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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : mangelndes Selbstwertgefühl, Probleme mit der Mutter



Ylva-Li
22.08.2008, 12:08
Hallo,

ich schreibe um Leute zu finden, die eventuell ein ähnliches Problem haben. Ich versuche mich kurz zu halten:

Seit meiner Kindheit habe ich seitens meiner Mutter unter enormem Druck gestanden. Ich habe immer nur gehört, dass ich Dinge entweder nicht oder nicht gut genug kann. Schon immer hatte ich das Gefühl nicht viel Wert zu sein. Ich bin behütet aufgewachsen und oberflächlich betrachtet fehlte es mir an nichts. Aber durch ihre dominante Art war ich schon früher immer verunsichert und habe gerade gegenüber anderen Hemmungen aufgebaut. Als Jugendliche war ich essgestört und habe schon eine Therapie gemacht, in der sie zentrales Thema war.

Ich bin jetzt fast 30 und frage mich, ob und wie ich es schaffe, diese Dinge für mich zu lösen, um es mir selbst einfacher zu machen. Wahrscheinlich fange ich wieder eine Therapie an.

Hat jemand ähnliche Erfahrung?

Schöne Grüße

Ylva-LI

brighid
22.08.2008, 12:14
ich habe nicht das problem mit meiner mutter. aber ich habe probleme mit angst.

und das einzige was mir jetzt hilft aus dieser ich belastenden situation herauszukommen bzw. damit umgehen zu können-

ist wie du schon richtig schreibst: therapie.

ich schaffe es für mich nicht, meine freunde können das nicht leisten- also therapie.

und es hilft.

ich werde manche dinge wohl ein leben lang mit mir herum schleppen. aber ich lerne neue verhaltensmuster mit meiner angst umzugehen. dadurch ist sie nicht mehr sooooo übermächtig und bedrohlich.

schluppi
22.08.2008, 17:51
Hallo...

Frage; Wohnst du rein zufällig mit deiner Mutter zusammen, oder in einem Haus?
Dann ist die einzigste richtige Therapie - Auszug!!!
Ohne wenn und aber!!!! oder andere gute Argumente, das dein Geld nicht reicht, für ne Miete etc.....

Denn es geht hierbei um DICH!!! :smirksmile:
Insofern wird es Zeit, das DU DICH von deiner Mutter abnabelst und beginnst, DEIN eigenes Leben zu leben. :smile:

LG Schluppi :engel:

KleinerPinguin
22.08.2008, 19:29
Hallo Ylva-Li!

Ich kann dir auch nur zur Therapie raten und dazu den "Nagel aus dem Fleisch" zu ziehen.

Ich habe ähnliche Probleme; mangelndes Selbstwertgefühl durch eine ÜBERmutter. Folge waren auch Essstörungen, Angst und Panik. ... und das auch mit fast 30! Kam spät, aber es kam!

Lass dir helfen!

Allein befindest du dich in einem Denkkreislauf, aus dem du ohne professionelle Hilfe nicht herauskommst!

Ich wünsch dir ganz viel Kraft

Nevoa
22.08.2008, 19:40
Schon immer hatte ich das Gefühl nicht viel Wert zu sein. Ich bin behütet aufgewachsen und oberflächlich betrachtet fehlte es mir an nichts. Aber durch ihre dominante Art war ich schon früher immer verunsichert und habe gerade gegenüber anderen Hemmungen aufgebaut. Als Jugendliche war ich essgestört und habe schon eine Therapie gemacht, in der sie zentrales Thema war.
...

Hat jemand ähnliche Erfahrung?



Ja, ich... ich denke, Therapie ist ein guter Ansatz - und evtl. auch möglichst wenig Kontakt zu Deiner Mutter, v.a. wenn sie immer noch versucht, Dich "klein" zu halten.

Liebe Grüße, Nevi :blumengabe:

Sariana
22.08.2008, 20:15
Zur angeratenen Therapie noch zwei Buchtipps von mir:

Harriet Lerner: Zärtliches Tempo - Wie Frauen ihre Beziehungen verändern ohne sie zu zerstören.

Howard M. Halpern: Abschied von den Eltern - Eine Anleitung für Erwachsene, die Beziehung zu den Eltern zu normalisieren

Alles Liebe,
Sariana

Inaktiver User
30.08.2008, 19:20
Therapie ist ein gutes Stichwort hier, denke ich.
Ansonsten war ein wichtiges Erlebnis bei mir, denn auch ich habe eine dominante Mutter, dass ich für mich selbst sorgen muss, dass heißt emotional sorgen. Ich musste lernen, mich selbst anzunehmen. Dann erst ging es mir besser.
Ganz liebe Grüße
Annette

eli65
30.08.2008, 19:29
Ja, unbedingt weg von daheim. Ich bin in einer sehr aehnlichen Situation gewesen. Bin 43, mit 39 Jahren bin ich nach Mallorca gegangen (weil ich Spanisch spreche und mir dachte, ich finde so leichter einen Job, wenn ich wo hingehe, wo ich mich auch verstaendigen kann von Anfang an) .. ich habe meine Freunde aufgegeben, habe alles dafuer in Kauf genommen .. nur fuer das Gefuehl nicht mehr unter Beobachtung zu stehen und zu zeigen, dass ich auch was kann. Ich weiss sehr gut, wie du dich fuehlst.

Ich habe heute immer noch Probleme mit meiner Mutter, aber es ist schon besser geworden. Dennoch fallen die Besuche zuhause immer sehr kurz aus, der naechste ist fuer Weihnachten geplant. Genau eine Woche. Laenger geht immer noch nicht.

Ich moechte dir sagen, dass du versuchen solltest, mit dir ins Reine zu kommen. Mir wurde vor Kurzem geraten, dem Menschen zu verzeihen, nur so kann man ein selbstbestimmtes Leben beginnen. Ich wuensche es mir, dass mir das gelingen moege.

Dir viel Kraft auf deinem weiteren Weg. Wenn du Lust hast, koennen wir uns gerne ueber PN austauschen :blumengabe: ich koennte dir viel erzaehlen, wie es mir in den letzten 20 Jahren vor der Entscheidung ins Ausland zu gehen, so erging ...

Meld dich, wenn du magst !!

Inaktiver User
30.08.2008, 19:31
Eli, da schreibst du etwas sehr Wichtiges: mit mir ins Reine kommen - das war auch wichtig für mich und ich bin nicht nur wegen meines Schatzes in Spanien, sondern auch um den Druck meiner Eltern zu entkommen, besonders meiner Mutter, der ich nichts recht machen konnte.
Liebe Grüße
Annette

Sariana
30.08.2008, 19:58
Der räumliche Abstand zur Ursprungsfamilie ist ein erster Schritt, doch nehmen wir uns überall mit.
Sich selbst gut zu tun, für sich sorgen und sich akzeptieren lernen, in seiner Mitte sein - das sollte das Ziel sein.

Als ich mir selbst immer sicherer war, habe ich das auch nach außen ausgestrahlt.
Ab dann konnte ich meiner Mutter auf der Erwachsenenebene begegnen und das hat sie gespürt.

Wie eli schrieb, das Verzeihen ist wichtig, Mitgefühl dafür zu entwickeln, dass sich unsere Mütter genauso wenig aus ihren familiären Verstrickungen lösen konnten wie ihre Mütter.

Die Cousine meiner Mutter hat mir einmal gesagt, dass wir die Chance hätten, alte Muster zu durchbrechen, auch mit professioneller Hilfe, die heute nicht mehr so stigmatisiert sei wie vor 30 oder 40 Jahren.

Unsere Mütter sind, davon bin ich überzeugt, nicht von Grund auf bösartig, sie haben wenig emotionale Wärme bekommen, wie sollten sie Wärme an uns weitergeben?
Aus Fülle kann man schöpfen, Mangel nur verwalten.

Alles Liebe für euch.

Inaktiver User
30.08.2008, 21:36
Hat jemand ähnliche Erfahrung?


ja, ich.

bin manchmal ganz erstaunt, wenn ich dann hier in der bri lese, dass sich welche von ihrer mutter oder generell von ihrem elternhaus extrem distanzieren. ich möchte das gar nicht, denn es ist bei uns nie "böse" zugegangen. jedoch war es stets schwierig. meine mutter ist meist ungeduldig und dominant mir gegenüber aufgetreten. ich kann das entschuldigen, da sie es a) mit ihren eltern wahrlich auch nie leicht hatte (dagegen hatte ICH es super) und b) die selbständigkeit meiner eltern viele opfer gefordert hat (eines war halt meine kindheit). trotzdem ist die kränkung natürlich immer da und begleitet mich durchs leben. das verhältnis zu meiner mutter ist besser geworden. das liegt zum einen daran, dass ich vorwürfe vermeide und sie mehr rücksicht nimmt. naja, wir sind beide etwas ruhiger geworden quasi. wir können jetzt etwas sachlicher über die vergangenheit reden.

ich werde aber demnächst professionelle hilfe in anspruch nehmen(ist quasi noch in der planphase, weil die wartezeiten so lang sind :knatsch:). ich merke sehr deutlich, dass es bei mir nicht mehr ohne geht. meine mutter und ich gehen zwar entspannter miteinander um, aber die wunden von vorher sind halt trotzdem da. ich glaube, dass ich mittlerweile ganz gut einschätzen kann, was die probleme verursacht hat bzw wie mich was geprägt hat. ich schaffe es jedoch nicht, ganz allein dagegen anzugehen und meine probleme zu lösen. ich denke, es ist normal, dass probleme aus der kindheit einen lebenslang begleiten, wenn man sich ihnen nicht wirklich stellt.

ich vertraue nur wenigen menschen. bin schon zu oft auf die nase gefallen. merke selbst hier (obwohl es nicht soo wichtig sein sollte, weil "nur" online) zuweilen schwierigkeiten und fühle mich manchmal gar zurückgewiesen. an einem tag sind mir blöde bemerkungen egal, am nächsten dann aber nicht. manchmal stört's mich, wenn mir jemand 4 mal sagt, dass er meine pn (die eine antwort auf seine war) aber ganz bestimmt heute noch beantworten wird und dann trotzdem nie was kommt. tja, und manchmal widerum ist es mir halt wirklich egal. wie im richtigen leben halt: einige reden nur! ich wünsche mir manchmal mehr lockerheit im umgang mit solchen dingen, quasi eine egalo-mentalität. dass es mir schwer fällt, liegt halt auch daran, dass ich selbst bei meinen eltern, die ich fast nur überarbeitet erlebt habe, immer um aufmerksamkeit kämpfen musste. dazu habe ich aber gar keine lust. entweder jemand mag mich und hält den kontakt...oder halt eben nicht. ich kann nur mit diesen "zwischendingen" nichts anfangen, aber vll habe ich generell eine andere auffassung von solchen sachen.

also, ich kann dir eine therapie nur empfehlen. ich wäre besser bedient gewesen, hätte ich mich früher mit dem thema auseinandergesetzt. je länger man wartet, desto schwieriger wird es wohl. zumal man ja auch wartezeiten in kauf nehmen muss. ganz spontan hilfe zu bekommen, ist wohl eher schwierig. also warte nicht so lang, bis du das gefühl hast, es geht gar nichts mehr :blumengabe:

eli65
31.08.2008, 00:33
... Sich selbst gut zu tun, für sich sorgen und sich akzeptieren lernen, in seiner Mitte sein - das sollte das Ziel sein.

Wie eli schrieb, das Verzeihen ist wichtig, Mitgefühl dafür zu entwickeln, dass sich unsere Mütter genauso wenig aus ihren familiären Verstrickungen lösen konnten wie ihre Mütter.
Unsere Mütter sind, davon bin ich überzeugt, nicht von Grund auf bösartig, sie haben wenig emotionale Wärme bekommen, wie sollten sie Wärme an uns weitergeben?
Aus Fülle kann man schöpfen, Mangel nur verwalten.

Alles Liebe für euch.

Das unterschreibe ich voll, ich denke genau dasselbe und besser haette ich es wohl kaum ausdruecken koennen.

Alles Gute hier fuer alle Betroffenen !

EvaFee
31.08.2008, 12:31
Hat jemand ähnliche Erfahrung?

Schöne Grüße

Ylva-LI


Hallo Ylva-Li,

eigentlich geht es hier in diesem Strang ja um Dich. Aber weil Du nach ähnlichen Erfahrungen fragst, schreibe ich hier mal ein wenig aus meiner Geschichte:

Ich werde in ein paar Tagen 30. Mit 20 bin ich von zuhause ausgezogen (damals wegen akuter Probleme meiner Schwester). Meine Großeltern und meine Eltern wohnten in zwei Häusern direkt nebeneinander. Und als meine Großeltern starben, kam die Frage auf: was tun mit diesem Haus? Und so bin ich aus praktischen Gründen mit 24 in das 1. Stockwerk dieses Hauses gezogen. Direkt neben meine Eltern. Aus reinen Vernunftgründen meinerseits. Letztes Jahr habe ich meine Ausbildung beendet, musste nun 1 Jahr lang unter der Woche in einer anderen Stadt leben, ich kehre nun zurück und nehme das Pendeln in Kauf, aber ich will hier nicht mehr wohnen. Ich habe eine sehr schöne Wohnung in der Innenstadt gefunden, der Mietvertrag beginnt zum 1. Oktober.
Für meine Eltern / speziell meine Mutter ist das völlig unbegreiflich. Warum ich so viel Geld "zum Fenster hinauswerfe" (ich zahle hier nur eine geringe Miete), warum eine fremde Wohnung mieten, wenn "wir" doch zwei Häuser haben, ...

Ich habe war bis jetzt 30 Jahre lang sehr unkompliziert, meine Schwester war immer der Problemfall, außerdem hat meine Mutter immer den Haushalt meiner Großeltern mit geführt. Nur: ich will da jetzt raus. Will endlich mein Leben, ein leichteres Leben führen. Ich fühle mich mit meiner Familie manchmal überfordert, bin dauernd dabei, meiner Mutter zu helfen, die mich wegen jeder Kleinigkeit aufsucht oder anruft. Sie übt keinen direkten Druck aus, ist nicht aggressiv oder beschimpft mich, es ist ein sehr subtiler Druck, der es mir wirklich schwer macht, zu gehen und mein Leben so zu gestalten, wie ich gerne möchte. Ich hatte mich so über diese Wohnung gefreut, die genau so ist, wie ich das möchte und das ist in meiner Stadt in Innenstadtlage wirklich ein Glückstreffer. Aber als ich meinen Eltern davon erzählt habe, war alle Freude weg.

Und nun habe ich wirklich Angst vor der Zeit bis zum Umzug, wenn es so langsam konkret wird.

eli65
31.08.2008, 19:37
Lass dir die Freude am Umzug und der neuen Wohnung nicht nehmen, liebe EvaFee :blumengabe:, genau mit diesen Worten versuchte sie mich auch zu ueberreden seinerzeit, doch lieber in D zu bleiben, indem sie mir ein schlechtes Gewissen damit machte, dass ich in D eine Wohnung fuer lau haette und auf Mallorca so viel an Miete zahlen muesste.

Meine Wohnung in D ist jetzt immer noch mir, sie wird auch nicht vermietet werden (wie sich zwischenzeitlich herausstellte), weil es nicht geht (Gruende will ich hier nicht nennen) ... aber sie wollte sie unbedingt gleich nach meinem Weggang vermietet haben und zwang mich die erste Zeit permanent dazu, doch endlich zurueckzukommen und alles auszuraeumen ... war ein Unding, ging gar nicht zu dem Zeitpunkt !! Jetzt ist das Thema Gott sei Dank durch ...

Ich gebe dir den guten Rat: Versuch dich ein bisschen auf deine neue Wohnung zu freuen, stell dir vor wie dein neues Leben sein wird ... versuch es einfach und lass das nicht so nah an dich heran, ich kann das so gut nachvollziehen und ich finde es klasse, dass du in diese Wohnung ziehst !!

Viel Glueck und Ausdauer wuensche ich dir !!

EvaFee
02.09.2008, 09:27
Ich gebe dir den guten Rat: Versuch dich ein bisschen auf deine neue Wohnung zu freuen, stell dir vor wie dein neues Leben sein wird ... versuch es einfach und lass das nicht so nah an dich heran, ich kann das so gut nachvollziehen und ich finde es klasse, dass du in diese Wohnung ziehst !!

Viel Glueck und Ausdauer wuensche ich dir !!

Hallo Eli,

danke für Deine Aufmunterung.

Ja, bei mir ist das auch komisch. Zuerst wurde sofort nachdem ich meinen Auszug angekündigt habe, der Sperrmüll bestellt und mir erklärt, dass meine Mutter das Haus dann aber vermieten würde (was ich sehr gut finde), nun will sie das gar nicht mehr, sondern nur das 1. Stockwerk oder oder ... ist alles ihr gutes Recht. Aber ich habe das Gefühl, dass es gar nicht darum geht und dass es eigentlich auch nicht um mich geht, sondern dass meine Mutter einfach jemanden braucht, dem sie von ihren Sorgen berichten kann. Nur ich finde, dazu sollte mein Vater da sein. Und ich bin ja nicht aus der Welt: ich ziehe nur in einen anderen Stadtteil.

Und: ja, ich freue mich auf meine neue Wohnung. Das Leben mit etwas Abstand zu meinen Eltern fühlt sich so leicht und unbeschwert an. Nicht dauernd in irgendwelche Probleme mit meiner Schwester oder meiner Eltern untereinander verwickelt werden. Aber andererseits habe ich das Gefühl, meine Mutter allein zu lassen.

Ich muss langsam lernen, wirklich etwas für mich zu tun. Und zwar nicht aus Trotz, sondern einfach, weil mir danach ist, ich es mir leisten kann und es mir auch zusteht. In den letzten Wochen habe ich drei Dinge getan, die für andere vielleicht selbstverständlich sind, für mich aber wirklich große Schritte. Ich bin 9 Tage in den Urlaub gefahren, und zwar größtenteils Strandurlaub, also nichtstun (keine Kultur, Besuche oder sonstige sinnvolle Gründe)
ich habe mit im Fitness-Studio angemeldet, um meine Figur zu optimieren und meinen Körper zu spüren (also nicht aus gesundheitlichen Gründen)
und eben die Wohnung gefunden. Auch das nicht aus zwingenden Gründen, sondern weil es mir gefällt.

Und genau das ist so schwer für mich und das sind die Aktionen, für die ich mich immer rechtfertigen muss. Vor meiner Mutter, aber auch vor mir selbst, weil ich diese Denkweise so sehr verinnerlicht habe.

Sariana
02.09.2008, 13:03
Eva-Fee,
das sind doch prima Schritte in ein selbstbestimmtes Leben.

Du bist nur dir selbst verantwortlich, du bist ein erwachsener Mensch und deine Mum ist ein erwachsener Mensch - wenn du das Gefühl hast, sie im Stich zu lassen, dann würdest du die "Mutterrolle" gegenüber ihr einnehmen und das ist wiederum eine ungesunde Balance.

Du schreibst nun deine Lebensmelodie selbst, du bist dein eigener Komponist - und diese Melodie ist für dich stimmig, auch wenn sie deiner Mum schräg in den Ohren klingt.

Lass dich weder in die Kindrolle noch in die Mutterrolle von ihr drängen, versuche sie immer wieder auf die Erwachsenenebene, die Achtung und gegenseitigen Respekt sowie Wertschätzung beinhaltet, zu holen.

Das macht zwar Angst, denn man soll doch Eltern achten und ehren, das tust du auch in der Erwachsenenrolle, nur ab und zu versuchen Eltern einem Undankbarkeit etc. pp. zu suggerieren, wenn man eben nicht mehr nach ihrer Melodie tanzt.

Viel Glück auf den Weg. :blumengabe:

EvaFee
04.09.2008, 11:14
Liebe Sariana,

ich danke Dir für Deine Zeilen :blumengabe: :blumengabe: :blumengabe:

Ich freue mich sehr auf mein neues Leben, aber nur, so lange ich mein jetziges "verdränge".
Gestern war wieder so ein typischer Tag. Ich habe noch Urlaub, deshalb habe ich zugesagt, meiner Schwester beim Kühlschrankkauf und -transport zu helfen. Meine Mutter war zu der Zeit beim Frisör, wir trafen uns dann alle 3 vor der Wohnung meiner Schwester, haben den Kühlschrank hochgetragen. Ich bin dann zum Yoga und weil es hieß, es gibt selbstgebackenen Kuchen (den gibt es nicht sehr oft), danach noch kurz zu meinen Eltern.
Was erwartet mich da? Mein Vater baut meiner Schwester im EG meines Hauses ein Bett auseinander, während meine Mutter versucht, allein ein altes Sofa vom Dachboden zu holen, weil sie für heute den Sperrmüll bestellt hat. Da war es ungefähr 21.30. Um 23.30 hat sie dann mit meinem Vater den Rest der Möbel für den Sperrmüll aus meinem Haus auf die Straße gestellt.

Ich verstehe dieses Verhalten nicht, das habe ich ihr auch gesagt. Ihre Reaktion: "sie müsse Tag und Nacht arbeiten". Völliger Unsinn, sie ist Hausfrau, mein Vater seit Anfang August pensioniert und sie kann sich ihre Zeit völlig frei einteilen und muss nicht an einem Tag gleichzeitig Kühlschrank, Frisur, Sperrmüll und Kuchen backen erledigen. Na gut, das ist alles ihre Sache, aber ich weiß einfach nicht, wie ich mich dabei verhalten soll. Sie einfach so zuarbeiten lasse, ihr helfen???

Ich freue mich auf den Abstand!

westerwald
23.09.2008, 14:29
Hallo,
ich glaube auch, dass Therapie der beste Weg ist. Wie schon gesagt wurde, nicht gelöste Probleme holen einen immer wieder ein. Meine Probleme mit meiner Mutter holen mich, obwohl bereits 54 und schon über 30 Jahre von daheim weg, selbst Mutter, verheiratet und eigentlich sehr selbständig, im Moment gerade wieder ein. Bei mir ist es aber eher die fehlende Fürsorge der Mutter, das Gefühl nie eine richtige Mutter gehabt zu haben, weil diese immer überfordert und gerade mit etwas anderem beschäftigt war. Der ganze Schmerz darüber kommt jetzt noch einmal hoch, weil ich in einer beruflichen Situation stecke, die der damaligen sehr ähnelt.

EvaFee
27.09.2008, 10:58
Bei mir ist es aber eher die fehlende Fürsorge der Mutter, das Gefühl nie eine richtige Mutter gehabt zu haben, weil diese immer überfordert und gerade mit etwas anderem beschäftigt war.

Hallo Westerwald,

das kommt mir sehr bekannt vor. ich habe den EIndruck, dass es meiner Mutter überhaupt nicht um mich geht, wie Du schreibst wirkt sie auf mich manchmal überfordert und immer mit jemand anderem beschäftigt (früher mit ihren Eltern und meiner Schwester, jetzt nur noch mit meiner Schwester) und dennoch will sie mich keine 4 km weiter ziehen lassen. Ich habe so sehr das Gefühl, dass es da nicht um mich geht und es eigentlich noch nie wirklich um mich ging. Von mir wurde erwartet, dass ich so nebenher laufe und keine Probleme mache.

Das ist mir vor ein paar Monaten wieder aufgefallen. Meine Mutter hat mir also erzählt, dass meine Schwester "wohl" an Depressionen leide wie mein Vater irgendwie erfahren habe. Daraufhin habe ich ihr erzählt, dass auch mir vor 3 Jahren die Diagnose "mittelgradige depressive Episode" gestellt wurde. Aber: KEINE REAKTION. Sie überlegte, woher das bei meiner Schwester kommen könnte, wie sie dagegen arbeiten könnte ... Aber nichts, absolut nichts zu mir.

Sorry, jetzt habe ich wieder nur von mir geredet. Aber ich kann Dich bestätigen: Therapie kann viel helfen. Ohne hätte ich es nie geschafft, mich aus einer sehr unguten Ex-Beziehung zu lösen und wahrscheinlich auch diesen Auszug jetzt noch ein paar Jahre hinausgezögert.

westerwald
05.10.2008, 10:24
Wie eli schrieb, das Verzeihen ist wichtig, Mitgefühl dafür zu entwickeln, dass sich unsere Mütter genauso wenig aus ihren familiären Verstrickungen lösen konnten wie ihre Mütter.

Unsere Mütter sind, davon bin ich überzeugt, nicht von Grund auf bösartig, sie haben wenig emotionale Wärme bekommen, wie sollten sie Wärme an uns weitergeben?
Aus Fülle kann man schöpfen, Mangel nur verwalten.

Alles Liebe für euch.[/QUOTE]

westerwald
05.10.2008, 10:28
Wie eli schrieb, das Verzeihen ist wichtig, Mitgefühl dafür zu entwickeln, dass sich unsere Mütter genauso wenig aus ihren familiären Verstrickungen lösen konnten wie ihre Mütter.

Unsere Mütter sind, davon bin ich überzeugt, nicht von Grund auf bösartig, sie haben wenig emotionale Wärme bekommen, wie sollten sie Wärme an uns weitergeben?
Aus Fülle kann man schöpfen, Mangel nur verwalten.

Alles Liebe für euch.[/QUOTE]
Ich glaube auch, das Verzeihen sehr wichtig ist, das Allerwichtigste. Ich habe eben meine Mutter angerufen und ihr gesagt, dass ich mich mit ihr über meine Kindheit unterhalten möchte. Sie ruft nachher zurück, weil sie jetzt erst einmal in die Kirche muss. Das ist auch typisch für sie, ich bemühe mich gerade ihr das nicht übel zu nehmen.

Meine Mutter ist überhaupt keine böse Frau. nur völlig überfordert.

Alles Liebe und Gute für Euch, gutes Durchhalten

Inaktiver User
05.10.2008, 10:51
hallo westerwald,

ich wünsche dir viel glück und viel innere stärke für dein mutter-tochter-gespräch nachher.

liebe grüße
luci

westerwald
06.10.2008, 13:34
Liebe Luci, ich hatte gestern ein sehr gutes (Telefon-)-Gespräch mit meiner Mutter, was einiges gelöst hat. Selbst meine Mutter erkennt heute an, dass es damals im Westerwald sehr eng war und ich meine Erfahrungen draußen machen musste. Leider war es nicht möglich, diese Erfahrungen mit meinen Eltern damals zu teilen. Sie kannten die Welt außerhalb nicht und ich glaube, es machte ihnen Angst ihre Kinder (ich habe noch zwei Geschwister, war aber die Älteste) dorthin zu verlieren. Ich komme aus einer alteingesessenen Bauernfamilie dort, die z.B. das Arbeitsleben in einem Büro oder eine Fabrik überhaupt nicht kannten. Sie kannten auch keine höhere Schule und keine Universität, ich stand daher immer mit meinen Erfahrungen alleine da, es gabe keine Möglichkeit des Austausches mit den Eltern. Das hat mich in meiner Kindheit sehr einsam gemacht.

Liebe Grüße
westerwald

Inaktiver User
15.10.2008, 11:40
Unsere Mütter sind, davon bin ich überzeugt, nicht von Grund auf bösartig, sie haben wenig emotionale Wärme bekommen, wie sollten sie Wärme an uns weitergeben?
[/QUOTE]

Sorry, aber das ist keine Entschuldigung.

Es gibt sicherlich Mütter - und ich wage jetzt einfach mal, das auch von mir zu behaupten -, die auch nicht viel emotionale Wärme bekommen haben - trotzdem sehr viel Wärme an ihr Kind weiterzugeben in der Lage sind!

gitty
16.11.2008, 19:24
Halleo Ylva-Li,

ambesten kannst die Sache abkacken, indem du mal über deine Mutter nachdenkst was die für Hämmer, oder besser gesagt für Hemmungen hat, dich für unfähig und klein zu halten.

Glaube mir, deine Mutter hat mehr Probleme als du! Und lege dir ein dickes Fell zu, auf deutsch gesagt lass dich gern haben, denn solch einer Person kannst es nie Recht machen, egal was du machst, auch wenn du Supertaten verbringst. Die lässt dich nicht groß werden, geschweige denn gut werden, dass kannst vergessen.

Am Besten du schlägst Sie mit Ihren eigenen Waffen und sagst ihr mal wie blöd sie ist und wie unfähig sie ist, denn irgend etwas wirst schon finden, was du an ihr klein machen kannst. Das nennt man einem die Macht nehmen! - Aber nicht bösartig, sondern mit Lächeln und Gelassenheit musst an das ganze heran gehen, und immer lächerln. Und erzähle ihr bloss nichts weiter aus deinem Leben, denn da findet sie nämlich wieder Angriffsfläche.

Tut mir leid für dich, dass ich dir solche Tipps geben muss, aber ich denke du fährst so am Besten.

l.G. Gitty

Lizzie64
16.11.2008, 22:23
gitty, ich weiß nicht ob es wirklich ein guter rat ist, ylva-li vorzuschlagen, nun ihrerseits die mutter "klein zu machen".

besonders konstruktiv ist das nicht.

ylva-li, liest du noch mit?

einige andere hier haben ja schon eine therapie vorgeschlagen. ich halte das auch für einen richtigen weg. du hast ja die ursache deiner hemmungen schon gut erkannt, und manchmal reicht eine einzige therapiephase einfach nicht aus.

und vor allem sind die folgen einer so unguten mutter-bindung hartnäckig ... ich kenne das teilweise selbst. das hinterlässt tiefe wurzeln.

lass' uns doch wissen, wie es weitergeht!

Inaktiver User
17.11.2008, 06:19
Ich habe letzte Woche im "Persönlichkeitsstrang" genau das gleiche Thema eröffnet, weil er mit meinem Selbstwertgefühl ähnlich bescheiden aussieht.

Bei mir haben aber nicht nur Mutter, sondern auch Vater versagt.

Beide haben null Selbstwertgefühl und haben auch uns Kinder dementsprechend kleingehalten. Wir wurden ständig angezweifelt, das Grundgefühl "Du bist total ok" kam nie rüber.
Ich spreche heute oft mit meinen inneren Kind, sie sagt mir das alles, was ihr fehlt und was sie haben will.
Ich kann dann das Kind in mir liebevoll aufbauen. Aber heilen kann ich es nicht.

Mein innerer Zweifler sagt daher noch heute oft "Ja, aber....", ich arbeite aber stetig an der Verbesserung, werde jetzt auch eine Therapie anfangen (ich habe diesmal hoffentlich die richtige Person gefunden) und kann nur hoffen, dass das alles irgendwann aufhören wird.