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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Vater meiner Mutter gesucht



wespenstich
22.02.2008, 22:13
Hallo liebe 60pluslerinnen,

mich beschäftigt folgendes Problem. Meine Mutter hat ihren Vater nie kennengelernt, da meine Oma seinen Namen und seine Identität über 50 Jahre geheimhielt. Dann hat sie zum ersten Mal ein paar Dinge erzählt. Er war wohl französischer Besatzungssoldat (meine Mutter ist 1946 geboren), sie hat den Vornamen und das ungefähre Alter genannt, aber nicht mehr.
Da ich meine Großmutter ein wenig realistischer einschätzen kann als meine Mutter und ich weiß, dass sie kein Kind der Traurigkeit war, bezweifele ich soigar diese wenigen Angaben.
Meine Mutter ist aber seit sie ein paar Angaben zu ihrem Vater hat besessen davon ihn zu finden. Plötzlich spielen ihre "Wurzeln" eine riesengroße Rolle und sie wird schon richtiggehend depressiv, weil man natürlich bisher nichts herausfinden kann und der Vater vermutlich schon tot ist.
Hat jemand eine Idee, wie ich ihr helfen kann entweder doch noch etwas über ihren Vater herauszufinden, oder sie von dieser Trauer um die Vergangenheit abzubringen?

Inaktiver User
23.02.2008, 11:36
Hat jemand eine Idee, wie ich ihr helfen kann entweder doch noch etwas über ihren Vater herauszufinden, oder sie von dieser Trauer um die Vergangenheit abzubringen?

Du, das ist schwierig! Deine Mutter ist jetzt auf der Suche nach ihren Wurzeln - das ist ein starker Antrieb.

Ich glaube, Du kannst ihr nur helfen, wenn Du sie bei der Suche nach Deinem Opa unterstützt. Ist auch für Dich sicher spannend! Ich bin auch 46 geboren, in diesem Jahr ging vieles noch "durcheinander" - französische Besatzungssoldaten (vielleicht war er auch ein Kriegsgefangener, der dann nicht gleich nach der Befreiung zurückging? - dies gab es in meinem Heimatdorf!)

Wenn Du den Wohnort Deiner Oma zu jener Zeit weißt, kannst Du den jetzigen Bürgermeister nach der Orts-Chronik fragen. Vielleicht gibt es auch Bürger, die sich mit der Kriegs- u. Nachkriegsgeschichte befassen?

Viel Erfolg!:blumengabe: kalina

Opelius
24.02.2008, 08:33
solche Ermittlungen sind sehr schwierig. Für Besatzungssoldaten galt das sogenannte Fraternisierungsverbot. (es war verboten mit deutschen Fräuleins Liebe zu machen).
Meine Tante hatte ein Verhältnis mit einem britischen Soldaten und bekam 1946 ein Kind. Sie gab den Namen des Vaters mit John Smith, also ein wirklicher Allerweltsnamen, an. Der Soldat wurde unmittelbar, nachdem er seinem Kommandanten die Schwangerschaft gemeldet hatte, nach England zurückversetzt. Briefe, die meine Tante schrieb, kamen als unzustellbar zurück. Ihre Tochter, meine Cousine, hat ihr Leben lang nach ihrem Vater gesucht. Sie suchte in England, sie suchte in Deutschland. Außer der vagen Angabe, dass jener John Smith unmittelbar nach seiner Rückkehr ins Mutterland nach Palästina abkommandiert wurde, hat sie keine Auskünfte erhalten. Dort soll er umgekommen sein.
Sie hat jahrelang in Israel, den besetzten Gebieten und Jordanien nach seinem Grab gesucht.
Die britische Militärverwaltung hat bis heute ihr Einsicht in die Unterlagen seiner Einheit verwehrt.

wespenstich
24.02.2008, 12:19
Ja genau weil die Ermittlungen so schwierig sind, vor allem, wenn man nur Vornamen und Einheit kennt, mache ich mir wenig Hoffnung.
Wie mache ich das meiner Mutter klar?

Inaktiver User
24.02.2008, 12:47
Hallo, Wespenstich!
Deine Mutter hat sich auf die Suche nach ihren Wurzeln gemacht. Du möchtest sie darin unterstützen.
Soweit klar. Soweit ist das für mich in Ordnung.

Aber fühlst Du Dich nicht z u s e h r verantwortlich für Deine Mutter?
Meinst Du nicht, sie sieht alles ganz von alleine und ganz selbständig ein - und Du brauchst ihr gar nichts klarzumachen?

Vielleicht müsst Ihr Euch beide am Ende Eurer Suche in den Arm nehmen und trösten und Euch sagen: der Opa, der Papa ist nicht auffindbar. Uns beiden fehlt ein Stück Wurzel. Wir müssen damit leben.

So vielen Menschen aus jener Zeit geht es ebenso!

Liebe Grüße
Susi Sausewind

wespenstich
24.02.2008, 21:02
Ich glaube nicht, dass ich mir zu viel Sorgen um meine Mutter mache. Jahrelang habe ich mich um ihre Wurzelsuche gar nicht so gekümmert. Aber in letzter Zeit nimmt ihr Verhalten fast pathologische Züge an. Sie versucht über "Jenseitskontakte" mit meiner verstorbenen Großmutter zu reden.Läßt sich durch Hellseher bestätigen, dass ihr Vater noch lebt und so einen Unsinn. Sie leidet ganz fürchterlich und wird regelrecht depressiv und zwar wegen der Ungewissheit.

Inaktiver User
26.02.2008, 10:16
Liebe Wespenstich,
dann hat das Ganze ja andere Dimensionen, und ich verstehe gut, dass Du Dir Sorgen darüber machst, wie du deine Mutter mit der Realität wieder in Verbindung bringen kannst. Da hast du keine leichte Aufgabe!
Viel Kraft wünscht Dir
Susi Sausewind

Inaktiver User
26.02.2008, 11:18
Sie leidet ganz fürchterlich und wird regelrecht depressiv und zwar wegen der Ungewissheit.

Hallo Wespenstich, vielleicht könntest Du Deine Mutter davon überzeugen, dass es gut wäre, eine begleitende Gesprächstherapie bei einer psychologischen Fachärztin zu machen?! Das würde Euch beiden helfen ein (oder auch kein) Ergebnis bei der Suche zu akzeptieren?

Ich habe sowas ähnliches bei meiner Freundin erlebt, das kann ziemlich heftig werden!

Viel Glück u. :blumengabe: von kalina

Chie
26.02.2008, 13:33
Hallo Wespenstisch,

der Vater meines Vaters war auch französischer Besatzungssoldat seinerzeit in meinem Heimatort und mit den wenigen Angaben, die meine Oma mal machte, bin ich dann auch auf die Suche gegangen und habe mich als erstes an die französische Botschaft bzw. das ortsansässige französische Konsulat gewandt. Das war 1995 oder 1996.

Ich hatte dann dort die Möglichkeit über so eine Art 'Telefonauskunft - Adressauskunft' im Computer zu suchen. Diese Computer standen damals in jedem französischen Postamt. Ob dies heute noch der Fall ist, weiß ich nicht.

Der Konsulatsbeamte sagte mir damals, dass er offiziell nichts machen kann, da in der Geburtsurkunde meines Vater als Vater 'unbekannt' vermerkt war. Hätte dort eine Name gestanden, hätte der Beamte offiziell tätig werden können. Zumal nicht nur meinem Vater, sondern auch meinem Bruder und mir die französische Staatsbürgerschaft zugestanden hätte.

Vielleicht wäre der Suchdienst des Roten Kreuzes noch eine Möglichkeit. Fragen kostet ja nichts; die Suche allerdings schon (je nach Fall).

Aber viel Hoffnung kann ich Dir nicht machen. Meine Suche war erfolglos, da die Angaben auch viel zu vage waren und dadurch auch meine Suche in diversen Stadtarchiven. Leider ist aus dieser Zeit auch nicht mehr allzuviel übrig geblieben.

Gruß,
Chie

Inaktiver User
28.02.2008, 12:23
Obwohl meiner Ansicht nach es hier nichts so sehr um Suche nach den Wurzeln, sondern um ein psychologisches Problem geht, das im Alter und vielleicht der emotionalen Vereinsamung zu suchen ist - ich urteile hier vielleicht falsch, ich meine es nicht böse!!! -, denke ich, dass hier die praktische Unterstützung wichtig ist. Wie bekomme ich einen fixen Gedanken aus dem Kopf meiner Mutter, so wirst Du oft denken...

Dass Deine Mutter Hellseher aufsucht, ist sehr problematisch - obwohl rein rechnerisch Dein Opa ja noch leben könnte.
Sicherlich hast Du Deiner Mutter schon gesagt, dass ihre Mutter doch damit, dass sie den Namen des Vaters unterdrückte, ihre Gründe gehabt haben musste - vielleicht war der Mann verheiratet, vielleicht wusste sie auch gar nicht, wer der Vater war, vielleicht wurde sie vergewaltigt, was in diesen Zeiten sehr oft der Grund für "Vater unbekannt" war, vielleicht ist der Mann gestorben, bevor er sie heiraten konnte. Denn ganz so einfach war es für Deine Oma nicht, diese Zeit mit einem unehelichen Kind durchzustehen, vor allem, wenn es ein Besatzungskind war.

Ich würde mit meiner Mutter in den Geburtsort fahren und dort die alten Leute befragen, in der Gemeindechronik wird nichts stehen. Vielleicht wissen die alten Leute ja noch was. Es ist erstaunlich, was hier noch rausgeholt wird, wenn man fürsorglich nachfragt.

Habt Ihr Euch schon bei der Vermisstenstelle erkundigt, die wissen oft, wie man solche Kontakte knüpfen kann, die vielleicht weitere Informationen bringen. Und Chies Vorschläge sind ja auch sehr erfolgversprechend.

wespenstich
28.02.2008, 23:34
Obwohl meiner Ansicht nach es hier nichts so sehr um Suche nach den Wurzeln, sondern um ein psychologisches Problem geht, das im Alter und vielleicht der emotionalen Vereinsamung zu suchen ist - ich urteile hier vielleicht falsch, ich meine es nicht böse!!! -, denke ich, dass hier die praktische Unterstützung wichtig ist. Wie bekomme ich einen fixen Gedanken aus dem Kopf meiner Mutter, so wirst Du oft denken...


Ich denke auch, dass es sich bei dem ganzen um ein psychologisches Problem handelt. Dafür gibt es auch eine Menge anderer Anzeichen. Vielleicht keine emotionale Vereinsamung, schließlich hat meine Mutter noch einen Mann und zwei Töchter, sowie zwei Enkel und es gibt einen sehr regelmäßigen Kontakt.

Ursache sehe ich vielmehr darin, dass sie selbst eine verdammt beschissene Kindheit und Jugend hatte. Sie hat ihre Probleme nie bearbeitet, sondern mit einer Menge Arbeit und Spielen und Alkohol verdrängt. Heute merkt sie, wass sie verpasst hat und klammert sich an die Chance einen Teil ihrer Vergangenheit wieder aufzuarbeiten. Vielleicht auch deswegen, weil ihr bewußt wird, was sie ihren eigenen Kindern und unserem Vater angetan hat.

Aber egal welche Gründe dahinterstecken, etwas über ihren Vater zu erfahren ist ihr wichtig. Ich werde also versuchen sie einfach in die Seniorenheime ihrer Geburtsumgebung zu schicken. Vielleicht weiß ja doch noch jemand was. Meine größte Befürchtung ist allerdings, dass die Leute zu viel wissen. Ich hatte ja schon mal erwähnt, dass meine Oma kein Kind der Traurigkeit war. Am wahrscheinlichsten für mich ist, dass sie mit sovielen Männern geschlafen hat, dass sie keine Ahnung hat wer der Vater meiner Mutter war. Am Schluß hat sie vermutlich irgendeine Geschichte erzählt, die meine Mutter gerne hören wollte.

Inaktiver User
29.02.2008, 11:00
Am Schluß hat sie vermutlich irgendeine Geschichte erzählt, die meine Mutter gerne hören wollte.

@Wespenstich
Auch deshalb ist es wichtig, dass sie sich mit der Vergangenheit auseinandersetzt. Ihre Geschichte ist ja anscheinend geprägt von Ungereimtheiten u. das hat sicher auch zu ihren Problemen geführt. Wenn sie dies jetzt aufbrechen will, ist das für Euch alle gut! Ich finde es richtig, dass Du ihr helfen willst!

Und selbst "schlimme" Wahrheiten können nicht soviel Unheil anrichten wie schlimme Lügen! Mit therapeutischer Begleitung wäre das trotzdem einfacher zu schaffen u. sie hätte eine Möglichkeit, dies im Zusammenhang mit ihren Problemen aufzuarbeiten.

Viel Glück Euch beiden:blumengabe: kalina

Toyo
29.02.2008, 19:15
Hallo

Hier eine kleine Geschichte. Der Opa meines Mannes war ca. 1942 mit dem Fahrrad gen Russland unterwegs. 1 Woche Aufenthalt in Ungarn und er lernte dort ein Mädel kennen. Dann ging es weiter in den Krieg. Er war ja auch verheiratet und kam 19..paarund50 zurück.

Anfang der 90er hat er das Rote Kreuz (Familienzusammenführung???) beauftragt, eben dieses Mädel zu finden. Allerdings wußte er auch ihren Namen (allerdings Mädchennamen) und den damaligen Wohnort. Und er bekam tatsächlich Antwort. Männe hat dann den Opa eingepackt und nach Ungarn gefahren. Er war inzwischen Witwer und sie Witwe. Geheiratet haben die beiden dann 1993. Er im zarten Alter von 82 und sie war 74.

Also, wenn die Oma noch lebt und evtl. den Namen sagt, oder den Ort. Vielleicht auch die Kompanie oder was weiß ich noch alles, kann das wirklich funktionieren.



Toyo

Inaktiver User
29.02.2008, 19:35
Hallo, Toyo,
das ist eine rührende Geschichte! Ich habe fast Gänsehaut gekriegt.
Ist sie wirklich wahr?
Sind die beiden glücklich geworden? Hatten sie noch eine längere Zeit zusammen?

(Mir kommt diese Fahrradgeschichte ein bisschen unwahrscheinlich vor. Mit dem Fahrrad Richtung Russland und eine Woche Station in Ungarn? Oder verstehe ich etwas nicht?)

Vielleicht gibt es doch noch Hoffnung für Wespenstich und ihre Mutter!

Es grüßt
Susi Sausewind

Inaktiver User
29.02.2008, 21:03
Die Fahrradgeschichte stimmt, viele Soldaten sind beim Vormarsch mit dem Fahrrad gefahren, weil das keinen Hafer frisst, wie z.B. ein Pferd, und auch kein Benzin oder Diesel braucht wie ein Auto/Panzer und der Vormarsch so schnell war, dass die Fourage nicht nachkam.

Inaktiver User
29.02.2008, 21:13
Ich weiß nicht, ob das hier (http://www.drk.de/suchdienst/index.html) weiterhilft.

Inaktiver User
29.02.2008, 23:36
An Elke
Das wusste ich wirklich nicht!
Danke für die Information. Obwohl, wenn ich lange genug darüber nachdenke, kommt mir eine Erinnerung, das schon einmal gehört oder gelesen zu haben.

In meiner Familie wurde über diese Zeit geschwiegen. Ich weiß bis heute so Vieles nicht und werde es auch nie mehr erfahren.

Aber schaut mal, wie lange so ein Krieg nachwirkt! Nach so langer Zeit suchen sich immer noch Menschen, die sich in den Wirren verloren haben; immer wieder mal liest man, dass eine Bombe aus dem zweiten Weltkrieg gefunden wurde - die Folgen dieses schlimmen Krieges sind immer noch greifbar, auch bei uns, den Verursachern!

Und was geschieht heute in unserer Welt? So viele schlimme Dinge, Anschläge, Kriege, Hungersnöte, Vertreibungen, die auch alle ebenso lange nachwirken werden.
Als ich jung war, hatte ich die Hoffnung auf eine bessere Welt.
Das ist vielleicht das Vorrecht der Jungen.

Meine Oma hatte vor dem Krieg sieben Söhne, danach waren es noch zwei. Sie hat den Schmerz nicht lange überlebt. Ich erinnere mich an die fünf Fotos an der Wand an ihrem Bett.
Ich glaube, die Schwestern der gefallenen Brüder konnten gar nicht trauern, weil die Trauer ihrer Mutter so unendlich war!

Das gehört alles nicht so direkt hierher. Aber ganz falsch ist es auch nicht. Es geht schließlich um eine vergangene, bis heute nachwirkende Zeit.

Es grüßt
Susi Sausewind

Toyo
01.03.2008, 08:47
Hallo,

ja die Geschichte ist wahr. Leider ist der Opa kurz nach der Hochzeit (1993) gestorben. Die Oma lebte dann wieder in Ungarn und wir haben sie immer mal besucht. Sie ist letztes Jahr gestorben.

Wollte nur mal sagen, dass sie es vielleicht beim Roten Kreuz versuchen soll. Vielleicht gibt es ja noch andere Organisationen, an die man sich wenden kann. Denke, einen Versuch wäre es wert.

@susi sausewind
Auch in meiner Familie wurde kaum darüber geredet. Oma hatte überhaupt nicht darüber geredet. Aber wenn ich heute meine Mutter frage, die die Zeit erlebt hat, bekomme ich immer eine Antwort. Allerdings teilweise unvorstellbar, was damals so abging.

Toyo

Inaktiver User
01.03.2008, 10:33
hallo - sei nicht zu pessimistisch: mein Pflegebruder - das Kind einer niederbayerischen Bauerntochter und eines französischen Kriegsgefangenen - hat jahrelang nach seinem Vater gesucht und schließlich die Familie gefunden. Es geht also, und dabei war ihm (ihm Wesentlichen) nur ein falsch geschriebener Name als Anhaltspunkt geblieben.
Inzwischen ist im letzten Jahr sogar noch ein Halbbruder aus einem anderen Dorf aufgetaucht. Der Franzose war offenbar kein "Kind von Traurigkeit".
Und es ist völlg normal, dass jemand seine "Wurzeln" sucht, das "woher komme ich" ist emotional genauso exisentiell wie die Frage nach dem "was kommt danach", die vielfach theologisch beantwortet wird. Nicht umsonst gib es diese Debatten um Adoptionskinder (dürfen die Kinder die richtigen Eltern erfahren), den US-Bestseller "roots" und die tausenden von Suchanfragen.

Toyo
11.07.2008, 20:26
@wespenstich
Gibt es was neues??? Sag doch mal was dazu. Würde mich wirklich interessieren.

Toyo

Inaktiver User
12.07.2008, 07:29
@wespenstich
...es spielt keine Rolle, wie alt ein Mensch auf der Suche nach seinem Ursprung ist. Diese ungewisse Unruhe läuft solange mit, bis der Mensch eine Antwort bekommt, die ihm seinen Seelenfrieden bringt. Wenn es sich um einen sehr alten Menschen handelt, dann steigt die Unruhe, weil er klarer auf seinen Abschied schaut und er möchte "auf ein geordnetes Leben" zurückschauen können.
Es ist also verständlich, wenn das Aufräumen der Gedanken intensiv wird. Pathologisch ausschließlich sollte das Verhalten der Mutter nicht betrachtet werden. Doch sollte ihr Wohlbefinden im Auge behalten werden...

wespenstich
12.07.2008, 10:49
Ich habe mal mehrere Altenheime angeschrieben um Leute zu finden, die meine Oma kannten. Bisher erfolglos.

Spidertante
13.07.2008, 09:03
Hallo wespenstich, ist schon erstaunlich, wie wichtig die eigene Familiengeschichte ist. Und dann spielt so ein Krieg eine besondere Rolle...
Da gibts ein tolles Buch: Die vergessene Generation: Die Kriegskinder brechen ihr Schweigen von Sabine Bode (Autor)
Auch ich bin so ein Nachkriegskind. Meine Mutti hat eine Tochter auf der Flucht verloren und ich trauere um diese Schwester, die ich nie kannte...

Ich finde es ganz toll, dass Du Deine Mutter verstehst und versuchst, ihr zu helfen...
Alles Liebe!

Ariela
13.07.2008, 18:08
ein tipp für alle, die etwas über ihren (deutschen) vater oder großvater rausfinden wollen: bei der WAST(Deutsche Dienststelle) bekommt man (als verwandte) gegen gebühr alle im archiv vorhandenen daten über ehemalige soldaten der wehrmacht und anderer verbände, d.h. welche division, wo waren die genau etc. dann kann man sich mit den ortsangaben auf die suche nach den dort stattgefundenen ereignissen machen. aber besser nur tun, wenn man es abkann.

http://dd-wast.javabase.de/

ps: die seite ist etwas irreführend, es geht auch mit nicht-"gefallenen" insoweit sie inzwischen verstorben sind (datenschutz).

susanne
14.07.2008, 10:44
Hallo, Wespenstich,
eine Möglichkeit, etwas zu erfahren, bieten auch die Kirchenbücher der jeweiligen Gemeinde des Geburtsortes (deiner Mutter).
Evtl. findet sich hier der Name des leiblichen Vaters oder auch die Angaben zu Paten, die vielleicht auch noch etwas sagen können.
Susanne

wespenstich
14.07.2008, 19:28
Hallo, Wespenstich,
eine Möglichkeit, etwas zu erfahren, bieten auch die Kirchenbücher der jeweiligen Gemeinde des Geburtsortes (deiner Mutter).
Evtl. findet sich hier der Name des leiblichen Vaters oder auch die Angaben zu Paten, die vielleicht auch noch etwas sagen können.
Susanne


Eine nette Idee, aber der Name des Vaters wurde überall absichtlich mit unbekannt angegeben, weil er ein Alliierter war und bekanntlich (Sexual-)Kontakte zu alliierten Soldaten verboten waren. Außerdem war meine Mutter ein knapp 7Monatskind und es gab nur eine Nottaufe(? heißt das dann so), weil man nicht wußte ob sie überlebt.

Inaktiver User
02.07.2014, 18:47
Das ist auch so ein Thema, was noch heute viele
Menschen beschäftigt. Auch mein Grossvater ist
als vermisst in Lappland beim Roten Kreuz gemeldet
gewesen. Leider blieb er das auch_ Meine Oma hat
ihn allerdings nie als tot erklären lassen. Bis zum
Schluß hat sie gehofft. :heul::kerze: