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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Sehr geehrte Damen und Herren, ich begrüße Euch und wünsche Euch....



Inaktiver User
16.04.2008, 16:07
Liebe Bricom

Kommt Euch die Überschrift nicht merkwürdrig vor?

Müsste es nicht heißen:


1.Sehr geehrte Damen und Herren, ich begrüße Sie und wünsche Ihnen viel Spaß

aber

2.Liebe Freunde, ich begrüße Euch und wünsche Euch viel Spaß

???

Unser öberster Chef, promvierter Jurist, alt und konservativ benutzt natürlich Modell 1.

Ein Diplompsychologe, (sollte man meinen auch gebildet) auf einer Fortbildung kürzlich, benutzte die Version der Überschrift, d.h. er sagte Sie zu uns einzelnen, sprach uns alle aber mit Ihr bzw. Euch und Euer an. Sozusagen ein Mischmasch.

Auch meine jüngeren Kollegen beherrschen offenbar die Mehrzahlform vom Du nicht.

Vielleicht bin ich nur antiquiert und sollte mich jetzt langsam umstellen. Dinge wandeln sich ja.

Bitte Eure Meinung.


Gruß

Prilipat

Inaktiver User
16.04.2008, 16:09
Liebe Bricom
Müsste es nicht heißen:
1.Sehr geehrte Damen und Herren, ich begrüße Sie und wünsche Ihnen viel Spaß

aber

2.Liebe Freunde, ich begrüße Euch und wünsche Euch viel Spaß

???


klaro so stimmts. aber anscheinend schützt bildung nicht vor grammatikfehlern :smirksmile:

minstrel
16.04.2008, 16:10
Standardsprachlich ist sicher:
Ich begrüsse Sie...
richtig.

Ich kenne das "Euch" aber aus einigen Dialektformen und benutze es selbst als Verlegenheitslösung. Wenn nicht klar ist, ob ich das Gegenüber Sieze oder Duze, dann "Euche" ich es.

Ich selbst fühle mich beim "Euchen" aber geduzt und halte es deswegen für eine moderne Verbrüderungsform. Verkäufer werden zum Beispiel häufig so angesprochen (Habt Ihr...?)

Grace_Kelly
16.04.2008, 17:26
Was für eine Frage!

Natürlich ist die Variante 1 korrekt, wenn es förmlich sein soll.

Und der Diplom-Dussel merkt noch nicht mal, dass er die Leute dutzt!

Inaktiver User
16.04.2008, 17:41
Und der Diplom-Dussel merkt noch nicht mal, dass er die Leute dutzt!

Vielleicht ist er ja derart antiquiert, dass man in seiner Jugend noch sagte: "Euer Gnaden, darf ich Euch zu Tisch bitten." :freches grinsen:

Inaktiver User
16.04.2008, 17:54
Was für eine Frage!

Natürlich ist die Variante 1 korrekt, wenn es förmlich sein soll.

Und der Diplom-Dussel merkt noch nicht mal, dass er die Leute dutzt!

Hm hm...sachte...wie schon eine Vorrednerin bemerkte, kann das »Euchen« ein Mittel sein, mehrere Leute anzusprechen und sanft von der (steifen) Höflichkeitsform in eine verbindlichere Form zu wechseln.

Der Redner wird sich mutmaßlich in dem Fall denken, es reiche eine Person im Auditorium, mit der er »per Du« ist, um dann alle Zuhörer mit »Euch« anszusprechen.

Das finde ich persönlich zwar etwas gestelzt (ich frage auch nicht einen Verkäufer, obh Etwas »bei Euch lieferbar« ist), aber nachvollziehbar, ohne gleich eine Grammatikschwäche zu vermuten....im Übrigen: Val più la pratica che la grammatica.

Malina70
17.04.2008, 07:30
Hallo zusammen,

ich empfinde das "Euchen" (schöner Audruck!) auch als (wenn auch grammatikalisch nicht korrekten) Versuch, etwas mehr Nähe herzustellen. Wenn man sich an eine Gruppe wendet, die man teils duzt, teils siezt, finde ich es völlig okay. In einem eher informellen Rahmen auch. Wenn es aber um eine Festrede o.ä. geht, sollte man m.E. auch in der Pluralform beim Sie bleiben.

Gruß,

Malina

Inaktiver User
17.04.2008, 08:02
im Übrigen: Val più la pratica che la grammatica.


Eben.
Und da das Euchen in den letzten Jahren stark zugenommen hat, ist es ja vielleicht auf dem Weg, das Siezen abzulösen. Ich finde es toll, in diesem Fall merkt man hautnah, wie Sprache lebt und sich verändert.

Inaktiver User
17.04.2008, 08:09
Klasse! Den Ausduck Euchen werde ich in mein Repertoire übernehmen.

Unsere Fortbildung (wo geeucht wurde) war schon recht lustig und etwas informeller, lauter Sozialpädagogen und Psychologen, von der eigenen Behörde (wo wir uns duzen) und einer fremden Instutition wo wir uns siezen) während unser Präsident (der Chef und Jurist) natürlich viel formeller und distanzierter ist.

Ich muss mich wohl langsam da etwas umgewöhnen.

Danke für Eure Beiträge.

Pirlipat

Karla48
17.04.2008, 08:45
Nichts gegen das Euchen,
aber eine total verbumfeite Grammatik sollte sich gerade ein Jurist nun wirklich nicht leisten. Sowas würd ich nicht rausschicken wollen. Überzeuge ihn: Duden raus und Regeln nennen.

LG Karla

Inaktiver User
17.04.2008, 09:23
Nichts gegen das Euchen,
aber eine total verbumfeite Grammatik sollte sich gerade ein Jurist nun wirklich nicht leisten. Sowas würd ich nicht rausschicken wollen. Überzeuge ihn: Duden raus und Regeln nennen.


Für Schriftstücke gilt ja sowieso ein anderer Code als für gesprochene Sprache, da können sicher auch Juristen variieren - je nach Publikum halt.

Inaktiver User
17.04.2008, 09:43
Ich selbst fühle mich beim "Euchen" aber geduzt und halte es deswegen für eine moderne Verbrüderungsform. Verkäufer werden zum Beispiel häufig so angesprochen (Habt Ihr...?)

Ist das was Regionales bei dir??
Mir ist das bisher nur in IKEA (der ja auch seine Kunden Duzt) oder in auf Jugendliche als Zielgruppe zugeschnittenen Geschäften (Computer(-spiele)-Läden) begegnet.

Ich benutze das "Euchen" (netter Ausdruck!) je nach Anlass z.B. auch dann, wenn ich eine "Gemischte Gruppe" vor mir habe - also mit einem Teil davon per Du bin (Fühle mich aber meist unsiocher dabei - alle zu Siezen käme mir aber genau so komisch vor.)
Das würde doch auch auf die Situation pirlipats Fortbildung zutreffen.

Inaktiver User
17.04.2008, 10:09
Ist das was Regionales bei dir??
Mir ist das bisher nur in IKEA (der ja auch seine Kunden Duzt) oder in auf Jugendliche als Zielgruppe zugeschnittenen Geschäften (Computer(-spiele)-Läden) begegnet.

Es mag an meinem noch frischem Aussehen liegen, aber ich werde tatäschlich häufig in Geschäften geduzt. Okay, da ist auch was regionales dabei. Oder (Computer-) Läden, in denen ausschließlich Freaks bedienen. Oder Handwerker. Letztens beim Metzger sagte eine Verkäuferin »Bedient mal jemand den jungen Mann«. Ich habe diese Anrede gehasst, damals, als ich tatsächlich noch nicht mal ein Mann war. Gestern ließ sie mich schmunzeln. Ich sagte dann auch gleich:
»Der Junge Mann hätte gerne ein Kotelette« :Sonne:

Inaktiver User
17.04.2008, 11:44
Neiiiin, unserem Chef unterläuft sowas natürlich nicht und schriftlich kommt das sowieso nicht vor.

pirlipat

Inaktiver User
18.04.2008, 09:58
Mir ist das bisher nur in IKEA (der ja auch seine Kunden Duzt)

... was ich übrigens sehr penetrant und völlig daneben finde. Vielleicht sollte man den IKEA-Bossen mal sagen, daß Deutschland nicht Skandinavien ist ?!

Ansonsten stelle ich mal wieder fest, daß ich froh bin, im Job üblicherweise in Englisch zu parlieren .... Da stellen sich die Probleme nicht.

Inaktiver User
18.04.2008, 10:06
Ansonsten stelle ich mal wieder fest, daß ich froh bin, im Job üblicherweise in Englisch zu parlieren .... Da stellen sich die Probleme nicht.


Stimmt...aber streng genommen ist das »you« die Höflichkeitsform. Im Englischen ersetzte jedoch die früher im Gebrauch stehende Höflichkeitsform »you« die verbindlichere Anrede »thou«, die im religiösen Kontext auch heute noch verwendet wird. Grammatikalisch gesagt: Das »you« war früher ausschließlich ein Personalpronomen in der zweiten Person Plural und wurde dann auch in der zweiten Person Singular verwendet.

Lukulla
20.04.2008, 00:07
So ist es, und deswegen bedeutet: Mister Smith, could you please... Herr Smith, könnten Sie bitte...
wenn der Englischsprechende draufhin sagt "John, please" bedeutet es, er hat Dir das Du angeboten. Also: John kannst Du bitte...

Knuffilein
20.04.2008, 16:00
Liebe Bricom

Kommt Euch die Überschrift nicht merkwürdrig vor?

Müsste es nicht heißen:


1.Sehr geehrte Damen und Herren, ich begrüße Sie und wünsche Ihnen viel Spaß

aber

2.Liebe Freunde, ich begrüße Euch und wünsche Euch viel Spaß

???

Unser öberster Chef, promvierter Jurist, alt und konservativ benutzt natürlich Modell 1.

Ein Diplompsychologe, (sollte man meinen auch gebildet) auf einer Fortbildung kürzlich, benutzte die Version der Überschrift, d.h. er sagte Sie zu uns einzelnen, sprach uns alle aber mit Ihr bzw. Euch und Euer an. Sozusagen ein Mischmasch.

Auch meine jüngeren Kollegen beherrschen offenbar die Mehrzahlform vom Du nicht.

Vielleicht bin ich nur antiquiert und sollte mich jetzt langsam umstellen. Dinge wandeln sich ja.

Bitte Eure Meinung.


Gruß

Prilipat


Hallo,

ja klar muss der Plural in der Höflichkeitsform Sie und nicht Euch/Ihr lauten!

Und NEIN, du bist NICHT antiquiert, sondern das sehe ich ganz genauso - und gewisse Dinge (wie eben auch diese) ändern sich nie- niemals und von daher braucht man sich auch nicht umzustellen - wäre ja auch noch schöner, wenn wir uns ab jetzt einer grottenfalschen Grammatik bedienen müssten *GRUSEL*! Reicht doch schon vollkommen aus, wenn wir mit dem ebenso grottenfalsch platzierten Apostroph, wenn es um Geschäftsnamen geht à la: "Uwe`s Kneipchen" "beglückt" werden!

Knuffilein
20.04.2008, 16:04
So ist es, und deswegen bedeutet: Mister Smith, could you please... Herr Smith, könnten Sie bitte...
wenn der Englischsprechende draufhin sagt "John, please" bedeutet es, er hat Dir das Du angeboten. Also: John kannst Du bitte...


Und auch im engl.sprachigen Raum kann man - trotz der Allgemein-Anrede für Jung und Alt "you" - nicht einfach so mir nichts dir nichts "Mary" oder "Brian" sagen, sondern auch da sollte man, wenn die Leute noch "fremd" sind und man sich noch nicht gut genug kennt, besser "Mrs. Smith" oder "Mr. Jones" sagen! Das verlangt einfach die gute Kinderstube und die Höflichkeit - und zwar auch dort!

Hornilla
23.04.2008, 22:45
Das alles stimmt so nicht. Im Englischen bedeutet die Anrede mit dem Vornamen keineswegs, dass man sich duzt. Als ich in England war, habe ich alle Leute mit dem Vornamen angeredet, das ist dort üblich - sogar meinen Chef. Geduzt im deutschen Sinne hab ich ihn aber sicherlich nicht.

Lukulla
23.04.2008, 23:36
Jetzt weiss ich endlich was so komisch klingt bei der Anrede im Titel. Es müsste heissen:

Liebe Mitarbeiter, ich begrüsse Euch....

Lukulla
23.04.2008, 23:40
Und auch im engl.sprachigen Raum kann man - trotz der Allgemein-Anrede für Jung und Alt "you" - nicht einfach so mir nichts dir nichts "Mary" oder "Brian" sagen

Sicher. Oder wie?
Ich ging in meiner Story davon aus, dass Herr Smith dem anderen anbietet, ihn mit John anzureden.