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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Gier: die Fahndung nach einem Gefühl



BRIGITTE Community-Team
04.04.2008, 09:15
Liebe Userinnen, liebe User,

"Jedem das seine, mir das meiste." Es gibt viele Zumwinkels auf dieser Welt. "Gier" geistert momentan ständig durch die Schlagzeilen. Das Dossier der aktuellen BRIGITTE (Heft 9, ab 9. April am Kiosk) macht sich auf die Suche nach diesem Gefühl (http://www.brigitte.de/liebe/persoenlichkeit/dossier-gier/index.html).

Was ist eigentlich Gier? Wo endet der legitime Wunsch nach einem möglichst angenehmen Leben und wann wird aus unserem Habenwollen Habgier? Können Sie Geschichten erzählen von Menschen, die maßlos in Ihren Ansprüchen waren oder sind?

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Austauschen!

Ihr BRIGITTE.de-Team

Inaktiver User
08.04.2008, 17:05
So wie mir scheint ist das Thema "Gier" nicht sehr interessant für die Allgemeinheit..........Ich komme auf diese Idee, da ich als 1. userin dazu schreibe.
Ich unterhielt mich gerade mit 2 Männern (um die 40) in der Postagentur über dieses Thema. Jawohl, man kann sich auf dem Land noch zwanglos im Geschäft unterhalten! Beide fanden die "Geiz ist geil"-Thematik furchtbar. Der eine meinte zu mir:"Man merkt in unserer Gesellschaft immer mehr, dass die christlichen Werte keinen Stellenwert mehr haben."
Diese "Geiz....... " Einstellung entzweit unsere Gesellschaft, da sie jegliche Solidarität mit dem Nächsten verhindert.
Ich stelle immer wieder fest, dass Menschen, die schon viel haben, immer noch mehr wollen.
Ich zitiere aus einem Radio-Interview mit Altbundeskanzler Gerhard Schröder. Auf die Frage des Moderators wie er es denn fände, dass Herr Stoiber in Brüssel ehrenamtlich tätig sein werde, antwortete er: "Ich kann es mir nicht leisten umsonst zu arbeiten!" (große Betonung auf ICH)
Also darf Gerhard Schröder keine Kampagne für das unbezahlte Ehrenamt starten. Allerdings habe ich mir sagen lassen, dass es auch ein bezahltes Ehrenamt gäbe, z.B. in der Kirche.
Mir gefiel das Dossier in der neuesten Brigitte ganz ausgezeichnet. Frau Dr. Weingard bringt es auf den Punkt! Dem ist nichts mehr hinzu zu fügen.
flautina

brizi
08.04.2008, 20:17
Ich habe gestern noch mit zwei Freunden (1m1w) über das Thema gesprochen, und wir waren uns einig, dass wir alle mit dem Gefühl leben: So, wie es jetzt ist, ist es gut. Soll heißen, dass keine(r) von uns auf materieller Ebene noch mehr "braucht". Aber vielleicht sind wir auch eine Ausnahme?
Gruß brizi

Inaktiver User
10.04.2008, 15:33
Ich finde das Dossier auch sehr interessant. Besonders den Artikel über die Frau, die von ihrem Bruder beim Erbe der Mutter über den Tisch gezogen wurde. Um des liebens Friedens willens, vermeidet sie es, mit ihm offen zu streiten.
So ist es oft - die Gierigen kommen deshalb mit vielem durch.

Ein Beispiel aus meinem Umfeld: Ein Freundin kümmert sich um das Grab der Eltern weil sie in der Nähe wohnt. Sie investiert nicht nur viel Arbeit, sondern auch ein hübsches Sümmchen ihrer kleinen Rente. Manchmal wird es wirklich eng für sie.
Ihr Bruder, der finanziell wesentlich besser gestellt ist, gibt gar nichts dazu. Er denkt gar nicht daran!

carverin
17.04.2008, 21:44
Hallo zusammen,

der veröffentlichte Artikel hat mich doch sehr berührt. Besonders die Geschichte von der Frau, die von ihrem Bruder über den Tisch gezogen worden ist. Ich erkannte doch einige Parallelen zu meinem Leben. Ausserdem habe ich festgestellt, dass derartige Geschichten nur zu Tage treten, wenn jemand daran teilnimmt, der einfach zu naiv der Welt gegenüber tritt. Ich spreche hier aus eigener Erfahrung. Zudem meine ich auch, dass Gier immer auch etwas mit dem Neid der Menschen zu tun hat, die im Innersten doch das Hab und Gut der Anderen begehren. Am schlimmsten ist jedoch die Tatsache, wenn man feststellen muss, dass die eigenen Eltern bzw. die eigene Schwester aus Gier und Profitsucht die ganze Famile zerstören. Auf Grund des Artikels sind mir auch eigene Erfahrungen aus meiner Kindheit wieder ins Gedächtnis zurückgerufen worden.
Ganz egal, ob es um die neue Haarfarbe der Nachbarin, der neue Wagen der Tante, die Lernschwierigkeiten der Nachbarskinder oder um Beamte schlechthin ging. Alles wurde in einem negativen Licht dargestellt und eigentlich ging es nur darum, dass man diese Errungenschaften selbst nicht haben konnte.
Ich habe viele Jahre benötigt, um mir diese Erkenntnisse zu erschliessen (inklusiv einer Psychotherapie und einer Fehlgeburt).
Das eigentliche Problem für mich bestand darin, dass ich von meinen Eltern kondinioniert wurde, dass alles was von meinen Eltern kam, als optimale Lösung oder Lebensauffassung akzeptiert werden musste. Die Betonung liegt bei Konditionierung, d. h. ich habe selber überhaupt nicht mehr gezweifelt. Und das, verbunden mit meiner kindlichen Naivität (die mir eigentlich anerlernt wurde "Blut ist dicker als Wasser" ) haben mir eigentlich das Genick gebrochen. Wenn es um materielle Werte geht, dann kann man niemanden vertrauen, auch der eigenen Familie nicht.
Seit ca. 6 Jahren habe ich keinen Kontakt mehr zu meinen Eltern und meiner jüngeren Schwester. Die Verletzungen meiner Seele waren einfach zu gross um in christlicher Manier sagen zu können: Ich verzeihe euch!

Machts gut!!

Gwendy26
04.05.2008, 15:22
Hallo,

es ist traurig zu erleben, dass die Gier in unserer Gesellschaft immer mehr zunimmt. Menschen, die im öffentlichen Leben stehen (dazu gehören vor allen Dingen die Politiker) machen es vor und andere wollen da natürlich nicht nachstehen.
Dabei sollte doch jedem klar sein, dass das Totenhemd keine Taschen hat und niemand etwas mitnehmen kann.
Wer ein Dach über dem Kopf, genug zu essen hat und dazu noch gesund ist, kann glücklich und zufrieden sein.
Man soll nicht die Menschen beneiden, die mehr haben als man selbst, sondern nach denen schauen, die weniger haben. Unter ihnen kann man viele herzensgute Seelen finden, die bereit sind, mit anderen noch ihr letztes Stück Brot zu teilen.
Ich habe die Hitler- und Nachkriegszeit erlebt, wo wir alle wieder bei Null anfangen mußten und uns gegenseitig halfen.
Die Geschichte zeigt uns, dass es immer wieder gute und schlechte Zeiten gab und Reichtum von einem zum andern Tag verlorengehen kann.
Darüber sollten alle nachdenken, die ihre Gier nach mehr und mehr nicht eindämmen können,
Gwendy26