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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Warum ist dem Staat die Einhaltung von Verkehrsregeln egal?



Dachziegel
02.10.2008, 16:54
Hallo Bricom,

wenn ich so auf der Straße fahre, was (leider) täglich der Fall ist, ist seit Jahren meine Beobachtung, dass Verkehrsregeln von der großen Mehrheit der Fahrer ignoriert werden. Das gilt insbesondere für Geschwindigkeitslimits, Überholverbote und Parkverbote (z.B. Gehsteige zuparken).

Z.B. Gestern: ein Autobahnabschnitt mit 80, dann 60, wegen Baustelle und Rollsplitt. Ich fuhr 85, dann 65, und fuhr in einer Kolonne mit ein paar LKWs. Wir wurden von Dutzenden von PKWs überholt, z.T. drastisch schneller als wir.

z.B. Heute: Auf der Landstraße, Tempo 70, was ich etwa einhielt, und Überholverbot. Ich wurde auf dem 2 km langen Stück von 3 Pkws überholt, alles Männer, die offenbar weder das Tempolimit noch das Überholverbot kümmerte.

Es wird geschätzt, dass nur jede 500. Fahrt mit >0.8 Promille erwischt wird. 499 bleiben unentdeckt.

Das Risiko,erwischt zu werden, ist so minimal, dass Verstöße die Regel sind und die Einhaltung die Ausnahme.

Ich frage mich immer: warum ist dem Staat, der Regeln aufstellt, die Einhaltung derselben egal? Habt Ihr Ideen?

Inaktiver User
02.10.2008, 17:10
Ich denke, das ist nicht direkt egal, sondern:

wir hätten den totalen Überwachungsstaat, wenn wir ÜBERALL Verbote und Limits kontrollieren wollten. Das kann kein Staat, das kann keine Gemeinde bringen.

Seit gestern z.B. gilt in Frankfurt die Feinstaub-Plakette. Meinst du wirklich, die Frankfurter Polizei könnte alle Autos, die durch Frankfurt fahren, kontrollieren, ob sie auch die Plakette haben?

Aber es gilt: wer erwischt wird, dass er gegen Ver- oder Gebote verstößt, der ist dann eben dran. Das gilt für den Straßenverkehr ebenso wie für Diebstahl, Betrug, Unterschlagung oder Mord. Es gibt Gesetze, damit sie eingehalten werden. Und wer das nicht tut, hat keine Entschuldigung, wenn ihm dabei auf die Schliche gekommen wird.

Mampf
02.10.2008, 17:25
Tja, diese Frage stelle ich mir auch immer wieder, wenn ich unterwegs bin. Rein emotional schreie ich innerlich empört auf, wenn jemand mit gefühltem Vollgas die Vorfahrt klauen will und es grad noch so erbremsen kann.

Rein rational schließe ich mich @Joanna an: Die Ordnungshüter können nicht überall gleichzeitig sein, um die Autofahrer zu kontrollieren. Da sähe man ja nur noch grün (oder wahlweise blau). Und es würde glaube ich noch sehr hohe Kosten mit sich bringen- die Leute müssten bezahlt werden; es gäbe mehr Papierkram und was weiß ich noch.

Im Übrigen fände ich es nicht sehr angenehm, wenn ich mit dem Auto unterwegs bin und das Gefühl habe, jeden Moment angehalten zu werden, weil überall Kontrollen stattfinden. Da könnte ich nicht mehr entspannt fahren und wäre erst recht eine Gefahr für die anderen Verkehrsteilnehmer.

Allerdings wäre es nicht schlecht, wenn an kritischen Stellen, wo viele Unfälle oder Beinahe-Unfälle sind, vermehrt kontrolliert würde. Es gibt einige Ecken, die ich oft durchfahre und bei denen ich regelmäßig Aggressionen bekomme, weil mir jemand in der 30-iger Zone und rechts-vor-links mal wieder beinahe das Auto schrottet.

Und wo kein Kläger, da kein Richter....Also werden weiterhin täglich Verkehrsdelikte begangen, die kein Beamter mitkriegt, weil er grad nicht zur Stelle ist.

LG, Mampf.

Nocturna
02.10.2008, 17:36
Mensch, das ist doch alles nur noch eine Frage der Zeit bis die Technik die Einhaltung gewisser Regeln wie Geschwindigkeit kontrolliert.

Ich bin mir sicher, dass mein (potentieller) Enkel nicht mehr so aufs Gas drücken kann wie er will. Entweder wird er per lästigem Hupton vom Überschreiten eines Limits erinnert oder das Kfz lässt sich von Haus aus nicht weiter beschleunigen. Gibts ja schon auf der Schiene, die Autoindustrie wird irgendwann nachziehen.

Bis dahin fahre ich selbstverständlich promillefrei, nur bei den Geschwindigkeiten genehmige ich mir meinen persönlichen Aufschlag um den fließenden Verkehr nicht zu behindern. :smirksmile:

Dachziegel
02.10.2008, 18:49
wenn wir ÜBERALL Verbote und Limits kontrollieren wollten.
Zwischen "überall", "alle Fahrzeuge", "Überwachungsstaat" und dem derzeitigen Zustand gibt es aber doch Abstufungen. Es ist ein Unterschied, ob jede 500. Trunkenheitsfahrt entdeckt wird oder jede 250. oder 100. oder 25.

Inaktiver User
02.10.2008, 18:52
Zwischen "überall", "alle Fahrzeuge", "Überwachungsstaat" und dem derzeitigen Zustand gibt es aber doch Abstufungen. Es ist ein Unterschied, ob jede 500. Trunkenheitsfahrt entdeckt wird oder jede 250. oder 100. oder 25.

Der Unterschied liegt in der Anzahl und der Position der Kontrollen/Kontrollmöglichkeiten. Willst du auf der A3 täglich jeden Fahrer anhalten und auf Alkoholkonsum überprüfen?

Es geht schlichtweg nicht. Erwischt werden die, die auffallen, entweder durch Delikte oder durch Zufall. Und das ist in allen Bereichen so, nicht nur im Straßenverkehr.

hawaiianstarline
03.10.2008, 09:25
Was ich als Führerscheinneuling dazu sagen will:

ich verstehe auch nicht, warum Regeln nicht eingehalten werden, bzw. warum z.B. mir, wenn ich Regeln einhalte (etwas Geschwindigkeit) dann alles mögliche gedeutet und ich auch noch angehupt werde. Eigentlich müsste es doch umgekehrt sein.

Was mich auch ärgert: ich arbeite mit Diplomaten zusammen, und bekomme mit, wie die Behörden beide Augen zudrücken, wenn ein Diplomat bei einem Verkehrsvergehen erwischt wird. Im Sinne der "guten diplomatischen Beziehungen".

Inaktiver User
03.10.2008, 09:32
Was mich auch ärgert: ich arbeite mit Diplomaten zusammen, und bekomme mit, wie die Behörden beide Augen zudrücken, wenn ein Diplomat bei einem Verkehrsvergehen erwischt wird. Im Sinne der "guten diplomatischen Beziehungen".

das hat nichts mit augen zudrücken zu tun. diplomaten unterliegenganz simpel nicht der gerichtsbarkeit ihres gastlandes.

genauso z.b. wie botschaftsgebäude, die auch wenn sie in deutschland liegen, kein deutsches territorium sind.

hawaiianstarline
03.10.2008, 09:51
das hat nichts mit augen zudrücken zu tun. diplomaten unterliegenganz simpel nicht der gerichtsbarkeit ihres gastlandes.

genauso z.b. wie botschaftsgebäude, die auch wenn sie in deutschland liegen, kein deutsches territorium sind.


Danke, das ist mir völlig klar, wie gesagt, ich arbeite in dem Bereich.

Gut finden muss ich es allerdings trotzdem nicht.

Inaktiver User
03.10.2008, 09:53
Danke, das ist mir völlig klar, wie gesagt, ich arbeite in dem Bereich.


deswegen war ich auch ziemlich über deine formulierung irritiert. zwischen 'augen zu drücken' und 'nicht der gerichtsbarkeit unterliegen' liegen nämlich welten.

:blumengabe:

hawaiianstarline
03.10.2008, 10:03
deswegen war ich auch ziemlich über deine formulierung irritiert. zwischen 'augen zu drücken' und 'nicht der gerichtsbarkeit unterliegen' liegen nämlich welten.

:blumengabe:

Naja, ich empfinde es halt so, egal wie man es nennt. Das Vergehen bleibt ja auch dasselbe, egal, wer es begeht.
Angenommen, ein Diplomat "überfährt" ein Stoppschild und verursacht so einen Unfall und "unterliegt dann nicht der Gerichtsbarkeit", wie geht's dann weiter?

Inaktiver User
03.10.2008, 10:10
Naja, ich empfinde es halt so, egal wie man es nennt. Das Vergehen bleibt ja auch dasselbe, egal, wer es begeht.
Angenommen, ein Diplomat "überfährt" ein Stoppschild und verursacht so einen Unfall und "unterliegt dann nicht der Gerichtsbarkeit", wie geht's dann weiter?

da wo ich die (deutschen) diplomaten kenne würden sie ein 'handgeld', also eine entschädigung zahlen. und sie sind SEHR froph darüber, dass sie da nicht der gerichtsbarkeit des gastlandes unterliegen, die gefängnisse dort sind ungesund und auch eine seiner töchter gibt man ungern an die geschädigte familie ab. :smirksmile:

die regelung hat also durchaus ihr gutes. :smirksmile:

ich meinte nur einfach 'auge uzudrücken' passt hier auch nicht. denn der staat (von dem hier gefragt wird ob ihm die einhaltung der regelungen egal ist) drückt ja kein auge zu, er will seine regelung da durchaus auch durchsetzen. er hat nur keine handhabe gegen den diplomaten.
:blumengabe:

hawaiianstarline
03.10.2008, 10:33
da wo ich die (deutschen) diplomaten kenne würden sie ein 'handgeld', also eine entschädigung zahlen. und sie sind SEHR froph darüber, dass sie da nicht der gerichtsbarkeit des gastlandes unterliegen, die gefängnisse dort sind ungesund und auch eine seiner töchter gibt man ungern an die geschädigte familie ab. :smirksmile:

die regelung hat also durchaus ihr gutes. :smirksmile:

ich meinte nur einfach 'auge uzudrücken' passt hier auch nicht. denn der staat (von dem hier gefragt wird ob ihm die einhaltung der regelungen egal ist) drückt ja kein auge zu, er will seine regelung da durchaus auch durchsetzen. er hat nur keine handhabe gegen den diplomaten.
:blumengabe:

Sicherlich besteht ein Unterschied zwischen den Gefängnissen in Afghanistan (wenn ich mich recht erinnere) und denen in Österreich (arbeite hier für eine ausländische Botschaft).

Kommt aber auch drauf an, was vorgefallen ist - wenn es z.B. ein schweres Vergehen ist, ist es was anderes, als einmal zu schnell zu fahren. Und das meinte ich.

Wie kann der Staat denn ohne Konsequenzen seine Regelungen durchsetzen?
Im Normalfall meldet z.B. die Polizei das Verkehrsvergehen dem Außenministerium. Von dort wird dann eine diplomatische Note, mit der Bitte, die Regelungen einzuhalten, an die Botschaft geschickt.
Und das war's dann.
Es wird registriert, aber ohne Konsequenzen, von daher verstehe ich nicht, wie du das meinst, mit "Regelungen durchsetzen". :wie?:

Inaktiver User
03.10.2008, 10:40
Es wird registriert, aber ohne Konsequenzen, von daher verstehe ich nicht, wie du das meinst, mit "Regelungen durchsetzen". :wie?:

na ja, ich hab keine ahung, was man in österreich für zu schnell fahren zahlt (als beispiel). also sagen wir mal: 50 euro.

wenn du (oder ich, was durchaus passieren könnte :ooooh:) in wien mit tempo 60 rwischt wird, wo nur tempo 30 ist, dann stehen wir also vor dem polizisten. der könnte jetzt denken, 'ach gott, was für ein nettes mädchen und ganz zerknirscht schaut se auch aus. lassen wir sie mit einem strafenden blick weg kommen.'

das wäre 'auge zudrücken'. :smirksmile:

beim diplomaten aus dubai denkt der polizist eventuel: 'gott, was für ein schnösel, die letzten drei mal hab ich den auch schon erwischt', der zuständige im außenministerium denkt vielleicht das gleiche und jeder würde nichts lieber als dem mann die 50 euro abnehmen.

geht bloß nicht.

da wirds dann doof, ich stimme dir zu. ich hab irgendwann mal einen artikel gelesen, wieviel geld berlin kriegn müsste von diplomaten, die falsch geparkt haben. war ein stolzes sümmchen, aber eben nicht einholbar. :knatsch:

der te gingsja abaer darum, ob der staat sich nicht drum kümmert, dass regeln eingehalten werden, obs also egal ist. und das glaub ich grundsätzlich nicht, bei den diplomaten aber ist es ganz klar: da kann man sich auf denkopf stellen: hilft nicht ..

hawaiianstarline
03.10.2008, 11:10
na ja, ich hab keine ahung, was man in österreich für zu schnell fahren zahlt (als beispiel). also sagen wir mal: 50 euro.

wenn du (oder ich, was durchaus passieren könnte :ooooh:) in wien mit tempo 60 rwischt wird, wo nur tempo 30 ist, dann stehen wir also vor dem polizisten. der könnte jetzt denken, 'ach gott, was für ein nettes mädchen und ganz zerknirscht schaut se auch aus. lassen wir sie mit einem strafenden blick weg kommen.'

das wäre 'auge zudrücken'. :smirksmile:

beim diplomaten aus dubai denkt der polizist eventuel: 'gott, was für ein schnösel, die letzten drei mal hab ich den auch schon erwischt', der zuständige im außenministerium denkt vielleicht das gleiche und jeder würde nichts lieber als dem mann die 50 euro abnehmen.

geht bloß nicht.

da wirds dann doof, ich stimme dir zu. ich hab irgendwann mal einen artikel gelesen, wieviel geld berlin kriegn müsste von diplomaten, die falsch geparkt haben. war ein stolzes sümmchen, aber eben nicht einholbar. :knatsch:

der te gingsja abaer darum, ob der staat sich nicht drum kümmert, dass regeln eingehalten werden, obs also egal ist. und das glaub ich grundsätzlich nicht, bei den diplomaten aber ist es ganz klar: da kann man sich auf denkopf stellen: hilft nicht ..

:blumengabe:

versteh schon, was du meinst.
Ich komme mir halt teilweise unfair behandelt vor, weil ich weiß, wie superstreng es in Fahrstunden und bei Fahrprüfungen zugeht (berechtigterweise) und man so schnell fliegt bei Prüfungen.
Dann kommen Diplomaten, die vielleicht auch Käse zusammenfahren, weil sie sich hier nicht auskennen oder in ihrer Heimat Linksverkehr haben oder sich einfach nicht drum scheren, und da passiert dann nix.
Ich selbst habe die Panik, als Anfängerin etwas unbeabsichtigt falsch zu machen und dann Länge mal Breite zahlen zu können.

Bin im Moment was dieses Thema angeht halt nicht so gut drauf zu sprechen, weil mir vom Verkehrsamt genug Geld abgeknüft wurde, und, wie du sagst, wohl auch einiges bei Diplomaten zu holen wäre. :freches grinsen:

Um nochmal auf den Eingangsbeitrag zurückzukommen: ich wundere mich auch, dass die Leute so wenig Respekt vor den Regelungen haben. Im Normalfall gibt es doch auch mehrere Zeugen, die die Verstöße mitkriegen.

Ich selbst hatte auch eine Freundin, die immer besoffen mit dem Auto herumgefahren ist nach dem Ausgehen ("ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wie ich nachhause gekommen bin und eingeparkt habe"), und der auch offensichtlich andere Verkehrsteilnehmer schnurz waren. Ihr hätte ich dann schon mal eine Kontrolle "gegönnt".

Dachziegel
03.10.2008, 13:15
ich verstehe auch nicht, warum Regeln nicht eingehalten werden, bzw. warum z.B. mir, wenn ich Regeln einhalte (etwas Geschwindigkeit) dann alles mögliche gedeutet und ich auch noch angehupt werde. Eigentlich müsste es doch umgekehrt sein.
Das sehe ich genauso. Es bringt Nachteile, sich an die Regeln zu halten. Das ist verkehrte Welt.


Um nochmal auf den Eingangsbeitrag zurückzukommen: ich wundere mich auch, dass die Leute so wenig Respekt vor den Regelungen haben.
Der geringe / fehlende Respekt ist vermutlich Folge der verschwindend kleinen Wahrscheinlichkeit, erwischt zu werden.

hawaiianstarline
03.10.2008, 13:35
Das sehe ich genauso. Es bringt Nachteile, sich an die Regeln zu halten. Das ist verkehrte Welt.


Der geringe / fehlende Respekt ist vermutlich Folge der verschwindend kleinen Wahrscheinlichkeit, erwischt zu werden.

Ja, aber wenn,... dann ist das Geheule groß!

Eine Freundin von mir wurde letztens erwischt: sie hatte Parkscheine mehrmals verwendet, dank "Zauberstift".

Ich kann nicht sagen, dass ich viel Mitgefühl aufgebracht habe.

Inaktiver User
07.10.2008, 19:46
Ich stelle mir die Ausgangsfrage auch immer wieder - zum Beispiel wenn ich sehe, wie vor einer Schule trotz 30 kmh-Zone die LKW und PKW rasen.
Zwei Antworten halte ich für wahrscheinlich: Zum einen ist es wohl tatsächlich politisch nicht gewollt, die große Gruppe der KFZ-Fahrer zu verärgern. Und auf Strafzettel und Punkte reagieren die meisten nun mal sehr gereizt.
Ansonsten wäre es doch ein leichtes, gerade in diesen sensiblen Zonen Regeln, die man für sinnvoll hält, auch durchzusetzen.
(Zusätzliches Personal würde sich spielend selbst finanzieren.)

Und zweitens fehlt ein Bewußtsein dafür, dass Fußgänger (und besonders Kinder) vor diesen großen gefährlichen Maschinen geschützt werden müssen.

AnnaM
07.10.2008, 20:09
Tja, die, die vor der Schule rasen oder sich sonstwie verkehrswidrig verhalten, sind aber dummerweise meistens genau die Eltern, die sich erst über die Raser erregen und dann ausflippen, wenn sie selbst mal dran glauben müssen.

Außerdem kann es doch wohl nicht sein, dass an bestimmten Stellen STÄNDIG Polizisten auflaufen müssen, weil die Autofahrer schlicht und ergreifend zu dämlich sind, sich an Regeln zu halten.

Bei uns werden die Blitzstellen doch sogar in der Zeitung veröffentlicht, aber wenn dann trotzdem jemand geblitzt wird, ist immer die Polizei schuld, die wollen nur abkassieren etc. Und unsere tolle Zeitung ist sich für entsprechende Kommentare über die "Abzockerei" auch nicht zu blöde!

Inaktiver User
08.10.2008, 11:19
(Zusätzliches Personal würde sich spielend selbst finanzieren.)


Und wenn sich dann die Kontrollen als fruchtbar erweisen, stellt man das nun überflüssige Personal wieder aus?!

Dachziegel
08.10.2008, 11:28
Zum einen ist es wohl tatsächlich politisch nicht gewollt, die große Gruppe der KFZ-Fahrer zu verärgern.
Das vermute ich auch: die Autofahrer sowie deren mächtige Lobby sollen nicht verprellt werden. Anders ist es kaum zu erklären, dass Regeln aufgestellt werden, aber die massenhaften Verstöße toleriert werden.

Inaktiver User
08.10.2008, 12:32
Es gibt auch ein Gesetz gegen Ladendiebstahl, und trotzdem werden nicht alle Ladendiebe erwischt.

Ich finde es nicht in Ordnung, die Sicht dermaßen auf ein einzelnes Gebite einzuschränken. Man kann nicht rund um die Uhr und überall die Einhaltung aller Regeln überwachen.

Jenufa
09.10.2008, 10:13
(...) nur bei den Geschwindigkeiten genehmige ich mir meinen persönlichen Aufschlag um den fließenden Verkehr nicht zu behindern. :smirksmile:

Und genau da haben wir schon eines meiner Hauptprobleme: Wenn in einer Baustelle 60 erlaubt ist, ich 70 fahre und alle um mich rum mir bedeuten, dass ich ein Verkehrshindernis darstelle. Als Fahranfänger habe ich da noch Nervenzusammenbrüche bekommen, heute bin ich gelassener, aber genervt immer noch.

Gerade bei Baustellen wäre ich für ein grundsätzliches: 1 Blitzer an den Anfang, einen in die Mitte, einen ans Ende. Da passieren so viele auch schwere Unfälle!

Dass Kontrollen die Kosten decken ist allerdings nicht immer so. Ich weiß aus einer Großstadt (ca. 300.000 Einwohner), dass da z.B. die Politessen nicht kostendeckend arbeiten und das ist wohl nahezu überall so. Vermutlich würde sich das rechnen, wenn jeder seinen Strafzettel sofort und ohne Widerstand bezahlt.

Hypathia
09.10.2008, 10:37
Und genau da haben wir schon eines meiner Hauptprobleme: Wenn in einer Baustelle 60 erlaubt ist, ich 70 fahre und alle um mich rum mir bedeuten, dass ich ein Verkehrshindernis darstelle.

Jepp, das nervt mich auch ganz gewaltig.
Ich versuche immer, mit der Geschwindigkeit in den "Toleranzgrenzen" zu bleiben - halte mich nicht sklavisch dran, aber fahre so, dass ich nach Messungenauigkeit, nachgehendem tacho und Toleranzgrenzen kein Knöllchen zu erwarten habe.
Oft ist das richtig Grauenvoll, wie man dann bedrängt und mit unanständigen Gesten bedacht wird.

habe inzwischen mein Persönliches "Stinkefinger-rating" für die Strecken, die ich häufig fahre (insofern, wie man bei mir von häufig fahren reden kann... eine Tankfüllung pro Monat...).

Und dann das allgegenwärtige Gebrüll, wenn die Strafen für zu schnelles fahren mal wieder angehoben werden...

januaria
12.10.2008, 00:44
Es kann in meinen Augen nicht darum gehen, jeden gnadelos an den Pranger zustellen, der mit 56 oder 57 km/h durch die Ortschaft rollt oder nicht 100%ig vorschriftsmäßig parkt.

Es wäre viel wichtiger regelmäßig an "neuralgischen" Punkten zu kontrollieren - z. B. gut ausgebaute Strecken, die zum Rasen oder kurvenreiche Strecken, die zum riskanten Überholen verleiten. Ebenso sollten Drängler und Nötiger mehr damit rechnen müssen, erwischt zu werden.

Ebayfan
13.10.2008, 13:52
Ich denke, die Einhaltung der Verkehrsregeln ist dem Staat egal, weil die "Entscheider" selbst die größten Sünder sind.

Hier ist doch gerade ein ganz krasses Beispiel:

http://www.rp-online.de/public/article/politik/624840/Joerg-Haider-ist-tot.html

http://de.wikinews.org/wiki/J%C3%B6rg_Haider_bei_Verkehrsunfall_mit_seinem_Die nstwagen_t%C3%B6dlich_verungl%C3%BCckt

Er muss deutlich zu schnell gefahren sein.

Dachziegel
13.10.2008, 14:41
Ich denke, die Einhaltung der Verkehrsregeln ist dem Staat egal, weil die "Entscheider" selbst die größten Sünder sind. ...Er muss deutlich zu schnell gefahren sein.

Du hast völlig recht, Ebayfan!

Haider ist laut Polizei 142 km gefahren, wo 70 erlaubt waren und kurz danach 50 km/h.

AnnaM
14.10.2008, 07:48
Ich denke, die Einhaltung der Verkehrsregeln ist dem Staat egal, weil die "Entscheider" selbst die größten Sünder sind.


Ich denke, die "Entscheider" sind selbst auch nur Menschen und benehmen sich genau so, wie alle anderen auch.

Im übrigen ist dem Staat die Einhaltung der Verkehrsregeln durchaus nicht egal, sonst gäbe es weder Verkehrsregeln, noch Strafen, noch Leute, die diese tatsächlich bezahlen müssen.

Die Frage ist doch eher: Warum ist vielen oberdämlichen Egoisten die Einhaltung der Verkehrsregeln egal?

Ebayfan
14.10.2008, 11:48
Die Frage ist doch eher: Warum ist vielen oberdämlichen Egoisten die Einhaltung der Verkehrsregeln egal?

Selbstüberschätzung! Sie glauben, die Verkehrsregeln sind für torfnasige Dummbatzen mit verkehrsunsicheren Klapperkisten aufgestellt worden und wären für intelligente, reaktionsschnelle Leute mit technisch einwandfreien, topaktuellen Luxusautos voller toller Sicherheitsfeatures völlig übertrieben.

Einen guten Teil dieser Selbstüberschätzung hat sicher auch die Ursache in der Autowerbung. Was da alles an Sicherheit beworben wird - da kommt man gar nicht mehr auf die Idee, dass so ein hochwertiges Produkt überhaupt von der Straße abkommen könnte (außer zum parken). Und mit den 1000 Airbags ist es doch alles kein Problem, selbst wenn der Karre ein Flugzeug auf den Kopf fällt.

Dazu kommt ja noch, dass sich oft die torfnasigsten Dummbatzen für oberschlau halten.:ooooh: :freches grinsen: :freches grinsen: :freches grinsen: Eine gefährliche Mischung!

Und als Krönung des Ganzen ist es gerade diese Personengruppe, für die Knöllchen finanziell betrachtet Peanuts sind. Denen tut erst der Führerscheinentzug weh.

Hypathia
14.10.2008, 11:52
Selbstüberschätzung! Sie glauben, die Verkehrsregeln sind für torfnasige Dummbatzen mit verkehrsunsicheren Klapperkisten aufgestellt worden und wären für intelligente, reaktionsschnelle Leute mit technisch einwandfreien, topaktuellen Luxusautos voller toller Sicherheitsfeatures völlig übertrieben.

*unterschreib*




Und als Krönung des Ganzen ist es gerade diese Personengruppe, für die Knöllchen finanziell betrachtet Peanuts sind. Denen tut erst der Führerscheinentzug weh.

Hab vor kurzen im so ner Wir-begleiten-Verkehrspolizisten-Doku gesehen, wie einer noch versucht hat, die Polizisten zu Provozieren, indem er meinte, ihm sei das egal, er fährt weiter wie er will, und ER kann sich im gegensatz zu den herren beamten ja auch für 3 Monate nen Chauffeur leisten....

Rowellan
14.10.2008, 13:19
Najaaaaaa.... im Großen und Ganzen habt ihr ja Recht.
Aber: Stellenweise gibts schon Situationen, bei denen ich großäugig und staunend überlege, was sich der betreffende Verkehrsplaner denn jetzt dabei gedacht hat. Geschwindigkeitsbeschränkungen auf gerader, offener, spärlich befahrener Strecke zum Beispiel. Oder die Tatsache, daß Radarfallen nur sehr selten vor Schulen, Kindergärten oder Altenheimen stehen sondern eher dort, wo eine der eher unsinnigen Geschwindigkeitsbegrenzung ist - ist ja klar, da ist die Wahrscheinlichkeit ja auch größer, einen sündigen Autofahrer zu erwischen, das freut das Stadtsäckel.

Was Alkoholkontrollen angeht - da werden die Jungs aber allmählich clever. Ich bin vor ein paar Jahren z.B. mal angehalten worden am letzten offiziellen Arbeitstag vor Weihnachten. Sie standen an der Autobahnauffahrt, möchte nicht wissen, wie viele Weihnachtsfeier-Glühweinkandidaten sie da rausgefischt haben.
Oder auch verstärkte Alkoholkontrollen an Fasching/Karneval, Sylvester, im Stadionumfeld bei Fußballspielen...
Und das finde ich gut so. Alkohol am Steuer ist ein absolutes No-Go!

Kraecker
14.10.2008, 15:46
....
Aber: Stellenweise gibts schon Situationen, bei denen ich großäugig und staunend überlege, was sich der betreffende Verkehrsplaner denn jetzt dabei gedacht hat. Geschwindigkeitsbeschränkungen auf gerader, offener, spärlich befahrener Strecke zum Beispiel....

Ich will nicht gänzlich ausschließen, dass verzweifelte Stadtväter angesichts klammer Kassen schon mal zum Tempo 50 - Schild greifen.
Mir wurde aber von Verkehrspolizisten in meinem Bekanntenkreis versichert, dass dies die Ausnahme ist.

Was viel häufiger vorkommt ist, dass scheinbar wunderbarst zu befahrene Straßen bei der regelmäßig stattfindenden Kontrolle durch die Straßenmeisterei die notwendige Haftung vermissen lassen, die erforderlich ist, um sie weiterhin unlimitiert befahren zu lassen.

Wenn dir also beim nächsten Mal auf breiter, gerader, freier Straße ein 70! -Schild begegnet, denk daran, dass es auch notwendig sein könnte.
:smile:

corvus
14.10.2008, 15:55
"Das vermute ich auch: die Autofahrer sowie deren mächtige Lobby sollen nicht verprellt werden. Anders ist es kaum zu erklären, dass Regeln aufgestellt werden, aber die massenhaften Verstöße toleriert werden."
...
Was für eine gequirlte Scheisse.

Wir haben knapp 90 Millionen Einwohner und ca. 55 Millionen zugelassene Kraftfahrzeuge.
Das deutsche Straßennetz ist 231000 Kilometer lang.
Auf ca. 380 Einwohner kommt ein Polizeibeamter (inclusive Kripo, Verwaltungsbeamte und sonstige Innendienstler)

Das alleine erklärt so einiges.
Aber daß Verkehrsverstöße auf Rücksicht auf die Autolobby toleriert würden - das ist ja wohl der größte Mist mit der die Situation erklärt werden könnte.

Dachziegel
14.10.2008, 16:04
Was für eine gequirlte Scheisse.
... der größte Mist

Corvus in gewohnt sachlicher und höflicher Manier.

Rowellan
14.10.2008, 17:59
Ich will nicht gänzlich ausschließen, dass verzweifelte Stadtväter angesichts klammer Kassen schon mal zum Tempo 50 - Schild greifen.
Mir wurde aber von Verkehrspolizisten in meinem Bekanntenkreis versichert, dass dies die Ausnahme ist.

Was viel häufiger vorkommt ist, dass scheinbar wunderbarst zu befahrene Straßen bei der regelmäßig stattfindenden Kontrolle durch die Straßenmeisterei die notwendige Haftung vermissen lassen, die erforderlich ist, um sie weiterhin unlimitiert befahren zu lassen.

Das ist für Otto-Normalautofaher aber nicht auf den ersten Blick ersichtlich, für den ist die Straße ja optisch "wunderbarst zu befahren". Für mich ist nachvollziehbar, daß da der ein oder andere (ja, ich manchmal auch) denkt "die spinnen, die Römer" und statt mit 70 mit 100 entlangdüst. Insbesondere dann, wenn es eine bekannte Strecke ist und man weiß, daß auf absehbare Zeit eben weder eine Ampel noch eine scharfe Kurve oder eine sonstige Gefahrenstelle kommt.

Inaktiver User
14.10.2008, 18:22
Wieso soll denn die Ahnung von Verkehrsverstößen politisch nicht gewollt sein???

Das Gegenteil ist der Fall.

Das Problem liegt doch in der mangelnden Personalkapazität der Polizei.

AnnaM
14.10.2008, 18:51
Wie viele Autofahrer gibt es? Wie viele Straßen?
Meinst du, wir könnten das bezahlen, wenn alle immer überwacht werden?

Sind einfach zu viele Gehirnbesitzer und zu wenig Gehirnbenutzer unterwegs.

corvus
14.10.2008, 19:24
Typische Antwort eines ertappten Verkerhssünders:

"Habt ihr nichts Besseres zu tun als arme Autofahrer abzuzocken? Fangt lieber Verbrecher!"

Kraecker
14.10.2008, 21:04
Das ist für Otto-Normalautofaher aber nicht auf den ersten Blick ersichtlich, für den ist die Straße ja optisch "wunderbarst zu befahren"....

Das ist allerdings richtig.

Deshalb wird hin und wieder ein Begleitschild - so wie "Straßenschäden" - mit aufgestellt (natürlich mit dem Risiko, dass die entrüsteten Steuerzahler darauf mit einem "tut endlich was sinnvolles mit unseren Steuergeldern ..." reagieren).

Sinnvoll wären solche Zusatzschilder in mehrfacher Hinsicht (bis auf das Risiko, wie gesagt):
Zum einen wird aus einem sinnlosen ein Tempolimit mit Sinn.
Und zum anderen hat man - wahrscheinlich aus eben diesem Grund - festgestellt, dass begründete Limits um ein Vielfaches eher eingehalten werden, als unbegründete und auf den ersten Blick unlogische.

corvus
15.10.2008, 07:00
Gilt das auch für Überholverbote und Stop-Schilder?
Überall Zusatzschilder, damit der geneigte Kraftfahrer den Sinn erkennt und sich an Gesetze und Vorschriften hält.

Offenbar nur im Straßenverkehr anzutreffen.

Kraecker
15.10.2008, 09:28
Offenbar nur im Straßenverkehr anzutreffen.

Ist das so?

Mir persönlich fällt es auch außerhalb des Straßenverkehrs leichter, Regeln zu beachten, deren Sinn ich verstehe und nachvollziehen kann.

Etwas vehementer auf die Regeln oder Einschränkungen hinzuweisen, ist meiner Ansicht nach, besonders im Straßenverkehr sinnvoll. Fehler haben hier unter Umständen katastrophale Folgen.

AnnaM
15.10.2008, 09:49
Mir persönlich fällt es auch außerhalb des Straßenverkehrs leichter, Regeln zu beachten, deren Sinn ich verstehe und nachvollziehen kann.
Geht mir auch so, aber da ich davon ausgehe, dass in den meisten Fällen sich irgendjemand was bei dem Verkehrsschild gedacht hat und es ja schließlich um meine Gesundheit und mein Leben geht, halte ich mich auch gerne an Schilder, bei denen mir nicht wirklich einleuchtet, warum die da stehen.

(Nur als irgendein Witzbold mal ein 50-Schild eindeutig einfach nur umgedreht hatte, so dass es jetzt für die falsche Richtung galt, da hab ich mich nicht wirklich dran gehalten.)

Inaktiver User
15.10.2008, 11:24
Hallo Bricom,

wenn ich so auf der Straße fahre, was (leider) täglich der Fall ist, ist seit Jahren meine Beobachtung, dass Verkehrsregeln von der großen Mehrheit der Fahrer ignoriert werden. Das gilt insbesondere für Geschwindigkeitslimits, Überholverbote und Parkverbote (z.B. Gehsteige zuparken).

Z.B. Gestern: ein Autobahnabschnitt mit 80, dann 60, wegen Baustelle und Rollsplitt. Ich fuhr 85, dann 65, und fuhr in einer Kolonne mit ein paar LKWs. Wir wurden von Dutzenden von PKWs überholt, z.T. drastisch schneller als wir.

z.B. Heute: Auf der Landstraße, Tempo 70, was ich etwa einhielt, und Überholverbot. Ich wurde auf dem 2 km langen Stück von 3 Pkws überholt, alles Männer, die offenbar weder das Tempolimit noch das Überholverbot kümmerte.

Es wird geschätzt, dass nur jede 500. Fahrt mit >0.8 Promille erwischt wird. 499 bleiben unentdeckt.

Das Risiko,erwischt zu werden, ist so minimal, dass Verstöße die Regel sind und die Einhaltung die Ausnahme.

Ich frage mich immer: warum ist dem Staat, der Regeln aufstellt, die Einhaltung derselben egal? Habt Ihr Ideen?

Vielleicht kuckst du aber auch nicht die richtigen Sendungen im TV, denn da wird sehr wohl gezeigt wie man diesen Ignoranten beikommt.