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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ängste und Panikanfälle bei Konflikten



Milena24
18.05.2008, 10:57
Hallo zusammen,

vor zwei Jahren war ich wegen Panikattacken in Therapie. Damals hatte ich mitten auf der Straße Panikanfälle (Schwindel, Herzrasen, das Gefühl, nicht mehr weitergehen zu können) durch die Therapie hat es sich aber sehr verbessert.

Letztes Jahr hab ich dann den Job gewechselt und da ging es wieder los: meine Chefin extrem cholerisch und unberechenbar, die Kollegen (es sind leider nicht so viele) haben mich mehr oder weniger links liegen gelassen bzw. mich wie das 5. Rad am Wagen behandelt, später kamen noch diverse Intrigen dazu. Ich war damals den ganzen Tag über innerlich so panisch, dass die Chefin (die mir in "normalen" Momenten öfter gesagt hat, dass sie sehr zufrieden mit mir ist) wieder brüllen könnte, dass ich dann vom Arzt Antidepressiva verschrieben bekommen habe und wieder eine Therapie angefangen habe. In den letzen Monaten ist es dann auch viel besser geworden und ich konnte wieder ohne Tabletten auskommen. In den letzten Wochen werde ich allerdings bei Konfliktsituationen extrem panisch. Beispiel: zur Zeit gibt es Ärger mit einer meiner Kolleginnen. Ich kann deshalb nächtelang nicht schlafen, wälze mich panisch im Bett herum, fange an zu weinen. Schon morgens wenn ich aufstehe, kommen mir die Tränen und ich brauche erst mal 10 Minuten, bis ich mich so weit beruhigen kann, dass ich es schaffe ins Bad zu gehen. Ich habe dann das Gefühl, dass ich das "absolut nicht durchstehe", dass das jetzt "das Ende ist" ... So war es schon bei mehreren Unstimmigkeiten, die realistisch gesehen zwar unangenehm sind aber bestimmt nicht das Ende der Welt bedeuten. Im Nachhinein betrachtet war dann auch alles halb so dramatisch. Aber statt mir das fürs nächste Mal zu merken werde ich dann wieder total panisch.

Dazu muss ich sagen, dass das von aussen wohl niemand von mir denken würde. Mein Chef (mittlerweile ist es ein neuer) lobt mich immer, dass ich immer so freundlich und gelassen bin und mit jeder Situation umzugehen weiß. Meine Kollegin (eine neue, sehr nette Kollegin), mit der ich mittlerweile auch befreundet bin konnte es kaum glauben, als ich ihr mal von den Ängsten erzählt habe. Sie meinte "was Du, die immer so gefasst wirkt??" ... Dazu kommt, dass ich wohl sehr viel von mir selbst verlange. Meine Ärztin/Psychologin wollte mich letzte Woche, als ich mal wieder eine heftige Panikattacke hatte (Streit bzw. eher "Funkstille" mit den Kollegen, Funkstille kann ich ja ganz schlecht ertragen) ein paar Tage krankschreiben aber das "erlaube" ich mir nicht weil ich a) meinen Job gut machen möchte und b) mich selbst als Versager sehen würde, wenn ich "wegen so was" krank machen würde ...

Kennt jemand diese Panikanfälle wegen "Kleinigkeiten"? Wie geht Ihr damit um? Letzte Woche habe ich vorübergehend wieder die Tabletten genommen aber auf Dauer kann das keine Lösung sein.

Vielen Dank und liebe Grüße
Milena

Inaktiver User
20.05.2008, 23:08
Hallo Milena,

ich habe ein paar Fragen, um deine Situation und Gefühle besser zu verstehen. Würdest du dich als ehrgeizig und/oder 100% bezeichnen? Bist du auf der Arbeit von positiven Feedback abhängig, ist das ein Motivator für dich? Definierst du dich hauptsächlich über die Arbeit, dh ziehst du dein Selbstbewusstsein hauptsächlich aus der Arbeit?

Wenn ja, kann ich dir vielleicht ein paar Tipps geben....

Liebe Grüße
Yeli

Milena24
24.05.2008, 18:56
Liebe Yeli,

zuerstmal: vielen Dank für Deine Antwort und bitte entschuldige, dass ich mich erst jetzt wieder melde ... Durch den Feiertag bei uns am Donnerstag war ich ein paar Tage unterwegs :-) ....

Was Du beschreibst trifft es genau: ich versuche meine Arbeit immer 150 %-ig zu machen und kann mich schrecklich über mich selbst ärgern wenn mir mal ein (meist völlig kleiner und harmloser) Fehler unterlaufen ist ... Ich bin sogar oft erstaunt, wie locker und entspannt manchen Kollegen mit Fehlern umgehen - hätte ich diesen Fehler gemacht könnte ich bestimmt zwei Nächte vor Sorge über die Folgen und vor Enttäuschung über mich selbst nicht mehr schlafen ...

Mit positivem Feedback kann man mich unheimlich motivieren, zu mir muss nur jemand mal sagen "das hast Du gut gemacht" - gleich hänge ich vor lauter Motivation noch ein paar Stunden länger dran um zu beweisen, dass ich es "wirklich kann".

Aus der Arbeit ziehe ich schon viel Selbstbewusstsein und sie nimmt einen sehr hohen Stellenwert in meinem Leben ein. Ich bin mir auch sicher, dass das nicht so oder weniger so wäre, wenn ich z. B. einen Partner hätte. Aber da es den momentan nicht gibt ...

Ich würde mich sehr über Tipps von Dir freuen, ich merke ja, wie mich dieser Zustand auf Dauer fertig macht ...

Vielen Dank und liebe Grüße
Milena

Inaktiver User
27.05.2008, 23:30
Hallo Milena,

ich kenne deinen Situation sehr gut, ging/geht mir ähnlich...

Meine Tipps in Kurzform:
- schleunigst eine Therapie anfangen, suche dir Hilfe morgendliches Weinen, o-Gott-ich-schaff-das-alles-nicht-mehr-Gedanken können sich manifestieren zu Depressionen und/oder Angstzuständen, wenn es nicht schon passiert ist. Je länger man wartet, um so mehr manifestieren sich die Zustände
- überlege dir mal, warum du so sehr dein Selbstbewusstsein aus dem Job ziehst, woher kommt das, wann hat das angefangen, etc.
- versuche andere Bereiche zu finden, über du dich definieren kannst, aus denen du dein Selbstbewustsein ziehst.
- achte auf ein Gleichgewicht zwischen Job, Hobbies, Freunden, Familie und Zeit für dich
- höre auf deinen Körper und deine Gefühle: isst du genug/regelmäßig, machst du auf der Arbeit genug pausen, Überstunden nur zeitweise und nicht als Dauerzustand, Sport...?
- Freue dich über berufliche Erfolge, abgeschlossene Projekte und feiere sie bewusst, bevor du dich auf die nächste Geschichte stürzt
- tue dir jeden Tag ganz bewusst was Gutes (planen, sich drauf freuen und dann wirklich machen)
- Gebe dir selbst, deinen Hobbies, deinem Privatleben nicht weniger Achtung und Priorität als beruflichen Terminen. Das heißt z.b. nicht nur zum Sport gehen, wenn man zufällig rechtzeitig aus dem Büro kommt, sondern trage deine regelmäßigen privaten Termine in deinen Bürokalender ein und sehe sie ebenfalls als verpflichtend wie eine Konferenz, etc.
- Vielleicht kannst du Reaktionen deiner Chefin oder von Kollegen, die dich verunsichern/verletzen mit einer vertrauten Kollegin besprechen? Vielleicht hilft dir die andere Sichtweise zu merken, daß viele Kommentare a) gar nicht auf dich gemünzt sind, b) nur halb so schlimm sind wie du sie empfindest oder c) eigentlich nicht du/dein Projekt gemeint warst, sondern etwas/jemand ganz anderes, aber du hast es auf dich bezogen
- Projekteliste erstellen, Prioritäten setzen und diese Liste dann regelmäßig (zb 1 x im Monat) mit Chefin besprechen. Vorteil: man verzettelt sich nicht, die Projekte sind abgesegnet, Resourcen können geschaffen werden

Puh das war`s erstmal. Ziemlich durcheinander und vieles auch sehr knapp. Die Tipps sollten dazu dienen, daß du dir ein Selbstbewusstsein aufbaust, das unabhängig ist von der Meinung deiner Chefin und deinen Kollegen und das du Lebensinhalte findest, die außerhalb der Arbeit liegen, so daß die Arbeit nur einen Teil deines Lebens ausmacht, dich aber nicht beherrscht wie im Moment.

Hoffe, das war irgendwie hilfreich.
Liebe Grüße
Yeli

Inaktiver User
13.06.2008, 22:11
Hallo Milena,

warum meldest du dich nicht mehr?

naja, vielleicht können andere was mit meiner Antwort anfangen....

Violine
13.06.2008, 22:50
Was Du beschreibst trifft es genau: ich versuche meine Arbeit immer 150 %-ig zu machen und kann mich schrecklich über mich selbst ärgern wenn mir mal ein (meist völlig kleiner und harmloser) Fehler unterlaufen ist ... Ich bin sogar oft erstaunt, wie locker und entspannt manchen Kollegen mit Fehlern umgehen - hätte ich diesen Fehler gemacht könnte ich bestimmt zwei Nächte vor Sorge über die Folgen und vor Enttäuschung über mich selbst nicht mehr schlafen ...

Mit positivem Feedback kann man mich unheimlich motivieren, zu mir muss nur jemand mal sagen "das hast Du gut gemacht" - gleich hänge ich vor lauter Motivation noch ein paar Stunden länger dran um zu beweisen, dass ich es "wirklich kann".

Aus der Arbeit ziehe ich schon viel Selbstbewusstsein und sie nimmt einen sehr hohen Stellenwert in meinem Leben ein. Ich bin mir auch sicher, dass das nicht so oder weniger so wäre, wenn ich z. B. einen Partner hätte. Aber da es den momentan nicht gibt ...

Ich würde mich sehr über Tipps von Dir freuen, ich merke ja, wie mich dieser Zustand auf Dauer fertig macht ...

Vielen Dank und liebe Grüße
Milena

Hallo Milena,

mir scheint, du läufst vor dir weg. Du vertraust dir nicht.

Du verausgabst dich, indem du dir die Schuhe der anderen anziehst. Und die drücken gewaltig. Sie hindern dich am Gehen = deinen Weg zu gehen! Die Fehler der anderen machst du zu deinem Problem. Hast du keine eigenen Inhalte? Inhalte, die dich stärken, schützen, ablenken, erfüllen?

Fühlst du dich innerlich leer = unausgefüllt und widerstandslos? Versuchst du, dieses Loch durch Leistung und überhöhte Ansprüche zu stopfen? Du willst dich anpassen, verlierst dadurch aber deine eigenen Konturen. Du machst dich selbst labil, indem du everybody's darling sein möchtest.

Sei dir selbst genug, akzeptiere sowohl deine Stärken als auch deine Schwächen.

Es gibt einen wahren Satz: wo Freude ist, hat die Angst keinen Platz!