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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Dossiertalk: Kann Freiheit zur Last werden?



BRIGITTE Community-Team
27.05.2008, 15:08
Liebe Userinnen,

in keiner anderen Gesellschaft, zu keiner anderen Zeit haben die Frauen so viele Freiheiten gehabt wie die Frauen in den westlichen Gesellschaften. Sie sind frei, die Lebenspartner zu wählen, den Beruf, den Wohnort, ob sie Kinder haben wollen oder nicht. Alles hängt von ihrer persönlichen Entscheidung ab. Viele empfinden das als Last, wie Thea Dorn in der aktuellen BRIGITTE (http://www.brigitte.de/liebe/persoenlichkeit/dossier-leben-unter-vorbehalt/index.html) (Heft 12) beschreibt.

Warum tun sich viele so schwer damit, ihre Freiheit beherzt zu ergreifen? Was glauben Sie? Kann zu viel Freiheit lähmen?

Wir freuen uns auf eine rege Diskussion.
Ihr BRIGITTE.de-Team

Swim
28.05.2008, 10:04
Hallo zusammen,
ich habe den Artikel noch nicht gelesen, denke mir aber, dass das Mehr an Freiheit eben auch mit einem Mehr an Verantwortung einhergeht und vielleicht das der Knackpunkt ist, der es manchen schwer macht, die Freihiet zu ergreifen. Wenn ich wirklich die freie Entscheidung habe, trage ich eben auch die volle Verantwortung dafür... Und das kann dann ja auch mal ganz schön anstrengend und vielleicht auch beängstigend sein, vor allem, wenn frau das nicht gelernt hat...
Wie groß die Freiheit dann tatsächlich immer ist, sei dahingestellt...
Viele Grüße
Swim

reiner
01.06.2008, 10:34
Brigitte Nr.12-2008
Dossier: Haben wir das Entscheiden verlernt?

Beilage: Das Glück hat 24 Stunden

Thea Dorns hervorragendes Dossier und gleichzeitig das Brigitte-Extra zu lesen tut ja körperlich weg, merkt das denn keiner in der Redaktion?

Es fängt schon mit dem Titelbild an, in dem eine Frau Plastikpilze im Park aufsammelt, in Schuhen, die nicht zum Gehen geeignet sind, in einem Feengewand und mit dem verhuschten Blick eines Rehleins oder Aschenputtels.
Für wen ist denn dieses Extra gemacht? Für die junge, selbstbewußte Frau auf dem Sprung in die berufliche Zukunft oder für die Mittelstandsmutti ohne Kinder, die vor lauter Sattheit und Versorgtheit nicht weiß, was sie mit ihrer Zeit anfangen soll? Für die Frau, die sich entscheidet, ihre Gegenwart anzunehmen oder die mädchenhaft gebliebenen Frauen, die sich alle Optionen offen halten möchten?

Liebe Brigitte-Redaktion: Wie ist es möglich, dass man eine richtige Idee so grauenhaft falsch interpretieren kann? Natürlich ist die Grundidee: zufrieden im Alltag und bei sich selbst anzukommen richtig - und so lese ich auch Thea Dorns Dossier - aber ! Abgesehen von 5 Uhr Zen und 6 Uhr Brötchen backen, sind die Mehrzahl der Vorschläge nur für Menschen ohne Beruf oder ohne Kinder denkbar.

Frauen, die nachmittags um 16:00 Uhr mit acht Blumentöpfen Eroberer spielen, sind irgendwo zwischen Pubertät und Freiheit zur Entscheidung hängen geblieben.

Ariela
03.06.2008, 02:52
reiner, gute frage. warum widersprechen sich bei frauenzeitschriften ständig bild und text, inhalt und image?
und wieso sind die vermittelten bilder soweit von der lebensrealität weg und vermitteln so ein schales gefühl?

zufriedene frauen kaufen keine teuren beauty-gimmicks.
teure beautygimmicks werden über anzeigen vertickt. anzeigen werden in zeitschriften geschaltet, die das passende umfeld bilden. das passende umfeld ist unter anderem dann hergestellt, wenn man ständig den eindruck kriegt, man könnte noch toller, stylischer, spannender leben und habe noch nicht genug an sich herumoptimiert. anzeigenkunde zufrieden.

Leserservice
03.06.2008, 15:26
Lieber Reiner,

Vielen Dank für Ihre kritischen Anmerkungen.

Recht ähnlich lautende Kritik haben wir ja bereits im Forum “Briefe an BRIGITTE” erhalten.
Wir verstehen Ihre Kritik hauptsächlich an dem Punkt, an dem deutlich wird, dass BRIGITTE einerseits eine seriöse, mit wichtigen Inhalten versehene Zeitschrift ist, aber andererseits auch der Unterhaltung dient und sich sozusagen den “leichteren” Dingen des Lebens unserer Leserinnen widmet.
Wir freuen uns natürlich, dass Ihnen das Dossier offensichtlich so gut gefallen hat und Sie die Texte als gelungen und den Inhalt als bedeutsam einstufen würden.
Das Extra nun muss diesen Eindruck nicht schmälern, ist aber journalistisch gesehen ganz anders “aufgezogen” und kann durchaus als Ergänzung für die im Dossier diskutierte Frage gesehen werden. Die Interpretationen, die Sie anhand der Fotos machen, können wir in der Form nicht nachvollziehen.
Als Ideensammlung haben wir es bezeichnet und das soll es auch sein, denn es ist ganz klar, dass niemand alle Dinge auf einmal tun kann oder sollte. Das Extra sollte deshalb sehr spielerisch und vergnügt daher kommen, ohne gleich eine politische Aussagen im Hinblick auf die Rolle der Frau zu machen.
Gerade diese leichte Note ist die Ergänzung zum ernsthaften Dossier, denn eine Leserin liest mit Interesse das Dossier, eine andere wiederum schaut sich einfach die Ideen des Extras an und beide setzen sich jedoch auf ihre Art mit dem Thema auseinander.

Herzliche Grüße aus der Redaktion !

reiner
04.06.2008, 12:38
Liebe Redaktion, herzlichen Dank für die Erläuterungen.

Ich möchte hier in keinem Fall die Diskussion über das Dossier verhindern, das mir gut gefallen hat. Und ehrlich gesagt, sind die Dossiers das einzige was mir immer gefällt und worüber es sich für mich nachzudenken, ggf zu streiten, lohnt.
Allerdings ist festzustellen, dass die Diskussionen über die Dossiers von der Bricom nicht so richtig begeistert geführt werden wenn man die Anzahl der Antworten betrachtet – Ausnahme Alleinerziehende.

Ich verstehe Ihre Erläuterungen so, dass für jeden Geschmack etwas dabei sein soll. Das ist aus Sicht des Verkaufserfolges auch nachvollziehbar. Ich zweifele trotzdem an dieser Strategie. Zum einen wird Brigitte anscheinend überwiegend als Modezeitschrift, einschließlich Beauty, gekauft. Der gesellschaftspolitische Teil ist – wenn ich nach der Reaktion der Bricom gehe – nur für eine Minderheit interessant, selbst wenn Brigitte diese Themen seit Jahren verfolgt. Ausnahme wieder: Alleinerziehende. Hat also der gesellschaftspolitische Teil eine Berechtigung bei einer Zielgruppenanalyse ?

Zum anderen entsteht mein „Ärger“, wie schon im „Forum Briefe an Brigitte“ formuliert, aus der Diskrepanz zwischen Bildersprache und Emanzipationsanspruch. Sie können meine Interpretation des Titelbildes des „Extra“ nicht nachvollziehen? Nicht eine einzige Redakteurin? Ich kann mir das kaum vorstellen. Sie haben doch durch Ihre Tätigkeit einen geschulten Blick für Botschaften und Ausdruck in Bilder.


"Gender beschreibt das Geschlecht als einen performativen Akt, das in den verschiedenen Disziplinen und Institutionen durch die Sprache, durch materielle sowie durch visuelle Repräsentationen hergestellt und in einer ständigen Wiederholung rekonstruiert wird."
Sabine Pollak, Professorin für Gender und Architektur in: Leere Räume Design

Durch die Darstellung von Menschen können Eigenschaften vermittelt werden: Stärke-Schwäche, Dynamik-Passivität, Ernsthaftigkeit-Verspieltheit, Offenheit-Zurückhaltung, Dominanz-Unterordnung usw.. Man kann die Geschlechter die tradtitionellen Muster darstellen lassen oder diese verändern.
Die Werbung macht sich das, je nach Zielgruppe unterschiedlich, zu Nutze. Besonders bekannt wurden einige Fotos von Helmut Newton nur dadurch, dass sie gegen die üblichen gendercodes verstießen.
Wenn Sie, und dabei teile ich Ihre Ziele, Frauen oder speziell junge Frauen ermutigen wollen Familie und Berufsleben dauerhaft zu leben, dann wäre auch in der Darstellung von Frauen in Brigitte eine selbstbewusste Körpersprache hilfreich.

Das Unterhaltungsargument haben mir schon einige userinnen der Bricom entgegengehalten. Ich finde es greift zu kurz. Ich will niemand den Spaß an Mode verderben, das wäre ja langweilig und ideologisch, mich beschäftigt alleine welche Botschaften mit der Präsentation verbunden sind. Und dabei spielt eben der sonstige gesellschaftspolitische Anspruch von Brigitte eine Rolle. Ohne diesen, Ihren eigenen Anspruch, würde ich diese Kritik hier überhaupt nicht formulieren.


Mehr als 80 Prozent der Frauen geben an, dass sie eigenes Geld verdienen UND Familie haben wollen. "Diese Frauen prägt ein immenses Selbstbewusstsein".
aus dem Serie "Frauen auf dem Sprung"

Das Titelbild des Extra 24 Stunden Glück vermittelt weder Modernität, noch Aktivität, noch Stärke, sondern Märchenromantik, Passivität und evt. sogar Schutzbedürftigkeit, auf keinen Fall „immenses Selbstbewusstsein“. Wenn durch visuelle Repräsentationen und ständige Wiederholung ein Bild von Frauen hergestellt wird, das den textlich formulierten Zielen widerspricht entsteht Verwirrung auf allen Seiten.

Zum Inhalt des Extra: Natürlich weiß ich, dass diese Ideensammlung nicht für einen Tag gedacht ist, aber ich finde das meiste für keinen All-Tag geeignet, wenn ich die berufstätige Mutter vor Augen habe. Und um den Alltag geht es letztlich, um auf das Dossier zurückzukommen. Entscheidungen für einen Lebensstil – oft auch temporär – durch eine neue Entscheidung veränderbar aber dann wieder verpflichtend.

Ich hoffe, dass hier noch eine rege Diskussion über das Dossier von Thea Dorn entsteht.

Mit freundlichen Grüßen

ed:TipF.

Inaktiver User
08.06.2008, 16:14
Jetzt möchte ich doch noch ein paar Sätze zu Thea Dorns Artikel „Leben unter Vorbehalt“ aus der vorletzten Brigitte loswerden:

Zum einen möchte ich mich für den Artikel bedanken, denn er spricht an, was ich selbst in den letzten Jahren erlebt habe und auch immer noch z. T. erlebe. In vielem, was Frau Dorn anspricht, erkenne ich mich wieder. Auch ich kenne dieses Gefühl, „in der Warteschleife“ zum „eigentlichen“ Leben stecken geblieben zu sein, während Freunde, Kusinen und Freundinnen auf der Überholspur an mir vorbeiziehen, d.h., Familien gründen, sesshaft werden, Wurzeln schlagen. Ich finde, dass Frau Dorn die Problematik des „Sich – nicht – entscheiden – Könnens“ sehr gut aufgegriffen und dargestellt hat, und ich staunte nicht schlecht über die Tatsache, dass ich mit dieser Schwierigkeit offensichtlich keineswegs alleine dastehe.

Andererseits hat mich der Artikel auch ärgerlich gemacht. Warum hatte ich nach dem Lesen nur das Gefühl, wie ein kleines Mädchen (sic!) zurechtgewiesen worden zu sein, so in etwa: Jetzt benimm’ dich doch nicht wie ein Luxusweibchen! Weißt du eigentlich, wie gut du es hast? Los, entscheide dich endlich mal!

Und nicht nur das. Nicht nur, dass wir, also jene Personen, die sich nicht entscheiden können, uns wie „verwöhnte, gelangweilte und gleichzeitig verängstigte Kinder“ benehmen, nein, wir sollten doch stattdessen lieber die freiheitliche Lebensform verteidigen! Hm, abgesehen davon, dass letzteres sehr pathetisch und auch verletzend wirkt - denn ich denke, es gibt viele Möglichkeiten, die Freiheit zu verteidigen, unter anderem z. B. die einfache Tat, von seinem Wahlrecht Gebrauch zu machen – wirkt das alles auf mich, als ob mir jemand ein „Nun reiß’ dich doch endlich mal zusammen!“ zuriefe.

Wenn ich in den letzten Jahren eines gelernt habe, dann sicher das: Ich werde mich nicht mehr von den Menschen, die anscheinend „im eigentlichen Leben“ angekommen sind, verunsichern lassen, indem ich mich mit ihnen vergleiche, oder mich von ihren Ermahnungen erst recht handlungsunfähig machen lasse. Ich muss MEINEN Weg gehen. Und dazu gehört, in MICH hineinzuhorchen und dann MEINE Freiheit zu ergreifen, und zwar eine Freiheit, die manchmal ein angenehmes, manchmal ein unangenehmes Gesicht hat. Frau Dorn sagt ja selbst, dass es wichtig ist, in sich hineinzuhorchen, um nach den „Warums“ zu forschen, die einen ausgerechnet so und nicht anders handeln (oder nicht handeln) lassen. Wenn dieses innere Ausloten und das „Trial & Error“ dazu führen, dass ich länger als andere „unterwegs“ bin, dann ist das eben so, auch wenn das für die „Angekommenen“ (Herzlichen Glückwunsch übrigens, Frau Dorn, dass Sie es geschafft haben!) - aber auch für mich selbst! - schwer zu akzeptieren ist, denn ist es nicht so, dass wir alle die schnellen und klaren Lösungen bevorzugen?

Danke fürs Lesen & Viele Grüße von einer, die noch „on the road“ ist. Und das ist auch gut so! :smile:

HansDampf
09.06.2008, 11:30
Hallo,

gibt es das Dossier als Link? Als Thea-Dorn-Fan würde ich es gern lesen, finde es aber nicht:knatsch:

Hans

BRIGITTE Community-Team
09.06.2008, 13:57
Hallo,

gibt es das Dossier als Link? Als Thea-Dorn-Fan würde ich es gern lesen, finde es aber nicht:knatsch:

Hans

Hallo HansDampf,

hier (http://www.brigitte.de/liebe/persoenlichkeit/dossier-leben-unter-vorbehalt/index.html) ist der Artikel.

Viele Grüße
das BRIGITTE.de-Team

HansDampf
09.06.2008, 15:53
Hallo HansDampf,

hier (http://www.brigitte.de/liebe/persoenlichkeit/dossier-leben-unter-vorbehalt/index.html) ist der Artikel.

Viele Grüße
das BRIGITTE.de-Team
Danke:blumengabe: