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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : eine Familiengeschichte - und wie wird meine aussehen?



Lumumba
19.02.2008, 20:07
Hi,

ich (26), bin ein typisches Scheidungskind einer untypischen Familie und der heutige Vorfall wird mich entweder dazu bewegen, ein ganzes Buch über diese Familie und ihre Fixiertheit auf Rechtsstreitigkeiten zu schreiben oder mich einem Experiment zu unterziehen, in dem man gewisse unangenehme Erlebnisse im Hirn einfach löschen kann.

Meine Familie war schon immer anders. Anstatt sich ordenltich zu zanken und anzubrüllen und danach wieder Frieden zu schließen, vertrauen sie sich dem nächstbesten Rechtsanwalt an. Sie leben in dem irrglauben das Geld (das mittlerweile den Rahmen einer Eigentumswohnung für jedes der drei Kinder inkl drei Mitelklassewagen, sprengt) wäre gut angelegt und es würde sich dadurch schon zeigen wer im Recht sei.

Ich könnte hundertseitenweise über die Wahnsinnstaten meiner Eltern schreiben, die sieben Jahre nach ihrer Scheidung noch immer nicht genug von Anwälten und Alimentszahlungen haben, aber der heutige Vorfall bringt die Gefühllosigkeit, Geldgetriebenheit und ihren Egoismus auf den Punkt:

Meine kleine Schwester wird in eineinhalb Monaten 18 Jahre alt, eigentlich ein tolles Ereignis, auch weil dann unser Vater die Alimentszahlungen mit meiner Schwester direkt ausmachen kann und es aus meiner Erfahrung ab diesem Tag keine Probleme mehr gibt, zumindest nicht was die Finanzierung des Studiums angeht.

Meine Elern haben irgendeine krumme Verrechnung offen, bei der jeder von ihnen seine eigene Auffassung hat. Punkt ist, mein Vater meint er hätte zuviel (also über den 18. Geb. miener Schwester hinaus bezahlt), meine Mutter meint es sei zu wenig (und sie würde ihn verklagen....)

So saßen wir heute alle dre (unser Vater, meine Schwester und ich) einmal am Tisch um die Angelegenheit soweit zu klären als sich meine Schwester, die in Kürze mit dem Studium (in Ö mit 18 möglich) beginnen möchte um ihr monatliches Einkommen keine Sorgen machen müsste (Anm. meine Eltern verdienen beide sehr gut).

Da ich immer wieder die Rolle eds Streitschlichters einnehme (weiß auch nicht warum ich so blöd bin), saß ich also mit ihnen da und anstatt eine Lösung für meine Schwester zu finden kann ich mir auch noch anhören, was für furchtbare Kinder wir nicht wären,"verhetzt" von der Mutter (ich lebe seit 8 Jahren alleine, weil ich dem aus dem Weg gehen wollte) und es wäre unsere verdammte Pflicht unsere Mutter zuzureden, sie möge "zur Vernunft" kommen und doch Vaters Denkweise als die einzig richtige ansehen. ?!?!? Wo bin ich hier, im falschen Film?

Als Gipfel der Konversation konnte ich mir noch anhören, dass ich als die Eltern im Scheidungskrieg waren, beinahe die Pfändung des BMW meines Vaters "verschuldet" hätte, da ich eine Annulierung des Antrages nicht unterschreiben wollte (ich kann mich ehrlich an keine Situation wie diese erinnern, ich hatte damals andere Sorgen). Diesen Antrga hatte meine Mutter in meinem Namen eingereicht - wegen fehlender Unterhaltszahlungen. Und DAS hält er mir nach 8 Jahren vor!!! Er hatte es als Rückschlag verwendet, weil ich ihm vorgehalten hatte, dass er meine Schwester dazu verwenden würde, meine Mutter zu beeinflussen - die Geldsache liegt hier allein bei den Erwachsenen!

Fazit: wie kann man seine Kinder so erbarmungslos in selbst verschuldete Probleme mit hineinziehen und si edafür verantwortlich machen?

Und, was mich mit 26 angeht, ich habe Angst davor, eines Tages Kinder in die Welt zu setzen, eine gemeinsame Wohnung zu kaufen mit der ich mich über die nächsten 30 Jahre mit meinem Partner verschulde, geschweige denn zu heiraten (hilfe).
Nein, ich habe Angst davor, dass ich mich aufgrund der Geschichte meiner Eltern, die ich leider zur Genüge und bis ins letzte Detail kenne - nicht trauen werde, meine eigene Familie zu gründen. Ich mag Kinder sehr gern, aber ich möchte ihnen nie so etwas antun. Nur wer sagt mir, dass ich nicht auch mal so dumm werde, mich von meinem Partner entliebe und eines Tages beginne, ihn zu hassen?

Lumi

fuechsine
27.02.2008, 16:11
Hi, Lumi,
das sagt Dir natürlich keiner, aber das Leben ist anstrengend und gefährlich. Mein Vater war dreimal (3) verheiratet. Das hat bei mir dazugeführt, daß ich mittlerweile hartnäckig 34 Jahre verheiratet und jetzt verwitwet bin.
Du bist nicht in Knechtschaft Deiner Eltern. Aber versuche wenigstens, nicht die verkappte Kopie Deines Vaters zu heiraten
(Tun kleine Mädchen gern, auch wenn sie es nicht merken).
Liebe Grüße:zwinker:

Inaktiver User
27.02.2008, 18:22
Um sämtlichen möglichen Geldstreitereien von vornherein aus dem Weg zu gehen, gibt es Eheverträge, in denen sich so gut wie alles regeln lässt. Wenn man doll verliebt ist, denkt man, man braucht das nicht. Und wenn man Glück hat, braucht man diesen Vertrag auch wirklich nicht. Aber es gut zu wissen, wenn man ihn hat.

Und was die Streitereien Deiner Eltern betrifft: Haltet Euch künftig raus. Und zwar konsequent. Als Kind wirst Du immer Kind bleiben und somit im Zweifelsfall auch nicht ernst genommen.
:blumengabe:

Lumumba
27.02.2008, 19:39
Hi,

Danke, dass ihr euch durch diese elendslange Geschichte durchgelesen habt ;-) Mir war grad einfach nach rauslassen von alldem (oops!)

Fuechsine, ich finde es schön zu hören, dass du 34 Jahre verheiratetsein-Erfahrung hast, tut gut denn es ist selten genug.

Ich denke nicht, dass ich in diese Falle tapp, die du erwähnt hast, denn ich habe in mein gesamtes Beziehungsleben viel Kraft investiert, NICHT die Kopie meines Vaters zu bekommen, was mir auch geglückt ist. Ich denke eher, ich muss daran arbeiten nicht selbst eine Kopie meines Vaters zu werden: die Partnerschaften die ich hatte waren allesamt verantwortungsvolle Männer. Mein Freund, mit dem ich nun fast zwei Jahre zusammen bin ist nochmal anders: er ist witzig, lebt leicht UND weiß was er will im Leben und mit mir. Ich bin eigentlich eine sehr glückliche Frau, bis auf diese Paranoia - nicht was BeziehungEN angeht, sondern wenn heiraten, dann will ich dass es echt für IMMER eine aktive und lebendige Beziehung ist, da bin ich altmodisch. Und vielleicht ein bisschen naiv.

Redwhife, ein Ehevertrag ist lieb gemeint, aber mir gehts hier vielmehr um die emotionale Seite. Ich kenn das Gefühl einer komatösen, gescheiterten Beziehung nur zu gut, das ist mindestens genauso schlimm wie Existenzängste finde ich.

Lumi

fuechsine
29.02.2008, 19:39
Lumi,
ich bin jetzt Ende 50 (also weise) und habe drei Kinder, die in Beziehungen leben. Mir fällt auf, daß die Jüngeren heutzutage weniger ernsthaft an ihrer Beziehung arbeiten. Alles ist beliebig, austauschbar, kann rasch ersetzt werden.
Ich finde es gut und richtig, daß Frauen heute aus ihrer Beziehung weggehen, wenn sie schlecht behandelt werden und das sie die finanzielle Freiheit dazu haben durch ihre Jobs.
Aber eine echte Beziehung ist ein lebenslanges Ringen und wir kamen erst aus dem Streiten und den Machtkämpfen in den Vierzigern raus, als wir alle pro und contras abwägten und beschlossen, beieinander zu bleiben. Wenn man sich etwas zu sagen hat, hat man mit Glück dann eine tiefe, reifende Partnerschaft, für die sich alles lohnt.
Ich verstehe Deine Bedenken, aber sei zuversichtlich. Warum solltest Du das nicht auch schaffen. Ich habe meinen wunderbaren Gefährten an den Scheiß-Krebs verloren. Das hatte ich auch nie in meiner Lebensplanung.
Ich wünsche Dir alles Liebe.

Inaktiver User
02.03.2008, 12:22
Lumi,
schimpf dich ruhig aus.
Abgesehen vom Geld (das bei meinen Eltern knapp war) wurde bei uns nach der Scheidung auch viel geklagt - u.a. um zu klären, ob ich (damals zarte 14) psychisch in der Lage sei, allein im Zug zu meinem Vater zu reisen (1,5 Stunden).

Die einzige Schlussfolgerung, die ihc daraus gezogen habe: eine Beziehung, in der kein Kompromiss und offenes, faires Reden nach einem Streit möglich sind, gehört in die Tonne.

Neuanfang
02.03.2008, 20:42
Nur wer sagt mir, dass ich nicht auch mal so dumm werde, mich von meinem Partner entliebe und eines Tages beginne, ihn zu hassen? Lumi


Liebe Lumi,

Gefühle ändern sich leider und für oft auch alle Betroffenen ist es schlimm. Aber es MUSS nicht sein, dass Gefühle schwinden.

Kinder zu haben, ist so schön! Schreibe ich, die ich nie ein eigenes hatte, aber lange Jahre - und sehr gern - Ersatzmami war.

Dass eure Eltern euch so einbezogen haben in (dies ist jetzt ausdrücklich meine persönliche Meinung) billigen Geldkrieg als doch eher Stellvertreterschauplatz für deren Zwist - das finde ich schlimm.

Aber noch schlimmer fände ich, Du würdest Dir die Lust auf eine Familie wegen ihren Zwisten verleiden.

Best wishes,


Neuanfang

Lumumba
06.03.2008, 23:25
Danke, ihr Lieben!


Wenn man sich etwas zu sagen hat, hat man mit Glück dann eine tiefe, reifende Partnerschaft, für die sich alles lohnt.
ich finde, das ist ein wunderbar realistischer Satz. Ich hoffe, ich kann mir noch viel "abschauen" von Menschen, die erwachsen und Mann oder Frau genug waren, sich für eine Partnerschaft zu entscheiden, anstatt eben nur zusammen zu bleiben, weil niemand besseres greifbar war.

Ja, das ausschimpfen tut gut! Ich denke ich war lange damit beschäftigt, zu vermitteln und harmonisch und ausgleichend zu wirken.

lumi

Inaktiver User
08.03.2008, 01:15
Hi,

Und, was mich mit 26 angeht, ich habe Angst davor, eines Tages Kinder in die Welt zu setzen, eine gemeinsame Wohnung zu kaufen mit der ich mich über die nächsten 30 Jahre mit meinem Partner verschulde, geschweige denn zu heiraten (hilfe).
Nein, ich habe Angst davor, dass ich mich aufgrund der Geschichte meiner Eltern, die ich leider zur Genüge und bis ins letzte Detail kenne - nicht trauen werde, meine eigene Familie zu gründen. Ich mag Kinder sehr gern, aber ich möchte ihnen nie so etwas antun. Nur wer sagt mir, dass ich nicht auch mal so dumm werde, mich von meinem Partner entliebe und eines Tages beginne, ihn zu hassen?

Lumi

Na, das kommt mir doch sehr bekannt vor......

Inaktiver User
08.03.2008, 11:42
Nur wer sagt mir, dass ich nicht auch mal so dumm werde, mich von meinem Partner entliebe und eines Tages beginne, ihn zu hassen?


Dann kannst du dich scheiden lassen, ganz einfach. In unserer Gesellschaft ist die Scheidung von Ehen die Regel und nicht mehr die Ausnahme. Und als vernünftiger Mensch muss man auch nicht völlig zerstritten mit Rechtsanwälten um jedes Silberbesteck kämpfen. Ich habe schon viele Scheidungen in meinem Umfeld miterlebt- die Partner haben sich immer auf den Niveau getrennt, das sie auch schon vorher an den Tag gelegt haben: Wer stets respektvoll in seiner Beziehungen war und sich nicht beschimpft hat, der macht das auch in Trennungsphasen nicht.
Also Kopf hoch Lumumba- es liegt an Dir selbst und Du wirst nicht zwangsweise das gleiche Programm durchlaufen. Meine Mutter kommt aus einer sehr unglücklichen Ehe und hat für mich alles besser gemacht- und sich im guten von meinem Vater getrennt...

Divino
16.03.2008, 01:08
Hallo Lumumba,

deine Geschichte ist nicht sooo aussergewöhnlich wie du vielleicht denkst. Meine Eltern haben bereits eine zweistellige Jahreszahl nach (!) der Scheidung geschafft, sich mit Anwälten gegenseitig anzugehen. Wobei ich (seit 12 Jahren von beiden Elternteilen getrennt lebend) natüüüürlich die verantwortliche Person dafür war, meine Mutter doch bitte zur Vernunft zu bringen, damit sie die einzig richtige Denkweise der Welt - nämlich die meines Vaters - doch endlich annehmen möge.

Nach vielen vielen Jahren, als ich schon längst allein wohnte, vertraute ich mich irgendwann mal einer Freundin an. Und dann höre ich: Sie kennt das alles. Sie hat sich nur nie getraut, es so offen zu sagen, weil sie dachte, sie wäre die einzige in einer so unnormalen Situation.

Mausezahn2008
17.03.2008, 13:13
Lumumba,
und was die Kinder angeht, solltest Du auch keine Angst haben.

Ich bin zu Hause geschlagen worden, habe - deswegen - auf meinem linken Ohr das Hören niemals gelernt.
Ich bin in den Keller gesperrt worde und vergewaltigt.
Ich habe niemals Liebe kennengelernt.

Trotzdem habe ich meinen Sohn mit grosser Liebe aufgezogen. Er hat nie - auch nur - einen Schlag von mir erhalten.
Ich habe ihm so viel Liebe geben können, dass er heute ein Mann ist, der in sich ruht.

Will sagen, nur weil Deine Eltern Dir das angetan haben, musst Du Deinen Kindern nicht notgedrungen auch soetwas antun.
Du kannst auch - wie ich - genau das Gegenteil tun.

Also lass das Heiraten und das Kinderkriegen entspannt auf Dich zukommen, nichts wird so heiss gegessen wie es gekocht wird.

LG