher ziehen müssen. Wenn ich 15 Jahre jünger wäre, würde ich vielleicht sogar in Erwägung ziehen Deutschland zu verlassen. Gerade für die Perspektiven der Kinder wäre das sicherlich besser.


Also, Kopf hoch, tue was gegen deine Ängste!

Wildblume

Wildblume2008
25.10.2008, 09:29
Tu was!!!!! Informiere dich über eure Ansprüche an Arbeitslosengeld etc. Deine Ängste scheinen mir zu übetrieben sein. Vielleicht solltest du dir therpeutische Hilfe holen?

Außerdem lebst du mit deinen zu großen Ängsten deinen Kindern negative Energie vor. Kinder merken jegliche Stimmungen schnell. Wie sollen sie mit einer Mutter umgehen können, die so viel Hass empfindet, wie du hier schreibst? Du bist Vorbild für deine Kinder!!!!

Notfalls müsste ihr vielleicht umziehen und das Haus verkaufen. Geht vielen anderen Menschen mit Familie in Deutschland auch, die der Arbeit hinterher ziehen müssen. Wenn ich 15 Jahre jünger wäre, würde ich vielleicht sogar in Erwägung ziehen Deutschland zu verlassen. Gerade für die Perspektiven der Kinder wäre das sicherlich besser.


Also, Kopf hoch, tue was gegen deine Ängste!

Wildblume

Noch was vergessen:peinlich:

Könntest du, trotz deiner Kinder, vielleicht auch stundenweise arbeiten gehen, um zum Familieneinkommen beizutragen?

Als Frau ist es immer gut, auch eigenen Einkommen zu haben, man weis nie, was kommt :zwinker: . Dauerhafte Abhängigkeit vom Einkommen des Ehemannes ist nie gut. Es kann soviel passieren! Und du machst dir ja jetzt schon einen viel zu großen Kopf. Hast du mit deinem Mann über deine Ängste gesprochen? Habt ihr schon über Alternativen und neue Jobsuche gesprochen?

Meine Schwester hat so was änhnliches erlebt. Haus gebaut etc., ich hatte ihr damals davon abgeraten, wegen Arbeitslosigkeit etc. Kinder sind schon zu groß und was ist dann passiert? Heute sagt sie, die Ängste fressen sie auf, die Lebensqualität mit einem Haus kann sie deswegen gar nicht genießen, mit einer Mietwohnung wäre sie und ihre Familie wesentlich besser gefahren, psychisch wie finanziell. Immer die Angst zu haben, es könnte was passieren, immer auf´s Geld zu schauen, reicht es?, reicht es nicht?. Das kann doch alles krank machen.

Wildblume

Inaktiver User
25.10.2008, 11:27
Ich stimme dir zu, Wildblume, ich würde im Leben NIE WIEDER ein Haus kaufen. Allerdings würde eine Mietwohnung bei 5 Personen ungefähr soviel kosten, wie wir an unserem Haus abzahlen. Ich habe mir aber schon überlegt, es zu verkaufen, sobald die Kinder ausgezogen sind.

Danke für eure Versuche, mich aufzubauen.

Vor 7 Jahren war die Situation anders. Der Betrieb schloss nicht, weil er schlecht lief, sondern weil die Erben die Firma verkauften. Nach drei Monaten wurde dann unter neuer Führung wieder geöffnet, aber zu wesentlich schlechteren Bedingungen für die Arbeitnehmer (nettes Beispiel für Wildwest-Kapitalismus). Zum Glück ging es damals den anderen Firmen noch gut, so dass mein Mann zu dem Zeitpunkt schon eine vernünftige, gut bezahlte, unbefristete Stelle gefunden hatte. Heute wäre das nicht mehr möglich, schon gar nicht mit 46. Es GIBT einfach keine Arbeitsplätze hier.

Sich in den Betriebsrat wählen zu lassen, ist eine gute Idee an sich, hilft aber leider auch nicht, wenn die Firma pleite geht (oder wie heutzutage üblich, pleite "gemacht" wird).

Ein Umzug wäre schwierig, weil alle unsere Kinder hier sehr verwurzelt sind und ALLE nur noch ein bis zwei Jahre bis zu ihrem jeweiligen Schulabschluss haben. In der Situation möchte ich eigentlich nicht umziehen. Außerdem, wie kann man sich als Arbeitsloser einen Umzug LEISTEN???

Ja ich bin seelisch ziemlich am Ende, denn jeden Morgen wenn ich die Zeitung aufschlage, bekomme ich ERNEUT eine Rezession vorhergesagt. Super!!!

Ich habe einen Nebenjob, leider wurde meine Stundenzahl um ca. die Hälfte reduziert. Ein Zwei-Nebenjob wäre natürlich möglich, ich muss aber für meinen Erst-Nebenjob einigermassen flexibel bleiben (da ich auch Urlaubs- und Krankheitsvertretung mache). Ist aber natürlich etwas, das ich in Betracht ziehe.

Ich weiss jetzt auch, dass es keine gute Idee ist, von nur einem Einkommen abhängig zu sein. Wenn ich allerdings immer gearbeitet hätte, gäbe es vermutlich nur eines oder sogar gar keines meiner Kinder. Ich habe zeitweise voll gearbeitet, und den Stress könnte ich mir auf Dauer nicht antun. Ich bewundere die Mütter, die es tun, und für manche scheint es gut zu klappen, aber viele scheinen doch auch ziemlich mit den Nerven am Ende zu sein.

Wildblume, du hast recht, sterben werden wir nicht, aber ich weiss auch nicht, wie wir weiterleben sollten.

Ja, wir hatten auch schon früher "schlechte Zeiten" und immer haben wir es irgendwie doch geschafft, aber leider sehe ich im Moment keine Möglichkeit, wie es diesmal gehen sollte.

Ich weiss, dass es nichts bringt, mich jetzt schon verrückt zu machen. Meine Lebensqualität ist im Prinzip nicht mehr vorhanden. Diesen beitrag hier zu schreiben, war ein Versuch, es "loszuwerden" und sich danach vielleicht besser zu fühlen.

coyoteugly
25.10.2008, 13:16
Liebe Moonbeam,


Allerdings würde eine Mietwohnung bei 5 Personen ungefähr soviel kosten, wie wir an unserem Haus abzahlen.

Es ist durchaus möglich, dass die Arge die Hausraten übernimmt, wenn diese vergleichbar sind mit dem, was eine Mietswohnung kostet. Möglicherweise müsstet ihr nur etwas dazuschießen, wenn es etwas darüber liegt.


Ein Umzug wäre schwierig, weil alle unsere Kinder hier sehr verwurzelt sind und ALLE nur noch ein bis zwei Jahre bis zu ihrem jeweiligen Schulabschluss haben. In der Situation möchte ich eigentlich nicht umziehen. Außerdem, wie kann man sich als Arbeitsloser einen Umzug LEISTEN???

Ich verstehe das völlig, dass man seine Wurzeln nicht abbrechen will und dass den Kindern kein Schulwechsel zuzumuten ist. Ich bin im Prinzip in einer ähnlichen Situation und habe mich auch gegen einen Umzug entschieden, aus den selben Erwägungen heraus.

Du schreibst, dass du bereits den Arbeitslosengeldanspruch deines Mannes berechnet hättest. Weisst du auch, dass es zusätzliche Leistungen gibt, die man beantragen kann?
Ehrlich gesagt kann ich mir nicht vorstellen, dass euer HartzIV-Anspruch soviel niedriger (wenn nicht sogar höher) liegt als was dein Mann bislang durch Arbeit verdient.


Ja ich bin seelisch ziemlich am Ende, denn jeden Morgen wenn ich die Zeitung aufschlage, bekomme ich ERNEUT eine Rezession vorhergesagt. Super!!!

Und dann auch noch Erdbeben, Krieg, Tsunamis und Weltwirtschaftskrise! Das zieht nur runter. Das macht persönliche Rezession.


Ich habe einen Nebenjob, leider wurde meine Stundenzahl um ca. die Hälfte reduziert. Ein Zwei-Nebenjob wäre natürlich möglich, ich muss aber für meinen Erst-Nebenjob einigermassen flexibel bleiben (da ich auch Urlaubs- und Krankheitsvertretung mache). Ist aber natürlich etwas, das ich in Betracht ziehe.

Würde ich nach ökonomischen Gesichtspunkten betrachten und abwägen, was dir mehr bringt: Flexibilität für eine Arbeitsstelle, die nicht genug abwirft und dich daran hindert, mehr dazuzuverdienen, oder weniger Flexibilität bzw. dies nur gegen mehr Geld.


Wenn ich allerdings immer gearbeitet hätte, gäbe es vermutlich nur eines oder sogar gar keines meiner Kinder. Ich habe zeitweise voll gearbeitet, und den Stress könnte ich mir auf Dauer nicht antun. Ich bewundere die Mütter, die es tun, und für manche scheint es gut zu klappen, aber viele scheinen doch auch ziemlich mit den Nerven am Ende zu sein.

Deine Kinder sind ja nun nicht mehr ganz klein, und wenn dein Mann zu Hause ist, entlastet dich das zusätzlich, so dass die Rahmenbedingungen jetzt ja etwas anders gelagert sind, als zuvor.


Wildblume, du hast recht, sterben werden wir nicht, aber ich weiss auch nicht, wie wir weiterleben sollten.

Das war ich :zwinker:
Ich will dich nicht veralbern, aber die Frage, wie ihr weiterleben sollt, ist doch schon sehr melodramatisch. Ihr werdet, auch wenn dein Mann arbeitslos wird, wie zuvor atmen, schlafen und auch essen=leben.


Ja, wir hatten auch schon früher "schlechte Zeiten" und immer haben wir es irgendwie doch geschafft, aber leider sehe ich im Moment keine Möglichkeit, wie es diesmal gehen sollte.

Im Moment ist die schlechte Zeit noch gar nicht eingetreten, nur in deinem Kopf. Daher kannst du nicht wissen, was zu tun ist, weil es momentan eigentlich gar nichts zu tun gibt. Das Gefühl der Hilfllosigkeit und Ohnmacht stammt daher, dass du im Moment gar nichts tun kannst oder musst...außer vielleicht wieder in die Realität zurückzukehren und zu sehen, dass momentan alles OK ist. Wenn es etwas zu tun gibt, dann wirst du auch wissen, was zu tun ist. Wobei ein klarer Kopf dabei Gold wert ist, und den hat man nicht, wenn man mit Horrorszenarien geflutet ist.


Ich weiss, dass es nichts bringt, mich jetzt schon verrückt zu machen. Meine Lebensqualität ist im Prinzip nicht mehr vorhanden.

Du lebst jetzt schon in deinem Alptraum, anstatt in der Realität und weil es nur ein Traum ist, hast du gar keine Handhabe, irgendwas zu ändern...du kannst nur aufwachen und sehen, wie es wirklich ist.

Wer wärest du ohne deine Zukunftsängste genau jetzt?

Wildblume2008
25.10.2008, 17:45
Ich stimme dir zu, Wildblume, ich würde im Leben NIE WIEDER ein Haus kaufen. Allerdings würde eine Mietwohnung bei 5 Personen ungefähr soviel kosten, wie wir an unserem Haus abzahlen. Ich habe mir aber schon überlegt, es zu verkaufen, sobald die Kinder ausgezogen sind.

Danke für eure Versuche, mich aufzubauen.

Vor 7 Jahren war die Situation anders. Der Betrieb schloss nicht, weil er schlecht lief, sondern weil die Erben die Firma verkauften. Nach drei Monaten wurde dann unter neuer Führung wieder geöffnet, aber zu wesentlich schlechteren Bedingungen für die Arbeitnehmer (nettes Beispiel für Wildwest-Kapitalismus). Zum Glück ging es damals den anderen Firmen noch gut, so dass mein Mann zu dem Zeitpunkt schon eine vernünftige, gut bezahlte, unbefristete Stelle gefunden hatte. Heute wäre das nicht mehr möglich, schon gar nicht mit 46. Es GIBT einfach keine Arbeitsplätze hier.

Sich in den Betriebsrat wählen zu lassen, ist eine gute Idee an sich, hilft aber leider auch nicht, wenn die Firma pleite geht (oder wie heutzutage üblich, pleite "gemacht" wird).

Ein Umzug wäre schwierig, weil alle unsere Kinder hier sehr verwurzelt sind und ALLE nur noch ein bis zwei Jahre bis zu ihrem jeweiligen Schulabschluss haben. In der Situation möchte ich eigentlich nicht umziehen. Außerdem, wie kann man sich als Arbeitsloser einen Umzug LEISTEN???

Ja ich bin seelisch ziemlich am Ende, denn jeden Morgen wenn ich die Zeitung aufschlage, bekomme ich ERNEUT eine Rezession vorhergesagt. Super!!!

Ich habe einen Nebenjob, leider wurde meine Stundenzahl um ca. die Hälfte reduziert. Ein Zwei-Nebenjob wäre natürlich möglich, ich muss aber für meinen Erst-Nebenjob einigermassen flexibel bleiben (da ich auch Urlaubs- und Krankheitsvertretung mache). Ist aber natürlich etwas, das ich in Betracht ziehe.

Ich weiss jetzt auch, dass es keine gute Idee ist, von nur einem Einkommen abhängig zu sein. Wenn ich allerdings immer gearbeitet hätte, gäbe es vermutlich nur eines oder sogar gar keines meiner Kinder. Ich habe zeitweise voll gearbeitet, und den Stress könnte ich mir auf Dauer nicht antun. Ich bewundere die Mütter, die es tun, und für manche scheint es gut zu klappen, aber viele scheinen doch auch ziemlich mit den Nerven am Ende zu sein.

Wildblume, du hast recht, sterben werden wir nicht, aber ich weiss auch nicht, wie wir weiterleben sollten.

Ja, wir hatten auch schon früher "schlechte Zeiten" und immer haben wir es irgendwie doch geschafft, aber leider sehe ich im Moment keine Möglichkeit, wie es diesmal gehen sollte.

Ich weiss, dass es nichts bringt, mich jetzt schon verrückt zu machen. Meine Lebensqualität ist im Prinzip nicht mehr vorhanden. Diesen beitrag hier zu schreiben, war ein Versuch, es "loszuwerden" und sich danach vielleicht besser zu fühlen.

Hallo Moonbeam66,

Oh, bitte suche dir Hilfe. Wenn keine Lebensqualität mehr vorhanden ist, scheint es dir auch psychisch nicht gut zu gehen. Und das was in den Medien steht...... Glaubst du immer, was da geschrieben wird?

Und bitte verzeih, aber glaubst du wirklich, wenn du hier im BriCom schreibst, dass es dir danach besser gehen wird? Bei deiner Problematik?

Ich denke, hier kann man sich Tipps holen oder Anregungen etc. aber mehr sollte Frau m.E. nicht erwarten.

Deine Zeilen lesen sich sehr hoffnungslos? Woher kommt das? Ist es nur die Problematik mit dem evtl. Job-Verlust deines Mannes oder stecken dahinter noch andere Probleme?
Warum hast du so eine Angst, dass du nicht weißt, wie ihr weiter leben werdet? Das ist schon eine extreme Form von Angst und wie ich vermute, hast du doch so eine Situation noch nicht richtig gehabt.

Euer Haus kann man euch nicht nehmen, es sei denn ihr habt Schulden oder andere Probleme etc. von denen du hier nichts schreibst.

Was hälst du davon, dich bei einer Lebensberatungsstelle, die es in jeder größeren Stadt von der Kirche gibt, mal beraten zu lassen? Das ist meistens kostenlos oder anonym und da sind Fachleute, die auch die Gesetze etc. gut kennen.

Ich glaube nicht, dass es euch wesentlich schlechter gehen würde, es sei denn, dein Mann verdient so gut, dass ihr 2 Autos etc. habt. Wie genau euer Lebensstandard ist, wissen wir ja nicht.

Meinst du es bringt dir was, wenn du dich verrückt machst? Ich weiß nun nicht, ob du in einer strukturschwachen Gegend wohnst? Aber hast du mal überlegt, dir trotzdem einen neuen Job zu suchen und den anderen Job aufzugeben. Du musst ja nicht Vollzeit arbeiten. Halbzeit oder 3/4 Stelle geht auch. Mensch deine Kinder sind schon so groß. Die können doch mithelfen etc.

Es scheint, dass ihr alle in eurer Familie gemeinsam überlegen müßt, wie man klug und vernünft vorgehen kann, damit ihr, wenn es mit dem Jobverlust deines Manne so kommen sollte, gut vorbereitet seid. Vielleicht ist das eine gut Chance für euch alle?

Viel Kraft für dich:blumengabe:

Wildblume

Inaktiver User
21.11.2008, 10:13
Ich wollte mich für die aufmunternden Beiträge bedanken, habe aber während der letzten paar Wochen einen Bogen um diesen thread gemacht, um nicht daran erinnert zu werden.

Meine Angst hat sich erheblich gelegt, obwohl doch die Nachrichten in den Zeitungen nicht besser werden! Zum Glück arbeitet mein Mann in keiner der Industrien, die von der Krise unmittelbar betroffen sind (Automobilbau und Zulieferer z.B.), so hoffe ich, dass wir das Ganze doch einigermassen gut überstehen werden.

Wir leben in einem Gebiet, wo die Arbeitslosigkeit sehr gering ist, aber Jobs wachsen natürlich trotzdem nicht auf den Bäumen.

Inaktiver User
23.03.2009, 12:59
Bringt eh nix.

Wildblume2008
23.03.2009, 13:23
Vor ca. 7 Jahren hat mein Mann nach einer Betriebsschließung seinen Arbeitsplatz verloren. Zum Glück fand er danach sofort wieder eine ähnlich gut bezahlte Stelle, sogar bei uns am Ort, so dass wir im Endeffekt mit dem Ausgang zufrieden sein konnten. Die Firma, in der er seitdem arbeitet, war zu dem Zeitpunkt noch Weltmarktführer in ihrer Sparte. Dem ist leider nicht mehr so, im Gegenteil, es gab in den vergangenen Jahren große Verluste, die Verantwortlichen dürfen natürlich weiterhin beim selben Gehalt "weiterwurschteln", für die Anderen gab es erst mal 6 Monate Kurzarbeit. Kein Problem, ist ja nur ein Verlust von ca. 300€ im Monat. Keine Ahnung, wie man das wegstecken soll???

Es soll auch noch bis ins nächste Jahr so weitergehen, und mittlerweiule bin ich mehr oder weniger überzeugt, dass die Firma, wie soviele andere in unserer Gegend, in den nächsten Monaten schließen wird. Es werden nirgendwo Arbeitskräfte eingestellt, im Gegenteil, der größte Arbeitgeber in unserer Region ist gerade dabei, all die Mitarbeiter "abzustossen", die mit befristeten Verträgen eingestellt wurden (viele von denen verloren ihre Jobs im letzten Jahr bei einer Pleite hier am Ort).

Ich habe schreckliche Existenzängste. Gerade dachten wir, dass wir in ein, zwei Jahren finanziell aus dem Gröbsten raus sind, und nun das. Ich habe den ALG Anspruch meines Mannes berechnet, und das würde uns im Leben nicht reichen. Schließlich bleiben unsere festen Ausgaben doch auch bei Arbeitslosigkeit dieselben! Wie soll das gehen?

Kann jemand diese Angst verstehen? Wir haben drei Kinder und ein Haus - keine Luxushütte, sondern ein älteres Haus, aber wir könnten es auf keinen Fall halten.

Ich kann nachts schon nicht mehr schlafen, und am schlimmsten ist es, dass ich mittlerweile richtigen Hass auf die Verantwortlichen in der Firma spüre (und abgesehen davon noch auf eine ganze Reihe anderer Leute).


Kann es sein, dass du unter einem anderen Namen, dieses Thema hier vor ca. einem halben Jahr schon mal rein gestellt hast?

Wildblume

Inaktiver User
23.03.2009, 13:26
Nein, Wildblume.

cubis
24.03.2009, 11:22
geändert