PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Zeit rennt mir bei der Arbeit davon



Ansja
24.03.2008, 12:53
Ich arbeite als Grafikerin in einem Umweltverband. Ich bin nicht die Schnellste, zumal eine Kollegin dort ist, die ähnliche Arbeit wie ich mache und wahnsinnig schnell ist. Ich denke, dieser Unterschied kann doch durchaus auffallen.

Die Kollegen sind ansonsten mit meiner Arbeit zufrieden, den Entwürfen kann man ja nicht die Zeitdauer des Entstehens entnehmen.

Ich habe Angst, wegen meiner Langsamkeit zu versagen, es nicht zu schaffen, so dass ggf. ein Teil die schnelle Kollegin es übernehmen müsste. Was ich in Stunden mache, erledigt sie in Minuten. Dann könnte sie viel übernehmen und ich könnte meinen Job vergessen.

Mit solchen negativen Gedanken plage ich mich schon lange herum, das macht mich fertig. Ich weiß, man soll sich nicht mit anderen vergleichen. Ich muss mich so akzeptieren wie ich bin, ändern kann ich mich nicht, nur meine Einstellung.

Was sagt Ihr dazu, habt Ihr ähnliche Erfahrungen?

Tszimisce
24.03.2008, 22:47
Ich habe Erfahrungen aus Sicht deiner Kollegin... hatte bis vor zwei Jahren eine Kollegin, die unglaublich langsam arbeitete und auch sehr oft nachfragen mußte. Gerade dieses Nachfragen hat mich wahnsinnig gemacht! Aber wir haben für verschiedene Abteilungen gearbeitet, so daß ich nicht unter einem bestimmten "Druck" stand, ihr Arbeit abzunehmen. Natürlich habe ich es angeboten, wenn ich gesehen habe, daß es sich stapelte, aber sie war ganz zufrieden mit ihrem Tempo und hat unverdrossen weiter an ihrem Pensum gearbeitet.

Du solltest dir vielleicht versuchen klarzumachen, daß sich anscheinend ja niemand bisher über dich beschwert hat. Vielleicht arbeitest du gründlicher oder mit anderen Techniken als deine Kollegin. Vielleicht hat sie x Jahre mehr Erfahrung und arbeitet entsprechend ökonomischer. Und dein Job würde nicht existieren, wenn deine Kollegin ihn übernehmen könnte, und da er existiert, wirst du und deine Arbeitskraft ja offenbar benötigt. Vielleicht hilft dir dieser Gedanke ja weiter.

Ansonsten frag doch einfach mal deinen Chef, ob es Beschwerden über dein Arbeitstempo gab und er evtl. Tips hat, wie du schneller arbeiten kannst (z.B. machst du vielleicht immer bestimmte Hintergrundarbeiten, die gar nicht notwendig sind, aber weil's so hübsch aussieht, sagt keiner was...).

Rotfuchs
24.03.2008, 23:00
Ansonsten frag doch einfach mal deinen Chef, ob es Beschwerden über dein Arbeitstempo gab und er evtl. Tips hat, wie du schneller arbeiten kannst .

Bitte keine schlafenden Hunde wecken !

Wenn seitens des Chefs bisher keine Klagen, keine Anspielungen oder zarte Hinweise bezüglich des Arbeitstempos kamen, würde ich das Thema erst einmal nicht ansprechen und seinen Blick nicht gezielt darauf lenken.

Versuche einmal, zu vergleichen:

Die Kollegin ist offenbar schneller, aber ist ihre Arbeit qualitativ auch gleich gut?

Haben Ihre Aufgaben den gleichen Schwierigkeitsgrad?

Hat sie (z.B. technische) Kenntnisse, die sie eine gleiche/ähnliche Aufgabe schneller erledigen lässt, die Dir fehlen? Kannst Du Dir von ihr was "abgucken"?

Suche erst einmal die mögliche Ursache und überlege dann, ob Du durch Veränderung Deines Arbeitsstils, durch eine Weiterbildung oder ähnliches selbst etwas daran ändern kannst.
Aber mach Dich nicht verrückt und setze Dich nicht unnötig unter Druck.
Ich kenne mich zwar in Deiner Branche nicht aus, aber ich erlebe bei mir durchaus Mitarbeiter mit unterschiedlichem Arbeitstempo - und jeder bringt unterm Strich seine Leistung. Der eine ist sehr schnell und kreativ, der andere dafür bedächtiger, um so genauer und detaillierter. Beides ist - je nach Aufgabe - wichtig.

Ansja
06.04.2008, 12:57
Ich komme leider erst heute dazu, wieder zu schreiben, danke für eure Antwort.

Ja, ich habe ganz bestimmt einen anderen Arbeitsstil als die Kollegin. Erst einmal bin ich kein „Computerfreak“, sie ist Mitte 20 und anscheinend damit aufgewachsen. Ihre Ausbildung zum Mediendesigner ist noch nicht sehr lange her. Ich bin ein ganzes Stück älter und habe früher auch mehr „per Hand“ layoutet, wobei ich aber auch nie schnell war.

Ich glaube, ich grüble bei der Arbeit zuviel herum, lasse mich leicht ablenken. Und das geschieht auch ständig. Dauernd kommen Kollegen herein, wollen irgendetwas, oder das Telefon klingelt, oder es kommen E-Mail-Anfragen. Ich kann einfach nicht nein sagen, Arbeit verweigern kann ich nicht. Und so verfranse ich mich.

Die Kollegin hat ein etwas anderes Arbeitsgebiet, sie layoutet Broschüren. Ich entwerfe Falter, Plakate, Anzeigen. So kann man zum Glück die Arbeit nicht ganz vergleichen.

Glücklicherweise bekommt meine Chefin auch gar nicht immer mit, was ich überhaupt mache, ich arbeite mehreren verschiedenen Abteilungen zu, die Resultate bekommt sie nicht stets zu sehen. Ich hatte überlegt, mit ihr über meine momentane Situation zu sprechen, es dann aber lieber sein gelassen.

Meine Angst liegt darin, dass ich mich überflutet fühlen kann, wo eigentlich gar nicht soo viel ist. Meine Woche wird zur Zeit nur durch die Arbeit bestimmt, ich sitze dann noch am späten Abend dort und bin Samstag vor einer Woche gekommen, um etwas zu schaffen. Das brachte sogar etwas. Aber das sollte nicht auf Dauer einreißen.

Ich will versuchen zu lernen, mich so zu akzeptieren wie ich bin. Es ist allerdings keine Lösung für mich, wenn ich ständig so lange bei der Arbeit sitze und das Gefühl habe, das Leben rauscht an mir vorbei. Einfach konsequent nein sagen, das kann ich bisher nicht. Therapien habe ich schon einige gemacht, richtig geholfen hat es mir nicht.

Euch noch einen schönen Sonntag!
Gruß
Ansja