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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Schulstress 2008 - was hilft unseren Kindern?



BRIGITTE Community-Team
07.03.2008, 16:31
Liebe Userinnen,

Deutschland debattiert über die Umgestaltung des Schulsystems. Ist das achtjährige Gymnasium (G8) wirklich gut für unsere Kinder? Brauchen wir eine Gesamtschule für alle? Oder eine ganz neue Reform? Lesen Sie hierzu auf BRIGITTE.de die Erfahrungen einer Mutter (http://www.brigitte.de/frau/familie/g8-erfahrungen/index.html), deren Kinder sowohl aufs G8 als auch aufs G9 gehen, und wie Sie Ihrem gestressten Kind helfen, sich zu entspannen (http://www.brigitte.de/frau/familie/g8-stress-markwort/index.html).

Auch im aktuellen BRIGITTE-Dossier dreht sich alles um das Thema Schule: Was ist mit den Kindern, die es gar nicht erst aufs Gymnasium schaffen? Darf man Zehnjährigen sagen, sie seien nicht gut genug? Antworten darauf lesen Sie im BRIGITTE Heft 7, am 12.3. am Kiosk.

Uns interessiert: Was muss sich Ihrer Meinung nach ändern am Schulsystem?

Eine spannende Diskussion wünscht
Ihr BRIGITTE.de-Team

Nocturna
07.03.2008, 17:38
Es ist schwer für meine Tochter, ihre Freundschaften zu pflegen. Bis 16 Uhr sind Carla und ihre Freundinnen meistens mit Lernen beschäftigt. Sie können sich am frühen Abend noch für eine Stunde treffen, aber das war es dann auch schon.

Na, das sind ja noch traumhafte Zustände. Mein Sohn ist auf einem Gymnasium, das mangels Mensa den Nachmittagsunterricht auf ein 7-Stunden-Modell geändert hat, Unterrichtsende ist also um 14 Uhr. Weil mein Sohn Fahrschüler ist und noch S-Bahn fährt, ist er um 14.45 Uhr zuhause, hungrig und bis dato ohne nennenswerte Pause.

Nach dem Mittagessen gönne ich ihm gerade mal 15 Minuten Pause, dann ist es halb vier nachmittags und ich treibe Sohn zu den Hausaufgaben. Tägliches Pensum 1,5 Stunden aufwärts, er ist im Schnitt kurz vor 17.30 Uhr fertig. Zweimal in der Woche eilt es besonders, damit er noch rechtzeitig in den Sport kommt, damit er nicht nur vor dem Schreibtisch hockt.

Freundschaften? Er hat einen Freund aus der Klasse, mit dem er sich maximal 1x pro Woche trifft, entweder Freitag oder Samstagnachmittag. Auch das wird manchmal von den Eltern unterbunden, wenn Schulaufgaben anstehen, denn für zusätzliches Pauken neben den Hausaufgaben ist keine Zeit, bleibt also nur das Wochenende.

Bayernweit hat die LEV (http://www.sueddeutsche.de/jobkarriere/berufstudium/artikel/69/160630/)(Landeselternvereinigung) Umfragen gemacht mit haarsträubenden Ergebnissen. Nur noch 30 Prozent aller Kinder schaffen den Schulalltag ohne Hilfe, bei unserem Gymnasium liegt die Quote aktuell sogar nur bei 22 Prozent. Eltern sind zu Hilfslehrern geworden, alternativ zahlen sie durchschnittlich 200 Euro für Nachhilfe im Monat.

Ich habe noch die Schlussworte unseres Elternbeiratsvorsitzenden im Ohr, der sagte: Wie früher gibt es auch heute auf dem Gymnasium sehr gute Schüler, da hat sich nichts verändert. Auch bei den ganz schlechten Schülern sehe ich keinen Unterschied. Aber die große Masse der Schüler ist notenmäßig von gut nach ausreichend gerutscht.

Ich glaube nicht, dass unsere Kinder weniger intelligent sind als wir damals. Das System ist falsch.

Birgit-Sabine
07.03.2008, 20:10
Was hilft unseren Kindern?
1. Gut ausgebildete Pädagogen und keine Fachidioten, die menschlich zum Teil auch noch erhebliche Schwächen haben. Supervision für Lehrer!!
2. Ganztagsschulen mit Mittagessen, Hausaufgabenbetreuung und Nachhilfeangeboten, Freizeitgestaltung und- Räumen und Pädagogen und Sozialpädagogen, die Lust haben etwas mit Kindern und Jugendlichen zu machen und natürlich festen Betreuungszeiten!
3. Nachhaltigkeit und anwendbares, ganzheitliches Lernen und nicht Fakten auswendig lernen- Test schreiben und ab dafür. Wer wird von den G8 Kindern noch den Dreisatz können oder Flächenberechnung mit Ackerbau in Verbindung bringen?
4. Kleinere Klassen, damit auch über gemeinsames Lernen und eine gute Beziehung zum Lehrer das Lernen mehr Spaß macht
5. Möglichkeiten der Förderung von Begabungen und das nicht nur im naturwissenschaftlichen Bereich!
6. Schulfächer für alle, damit diese Schlepperei ein Ende hat (täglich 12-14 Kg mit einem Eigengewicht von knapp 50 kg)
7. Lerntherapien an den Schulen für Legastheniker und Kindern mit Dyskalkulie, die bis jetzt einfach allein gelassen werden, weil es in Niedersachsen „Legasthenie“ und Dyskalkulie nicht mehr gibt, heißt jetzt Lese-Rechtschreibschwäche, wobei der Begriff vermittelt, dass man einfach üben muss. Dabei brauchen diese Kinder Lerntherapien, weil sie anders lernen!! Aber nicht schlechter!! Und die Therapien werden von den Krankenkassen nicht bezahlt, obwohl es an einer Wahrnehmungsstörung liegt.
Das wären schon einmal einige Ideen. Wenn diese umgesetzt sind, würde ich glatt weiterdenken :zwinker:
Gruß an alle Mitstreiterinnen

MarionZ
10.03.2008, 15:02
Ich dachte zuerst: endlich mal ein Artikel über Schule, in dem nicht auf den Lehrern rumgetrampelt wird und in dem diese nicht als Ursache allen Übels angesehen werden. Dann kam hier online doch wieder so eine Bemerkung:
". Gut ausgebildete Pädagogen und keine Fachidioten, die menschlich zum Teil auch noch erhebliche Schwächen haben. Supervision für Lehrer!!"
Klar, die Fachidioten gibt es auch, wie in jedem anderen Job, aber vielleicht sieht man auch mal die anderen, die sich ein Bein ausreißen, um Kinder zu erziehen, die nicht mal die Grundlagen der Höflichkeit zu Hause gelernt haben und null Ergeiz zeigen, die vom zerütteten Elternhaus so zermürbt sind, dass kein Englisch oder Mathe mehr in die Köpfe passt, denen neben Tennis, Musikschule, etc und Leistungsdruck, von den Eltern aufgebaut
("3 ist eine schlechte Note") keine Zeit mehr für andere Sachen bleibt..., die agressiver Verhaltensweisen entwickeln, weil in ihnen fast etwas explodiert. Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, Hyperaktivität, extreme Forderung nach Beachtung durch störendes Verhalten-
Ich könnte in dieser Richtung mindestens genausoviel beitragen, wie die notorischen Lehrerhasser.
Aber lassen wir das und bleiben bei dem von Ihnen angeregten Thema.
Auch ich finde die Stauchung der Schuljahre inklusive des Unterrichtsstoffes völlig daneben. (Stopfgans war ein gutes Beispiel)
Ich unterrichte schon mehrere Jahrzehnte (nicht als Fachidiot, sondern anerkannter Weise nach modernen Methoden!).
Aber wie soll man einen Stoff mit interessanten Medien und Unterrichtsformen, die ich sehr gut finde und so oft es geht einsetze, vermitteln, wenn man die Bruchrechnung in 2 Monaten "durchbringen" muss, inklusiver aller Anwendungen, Sonderfälle, Textaufgaben, zusätzliche Übungen mit 32 Kindern? (Vielleicht kann das einer von den Schlaumeiern besser?).
Mit bestem Willen, Können und Flexibilität - das geht nur über Leichen, die man zurücklassen muss, was ich immer sehr bedauerlich finde. Neben dem Stress, der sachbedingt da ist, werfen einem oft Eltern Steine in den Weg,weil sie denken, man will ihrem Kind etwas ( es gibt auch sehr kooperative Eltern, aber leider kommen die Eltern der Problemfälle oft nicht, die verhindern, dass ein entspannter Unterricht möglich ist.)
Ein guter Anfang - ihr Artikel, aber um konstruktiv zusammenarbeiten zu können, sollten auch mal die alten Zöpfe der Lehrerschelte von allen überdacht werden! Auch ein Lehrertag hat nur 24 Stunden, von denen ich - zum Leidwesen meiner Familie (wie war das doch noch mit der Forderung arbeitender Mütter?) 10 Stunden irgendetwas für Schule oder Schüler mache (inkl. Sonn- und Feiertag).

konny92
10.03.2008, 17:23
k

konny92
10.03.2008, 17:26
Danke für diesen tollen Bericht bei dem endlich mal alle zu Wort kamen und man sich einen Überblick über dieses Hals-über-Kopf reformierte Schulsysrem verschaffen konnte.
Was mich aber sehr geärgert hat war, dass es bei dem Jungen aus Sachsen, der die Gymnasialempfehlung nicht "geschafft" hat so dargestellt wird, als wäre seine Zukunft im Eimer. Ich habe viele, viele Freunde und Bekannte, die jetzt nach der 10. Klasse an der Real- und auch verlängerten Hauptschule zu mir ins Gymnasium gehen und sicher ein einwandfreies Abi machen werden. Dieses "du hast dich angestrengt, aber du hast es nicht geschafft" ist natürlich frustrierend für das Kind, aber sollte man es nicht ermutigen und ihm zeigen, das viele Wege zum Ziel führen?
Aber es ist schon traurig, dass heute nur noch das Abi was wert ist...
Ich halte nichts von G8, da es auch ohne schon stressig genug ist. Es reicht, wenn die Wochenstundenzahl in der Oberstufe die 32 übersteigt.
Ich denke nicht, dass es wirtschaftlich viel ausmacht, wenn alle ihr Abi ein Jahr früher haben. G8 ist meiner Meinung nach eine Kürzung, die auf Kosten des Schulstoffs, der Leistungsfähigkeit und der Nerven der Schüler, Eltern und natürlich auch der Lehrer geht!
Sehr geärgert habe ich mich auch über das Interview mit dem Bildungsökonomen Prof. Dr. Wößmann. Er will, dass Schüler nach der 4. Klasse nicht mehr getrennt werden, meint aber, dass man trotzdem nicht mehr Personal bräuchte. SCHWACHSINN!
Schon in meiner jetztigen Klasse am Gymnasium sind die Leistungsstände so unterschiedlich, dass wir mindestens 2 Lehrer pro Fach bräuchten. Was wäre, wenn Haupt-, Realschüler und Gymnasiasten in einer Klasse wären? Die Unterschiede wären unüberbrückbar und die Leistungstarken wären unter-, die Leistungsschwachen überfordert.
Am schlimmsten sind diese kurzfristigen Entscheidungen, die nichts bringen. Ich wünsche mir für mich als Schülerin und für die Eltern und Lehrer, dass solche Entscheidungen in Zukunft besser und länger überdacht werden.

Gymnasiastin, 10. Klasse

nynaeve
10.03.2008, 17:39
Liebe Kollegin!
Ich kann (auch wenn ich andere Fächer unterrichte) nur bestätigen, was sie sagen!
Mir ist außerdem- im Gegensatz zu der Autorin des nächsten Beitrags aufgefallen, dass auch in diesem Dossier - wie absolut immer bei diesem Thema in den Medien!!!! - jede und jeder zu Wort kommt, aber wir- die (zum millionsten Mal gescholtenen!) Lehrer nicht!
Die Aussagen, dass die Klassengröße nichts zu sagen hätte -und wenn doch, sind wir natürlich schlechte Pädagogen! -
hat mich mal wieder besonders geärgert!
Aber ich glaube ich sollte noch einen separaten Beitrag formulieren!

pelzpfote
10.03.2008, 18:08
Vielleicht entsteht der Stress auch dadurch, dass unbedingt alle Kinder nach Möglichkeit aufs Gymnasium müssen, auch wenn sie dafür nicht geeignet sind. :peinlich: Und warum wird immer so getan, als ob nur das Abitur die Chance auf einen "guten" Beruf bieten würde. :wie?: Nicht jeder kann studieren und es ist auch nicht notwendig, denn jeder von uns braucht z. B. auch Handwerksberufe ganz notwendig.

Den Stress machen nicht in erster Linie Schule und Lehrer, sondern vielfach die Eltern, die ihr Kind auf Biegen und Brechen in eine Schulart zwingen, die seinen Begabungen und Fähigkeiten nicht entspricht. :knatsch:

nynaeve
10.03.2008, 18:09
Vor allem, weil auch (die von mir übrigens sehr geschätzte) Frau Karnick, mal wieder die Finnen und ihr Schulsystem zitiert hat,
an dieser Stelle Folgendes:
Eine Initiative von engagierten Eltern an unserer Schule verteilte vor einiger Zeit ein Informationsblatt an alles Eltern, mit etwa folgendem Inhalt:
Deutschland ist nicht Finnland!
Unter anderem deshalb, weil in Finnland 40% aller dortigen Schulen
nur jeweils ca. 50 Schüler haben!
Hätten Sie's gewusst?
(Und weil ich manchmal eben auch boshaft sein kann: auch im finnischen Pädagogik Paradies gab es vor gar nicht langer Zeit einen Amoklauf. Übrigens an einem Gymnasium mit 400 Schülern).
Ich unterrichte an einem Gymnasium mit 1300 (!) Schülern...
Überhaupt die Zahlen.
In den weiterführenden Schulen sitzen im Durchschnitt 30 Schüler in einer Klasse! Das gilt oft auch für Grundkurse in der Oberstufe.
Ein Lehrer hat je nach Fächern (d.h. ob seine Fächer 2-stündig, wie z.B. Biologie oder Geschichte oder 3 8z.Zt. teilweise noch 4-stündig, wie z.B. Englisch oder Deutsch unterrichtet werden
zwischen 7 und 13(!) Lerngruppen, d.h. er unterrichtet 200 bis
400 (bei großen Lerngruppen oder einstündigem Unterricht wie er im Zuge von G 8 in einigen Fächern und Klassen eingeführt wird)
bis zu ca. 500 verschiedene Schüler.... Na, wie sieht's denn so bei den Vertretern anderer Berufsgruppen mit dem Namensgedächtnis aus, hm?
Will heißen im Durchschnitt 300 verschiedene Namen, Gesichter,
Fähigkeiten, Begabungen, Leistungsstände usw.
Manche dieser Schüler sieht man nur einmal die Woche.
Aber wir fördern natürlich individuell! Sicher doch!
Das wird ja auch bei G8 (von keinem mir bekannten Lehrer wirklich gewünscht!) unbedingt besser, na klar!
Schule ohne drastische Reformen ist ein fürchterlicher Massenbetrieb, unabhängig von Schulform oder ideologischem Überbau! Darin sehe ich (und ich bin nicht alleine) den wirklichen Grund für die deutsche Bildungsmisere!

nynaeve
10.03.2008, 18:26
Meine Traumschule - so was darf ich ja vielleicht auch mal schreiben?- sieht aus, wie folgt:
Es ist - vielleicht erstaunlich? - wahrscheinlich doch eine Ganztagsschule. Anwesenheit für Schüler und Lehrer ca. von 8 Uhr morgens bis ca. 17 Uhr (über 18 Uhr ließe sich reden).
In dieser Zeit findet auch Unterricht im herkömmlichen Sinne statt.
Die Lerngruppen sind dabei nur etwa halb so groß wie heute!
Für Lehrer und Schüler gibt es aber sowohl Arbeitsräume, als auch
Zeiten in denen sie individuell (oder in kleinsten Gruppen) arbeiten.
Für die Schüler findet dann das statt, was heute Hausaufgaben heißt, aber auch Interessengruppen von Chor bis Umweltschutzgruppe sowie Sport usw. Diese Dinge (auch die Aufgaben) werden betreut, bzw. es ist immer ein Erwachsener (bei den Aufgaben) in Rufweite. Die Lehrer können zu bestimmten Zeiten Unterricht vorbereiten, wobei sie stark kooperieren und natürlich Arbeiten korrigieren. Für das leibliche Wohl sorgt die Schulkantine, in der alle essen, die Mittagspause ist auf jeden Fall 60 Minuten lang und findet allerspätestens um 13 Uhr statt!
Um 17 Uhr (spätestens 18 Uhr) ist Schluss und zwar für Lehrer und Schüler und NIEMAND nimmt Arbeit mit nach Hause.
Wenn Sie mitgerechnet haben, sind Schüler und Lehrer dann ja auch 45 Zeitstunden oder sogar 50 Zeitstunden die Woche in der Schule. Das muss reichen!
Samstags und sonntags ist immer frei! Unter diesem Umständen können Sie auch über kürzere Ferien nachdenken (aber nur bei dem Modell, bei dem um 17 Uhr nachmittags Schulschluss ist)
Von mir aus.
Wenn ich dafür an den Wochenenden nicht regelmäßig12 bis 16 Stunden korrigieren muss, gerne!
In dem Fall müsste aber für Schüler und Lehrer (!) gewährleistet sein, dass z.B. ein Zahnarzttermin mal ohne Probleme wahrgenommen werden kann.
Die Schule fordert und fördert selbstständiges Lernen und Arbeiten in hohem Maße. Wenn also mal ein Kollege 2 Stunden zum Zahnarzt muss, dann ist das kein Problem. Niemand brüllt über Stundenausfall, die Schüler arbeiten (von einem Kollegen
quasi nebenbei beaufsichtigt) weiter.
Dieses System ist zweifelsohne sehr kostenintensiv, weil dort neben Lehrern, Reinigungskräften und dem Kantinenpersonal auch Bibliothekare, technische Assistenten usw. arbeiten würden.

Unbezahlbar und unwirtschaftlich?
NEIN!

Und ich sage Ihnen auch warum:

Nachhilfeinstitute existierten schlicht nicht mehr, könnten also auch kein Geld kosten. In einer solchen Schule könnte die ge-
priesene individuelle Förderung stattfinden. Kinder wären von Montag bis Freitag einen großen Teil der Zeit beaufsichtigt und versorgt, Kinderfrau, Kita und Tagesmutter also überflüssig.
Das entsprechende Geld müsste in die Schulen fließen.
Und- eine gute Allgemeinbildung für alle sorgt später dafür, dass alle in der Lage sind, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, wenigstens wenn die Wirtschaft dann die nötigen Arbeitsplätze schafft.

Ich habe mich deswegen für ein Ganztagsmodell entschieden, weil (auch wenn ich nachvollziehbare Gegenpositionen aus der Elternschaft kenne) selber sehen kann, dass die Vormittagsschule in einer Zeit in der schon aus wirtschaftlichen Gründen meistens beide Elternteile arbeiten müssen und die Zahl der Alleinerziehenden ständig steigt, wohl keine andere Möglichkeit besteht.
Wahrscheinlich wird meine Traumschule so nie umgesetzt werden.
Leider. Mich würde aber die Meinung andere zu meiner Idee interessieren.
Ach -und bevor Sie fragen: unter den oben beschriebenen Umständen ist wahrscheinlich auch eine Schule für alle sinnvoll.

nynaeve
10.03.2008, 18:27
Meine Traumschule - so was darf ich ja vielleicht auch mal schreiben?- sieht aus, wie folgt:
Es ist - vielleicht erstaunlich? - wahrscheinlich doch eine Ganztagsschule. Anwesenheit für Schüler und Lehrer ca. von 8 Uhr morgens bis ca. 17 Uhr (über 18 Uhr ließe sich reden).
In dieser Zeit findet auch Unterricht im herkömmlichen Sinne statt.
Die Lerngruppen sind dabei nur etwa halb so groß wie heute!
Für Lehrer und Schüler gibt es aber sowohl Arbeitsräume, als auch
Zeiten in denen sie individuell (oder in kleinsten Gruppen) arbeiten.
Für die Schüler findet dann das statt, was heute Hausaufgaben heißt, aber auch Interessengruppen von Chor bis Umweltschutzgruppe sowie Sport usw. Diese Dinge (auch die Aufgaben) werden betreut, bzw. es ist immer ein Erwachsener (bei den Aufgaben) in Rufweite. Die Lehrer können zu bestimmten Zeiten Unterricht vorbereiten, wobei sie stark kooperieren und natürlich Arbeiten korrigieren. Für das leibliche Wohl sorgt die Schulkantine, in der alle essen, die Mittagspause ist auf jeden Fall 60 Minuten lang und findet allerspätestens um 13 Uhr statt!
Um 17 Uhr (spätestens 18 Uhr) ist Schluss und zwar für Lehrer und Schüler und NIEMAND nimmt Arbeit mit nach Hause.
Wenn Sie mitgerechnet haben, sind Schüler und Lehrer dann ja auch 45 Zeitstunden oder sogar 50 Zeitstunden die Woche in der Schule. Das muss reichen!
Samstags und sonntags ist immer frei! Unter diesem Umständen können Sie auch über kürzere Ferien nachdenken (aber nur bei dem Modell, bei dem um 17 Uhr nachmittags Schulschluss ist)
Von mir aus.
Wenn ich dafür an den Wochenenden nicht regelmäßig12 bis 16 Stunden korrigieren muss, gerne!
In dem Fall müsste aber für Schüler und Lehrer (!) gewährleistet sein, dass z.B. ein Zahnarzttermin mal ohne Probleme wahrgenommen werden kann.
Die Schule fordert und fördert selbstständiges Lernen und Arbeiten in hohem Maße. Wenn also mal ein Kollege 2 Stunden zum Zahnarzt muss, dann ist das kein Problem. Niemand brüllt über Stundenausfall, die Schüler arbeiten (von einem Kollegen
quasi nebenbei beaufsichtigt) weiter.
Dieses System ist zweifelsohne sehr kostenintensiv, weil dort neben Lehrern, Reinigungskräften und dem Kantinenpersonal auch Bibliothekare, technische Assistenten usw. arbeiten würden.

Unbezahlbar und unwirtschaftlich?
NEIN!

Und ich sage Ihnen auch warum:

Nachhilfeinstitute existierten schlicht nicht mehr, könnten also auch kein Geld kosten. In einer solchen Schule könnte die ge-
priesene individuelle Förderung stattfinden. Kinder wären von Montag bis Freitag einen großen Teil der Zeit beaufsichtigt und versorgt, Kinderfrau, Kita und Tagesmutter also überflüssig.
Das entsprechende Geld müsste in die Schulen fließen.
Und- eine gute Allgemeinbildung für alle sorgt später dafür, dass alle in der Lage sind, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, wenigstens wenn die Wirtschaft dann die nötigen Arbeitsplätze schafft.

Ich habe mich deswegen für ein Ganztagsmodell entschieden, weil (auch wenn ich nachvollziehbare Gegenpositionen aus der Elternschaft kenne) selber sehen kann, dass die Vormittagsschule in einer Zeit in der schon aus wirtschaftlichen Gründen meistens beide Elternteile arbeiten müssen und die Zahl der Alleinerziehenden ständig steigt, wohl keine andere Möglichkeit besteht.
Wahrscheinlich wird meine Traumschule so nie umgesetzt werden.
Leider. Mich würde aber die Meinung andere zu meiner Idee interessieren.
Ach -und bevor Sie fragen: unter den oben beschriebenen Umständen ist wahrscheinlich auch eine Schule für alle sinnvoll.

Nocturna
10.03.2008, 18:35
Vielleicht entsteht der Stress auch dadurch, dass unbedingt alle Kinder nach Möglichkeit aufs Gymnasium müssen, auch wenn sie dafür nicht geeignet sind. :peinlich:
Aber dem nicht-geeignet-sein sind doch Riegel vorgeschrieben, bei uns in Bayern z.B. mit 2,33 Übertrittsnote oder bestandenem Probeunterricht. Sind das jetzt die neuen Grenzfälle?

Ich kenne ein paar sogenannte Leistungsträger, die damals den noch üblichen 2,5er Schnitt gerade so gepackt haben und sie konnten sich erfolgreich im G9 etablieren. Warum klappt das jetzt im G8 nicht mehr? Sind unsere Kinder dümmer geworden oder die Eltern weniger engagiert? Besonders letzteres kann ich absolut verneinen. Was Eltern an Hilfslehrerttätigkeiten verrichten oder alternativ in bezahlte Nachhilfe stecken, geht auf keine Kuhhaut mehr.

Der Staat ruft nach Leistungsträger und statt durch intelligente Schulsysteme zu fördern, dünnt er unter denen aus, die halbwegs dafür in Frage kommen würden. Wenn dann die „Beinahe-Gymnasiasten“ in die Realschulen drücken, wird auch dort der Leistungsdruck stärker und es findet eine Umverteilung nach unten stattfinden. Den Letzten im Bildungssystem beißen dann die Hunde. Wenn das der Weisheit letzter Schluss ist, dann läuft etwas gründlich falsch.

Inaktiver User
10.03.2008, 18:47
@mynaeve
Davon träume ich auch :Sonne: :blumengabe:

Allerdings befürchte ich, dass ich in Pension gehe(noch ca. 18J:ooooh: ) bevor auch nur der Ansatz zu sehen ist:wie?:

pelzpfote
10.03.2008, 19:09
Aber dem nicht-geeignet-sein sind doch Riegel vorgeschrieben, bei uns in Bayern z.B. mit 2,33 Übertrittsnote oder bestandenem Probeunterricht.
Es gibt bereits genügend Kinder, die in der GS Nachhilfe bekommen, damit sie den Übertritt bzw. den Probeunterricht schaffen. Das meinte ich mit Stress, den viele Eltern machen.:peinlich:

Birgit-Sabine
10.03.2008, 19:17
Liebe Lehrer,
an dieser Stelle nochmal ganz deutlich: Ich bin nicht gegen Lehrer und habe Lehrer im Freundeskreis, die ich sehr schätze!! Mir ist auch klar, dass man in einer Klasse von 30 oder mehr Schülern nicht sinnvoll unterrichten kann!
Ich möchte auch keinen Nebenkriegsschauplatz eröffnen.
Trotzdem wissen wir alle, dass es Lehrer gibt, die fachlich sehr versiert sind, aber es nicht vermitteln können und pädagogisch nichts drauf haben (weil sie es nicht gelernt haben).
Die Idee mit der Ganztagsschule bis 17 oder 18 Uhr finde ich sehr ansprechend! Mehrere Fliegen mit einer KLappe- Vielleicht sollte das Kultusministerium mit dem Familienministerium zu einem Ministerium zusammenwachsen. Dann könnte man wirtschaftlich besser planen.
LG
Birgit-Sabine

ulli42reiten
11.03.2008, 07:43
Wir haben eine 19-jährige Tochter in Klasse 12, die derzeit 36 Wochenstunden + Chor, + Vokalgruppe, an reinem Unterricht hat.
Dazu kommt noch die Klausurvorbereitung, die Erarbeitung von
GFS (Facharbeiten) sowie Hausaufgaben und Unterrichtsvorberei-tung. Dies alles in einem G9 Zug, wo sie noch die Möglichkeit hat, freiwillig an der Theater AG teilzunehmen.
Trotz allem dieses Pensum ist enorm und es ist für mich befremd- lich, dass unsere Schüler - sicher nicht nur im Gymnasium - teilweise mehr Zeit investieren müssen, als ein im Beruf stehender Erwachsener.
In dieser Schule wird es ab G8 keine Theater AG mehr geben, die Big Band wird sich auflösen und auch weitere Arbeitsgruppen werden gestrichen. Dabei haben viele Schüler gerade aus diesen Bereichen Selbstbewusstsein erfahren und mitgenommen, Erfolgs-
erlebnisse mit in den Lernbereich übertragen.

Meiner Meinung nach hätte für G8 zunächst einmal der Lernstoff für die Fächer auf mehr wesentliches reduziert werden müsssen.
Vieles, was in der Oberstufe vermittelt wird ist noch einmal Stoff
des Erstsemesters - warum also bitte hier vorher Stress verbreiten. Besser den Lernstoff auf die acht Gymnasialjahre verteilen, den Kindern allen Alters noch Freiräume verschaffen
und den Spass am Lernen erhalten.

Nicoellchen
11.03.2008, 07:55
Mit bestem Willen, Können und Flexibilität - das geht nur über Leichen, die man zurücklassen muss, was ich immer sehr bedauerlich finde.

Und dann wundern Sie sich:


Neben dem Stress, der sachbedingt da ist, werfen einem oft Eltern Steine in den Weg,weil sie denken, man will ihrem Kind etwas ( es gibt auch sehr kooperative Eltern, aber leider kommen die Eltern der Problemfälle oft nicht, die verhindern, dass ein entspannter Unterricht möglich ist.)

Ja, ja immer diese Problemkinder.......




Auch ein Lehrertag hat nur 24 Stunden, von denen ich - zum Leidwesen meiner Familie (wie war das doch noch mit der Forderung arbeitender Mütter?) 10 Stunden irgendetwas für Schule oder Schüler mache (inkl. Sonn- und Feiertag).

So ist es nun mal, glauben Sie einer Verkäuferin oder arbeitenden Vätern geht es anders?


Übrigens, nach meinem Arbeitstag erwarten mich oft Anrufe derer, die Lehrer wie Sie schon längst abgeschrieben haben, lange bevor Sie "Leichen" sind.
Ehrenamtlich, gerne und seit 20 Jahren, nicht nur als Elternvertreter, auch als SEB und im Landeselternbeirat.
Und meine Familie freut sich mit mir und ist stolz über jedes Kind/Jugendlichen was wir gemeinsam mit Schule und manchmal tatsächlich ohne Eltern(wieder)erreichen können.



Kopfschüttelnd
Nicoellchen

julia.karnick
11.03.2008, 14:14
Liebe Diskutantinnen,

ich melde mich hier zu Wort, weil mir das Thema „Bildungsreformen” wirklich sehr am Herzen liegt, nicht nur meiner eigenen Kinder wegen - und ich es nicht schaffe, dazu meinen Mund zu halten.

Was mir beim Lesen der ersten Kommentare hier im Dossier-Talk auffällt: Kaum beginnt man, über Schule und die Probleme unseres Schulsystems zu sprechen, fangen Eltern und Lehrer, in diesem Falle Mütter und Lehrerinnen an, aufeinander los zu hacken. Ich halte das für völlig kontraproduktiv und für einen der wesentlichen Gründe, warum diese Gesellschaft keine nennenswerten Fortschritte in Sachen Schule macht.

Ja, es gibt schlechte, faule, desinteressierte, unfaire, kritikunfähige Lehrerinnen und Lehrer, die aus Gründen der Bequemlichkeit jede potentielle Veränderung scheuen wie der Teufel das Weihwasser. Ja, es gibt überehrgeizige oder gleichgültige, überforderte, aggressive, selbstgefällige Eltern, die ständig an allen und allem herum mäklen, ohne auf die Idee zu kommen, dass auch sie eine Mitverantwortung an den Problemen ihres Kindes tragen. Und genauso gibt hervorragende, engagierte, einsatzbereite, mit Herzblut für die Belange ihrer SchülerInnen kämpfende Lehrerinnen und Lehrer. Ebenso wie es viele gute und liebevolle Eltern gibt, die sich sorgen, sich kümmern, sich Gedanken machen.

Solange wir damit beschäftigt sind, das immer und immer wieder festzustellen, können sich die Verantwortlichen die Hände reiben und alles lassen, wie es ist.

Auch wenn das Interesse am Thema Schule fast immer - so auch bei mir - hervorgerufen wird durch persönliche Erfahrungen, sollte man bei der Diskussion um notwendige Veränderungen das Persönliche endlich einmal außen vor lassen. Denn das ist nun einmal bei jedem ein bisschen anders.

Das gesellschaftliche Kernproblem ist doch nicht, ob mein Fritzchen oder dein Lieschen gerade Schwierigkeiten mit der Schule, der Lehrerin, dem Unterrichtsstoff oder allem auf einmal hat.

Das mag ein persönliches Kernproblem sein und als solches schwer wiegen. Das gesellschaftliche Kernproblem aber ist: In diesem Land ist ein Großteil der Kinder qua Geburt von jeder Chance auf eine erfüllte Zukunft ausgeschlossen - und das wird Auswirkungen haben auf diese Gesellschaft, in der wir alt und unsere Kinder erwachsen werden. Und das ist ein Systemfehler, kein Versagen einzelner Berufs- oder Gesellschaftsgruppen.

konny92
11.03.2008, 14:30
Sie haben recht, kein Lehrer hat was dazu gesagt (oder sagen dürfen?)... das is wirklich nicht fair... die lehrer sind doch bestimmt genauso genervt wie die schüler und die eltern!
konny92

julia.karnick
11.03.2008, 14:47
Liebe konny92,

nein, ich finde es nicht unfair, dass in diesem Dossier keine LehrerInnen zu Wort gekommen sind. Eltern sind ja auch nicht zu Wort gekommen - nur Schüler. Und die sind es ja, um die es letztlich geht.

Man muss sich bei der Konzeption eines Dossiers für einen roten Faden entscheiden, und der war in diesem Falle und aus gutem Grund eben nicht: Eltern oder Lehrer lassen Dampf ab - denn dann wären wir, aus oben genannten Gründen, thematisch sofort wieder mitten zwischen den Alltags-Fronten gewesen, die wir mit diesem Dossier ja gerade verlassen wollten.

Übrigens: Die von Ihnen als „schwachsinnig” kritisierte Positions Ludger Wößmanns, man solle nicht mehr Geld in das heutige Schulsystem stecken, finde ich durchaus überdenkenswert. Er spricht sich ja nicht generell gegen Investionen ins Schulsystem aus, sondern dagegen, noch mehr Mittel in die Schule zu investieren, wie sie heute ist. Sprich: Erst muss sich Grundlegendes ändern, bevor es sich lohnt, noch mehr Geld auszugeben.

nynaeve
12.03.2008, 18:52
Tut mir leid, dass ich darüber gemeckert habe, dass wir Lehrer
nicht zu Wort kommen durften, aber:
Liebe Frau Karnick (und alle anderen Beteiligten)
Sie mögen das mit dem Konzept des Dossiers rechtfertigen, das verstehe ich auch, aber

In dem Dossier kamen zahlreiche Mütter zu Wort!
Wirklich!
und

Das Dossier ist nur eine Medienaktion von vielen zu dem Thema,
mindestens seit dem PISA Studien ist es völlig eskaliert,
aber nie, wirklich wirklich nie, dürfen die Lehrer mal etwas sagen oder sich auch nur verteidigen (ich kann mich an die Fernsehdiskussionen nach PISA gut erinnern!) Allenfalls der eine oder andere politisch-ideologisch gut eingenordete Schulleiter durfe mal auf seinen Untergebenen herumhacken!
Ich will ja mit den Eltern ins Gespräch kommen, aber das geht nur, wenn meine Meinung auch mal etwas zählt und wenn auch Eltern einsehen, dass sie nicht alles richtig machen!

Sie meinen, dass ich hier einen Nebenkriegsschauplatz aufgemacht habe. Das stimmt nicht.
Eines der ersten Postings beschimpfte doch direkt wieder Lehrer als Psychokrüppel. Tut mir leid, so geht das einfach nicht mehr.
Auch das deutschlandweite "Hobby" Lehrermobbing zieht die Qualität von Schule und Unterricht herunter.
Sie können sich mit Sicherheit nicht vorstellen, wie das ist, wenn einem allerorten so viel HASS (und das ist wirklich HASS) entgegen schlägt. Auch wenn man durchaus arbeits- und reformwillig ist usw. Das geht tatsächlich auf die Psyche!
Ich habe erlebt, dass Leute nett und freundlich waren - bis zu der Sekunde, wo sie erfuhren, was ich beruflich mache!
Richter entscheiden, dass Schüler ihre Lehrer im Internet anonym benoten dürfen, gegen Cybermobbing extremster Art wird nichts unternommen.
Natürlich benoten wir Schüler und Noten, das weiß ich, sind ein zweischneidiges Schwert. Aber: ein Schüler weiß z.B. immer welcher Lehrer ihm welche Note gegeben hat. Und kein Lehrer würde je einen Schüler im Internet bloßstellen! Und ich bin sicher, wenn es jemand von uns täte, würde uns keine Verbeamtung davor retten, fristlos entlassen zu werden, ja eine Freiheitsstrafe zu bekommen. Und das ist auch richtig so. Aber bei Schülern kann man nicht einfach nur lachen/ignorieren oder mal kurz "dududu, das darf man aber nicht" sagen. Das ist aber das, was passiert.Kein anderer Berufsstand wird so fertig gemacht, wie wir. Schüler fühlen sich dementsprechend im Recht, wenn sie nicht mitarbeiten, den Unterricht stören usw. Das sind ja nur die Sch...Lehrer. Natürlich sind das nicht alle Schüler und auch nicht alle Lehrer, aber eben zu viele.
Die meisten Menschen sind sofort bereit von jemandem das Schlimmste anzunehmen, nur weil er/sie Lehrer/in ist.
Nein, ich bilde mir das nicht ein. Und wie soll das der Schule oder den Schülern helfen. Die meisten von uns sind offen für konstruktive(!) Kritik und Vorschläge. Ja, wir freuen uns sogar, wenn Eltern und Öffentlichkeit sich für Schule und Bildung interessieren und engagieren.

Der despotische Lehrer, der seine Schüler quält, den halben Tag nichts tut und zwölf Wochen im Jahr mit dem Wohnmobil durch Südfrankreich gondelt ist wirklich ein Mythos.
Wir sind alles mögliche, aber ganz sicher keine mächtigen oder machtgierigen Monster, die vor allem arme kleine Zehnjährige in ausschließlich böser Absicht in "gut" und "schlecht" sortieren...

Ein bißchen über mich:
Ich hatte selbst am Ende der 4. Klasse eine Realschulempfehlung! Und im Abi nur 2,5!
Ich unterrichte Englisch und hatte in der 6. Klasse eine 5(!) in diesem Fach! (beim Abi eine 1!) Ich hatte im Laufe meiner Schulzeit zusammengenommen etwa 20 Nachhilfestunden (in Englisch und später mal in Mathe, als ich ein bestimmtes Thema nicht so schnell verstanden habe.)
Ich fand die meisten meiner Lehrer mittelmäßig (mich selbst übrigens ehrlich gesagt auch). Es gab eine Sportlehrerin, die ich auch heute noch schlecht finde und einen Deutschlehrer der total super war. Und so denke ich sieht es realistisch betrachtet in den meisten Fällen aus.

Ich arbeite an einem Gymnasium mit noch relativ vielen engagierten Eltern und relativ netten Schülern.
Aber was ist mit den Lehrern, die an Schulen in sozialen Brennpunkten arbeiten? Was ist mit den Kolleginnen und Kollegen in Berlin-Neukölln? ......

Und- weil immer wieder die Skandinavier zitiert werden (Finnland, Schweden usw.): die Lehrer dort mögen weniger verdienen, aber:
sie haben (ob Sie's glauben oder nicht!) weniger Unterrichtsstunden und eine viel höhreres Ansehen in der Gesellschaft!
Ich weiß das übrigens aus erster Hand, weil ich mit skandinavischen Lehrern gesprochen habe. Auf einer internationalen Fortbildung für Englischlehrer, an der ich vor ein paar Jahren in meinen Sommerferien teilgenommen habe...

nynaeve
12.03.2008, 19:22
Wahrscheinlich ist das, was ich jetzt schreibe, an der falschen Stelle geäußert, denn hier sind ja wahrscheinlich die engagierten Eltern zu finden, trotzdem:

Die Schule kann, so wie sie heute ist, nicht die gesamte Erziehung der Kinder übernehmen. Auch meine Traumschule (siehe entsprechendes Posting) würde das nicht völlig leisten, denn an den Wochenden müssten sich die Eltern um die Kinder kümmern.

Ich weiß, dass der heutige Arbeitsmarkt/die Arbeitswelt den Eltern fast den Atem nimmt und sie daher kaum Zeit und Kraft für die Erziehungsarbeit haben.
Dennoch, an dieser Stelle ein paar unpopuläre Wahrheiten:

Eltern sind immer noch in erster Linie für die Erziehung ihrer Kinder verantwortlich.

Medien (Fernsehen, PC, X-Box, Playstation und Co.) sind keine Babysitter und haben nichts im Kinderzimmer zu suchen!
Es gibt zahlreiche Untersuchungen, die das bestätigen, ich könnte aber auch selber "aus der Schule plaudern"!

(Die Kinder werden auch medienkompetent, wenn sie keinen eigenen Computer im Zimmer haben.
Ich bin 45 Jahre alt und benutze hier gerade einen PC. Während meines Studiums und meiner Ausbildung gab es das noch nicht.
Ich habe zwar mal einen Kurs gemacht, aber das Meiste ist "learning by doing".
Ab und zu den Familien-PC im Wohnzimmer benutzen oder dort fernsehen ist okay für Kinder, aber der unkontrollierte Medienkonsum ist eine Katastrophe.
Mal ein kleiner Realitätscheck: Welcher 12jährige spielt am PC nur Lernprogramme (zumindest wenn er unbeaufsichtigt ist)!
Auch bei Handys ist Vorsicht geboten...)

Ein Tipp, wenn Sie Angst haben, dass ihr Kind zum Außenseiter wird, wenn es keinen eigenen Fernseher usw. hat:
sprechen Sie sich mit den Eltern der anderen Kinder der Klasse ab.
Einigkeit macht stark!

Lesen sie ihren Kindern (wenn diese noch kleiner sind) doch bitte mal was vor. Verzichten sie dafür selbst mal auf das Fernsehen.
Glauben Sie mir, das geht und alle haben was davon.
Übrigens: es ist kostengünstig!
Kinderbücher gibt's zum Ausleihen in der Stadtbibliothek oder auch für wenig Geld auf dem Flohmarkt.
Und Sie tun viel viel mehr für die schulische und berufliche Zukunft des Kindes, als wenn Sie ihm einen Gameboy kaufen!
Nicht immer muss Geldmangel die Chancen verschlechtern.

Kinder brauchen feste Regeln. Sie brauchen Lob(!), wenn nötig
Kritik(!) und viel Liebe(!) Und zwar von ihren Eltern.

Eltern sollen auf keinen Fall die Hausaufgaben der Kinder machen oder gar deren Referate schreiben.
Wünschenswert ist aber, dass Eltern darauf achten, dass ihre Kinder Hausaufgaben machen. (Das ist ein Unterschied zu dem oben genannten.)
Stumpfsinniges Büffeln ist Quatsch!
Trotzdem geht es nicht immer ohne Auswendiglernen.
Beispiel: zwei Dinge, die Sie und ich unser ganzes Leben lang brauchen, haben wir mit Sicherheit auswendig gelernt:
das Alphabet und das kleine Einmaleins...

Kinder die freiwillig zur Unterhaltung lesen sind fast immer die besten Schüler. Dagegen können wir als Lehrer nicht wirklich etwas machen. Es gibt natürlich Kinder die praktisch veranlagt sind. Fragen Sie sich selbst, ob dann ein Studium ins Auge gefasst werden sollte.

Zitat aus einem Englisch-LK den ich mal hatte:
Ich: "What do you like to read in your free time?"
Schüler: "I don't read."
Wirklich tolle Voraussetzungen nicht wahr? ...


An die Adresse aller Ideologen:

Chancengleichheit ist eine tolle Sache.
Aber: Schon vor Beginn der Schulzeit sind die Weichen leider oft unterschiedlich gestellt. Ein Kind wächst vielleicht in einem Haushalt auf, in dem volle Bücherregale stehen und Vater oder Mutter doch auch häufiger mal Zeitungen, Zeitschriften oder Bücher lesen.
Das andere Kind wächst in einem Haushalt auf, in dem das einzige Druckerzeugnis der Flyer mit den Sonderangeboten des nächsten Discounters ist. - Chancengleichheit? Wirklich?

Zum Trost.
Nichts auf der Welt hat so viel mit Motivation und Wollen zu tun, wie das Lernen.
Es soll manchmal sogar Spaß machen.

isabel19
14.03.2008, 14:41
Hallo allerseits,
ehrlich gesagt verstehe ich nicht, warum sich alle Welt so schwer beim Thema G8 tut.

Ich habe letztes Jahr mein Abitur gemacht, in 12 Jahren und das alles recht unproblematisch.
Ich habe eine Schnellläuferklasse besucht, in der die 8. Klasse übersprungen wird.
Ich möchte hier nicht behaupten, dass wir wenig zu tun hatten, natürlich hatten wir mehr Stress als die regulären Klassen.
Schon alleine wegen der gesonderten Auswahl für diese Klasse waren wir eher ein Haufen Einzelgänger und schwierige Typen, als eine Klassengemeinschaft.
Trotzdem hat sich unter uns kaum einer haltlos überfordert gefühlt.

Meiner Meinung nach lag das vor allem daran, dass bei uns nicht zwanghaft darauf geachtet wurde den Rahmenplan zu erfüllen. Einige Themen wurden bei uns schlichtweg ausgelassen. Die 8. Klasse lässt sich ja nicht nebenbei noch nachholen.
Dieser ausgedünnte Lehrplan hat uns kaum geschadet.
Auch später, als wir in der Oberstufe mit den regulären Klassen vermischt wurden ist das nicht aufgefallen.

Wenn ich jetzt bei meinem jüngeren Bruder miterlebe, wie er bis 17-18 Uhr Hausaufgaben macht (Vokabeln lernen für seine zwei Fremdsprachen davon ausgenommen) und oft nur mit meiner Hilfe alles bewältigen kann, muss man sich nicht wirklich fragen woran das liegt.
Wenn man Kinder mit weiteren (für Gymnasiasten meiner Meinung nach vollkommen unnötigen) Fächern, wie Ethik belastet,
wenn jeder Fachbereich sich weigert endlich die Rahmenpläne auszumisten und zu erneuern,
wenn kein Förderunterricht mehr angeboten wird und es als nicht gemachte Hausarbeit gilt, wenn man etwas schlichtweg "nicht konnte"... was erwartet man dann?
Aufgeweckte Kinder, die Spaß an der Schule und dem Lernen haben?

Wen wundert es da noch, dass immer mehr Kinder Verhaltensstörungen aufweisen oder regelmäßig in psychologischer Behandlung sind.
Man sollte sich doch fragen ob die Schule eine allgemeine Vorbereitung auf das spätere Leben darstellen sollte oder eine Anstalt in der haufenweise Detailwissen gepaukt wird, das man spätestens bis zum nächsten Test wieder vergessen hat?!
Soziales Engagement, Musikinstrumente, Sportvereine, selbst Freundschaften bleiben dabei auf der Strecke.

Und was von dem, was in der Schule gepaukt wurde ist später noch wichtig?

Wir haben in der 7. Klasse eine besondere Förderung erhalten, die vor allem darin bestand uns bestimmte Arten des Lernens näherzubringen.
Es wurde sehr viel Wert auf Selbstständigkeit gelegt.
Wir hatten einige Gespräche über den Umgang miteinander.
Es wurde viel an unserer Rechtschreibung, Grammatik, Ausdruck und unserem Wortschatz gearbeitet.
Nicht zuletzt wurde uns vor allem vermittelt, alles Gegebene zu hinterfragen.

Alles Dinge, die nichts mit Leistung zu tun haben und eher "nebenbei" vermittelt wurden, die aber wahrscheinlich wichtiger und wertvoller als das reine Wissen sind.

Mir tut es leid um die Schülergeneration Versuchskaninchen. Veränderungen, die man nicht gründlich genug überdacht und ausgefeilt hat, hätte man nicht vorschnell durchsetzen dürfen. :knatsch:

sandra1972
14.03.2008, 17:47
Vor gut 2 Jahren trafen wir - gemeinsam mit unserem ältesten Sohn - die Entscheidung, ihn anstatt aufs Gymnasium der Nachbarstadt auf die Ganztags-Gesamtschule in unserem Ort anzumelden, da uns der Lerndruck bei einem Abitur nach 8 Jahren erheblich zu groß schien.
Wir wurden von den meisten Eltern belächelt, von einigen als zurückgeblieben dargestellt, unser Sohn von seinen Schulkameraden ausgegrenzt!

Es gehört zum guten Ton an unserer Grundschule, sein Kind am Petrinum anzumelden und es fielen Kommentare wie:

"Meldet ihn doch auf dem Gymnasium an, wenn es nicht klappt, kann er nach der 6. ja immer noch zur Realschule!"
"Wollt IHR nicht oder kann ER nicht??"
"Wer heute was werden will, muß mindestens das Abitur haben!!"

Unser heutiges Fazit:
Eine bessere Entscheidung als ihn an der Gesamtschule anzumelden, hätten wir gar nicht treffen können.
Er geht absolut gerne in die Schule, hat sich schulisch und menschlich bestens entwickelt. Und das mit wirklich engagierten Lehrer/innen, die den Schülern nicht nur "Stoff" vermitteln, sondern auch menschliche Werte wie Teamfähigkeit und soziales Engagement, in dem eben nicht nach der Methode "Friß oder stirb" gehandelt wird!
(Forder- und Förderstunden sind im Stundenplan integriert, ebenso wie Klassenstunden, in denen die Schüler nochmals gezielt Fragen zu Inhalten stellen können, die sie noch nicht ganz verstanden haben!!)
Hausaufgaben macht er übrigens gerne und unter 1 Stunde, es sei denn, er wuppt mal eben einen Extra-Beitrag für den Bio-Unterricht, weil er mit seinen Kumpels den Froschlaich im nahegelegenen Teich gesehen hat!!

Ganz anders sieht es da bei unserem 2. Sohn aus!

Er besucht im Moment die 3. Klasse der Grundschule und kämpft sich mehr recht als schlecht durch die letzten Monate.

Wurde bei ihm erst eine Dyskalkulie vermutet, stellte sich nach mehreren Tests etc. heraus, daß er über einen überdurchschnittlichen IQ und eine ausgeprägte Fantasie verfügt! Die normalen Mathe-Aufgaben erscheinen ihm viel zu abstrakt, mit Textaufgaben hingegen hat er keine Probleme, da er sie wie eine Minigeschichte nachvollziehen kann!

Am Schlimmsten kommt es aber, wenn er die Mathe-Arbeiten nicht in 45 Minuten fertigbekommt, da er sich die 1x1-Aufgaben immer in Teile zerlegen muss, um sie bewältigen zu können!
So ist es immer die gleiche Leier, eigentlich kann er rechnen, bekommt aber nur eine 4 oder gar 5, weil ihm wiedermal die Zeit fehlte!
Trotz Gesprächen mit der Klassenlehrerin, ist sie nicht in der Lage für Luis vielleicht ein anderes Lernkonzept zu erstellen, geschweige denn einige Dinge mehr als zweimal zu wiederholen, damit sie sich bei ihm festigen könnten!
KOmmentar: " Ich erkläre die Aufgabe einmal vor der Klasse, evt. noch ein zweitesmal! Wer es dann nicht verstanden hat, muß sehen wie er klarkommt!"

(In einem Beitrag wurde der Ausdruck "Leiche" gebraucht, ich denke, hier trifft er zu!!!)

Mit der Folge, daß wir zu Hause neben den normalen Hausaufgaben (ca. 75min/Tag) mit ihm aufholen sollen, was er in der Schule nicht schafft!
Außerdem leiden auch die Fächer die ihm leicht fielen (Englisch, Lesen und Sachkunde) darunter!

Aber was Wunder, wenn man einem außschließlich die Dinge unter die Nase reibt, die man nicht kann!

Darunter leidet unser Familienfrieden ganz erheblich!
Zu Hause wird ja nur noch erörtert, wie Luis am besten zu fördern ist!
Aber vorallem leidet unser Kind, daß sich von einem ausgeglichenen, zu allen Späßen bereiten Jungen in eine mißgelauntes, weinendes und schulmüdes Etwas verwandelt hat!


Vor einigen Tagen haben mein Mann und ich beschlossen, daß wir unser "altes" Kind um jeden Preis wiederhaben wollen.
Und sei es für ein Mangelhaft in Mathe auf dem Zeugnis.
Wir drei haben keine Nerven mehr für "Nachhilfestunden"!!

Wir weigern uns, unser Kind nur noch über Schulnoten zu identifizieren!

In diesem Sinne hoffen wir auf Klasse 5 an der Gesamtschule, auf der er sich hoffentlich angenommener fühlen wird, als wie auf der Grundschule!

Übrigens sind bereits einige Eltern von den ganz oben zitierten Mitschülern unseres Großen jetzt in der Situation, das ihre Kinder die 7. Klasse am Gymnasium wohl nicht mehr erleben werden.
Unsere Gesamtschule, auf die sie jetzt nur zu gerne wechseln würden, nimmt nur begrenzt Rückkehrer auf!
Aber auf der Realschule ist ja bestimmt noch ein Plätzchen frei!


Ich denke, auch in den Köpfen und Vorstellungen der Eltern muß einiges in Bewegung geraten!
Eine Realschul-Empfehlung ist nicht peinlich und eure Kinder sind keine schlechten Schüler!
Gönnt ihnen eine unbeschwertere Kindheit und Jugend, mit möglichst wenig Lernstress und Druck!
Und wenn sie dann nach Klasse 10 das Zeug zum Abi haben, ist doch alles SUPER!!
Und wenn nicht,... Aus uns ist auch ohne Abi was geworden!!

Suse
16.03.2008, 14:16
Hallo

unser Sohn ist einundzwanzig, wir haben also die Schuldiskussion schon lange hinter uns. Für meinen Mann (Techniker) und mich (Berufsschullehrerin) war es von Anfang an klar, dass unser Sohn sich nach seinen Fähigkeiten entwickeln darf. Er wechselte nach der Grundschule an eine Gesamtschule und legte dort den Realschulabschluss ab.
In seiner Grundschulklasse war er einer von zwei Jungs, die nicht aufs Gymnasium gingen. Obwohl andere ebenfalls eine Realschulempfehlung hatten, "schafften" die es mit einer Zusatzprüfung. Für mich muss ein Kind selbstständig lernen wollen und leistungsbereit sein, wenn es reif für eine gymnasiale Bildung sein soll.
Aber es gibt doch so viel andere Möglichkeiten, wie man/frau heute eine Studienberechtigung erreichen kann. Schon mal was vom zweiten Bildungsweg gehört? Fachhochschulreife, fachgebundene Hochschulreife allgemeine Hochschulreife, das alles kann heute an einer beruflichen Schule erreicht werden.
Unser Sohn hat sich nach einer erfolgreichen Lehre und einem Jahr Arbeit, ganz allein entschieden einen derartigen Weg zu gehen.
Es gibt auch andere Wege. Allerdings war für die meisten Eltern schon im ersten Schuljahr klar, das ihre Kinder Abi machen werden, die Informationen über berufliche Schulen hat niemand interessiert. Ebenso wenig Interesse zeigen Eltern für Bildungspolitik, wenn es um Wahlprogramme geht. Zu meiner Jugendzeit galt schon der Slogan" In der Rüstung sind sie fix, für die Bildung tun sie nix!" Geld allein bringts nicht, aber es wäre schon sinnvoll, wenn es mehr Gesamtschulen gäbe, wenn die Klassen kleiner wären, und wenn die Schulzeit besser verteilt wäre. Was nützen uns die Ferien, wenn dazwischen die Zeit vollgestopft ist? Weshalb können nicht alle Kinder ein gesundes warmes Mittagessen haben? Eine angenehme Umgebung, die Kinder anregt, wo sie sich wohlfühlen und gerne hingehen?
Zuletzt einige Faktoren, die den Stress von LehrerInnen und SchülerInnen verringern könnten.Wenn sich meine Arbeitszeit auf die Schule beschränken würde, würde ich mich auch wohler fühlen. Wir bräuchten mehr Sozialarbeit an der Schule, Psychologen und Beratung für Schüler Innen und LehrerInnen und zuletzt plädiere ich für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen den Eltern und den LehrerInnen. Hier scheint mir der Knackpunkt zu sein.
GLG
Suse

Socke2828
16.03.2008, 21:31
Eigentlich ist alles schon mal gesagt worden, aber ich wollte einfach noch ein weiteres Beispiel von Lehrerseite aus geben: ich bin 35, Lehrerin für Deutsch und Geschichte und unterrichte an einem Gymnasium in Bayern, wo man sich ja angeblich noch in einem "nicht ganz so kranken" Schulsystem befindet...

Ich habe neun verschiedene Klassen, die Klassenstärke schwankt zwischen 27 und 36. Ja, 36. Bei solchen Größen ist weder individuelle Förderung noch Eingehen auf eventuelle Schwierigkeiten möglich -wenn man von denen denn überhaupt erfährt.

In einem anderen Beitrag hier hieß es, dass leider immer mehr Schüler ohne Grundlagen wie Höflichkeit, Respekt vor anderen (Mitschülern wie Lehrern), einem gewissen Maß an Pünktlickeit und Disziplin in die Schulen kommen - dem kann ich nur beipflichten. Und wenn man das dann mal 33 nimmt, wie es in einer meiner sechsten Klassen der Fall ist, dann kann man sich eigentlich vorstellen, wie ein durchschnittlicher Unterrichtstag manchmal aussieht. Denn das Verhalten der Kinder gleicht sich an, und eben leider nicht so, dass die "gut" erzogenen abfärben, sondern leider Gottes umgekehrt! Liebend gerne würde ich häufiger mit offenen Unterrichtsmethoden arbeiten - aber haben sie schon einmal probiert, mit solchen riesigen Klassen etwas in Gruppen szenisch darzustellen oder Lernzirkel zu veranstalten? Alles in einem zu kleinen Klassenzimmer?

Solange sich an unseren Schulen die Rahmenbedingungen nicht grundlegend ändern, sehe ich leider keine andere Möglichkeit für mich persönlich, als größtenteils auf Frontalunterricht zu setzen und zu hoffen, dass meine Schüler dadurch nicht so frustriert werden, wie ich es jetzt manchmal schon bin - und das bereits nach dem siebten Dienstjahr!

Es ist kein Zufall, dass gerade mal 15 bis 20 Prozent aller Lehrer das vorgeschriebene Rentenalter erreichen... wahrscheinlich hat man es deshalb noch um zwei Jahre nach oben gesetzt!

Es wäre so einfach:
Klassenstärken bis maximal 20 Schüler
eine Psychologin pro Schule, im Idealfall ergänzt durch Sozialarbeiter
Klassenzimmer, in denen die Möbel nicht auseinander fallen
entrümpelte Lehrpläne
individueller Förderunterricht (der natürlich auch bezahlt werden muss...)
Damit wäre schon viel geholfen!

netschool.de
21.03.2008, 18:07
Damit Ihr Traum Wirklichkeit wird: ... und netschool-Stiftung!
Engagieren Sie sich für Ihren Traum. Jeder hat Möglichkeiten. Vielleicht melden Sie sich mal bei ...

netschool.de
21.03.2008, 18:14
Sie schreiben, wie es wirklich ist. Wir sollten uns alle dafür einsetzen, dass das Schulsystem grundlegend reformiert wird! ...

netschool.de
21.03.2008, 18:36
Dieses Dossier bringt Vieles hervorragend auf den Punkt. Darüber sollte ständig und umfangreich berichtet werden.

Ganzheitliches vernetztes Lernen wird unserem Gehirn gerecht und ist entsprechend zwangsläufig die bestmögliche Form des Lernens. Bei ... erläutere ich das ausführlich. Wenn alle wüssten, dass das die Basis des bildungssystem sein muss, wäre allen klar, was wir verändern müssen.

Das Bildungssystem kann nicht so bleiben. Die meisten Menschen wissen es schon, viel zu wenige engagieren sich aktiv für eine Veränderung.
Wenn die Politiker merken, dass die Bevölkerung ein lernbiologisch richtiges, ganzheitlich ausgerichtetes Bildungssystem wie in Finnland, Schweden oder der Laborschule Bielefeld zum Beispiel wollen, weil es menschlich und erfolgreich ist, werden Sie schnell die Rahmenbedingungen schaffen. Wenn wir uns alle auf endlose und unsinnige Diskussionen einlassen, bleibt alles beim Alten. Wir müssen es alle ausbaden, auch die, die glauben, das mehrgliedrige System würde ihnen Vorteile bringen.

Mit ... und jetzt bald mit der ... geht es in die richtige Richtung. Jeder sollte sich für die bestmögliche Zukunft durch das bestmögliche Bildungssystem engagieren, in seinem persönlichen Umfeld oder gern bei der netschool-Stiftung.

Was wir alleine nicht schaffen, das schaffen wir dann zusammen!

brigo
26.03.2008, 18:16
Als langjähriger Abo-Kunde lese ich Ihre Artikel gründlich. Als Mutter von zwei Söhnen mit 23 und 24 Jahren und als Hauptschullehrerin begleitet mich die Thematik schon lange.
Wie kann ich Druck von Schülern und Eltern nehmen?
Wie lernen Schüler aus Freude und mit Interesse - nicht für Proben?
Wie fördere ich trotz schlechter Rahmenbedingungen?
Wie bewahre ich Freude und Erfüllung an meinem Beruf bis zum Ruhestand in gut 10 Jahren?
Der Sress beginnt meiner Ansicht nach schon im Kindergarten. Verstärkt wird er durch die Auslese in der Grundschule, um nicht auf der Hauptschule landen zu müssen- am besten auf dem Gymnasium. Das 8-stufige Gymn. macht die Belastung oft unerträglich. Den Preis dafür zahlen Kinder, Eltern und Lehrer, die ja oft als die Schuldigen der Misere angesehen werden.
Doch ohne grundlegenden Reformen, sprich Abschaffung des 3-gliedrigen Schulsystems mit der viel zu frühen Auslese, wird sich nichts ändern.
Der Analyse aus den PISA- Ergebnissen müssen endlich Taten folgen.
Zu meinem Bedauern hat ein Volkswirtschaftler- Professor Wißmann- sehr viel Gewicht in dem Artikel bekommen. Seine Erkenntnisse, die er auf Fakten begründet, zielen für meine Begriffe zu sehr auf Leistungssteigerung ab, die die Wirtschaft zum Großteil aus Eigennutz fordert. Sein positives Beispiel- das Bundesland Bayern,in dem ich lebe- sieht aus der Nähe ganz anders aus.
Zentralabitur und Schulart übergreifende Tests des KM zeigen den Ist-Stand und sind Grundlage für Analysen. Doch "auf die Schulter klopfen" können wir uns wirklich nicht. Zu große Klassen, Lehrplanüberfrachtung, zu wenige Ganztagesschulen, zu geringe Mobile Reserven bei Krankheit, boomende Nachhilfestudios und nicht zuletzt sehr viele Privatschulen.
Vielleicht sind wir in Bayern unter den Einäugigen König, doch von einer kindgerechten Schule sind wir weit entfernt. Ich frage mich auch wie sich diese Schüler einmal als Erwachsene bewähren können.
Große Achtung habe ich vor Frau Karnicks Entscheidung, die Mutig gegen den Strom anschwimmt und ihrem Sohn nicht die Kindheit nehmen lassen will, die Bildung und Erziehung nicht an Leistungsstandards festmachen will.
Übrigens sind wir in Bayern sehr gespannt, was sich nach der Landtagswahl in Sachen Schule an Veränderungen zeigen wird.

Hornilla
28.03.2008, 09:46
Ich dachte zuerst: endlich mal ein Artikel über Schule, in dem nicht auf den Lehrern rumgetrampelt wird und in dem diese nicht als Ursache allen Übels angesehen werden. Dann kam hier online doch wieder so eine Bemerkung:
". Gut ausgebildete Pädagogen und keine Fachidioten, die menschlich zum Teil auch noch erhebliche Schwächen haben. Supervision für Lehrer!!"
Klar, die Fachidioten gibt es auch, wie in jedem anderen Job, aber vielleicht sieht man auch mal die anderen, die sich ein Bein ausreißen, um Kinder zu erziehen, die nicht mal die Grundlagen der Höflichkeit zu Hause gelernt haben und null Ergeiz zeigen, die vom zerütteten Elternhaus so zermürbt sind, dass kein Englisch oder Mathe mehr in die Köpfe passt, denen neben Tennis, Musikschule, etc und Leistungsdruck, von den Eltern aufgebaut
("3 ist eine schlechte Note") keine Zeit mehr für andere Sachen bleibt..., die agressiver Verhaltensweisen entwickeln, weil in ihnen fast etwas explodiert. Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, Hyperaktivität, extreme Forderung nach Beachtung durch störendes Verhalten-
Ich könnte in dieser Richtung mindestens genausoviel beitragen, wie die notorischen Lehrerhasser.
Aber lassen wir das und bleiben bei dem von Ihnen angeregten Thema.
Auch ich finde die Stauchung der Schuljahre inklusive des Unterrichtsstoffes völlig daneben. (Stopfgans war ein gutes Beispiel)
Ich unterrichte schon mehrere Jahrzehnte (nicht als Fachidiot, sondern anerkannter Weise nach modernen Methoden!).
Aber wie soll man einen Stoff mit interessanten Medien und Unterrichtsformen, die ich sehr gut finde und so oft es geht einsetze, vermitteln, wenn man die Bruchrechnung in 2 Monaten "durchbringen" muss, inklusiver aller Anwendungen, Sonderfälle, Textaufgaben, zusätzliche Übungen mit 32 Kindern? (Vielleicht kann das einer von den Schlaumeiern besser?).
Mit bestem Willen, Können und Flexibilität - das geht nur über Leichen, die man zurücklassen muss, was ich immer sehr bedauerlich finde. Neben dem Stress, der sachbedingt da ist, werfen einem oft Eltern Steine in den Weg,weil sie denken, man will ihrem Kind etwas ( es gibt auch sehr kooperative Eltern, aber leider kommen die Eltern der Problemfälle oft nicht, die verhindern, dass ein entspannter Unterricht möglich ist.)
Ein guter Anfang - ihr Artikel, aber um konstruktiv zusammenarbeiten zu können, sollten auch mal die alten Zöpfe der Lehrerschelte von allen überdacht werden! Auch ein Lehrertag hat nur 24 Stunden, von denen ich - zum Leidwesen meiner Familie (wie war das doch noch mit der Forderung arbeitender Mütter?) 10 Stunden irgendetwas für Schule oder Schüler mache (inkl. Sonn- und Feiertag).

Marion, ich danke Dir dafür, dass Du mir das Wort aus dem Mund genommen hast! So ersparst Du mir eine Menge Schreibarbeit!:smirksmile:
Es ist genauso, wie Du sagst. Ich bin Lehrerin an einem Gymnasium. Bei uns gibt es in der Mehrheit sehr engagierte Lehrer, die sich ernsthaft um das Wohl der Schüler sorgen und sich auch dafür einsetzen. Kinder, die sich unter extremem Leistungsdruck fühlen, erleben diesen meist eher zu Hause und suchen bei uns Lehrern Hilfe.
G8 - so wie es umgesetzt wird - ist für alle Beteiligten nicht das Gelbe von Ei. Man vergleicht uns hier mit anderen Ländern, nicht bedenkend, dass in anderen Ländern flächendeckend Ganztagsschulen eingeführt wurden, und das schon vor ewigen Zeiten. Ich habe an einer englischen Schule gearbeitet und gesehen, wie es da abläuft. Die Kinder fangen um 9 Uhr an - was ich für sehr vernünftig halte -, und der Unterricht dauert bis 16 Uhr. Hausaufgaben werden weitgehend in der Schule erledigt, zumindest bei jüngeren Schülern.
G8 gibt es da nicht, da das Abi zwar mit 18 Jahren gemacht wird, die Kinder aber mit 5 eingeschult werden, de facto also 13 Jahre zur Schule gehen.
Abgesehen davon sollte man mal bedenken, ob man den Berufseintritt der Abiturienten auch dadurch nach vorne verlegen könnte, dass man die absurd langen Studien verkürzt. In GB ist ein Lehrer mit 23 fertig ausgebildet. Meine Freundin dort hatte mit 28 eine Führungsposition an ihrer Schule. So geht es auch.

Ich war sehr neugierig auf das Brigitte-Dossier, weil es angekündigt wurde mit den Worten: "Warum unser Schulsystem nicht funktioniert ... auch für Lehrer". Statt dessen lese ich nichts Positives, das uns Pädagogen mal in ihrer Arbeit bestärkt. Langsam ärgert mich das.

LG Hornilla

Hornilla
28.03.2008, 09:53
Tut mir leid, dass ich darüber gemeckert habe, dass wir Lehrer
nicht zu Wort kommen durften, aber:
Liebe Frau Karnick (und alle anderen Beteiligten)
Sie mögen das mit dem Konzept des Dossiers rechtfertigen, das verstehe ich auch, aber

In dem Dossier kamen zahlreiche Mütter zu Wort!
Wirklich!
und

Das Dossier ist nur eine Medienaktion von vielen zu dem Thema,
mindestens seit dem PISA Studien ist es völlig eskaliert,
aber nie, wirklich wirklich nie, dürfen die Lehrer mal etwas sagen oder sich auch nur verteidigen (ich kann mich an die Fernsehdiskussionen nach PISA gut erinnern!) Allenfalls der eine oder andere politisch-ideologisch gut eingenordete Schulleiter durfe mal auf seinen Untergebenen herumhacken!
Ich will ja mit den Eltern ins Gespräch kommen, aber das geht nur, wenn meine Meinung auch mal etwas zählt und wenn auch Eltern einsehen, dass sie nicht alles richtig machen!

Sie meinen, dass ich hier einen Nebenkriegsschauplatz aufgemacht habe. Das stimmt nicht.
Eines der ersten Postings beschimpfte doch direkt wieder Lehrer als Psychokrüppel. Tut mir leid, so geht das einfach nicht mehr.
Auch das deutschlandweite "Hobby" Lehrermobbing zieht die Qualität von Schule und Unterricht herunter.
Sie können sich mit Sicherheit nicht vorstellen, wie das ist, wenn einem allerorten so viel HASS (und das ist wirklich HASS) entgegen schlägt. Auch wenn man durchaus arbeits- und reformwillig ist usw. Das geht tatsächlich auf die Psyche!
Ich habe erlebt, dass Leute nett und freundlich waren - bis zu der Sekunde, wo sie erfuhren, was ich beruflich mache!
Richter entscheiden, dass Schüler ihre Lehrer im Internet anonym benoten dürfen, gegen Cybermobbing extremster Art wird nichts unternommen.
Natürlich benoten wir Schüler und Noten, das weiß ich, sind ein zweischneidiges Schwert. Aber: ein Schüler weiß z.B. immer welcher Lehrer ihm welche Note gegeben hat. Und kein Lehrer würde je einen Schüler im Internet bloßstellen! Und ich bin sicher, wenn es jemand von uns täte, würde uns keine Verbeamtung davor retten, fristlos entlassen zu werden, ja eine Freiheitsstrafe zu bekommen. Und das ist auch richtig so. Aber bei Schülern kann man nicht einfach nur lachen/ignorieren oder mal kurz "dududu, das darf man aber nicht" sagen. Das ist aber das, was passiert.Kein anderer Berufsstand wird so fertig gemacht, wie wir. Schüler fühlen sich dementsprechend im Recht, wenn sie nicht mitarbeiten, den Unterricht stören usw. Das sind ja nur die Sch...Lehrer. Natürlich sind das nicht alle Schüler und auch nicht alle Lehrer, aber eben zu viele.
Die meisten Menschen sind sofort bereit von jemandem das Schlimmste anzunehmen, nur weil er/sie Lehrer/in ist.
Nein, ich bilde mir das nicht ein. Und wie soll das der Schule oder den Schülern helfen. Die meisten von uns sind offen für konstruktive(!) Kritik und Vorschläge. Ja, wir freuen uns sogar, wenn Eltern und Öffentlichkeit sich für Schule und Bildung interessieren und engagieren.

Der despotische Lehrer, der seine Schüler quält, den halben Tag nichts tut und zwölf Wochen im Jahr mit dem Wohnmobil durch Südfrankreich gondelt ist wirklich ein Mythos.
Wir sind alles mögliche, aber ganz sicher keine mächtigen oder machtgierigen Monster, die vor allem arme kleine Zehnjährige in ausschließlich böser Absicht in "gut" und "schlecht" sortieren...

Ein bißchen über mich:
Ich hatte selbst am Ende der 4. Klasse eine Realschulempfehlung! Und im Abi nur 2,5!
Ich unterrichte Englisch und hatte in der 6. Klasse eine 5(!) in diesem Fach! (beim Abi eine 1!) Ich hatte im Laufe meiner Schulzeit zusammengenommen etwa 20 Nachhilfestunden (in Englisch und später mal in Mathe, als ich ein bestimmtes Thema nicht so schnell verstanden habe.)
Ich fand die meisten meiner Lehrer mittelmäßig (mich selbst übrigens ehrlich gesagt auch). Es gab eine Sportlehrerin, die ich auch heute noch schlecht finde und einen Deutschlehrer der total super war. Und so denke ich sieht es realistisch betrachtet in den meisten Fällen aus.

Ich arbeite an einem Gymnasium mit noch relativ vielen engagierten Eltern und relativ netten Schülern.
Aber was ist mit den Lehrern, die an Schulen in sozialen Brennpunkten arbeiten? Was ist mit den Kolleginnen und Kollegen in Berlin-Neukölln? ......

Und- weil immer wieder die Skandinavier zitiert werden (Finnland, Schweden usw.): die Lehrer dort mögen weniger verdienen, aber:
sie haben (ob Sie's glauben oder nicht!) weniger Unterrichtsstunden und eine viel höhreres Ansehen in der Gesellschaft!
Ich weiß das übrigens aus erster Hand, weil ich mit skandinavischen Lehrern gesprochen habe. Auf einer internationalen Fortbildung für Englischlehrer, an der ich vor ein paar Jahren in meinen Sommerferien teilgenommen habe...

Auch hierzu :allesok: :allesok: :allesok:

Die Lehrer immer als Sündenböcke abstempeln - das läuft nicht mehr! Und ich finde durchaus, dass in einem solchen Dossier ALLE Betroffenen das Recht haben sollten, zu Wort zu kommen. Die meisten Lehrer arbeiten nämlich nicht - wie es unterschwellig immer unterstellt wird - gegen Schüler und Eltern, sondern mit ihnen zusammen.

Anne1970
02.04.2008, 20:50
Liebe Frau Karnik,

den Reaktionen nach haben Sie in ein riesiges Wespennest gestochen! Das meine ich wörtlich. Alle, die irgendwie betroffen sind schrecken auf und summen wild durchreinander! Doch - wie Sie schon anmerkten, es kommt nichts bei raus!
Unser Schulsystem krankt, in NRW, wo ich lebe, besonders!! Das Turboabitur ist mehr als mit heißen Nadeln gestrickt worden. Das neue Kindergartengesetz (KIbitz) ist sowas von weltfremd und theretisch!!
Ich weiß nur nicht, wie wir in unserer förderalem Gesellschaft das Bildungssystem ändern können. Jedes Bundesland kocht sein Süppchen für sich.
Sicherlich brauchen wir kleinere Klassen, max. 20 Kinder und kleinere Kindergartengruppen (15 Kinder). Besonderes Personal für die Problemfälle, sogenannten Problemkinder. Und natürlich auch Ganztagsschulen. Alles bekannt.
Doch unsere Politiker setzen mal wieder das Thema aus. Warum, weil der gesellschaftliche Druck fehlt. Vielleicht müßten alle Betroffenen- Eltern, Schüler und Lehrer - auf die Straße gehen!

AnnaNym
02.04.2008, 21:51
Wir haben drei Kinder. Bei unserem Jüngsten steht jetzt die Entscheidung an, welche Schule er nach der GS besucht. Nach den schlechten Erfahrungen mit unseren älteren Kindern am Gymnasium haben wir uns für die Realschule entschieden. Eine Gesamtschule gibt es hier nicht. Unsere Kinder sind anerkannt hochbegabt aber noch einmal lasse ich kein Kind in eine solche Tretmühle, die ihnen ihre Kindheit madig macht.

Für die Zukunft meiner Kinder wünsche ich ihnen, dass sie ihre Lebenszeit und -Energie nicht gänzlich ihrem Berufsweg und ihrer Karriere widmen. Dazu ist das Leben eigentlich viel zu kostbar. Sie haben nur dieses eine Leben und sollen es nicht dem Shareholder-Value irgendwelcher Investoren am anderen Ende der Welt opfern.

Arbeit soll doch eigentlich nur die finanzielle Grundlage dafür bieten, ein Leben in gesicherten Verhältnissen zu führen. Mittlerweile bestimmt sie jedoch unsere Identität, unseren Wert, unser ganzes Leben. Angefangen im Kindergarten, in dem Kinder schon auf Leistung und Individualität geeicht werden sollen, über die Schule, in der sie zunehmend mit Medikamenten wie Ritalin in Spur gehalten und auf individuelle Höchstleistung getrimmt werden bis hin zum Studium, für das sich viele junge Menschen bis über beide Ohren verschulden und mit "notwendiger" Flexibilität und Weltgewandtheit auf Bindungslosigkeit und damit bessere berufliche Verwertbarkeit getrimmt werden. Dabei immer die interationale Konkurrenz im Nacken, die noch ein bisschen leistungsbereiter, flexibler, unabhängiger, verwertbarer ist und sich für noch ein bisschen weniger Geld abrackert.

In diesem Hamsterrad sind wir selber jahrelang mitgerannt. Erst hat mein Mann Karriere gemacht, dann habe ich noch ein Studium nachgeschoben (mit großem Einsatz und gutem Erfolg) und darüber nachgedacht, ganztags zu arbeiten, um doch noch ein bisschen Karriere zu machen, aber mittlerweile habe ich gemerkt, wie zerbrechlich Beziehungen und die Gesundheit sind. Das ist es mir nicht mehr Wert. Ich möchte meinen Kindern daher auch noch eine andere Welt zeigen, in der es erlaubt ist, sich Zeit zum Spielen und Träumen zu lassen, sich nicht das Letzte abzuverlangen und den guten Wert von Teamgeist und tragenden Beziehungen zu erleben. :smile:

Nocturna
03.04.2008, 09:09
Hamsterrad, wie AnnaNym sagte, trifft es sehr gut. Wir waren/sind am Überlegen, ob unser Sohn im G8 weitertreten soll oder nicht. Wenn man sieht, welche Anstrengungen notwendig sind, um auch nur ein durchschnittliches Ergebnis zu erreichen, dann kann man schon die Krise kriegen.

Allerdings ist in Bayern gerade ein zartes Morgenrot über den Horizont aufgestiegen. Im Hinblick auf die anstehenden Wahlen hat das Kultusministerium gerade die Bonbonschatulle geöffnet und ist am Geschenke verteilen.

Klassenstärken bis 25 Kinder in der Grundschule, 30 in den weiterführenden, 1000 neue Lehrer (so wir welche finden), im G8 eine Reduzierung des Stoffes in allen Fächern um ein Neuntel, die 1. Fremdsprache wird in der 7. Klasse um eine Stunde gekürzt, kein Nachmittagsunterricht in der 5. Klasse, keine Hausaufgaben an Tagen mit Nachmittagsunterricht, nur „leichte“ Fächer am Nachmittag wie Sport, Reli oder Kunst.

Zu schön um wahr zu sein, sagte mein Mann heute am Frühstückstisch, dem schließe ich an. Denn der Philologenverband beginnt gerade mit dem kollektiven Jammern über den Niedergang der bayrischen Schulkultur und ich sehe ein Hauen und Stechen kommen. Mal schauen, was von den schönen Plänen übrig bleibt und durchgesetzt wird.

Wir werden die Sachlage abwarten. Eigentlich wollten wir gegen Endes des Schuljahres entscheiden, ob unser Sohn auf die Realschule wechselt oder nicht. Nun sind wir bereit, das Experiment auf das nächste Schuljahr auszudehnen und schauen uns mal die neuen Bedingungen an, Wunder allerdings, erwarten wir trotzdem keine.

Socke2828
04.04.2008, 00:55
Hamsterrad, wie AnnaNym sagte, trifft es sehr gut. Wir waren/sind am Überlegen, ob unser Sohn im G8 weitertreten soll oder nicht. Wenn man sieht, welche Anstrengungen notwendig sind, um auch nur ein durchschnittliches Ergebnis zu erreichen, dann kann man schon die Krise kriegen.

Allerdings ist in Bayern gerade ein zartes Morgenrot über den Horizont aufgestiegen. Im Hinblick auf die anstehenden Wahlen hat das Kultusministerium gerade die Bonbonschatulle geöffnet und ist am Geschenke verteilen.

Klassenstärken bis 25 Kinder in der Grundschule, 30 in den weiterführenden, 1000 neue Lehrer (so wir welche finden), im G8 eine Reduzierung des Stoffes in allen Fächern um ein Neuntel, die 1. Fremdsprache wird in der 7. Klasse um eine Stunde gekürzt, kein Nachmittagsunterricht in der 5. Klasse, keine Hausaufgaben an Tagen mit Nachmittagsunterricht, nur „leichte“ Fächer am Nachmittag wie Sport, Reli oder Kunst.

Zu schön um wahr zu sein, sagte mein Mann heute am Frühstückstisch, dem schließe ich an. Denn der Philologenverband beginnt gerade mit dem kollektiven Jammern über den Niedergang der bayrischen Schulkultur und ich sehe ein Hauen und Stechen kommen. Mal schauen, was von den schönen Plänen übrig bleibt und durchgesetzt wird.

Wir werden die Sachlage abwarten. Eigentlich wollten wir gegen Endes des Schuljahres entscheiden, ob unser Sohn auf die Realschule wechselt oder nicht. Nun sind wir bereit, das Experiment auf das nächste Schuljahr auszudehnen und schauen uns mal die neuen Bedingungen an, Wunder allerdings, erwarten wir trotzdem keine.



Ich muss leider sagen, der Philologenverband "jammert" zu recht - allerdings nicht über den Untergang der bayrischen Schulkultur!!!

Sondern z.B. darüber, dass man jetzt gerade die viel gelobten Intensivierungsstunden wieder streichen will, die doch immer so als das Herzstück des G8 gepriesen worden sind!

Dass die Kinder dadurch in der Schule überhaupt keine Möglichkeit mehr zum Üben haben, sondern sich noch mehr Stoff selbst erarbeiten müssen!

Dass unterstellt wird, exemplarisches Lernen (also ein Fall wird besprochen, der dann von Schülern selbstständig auf andere Problembereiche übertragen wird) würde funktionieren - das tut es leider bei einem Großteil nicht! Kollegen wissen, wovon ich rede...

Dass gerade Schüler aus Familien, die Nachmittags aus dem einen oder anderen Grund gar nicht "Nachhilfelehrer" spielen KÖNNEN, hier erst recht benachteiligt sind, da dann gar keiner mehr den Stoff mit ihnen einübt...

Dass man wieder an den falschen Stellen Inhalte streichen wird, weil wieder Leute über Inhalte entscheiden, die seit Jahren oder Jahrzehnten keine Schule mehr von innen gesehen haben...

Unter anderem darüber "jammert" der Philologenverband - oder glauben sie, dass es in dessen Interesse ist, es den Schülern und auch Lehrern möglichst schwer zu machen, nur um angeblich das Abendland und die Schulkultur zu retten???

Morgane07
10.04.2008, 20:34
Ja, wie recht AnnaNym hat!!! Wir waren die letzten vier Jahre mit unseren Kindern (jetzt 10 und 12) unterwegs (Kanaren-Kapverden-Südamerika) und haben sie selbstunterrichtet. Rund zwei Stunden pro Tag Unterricht in den Hauptfächern haben gereicht, um den Stoff der Heimatschule abzuarbeiten; alles andere (und viel mehr) haben sie unterwegs gelernt (z.B. Kolonialisierung, Armut in der Welt, andere Kulturen, z.B. in Bolivien usw. usf.). - Und, was fast noch wichtiger ist: wir haben unterwegs soviele Menschen getroffen (auch Deutsche), die ohne Abitur ihr Glück (finanziell und persönlich) gefunden haben. Das Einzige, was wir für unsere Kinder wichtig finden, ist, dass sie als Grundlage für die wirtschaftliche (und praktische) Seite ihres Lebens ein Handwerk lernen. Im übrigen: die deutsche Schule insgesamt und im internationalen Vergleich ist eine einzige Katastrophe. Sie mutet den Kindern eine 40-Stunden-Arbeitswoche zu; eine Generation von Bürostuhlhockern, die niemals lernen, kreativ ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen. Leider wehren sich zu wenige. Und die meisten finden es sogar o.k., leider.

Nachtigall
09.10.2008, 13:46
Wir sind mitten im Schulstress, und mir reichts jetzt schon! In der 4. Klasse. Jeden Tag Hausaufgabenbetreuung durch mich, NACH der Hausaufgabenbetreuung in der Betreuung (ich bin bis 15:30 arbeiten und um 16:00 zu hause).

Es ist ein Jammer, meine Tochter will auf das Gymnasium, wobei ich finde, dass die Realschule geeigneter für sie wäre - sie ist sehr schnell frustriert, unkonzentiert, und hat eben nicht die Strebsamkeit, die das Gymnasium erfordert. Jetzt läuft das Ganze auf Druck aus: selbst in den Ferien wird jeden Tag gelernt, gepaukt, auswendig gelernt, Matheaufaben erledigt - die Lehrerinnen geben das über die Ferien auf.

Meine Tochter ist ansonsten ein fröhlicher und sozialer Mensch, hat Humor, Freunde usw., nur dieser Stress um den Übergang auf die weiterführende Schule macht uns fertig. Ich bin total genervt, weil ich sie dauernd zum Arbeiten anregen und motivieren muss, sie ist deswegen genervt, ich glaube es wird alles zu viel!!

Was die Vorschreiberinnen teilweise geschrieben haben, leuchtet ein, z.B. dass das Abi auch kein Garant für ein glückliches Leben ist. Viel eher sehe ich sie in einem handwerklichen Beruf. Mir ist rätselhaft, warum sie unbedingt auf das Gymnasium will,sie kann doch nicht ernsthaft eine Vorstellung davon haben!

pelzpfote
09.10.2008, 14:04
@Nachtigall
Da spielen oft ganz andere Faktoren eine Rolle bei den Kindern: ob die Freundin auch geht, was die anderen Kinder über RS oder HS sagen, .... Deine Tochter hat sicher keine Vorstellung, wie es wirklich ist. Aber du musst dich von dem Druck doch nicht anstecken lassen. Wer übt eigentlich den Druck aus? Wenn du der Meinung bist, dass sie auf der RS besser aufgehoben ist (und deinen Beobachtungen nach hast du recht), dann kannst du sie doch nicht "in ihr Unglück" rennen lassen, um es mal überspitzt auszudrücken. :ooooh: Ich denke, der Einfluss der Eltern sollte bei einem 9-10 jährigen Kind schon noch so groß sein, dass die Eltern die Schulart bestimmen und nicht das Kind, das ja gar keine oder falsche Vorstellungen hat. Da ist ein Kind in dem Alter auch total überfordert, wenn es so weitreichende Entscheidungen treffen darf/muss. :peinlich:

Hornilla
09.10.2008, 14:41
Pelzpfote, einfach nur :allesok: :schild genau: zu Deinem Posting. Du sagst haargenau das, was ich auch schreiben wollte.

pelzpfote
09.10.2008, 20:03
Pelzpfote, einfach nur :allesok: :schild genau: zu Deinem Posting. Du sagst haargenau das, was ich auch schreiben wollte.
Danke! :knicks: : Ich glaube, wir verstehen uns. :blumengabe:

Hornilla
09.10.2008, 20:06
Auf jeden Fall!:blumengabe: Du bist doch auch Lehrerin, oder?

Nachtigall
13.10.2008, 11:23
Pelzpfote, Hornilla,

ja da habt Ihr wahrscheinlich recht - ich kann meiner Tochter natürlich die Entscheidung bzw. Wahl nicht überlassen. Ich sollte für sie entscheiden. Ja und es stimmt, der Druck kommt auch durch die Mitschüler und das allgemeine Klima,welches in den Grundschulen herrscht, dieses Vergleichen: wo gehen die anderen hin? Eigentlich total banane, finde ich!!

Zu meiner Zeit war das irgendwie anders, meine ich zumindest. Meine Eltern haben entschieden, und gut. Übers WE habe ich mir echt vorgenommen, die Nerverei mit dem Extralernen zu lassen. Es wird sich entwickeln ,und obwohl auch ich meine, ein ABI ist von langfristigem Vorteil, werde ich da nicht mehr drüber sprechen. Sie ist ein Kind und kann keine erwachsene Weitsicht haben. Mal gucken, ob das so besser geht. Ich hoffe.

elli07
16.10.2008, 11:43
.....Das Einzige, was wir für unsere Kinder wichtig finden, ist, dass sie als Grundlage für die wirtschaftliche (und praktische) Seite ihres Lebens ein Handwerk lernen. ....
Ich denke mal, das hängt von der Begabung eines Menschen ab: ich bin wirtschaftlich eigenständig, habe aber Abitur gemacht und studiert. Meine Stärken liegen eher auf "geistigem" Gebiet.

Wenn ich Hilfe brauche für "grössere" Sachen, hole ich mir den Handwerker-Fachmann: so sind wir beide wirtschaftlich lebensfähig, wir helfen uns gegenseitig.


.....Im übrigen: die deutsche Schule insgesamt und im internationalen Vergleich ist eine einzige Katastrophe..........

Nein, SO stimmt das einfach nicht ! Sicher wäre vieles zu verbessern, aber was soll denn ein Vergleich mit anderen Ländern, wo das Schulsystem ein ganz anderes ist, Eltern und Schüler eine andere Lernhaltung haben (aus welchem Grund auch immer) und die Lehrer Wertschätzung erfahren....

Das vielgelobte Finnland (viele Einwohner dort sehen ihr Schulsystem durchaus kritisch!): kleinere Klassen, es gibt Sozialarbeiter an den Schulen, wenig Kinder mit sog. Migrationshintergrund, Eingangssprachtest im Kindergarten etc.

Wenn es heisst, in anderen Ländern sei die Akademikerqoute höher: auch DAS stimmt so nicht. In anderen Ländern gelten viele Berufe als "akademisch", die bei uns eine duale Ausbildung haben, also Lehrberufe sind (Bankkaufleute in Spanien zum Beispiel, in einigen Ländern sind auch Krankenschwestern und Erzieherinnen Akademikerinnen). An KÖNNEN haben diese Akademiker im Ausland aber auch nicht mehr als die Leute hier mit ihrer Lehre.

Und an die LehrerInnen hier: ich kann nur sagen, dass bisher alle LehrerInnen meiner Tochter eine hervorragende und engagierte Arbeit leisten :blumengabe::blumengabe: . Vielen Dank euch allen, die ihr täglich eure Nerven wie Drahtseile zeigen müsst ! :blumengabe: Gegenüber unerzogenen Schülern und Eltern mit überzogenen Erwartungen, die die Erziehung nicht gebacken kriegen, aber "die Schule solls richten"..... Bei 32 Kindern pro Klasse....
Einzelne Ausnahmen bei den LehrerInnen gibt es, aber die gibt es in jeder Berufsgruppe !
.....eine Generation von Bürostuhlhockern, die niemals lernen, kreativ ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen. Leider wehren sich zu wenige. Und die meisten finden es sogar o.k., leider.

Also DAS finde ich für mich einfach diskrimierend: auch ich verdiene mein Geld "im Sitzen", mit und am Computer ! Meine Kollegen/Kolleginnen und ich sind nicht unkreativ, weder im Beruf noch im Privatleben. Wir sind (an vielen Dingen) interessierte und fähige Leute (ok, ein Selbstlob....:knatsch: ).... Jeder von uns hat sein Leben wahrlich in der Hand! Ich zum Beispiel bin alleinerziehend, arbeite Vollzeit und führe meinen Haushalt, ist das nichts ?????? Ich soll das NIEMALS gelernt haben !!!!????? :knatsch: Lebensuntüchtige gibt es überall, eine Verbindung zu einer Berufsgruppe kann ich da wahrlich nicht erkennen...

Viele Handwerker sind für unsere Software dankbar, weil sie ihnen das Leben erleichtert.....:ooooh: Da stecken UNSERE Gedanken drin, na gut, bei der Entwicklung saßen wir auf Bürostühlen....:knatsch: JA, ich finde das o.k. !!!!!!!!
Na gut, ich nehme Morganes Abschnitt mit Humor....:freches grinsen: :freches grinsen:, sicher hat sie das satirisch gemeint......:zwinker:

Jeder sollte eine Ausbildung erhalten nach seinen Fähigkeiten. Ich selbst habe mit 18 Abitur gemacht, ich hatte auch viel Unterricht, aber "zu meiner Zeit" war das ganz normal. Heute haben wir ein anderes Freizeitverhalten: die Kinder sollen noch Sport machen, ein Instrument spielen, am WE ist Action angesagt..... Ich ging halt einmal pro Woche zum Musikunterricht, das wars, auch bei meinen Klassenkameraden....

Meiner Meinung nach ist eine Ganztagesschule unabdingbar, weil nur so alle Kinder erreicht werden und auch Kinder eine Chance haben, deren Eltern ihnen eine "Familienbildung" nicht ermöglichen können und/oder wollen.

Gruss, Elli

Hornilla
16.10.2008, 20:40
Ich denke mal, das hängt von der Begabung eines Menschen ab: ich bin wirtschaftlich eigenständig, habe aber Abitur gemacht und studiert. Meine Stärken liegen eher auf "geistigem" Gebiet.

Wenn ich Hilfe brauche für "grössere" Sachen, hole ich mir den Handwerker-Fachmann: so sind wir beide wirtschaftlich lebensfähig, wir helfen uns gegenseitig.

Genauso ist es bei mir. Hätte ich ein Handwerk erlernt, wäre ich arbeitslos - ich wäre nämlich überall rausgeflogen.:freches grinsen:




Nein, SO stimmt das einfach nicht ! Sicher wäre vieles zu verbessern, aber was soll denn ein Vergleich mit anderen Ländern, wo das Schulsystem ein ganz anderes ist, Eltern und Schüler eine andere Lernhaltung haben (aus welchem Grund auch immer) und die Lehrer Wertschätzung erfahren....

Das vielgelobte Finnland (viele Einwohner dort sehen ihr Schulsystem durchaus kritisch!): kleinere Klassen, es gibt Sozialarbeiter an den Schulen, wenig Kinder mit sog. Migrationshintergrund, Eingangssprachtest im Kindergarten etc.

Wenn es heisst, in anderen Ländern sei die Akademikerqoute höher: auch DAS stimmt so nicht. In anderen Ländern gelten viele Berufe als "akademisch", die bei uns eine duale Ausbildung haben, also Lehrberufe sind (Bankkaufleute in Spanien zum Beispiel, in einigen Ländern sind auch Krankenschwestern und Erzieherinnen Akademikerinnen). An KÖNNEN haben diese Akademiker im Ausland aber auch nicht mehr als die Leute hier mit ihrer Lehre.

Auch hier absolute Zustimmung! Ich sehe auch viele Stärken im deutschen Schulsystem. Im Ausland wird so oft gelobt, wie gut die Deutschen Fremdsprachen (besonders Englisch) sprechen. Und das ist auch richtig. Es wird sehr viel Wert auf Kommunikation gelegt - das kommt in anderen Ländern zu kurz. Wenn ich sehe, wie flüssig Siebtklässler Englisch sprechen können - das ist eine Freude. Und das wurde in der Studie, die den Namen der Stadt mit dem schiefen Turm trägt, nicht getestet.


Und an die LehrerInnen hier: ich kann nur sagen, dass bisher alle LehrerInnen meiner Tochter eine hervorragende und engagierte Arbeit leisten :blumengabe::blumengabe: . Vielen Dank euch allen, die ihr täglich eure Nerven wie Drahtseile zeigen müsst ! :blumengabe: Gegenüber unerzogenen Schülern und Eltern mit überzogenen Erwartungen, die die Erziehung nicht gebacken kriegen, aber "die Schule solls richten"..... Bei 32 Kindern pro Klasse....
Einzelne Ausnahmen bei den LehrerInnen gibt es, aber die gibt es in jeder Berufsgruppe !

Danke!:wangenkuss: Das tut einfach mal gut!


Also DAS finde ich für mich einfach diskrimierend: auch ich verdiene mein Geld "im Sitzen", mit und am Computer ! Meine Kollegen/Kolleginnen und ich sind nicht unkreativ, weder im Beruf noch im Privatleben. Wir sind (an vielen Dingen) interessierte und fähige Leute (ok, ein Selbstlob....:knatsch: ).... Jeder von uns hat sein Leben wahrlich in der Hand! Ich zum Beispiel bin alleinerziehend, arbeite Vollzeit und führe meinen Haushalt, ist das nichts ?????? Ich soll das NIEMALS gelernt haben !!!!????? :knatsch: Lebensuntüchtige gibt es überall, eine Verbindung zu einer Berufsgruppe kann ich da wahrlich nicht erkennen...

Viele Handwerker sind für unsere Software dankbar, weil sie ihnen das Leben erleichtert.....:ooooh: Da stecken UNSERE Gedanken drin, na gut, bei der Entwicklung saßen wir auf Bürostühlen....:knatsch: JA, ich finde das o.k. !!!!!!!!
Na gut, ich nehme Morganes Abschnitt mit Humor....:freches grinsen: :freches grinsen:, sicher hat sie das satirisch gemeint......:zwinker:

Jeder sollte eine Ausbildung erhalten nach seinen Fähigkeiten. Ich selbst habe mit 18 Abitur gemacht, ich hatte auch viel Unterricht, aber "zu meiner Zeit" war das ganz normal. Heute haben wir ein anderes Freizeitverhalten: die Kinder sollen noch Sport machen, ein Instrument spielen, am WE ist Action angesagt..... Ich ging halt einmal pro Woche zum Musikunterricht, das wars, auch bei meinen Klassenkameraden....

Na ja, immerhin einen Teil meines Geldes verdiene ich im Stehen, da ich im Sitzen nicht unterrichten kann...:freches grinsen: Und dass wir unser Leben nicht in die Hand nehmen - das sehe ich auch nicht so.


Meiner Meinung nach ist eine Ganztagesschule unabdingbar, weil nur so alle Kinder erreicht werden und auch Kinder eine Chance haben, deren Eltern ihnen eine "Familienbildung" nicht ermöglichen können und/oder wollen.

Gruss, Elli
Auch sehr richtig! Aber da müssen die Bedingungen stimmen, und das ist im Augenblick nicht der Fall. In Deutschland wird bildungspolitisch immer der zweite Schritt vor dem ersten getan... So gibt es Nachmittagsunterricht, aber nur an einem Tag in der Woche. Der Vormittag ist nach wie vor überfrachtet. Es mussten in den Sommerferien auf Teufel komm raus Kantinen aus dem Boden gestampft werden... Das ist alles nicht durchdacht.
Ich kenne es aus England so: Sechs Stunden am Tag, alle 60 Minuten. 4 am Vormittag, 2 am Nachmittag. Sehr entzerrt. So finde ich Ganztagsschule sinnvoll.

LG Hornilla

elli07
17.10.2008, 07:27
......Aber da müssen die Bedingungen stimmen, und das ist im Augenblick nicht der Fall. In Deutschland wird bildungspolitisch immer der zweite Schritt vor dem ersten getan... So gibt es Nachmittagsunterricht, aber nur an einem Tag in der Woche. Der Vormittag ist nach wie vor überfrachtet. Es mussten in den Sommerferien auf Teufel komm raus Kantinen aus dem Boden gestampft werden... Das ist alles nicht durchdacht.
Ich kenne es aus England so: Sechs Stunden am Tag, alle 60 Minuten. 4 am Vormittag, 2 am Nachmittag. Sehr entzerrt. So finde ich Ganztagsschule sinnvoll......

Das Gefühl habe ich leider auch: es gibt politische Schnellschüsse, um sich eine gute Presse zu sichern, momentan hektische Betriebsamkeit statt überlegtem Handeln anlässlich zweifelhafter Studien. Ausbaden müssen es dann die Leute "unten", sprich Schüler, Lehrer, Eltern.

Was die Organisation von Ganztagesschulen angeht, da können wir wirklich etwas abgucken von anderen Ländern: es geht und die Menschen, die als Kinder in Ganztagesschulen waren, sind keineswegs gestörte Persönlichkeiten.....:freches grinsen: Zumindest sind es nicht mehr als bei uns würde ich mal sagen.

Dieses Problem sehe ich ein wenig als "typisch deutsch" an: "das Kind gehört zur Mutter und das möglichst lange", "die Mutter ist in jedem Fall das Beste fürs Kind".... Aber so isses leider nicht. Womit ich nichts gegen Mütter gesagt haben möchte, ich bin nämlich auch eine.....:freches grinsen: :freches grinsen:

Gruss, Elli

Inaktiver User
25.10.2008, 13:27
Ich glaube jetzt mal alles gelesen zu haben.

Eines wundert mich: Kommt keiner mal auf den Gedanken, dass die Eltern den Kindern helfen könnten? Warum immer woanders nach Hilfe schreien?
Ich selbst war auf einer Ganztagsschule. Hausaufgaben nach der Schule war selbstverständlich. Und trotzdem konnte ich meine Freundschaften pflegen! Meine Freunde gingen ja auch zur Schule!

ohne mit dem Kopf schüttelnd.

High-Heels
09.06.2014, 22:56
Man sollte als Eltern auch sein Kind verstehen.
Ich weiß nicht ob es richtig das man sein Kind mit aller Gewalt dazu bringt das es sehr gute Noten mit nach Hause bringt.
Ist das der richtige Weg dass das Kind jede Menge Nachhilfestunden bekommt um in der Grundschule einen guten Abschluss bekommt das mit die Eltern ihr Kind auf das Gymnasium schicken können.
Ein Kind kann nur die Leistung bringen wozu es selbst in der Lage ist, bei vielen Kinder macht es etwas später Klick und dann ist es noch nicht zu spät und es stehen noch alle Türen offen, ich kenne das aus eigener Erfahrung und auch von meinen Kinder

RenataB
30.10.2014, 15:16
Mittlerweile braucht man eigentlich gar nicht mehr dass so anstrengende und schwere Abitur. Heutzutage kann man auch ganz leicht mit dem Fachabitur studieren etc. Das Fachabitur ist auch wesentlich einfacher. Meiner Meinung nach sollten wir unsere Kinder einfach alle in eine Gesamtschule stecken dort werden sie ja nach ihren Leistungen dann eingestuft und anschließend sollte das Kind selber entscheiden ob es weiter Fachabi, Abi oder eine Ausbildung anfangen möchte.:freches grinsen::freches grinsen:

Sonnenblume152
05.01.2015, 21:40
Mittlerweile braucht man eigentlich gar nicht mehr dass so anstrengende und schwere Abitur. Heutzutage kann man auch ganz leicht mit dem Fachabitur studieren etc. Das Fachabitur ist auch wesentlich einfacher. Meiner Meinung nach sollten wir unsere Kinder einfach alle in eine Gesamtschule stecken dort werden sie ja nach ihren Leistungen dann eingestuft und anschließend sollte das Kind selber entscheiden ob es weiter Fachabi, Abi oder eine Ausbildung anfangen möchte.:freches grinsen::freches grinsen:

Sehe ich genauso! :-)