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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Angst und Panik - Austausch



KleinerPinguin
23.08.2008, 23:19
Liebe Community!

Seit geraumer Zeit habe ich mit einer Angststörung bzw. Panikattacken mit Agroaphobie zu kämpfen. Nun, davor lagen Jahre in denen ich nicht wusste, was mit mir los war und ich mich selbst belesen musste und von Arzt zu Arzt gezogen bin, bis ich endlich Hilfe bekam.

Ich mache eine kognitive Therapie mit dem Erfolg, dass ich seit Monaten keine Panikattacke hatte und wenn sie kam, konnte ich sie erfolgreich abwehren.

Wem gehts noch so und möchte darüber schreiben?

Liebe Grüße

Pingu

bellanis
31.08.2008, 15:21
Hallo Kleiner Pinguin,

auch ich hab seit kurzer Zeit Panik-Anfälle, und zwar beim Autofahren. Ich fahre seit meinem 18. Lebensjahr, immer recht sicher und auf einmal nun das. Nun vermeide ich bereits
Schnellstraßen oder Autobahn zu fahren, mache lieber Umwege, obwohl ich denke, das ist nicht die Lösung. Versuch auch mit mir zu sprechen, " fühle mich sicher und entspannt", aber auch das hilft nicht.

Würde mich auch hilfreiche Ratschläge sehr freuen.

Liebe Grüße,

Bellanis

Inaktiver User
31.08.2008, 22:32
Hallo ihr,

ich klinke mich hier gerne mal mit ein...

Ich habe seit Jahren eine Angststörung mit Panikattacken. Ich mache Therapie (überwiegend Verhaltens-/Gesprächsttherapie mit anderen Formen gemischt).

@Bellanis
Hast du Bücher zum Thema Angst und Panik? Hast du schon über Therapie nachgedacht?

@pinguin
Hast du Lust ein bißchen zu erzählen wie das bei dir anfing und was genau dir hilft?

Mir selbst gehts im Moment grad wieder nicht so gut, ich habe wieder mehr Angstanfälle als noch vor Monaten und fühle mich gerade wieder so als würde ich ganz am Anfang stehen. Laut meiner Therapeutin ist das wohl vom Verlauf der Therapie her normal... was es aber grad nicht besser für mich macht.
Ich muss dazu sagen dass sich die Angststörung bei mir über lange Jahre hinweg aufgebaut hat.

Ich freu mich über Austausch.

LG,
Susi :blumengabe:

Violine
31.08.2008, 22:38
Nun vermeide ich bereits
Schnellstraßen oder Autobahn zu fahren, mache lieber Umwege, obwohl ich denke, das ist nicht die Lösung.


Beim Autofahren nicht ganz ungefährlich, aber Vermeidungsstrategien sind Gift für eine optimale Angstbewältigung.

KleinerPinguin
31.08.2008, 23:27
Hallo ihr,

ich klinke mich hier gerne mal mit ein...

Ich habe seit Jahren eine Angststörung mit Panikattacken. Ich mache Therapie (überwiegend Verhaltens-/Gesprächsttherapie mit anderen Formen gemischt).

@Bellanis
Hast du Bücher zum Thema Angst und Panik? Hast du schon über Therapie nachgedacht?

@pinguin
Hast du Lust ein bißchen zu erzählen wie das bei dir anfing und was genau dir hilft?

Mir selbst gehts im Moment grad wieder nicht so gut, ich habe wieder mehr Angstanfälle als noch vor Monaten und fühle mich gerade wieder so als würde ich ganz am Anfang stehen. Laut meiner Therapeutin ist das wohl vom Verlauf der Therapie her normal... was es aber grad nicht besser für mich macht.
Ich muss dazu sagen dass sich die Angststörung bei mir über lange Jahre hinweg aufgebaut hat.

Ich freu mich über Austausch.

LG,
Susi :blumengabe:

Hallo Susi!

Tja ... wie fing es an. Eigentlich kam es ganz plötzlich. Mir war immer schlecht und schwindelig. Meistens wenn ich in einem übervollen Hörsaal saß. Ich hab mir nichts weiter dabei gedacht, bin zum Arzt, hab ein Natur-Mittelchen gegen Stress bekommen und bin wieder heim.

Leider wurde es ab da immer schlimmer, dass ich nicht mehr Einkaufen oder in die Uni gehen konnte. Ich hab mich dann auf eigene Faust ein wenig schlau gemacht und bin dann zum Hausarzt marschiert und wollte direkt eine Psychotherapie.

Eine klare Diagnose habe ich nicht bekommen. Naja ... man wird ja doch an allen Ecken mit guten Ratschlägen überhäuft wie "Ruh dich mal aus" oder "Reiß dich mal zusammen".

Heute denke ich ein wenig anders darüber - ich hatte eine stressige Zeit, allerdings 1 Jahr bevor die Panikattacken aufgetreten sind, aber da dachte ich eben, das sei alles bereits verarbeitet.

Ich hab immer besonders unter körperlichen Symptomen gelitten, neben Schwindel auch Herzklopfen, Stiche in der Brust, Rückenschmerzen, Einschlafen von Armen und Händen ... die Liste ist ewig.
In der Therapie hab ich gelernt, dass die Symptome ein Ausdruck für eine "überlastete" Seele ist. Quasi, was das Gehirn nicht verarbeitet, gibt es an den Körper weiter. Damit konnte ich ein wenig gegensteuern im Sinne von den Symptomen keine Krankheit zuordnen.

Ansonst setze ich Gegenreize, wie an Teebaumöl schnüffeln oder saure Drops einwerfen.

Übrigens ein super Buch, dass mir sehr geholfen hat:

"Das Angstbuch - Woher Ängste kommen und wie man sie bekämpfen kann" von Borwin Bandelow (Angstforscher).

Im Moment suche ich einen Tagesklinikplatz, weil es mir wieder schlechter geht!

Ich wünsch euch eine angstfreie Zeit

LG
Pingu

Violine
31.08.2008, 23:36
Eine klare Diagnose habe ich nicht bekommen.

warum nicht?

KleinerPinguin
31.08.2008, 23:53
warum nicht?

Ich war noch nicht bei einem Psychiater/Neurologen. Ich habe einen Termin im November, nach seeeehr langer Wartezeit bekommen.

Ich bin selbst noch nicht ganz zufrieden mit meiner Therapie, daher möcht eich schon eine konkrete Diagnose und eine adäquate Therapie. Ich hab gedacht, dass ich es erstmal so versuchen würde.

LG
Pingu

Inaktiver User
01.09.2008, 20:54
Hallo Pingu,

ich habe auch nie eine wirkliche Diagnose bekommen, ich glaube da tun sich die Ärzte auch oft sehr schwer mit. Ich weiß auch nicht ob es sooo wichtig ist dass das Kind einen Namen bekommt. Bei mir war an Diagnosen von Angststörung, Agoraphobie, soziale Phobie, Panikstörung eigentlich alles dabei. Und irgendwie ist es auch von allem etwas.
Ich mache jetzt seit zwei Jahren Therapie, habe aber die Angststörung schon wesentlich länger. Sie hat sich bei mir chronifiziert und das macht die Behandlung natürlich nicht leichter.
Ich kann wirklich nur jedem raten sich schnellstmöglich professionelle Hilfe zu suchen - so wie du es gemacht hast - wenn er den Verdacht hat an einer Angststörung zu leiden. Ich habe den Schritt viel zu spät gemacht, bzw. hatte vor Jahren schonmal Therapie die mir aber gar nicht geholfen hat und die ich dann auch irgendwann abgebrochen habe. Teilweise weil ich vielleicht noch nicht dazu bereit war, teilweise aber auch weil die Therapeutin tatsächlich nicht die Richtige war.
Die "Richtige" habe ich aber jetzt seit zwei Jahren und mache auch deutliche Fortschritte - wobei es trotzdem gerade im Moment wieder sehr schwierig für mich ist.

Das von dir empfohlene Buch kenne ich nicht aber ich werde es mal googeln.
Was mir geholfen hat: Angstfrei leben von Lucinda Bassett

Ich wünsche dir viel Glück bei der Suche nach einem geeigneten Klinikplatz!

Nimmst du eigentlich Medikamente oder hast welche genommen?

LG
Susi

Inaktiver User
01.09.2008, 21:09
Hallo meine Lieben,

ich möchte Euch das Buch "Panik" von Margraf und Schneider empfehlen. Es ist ein Fachbuch, aber gut zu lesen!

Ich schreibe übrigens im citalopram-Strang mit. Wenn ihr wollt, kuckt auch da mal rein.

LG
Finja:blumengabe:

KleinerPinguin
01.09.2008, 22:14
Hallo Pingu,


Ich kann wirklich nur jedem raten sich schnellstmöglich professionelle Hilfe zu suchen - so wie du es gemacht hast - wenn er den Verdacht hat an einer Angststörung zu leiden. Ich habe den Schritt viel zu spät gemacht, bzw. hatte vor Jahren schonmal Therapie die mir aber gar nicht geholfen hat und die ich dann auch irgendwann abgebrochen habe. Teilweise weil ich vielleicht noch nicht dazu bereit war, teilweise aber auch weil die Therapeutin tatsächlich nicht die Richtige war.



Nimmst du eigentlich Medikamente oder hast welche genommen?

LG
Susi

Hey Susi!

Ich habe heute ein wenig rumtelefoniert und könnte einen Platz in einer Tagesklinik bekommen. Allerdings muss das Ganze noch durch die Krankenkasse. Naja, mal schauen. Bei mir gab es jetzt gerade wieder einen Tiefschlag und ich merke, dass ich es allein, und schon gar nicht mit meinem Therapeuten schaffe.

Mit meinem Therapeut bin ich nicht zufrieden. Er macht einen auf Karma-Guru und damit kann ich nichts anfangen. Zumal ich denke, dass die Depressionen bei mir immer schlimmer werden. Aber ich hab es endlich satt ständig an mir selbst herum zu diagnostizieren. :(

Mal sehen ob das was wird mit der Tagesklinik.

Medikamente nehme ich keine. Ich hab mir einen Termin bei einem Psychiater/Neurologen besorgt, der ist aber erst Ende November.

Du schreibst, du hast das Gefühl - es seien verschiedene Krankheiten bei dir vorhanden. Das Gefühl habe ich auch, daher will ich jetzt mal Nägeln mit Köppen machen.

Schön zu lesen, dass es dir in der Therapie gut geht. Beinhaltet die auch eine Art Konfrontationstherapie?

LG
Pingu

Inaktiver User
01.09.2008, 22:50
Hallo Pingu,

das tut mir leid dass es dir grad nicht so gut geht und ich hoffe dass das mit der Krankenkasse alles glatt läuft.

Was meinst du denn mit "Karma-Guru"?

Depressionen habe ich auch, das ist eine Folge der Angsterkrankung aber sie überwiegen nicht also nehmen keine bedrohlichen Formen an. Aber schön ist das natürlich alles nicht.

Ja, es ist auch eine Art Konfrontationstherapie. Allerdings bestimme ich dabei das Tempo wirklich ganz alleine, ich werde zu nichts gedrängt. Meine Therapeutin schafft es ganz gut mich im richtigen Moment zu bremsen oder mich sanft "anzuschieben" wenn ich gerade mal wieder stecken bleibe.

Ich arbeite wie gesagt seit zwei Jahren ernsthaft an dem Thema mit mir selber. Bei mir gab es in diesem Zeitraum sehr viele gravierende Veränderungen (eigentlich stecke ich immer noch mitten im Veränderungsprozess), viele äußere Dinge wie Trennung, Hausverkauf, Berufswechsel usw. So langsam nimmt der "äußere Rahmen" Gestalt an. Jetzt geht es an die "inneren" Dinge und die ziehen mir grade wieder den Boden unter den Füßen weg und ich habe das Gefühl ich fange wieder ganz von vorne an was die Bewältigung meiner Ängste betrifft.
Ich dachte lange Zeit gute Strategien und Mechanismen zu haben mit meiner Panik umzugehen - habe ich auch, allerdings habe ich trotzdem immer noch vermieden und es mir selbst nicht eingestanden. Ich habe immer wieder Gründe gefunden Dinge nicht zu tun und die tollsten Ausreden für mich geschaffen.... unbewusst natürlich.
Das bricht jetzt durch. Das heißt ich konfrontiere mich zur Zeit ganz bewusst mit Dingen die ich jahrelang vermieden habe und bleibe so lange in den Situationen bis die Angst abklingt. Das ist mühsam und kostet viel Energie. Aber es lohnt sich.
Leider schaffe ich es immer noch nicht mich selbst auch dafür zu loben, stolz darauf zu sein. Und da kommt dann wieder mein "inneres Kind" ins Spiel mit dem ich auch viel arbeite.
Es ist alles ein bißchen schwierig zu erklären....

LG
Susi

KleinerPinguin
02.09.2008, 14:05
Hallo Susi!

Das mit dem Selbst-Konfrontieren kenne ich. Es gelingt mir eigentlich ganz gut. Allerdings kann ich mich nicht immer überwinden aus dem Haus zu gehen um einfach mal zu üben.

Mein Therapeut ist ein Karma-Guru. J Ja, das ist mein Gefühl. Er ist sehr spirituell eingestellt. Quasi mehr nach dem Motto “Ich bin o.k. - du bist o.k.”. Am Anfang der Sitzungen habe ich noch gedacht, dass wenn ich mich mehr darauf einlasse, lerne ich das Leben und mich selbst nicht so schwer zu nehmen. Aber als meine Probleme immer schwerer wurden, hat mir das nicht mehr geholfen, wenn er meinte “Sie sind nicht allein - Suchen Sie ihr Chi am Himmel!”

Weglaufen wollte ich auch nicht gleich, gerade weil es so schwer ist einen Termin beim Psychotherapeut zu bekommen. Ich habe dann Unmengen von Büchern und Ratgebern gelesen und gemerkt, dass wenn ich mich damit auseinandersetze, komm ich besser klar, als mit den Ratschlägen meines Therapeuten. Ich will ihn nicht verteufeln, aber ich denke eben, dass sein therapeutischer Ansatz nicht der richtige Ansatz für mich ist.

Ein Beispiel: Mein Freund hat sich vor 2 Wochen von mir getrennt. Für mich ist eine Welt zusammengebrochen. Ich kämpfte so mit mir und meinen Schuldgefühlen, dass ich nicht mehr ein noch aus wusste. Sein Kommentar: “Können Sie der Trennung gar nichts positiven abgewinnen? Ich denke, er hat jetzt ihr ganzes schwarzes Karma auf sich geladen. Dass Sie so leiden tut mir leid. Haben Sie schon mal daran gedacht es mit einer Frau zu versuchen?” *hmmmpppffff*

Es kann ja sein, dass es manchen Leuten hilft, aber mir irgendwie nicht so.

Ich habe jetzt die Chance schon nächste Woche in eine Tagesklinik zu gehen. Krankenkasse hat es genehmigt. Ich setze da jetzt ein wenig mehr Hoffnung hinein, damit ich wieder etwas mehr zu mir finde.

Zudem möchte ich auch nicht, dass sich die Angst, Panik und die Depris sich chronifizieren.

Den Weg der Selbsterkenntnis, den du beschreibst, den hab ich noch vor mir. Ich weiss wie schwer mir im letzten Jahr die Dinge gefallen sind und ich kenne mich so gar nicht. So what - es kann nur schlimmer werden! J

LG Pingu

Inaktiver User
02.09.2008, 22:45
Hallo,

ok, jetzt versteh ich was du meinst mit deinem Therapeuten. Also damit könnte ich auch wirklich gar nichts anfangen und ich finde diese Sprüche auch mehr als überflüssig. Ich denke da bleibt dir auch tatsächlich nur, dir das für dich Gute und Wichtige aus diesen Sitzungen mitzunehmen.... und sein Chi soll er mal alleine suchen gehen :zwinker:

Das mit der Tagesklinik ist wirklich prima. Es ist und bleibt das Wichtigste dass man immer wieder versucht sich selbst zu helfen - sei es durch Literatur, Gespräche, informieren oder eben indem man sich um Hilfe bemüht. Du machst das sehr gut. Und sicher wird diese Klinik auch einen ganz anderen Ansatz haben.

Wenn du gerade erst eine Trennung hinter dir hast ist es auch nicht verwunderlich dass es dir wieder nicht so gut geht. Damit meine ich nicht nur deine Trauer darüber sondern auch im Hinblick auf deine Ängste. Es ist eine Veränderung und die macht erstmal wieder Angst, mal abgesehen von den vielen anderen Gefühlen die damit verbunden sind.

Ich habe mir vor kurzem ein Buch zugelegt in dem ich sehr viel aufschreibe. Unter anderem versuche ich alle Situationen festzuhalten in denen ich erfolgreich durch meine Angst durchgegangen bin, nicht vermieden sondern etwas "riskiert" habe.
Oder ich schreibe tagsüber immer mal wieder meine Negativ-Gedanken auf und versuche etwas Positives dagegen zu stellen.

Außerdem "rede" ich mit meiner Angst. Das klingt jetzt blöd aber ich begrüße sie wenn sie kommt. "Ah, da bist du wieder. Na prima. Dann komm eben mit wenn du unbedingt willst." Ich versuche mich nicht mehr dagegen zu wehren.
Meine Angst ist ein Teil von mir und sie will mir etwas sagen. Also muss ich sie "mitnehmen", wenn ich mich wehre bleibt sie umso länger.
Manchmal gelingt es gut, manchmal gar nicht.

Was hast du für Strategien?

Alles Liebe,

Susi

KleinerPinguin
03.09.2008, 20:59
Hallo,
Außerdem "rede" ich mit meiner Angst. Das klingt jetzt blöd aber ich begrüße sie wenn sie kommt. "Ah, da bist du wieder. Na prima. Dann komm eben mit wenn du unbedingt willst." Ich versuche mich nicht mehr dagegen zu wehren.
Meine Angst ist ein Teil von mir und sie will mir etwas sagen. Also muss ich sie "mitnehmen", wenn ich mich wehre bleibt sie umso länger.
Manchmal gelingt es gut, manchmal gar nicht.

Was hast du für Strategien?

Alles Liebe,

Susi

Das klingt gar nicht blöd! Ich rede im Prinzip auch mit meiner Angst, aber mehr so "Nein, du beherrschst mich nicht. Du bist eine Reaktion meines Gehirns."

Ich versuche immer noch die Angst "wegzuscheuchen". Nachdem mir klar war, dass ich stark auf körperliche Symptome mit Panik reagiere, bzw. mich durch die Symptome erst recht in Panik versetze, steuer ich entgegen. Bisher hat es immer gut funktioniert.

Morgen schau ich mir die TK an. Ich fühl mich im Moment entwas unsicher, ob ich den Schritt machen soll, aber ich denke ich hab ja nichts zu verlieren und wenn es mir nicht gefällt, kann ich ja jederzeit gehen.

Ich denke ich habe noch viele "Baustellen" die ich beseitigen möchte und ich möchte mir dazu eben Hilfe holen. Ich weiß den Weg muss ich schließlich allein gehen.

Nimmst du dein Tagebuch zu deiner Therapeutin mit und sprecht ihr darüber? Ich finde die Vorstellung sehr gut. Da kann man sein Verhalten besser spiegeln, oder?

Liebe Grüße
Pingu

Inaktiver User
03.09.2008, 22:21
Nein, du hast nichts zu verlieren. Du kannst ja jederzeit abbrechen wenn du dich nicht wohl fühlst oder das Gefühl hast es ist nicht das Richtige für dich.
Ich finde es toll dass das jetzt so schnell geklappt hat!

Mein Tagebuch hatte ich bisher noch nicht mit zur Therapie, aber die Idee ist gut. Ich habe es auch noch nicht allzu lange. Meiner Therapeutin ist aufgefallen dass ich keinerlei Stolz empfinde was meine Erfolgserlebnisse betrifft. Dass ich mich immer "klein" rede. Sicher ist z.B. ein Einkauf nichts Besonderes. Als Angstpatientin mit akuten Paniken ist es aber eine grosse Sache und genau dafür sollte ich mich auch loben wenn ich solche Situationen "ausgehalten" habe. Da liegt irgendwie auch ein Knackpunkt und daran arbeite ich auch - daher das Tagebuch um das ein bißchen besser zu ergründen.

Bei mir kreist vieles im Moment um das "sich selbst in den Arm nehmen", sich selbst loben usw. Offensichtlich habe ich das nie gelernt und es fällt mir sehr schwer.

Ich wünsche dir für morgen alles Gute!

LG,
Susi :blumengabe:

KleinerPinguin
03.09.2008, 23:34
Meiner Therapeutin ist aufgefallen dass ich keinerlei Stolz empfinde was meine Erfolgserlebnisse betrifft. Dass ich mich immer "klein" rede. :

DAS kenne ich auch. Ich frage mich warum so viele Angstpatienten das nicht annehmen können. Ich hab gelesen, dass diese Gründe in der Kindheit liegen könnten, wenn man nicht die benötigte Liebe von den Eltern bekommen hat, ect.

Das kann ich nun wieder gar nicht von mir sagen, ich habe eine ÜBERmutter. Ich bin (fast) 30 und sie behandelt mich wie ein Baby. *grummel*

Man kann schon viel aus der Krankheit lernen. Was mir unheimlich geholfen hat, ist das "Übersetzen" der Krankheit. Wenn mir schwindelig ist, dann sage ich mir "Irgendetwas reisst mir jetzt den Boden unter den Füßen weg" oder dieser berühmte Kloß im Hals - "Ich kann etwas nicht verdauen".
Ich weiss ja eigentlich immer genau, was mich seelisch bedrückt.
Dann erkenne ich, dass mir etwas zu viel wird, und dass ich das Problem "irgendwie lösen" muss.

Übung von meinem Therapeut: Vor den Spiegel stellen und sich mindestens 5 Minuten ansehen. Gesicht, Körper - alles. Und dann sich einfach schön finden! Und am Ende sich einen Kuß auf den Handrücken geben und ihn ins Gesicht "drücken" ... man küsst sich dabei quasi selbst.

Ich weiß nicht, ob ich dabei lachen oder weinen soll ...

Liebe Grüße
Pingu

Inaktiver User
04.09.2008, 08:32
Ich weiß nicht, ob ich dabei lachen oder weinen soll ...


liebe pingu,

ich glaube, ich würde eher weinen. mich befremden solche übungen sehr und es täte mir schwer fallen, mich überhaupt 5 minuten so sehr mit mir auseinanderzusetzen. ist ja nicht so, dass ich total hässlich wäre, aber mir 5 min details anzugucken, finde ich persönlich irritierend. machst du diese übung oft? hilft sie dir im alltag?

ich habe auch probleme, stolz zu empfinden. stolz ist mir wohl schon früh von meiner mutter (unbewusst) "aberzogen" worden. daher bin ich heute immer besonders dann misstrauisch, wenn meine mutter mir irgendeine art von kompliment macht. sie sagt dann selbst oft "nun mach dich doch nicht selbst so klein. ich finde das toll, wie du dies und das machst", wenn ich das nicht annehmen kann. und ich denke "toll, dass du jetzt an mich glaubst und früher mir immer alles aus der hand genommen hast, weil du ungeduldig und der meinung warst, dass ich es allein nicht schaffe und du das mal wieder selbst in die hand nehmen musst, damit es überhaupt funktioniert".

:knatsch:

KleinerPinguin
04.09.2008, 20:07
liebe pingu,

ich glaube, ich würde eher weinen. mich befremden solche übungen sehr und es täte mir schwer fallen, mich überhaupt 5 minuten so sehr mit mir auseinanderzusetzen. ist ja nicht so, dass ich total hässlich wäre, aber mir 5 min details anzugucken, finde ich persönlich irritierend. machst du diese übung oft? hilft sie dir im alltag?

:

Nein, ich wende diese Methode nicht an. Nicht, dass ich es nicht versucht hätte. Ich sehe im Speigelbild nicht mich, sondern nur meine Probleme. Das habe ich mit meinem Therapeuten auch "besprochen". Er ist nicht weiter darauf eingegangen und ich hab die Übung auch nie mehr gemacht.

Ich denke das Problem ist zu vielschichtig, als dass man sich im Spiegel immer so sehen kann, wie man nun mal eben ist. Vielleicht kann man das tun, wenn andere "Baustellen" beseitigt sind. Quasi, wenn man mit SICH und der Welt im Reinen ist.

Ja, dieses Nicht-Annehmen können interpretiere ich immer bei mir als "Selbstverständlichkeit". Wie eben, das was ich tagtäglich mache, dass machen andere auch und das ist nichts wofür man sich selbst loben muss.

Ich "quäle" mich jedes Semesterende mit schweren Prüfungen, bestehe sie und bin nicht stolz darauf. Dass ich mich von der Hauptschule zum Studium gekämpft habe, sehe ich nicht als persönliche Errungenschaft an, eher als die Notwendigkeit dass man nicht auf Hartz-IV-Basis leben möchte. Das ist mein Weg, den ich besteiten muss und dafür muss ich mich nicht selbst und schon gar kein anderer loben.

Ich kanns nicht ändern ...

Wie gehts euch in diesen Dingen? Belohnt ihr euch?

LG Pingu

Violine
04.09.2008, 22:20
Das ist mein Weg, den ich besteiten muss und dafür muss ich mich nicht selbst und schon gar kein anderer loben.

Ich kanns nicht ändern ...

Wie gehts euch in diesen Dingen? Belohnt ihr euch?

LG Pingu


Die höchste Motivation ist Belohnung! Das mal vorneweg.

Und dann wäre da noch der Input und der Output. Wenn du immer nur gibst, nichts dafür bekommst......sind deine Ressourcen schnell erschöpft. Das ist eine ganz einfache und logische Rechnung. Wenn du deine eigenen Leistungen, egal wie groß sie sind, mit denen anderer misst, erhälst du kein objektives Bild deines Könnens. Du solltest deinen Fähigkeiten vertrauen und auf ihnen aufbauen.

Als ich angstbesetzt war, war jeder noch so kleine Schritt ein Jahrhundertereignis für mich. Ich habe diesen Schritt aus eigener Kraft und mit viel Überwindung getan UND ich war stolz wie Bolle! Hätte ich mich an den 1000 anderen Passanten auf der Strasse orientiert, wäre mein kleiner Schritt natürlich nichts besonderes gewesen. Laufen kann schließlich jeder. Aber das steht nicht zur Debatte.

Ich habe mich für meine Leistungen belohnt. Das tue ich immer noch. Ich klopfe mir selbst auf die Schulter, sage mir in Monologen, wie gut ich war, umarme Bäume, schenke mir Blumen u.v.m.

KleinerPinguin
04.09.2008, 22:58
Fürwahr - vielleicht sehen wir nur "im Großen". Eher zu "gesellschftlich". Oder zu angepasst und vergessen im wahrsten Sinne des Wortes zu laufen.
Ist es vielleicht doch so, dass wir vor lauter hohen Zielen uns selbst aus den Augen verlieren?

Das geht mir gerade durch den Kopf - es ist schon paradox, dass ich vor einem vollen Hörsaal einen Vortrag über Gesundheitspolitik halten kann, aber nicht fähig bin 5 Minuten an einer Kasse anzustehen?!
Ich kann den Alleinunterhalter auf Familienfeiern geben, bin aber im Grunde ein einsamer Mensch in meinen 4 Wänden.
Ich kann anderen emotionale Unterstützung geben, bekomme aber regelmäßig Panikattacken wenn ich allein im Auto an einer roten Ampel stehe.

Entschuldigt mein Kopfkino ... aber kann das wirklich sein?

LG Pingu

Violine
04.09.2008, 23:05
Entschuldigt mein Kopfkino ... aber kann das wirklich sein?

LG Pingu


Du brauchst dich für dein Kopfkino nicht entschuldigen.


Das, was du beschreibst, ist ein Indiz dafür, dass du dir nicht vertraust. In der Menge/Anonymität funktionierst du, kannst von dir ablenken. Dort findet keine direkte Ansprache statt. Wenn es um dich geht, versteckst du dich hinter deiner Angst.

KleinerPinguin
04.09.2008, 23:25
Ja, das ist wohl so - du hast völlig recht! Im Grunde sind das die Fragen, die ich mir so oft gestellt hab - bzw. mir stelle. Ohne Fremde Hilfe schaff ich es wohl nicht.

ABER: Ich arbeite an mir! ;-) (wenn auch nicht allein)

Violine
05.09.2008, 16:02
Ohne Fremde Hilfe schaff ich es wohl nicht.




Das verlangt auch niemand von dir.

Ich habe mir auch helfen lassen, und zwar gerne!

Inaktiver User
05.09.2008, 18:51
Du brauchst dich für dein Kopfkino nicht entschuldigen.


Das, was du beschreibst, ist ein Indiz dafür, dass du dir nicht vertraust. In der Menge/Anonymität funktionierst du, kannst von dir ablenken. Dort findet keine direkte Ansprache statt. Wenn es um dich geht, versteckst du dich hinter deiner Angst.


Nein Pingu, das brauchst du wirklich nicht. Alles was du beschreibst kenne ich zur Genüge. Ich halte zwar keine Vorträge aber mir sieht man meine Angst auch nicht an. Ich wirke souverän, stark, immer alles im Griff habend. Und nichts davon empfinde ich innerlich.

Es stimmt dass es ein Indiz dafür ist dass man sich selbst nicht vertraut. Nicht vertraut und sich auch nicht besonders lieb hat bzw. nicht gut für sich sorgt. Ich habe sehr lange gebraucht bis ich das erkannt habe.

Pingu, vielleicht hilft dir das: Stell dir mal vor ein Mensch den du sehr sehr lieb hast erzählt dir von seiner Angststörung, den damit verbundenen Schwierigkeiten und den Schritten die er unternimmt. Er erzählt dir dass er ganz alleine einkaufen war was er vielleicht lange nicht mehr konnte. Was würdest du tun? Sagen: "na und, ist doch nix besonderes?" Sicher nicht. Du würdest ihn loben, bestärken.
Wie gehst du mit dir selber um? Warum gelten für dich andere Maßstäbe als für andere? Bist du dir so unwichtig?
Diese Fragen haben mir geholfen.

Das klingt jetzt alles sehr "klug", glaub bitte nicht dass ich das aus dem Ärmel schüttele. Ich lerne es gerade, Schritt für Schritt.
Mich selbst ernst und wichtig zu nehmen und mich in den Vordergrund zu stellen.

Ein schönes Beispiel hatte ich auch in meiner Thera. Ich hatte ihr von anstrengenden Tagen erzählt an denen mir alles über den Kopf wächst. Job, Kind, Hund, Haushalt, Alltagskram. Und ich abends so fertig bin dass ich nicht mehr piep sagen mag und trotzdem immer noch weiter mache.... Was würde ich meiner Tochter sagen wenn sie so fertig wäre? Würde ich zu ihr auch sagen: so, jetzt noch dies und das tun und dann erschöpft ins Bett fallen. Nein. Sicher würde ich sie ermuntern sich was gutes zu tun, sich auszuruhen, nur die wirklich unbedingt nötigen Dinge zu tun.
Und genauso sollten wir auch mit uns selbst umgehen, diese Vorstellung hilft mir.

LG,

Susi

Slo
06.09.2008, 10:08
Hallo ihr ....
habe heute ein wenig Zeit und so habe ich mich durch euren ganzen Strang gelesen.
Hier finde auch ich mich wieder. Und es tut so gut, zu lesen, ja - es gibt auch noch andere Betroffene.

Ich hatte vor ca. 10 Jahren mit etwa 25 meinen ersten sehr heftigen Angst-Panikanfall - danach ging tatsächlich nichts mehr.
Seitdem gibt und gab es Höhen und Tiefen - aber alles in allem ging es immer ein wenig aufwärts.
Mein Mann ist zum Glück ein sehr guter Angstkomprimierer - das kann er so gut.
Nach außen merkt man mir auch nichts an - ich halte Vorträge vor über 100 Leuten, leite eine kleine Grundschule mit gut 10 Kolleginnen und Kollegen, manage den Haushalt und, und, und ...
Meine Therapie hilft mir auch ... alle zwei Wochen seit gut 2 Jahren ...
Aber die Depri-Phasen sind immer noch da - zeitweise heftig.
Allerdings ging es bisher ohne Medikamente. Da scheine ich ein Stehaufmännchen zu sein. Nur Autobahnfahren - aus Angst vor Stau geht eigentlich gar nicht oder nur, wenn noch jemand dabei ist. Außerdem ahbe ich nun einen Navi, der die Staumeldungen anzeigt und ich auch Autobahnfahrten vermeiden - eingeben kann.
Schwierig ist für mich, dass mein Bruder noch viel schlimmer daran erkrankt ist wie ich. Er war nun über 1/2 Jahr in einer Klinik - fast ganz ohne Außenkontakt. Eigentlich nur zu unseren Eltern und seiner Frau.
Upps, das war jetzt recht viel auf einmal.
Freue mich auf einen weiteren Austausch
Slo

Inaktiver User
06.09.2008, 10:36
Hallo....

Slo, schön dass du mitschreibst.
Ja, es ist hilfreich zu wissen dass es vielen anderen auch so geht. Leider sind Angsterkrankungen wirklich sehr verbreitet aber ich persönlich kenne kaum jemanden der auch offen darüber spricht.

Ich finde es sehr schwierig anderen zu erklären was mit einem los ist, halte es aber auch für sehr wichtig es nicht zu tabuisieren.
Wie haltet ihr das? Redet ihr mit anderen darüber? Freunde, Bekannte, Kollegen?

LG
Susi

Inaktiver User
06.09.2008, 16:48
[QUOTE=bellanis]Hallo Kleiner Pinguin,

auch ich hab seit kurzer Zeit Panik-Anfälle, und zwar beim Autofahren. Ich fahre seit meinem 18. Lebensjahr, immer recht sicher und auf einmal nun das. Nun vermeide ich bereits
Schnellstraßen oder Autobahn zu fahren, mache lieber Umwege, obwohl ich denke, das ist nicht die Lösung. Versuch auch mit mir zu sprechen, " fühle mich sicher und entspannt", aber auch das hilft nicht.

Würde mich auch hilfreiche Ratschläge sehr freuen.

Liebe Grüße,

Bellanis[/QUOTE


habe hier nicht alles mitgelesen, möchte mich aber einklinken.
ich habe auch seit x Jahren Angst-und Panikstörungen. Autofahren ging schonmal garnicht mehr, von öffentlichen Verkehrsmitteln ganz zu schweigen.
Ich bin dann in mehreren Theras gewesen, mal mit gutem, mal mit weniger gutem Erfolg.
Ein guter Therapeut gab mir den Ratschlag, was lange gebraucht hat, sich zu entwickeln, kann nicht von heute auf morgen wieder weg sein. Sie haben "Angst " erlernt, so müssen sie sie auch wieder " weglernen.". und erklimmen sie n icht gleich den Mount Everest. Das ist gefährlich. Und genauso habe ich es auch gemacht.
Es ist sehr schwer einen guten Therapeuten zu finden, der sich speziell mit Konfrontation auskennt. Die meisten Th. haben keine Zeit. So habe ich langsam angefangen mit mir " alleine" zu verfahren. Und ich bekam Lob ! .. was ist sehr wichtig. Wenn ich etwas geschafft hatte, zb. die ersten Autofahrten alleine, habe ich mich selber gelobt. zb. eine Faust gemacht und juhu ! geschrien. Heute fahre ich kreuz und quer durch die Stadt. Was ich auch noch nicht geschafft habe, sind die Autobahnen und Landstrassen.Vielleicht liegt es an der Raserei der anderen, das weiss ich nicht. Ampeln sind und waren mir auch ein Graus, aber sehe ich von weitem eine rote Ampel, fahre ich automatisch etwas langsamer, dann muss ich nicht so lange warten und was die anderen hinter mir denken, ist mir völlig egal.

Aber ich weiss, dass es sehr wichtig ist, sich Ziele ! zu setzen. Das sagt mir auch meine Th. Fahren sie bis dahin und ni cht weiter !.... alles, was man alleine schafft, bleibt haften. Unter dem Druck, " das musst du heute schaffen" geht meines Erachtens nichts.
Ich bin ja schon zufrieden mit dem was ich bisher erreicht habe.
Es gibt ein Angstforum von Doris Wolf, die u.a. gute Bücher geschrieben hat.
Angstfrei leben habe ich auch gelesen. Sehr gut !
Aber es ist auch wichtig, einen Partner an der Seite zu haben, der dich nach deinem Erfolg, und es ist einer, zb. mal in den Arm nimmt und sagt.... super , was du geschafft hast. DAS habe ich nicht erlebt.. Dann habe ich nach dem Motto gelegt.. na ich werds euch allen zeigen, was ich kann. Man muss ich selber motiviere und denken, ich tue es ganz für mich alleine !!!!!

Zug fahren ist heute für mich entspannend. Ich denke dann auch, es sind ja viele Menschen dabei, reden mit den Menschen lenkt ab, zwischendrin sind Entspannungsübungen nach Jacobson wichtig.
Und wenns mal einen schlechten Tag gibt, und das ist immer mal der Fall, dann nehm ich mir einfach ein Taxi. Sollte ich zu einem Termin müssen, der in der Nähe liegt. ABER was ich nicht mehr getan habe, meinen Partner gebeten, mich irgendwo hinzufahren.
Th.

KleinerPinguin
06.09.2008, 23:26
Ich finde es sehr schwierig anderen zu erklären was mit einem los ist, halte es aber auch für sehr wichtig es nicht zu tabuisieren.
Wie haltet ihr das? Redet ihr mit anderen darüber? Freunde, Bekannte, Kollegen?

LG
Susi

Ihr Lieben!

@ slo & Theresia - Willkommen in unserem kleinen “Panik-Orchester”

Hhmm … über das Erzählen von meinen Ängsten, das ist so eine Sache. Im Grunde wissen es nur meine Eltern und mein nun mehr Ex-Freund und 1 Kommiliton.
Es gab da eine seltsame Begebenheit. Anfang des Jahres hatte ich einen Vortrag an der Uni über das Thema “Pflege in der Psychiatrie”. Es lief alles völlig entspannt - lockeren Vortrag gehalten mit anschließender Diskussion mit den Teilnehmern. Beim Thema Krankheitsbilder gab es einen regen Austausch, bei denen die Teilnehmer den Wunsch äußerten sich mal mit “einem richtigen psychisch Kranken” zu unterhalten, da sie sich nicht vorstellen konnten, “wie das so ist”.

Ich habe als Beispiel angeführt, dass jeder Autofahrer bereits schon mal eine Situation erlebt hat, wie
z. B. einen Fast-Unfall, oder ein Kind rennt plötzlich auf die Straße und man kann gerade noch so bremsen. Das Herz rast, der Schweiß steht auf der Stirn, alle Sinne sind hellwach - ein Adrenalinstoß ohne Vergleich - das erleben Angstpatienten aus heiterem Himmel oder in bestimmten objektiv ungefährlichen Situationen.
Naja - als Diskussionsleiter bin ich nicht in die Presche gesprungen und habe nicht erzählt, dass ich unter Ängsten und Depressionen leide. Im Grunde hätte ich da den Rahmen gesprengt. Aber zuhause begann dann das Rad sich zu drehen - Was ist richtig - Was ist falsch. Wie viel wollen Menschen wissen? Wie weit geht Aufklärung? Ich denke, solang sie nicht selbst betroffen sind, oder ein Mensch aus dem unmittelbaren Umfeld, wollen sie alles wissen - das ist eher die “Magie des Abnormalen” - Schauergeschichten von Schizophrenen und Suizide von Schwerstdepressiven.

Ehrlich - ich will das keinem erzählen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man zu schnell als Opfer angesehen wird. Ich hab meinen Freund durch mein ständiges Jammern und Ewig-Diskussionen verloren. Er hat es irgendwann nicht mehr ausgehalten und ist einfach gegangen. Er arbeitet selbst mit psychisch kranken Menschen - irgendwann war ich für ihn keine Partnerin mehr gewesen - ich war wie eine seiner PatientInnen.
Und auch sonst gibt es eher unterschiedliche Meinungen - Ängste werden eher als Spinnerei oder allgemeine menschliche Schwäche (“Angsthase”) abgewertet. Schizophrene sind im öffentlichen Bild ja auch alle Mörder (Darry-Fall).

Es ist schwierig …

Wie reagiert euer Umfeld?

Im Übrigen: Mein Termin für die Tagesklinik steht fest: am 11.9. Kann ich hin für 3,5 Wochen. Na da bin ich mal gespannt.

Liebe Grüße
Pingu

Inaktiver User
07.09.2008, 01:45
Hallo,

ja, es ist schwierig das Thema anzusprechen.

Meine engen Freunde und meine Familie wissen es, wobei meine Eltern z.B. gar nicht damit umgehen können. Sie stammen aus der Generation in der über psychische Erkrankungen nicht gesprochen wurde und schweigen aus Hilflosigkeit. Sie würden alles tun um mich zu unterstützen aber sprechen können sie darüber nicht.
Meine Schwester geht sehr offen damit um, sie kennt das Krankheitsbild und sieht mir mittlerweile meine Verfassung auch an.
Bei meinen Freunden ist es sehr unterschiedlich. Ich habe oft den Eindruck sie versuchen zu verstehen aber die Fähigkeit zur Empathie ist da doch sehr unterschiedlich.

Ich habe auch schon mit mir nicht so nahestehenden Menschen darüber gesprochen und meine Erfahrungen sind auch da sehr unterschiedlich. Ich war oft erstaunt dass viele mindestens noch eine Person kennen die ähnliche Probleme hat oder sogar selbst bereits mit Ängsten zu tun hatten. Es ist wirklich sehr verbreitet aber leider ein Tabu... Kein Wunder in einer Gesellschaft in der immer Leistung und Funktionieren zählt....

Auf der Arbeit habe ich nie davon gesprochen, habe allerdings vor einigen Wochen zum ersten Mal einem Kollegen davon erzählt. Auslöser war dass es seiner Frau nicht gut ging (unklarer Schwindel, keine richtige Diagnose), irgendwann habe ich ihn gefragt ob vielleicht auch in Erwägung gezogen wird dass es sich um eine psychische Sache handelt? Daraufhin sind wir ins Gespräch gekommen und ich habe ihm meine ganze Geschichte erzählt was sehr gut getan hat. Dadurch dass seine Frau gerade ähnliches erlebt war es natürlich einfach den Zugang zu finden.

Ich glaube ich spüre mittlerweile ganz gut wer offen für dieses Thema ist oder überhaupt etwas damit anfangen kann und welche Menschen eher von der Sorte "dann reiß dich mal zusammen" sind. Den ersteren erzähle ich davon.
Ich möchte mich und meine Erkrankung nicht mehr verstecken, das habe ich jahrelang getan. Ich habe mich immer geschämt nicht richtig zu funktionieren. Je mehr ich aber die Angst verstecke und tabuisiere umso mehr Macht gebe ich ihr. "Wie schrecklich muss etwas sein wenn man anderen davon nicht erzählen kann?"

Im Job ist das natürlich (mit Ausnahme des einen Kollegen) absolutes Tabu, da gehört es einfach nicht hin. Im sonstigen Umfeld spreche ich mittlerweile darüber.
Aber das hat gedauert bis ich soweit war...

Pingu, toll dass das nächste Woche klappt.
Darf ich mal fragen wie du das beruflich machst? Bist du selbständig?

LG

Susi :blumengabe:

Slo
07.09.2008, 10:07
Hallihallo,

darüber reden - ein heikles Thema.
Ich handhabe dies auch ganz unterschiedlich.
Aber eigentlich bin ich immer auf Offenheit und die Tatsache gestoßen, dass die Leute eigentlich immer jemanden kennen, dem es auch so ging bzw. auch Ihnen selber.
Vom Versteckspielen halte ich auch nichts. Oft tut es mir halt auch einfach gut, wenn ich weiß, dass da noch jemand ist, der im "Notfall" (tritt ja eigentlich nicht ein) Bescheid weiß bzw. wissen würde. Das gibt mir Halt.
Aber im Beruf ist das echt schwierig. Da weiß es auch nur eine Person.
Schwieriger finde ich es, wenn ich Termine nicht wahrnehmen kann, weil es an diesem Tag einfach nicht geht. Zum Glück kann ich dann zwar arbeiten gehen, aber danach ist nur noch Haus und Sofa möglich. "Igelchentage" nenne ich diese Tage dann - einigeln und in Ruhe gelassen werden. Am Tag danach geht es mir dann eigentlich immer wieder besser. Oft habe ich so einen Tag, wenn ich am Tag davor eine Situation gemeistert habe, die mich viel Kraft gekostet hat. Dies merke ich leider meist in der Situation selber nicht - aber dann am Tag danach um so heftiger.

Ich bin gespannt, was du von der Tagesklinik berichten wirst. Toi, toi, toi von meiner Seite.

Einen schönen Sonntag
Slo

Inaktiver User
07.09.2008, 10:49
Guten Morgen!
es ist in der Tat sehr schwierig m it anderen Menschen darüber zu reden. Das habe ich immer vermieden. Heute schaue ich mir die Menschen genau! an, denen ich mich anvertraue.Eigentlich niemandem. Sie helfen dir nicht. Deinen Weg musst du letztendlich alleine gehen.
So erging es mir mit einer Nachbarin. Wenn du ein Angstmensch bist, merkst du sehr schnell, ob ein anderer auch evtl. an Ängsten leidest. Man muss nur gut zuhören. So hörte ich von der Nachbarin dann mal... was du hast Probleme, alleine in deinem Haus zu bleiben .... das kenne ich nun garnicht. Es war für sie unverständlich. Aber andererseits sagte sie mir immer wieder, wie würde täglich zu mir rüber sehen, ob ich da sei, damit der nachbarschaftliche Kontakt nicht abreisst. Heute weiss ich, dass es ihre Ängste waren, die sie ausgesprochen hat, aber ni emals zugab. Jetzt ist auch sie alleine in einem grossen Haus. Kann nicht mehr schlafen, jetzt spricht sie... ich kann ja garnichts. Auch sie traut sich nicht in einen Zug, konnte nicht Auto fahren ( der Mann ist gestorben). Die beiden klebten aneinander. Jetzt bricht alles durch. Ich wurde nur belächelt. Also war und bin ich still.
Ihre Ängste waren schon immer da, die waren nur verschüttet.
Und bei mir holt sie sich heute Ratschläge.
Selbst meine beste Freundin weiss ni cht, was ich hatte, bzw. noch habe..
schönen Sonntag allen Angstgeplagten.
Th.

Violine
08.09.2008, 10:43
es ist in der Tat sehr schwierig m it anderen Menschen darüber zu reden. Das habe ich immer vermieden.


Ich habe ohne lange darüber nachzudenken mit jedem über meine Angst gesprochen. Vielleicht wollte ich dieses Neue, dieses Ubekannte nicht für mich alleine behalten. Ich habe die Angst nie als ein Tabu angesehen; warum auch?

Als ich merkte, wie verhalten meine Mitarbeiter mit dem Thema umgehen, hatte ich das Bedürfnis sie aufzuklären. Das war keine Strategie von mir, eher ein intuitives Bedürfnis. Also erzählte ich allen - vom Pförtner bis zum Direktor - warum ich krankgeschrieben bin. Durch meine Offenheit hatten sie die Chance, ebenso offen zu reagieren. Und das taten sie auch! Sie fragten mich, warum ich dies und jenes nicht kann/machen will; gaben mir Hilfestellungen, nahmen Rücksicht auf meine eingeschränkten Möglichkeiten u.ä.m.

Es war ein 'Spiel' mit offenen Karten. Ich bin heute noch dankbar über die unglaublich schöne und kollegiale Reaktion meine MitarbeiterInnen.

Dass meine Familie und Freundeskreis von Anfang an bescheid wusste, war mir noch selbstverständlicher.

Inaktiver User
08.09.2008, 17:16
Dann hast du Glück gehabt.!!! find ich toll, wenn dein Umfeld so reagiert hat.
Ich bekam von meinem Mann gesagt... wenn du die Therapie gemacht hast , kannst es ja der Familie erzählen, es muss ja niemand wissen.... er selber hat auch in seiner Familie nie erwähnt, was mit mir los war.
Nur seine Schwester, die auch unter Ängsten litt, hat er ständig in Schutz genommen, so nach dem Motto..ach die war schon immer ängstlich...
Mein Mann wollte eine starke Frau.
Das hat letztendlich dazu geführt, dass ich es für mich alleine entschieden habe, den Mund zu halten. Ich bin aber auch nicht bereit für die anderen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Sollen sie in eine Therapie gehen. ! ist nicht böse gemeint. Viell. nur ein Schutz für mich selber .
Th.

KleinerPinguin
08.09.2008, 17:42
Hallo Ihr Lieben!

Ich hab heute mal wieder einen "Einigel-Tag", daher meld ich mich nur mal kurz.

Hab da was im Netz gefunden, vielleicht kennt ihr es ja schon.

http://www.youtube.com/watch?v=Zyc8bs5Wjv0&feature=related

Es sind glaube ich insgesamt 3 Teile!

Liebe Grüße

Pingu

KleinerPinguin
09.09.2008, 16:19
Hallo ihr Lieben!

Ich hoffe euch gehts gut - und habt eine angstfreie Zeit!

@Susi
Ich bin Studentin - Pflegewissenschaften. Da ist es schon manchmal seltsam, dass die Theorie so praktisch unterlegt wird. ;-)

Ich hab auch noch einen Buchtipp:

"Seelenfraß - Wie Sie den inneren Terror der Angst besiegen" von Margot & Michael Schmitz

Ein Thema was mich irgendwie auch immer beschäftig ist die Frage mit den körperlichen Symptomen. Kommt die Panik nun von den Symptomen, weil ich sie nicht richtig einordnen kann. Oder Sind die Symptome Reaktionen meines Geistes auf die Panik?

Bisher ging es mir immer so, dass Schwindel, Herzrasen & Co. Aus heiterem Himmel aufgetaucht sind - ohne direkten Auslöser. Z.B. Anstehen an der Supermarktkasse oder während eines Vortrags über den Amazonas - alles Dinge, die mich früher so was normal waren, bzw. entspannend für mich waren.
Meine Gedanken: “Irgendwas stimmt nicht … Herzrasen? Schwindel? Linker Arm schläft ein? Stechen in der Brust? Gleich wirst du ohnmächtig! Kann nur ein Schlaganfall sein - oder das Herz!” Und dann ist plötzlich die Panik da.

Mein letztes Horrorerlebnis war eine leider unumgängliche MRT-Untersuchung. Mit haben schon vorher die Knie geschlottert und ich hab dem Arzt auch gesagt, dass ich wahnsinnige Angst habe. Er meinte, Beruhigungsmittel gibt’s nicht, zur Not könnte ich den Notfallknopf betätigen. Gesagt - getan. Es sollte 30 Minuten gehen - 25 Minuten ging gut. Ich hab an den Urlaub mit meinem Freund gedacht - an Meer - an die Seeluft. Alles völlig entspannt.
Dann wurde noch mal Kontrastmittel nachgespritzt und dann gings los - mein Arm wurde plötzlich eiskalt, was ja normal ist, aber die Panik war sofort da. Wieder der Gedanke “Irgendwas stimmt nicht - jetzt stirbst du! Schlaganfall!”

Wie das dann abgelaufen ist, könnt ihr euch ja vorstellen … der blanke Horror. Ich hab die letzten 5 Minuten nur mit gutem Zureden einer etwas genervten Schwester überstanden. Ich bin so schnell wie möglich aus dem Institut und hab mich so geschämt. Ich wollte nur noch weg.

Daher meine Frage - was war eher da: die Panik oder das Symptom? Das Ei oder die Henne?

Liebe Grüße
Pingu

Inaktiver User
09.09.2008, 22:02
@Pingu

Ich hab da so meine Theorien zu und antworte dir noch ausführlich -versprochen!
Bin bloss heute abend zu müde...

Liebe Grüsse,

Susi

Inaktiver User
13.09.2008, 21:07
Hallo,

ja Pingu, zu deiner Frage. Gar nicht so einfach, ich habe da auch schon viel drüber nachgedacht.
Ich denke es ist einfach ein Teufelskreis und an irgendeiner Stelle steigt man ein, vielleicht auch abhängig von der Situation. Die körperlichen Symptome bewirken dass wir Angst bekommen (Was ist das? Fall ich jetzt um? Hab ich was Schlimmes? Ist das normal? Bekomm ich jetzt einen Schlaganfall?). In die Angst steigert man sich rein (unbewusst, das sind die Gedanken die automatisch hochkommen). Dann kommt die Panik. Die Panik bewirkt wiederum dass sich die körperlichen Symptome verstärken, schließlich ist der ganze Körper unter Anspannung und es wird Adrenalin ohne Ende ausgeschüttet.

Im Prinzip sind es ja immer die Gedanken die die Angst bzw. die Symptome auslösen - leider ist es bei mir aber so dass ich oft gar nicht weiss was ich gerade gedacht habe, was genau gerade mein Problem ist oder worüber ich gerade gegrübelt habe! Meine Symptome überfallen mich völlig unvermittelt und ich habe keine Ahnung wie ich mich gerade da reinmanövriert habe!
Klassisch ist das in Situationen in denen ich warten muss oder keine Kontrolle habe (Supermarkt, Stau...)

Außerdem habe ich noch was für mich rausgefunden: Ich habe in den letzten Jahren körperliche Betätigung, Bewegung vermieden wo es nur ging. (nicht umsonst habe ich auch ein Gewichtsproblem). Tatsache ist: ich hatte regelrecht ANGST mich zu bewegen und das wurde immer schlimmer!
Mit meiner Therapeutin habe ich das auch so nach und nach erarbeitet womit das zu tun hat: ich bin natürlich völlig konditionsfrei aufgrund der letzten Jahre. Wenn ich nur einen kleinen Hügel hochgehe fängt mein Herz schneller an zu schlagen, ich komme außer Atem.... und schon ist es passiert: es fühlt sich ja für meinen Körper, meinen Geist an wie eine Panikattacke, wie aufkeimende Angst. Und schon kommt auch die Angst in Form meiner angstmachenden Gedanken! Und schon vermeide ich.... und "schleiche" nur noch den Hügel hoch oder geh gar nicht erst...

Hm, ist das verständlich??? Ich würde genau dieses Thema so gerne für mich auflösen... ich brauche Bewegung und sie tut mir auch gut. Aber es ist so schrecklich schwer weil die Angst mich oft überfällt...
Kennt das einer von euch? Wisst ihr was ich meine?

Grüsse euch alle,

Susi :blumengabe:

P.S. Pingu, magst du erzählen wie es in der Tagesklinik war?

Sopherl111
14.09.2008, 11:31
Hallo Zusammen,

ich habe eure Eintrage mit viel Interesse gelesen, da ich seit ca. 5 Jahren selbst eine Betroffene bin. Seit ca. Herbst 2003 habe ich eine generalisierte Angststörung und dazu kamen natürlich auch noch Panikattacken. In dieser Zeit fing ich auch eine Therapie an. Mir ging es auch recht bald besser, es war zwar noch nicht wieder die Normalität eingekehrt, aber ich konnte meinen Alltag wieder bewältigen.
Leider habe ich seit ca. 4 Wochen wieder einen sehr starken Rückfall - eine Panikattacke gefolgt von der nächsten. Und wie es immer so ist - meine Ärztin im Urlaub und meine Psychotherapeutin in Elternzeit. Aber zum Glück habe ich nächsten Woche einen Termin bei meiner Ärztin und auch meine Therapeutin arbeitet in ca. drei Wochen wieder.... freu.

Bezüglich eurer Diskussion mit der Offenheit - ich habe meine Krankheit sehr lange Zeit verheimlicht, da ich mich teilweise geschämt habe. Seit ca. einem Jahr lebe ich sie jedoch offen und ich dies tut mir auch sehr gut, da ich kein Versteckspiel mehr spielen muss. Und ich habe bisher sehr viel Glück und mir begegnen alle Menschen sehr offen und verständnisvoll. Natürlich können sie es nicht nachvollziehen, aber sie tun es auch nicht ab. Ich habe es nie bereut, dass ich mit meiner Krankheit offen umgehe.

Ich habe aber auch noch eine Frage an euch und zwar - war jemand schon mal bei einer Selbsthilfegruppe? Ich gehe morgen Abend zu einer Vorbesrpechung von einer Selbsthilfegruppe - ich bin schon sehr gespannt wie es abläuft und ob es für mich positv ist dorthin zu gehen oder ob ich nur noch mehr Ängste bekomme. Wie steht ihr zu diesem Thema?

Dann wünsche ich Euch einen schönen und hoffentlich (fast) angstfreien Sonntag.

Liebe Grüße
Sopherl

Inaktiver User
14.09.2008, 15:17
Hallo,

ich hab etwas länger überlegt, habe aber "eigentlich" auch Panikattacken.

Angefangen aus dem Nichts im Januar 2007, seit Februar 2008 einhergehend mit schwankendem Schwindel und nächtlichem Drehschwindel und schlechtem Sehen.

Ich habe oft im Bett Probleme, aber auch auf der Arbeit, bei Vorträgen, beim Essen. Ich bin bereits zweimal zu Hochzeiten aus den Schuhen gekippt, bei einer Attacke.

"Eigentlich" deswegen, weil ich derzeit relativ beschwerdefrei bin.

Genauso, wie du es beschreibst, Susi, sehe ich es auch.

Es ist eine Spirale nach unten.

Nachdem das Kind einen Namen hatte und ich mehrfach ALLE neurologischen Untersuchungen (MRT, CT, Bluttest, Schilddrüse, was weiß ich alles) hinter mir hatte, habe ich mich erstmals damit beschäftigt.

Mir wurde im Januar 07 auch ein Ausgebranntsein (ich mag den englischen Begriff nicht so) attestiert.

Ich mache keine Therapie. Sagen wir besser, ich mache noch keine Therpie. Ich denke allerdings schon sehr viel länger darüber nach.

Ich bin von anfang an sehr offen mit dem Thema umgegangen. Hab es mitgeteilt, wenn es nötig war. Meine Familie ins Bild gesetzt, vor denen ich es hätte auch nicht verheimlichen können.

Damit habe ich gute Erfahrungen gemacht.

Bei einigen Freunden, nunja, man versteht es eben nicht so richtig. Aber ich kann mich gut reinversetzten, wahrscheinlich hätte ich es früher auch eher nicht richtig nachvollziehen können.

Ich habe meine Attacken im Griff, indem ich rational an die Sache rangehe. Ich hämmer mir ein, dass es jetzt KEINEN Grund für Panik gibt. Das klappt zu 90 Prozent und der Spuk ist vorbei.

Zudem habe ich versucht, alle Stressfaktoren (Sachen, die mich innerlich sehr aufregen) abzustellen.

Ich würde mich gerne mit euch ein bisschen austauschen :blumengabe:

@ Vorschreiberin Sopherl

Ich hab mich mal einen Bericht zu dem Thema Selbsthilfegruppe gelesen, wo eine Betroffene sehr eindrucksvoll geschildert hat, wie sehr es ihr geholfen hat.

Ich bemühe mich mal den zu finden, ist schon etwas länger her..........

KleinerPinguin
14.09.2008, 19:45
Hallo liebe Lesende ;-)

@sopherl
Ich hab selbst keine Erfahrungen mit einer SHG. Ich habe kürzlich einen Bekannten getroffen, der selbst eine Angst-Gruppe leitet. Allerdings - es geht keiner hin. (seine Aussage) Da wäre wieder das bekannte Problem der "Veröffentlichung eigener Ängste".
Ich finde es auf jeden Fall gut, dass es Angebote in dieser Richtung gibt.

@peppi
Du schreibst, du hast alle Stressfaktoren, die dich belasten abgestellt. Waren diese Faktoren für dich immer ersichtlich? Ich finde das wirklich beeindruckend, dieses Problem, wie auch immer es geartet, an der Wurzel zu packen und aktiv anzugehen.
Da fehlt mir einfach noch der Durchblick.

@all
Ich glaube auch, dass es eher ein Problem ist (bei mir), dieses sinnlose "in-sich-hineinhorchen"-und-doch-keine-Lösung-finden. Es verleitet mich zum Grübeln und am Ende sehe ich nur, dass mein Leben total verkorkst ist. *lach*

Ich wollte ja noch kurz von der Tagesklinik erzählen.
Naja - viel ist in 2 Tagen noch nicht passiert. Körperliche Untersuchung, EEG und EKG, Gespräche bei der Ärztin und Psychologin und die ersten Besichtigungen der Therapien.
Medikamente bekomme ich ab morgen. Die Ärztin meinte, man käme jetzt ohne Medis nicht mehr weiter - Angststörung, Depressionen und Belastungsstörung ... ACH ...

Ich kam mir zeitweise ziemlich verloren vor ... ich saß in der Ergotherapie und hab einfach mal gar nix auf die Reihe gebracht, musste ich aber auch nicht. Ich war so mit mir beschäftigt und wirklich "todtraurig". Am zweiten Tag ging es ganz gut. Die Mitpatienten sind nett und im Grunde trifft man da Menschen, denen es genau so ergeht wie einem selbst. In einigen "Krankengeschichten" hab ich mich auch wiedergefunden. Da sind exakt die Sätze gefallen, die mir auch immer und immer wieder durch den Kopf gehen.

Typisch: "Ich hab immer nur gedacht: Ich muss, ich muss, ich muss - aber ich hab mich bei alldem selbst vergessen."

Naja - ab jetzt heißt es "ich kämpf für mich!"
Und ich sage nicht mehr: "Es könnte schlimmer kommen!" Bisher kam es immer Schlimmer.

Aber: ein Problem hab ich jetzt natürlich wieder. Bei der Aufnahme wurde mein Blutdruck gemessen: 150/100. Das hat mich gleich wieder aus der Bahn geworfen ... das gesamte Wochenende musste ich daran denken, dass er zu hoch ist und die Gefahr für einen Schlaganfall steigt. Folge: extreme Verspannung mit Herzstechen.

Ich weiß genau, unter Angstzuständen steigt der Blutdruck ... aber ... ihr werdet es kennen.

Ihr Lieben - ich schleich mich jetzt - bei mir herrscht schon wieder ein völliges Gedankenchaos.

Ich wünsch euch eine schönen Start in eine angstfreie Woche!

Liebe Grüße
Eure - trotzdem motivierte - Pingu

Sopherl111
14.09.2008, 20:52
@peppi: ich finde es sehr beeindruckend, dass du dir noch rational helfen kannst. Sei froh, dass dies bei dir noch geht. Bei mir ist dies leider überhaupt nicht mehr möglich.

@kleinerpinguin: in deinem einem satz finde ich mich sehr wieder:



Typisch: "Ich hab immer nur gedacht: Ich muss, ich muss, ich muss - aber ich hab mich bei alldem selbst vergessen."

Genau dies habe ich bei mir auch festgestellt und ich hoffe, dass ich daran arbeiten kann.

Ich werde euch berichten wie es in der SHG so war. Dies ist nämlich nicht nur eine kleine Selbsthilfegruppe, sondern diese Vereinigung bietet mehrere Gruppen an, die jeweils von einem Psychologen geführt werden. Angeblich soll der Spaß 100 Euro im Monat kosten, aber den genauen Preis erfahre ich erst bei der Vorbesprechung.

Also dann wünsche ich Euch eine Gute Nacht.
LG Sopherl

KleinerPinguin
14.09.2008, 21:05
Das klingt interessant. Berichte mal, wie es lief und was du für ein Gefühl hattest.
100 € im Monat ist natürlich ein Preis für den auch was geboten werden muss. *lach*
Das ist doch dann sicher ein privater Träger?!

LG Pingu

Inaktiver User
14.09.2008, 23:14
Hallo ihr,

schön, dass hier so rege geschrieben wird...

Erfahrung mit Selbsthilfegruppen habe ich leider auch nicht, aber interessieren würde es mich auch. Ich wüsste aber hier in meiner Region auch gar nicht wo ich so etwas finden sollte. Sopherl, das wäre schön wenn du uns ein bißchen berichten würdest...

"Ich muss, ich muss, ich muss.." - der Satz ist mir auch ins Auge gesprungen! Vor kurzem hat mich ein lieber Freund darauf aufmerksam gemacht. Er fragte ob ich eigentlich merken würde welche Hilfsverben ich da ständig benutze? :wie?: Mir war das gar nicht bewusst gewesen. Seitdem versuche ich dieses "muss" (das permanent durch meinen Kopf schwirrt) durch "ich sollte", "ich möchte", "ich wünsche mir" zu ersetzen.
Eigentlich MUSS man doch so wenig... wenn man das nur mal verinnerlichen könnte.....

@Pingu
Wie fühlst du dich bei dem Gedanken Medikamente zu nehmen? Grübelst du darüber nach? Schämst du dich diese Hilfe zu brauchen? Oder fragst du dich ob es das Richtige ist? Ich interpretiere dein "ACH" jetzt mal so als ob es schwierig für dich ist - sorry wenn ich damit falsch liegen sollte....

Zu deinem Blutdruck: Du weisst sicher vom Verstand her dass es nicht ungewöhnlich ist dass der Blutdruck bei Angst und in einer ungewohnten Situation steigt, das braucht dir niemand zu erklären. Aber die Sorgen sind trotzdem da. Verurteil dich nicht dafür, es ist völlig normal. Ich kenne das und sicher bin ich hier nicht die Einzige. Wenn diese Sorge anhält lass den Blutdruck einfach öfter kontrollieren und wenn er öfter erhöht ist medikamentös einstellen. Das habe ich auch gemacht und es hat mir sehr geholfen.

@sopherl
Mir ging es genauso wie dir - lange Zeit ging es mir sehr gut und vor Wochen hatte ich einen schlimmen "Rückfall". Meine Therapeutin würde jetzt mit mir schimpfen, denn Rückfall würde ja heißen dass ich in alte Muster zurückgefallen ist, das ist aber nicht so! Im Gegenteil: ich habe angefangen viele Dinge aufzuarbeiten und mir bewusst zu machen und dadurch die Angst wieder sehr verstärkt. Es war für mich erstmal schrecklich, ich hatte das Gefühl ich hätte alles "verlernt" bezüglich Angst und Panik und müsste wieder ganz von vorne anfangen. Dem ist aber nicht so. Es ist lediglich ein Arbeiten auf einer völlig anderen Ebene als vorher. Als ich das verinnerlicht hatte konnte ich den vermeintlichen "Rückfall" als das sehen was es ist: ein Fortschritt.
Vielleicht hilft dir das ein wenig?

@all
Ich mag nochmal auf das Thema Bewegung zurückkommen. Bewegt ihr euch viel, macht ihr Sport? Oder geht gar nichts in der Richtung oder nur unter Angst?

Ich wünsche euch allen einen guten Start in die Woche....

LG
Susi

Inaktiver User
14.09.2008, 23:19
noch eine Frage an peppi...

Wie hast du es geschafft diese Stressfaktoren abzuschaffen? Wie macht man das?

LG
Susi

Violine
14.09.2008, 23:24
"Ich muss, ich muss, ich muss.." - der Satz ist mir auch ins Auge gesprungen!

Ich habe nie gedacht, dass ich irgend etwas muss. Ich konnte nicht, also ging es nicht. Das heißt aber nicht, dass ich willenlos oder faul war. Ich habe mich mit meiner eingeschränkten Situation mehr oder weniger abgefunden und das beste draus gemacht.



Ich mag nochmal auf das Thema Bewegung zurückkommen. Bewegt ihr euch viel, macht ihr Sport? Oder geht gar nichts in der Richtung oder nur unter Angst?




Ich habe zuhause Gymnastik und so'n Zeugs gemacht. Erst gegen Ende meiner Angstjahre war ich im Sportstudio; es war ein lieb gemeintes Geschenk meiner Familie. Nach 3 Monaten merkte ich, dass ich diese Form des Sports nicht mag. Nicht drin und nicht vor nervenden Teenie-Videos!

Inaktiver User
15.09.2008, 07:08
noch eine Frage an peppi...

Wie hast du es geschafft diese Stressfaktoren abzuschaffen? Wie macht man das?

LG
Susi

Hmmmmmmmmmmmm..............

Ohne das ich in professionellen Händen war, hab ich mir natürlich Gedanken gemacht, WORAN das liegen kann, oder woher das so plötzlich kommt (vermeindlich plötzlich).

Ich hab durch eine berufliche Tätigkeit (Sozialamt) 10 Jahre über die Belastungsgrenze gearbeitet, weit drüber. Daneben berufliche Weiterbildungen, sehr zeitaufwendig, Vorträge.........Mein Hund, der auch Bedürfnisse hat. Noch ein Nebenjob, nee, is klar.... :knatsch:

Ich bin ein Mensch, der immer 200 % bringt (jetzt gebracht hat).

Das Liebelein von nebenan, für jeden da, immer zu Stelle, für die Probleme anderer. Sich selbst vergessend.

So auch im privaten Bereich.

Der Supergau kam, nachdem ich auch da, mir selbst gegenüber grenzübertretend gehandelt habe, in meiner letzten langen Beziehung.

Ich setze mich ähnlich wie ihr immer unter Druck. Das musst du noch, dies musst du noch. Mrs. Perfekt, die es aber dann irgendwie doch nicht alles schafft, weil die Ziele viel zu hoch gesteckt sind.

Ich habe auch schlechte Tage, Nächte weiß Gott. Ich merke sofort, wenn ich das Gaspedal zu tief durchdrücke. So musste ich letztens eine ganze Nacht mit Licht schlafen, weil nix mehr ging.

Das schlimmste sind die Drehschwindelattacken. Ich laufe tagelang neben der Spur, bin krank geschrieben.

Toi, toi, toi seit nunmehr 4 Monaten gab es keine solche mehr.

Stressfaktoren abgestellt, ja...........

Erstmal wurde die Beziehung beendet, die ich hatte. Die tat mir am allerwenigsten gut.
Ich hab auf der Arbeit gesagt, dass ich nicht mehr kann (im Büro blieb auch alles liegen, ich arbeitete nur noch 25 %), es ging nichts mehr.

Ich werde dieser Tage den Job wechseln, mein Chef hat mir etwas tolles ganz anderes angeboten.

Ich hab mir ein paar kleine Haare auf den Zähnen zugelegt *lol*.

Ich übe zu sagen, wenn es reicht. Damit stösst man natürlich auch erstmal auf Konfronationen, weil du erstmal nicht mehr in den Rahmen passt. Was ist denn mit der los ???????????

Ich mache Sport (hilft mir sehr). Hab ich früher schon gerne gemacht, hatte aber ja keine Zeit mehr dazu.

Ich nehme mir Auszeiten, gammel wenn nötig ein ganzes Wochenende hier rum (ohne zu putzen).

Sag nicht mehr Ja, wenn ich eigentlich Nein meinte.

Ich bin mir bewusst darüber, dass der Weg lange und steinig ist.

Ich möchte mich auch um eine Therapie kümmern, ich weiß aber nicht so richtig, an wen ich mich da wenden kann. Wollte mal eine Liste bei der Krankenkasse anfordern.

Meine erste Attacke kam übrigens im Büro. Und zwar war ich als Kind mal fast an einem Kaninchenstück erstickt, Weihnachten.

Sie kam also beim essen, ich konnt nix mehr schlucken, mir blieb die Luft weg, mir gingen die Lampen aus, vor lauter Panik.

So hat es angefangen, ja.

Inaktiver User
15.09.2008, 07:26
Ich muss noch anfügen, dass der berufliche Bereich aus dem ich komme, scheinbar dafür predisziniert ist.

Ich habe mindestens 5 Kollegen im unmittelbaren Umfeld, die nach ähnlich langer Tätigkeit, mit ähnlichen und noch viel schlimmeren Problemen unterwegs sind.

Slo
16.09.2008, 20:55
.. ich lese alles fleißig und interessiert mit und komme nicht immer zum Schreiben.
Doch die Frage zum Sport möchte ich doch aufgreifen.
Meiner absoluten Akkutzeit ging null, was Sport betraf - irgendwann - zum Glück - hat sich das geändert und im Moment brauche ich meinen Sport um die hochkommende Unruhe zu kompensieren. Ich jogge - meine 5-10 km 2-3-4mal pro Woche und je höher meine Belastung ist desto mehr. Allerdings mögen des meine Füße, Kniee, Schienbeine nicht immer - das empfinde ich als schlimm dann.

Und das MUSS kenne ich auch. Leider fühle ich mich gut, wenn ich viel und viel mehr erledigt und geschafft habe ... aber das lerne ich auch noch.

Auf jeden Fall genieße ich jeden Tag, an dem es mir gut geht. Und dann kann ich auch besser mit diesen Einigeltagen umgehen, an diesen schaffe ich nur das Mindestmaß. Aber immerhin.

Ein kleiner Trick, der mir sehr geholfen hat und hilft: beim Einatmen aus und beim Ausatmen ein denken - das bündelt meine Gedanken ziemlich.

LG
Slo

Inaktiver User
17.09.2008, 21:09
Ein kleiner Trick, der mir sehr geholfen hat und hilft: beim Einatmen aus und beim Ausatmen ein denken - das bündelt meine Gedanken ziemlich.



Das ist ein guter Tip, ich habe es heute ausprobiert....
Ich kenne auch so ein paar Übungen die man einsetzen kann, auch z.B. um dieses zwanghafte Grübeln in den Griff zu bekommen. (Zahlen "denken" in Verbindung mit der Atmung - mache ich oft vor dem Einschlafen...)
Es hilft nicht immer, aber ich arbeite daran....

@peppi
Es ist toll wie du das so "bearbeitest" ohne professionelle Hilfe, wirklich! Dass du dich selbst so reflektieren und von alten Mustern lösen kannst finde ich grossartig.
Mal eine ganz blöde Frage zum Rumgammeln am Wochenende....Kommst du mit liegen gebliebener Arbeit zurecht? Wie fühlst du dich dabei? Kannst du es genießen "nichts" zu tun obwohl "genug zu tun" wäre?
Sagen kann ich mir auch dass alles nicht so wichtig ist, dass ICH und was ich möchte jetzt wichtig ist... aber ich FÜHLE es nicht. Ich habe ein schlechtes Gewissen oder innere Unruhe weil ich mir Auszeit gönne obwohl ich soviel zutun hätte....
Wie ist das bei dir?

LG
Susi

Slo
18.09.2008, 21:14
.. freut mich, wenn es ein wenig geholfen hat.
Ich muss dabei immer überlegen, ob ich jetzt ausatme und ein denke oder einatme und aus denke und das finde ich sehr Gedankenbündelnd.

Werde mir morgen auch eine der besagten Auszeiten gönnen. Naja, morgens noch kurz arbeiten, aber dann.
Schönen Abend
Slo

westerwald
21.09.2008, 13:13
Hallo zusammen, ich habe einen Strang aufgemacht "Grosser Kummer mit dem Chef", aber da ich darauf auch mit Angst und Panik reagiere, wollte ich mich hier auch einmal melden. Früher hatte ich häufiger Angst, aber lange nicht mehr so wie jetzt. Heute habe ich schon überlegt, ob ich mich in die Psychiatrie einweisen lasse, weil ich Angst habe, dass ich durchdrehe. Hat jemand von Euch Erfahrung damit (Ich habe nicht alle Beiträge durchgelesen). Ich mache eine Gesprächstherapie einmal die Woche um die Probleme aufzuarbeiten, aber es kommt so viel hoch, dass ich glaube, dass nicht mehr bewältigen zu können. Und schlafen kann ich nur noch ganz schlecht und nur wenn ich vorher Alkohol getrunken habe. Schlimm, oder.

Viele Grüße

Violine
21.09.2008, 14:10
@westerwald

irgend etwas sagt mir, dass du trollst.

Wenn dem nicht so sein sollte, entschuldige ich mich natürlich für meine Vermutung.

westerwald
21.09.2008, 14:49
@vio: Was meinst Du mit "trollen", dass ich das eben Geschriebene nicht ernst meine?
Leider ist das bitterernst für mich, ich weiss nicht wie Du auf diese Vermutung kommst? So dreckig wie im Moment habe ich mich im ganzen Leben noch nicht gefühlt. Und dann ist eine solche Antwort wie Deine nicht hilfreich, im Gegenteil, sie stürzt mich noch tiefer in die Verzweiflung.

Violine
21.09.2008, 14:58
Und dann ist eine solche Antwort wie Deine nicht hilfreich, im Gegenteil, sie stürzt mich noch tiefer in die Verzweiflung.


Ich schrieb, dass ich mich im Voraus entschuldige, sofern mich mein Gefühl täuscht.

Verstehe es so, dass ich mich getäuscht habe.


Schwamm drüber.

westerwald
22.09.2008, 10:20
Heute bin ich im Büro und merke eine Stinkwut auf meinen Chef und das Bedürfnis, ihm die Klamotten vor die Füße zu werfen, er soll seinen Mist alleine machen. Aber dann würde ich auch das verlieren, was hier gut für mich ist, nette Kollegen, ein Arbeitsgebiet, wo ich mir viel aufgebaut habe, ein schönes Büro, ein annehmbares Gehalt usw.
Vielleicht steckt das ja hinter der Angst, überlege ich mir gerade? So gekränkt, verletzt und zornig zu sein, dass das Bedürfnis alles hinzuwerfen übergross und kaum noch beherrschbar ist. Am liebsten würde ich ins Nebenzimmer gehen und meinem Chef an den Kopf werfen, wie er mich gekränkt hat, ich würde das außerdem am liebsten jedem sagen, ans schwarze Brett schreiben und ins Intranet, so wütend bin ich.

westerwald
23.09.2008, 14:10
Nachdem ich in der Nacht gar nicht geschlafen hatte, war die Panik heute so gross, dass ich nicht mehr arbeiten konnte. Ich bin dann zum Arzt gegangen, der mich erst einmal für 2 Wochen krank geschrieben hat und mir das Medikament Opipramol gegeben hat. Kennt das jemand von Euch? Für Antworten bin ich sehr dankbar.
Westerwald

Slo
23.09.2008, 18:12
Hallihallo,
mmh, leider kann ich über Medikamente so gar nichts sagen, weil es bisher irgendwie immer noch so ging.
Ich drücke dir die Daumen, dass es dir bald wieder ein wenig besesr geht.
LG
Slo

Violine
23.09.2008, 18:18
hat und mir das Medikament Opipramol gegeben hat. Kennt das jemand von Euch? Für Antworten bin ich sehr dankbar.
Westerwald

Ich hoffe, dein Doc konnte dir Näheres über Opipramol sagen.

westerwald
24.09.2008, 07:52
Die Nacht habe ich dank Opopramol ganz gut überstanden, wenigstens habe ich geschlafen, zwar nicht durch, aber genug. Da ich zunächst für 3 Tage nur abends eine Tablette nehmen soll, zum Einschleichen ist die Wirkung heute morgen aber ziemlich weg und ich schiebe wieder Panik. Heute Mittag habe ich noch einen Termin bei meiner Therapeutin, hoffentlich hilft das.

Viele Grüße
Westerwald

Inaktiver User
24.09.2008, 21:53
Hallo westerwald,

wie war denn dein Termin bei deiner Therapeutin? Konnte sie dir bzgl. Opipramol weiterhelfen?
Ich habe da auch keine Erfahrungen mit, ich hatte es mal verordnet bekommen als ich gar nicht mehr schlafen konnte (über Wochen nur noch 1-2 Std. pro Nacht) weil es wohl ziemlich müde macht und morgens keinen "Überhang" hat sofern man früh genug schlafen geht.
Genommen hab ich sie aber nicht, deshalb kann ich auch nichts dazu sagen. :wie?:

Du warst ja sehr wütend auf deinen Chef... und in der Nacht konntest du nicht schlafen und morgens war die Panik schlimm...
Was könnte denn noch hinter dem Gefühl der Wut stecken? Fühlst du dich ausgenutzt? Blamiert? Hast du das Gefühl dich nicht wehren zu können, die Kontrolle zu verlieren? Hast du Angst vor weiteren Verletzungen? Wie ist es mit Grenzen setzen?
Nur mal so als Anregung, du musst nicht antworten wenn du nicht magst - ich kann auch mit meinen Fragen völlig falsch liegen...

Grüss dich

Susi

westerwald
25.09.2008, 11:25
Liebe Susi2412, meine Therapeutin hat gesagt, dass ich das Medikament ruhig nehmen kann. Ich nehme bisher auch nur abends 1 Tablette und konnte dann auch schlafen.
Ich habe jetzt auch einmal hinter die Wut und die Angst gesehen und mittlerweile denke ich, dass ich so zornig bin, weil ich von meinem Chef nicht die Anerkennung erhalte, die ich haben möchte, obwohl ich mich abrackere wie verrückt und mich völlig überfordere. Gerade jetzt wo ich das schreibe, spüre ich wieder, wie mich die Wut überkommt. Mein Job und auch mein Chef überfordern mich z.Zt., ich werde lernen müssen, Grenzen zu setzen. Jetzt bin ich aber erst einmal 2 Wochen krankgeschrieben und das ist auch gut so. Ich habe zwar viele freie Zeit, was mir auch zu schaffen macht, weil ich die auch ausfüllen muss.
Gerade eben war ich walken und hatte eine schöne Begegnung mit einer Nachbarin, die Yoga-Kurse abhält. Ich habe ihr erzählt, dass ich krankgeschrieben bin wegen Überforderung und sie hat mir vorgeschlagen, bei ihr doch einmal eine Schnupperstunde Yoga zu machen. Das fand ich spontan eine so gute Idee, das ich jetzt schon einen Termin für nach den Herbstferien habe.
Wahrscheinlich ist das der Weg, für sich selbst sorgen, obwohl mir das sehr schwer fällt.
Viele Grüße
Westerwald

Slo
05.10.2008, 17:25
..niemand mehr da?
Gestern hatte ich einen richtig guten Tag und heute ... tja, da muss ich wohl dafür "büßen". Jedenfalls geht heute gar nichts. Wahrscheinlich wieder mit einer Depri gekoppelt.
Ich hoffe, es geht euch gut.
Lieben Gruß
Slo