PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wie war Eure Erziehung in den 60ern - könnt Ihr Euren Eltern alles verzeihen?



emma-woodhouse
07.02.2008, 20:10
Liebe Mittvierziger, unsere Erziehung und das Familienleben in den 60ern war ja sicher noch etwas anders als es heute der Fall ist. Ich wüsste gerne mal, wie Ihr die Unterschiede von damals zu heute empfindet? Macht Ihr es bei Euren eigenen Kindern ganz bewusst anders. Ich habe leider keine Kinder, daher kann ich hier nicht aus dem Erfahrungsschatz heraus berichten.

Auf jeden Fall war meine Erziehung Mitter der 60er sicher noch recht streng, zumindest als ich ein kleines Kind war, da gab es durchaus noch was auf den Hosenboden. Könnt Ihr Euren Eltern solche Dinge, sofern es sie bei Euch gab, verzeihen? Habt Ihr Verständnis für die Verhaltensweisen Eurer Eltern damals? Bei meinen Altersgenossinen damals war es recht ähnlich, teilweise sogar noch strenger.

Mir gelingt das Verständnis und das Verzeihen leider nur teilweise - an einigen Ungerechtigkeiten knabbere ich noch heute. Nicht, dass es mich täglich im Leben begleitet, aber ich hätte mir manches anders und verständnisvoller uns Kindern gegenüber gewünscht.

Später, in den Jugendjahren, waren meine Eltern eher locker drauf, auch heute haben wir ein erwachsenes Verhältnis miteinander. Wäre froh, von Euch Rückmeldung zu erhalten.

blaueshaus
07.02.2008, 20:28
Hallo Emma,
ich bin Jahrgang 1963, habe auch die Erinnerung, dass früher einige Sachen ohne Widerrede gemacht werden mussten, weil die Eltern es gesagt haben. Für mich war besonders die Pubertät (also 70er) sehr schwierig, ich wurde sehr kurz gehalten und durfte wenig. Ich bin mir sicher, dass ich dadurch einige "Startschwierigkeiten" im Vergleich zu anderen hatte, und bei einigen für mich extrem belastenden Situationen weiss ich noch wie heute, dass ich mir vorgenommen habe, es bei meinen eigenen Kindern anders zu machen.
Meine Kinder sind 9 und 11, und ich habe mich an meine Vorsätze gehalten. Die für mich damals schlimmste Zeit kommt ja noch, aber ich bin gut aufgestellt. Die Kinder haben sich bislang auch gut entwickelt, sie finden mich aber bestimmt nicht in jeder Lebenslage prima, ich möchte aber immer im Dialog mit ihnen stehen und sie ernst nehmen.
Mein Verhältnis zu meinen Eltern war damals eine Zeitlang sehr schwierig, ab Mitte/Ende Zwanzig entspannte es sich. Mittlerweile komme ich mit meiner Mutter gut zurecht (mein Vater lebt nicht mehr), und ich glaube, dass sie es damals wohl auch einfach nach bestem Wissen gemacht hat, es war ja noch nicht so üblich, sich auch mal selbst zu reflektieren.
Also, so gesehen habe ich es vergeben, aber nicht vergessen.

Gruß blaueshaus :smile:

Inaktiver User
07.02.2008, 20:36
.

emma-woodhouse
07.02.2008, 20:37
Danke, Blaueshaus, Du sprichst mir aus der Seele!

Genau, es wurde ganz sicher kaum reflektiert, das macht mich noch heute so wütend, dass vieles nie und nimmer hinterfragt wurde, oder dass darüber nachgedacht wurde, was dies oder jenes mit uns Kindern gemacht hat (zumindest habe ich das nie feststellen können).

Ob meine Eltern manchmal Selbstzweifel hatten?? Glaube ich nicht. Dabei sind meine Eltern keine schlicht strukturierten, sondern gebildete Menschen.....

Ich bin übrigens auch Jahrgang 1963

Inaktiver User
07.02.2008, 20:51
Hallo,

ich bin auch Jahrgang 1963 und kann mich blaueshaus nur anschließen. Bei mir kam noch hinzu, dass ich für damalige Zeiten schon recht "alte" Eltern hatte. Meine Mutter war bei meiner Geburt 38, mein Vater 40; da waren sie schon fast zehn Jahre verheiratet. Ich war das erste Kind und bekam 2 1/2 Jahre später noch eine Schwester. Heute ist das Kinderkriegen in dem Alter ja gang und gäbe. Von daher bin ich im Zweifel eher noch strenger erzogen worden als Ihr von Euren Eltern, die ja wahrscheinlich bei Eurer Geburt in den 20ern oder höchstens Anfang 30 waren. Ich hätte mit einer anderen Erziehung wahrscheinlich ein größeres Selbstbewusstsein gehabt - auch heute. Aber meine Eltern waren halt auch Kinder ihrer Zeit; sie waren eher einfache Leute und hatten außerdem persönlich mit schweren Schicksalsschlägen (Mutter mit 10 Jahren Halb- und mit knapp 12 Jahren Vollwaise, Vater 3 1/2 Jahre in russischer Kriegsgefangenschaft) und Krankheiten zu kämpfen; das berücksichtige ich mit. Außerdem haben sie viel für mich getan; ich durfte als erste in der Familie Abitur machen und studieren. Dafür bin ich ihnen natürlich dankbar. Ich denke, sie haben mich nach bestem Wissen und Gewissen erzogen, wenngleich so manches natürlich falsch, zu streng (auch bei uns gab es "Senge") , aber teils auch zu behütend war. Meine Mutter lebt noch, mein Vater nicht mehr. Kinder habe ich leider auch keine, sodass ich nichts anders oder "besser" machen konnte.

blaueshaus
07.02.2008, 20:58
Worüber ärgerst du dich denn heute noch? Ich habe zu meiner Mutter ein freundschaftliches Verhältnis, das aber davon geprägt ist, dass ich das mache, was ich für richtig halte. Sie hat das auch akzeptiert.
Mit Sicherheit wäre einiges anders gelaufen, wenn... andererseits bin ich sehr zufrieden, was ich aus meinem Leben gemacht habe, und dass ich immer noch versuche, mich weiterzuentwickeln.

dieterS
07.02.2008, 21:01
ELTERN haben in der Regel immer versucht es gut zu machen.

Auch wenns dann doch nicht so geklappt hat.

Wer da heute noch damit hadert, vergeuet sein Leben, als Opfer.

Es ist vorbei.

LEBEN IST JETZT :blumengabe:

emma-woodhouse
07.02.2008, 21:03
Ärgern ist das falsche Wort. Ich würde sagen, es ist wie bei Dir: vergeben, aber nicht vergessen.

Keineswegs verkenne ich die guten und wunderbaren Seiten meiner Eltern. Es ist heute ein sehr liebevolles und respektvolles Verhältnis, und sie lassen mich auch ganz mein Ding machen, obwohl sie es sicher anders lieber hätten (würden das aber nie äußern).

Ich würde lediglich dem Kind, das ich damals war, und das so vieles nicht verstanden hat, eine andere Kinderzeit gewünscht haben und vielleicht hätte ich dann einen anderen Start ins Erwachsenenleben genommen - so wie Du das auch empfindest. Ist das verständlich ausgedrückt?

Inaktiver User
07.02.2008, 21:07
Worüber ärgerst du dich denn heute noch? Ich habe zu meiner Mutter ein freundschaftliches Verhältnis, das aber davon geprägt ist, dass ich das mache, was ich für richtig halte. Sie hat das auch akzeptiert.
Mit Sicherheit wäre einiges anders gelaufen, wenn... andererseits bin ich sehr zufrieden, was ich aus meinem Leben gemacht habe, und dass ich immer noch versuche, mich weiterzuentwickeln.

Ich habe auch ein gutes Verhältnis zu meiner Mutter und hänge sehr an ihr, aber ich finde, sie hätte in meiner Kindheit und Jugend öfter etwas Anerkennendes zu mir bzw. über mich sagen können. Da ich eine gute Schülerin und auch sonst "pflegeleicht" war (meines Erachtens viel zu pflegeleicht), hätte sie dazu allen Grund gehabt. Aber das kam ihr kaum über die Lippen, eher kritisierte sie, manchmal auch herabsetzend. Auch heute fällt ihr Lob noch nicht leicht (eher äußert sie sich positiv über Außenstehende, meine Cousinen etc.). Sie ist ein Mensch, der schwer Gefühle zeigen kann, was wahrscheinlich auch mit ihrer Kindheit (s.o.) zusammenhängt. Ich meine aber, mit mehr Bestätigung und Ermutigung vonseiten meiner Mutter wäre es mir leichter gefallen (und würde es mir auch heute leichter fallen), selbstbewusst aufzutreten, sei es beruflich oder privat. Natürlich arbeite ich daran, es hat im Vergleich zu früher auch erhebliche Fortschritte gegeben, aber ich denke, es gibt viele, die in dieser Beziehung einfach bessere familiäre Rahmenbedingungen hatten. Die können sich dann auch eher im Beruf im Szene setzen und wirken wahrscheinlich auch auf Männer anziehender.

blaueshaus
07.02.2008, 21:13
Ich würde lediglich dem Kind, das ich damals war, und das so vieles nicht verstanden hat, eine andere Kinderzeit gewünscht haben und vielleicht hätte ich dann einen anderen Start ins Erwachsenenleben genommen - so wie Du das auch empfindest. Ist das verständlich ausgedrückt?


Ja, das kann ich gut verstehen. Ich habe auch eine Zeitlang meiner nicht ausgelebten Jugend nachgeweint. Mittlerweile ist es aber so, wie es ist, und das "kleine blauehaus" gibt es so ja gar nicht mehr. Und, wie gesagt, ich habe den festen Vorsatz, mich meinen Kindern gegenüber nicht so zu verhalten.

Inaktiver User
07.02.2008, 21:32
.

diary
07.02.2008, 21:46
Interessant, sich darüber mal auszutauschen.

Bin Jahrgang 1961 und meine Eltern waren bei meiner Geburt beide 33 Jahre alt. Meine Mutter hat sich sehnsüchtig ein Kind gewünscht, schon immer, ich heiße dann auch wie ihre erste Puppe...

Drei Jahre später kam dann mein Bruder auf die Welt.

Ich habe keinen Tag lang an der Liebe meiner Eltern zweifeln müssen - bis heute nicht.

Sie hatten damals eine klassische Rollenverteilung. Mutti immer da, Vati auf Arbeit (damals auch noch samstags).

Sie hatten zunächst auch eine damals ihres Erachtens klassische Einstellung zur Erziehung. "Der Wille des Kindes muss gebrochen werden..." :knatsch: (Echt, sie dachten, das MÜSSE so sein, heute graust ihnen selbst vor dieser Einstellung.)

Das führte auch zu Schlägen (weil meine Mutter "schwache Arme" hatte, zum Teil mit einem Rohrstöckchen...), zu Stubenarrest u.ä. Dabei war ich mir nie wirklich einer Schuld bewusst, da ich - meines Erachtens - ein äußerst braves Kind war :engel:

Obwohl das nach heutigen Maßstäben wie Kindesmisshandlung klingt, habe ich es nicht als solche empfunden. Die Liebe meiner Eltern habe ich trotzdem gespürt. Meine Mutter hatte IMMER Zeit für uns, hat mit uns gebastelt, gespielt und vor allem GEREDET. Stundenlang über unsere Weltsicht - ob als Dreijährige oder als Pubertierende.

Mit meinem Vater war es etwas anders. Er war sehr jähzornig und litt außerdem an Depressionen. Eine unglückliche Mischung. Dadurch war er für uns Kinder eher unberechenbar. Er hat dann auch hin und wieder mal aus Wut und nicht aus pädagogischen Gründen geschlagen oder geschrieen. Aber das hatte mit seiner Persönlichkeit und nicht mit der Zeitgeschichte zu tun.

Ende der 60... hat meine Mutter dann das Buch von Thomas Gordon "Familienkonferenz" gelesen. (Konstruktives Zuhören ect., ein Klassiker in diesem Genre). Danach hat ein extremer Wandel in der Erziehungsmethode meiner Eltern stattgefunden. Sie haben Meinungsverschiedenheiten mit uns ausdiskutiert. Es gab keine Schläge mehr (wir wurden ja auch älter). Und: sie haben mit uns darüber gesprochen, was sie bisher falsch gemacht haben.

Selbst mein Vater sprach dann darüber, was ER falsch gemacht hatte - und hat sich bei uns entschuldigt. Das hat uns beeindruckt.

Vielleicht habe ich es deshalb leichter meine Kindheit zu akzeptieren, wie sie war. Ich muss meinen Eltern nichts mehr verzeihen. Ich bin sehr froh, dass beide noch leben und immer mal wieder meine besten Zuhörer und Ratgeber sind.

Meine Eltern waren sicherlich typisch für ihre Zeit. "Zucht, Disziplin und Ordnung" - diese Worte höre ich heute noch. (Ich war dennoch zeitlebens unzüchtig, undiszipliniert und unordentlich) (während mein Bruder ein züchtiger, disziplinierter ordentlicher Pasor wurde) (wir haben uns aber dennoch ganz arg lieb :blumengabe: )...

Aber: meine Eltern hatten Zeit und Liebe für uns. Bedingungslos.

Beides hatte ich für meine Kinder nicht immer. Aber das ist ein anderes Thema.

Ich denke nur, es liegt nicht an der Gesellschaft oder an der Erziehungsmethode. Und auch wenn es jetzt konservativ klingt (ich bin es nicht wirklich): mir persönlich haben die Schläge nicht geschadet. Genutzt allerdings auch nicht.

Die Liebe meine Eltern macht mich aber heute noch stark :yeah:

blaueshaus
07.02.2008, 21:57
Oh, diary, da hast du ja richtig revolutionäre Eltern gehabt!
Bei uns zu Hause gab es zwar keine Schläge, aber klare Regeln, die letztlich alle darauf hinaus liefen, dass die Eltern immer recht hatten. DAS hätte ich mir gewünscht, dass meine Eltern mit mir über verschiedene Dinge mal geredet hätten... also nicht im Stil von "ich sag dir jetzt mal, wo es langgeht"
:knatsch: von daher musste ich eine Abwehrstrategie entwickeln, die mich eine Zeitlang bestimmt auch sehr hart gemacht hat.
Und ich reagiere noch heute sehr empfindlich auf Bevormundungsversuche jeglicher Art.

Birgitpepper
07.02.2008, 22:02
"Ordentlich" musste es bei uns zu Hause in den 70ern auch immer sein. Was "ordentlich" ist, haben die Eltern definiert und erschien mir oft unsinnig. Ein typisches Beispiel dafür ist die Kleidung, die von meiner Mutter streng reglementiert wurde. zB musste auch im Sommer ein Unterhemd angezogen werden. Wozu das gut sein sollte, hat sie nicht erklärt, es "gehörte" sich eben so. Jeans waren generell nicht gern gesehen, und bei warmem Wetter gab es sozusagen den Zwang, Röcke zu tragen, "damit die Beine es luftig haben". Mein Jugend-Problem war generell, dass meine Mutter immer alles unter Kontrolle haben musste - meinen Kleiderschrank, meine Partys, meine Unterwäsche. Da weiß ich einfach, dass ich bei meine eigenen Kindern sehr viel gelassener bin und zB auch im Winter ihre "nackten Rücken " toleriere, was jetzt nur ein Beispiel ist.
Später kann ich mehr dazu schreiben.
So long,
Birgit

diary
07.02.2008, 22:29
Oh, diary, da hast du ja richtig revolutionäre Eltern gehabt!

Ja, das sind sie bis heute...

Trotzdem, auch mir fallen ein paar zeitgeschichtlich Dinge ein, die einfach typisch und für uns Kinder unschön waren:

Wie gesagt: "Zucht, Disziplin und Ordnung" (alle mit scharfem ß und starkem t ausgesprochen...)

"Der Teller wird leer gegessen" und "in Biafra hungern die Kinder und du lässt eine Kartoffel liegen...)
:hunger:

Sehr eigenartige selbstgenähte Kleidung - die über Jahre auf geheimnisvolle Weise mitwuchs und dadurch auch nicht moderner wurde.

Unterhemden werden alle zwei Wochen, Unterhosen jede Woche gewechselt. (Abstände mögen auch kürzer gewesen sein, aber es gab einen bestimmten Rhytmus).

Mittagsruhe (Mutti und sämtliche Nachbarn schliefen für zwei Stunden jeden Tag). (Die Südländer beneidet man heute für ihre Siesta).

Gib die schöne Hand.

Mach eine Knicks! (Und wir hatten nie eine Audienz bei der Queen...):knicks:

Ich bekam Mädchenspielzeug. Ausschließlich. Mein Bruder bekam die interessanten Sachen:aetsch:

Lebertran.

Gestopfte (an sichtbaren Stellen gestopfte) Strumpfhosen.

Strumpfhosen als solche - entweder zu klein (der Zwickel guckte schon unter dem Rock raus) oder zu groß (schlug Falten).

Hochwasserhosen (weil die waren ja noch gut).

Haare werden maximal einmal die Woche gewaschen. (Ich hatte extrem fettige Haare).

Friseurbesuch ist unnötig. Mutti schneidet was ab. (Diese Haartrauma in der Familie hat wohl dazu geführt, dass meine Tochter jetzt Friseurin lernt...)

Von 70 Pfennig Taschengeld musste ich 50 Pfennig sparen.



DAS alles habe ich bei meinen Kindern bewusst anders gehandhabt.

Woodstock62
07.02.2008, 23:11
Huhu,

ich - Jahrgang 62 - kann mich daran erinnern, dass meine Mutter damals schon immer mitgearbeitet hat und ich fast von meinen Grosseltern (mütterlicherseits) großgezogen worden bin. An meine frühe Kindheit kann ich mich nicht mehr erinnern, wohl aber dann an die 70-er Jahre. Ich durfte schon ziemlich früh ziemlich viel, solange meine Eltern wußten wo ich war und wie ich nach Hause kam, was dazu führte, dass einigen Klassenkameradinnen der Umgang mit mir verboten wurde :smirksmile: Mein Bruder ist Jahrgang 66 und hat dann die Freiheiten genossen, die ich mir erkämpfen mußte. Allerdings wenn eine Grenze gesetzt war, war sie gesetzt und Ende aus.

Heute lebt unser Vater nicht mehr. Mit meiner Mutter habe ich ein super Verhältnis, wir wohnen auch zusammen in einem Haus.

Lieben Gruss
Woodstock

Nichtnurmami
08.02.2008, 10:08
Hallo!
Bin Jg.65, meine Eltern "mußten" heiraten, ich war bei der Hochzeit "dabei", mir wurde übrigens auch erzählt, wie sie mich "loswerden" wollte.

Teller leer essen (oder stundenlang davor sitzen)

Milch mit Pelle trinken (oder siehe oben)

Schläge mit der Hand, Kleiderbügel, Gürtel, Kochlöffel usw.

zur Unterbrechung meiner ersten Schwangerschaft gezwungen

Psychoterror bis heute (hab grad keinen Kontakt)

Nie Freunde nach Hause zum Spielen mitbringen dürfen

nachts aus dem Bett geholt, wewnn ich vergessen hatte, die Stullen für den Vater zu machen, da war ich 13

immer Zeit für andere Kinder, (sie war Lehrerin), wir zwei mußten immer funktionieren

Über kratzende Strumpfhosen hätte ich mich gar nicht mehr aufgeregt, ich hatte mit seelischem Überleben zu tun!

Und "NEIN" ich kann nicht verzeihen, ich versuche, zu vergessen, es klappt meistens!

Anfangs habe ich meine Große auch geschlagen, ich kannte es nicht anders, aber mein Mann hat dann ein Veto eingelegt, er hat ganz selten mal was hinter die Ohren bekommen und mußte nie den Teller leer essen,*gg*

LG NNM

Kappuziner
08.02.2008, 10:33
Ich bin auch Jahrgang 65, meine Eltern waren verhältnismäßig liberal, aber an einige schräge Sachen erinnere ich mich auch:
- meine Mutter (Typ "Twiggy") fand mich immer zu pummelig (mit meinem Babyspeck halt). Ich bin schon auf die Waage gestiegen und habe mir Sorgen gemacht, bevor ich lesen und schreiben konnte.
- komische selbstgestrickte Hosenanzüge
- wir waren angeblich immer von der Werbung manipuliert ("Nusspli schmeckt genauso gut wie Nutella, ihr lasst euch das nur von der Werbung einreden, dass das besser schmeckt").
- das mit den hungrigen Kindern kenne ich auch, bei uns waren es die Kinder in Indien, die angeblich dankbar gewesen wären für unser Essen. Ich hab neulich mal eine Inderin getroffen, die in Deutschland lebt und die meinte "wir hatten vielleicht nicht viel, aber was wir hatten, war lecker - wir hätten auch keinen Rosenkohl in Mehlschwitze gegessen" :freches grinsen:

Inaktiver User
08.02.2008, 11:04
hallo, bin jahrgang 67 und wurde sehr sehr autoritär und katholisch erzogen.meine brüder und ich wurden geschlagen und mit worten verletzt. mit meinen eltern,beide verstorben, bin ich im reinen.war ein langer weg.
ich habe 13 jährige twins,die ich selbstbewußt,demokratisch,gewaltfrei und selbstverantwortlich erziehe.(schwer,klappt natürlich nicht immer :knatsch: ) ich empfinde es sehr schwer kinder zu erziehen, da die sog. umwelt nicht mit meiner erziehung übereinstimmt.
z.b. meine 3 jährige bekommt wurst an der wursttheke und ich sage zu ihr: bedanke dich bitte!! da sagt die wurst-frau: das ist doch nicht nötig!! oder: meine freundin verliert die nerven bei ihrer quängeligen Tochter und gibt ihr eine ohrfeige. die anwesenden leute mißbilligen das lautstark!mal abgesehen von den konsequenzen und das nicht-einhalten von strafmaßnahmen in der schule, z.b: mein sohn stört den unterricht, er soll nachsitzen. und? es wurde vergessen, daß er nachsitzen muß.
das sind alles dinge, die mir sehr zu schaffen machen. wenn ich früher angemeckert wurde von meinen eltern, dann hat niemand meine eltern kritisiert. es herrscht meiner meinung eine riesen große unsicherheit und verantwortungslosigkeit in der erziehung und im umgang mit unseren kindern in unserer gesellschaft.
das ist meine erfahrung, wobei ich aufgezählte erlebnisse(wie ohrfeige etc) nicht ok finde, war eine absolute ausnahme.
gruss

Massashi
08.02.2008, 13:01
Hallo zusammen!

Ich bin überrascht, wie viele hier ebenfalls geschlagen wurden. Bei uns Zuhaus, bin Jahrgang 64, war das auch üblich. Ich denke, es handelte sich vielleicht um eine Mischung aus autoritärem Zeitgeist und Krankheit meines Vaters (habe gestern schon geschrieben: Mein Vater war völlig unberechenbar und gewalttätig).

Ich glaube, heutzutage ist die Öffentlichkeit hellhöriger geworden, was Kindesmissbrauch angeht. Unsere Nachbarn damals haben sicherlich so manches mitgekriegt, gekümmert hat es keinen.

Heutzutage habe ich ein sehr schlechtes Verhältnis zu meinen Eltern, ich kann diese Behandlung einfach nicht verzeihen. Aber ich bin trotz allem ein optimistischer Mensch und etwas, was dazu beiträgt, ist die Erfahrung, dass ich an mir selber arbeiten und vorankommen kann!

:blumengabe: Massashi

Inaktiver User
08.02.2008, 13:12
Ich bin Jahrgang ´62 - aber meine Kindheit war super schön. Klar gab es Regeln und Grenzen - so what. Schläge habe ich nie bekommen, bei uns wurde immer über alles diskutiert....


Im Vergleich zu meinen Nichten Und Neffen, die teilweise ohne jegliche Struktur aufwachsen und entsprechend nervend sind - halte ich es für wichtig, dass Kinder ihre Grenzen kennen und Respekt und Achtung lernen, nicht nur vor Mitmenschen sondern auch vor Gegenständen und Tieren.

Dharma

Rowellan
08.02.2008, 14:50
Ich bin Jahrgang 65. Und ja, auch bei uns gabs durchaus Schläge, das war in dieser Zeit wohl noch ein gesellschaftlich akzeptiertes Erziehungsmittel.

Meine Eltern sind sehr konservative Typen, was Kleidung, Musik, Lebensstil usw. angeht. Auch viel "was die Nachbarn sagen". Ich war - im Vergleich - wirklich ein sehr braves Kind / Pubertierling: Gut in der Schule, keine Zigaretten, kein Alkohol, Spätzünderin was Jungs angeht... wurde aber auch sehr eng gehalten. Ich durfte nie zu Feten, ich durfte in keinen Sportverein im Nachbarort ("Papa kann dich doch nicht immer fahren und nein, mit dem Vater der Kollegin darfst du nicht fahren, wir vertrauen keinen Fremden"), da war sehr viel Angst und Überbehütung.
Das Alles könnte ich zu einem gewissen Punkt noch akzeptieren - sie lieben mich sicherlich und haben mir eine gute Ausbildung (Abi, Studium) ermöglicht.
Aber: Sie tun sich unheimlich schwer damit, loszulassen und zu akzeptieren, daß ich erwachsen bin und einen ganz anderen Lebensstil habe. Und das macht den Umgang immer noch schwierig.

Pentesilea
08.02.2008, 16:39
Ich bin Jahrgang 61 und es gibt auch so einiges, was ich meinen Eltern übelnehme. Manchmat tue ich mir noch im Nachhinein leid und ich habe auch schon Tränen vergossen bei dem Gedanken an das Kind, das ich war.
Es war so völlig normal damals, Kinder zu schlagen oder auch mit Worten zu verletzen, darüber hat sich gar keiner Gedanken gemacht. Ich hatte sehr junge Eltern, die sich z. B. überhaupt nichts dabei gedacht haben, längere Reisen mit dem Auto zu unternehmen, beide bei geschlossenen Fenstern fröhlich rauchend, während meine Schwester und ich mit einer Tüte in der Hand auf dem Rücksitz saßen und uns weniger fröhlich übergeben haben... Höchstens waren sie noch genervt davon, das wir wieder lästig waren. Wir waren irgendwie oft die "Gören", die gestört haben... Sicherlich kein Wunder, dass ich es liebte bei meinen Großeltern zu sein.
Dazu kam, das meine Schwester und ich uns überhaupt nicht verstanden und permanent gestritten haben. Das ging meiner Mutter natürlich auf den Geist und wir (oder nur einer von uns) wurde mal wieder verprügelt.
Meine Tochter ist 9 und ich habe sie noch nie geschlagen, worauf ich ehrlich gesagt ein wenig stolz bin. Ich hatte das als Kind schon verinnerlicht, dass ich niemals meine Kinder schlagen werde.
Meine Eltern leben beide noch, sind längst geschieden. Das Verhältnis zu meinem Vater ist von einem gegenseitgen wohlwollenden Desinteresse geprägt. Wenn wir mal über unsere Kindheit gesprochen haben, sagte er immer nur spöttisch: Ja, ja... ihr hattet es schwer....
Zu meiner Mutter habe ich ein besseres Verhältnis, wir telefonieren oft und sehen uns regelmäßig. Sie sieht viele Dinge heute auch anders und hat schon mal zugegeben, dass einiges nicht so ideal lief, möchte aber auch nicht so gerne darüber sprechen.

joleni
08.02.2008, 20:31
Hallo, bin Jhg. 1963 und beim lesen der Beitraege hier sind einige Erinnerungen hochgekommen.
Fuer damalige Verhaeltnisse komme ich wohl aus einem liberalen Elternhaus. Es gab keine Schlaege (fuer die einzige Ohrfeige, die ich in meinem Leben gekriegt habe, hat mein Vater sich hinterher entschuldigt).

Ansonsten lief's klassisch: Mama Haushalt und nichts zu sagen, Papa streng und zu allem vorsichtshalber erstmal nein sagen.
Sein Lieblingsspruch war: Quod licet jovi non licet bovi .

Freunde durften nur selten nach Hause gebracht werden, bei Freundin uebernachten zu duerfen, hing immer von den Zensuren oder vom aufgeraeumten Zimmer oder vom Wohlverhalten ab.

Gerechterweise muss ich sagen, dass, was immer mein 2 Jahre aelterer Bruder sich erkaempfen konnte, mir spaeter nicht verwehrt wurde. Er organisierte seine ersten Feten - ich zog nach, er erkaempfte sich ein Moped - ich war 1 Jahr spaeter das erste Maedchen am Gymnasium mit Moped :Sonne: .

Ich erinnere mich, dass ich trotzdem immer das Gefuehl hatte, mir meine Freiheit erkaempfen zu muessen, dass ich mich in der Pubertaet wie im Gefaengnis fuehlte.
Anerkennung gab es nur gegen Leistung, was mich zum Leistungsverweigerer machte.(Wie ich mein Abitur geschafft habe, ist mir noch heute ein Raetsel).

Dann faellt mir zu den '60ern ein:
- Limonade gabs nicht zu Hause - Wasser loescht auch den Durst
- Nutella - nur heimlich bei Oma (aber nicht Papa sagen!)
- "Teilt Euch eins" (..Eis, Schoko, Wuerstchen....), nicht weil das Geld knapp war, sondern um teilen zu lernen
- diese Jacke/Schuhe/Strumpfhose ist warm/praktisch/weiss gar nicht was Du hast, und wird deshalb angezogen.

An manchen Sachen hatte ich in meinen 20ern zu knabbern, vor allem am Mutter/Tocherverhaeltnis, das viel subtile Problematik enthielt, wogegen ich bei meinem Vater ein klareres Bild hatte.

Ich liebe beide. Als Gespraechspartner schaetze ich meinen Vater heute sehr, was ich mir vor 30 Jahren nie haette traeumen lassen.
Und Mama ist bis heute zustaendig fuers betuetteln, liebhaben, sich aufopfern.

joleni

Woodstock62
08.02.2008, 21:11
....jaaaaa, das mit dem Teilen kenn ich :zwinker:

und wir durften/sollten immer alle Freundinnen/Freunde mit nach Hause bringen. Was zur Folge hatte, dass ich immer den halben Kindergarten/Grundschule bei uns im Garten hatte (der recht klein war). Mein Bruder war mehr der Typ Einzelgänger/Schulclown, der hochbegabt war (was leider damals niemand erkannte, er wäre fast auf einer Sonderschule gelandet).

Später in meiner Teenie-Zeit, als es auf die ersten Rock-/Popkonzerte ging, durften immer alle bei uns übernachten. Wir wohnten recht zentral und meine Mutter wollte niemanden von uns *Kindern* am Bahnhof sitzen sehen, die halbe Nacht. Sie hat dann halt morgens die Schuhpaare nachgezählt und für alle Frühstück gemacht. Ich musste zur Schule, die anderen zum Bahnhof, da gab es nix und wenn ich nicht richtig geradeaus gucken konnte... wer feiern kann, kann auch zur Schule :smirksmile: Und wir hatten oft und viele Übernachtungsgäste...

Woodstock

Imbritt
09.02.2008, 15:28
Hallo, ich bin Jahrgang 62, und es kommt mir hier vieles bekannt vor, was hier schon geschrieben wurde. Am meisten hat mich der gestrickte Hosenanzug amüsiert. Den hatte ich auch. Wenn man dann ein paar Zentimeter gewachsen ist, wurde dann ein Stück "drangestrickt". Da aber oft die selbe Wolle nicht mehr vorhanden war, wurde z.b.ein anderes Blau genommen. Ich hatte lustige Streifen um die Füße hängen:freches grinsen: . Bei Regenwetter wurden die Hosenbeine immer länger. Bei Stoffhosen, die nicht mehr paßten, nähte meine Mutter Keile ein.
Meine Eltern haben uns nicht viel mitreden lassen. Was die beiden beschlossen hatten, wurde gemacht. Uns wäre auch nicht eingefallen darüber zu diskutieren. Die Kinnlade hing zwar ganz schön runter, aber es gab keine Diskussion.
Das Problem war später dann nur das ich das diskutieren über Familienentscheidungen erst durch und mit meinen Kindern gelernt habe. In der Erziehung meiner Kinder habe ich alles anders gemacht, als ich es erlebt habe.
Ja es gab Schläge, in Grund und Boden brüllen und einen richtig "Klein" machen. Ich habe noch 2 ältere Geschwister, die gewollt waren. Ich nicht und das wurde mir bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit und wird mir bis heute gesagt. Ich habe lange gebraucht um das alles auf die Reihe zu kriegen. Aber das ist ein anderes Thema.
Imbritt

Romantikerin
09.02.2008, 21:17
Vieles, was ich hier lese, kommt mir bekannt vor - ich bin Jahrgang 1964.
Mit Schlägen und großartigen Verboten hat niemand versucht, mich zu erziehen - wahrscheinlich, weil ich (ZU??) brav und pflegeleicht war ...
Ich lebte, wie wohl die meisten hier, in der zeittypischen Familienkonstellation: hier die überfürsorgliche, überbehütende Mutter, die näht, strickt, häkelt, kocht und auch noch die gesamte Gartenarbeit und Innenverschönerung am Hals hat und da der geldverdienende Vater, der seine Freizeit lieber außer Haus verbringt als mit seiner Familie.
Heute neigt meine Mutter dazu, sich diese Zeit schön zu reden (mein Vater ist bereits verstorben), aber wir beide wissen, daß sie so schön nicht war. Ich habe bereits mit 14 oder 15 Jahren den festen Vorsatz gefaßt, nicht so zu enden wie meine Mutter - ohne Berufsausbildung und abhängig von den Launen eines schwierigen Ehemannes und einer noch schwierigeren Schwiegermutter. Und dafür hat sich auch meine Mutter stark gemacht - ich war, wie so viele in diesen Jahren, die erste in meiner Familie, die Abitur machen und studieren durfte.
Niemand hat mir dabei Steine in den Weg gelegt, auch mein Vater nicht. Aber von ihm habe ich nie das bekommen, was ich gebraucht hätte und was ich mir sehnlich wünschte: Interesse an meinem Leben, an den Dingen, die mir wichtig waren. Verläßliche Zuwendung und Liebe. Offen ausgesprochenes Lob.
Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Und wie geht ihr damit um?

coolibri88
09.02.2008, 22:02
Hallo,

ich bin Jahrgang66 und vieles kommt mir bekannt vor. Ich habe meine Kindheit als grausam empfunden. Meine Mutter wünschte sich sehnlichst ein Sohn und als ich kam, als ihr 3. Kind und 1. Kind für meinen Vater, war die Enttäuschung groß. Etwas über 2 Jahre später kam mein Bruder zur Welt. Ab da war ich Geschichte und ich! wurde sehr streng erzogen und kurz gehalten. Später war es dann einfach egal was ich machte oder ob ich da war. Das hat sich auch später nie geändert. Es zählte immer nur der Sohn. Meine älteren Schwestern aus erster Ehe meiner Mutter lebten nicht bei uns. Die hat meine Mutter vergessen und anfangs ins Heim gegeben. Zum Glück holte ihr leiblicher Vater sie dort wieder raus. Es hat nie wieder einen richtigen Kontakt gegeben. Die Töchter waren ihr einfach egal.

Meine Eltern, besonders meine Mutter haben vieles in mir kaputt gemacht (ober nur Kurzfassung). Kann es nicht mehr ändern und lebe mitterlweile gut damit, aber es war ein langer und mühseliger Weg.
Um mich von meiner Mutter zu befreien habe ich sehr früh geheiratet und war genauso zügig wieder geschieden und alleinerziehend.
Ich kann sicherlich vergessen, aber verzeihen werde ich NIE. Mittlerweile ist sie ein paar Jahre tot. Seitdem geht es mir besser.
Mein Vater hat sich aus allem herausgehalten. Hätte eh nur wieder Stress mit seiner Frau gegeben, die später noch eifersüchtig auf unsere Beziehung wurde. Ich kann meinen Vater zwar verstehe, aber ich hätte oft Unterstützung und Stellungnahme erwartet.

Mein Sohn habe ich dann alleine und anders erzogen. Klare Grenzen, auch streng war ich, aber es hat nie Schläge gegeben, aber dazwischen mit eigenen Entscheidungsspielraum und die Möglichkeit die Selbstständigkeit zu erlernen. Ich habe mir Wolldecken an die Lippe diskutiert. Ich habe mein Bestes gegeben. Heute ist er 21 J., wohnt in seiner eigenen Wohnung ganz in meiner Nähe, hat einen guten Job und wir haben ein gutes Verhältnis. Das hatte sich in der Pubertät aufs übelste geändert. Wir haben aber nie das Gespräch verloren. Ich glaube, dass hat unsere Beziehung gerettet. Ich bin stolz auf ihn und froh, dass unser Verhältnis heute wieder so entspannt ist. Auch wenn ich vieles nicht richtig gemacht habe.

Inaktiver User
10.02.2008, 12:22
ich bin Jahrgang 61. das älteste von drei Kindern und sogar ein Wunschkind. So richtig gemerkt habe ich das nicht.
Mein Vater hat immer gearbeitet, nach Feierabend weiter in der Nebenerwerbslandwirtschaft, meine Mutter hat auch einen Beruf erlernt und auch die meiste Zeit gearbeitet, sodass ich schon früh feste Aufgaben im Haushalt hatte.
Wie viele andere schon geschrieben haben, gab es bei uns natürlich auch Schläge, bis ich ca. 10 Jahre alt war, verbale verletzungen gab es bis vor Kurzem, die ich aber oft als schlimmer als Schläge empfunden habe..
Ansonsten habe ich mich oft überflüssig gefühlt, man war als Kind einfach unwichtig, hatte ruhig zu sein, wenn die Erwachsenen sich unterhalten. Natürlich durfte ich auch keine anderen Kinder mitbringen, egal mit wem ich gespielt habe, meine eltern fanden immer was andem anderen Kind auszusetzen,
Ein Erziehungsgrundsatz war, dass ich lernen muss, mich unterzuordnen und zurückzustecken, weil ich ja eh mal heirate und dann müsste ich das jeden Tag....
Das sah dann unter anderem so aus, dass ich mit Allem recht kurz gehalten worden bin, modische Klamotten gabs nicht, meine fettigen Haare durften auch nur einmal in der Woche gewaschen werden, das war so schlimm, dass ich sie heimlich mit kaltem Wasser wusch, damals habe ich das ausgehalten.
Dass ich eh mal heirate, kam sowieso recht oft.
So im Kindergartenalter gab es noch ganz nette Erinnerungen, je älter ich wurde, desto weniger konnten sie mit mir anfangen.
Mit meinem Vater habe ich mich selten unterhalten, er hat immer gearbeitet, oder musste seine Tiere füttern oder Sport machen oder Fußball gucken.....ich war einfach nicht wichtig genug.

Inaktiver User
10.02.2008, 15:17
.

Inaktiver User
10.02.2008, 17:49
Das klingt ja alles nach den Erziehungsmethoden der 50-ger Jahre, doch es zieht sich noch eine Weile mit der alten autoritären Methode hin, bis wir in der 68-ger Bewegung die total entgegengesetzte Methode erkämpften, verweigerten und mit Plakaten auf Demos mit wärmenden Süppchen für unsere Freiheit und Rechte einstanden.
Heute haben wir die freie Wahl, unseren Kindern mit reichem Angebot von Erfahrungen in der Pädagogik eine gute Begleitung zu bieten. Wir erziehen sie nicht mehr im herkömmlichen Sinne, wir begleiten, beschützen und bieten ihnen die Möglichkeit, sich individuell zu entfalten, ihren Weg zu gehen.
Doch wie wir sehen, liegt immer wieder in der Dosierung das Gift oder die Wirkung.
Die Umgangsformen der Kids mit den Eltern hat sich drastisch gewendet und auch die klare Orientierung ist in der Zeit von auflösenden Familien oft schwierig, weil Kinder im Wirrwarr der Patchworkfamilien mit Ex und Next, Stiefpartnern und mehr als den biologisch möglichen Großeltern doch oft hin- und hergerissen sind.

Es ist nichts so beständig wie die Veränderung und so auch unser gesellschaftliches System, das im großen Umbruch ist. Keine Frage, dass die brutalen und oft missbräuchlichen Maßnahmen der Erziehung sicherlich keine gute Tat waren. Heute weiß man, dass Väter aus dem Krieg ihre unverarbeiteten Erlebnisse mitnahmen und diese „Kenntnisse“ sogar brutal an den eigenen Kindern einsetzten. Gut, dass es gesetzlich Schutz gibt vor diesen Misshandlungen hinter verschlossenen Türen.

Es sind heute auf eine andere Weise auch überforderte Eltern, die zu denkwürdigen und furchtbaren Maßnahmen greifen. Ob aus Verzweiflung oder anderen Gründen, jedoch scheint eine gewisse Brutalität immer ihren Tribut zu fordern. Hoffen wir, dass die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse bald wieder ein Stück Entspannung auch in den hintersten Winkel unserer Familien bringen können. Wenn jeder mitmacht – auch ohne Demoplakat, sondern mit Hingucken und Handeln, ist auch schon viel gewonnen.
Trotz allem glaube ich ,dass jeder ein Stück schöne Kindheit mit sich nehmen kann, in guten und in schlechten Zeiten...:liebe:

emma-woodhouse
10.02.2008, 18:16
Vielen Dank für Eure vielen Antworten. Ich hätte nicht gedacht, so viel Rückmeldung zu erhalten und bin erstaunt, dass es in vielen Familien noch viel strenger als bei mir zuhause verlief.

Ja, besonders schade finde ich im Nachhinein, und das zieht sich durch etliche Postings hindurch, dass man als Kind der frühen 60er einfach nicht wirklich ernst genommen oder gar in Entscheidungen mit eingebunden wurde. Eltern haben entschieden - Kinder hatten zu "parieren". Ich habe die Welt der Erwachsenen oft nicht verstanden, fühlte mich darin klein und nutzlos und habe oft auch nicht verstanden, warum es plötzlich Schläge aufs Hinterteil setzte.

Wie bereits gesagt, als ich älter wurde, waren meine Eltern sogar ganz klasse, z.B. gab es NIE Theater wegen Schulnoten, ich musste nie zu einem bestimmten Zeitpunkt zuhause sein, da haben mir meine Eltern immer vertraut, und es war ihnen lieber, ich trat mit meinen Freundinnen den Heimweg an oder wurde nach Hause gebracht. Sie haben mich auch viel chauffiert.

Aber die Erinnerungen der ersten Jahre sind oft so stark vorhanden und ich wünschte, ich könnte aus dieser Zeit glücklicher und positiver berichten.

dieterS
10.02.2008, 18:23
Warum ist diese Zeit so wichtig für dich?

LEBEN ist immer nur JETZT. :blumengabe:

emma-woodhouse
10.02.2008, 18:38
Stimmt, Dieter, so lebe ich auch generell, und ich denke, ich habe mich trotz der miefigen 60er zu einem überwiegend selbstbewussten, fröhlichen Menschen entwickelt. Nur manchmal denke ich, hätte ich einen anderen Start ins Erwachsenenleben gehabt, wenn meine Eltern mich in dem einen oder anderen Punkt meiner Persönlichkeit mehr bestärkt oder verstanden hätten.

Und dann ist da diese Fassungslosigkeit, dass Eltern sich wirklich aus heutiger Sicht so bescheuert und unbarmherzig verhalten haben. Komisch, heute sind sie ganz anders drauf, und vor allem sind sie die goldigsten Großeltern, die man sich denken kann. Und reflektiert wird plötzlich, was denn dies oder jenes mit ihren Enkeln macht.....

diary
10.02.2008, 19:15
Nun, meine Eltern sind in den 30ern erzogen worden und haben ihre Jugend und Pubertät im Krieg erlebt. So wie wohl viele unserer Eltern. Und sie haben alles ausbaden müssen, was die Erwachsenengeneration ihnen als übles Erbe hinterlassen hatte. Da war halt keine große Zeit für die Entwicklung von Erziehungsstrategien. Ich habe insofern viel Verständnis für die pädagogischen Fehler. Wir haben da für unsere Erziehungsfehler viel weniger gute Gründe, oder?

Wäre auch gespannt, was unsere Kinder so schreiben würden. Vermutliche lesen wir es ja tatsächlich mal hier. Meine könnten schon anfangen zu schreiben...

Sonnenblume42
10.02.2008, 21:31
Hallo,

ich bin Jahrgang 63 und hatte eine im meinen Augen schlimme KIndheit. Meine Mutter war für damalige Verhältnisse sehr alt (34), mein Vater 40.

Ich wurde viel geschlagen, musste immer "hören".
Mir wurde mit einem Heim für schwererziehbare Kinder gedroht. Dabei war ich ziemlich harmlos. Habe nie geraucht, war gut in der Schule, hatte meinen ersten Freund erst mit 18. Habe keinen Alkohol getrunken, nie die Schule geschwänzt usw.

Die Sprüche meiner Eltern von damals:

- Ein braves Kind, gehorcht geschwind.
- Wenn Erwachsene reden, haben Kinder den Mund zu halten
- Kinder, die was wollen, kriegen was auf die Bollen (Oberschenkel)
- Es wird gegessen was auf den Tisch kommt
- Halt die Klappe
- Solange du die Füße unter unseren Tisch streckst, haben wir zu bestimmen

ich könnte die Liste noch lange fortführen.

Jetzt habe ich 2 Söhne, knapp 10 und 6 und machen bewusst diese Dinge anders.

Noch nie haben meine Kinder oben genannte Worte gehört!!
Wenn meine Kinder mit mir reden, hat auch kein Erwachsener dazwischen zu reden, meine Kinder dürfen ausreden.

Leider gibt es aber immer noch die Oma (meine Mutter) mit oben genannte Erziehungsmethoden. Unser Verhältnis ist immer noch sehr gespannt, da sie versucht, oben genannte Methoden an meinem Kindern anzuwenden, was ich mit Entschiedenheit ablehne.

Grüße
Sonnenblume

Inaktiver User
11.02.2008, 08:18
hallo Sonnenblume,

die Androhung "Heim für Schwererziehbare" kenne ich auch nur zu gut und ein bekannter von mir kennt das auch.
Das scheint auch so eine typische 6oer Jahre-Sache zu sein.

joleni
11.02.2008, 10:44
In meinem Fall war es der Vorschlag meines Vaters, mit mir zu einem Psychologen zu gehen ( da ich so aufsaessig war).
Kam immer mal wieder.

Chaoshexe
11.02.2008, 11:17
Interessantes Thema

Habe jetzt einige Eurer Erfahrungen gelesen und bin ein bissel mit meinen versöhnt:blumengabe:

Bin ja eigentlich schon 50plus, aber eben auch in den 60ern und 70ern erzogen worden.
Von Eltern die mich auch relativ spät bekommen haben(meine Mutter war "schon" 27 Jahre damals und das war spät in den 50er Jahren für das erste Kind).
NEin, ich war trotz ehelicher Geburt KEIN Wunschkind:knatsch: und warum und wieso wurde mir auch ganz genau erklärt irgendwann, schön war es nicht für mich dies zu wissen.
Wurde auch relativ streng erzogen, in kath. von Nonnen geleitete Privatschule "gesteckt" weils da nicht so viele "wilde" Kinder gibt und dort noch anständig für Zucht und Ordnung gesorgt wurde.
Durfte bis weit in den Sommer hinein nur mit Strumpfhosen die ich hasste aus dem Haus,
durfte nur relativ selten ins Schwimmbad, ist ja nicht ungefährlich dort:ooooh:
musste jedes Jahr mit meinen Eltern in die Berge in Urlaub fahren (ich habe es gehasst), naja irgendwann Anfang der 70 er Jahre war dann Meer und Süden angesagt.
Durfte NIE bei anderen Kids übernachten weil "sowas macht man nicht",
Musste immer genau sagen wo ich bin, und mit wem und den/die mussten meine Eltern gut kennen und vor allem auch MÖGEN, wenn ich Kontakt zu Kindern hatte die sie vom Elternhaus her nicht mochten gab es Riesentheater.
Geschlagen wurde ich als Kind nur zweimal, ich warf ein angebissenes Süsses Teilchen aus dem Kinderwagen, meine Mutter schlug mich weil sie es als Verschwendung ansah, ich war 3 Jahre alt.
Beim zweiten Mal war es mein Vater der mich schlug weil ich mich als 15 Jährige mit einem Jungen treffen wollte den er verachtete (war erstens kein Deutscher, und zweitens nur Automechanikerlehrling).
Ich habe mich dann heimlich mit ihm getroffen und dies ein Jahr lang.:smirksmile:
Kleidung durfte ich dann als Teenie tragen was ich wollte, bekam dafür aber Riesenärger in meiner Schule, dort waren Jeans an Mädchen nicht gerne gesehen und Miniröcke genauso ungern.
Ich trug Jeans, Miniröcke (meine Mutter aber auch) und Spaghettiträgertops im Sommer.
Wurde das eine oder andere Mal von der Direktorin wieder nach Hause geschickt um mich "anständig" anzuziehn.:peinlich: nur weil meine Schultern bei 30 Grad sichtbar waren.
Meine Eltern haben aber trotzdem nie bereut mich dort "untergebracht" zu haben, denn dort wurde noch "Religösität" gelebt ihrer Meinung nach.
Teilweise waren unsere Lehrer richtig übel.
Der Mathelehrer hat auch mal ein Lineal genommen und mir über die Finger gehauen,
die Pädagogen von damals hatten NULL Einfühlungsvermögen (oder die meisten zumindest), wir wurden "gedrillt" aber nicht geführt.
Eigentlich kann ich meinen Eltern nicht böse sein, sie wollten mein Bestes, aber sie wussten es nicht besser.
Und noch etwas das meine Tochter nicht kennt:
Musste abends immer mit Einbruch der Dunkelheit zuhause sein, es sei denn ich war auf Party bei Menschen die meine Eltern mochten und GUT kannten.
Meine Tochter ist nun 15 Jahre alt zur Zeit.
Ich bin 50.
Ich selbst mache diese Fehler nicht, ich mache dafür andere:zwinker:
Sie darf so vieles was ich nie durfte und ich weiss nicht ob sie es zu schätzen weiss.

Chaoshexe

scherzchen
11.02.2008, 17:25
Hallo,

ich bin Jahrgang 62 und habe dazu auch so einiges beizutragen.

Meine Eltern waren vor allem damit beschäftigt, sich etwas aufzubauen (im wörtlichen Sinn, ein Haus nämlich), und da hatten sie für mich keine Zeit. Meine Mutter hat mir erst vor wenigen Tagen noch erzählt, dass ich als Kleinkind viele Stunden allein in meinem Kinderbett verbringen musste, während sie auf der Baustelle war. Auch als Säugling wurde ich mit dem Lebensnotwendigen (Essen, Trinken, Windel - alles andere ist Luxus) versorgt und fix wieder weggelegt. Das hat mir meine Tante erzählt.

Heute bin ich in Psychotherapie und versuche zu überwinden, was damals kaputt gegangen ist: nämlich dass meine Bedürfnisse nicht zählen, dass ich nur funktionieren muss und brav zu sein habe. Auch ein autoritärer Lehrer haute in dieselbe Kerbe: ich war körperlich schlecht koordiniert und traute mich nicht, an der Turnstange einen Aufschwung zu machen. Also packte er mich und drehte mich um die Stange. Ich voller Panik traute mich nie wieder auf irgendwelche Turngeräte, wenn ich dafür den sicheren Boden verlassen musste.

Schläge gab's zu Hause auch, wegen totaler Nichtigkeiten. Und Liebesentzug: "du bist böse, geh weg, ich will dich nicht sehen".

Trotz guter Schulleistungen wurde mir ständig aufgezeigt, dass aus mir nichts werden kann. Wenn ich Einser schrieb, war das nur normal.

Mit 14,15 Jahren bekam ich 5 Mark Taschengeld in der Woche, davon musste ich 10 Mark pro Monat sparen und 5 Mark im Monat für meine Klassenfahrt einzahlen. Nach der Rückkehr von der Klassenreise musste ich das nicht ausgegebene Geld zurückzahlen.

Ich war ein extrem ängstliches, überangepasstes Kind und habe mich erst freigeschwommen, als ich ausgezogen war (mit 23 Jahren).

Natürlich stehe ich heute über manchem, aber eben nicht über allem. Ich sehe, was sie angerichtet haben und wie anders mein Leben hätte verlaufen können, wenn ich Anerkennung und Ermutigung erfahren hätte.

Und das kann ich nicht verzeihen.

Ich versuche, meine Tochter bewusst anders zu erziehen. Dennoch passiert mir das, was weiter oben schon jemand schrieb: in Konflikten knicke ich ein, weil mir Liebesentzug droht. Und somit erkenne ich an meiner Tochter ähnlich tyrannische unreflektierte Verhaltensweisen wie bei meiner Mutter, auf die ich entsprechend allergisch reagiere...

Ist Erziehen und Erzogenwerden etwa ein immerwährender sich wiederholender Kreislauf???

joleni
11.02.2008, 23:13
Hallo Scherzchen,
Dein Beitrag hat mich sehr getroffen, und ich hatte grosses Mitleid mit dem Kind, das Du warst.

Ist Erziehen und Erzogenwerden etwa ein immerwährender sich wiederholender Kreislauf???

Ja, das glaube ich. Wir werden wohl fuer immer auf irgendeine Art und Weise von unserer eigenen Erziehung beeinflusst sein.

Ich selbst hatte mir als Teenager geschworen, bestimmte Dinge ganz anders zu machen als meine Eltern (wie soviele von uns).

Heute erschrecke ich mich manchmal, wenn ich mit meinen Toechtern spreche, denn ich hoere die Worte meines Vaters aus meinem Mund kommen.

Das versuche ich dann auszugleichen durch das erlauben von Dingen, bei denen ich kurzgehalten wurde und merke, dass ich es dann oft uebertreibe.

Darf ich fragen, ob Du jemals mit Deinen Eltern ueber die von Dir geschilderten Dinge sprechen konntest? Hattest Du je das Gefuehl, dass sie spaeter nachempfinden konnten, was sie Dir angetan haben?

Liebe Gruesse, joleni

scherzchen
12.02.2008, 16:09
Liebe joleni,

mit meinen Eltern darüber zu sprechen ist schwierig - ich denke, sie haben schon ein schlechtes Gewissen. Man merkt es daran, dass sie das Thema möglichst vermeiden.

Kommt man doch mal in die Richtung - wie neulich, als mir meine Mutter das mit dem Stundenlang-Alleinelassen erzählte, habe ich den Eindruck, sie wollen sich rechtfertigen. Jedoch immer über die Schiene "ich bin das eigentliche Opfer - ich hab mich zerrieben zwischen den Anforderungen" - kein Wort von "für deine Bedürfnisse hatte ich keine Antenne und keinen Nerv". Ähnliche Verhaltensweisen habe ich bei ihr beobachtet, als ich versuchte, mit ihr eine krisenhafte Situation meines Lebens, in der sie mich im Stich gelassen hatte, im Gespräch zu klären.

Es läuft immer wieder darauf hinaus, dass sie erwartet, von mir bedauert zu werden, aber für meinen Kummer kein Gespür hat.

Fazit: ich erzähle ihr von dem, was mich wirklich bewegt, nichts mehr.

Mein Vater hat eine ganz andere Tendenz: er landet dann in der Ecke "ich bin eh immer der Buhmann", dann muss man ihm widersprechen und am Ende höre ich "es hat dir ja nicht geschadet".

Ich hab's aufgegeben und bespreche diese Dinge mit meiner Therapeutin, auch um aus dem "Brave-Tochter-Überangepasstsein-Verhalten" herauszufinden.

scherzchen

Birgitpepper
12.02.2008, 16:59
Interessantes Thema

Habe jetzt einige Eurer Erfahrungen gelesen und bin ein bissel mit meinen versöhnt:blumengabe:

Bin ja eigentlich schon 50plus, aber eben auch in den 60ern und 70ern erzogen worden.
Von Eltern die mich auch relativ spät bekommen haben(meine Mutter war "schon" 27 Jahre damals und das war spät in den 50er Jahren für das erste Kind).
NEin, ich war trotz ehelicher Geburt KEIN Wunschkind:knatsch: und warum und wieso wurde mir auch ganz genau erklärt irgendwann, schön war es nicht für mich dies zu wissen.
Wurde auch relativ streng erzogen, in kath. von Nonnen geleitete Privatschule "gesteckt" weils da nicht so viele "wilde" Kinder gibt und dort noch anständig für Zucht und Ordnung gesorgt wurde.
Durfte bis weit in den Sommer hinein nur mit Strumpfhosen die ich hasste aus dem Haus,
durfte nur relativ selten ins Schwimmbad, ist ja nicht ungefährlich dort:ooooh:
musste jedes Jahr mit meinen Eltern in die Berge in Urlaub fahren (ich habe es gehasst), naja irgendwann Anfang der 70 er Jahre war dann Meer und Süden angesagt.
Durfte NIE bei anderen Kids übernachten weil "sowas macht man nicht",
Musste immer genau sagen wo ich bin, und mit wem und den/die mussten meine Eltern gut kennen und vor allem auch MÖGEN, wenn ich Kontakt zu Kindern hatte die sie vom Elternhaus her nicht mochten gab es Riesentheater.
Geschlagen wurde ich als Kind nur zweimal, ich warf ein angebissenes Süsses Teilchen aus dem Kinderwagen, meine Mutter schlug mich weil sie es als Verschwendung ansah, ich war 3 Jahre alt.
Beim zweiten Mal war es mein Vater der mich schlug weil ich mich als 15 Jährige mit einem Jungen treffen wollte den er verachtete (war erstens kein Deutscher, und zweitens nur Automechanikerlehrling).
Ich habe mich dann heimlich mit ihm getroffen und dies ein Jahr lang.:smirksmile:
Kleidung durfte ich dann als Teenie tragen was ich wollte, bekam dafür aber Riesenärger in meiner Schule, dort waren Jeans an Mädchen nicht gerne gesehen und Miniröcke genauso ungern.
Ich trug Jeans, Miniröcke (meine Mutter aber auch) und Spaghettiträgertops im Sommer.
Wurde das eine oder andere Mal von der Direktorin wieder nach Hause geschickt um mich "anständig" anzuziehn.:peinlich: nur weil meine Schultern bei 30 Grad sichtbar waren.
Meine Eltern haben aber trotzdem nie bereut mich dort "untergebracht" zu haben, denn dort wurde noch "Religösität" gelebt ihrer Meinung nach.
Teilweise waren unsere Lehrer richtig übel.
Der Mathelehrer hat auch mal ein Lineal genommen und mir über die Finger gehauen,
die Pädagogen von damals hatten NULL Einfühlungsvermögen (oder die meisten zumindest), wir wurden "gedrillt" aber nicht geführt.
Eigentlich kann ich meinen Eltern nicht böse sein, sie wollten mein Bestes, aber sie wussten es nicht besser.
Und noch etwas das meine Tochter nicht kennt:
Musste abends immer mit Einbruch der Dunkelheit zuhause sein, es sei denn ich war auf Party bei Menschen die meine Eltern mochten und GUT kannten.
Meine Tochter ist nun 15 Jahre alt zur Zeit.
Ich bin 50.
Ich selbst mache diese Fehler nicht, ich mache dafür andere:zwinker:
Sie darf so vieles was ich nie durfte und ich weiss nicht ob sie es zu schätzen weiss.

Chaoshexe

Hi Chaoshexe,
unsere Kindheit / Jugend verlief ja ziemlich ähnlich. Die "Klosterschule" war eher mein Zuhause, aber streng war eigentlich nur die Kleider-regelung, da hatten meine Mutter und mein Oma klare Vorstellungen was ichg anzuziehen hatte, und so konnte ich bis weit in die 20er keinen eigenen Stil entwickeln. was bei dir die Strumpfhose war, war bei mir das Unterhemd, das ich quasi ganzjährig anziehen musste - Mutter legte mir die Kleidung immer am Abend vorher heraus , das U-hemd war entsprechend immer dabei. Liebend gern hätte ich mal was bauchfreies getragen, kein Gedanke! Und bei schönem Wetter gab es quasi eine Röcke-Pflicht. Jeans hätte ich viel cooler gefunden. Einmal habe ich einen kleinen Pulli mit der Schere gekürzt auf nabelfreie Länge, den musste ich immer verstecken, meine Mutter hat ihn dann natürlich doch entdeckt aber zum Glück hat sie meine Schnitt-Spuren nicht bemerkt sondern sich nur gewundert dass der Pulli so klein geworden war...Tja, kurzum: alles musste meine Mutter bestimmen, festlegen, sie ließ mir kaum Luft zu atmen und freie Entscheidungen konnten kaum je getroffen werden. Aber heute sehe ich das mit der nötigen Distanz und so ist meine Ma immer für einen kleine Witz gut. zB: Nein, wir wollen keinen Kaffee trinken, wir sind noch satt! (Kaffee und Kuchen/Kekse gehören unbedingt zusammen, Kaffee solo trinkt "man" doch nicht...)

Inaktiver User
13.02.2008, 05:48
Hallo,

ich bin Jahrgang 62 und habe dazu auch so einiges beizutragen.

Ist Erziehen und Erzogenwerden etwa ein immerwährender sich wiederholender Kreislauf???
..ja, das ist es und die Erde dreht sich immer weiter ....

Imbritt
13.02.2008, 20:56
Ich war/bin dieses ungewollte Kind. Mir wurde ständig gesagt, das kannst du nicht... , dafür bist du zu blöd .... Ich wollte studieren. Meine Eltern haben mir erklärt, das ich dann in der "Klapse" lande, da ich es ja sowieso nicht packe etc.

Meine Mutter hat mir gesagt, das sie wegen mir noch mal 3 Jahre Windeln waschen mußte und keine Karriere machen konnte. Das Schlimmste glaube ich aber war, dass ich kein Junge geworden bin. Das wäre noch das kleinere Übel gewesen. Wenn es 1962 Abtreibung gegeben hätte, wäre ich definitiv nicht geboren worden. Wie gesagt, dass wird mir heute noch erzählt. Und beide denken das ist LUSTIG.

Das hat sich dann auch auf meine Kinder übertragen. Mein Großer hatte die Empfehlung für das Gymnasium "ach was müssen die anderen Kinder dumm sein, das gerade er das bekommt". Da gibt es soviele Begebenheiten, (ich hätte mir das alles aufschreiben müssen). Aber ich glaube man hat viel verdrängt, um das alles irgendwo zu "überlegen". Mein Sohn hat nun sein Diplom in der Tasche, da kam der Spruch "das hätten wir dir niemls zugetraut, das du es soweit schaffst". Hätten die beiden Oldies mir das gesagt, wüßte ich das einzuordnen. Mein Sohn hat das nicht verstanden. Wie auch?

Als ich damals 18 wurde, habe ich mir vorgenommen, meinen Eltern mal "richtig" die Meinung zu sagen. Heute bin ich 45 und habe es immer noch nicht gemacht. Ich war immer zu feige und heute mit über 80 würden sie es nicht mehr verstehen.

Sie glauben, dass sie gute Eltern waren und ich weiß nicht, ob ich dieses Bild zerstören soll. LG Imbritt

Salsera65
13.02.2008, 21:36
Ich bin Jahrgang 65 und meine (damals sehr jungen) Eltern waren ab 1968 angeblich antiautoritär, was aber nur bedeutete, dass ich vollgequatscht wurde mit Pseudoargumenten, warum irgendwas sein musste. Leider war meine Erziehung geprägt von sexuellem Missbrauch im Zuge der sogenannten sexuellen Befreiung. Meine Eltern waren so locker, dass sie irgendwann sogar nackig den Weihnachtsbaum geschmückt haben - also im Grunde grauslig verklemmt.
Keine guten Erinnerungen.

Ach ja, ungewollt war ich auch. Meinetwegen mussten sie heiraten und waren jahrelang unglücklich.

blaueshaus
13.02.2008, 21:43
Das ist ja schrecklich, Salsera :in den arm nehmen: !
Hoffentlich konntest du deinen eigenen Weg finden.
Viele Grüße blaueshaus

Salsera65
13.02.2008, 21:46
Das ist ja schrecklich, Salsera :in den arm nehmen: !
Hoffentlich konntest du deinen eigenen Weg finden.
Viele Grüße blaueshaus
Danke, ja das konnte ich!
Hat mich allerdings viel Zeit und Arbeit gekostet. Jede hat eben so ihre Hypothek. Gut, dass die Zeit vorbei ist.
:blumengabe:

Muschelhaus
13.02.2008, 22:11
Hallo,
ich habe diesen Strang mit großem Interesse gelesen und
mich in vielen Beiträgen wiedergefunden. Ich wurde 1960
geboren und wurde sehr autritär und überbehütet erzogen.
Mein Vater war viel arbeiten, Überstunden und samstags = "damit
es uns später gut geht " Meine Mutter "braucht" nicht arbeiten bzw. mein Vater wollte das nicht. Ich hatte wenig Freiheiten, mußte super-pünktlich sein, sonst gab es "Hausarest aber auch Schläge."

Lob oder Unterstützung habe ich nie bekommen. ich war eine gute Schülerin, wollte gerne studieren. wenn ich mit einer zwei nach hause kam, hieß es warum keine eins? Mein Vater entschied dann das ich nicht studieren brauche, ich sei doch ein Mädchen, warum da viel geld und Zeit in ein Studium stecken, ist doch Vergeudung.
Leider war ich zu jung, um mich dagegen zu wehren. ich hatte durch 2 Kurzschuljahre bereits mit 15 meine Mittlere Reife. Da wollte ich gerne Floristin oder Gärtnerin werden, aber das hat mein Vater auch nicht erlaubt, mit den Worten "da verdienst du nix", also habe ich "was kaufmännisches" gelernt.

Mit 18 bin ich dann ausgezogen, habe bei Null angefangen, ohne Unterstützung meiner Eltern, habe damals mehr durch Freunde und Kollegen erhalten. Habe später geheiratet und als ich wieder arbeiten gehen wollte, nur Mißachtung meiner Eltern und erst Recht bei der Trennung von meinem Mann. Das hat genauso weh getan wie damals - sie ändern sich nicht - das war mir klar. Leider ist meine Mutter vor über einem Jahr mit 67 Jahren gestorben
und ich vermisse sie, hätte gerne manches mit ihr besprochen -
diese Zeit hatten wir nicht mehr.

Muschelhaus

Inaktiver User
14.02.2008, 08:32
Bei mir hat sich im letzten Jahr etwas geändert, mein Vater ist gestorben. Und nun sucht meine Mutter meine Nähe. ich versuche mit ihr über Vergangenes zu reden, in "kleinen Dosen", aber es ist schwer.
Vieles hat sie verdrängt. Und so ein ganz klein wenig kommt mir oft der Verdacht, es geht nicht um mich, sondern sie hat nun niemanden mehr. meine Eltern waren sehr auf sich fixiert, meine Mutter hat sämtliche sozialen Kontakte vernachlässigt und hat jetzt niemanden mehr, dabei ist sie mit dem halben Dorf verwandt, und das teilweise relativ nahe.

Inaktiver User
14.02.2008, 19:45
Bei manchen eurer Beiträge gruselt es mich ganz fürchterlich!
Es ist mir so unverständlich, wie aus manch alten Filmen.

Bin Jahrgang 62, Kind von Flüchtlingen (DAS wurde mir beigebracht, wenn mir z. Bsp. "gutes Essen" in den Hals geschoben wurde).

Mutter 32 Jahre bei meiner Geburt, Papa 5 Jahre jünger.
Ich war das Prinzesschen, beneidet von allen.
Ich hatte Liebe pur - und bin froh darüber...

Bei diesen "alten" Eltern (zur damaligen Zeit) hatte ich wirklich nichts auszustehen.
Ich hatte Freiheiten, von denen meine Freunde nur träumen konnten; und ich habe es nur ganz wenig missbraucht, pflegeleicht wie ich war.
Ich hatte Eltern, die fit waren, ich glaube fast, für ihr Alter den meisten voraus.

Ich wurde ganz oft beneidet ...

Ihr Alkoholismus kam später, wahrnehmbar für mich; manchmal sage ich mir schon, dass ich sie eigentlich in dieser Zeit sehr gebraucht hätte - leider erreichte ich sie da nicht mehr.

Ich habe nichts zu verzeihen.
Sie haben mich geliebt.
Sie waren für mich da, zumindest für ihr Verständnis.
Ich war für sie da.
Und ich weiß, dass sie meine späteren Handlungen verstanden haben.

Annabelle7
14.02.2008, 20:56
Meine Kindheit war ziemlich gruslig. Grusliger, glaub ich, als die der allermeisten hier. Meine Eltern waren 35 und 38, als ich geboren wurde, mehrfach traumatisiert (Krieg, Familientragödien) und denkbar wenig geeignet, kleine Kinder liebevoll zu erziehen. Details lass ich mal weg...

Verzeihen konnte ich meinen Eltern ganz lange nicht, insbesondere das Verhältnis zu meiner Mutter war eigentlich irreparabel geschädigt. Ich war aus Verzweiflung aufsässig und frech und bekam dafür ihre ganze Härte zu spüren. Die einzige Ebene, auf der wir einander irgendwann akzeptieren konnten, war, als ich meine erste Tochter bekommen habe, die - fragt nicht! - meiner Mutter verblüffend ähnlich sieht. Als Großmutter konnte sie die Liebe und Geduld geben, die sie als Mutter - aus welchen Gründen auch immer - nicht hatte empfinden können.

Eigentlich hätte ich schon viel früher als vor 2 Jahren eine Therapie beginnen und mich mit meinen Themen auseinandersetzen sollen. Erstens wäre vieles anders und weniger schmerzhaft für mich und andere abgelaufen, und zweitens - zurück zum Strangthema - hätte sich vielleicht mein Verhältnis zu meinen Eltern/ meiner Mutter gebessert. So wie es war, ist sie vor diesem Zeitpunkt gestorben. Weil sie gegen Ende alt und hilflos geworden war, hatte sich meine Verhärtung ihr gegenüber gelegt, aber zu einer wirklichen Aussöhnung ist es nicht gekommen. Heute würde ich ihr gern sagen, dass meine Wut weg ist, weil ich verstanden habe, wie verletzt und beschädigt sie selbst war. Sie hatte nicht viel zu geben, aber das Wenige bekamen wir; sie wusste es nicht besser.

Schade, dass es für diese Erkenntnis zu spät ist.

Alinaluna
15.02.2008, 07:12
viele sehr bewegende geschichten hier!

meine kindheit war sehr gemischt, alles in allem aber doch recht positiv. meine eltern (meine mutter war 18, als ich 1958 zur welt kam, mein vater 28) haben alles für mich und meine drei nachfolgenden geschwister getan. wir standen im mittelpunkt: obwohl mein vater in den sechziger jahren nicht viel geld verdient hat (das hat sich später gebessert), waren wir alle auf einer waldorfschule, spielten ein musikinstrument... meine eltern haben auf auto, urlaub und viele andere annehmlichkeiten verzichtet, damit es uns gut geht. sie haben viel mit uns unternommen, gebastelt, vorgelesen, sich um uns gekümmert...

etwas aber hat mich doch sehr gestört: meine mutter hatte eine art, uns emotional zu erpressen, das hat mich lange sehr geprägt und ich konnte die folgen erst in einer therapie so richtig bearbeiten. das ging nach dem motto: wenn du das oder das nicht tust, liebst du mich nicht. oder umgekehrt, wenn wir etwas "angestellt" haben, empfand sie das als einen persönlichen angriff auf sich selbst. somit lebte ich von klein auf in der angst, irgendetwas falsch zu machen und traute mich nie, "nein" zu sagen zu etwas, was ich tun sollte... das fällt mir ihr gegenüber sogar heute noch schwer.

in den früheren jahren wurden wir auch ab und zu geschlagen, das hörte aber irgendwann auf. ich fragte meinen vater mal, warum. er antwortete, er habe irgendwann eingesehen, dass das falsch ist. er war es auch, der mir eine größere emotionale stütze war als meine mutter - und das ist heute noch so. weil er sich bewusst war, dass wir "eigenständige" persönlichkeiten sind und seine aufgabe nur darin besteht, dass wir uns in "freiheit" entwickeln können. er meinte, er könne nicht wissen, welche erfahrungen wir brauchen, um unseren weg zu gehen, diese seien bei jedem menschen anders. deswegen gab es auch kaum verbote und einschränkungen, als wir in die pubertät kamen, obwohl es grenzen gab, die aber sehr behutsam gezogen wurden.

Inaktiver User
16.02.2008, 06:42
viele sehr bewegende geschichten hier!

meine kindheit war sehr gemischt, alles in allem aber doch recht positiv. meine eltern (meine mutter war 18, als ich 1958 zur welt kam, mein vater 28) haben alles für mich und meine drei nachfolgenden geschwister getan. wir standen im mittelpunkt: obwohl mein vater in den sechziger jahren nicht viel geld verdient hat (das hat sich später gebessert), waren wir alle auf einer waldorfschule, spielten ein musikinstrument... meine eltern haben auf auto, urlaub und viele andere annehmlichkeiten verzichtet, damit es uns gut geht. sie haben viel mit uns unternommen, gebastelt, vorgelesen, sich um uns gekümmert...

etwas aber hat mich doch sehr gestört: meine mutter hatte eine art, uns emotional zu erpressen, das hat mich lange sehr geprägt und ich konnte die folgen erst in einer therapie so richtig bearbeiten. das ging nach dem motto: wenn du das oder das nicht tust, liebst du mich nicht. oder umgekehrt, wenn wir etwas "angestellt" haben, empfand sie das als einen persönlichen angriff auf sich selbst. somit lebte ich von klein auf in der angst, irgendetwas falsch zu machen und traute mich nie, "nein" zu sagen zu etwas, was ich tun sollte... das fällt mir ihr gegenüber sogar heute noch schwer.

in den früheren jahren wurden wir auch ab und zu geschlagen, das hörte aber irgendwann auf. ich fragte meinen vater mal, warum. er antwortete, er habe irgendwann eingesehen, dass das falsch ist. er war es auch, der mir eine größere emotionale stütze war als meine mutter - und das ist heute noch so. weil er sich bewusst war, dass wir "eigenständige" persönlichkeiten sind und seine aufgabe nur darin besteht, dass wir uns in "freiheit" entwickeln können. er meinte, er könne nicht wissen, welche erfahrungen wir brauchen, um unseren weg zu gehen, diese seien bei jedem menschen anders. deswegen gab es auch kaum verbote und einschränkungen, als wir in die pubertät kamen, obwohl es grenzen gab, die aber sehr behutsam gezogen wurden.
...ist oft in den Familiensystemen zu sehen, dass die Eltern bzw. hier die Mutter ihre eigenen Defizite und Wunschvorstellungen über die Kinder projeziert und die "zurechtbiegt", damit sie ihrer Vorstellung entsprechen. beim Vater zeigt sich auch eine unausgesprochene Resignation der Frau gegenüber, der seine Wunschvorstellung einer harmonischen Beziehung bei den Kindern gut umsetzt. In dieser Zeit haben die Menschen noch viel hingenommen und das Leben so genommen wie es kam, weil sie es auch nicht besser wussten. Doch ich glaube daran, dass auch ohne Pädagogik das Gespür für das Richtige in uns ist, wenn wir von Herzen und gerne unsere KInder begleiten:blumengabe: ...

Alinaluna
16.02.2008, 07:02
...ist oft in den Familiensystemen zu sehen, dass die Eltern bzw. hier die Mutter ihre eigenen Defizite und Wunschvorstellungen über die Kinder projeziert und die "zurechtbiegt", damit sie ihrer Vorstellung entsprechen. beim Vater zeigt sich auch eine unausgesprochene Resignation der Frau gegenüber, der seine Wunschvorstellung einer harmonischen Beziehung bei den Kindern gut umsetzt. In dieser Zeit haben die Menschen noch viel hingenommen und das Leben so genommen wie es kam, weil sie es auch nicht besser wussten. Doch ich glaube daran, dass auch ohne Pädagogik das Gespür für das Richtige in uns ist, wenn wir von Herzen und gerne unsere KInder begleiten:blumengabe: ...

genau so ist es (kennst du meine familie?:freches grinsen: )
meine mutter war und ist wahnsinnig ehrgeizig - projiziert diesen ehrgeiz aber auf ihre kinder und ihren mann. und mein vater hat tatsächlich auf eine bestimmte art resigniert. trotzdem kümmert er sich rührend um sie, weil er davon überzeugt ist, dass sie sich selbst letztendlich mehr im wege steht als anderen.

Alinaluna
16.02.2008, 07:09
meine schwester hat etwas - wie ich finde - wundervolles zu ihrer tochter gesagt, an dem tag, als die 18 jahre alt wurde:

"du bist jetzt volljährig und musst deinen eigenen weg gehen. ich habe dich erzogen so gut ich konnte - aber sicher habe ich auch fehler gemacht. du musst versuchen, diese so schnell wie möglich zu verarbeiten, damit du frei bist und nicht ein leben lang meine fehler mit dir herumtragen musst."

Imbritt
16.02.2008, 14:38
@Alinaluna

Deine Schwester ist eine kluge Frau. Vor allem den letzten Satz werde ich mir sehr gut merken. :blumengabe:
Imbritt

Inaktiver User
16.02.2008, 19:30
meine schwester hat etwas - wie ich finde - wundervolles zu ihrer tochter gesagt, an dem tag, als die 18 jahre alt wurde:

"du bist jetzt volljährig und musst deinen eigenen weg gehen. ich habe dich erzogen so gut ich konnte - aber sicher habe ich auch fehler gemacht. du musst versuchen, diese so schnell wie möglich zu verarbeiten, damit du frei bist und nicht ein leben lang meine fehler mit dir herumtragen musst."
...ist sicherlich gut gemeint und auch positiv zu beurteilen, dass ein Erwachsener zugesteht, dass er auch Fehler macht, aber die Tochter kann niemals die Fehler der eigenen Mutter verarbeiten und muss sie auch gar nicht mit sich herumtragen.

Wie soll eine Tochter die Mutter bewerten und beurteilen? Denn das müßte sie ja tun, um differenziert erkennen zu können, was fehlerhaft war. Eltern können alles für ihre Kinder tun, was zum jeweiligen Zeitpunkt in ihren Möglichkeiten besteht, mehr nicht...:smirksmile:

Alinaluna
16.02.2008, 20:11
...ist sicherlich gut gemeint und auch positiv zu beurteilen, dass ein Erwachsener zugesteht, dass er auch Fehler macht, aber die Tochter kann niemals die Fehler der eigenen Mutter verarbeiten und muss sie auch gar nicht mit sich herumtragen.

Wie soll eine Tochter die Mutter bewerten und beurteilen? Denn das müßte sie ja tun, um differenziert erkennen zu können, was fehlerhaft war. Eltern können alles für ihre Kinder tun, was zum jeweiligen Zeitpunkt in ihren Möglichkeiten besteht, mehr nicht...:smirksmile:

vielleicht war das ihre und meine erfahrung: meine mutter konnte nie zugeben, dass sie fehler gemacht hat. und ich habe tatsächlich lange diese fehler mit mir herumgetragen. bis ich eine therapie gemacht habe. erst durch sie habe ich gelernt, mit den fehlern meiner mutter "umzugehen".

meine schwester hat das früher verarbeitet, vielleicht auch unter dem druck, ihren eigenen kindern nicht das gleiche anzutun. sie hat sich also ganz bewusst "abgenabelt", was mir - vielleicht, weil ich selbst keine kinder habe - zunächst nicht gelungen ist.

was meine schwester ihrer tochter sagen wollte: dass sie sich "frei" machen soll von den fehlern, die sie als mutter vielleicht gemacht hat. genau das, was mir so schwer gefallen ist.

hillary
16.02.2008, 20:33
ich habe mich jetzt durch den strang gelesen und sitze hier mit tränen in den augen...
ich bin anfang der 60er im osten geboren, bin in krippe, kindergarten und hort gegangen, da meine eltern berufstätig waren.
ich und auch mein bruder sind wunschkinder, meine eltern waren recht jung.
schläge und verbote gab es so gut wie keine, wohl aber den druck in der schulzeit. für meine eltern waren gute noten enorm wichtig, denn sie wollten, das wir etwas aus unserem leben machen. ich kenne diese hochgezogenen augenbrauen bei einer 2 auch.

außerschulische aktivitäten wie sport etc. auch ungewöhnliche dinge wurden von meinen eltern toleriert und unterstützt. was gar nicht unterstützt wurde, bzw. nicht so ernst genommen, dinge wie krankheiten etc.
schule ging immer vor, selbst mit fieber, es kam von meiner mutter oft der satz, hab dich nicht so und mein vater sprach gern vom indianer, der keinen schmerz kennt. disziplin eben.
ich konnte mit meinen eltern über alles reden, wirklich über alles. was ich ihnen übel nahm, das war der umweg den ich zum abitur gehen musste. ich ging in die lehre handwerksberuf, denn das hat ja goldenen Boden und gleichzeitig machte ich auf der abendschule das abitur. es hat mich robuster gemacht, ich weiß was ich kann und was alles aus eigenem willen möglich ist.
dennoch bin ich etwas säuerlich, da ich es wesentlich leichter hätte haben können. den satz, solange du deine füße unter unsren tisch steckst kenne ich aber auch.
ich habe mich aber auch nie bewußt aufgelehnt, ich fühlte mich nicht eingeengt.
das ist heute anders. meine mom meint immer noch, sie müsse für mich und meine kinder mit entscheiden, da ich nicht in der lage war eine anständige ehe hinzulegen.

ich habe sie klar und deutlich gebeten sich bei meinen kindern rauszuhalten. meine kinder durften ihr abitur auf direktem wege machen und ich unterstütze sie auch finanziell. das haben meine eltern nicht gemacht. würden sie auch bei ihren enkeln nicht tun.
ich denke mal die kriegsgeneration ist da vielleicht geprägter durch die *schlechten jahre*.
alles in allem hatte ich trotzdem eine schöne, wenn auch keine leichte kindheit.

mutter
17.02.2008, 20:20
Es ist ja echt erschreckend und schockierend was ich hier les.

Ich kann es selber garnicht in Worte fassen wie ich meine Erziehung empfunden habe.

Heute bin ich fast 44 jahre alt, habe 2 echte Schwestern, 2 Halbschwestern und 3 Stiefgeschwister. Daraus läßt sich schon erkennen dass mein "groß werden" mit einigen Turbulenzen verbunden war.

Ich war bis vor gut einem Jahr meiner Mama immer etwas gram weil ich glaubte das sog. schwarze Schaf unter ihren Kindern zu sein. Durch meine Arbeit an mir weiß ich heute dass dem eben garnie so ist und war. ich bin mir sicher dass Sie immer nur das beste für ihre Töchter gewollt hat, nur, Sie konnte eben nicht anderst als Sie eben als der Mensch der Sie ist sein kann.

Was mir schon immer wieder "schmerzt" ist, dass Sie bei meinem Sohn so gar keine Oma war. Heute, bei ihrem zweiten Enkel (er ist gerade 2 Jahre alt) eben die Oma ist die ich mir für meinen Sohn immer gewünscht hätte. Bös bin ich ihr nicht mehr.

Sie ist eher eine Frau die garnicht hinschaun kann was alles war und alles durch die rosa Brille sieht. Ich hab gelernt Sie so zu lassen und zu nehmen wie Sie eben ist. Wahrscheinlich wäre es unertäglich für Sie auf ihr sicher nicht immer einfaches Leben (zwei Scheidungen) zurückzuschaun.

Mein Papa:
Meine Mama sagt über ihren Exmann "euer Papa glaubt er kommt gleich nach Gott und hat das recht zu strafen". Er ist so einer vom ganz alten Schlag, Er ist das Oberhaupt und dann kommen wir, das "Gesindel" dass zu ihm aufzuschaun hat. (Bei Tisch bekommt erst der Hausherr was auf den Teller und dann der "Rest") Das hat uns Töchter schon geprägt und da meine Eltern geschieden sind kenn ich ihn zwar, weiß aber nicht wer er ist, dieser Mann, mein Papa.
Als er dann im Dezember eine neue Herzklappe bekam ... standen trotzdem alle Töchter am Bett in der Intensivstation, mit Tränen in den Augen .. weil er eben doch unser Papa ist .. wie immer er auch sein mag.

Den Eltern verzeihen
hm
wie das klingt
Sie haben es eben auch nicht besser gewußt oder gekonnt.

Da sitz ich jetzt hier und überleg mir was wohl mein 16 Jähriger Sohn hier schreiben würd.
LG
und schönen Abend

Inaktiver User
18.02.2008, 10:42
Ich bin zwar in den 70ern aufgewachsen, aber meine Erziehung war geprägt von Autorität, Schlägen (wobei nur ich von meiner Mutter verdroschen wurde, vorzugsweise mit dem Kleiderbügel), "Lieblosigkeit", Desinteresse, Erwartungshaltungen, ziemlich freudlos und meistens spaßfrei.

Obwohl meine Mutter sagt, sie habe alle ihre Kinder geliebt. Naja, jedenfalls meine zweitgrößte Schwester besonders. Das war "ihr" Kind, wie sie immer sagte.

Verzeihen kann ich nicht die Ignoranz, die bis heute anhält. Nie wurde gesagt "es tut mir leid, das war falsch, ich wusste nicht, was ich dir damit antu". Es wird daran festgehalten, wenigstens vordergründig, dass ihre Erziehung richtig war (schließlich sind alle 4 Töchter ja ganz gut gelungen) und schlimmer, dass es ja einen Grund gab, mich zu schlagen. "Ich werde dich nicht umsonst so verhauen haben" sagte meine Mutter zu mir erst vor einem Jahr oder so, als ich sie fragte, wie ich so war als Kind (ich rechnete mit "du warst so niedlich und so schlau" oder so was in der Art :knatsch:). "Du bist frech gewesen, du hast mich zur Weißglut getrieben, du hast mich auf die Palme gebracht, nie hast du gehört, wenn man dir etwas sagte" etc.

Diese Ignoranz und Schuldzuweisungen kann ich nicht verzeihen. Verzeihen kann ich auch nicht, dass sich meine Mutter keine Hilfe geholt hatte, weil sie mit 4 Kindern im Abstand von 3 Jahren komplett überfordert war (ich war die kleinste), obwohl die Großeltern im Haus lebten. Dass sie sich keine Hilfe geholt hatte, ihre eigene Vergangenheit zu verarbeiten und damit ihr Seelenleben und ihre Depressionen in den Griff zu bekommen (was damals noch mit Sicherheit ein schlimmes Stigma gewesen wäre "die Frau X. ist in der Klappsmühle"), sattdessen mich als Ventil für ihre unterdrückte Wut missbrauchte.

Meine Mutter, meine Eltern hatten ihr eigenes Päckchen zu tragen. So gesehen kann ich viel verstehen und unterscheiden, dass das nichts mit mir zu tun hatte. Hat allerdings ein halbes Leben gedauert. :knatsch:

fiorina
19.02.2008, 16:27
ich bin 1960 geboren, was man damals so mittelstand nannte.
mein vater mutierte so um mein 12. lebensjahr herum zum quartalssäufer. davon wurde die ganze familie in eine art druckkammer gezwängt, meine mutter hatte panische angst davor dass "die nachbarn was mitkriegen".
er hat uns nie geschlagen, war aber sarkastisch und verletzend bis zum gehtnichtmehr. ich wurde autoritär erzogen, keine bekanntschaft mit jungen (da wär ich wohl pronto zur schlampe geworden), abends um 8 zuhause, im winter bei dunkelheit.
ich brachte nie jemanden mit nach hause, es war immer unklar wie mein vater von der arbeit kommen würde.
meine mutter hat sich in der zeit (das ging bis zu einem herzinfarkt seinerseits mit entzug und reha danach, da war ich 24)
nie wirklich viel um ihre kinder gekümmert.
ich hätte studieren können, wollte aber unbedingt unahbhängig von meinen eltern sein und nur raus da.
naja - aus mir ist was geworden, aus meinem bruder nicht.
meine eltern sehen nun alles durch die rosa altersbrille, sehen keine fehler ein und haben viele dinge einfach "aktiv vergessen".
reden kann man mit ihnen nicht über vergangenes. wozu auch.
merkwürdigerweise verstehen wir uns ganz gut, oberflächlich betrachtet. bloss nicht dran kratzen, seufz.

fio.

Inaktiver User
20.02.2008, 07:56
...die verschiedenen Schilderungen zeigen eines gemeinsam: das die Eltern dieser Zeit doch mit dem Schwerpunkt des "Wiederaufbaus" und "sich- was-schaffen" in dieser Zeit die Kindererziehung noch als sehr lästige Plage empfunden haben, die oft das Ziel ihrer unkontrollierten Energie waren. heute weiss man mehr vom Miteinanderumgehen in der Familie, am Arbeitsplatz, überall, wo Menschen zusammenkommen.
Doch eines werden die betroffenen Kinder dieser Zeit wohl nach und nach, lernen müssen, zu akzeptieren: das die Eltern auch heute noch stillschweigen, keine Entschuldigungen für Fehler erkennen und trotzdem spüren, dass es vieles zu verzeihen gibt, wenn sie mal "vor der großen Pforte stehen" und das wissen sie auch - ganz tief drinnen. Aber sie haben nie gelernt, damit offen umzugehen. Die verletzten Kinderseelen müssen nichts verzeihen, was sie nicht können, aber vielleicht verstehen, dass die Eltern auf ihre Art sehr leiden, aber es nie gelernt haben, mit den Gefühlen umzugehen und soviel Zeit auch dort hineingeben zu dürfen. Es ist ein langer Prozess und jeder muss seinen Weg daraus ableiten, um sein Leben in Frieden vorwärts zu gestalten...:blumengabe:

hillary
20.02.2008, 08:37
karline,
ich habe ja nicht solche extreme erlebt wie manche von euch hier.
vielleicht weil meine eltern eben doch recht jung sind.
aber an meinem 40. geburtstag, nahm mich mein vater ganz fest in den arm, schaute mich lange an und sagte, mädel kannst du uns verzeihen, das wir es dir manchmal so schwer gemacht haben.
ich denke schon, das es was mit der erziehung, dem aufwachsen unserer eltern in krieg und nachkriegszeit zu tun hat.

Massashi
20.02.2008, 10:48
aber an meinem 40. geburtstag, nahm mich mein vater ganz fest in den arm, schaute mich lange an und sagte, mädel kannst du uns verzeihen, das wir es dir manchmal so schwer gemacht haben.

Das zeigt Größe! Was war dem denn vorangegangen? Hattest Du Dich beschwert oder ist er ganz von selber drauf gekommen? Ich glaube, wenn meine Eltern durch so eine Bitte um Verzeihung das Leiden in der Vergangenheit anerkennen würden, dann könnte ich ihnen auch entgegen kommen.

Massashi

Salsera65
20.02.2008, 10:56
Ach, so Entschuldigungen können auch bitter sein.
Meine Mutter ist ja leider recht durchgeknallt, hat mich aber - als ich Anfang 20 war - mal sehr gerührt, weil sie sich für ihr Fehlverhalten mir gegenüber entschuldigt hat. Sie hätte ja immer nur so ein schlechtes Gewissen mir gegenüber gehabt, mich aber doch sehr lieb gehabt. Ich habe mich darüber sehr gefreut.
Leider hat sie unsere Vertrautheit auch dazu genutzt, sich in meinem Freundeskreis zu amüsieren. Sie hatte bald einen One-Night-Stand mit dem besten Freund meines damaligen Partners. Als ich mich darüber aufregte, meinte sie nur, das ginge mich nichts an. Nee, ist klar, so beweist man der Tochter, wie wichtig sie einem ist?
Gruselig.

hillary
20.02.2008, 11:52
Das zeigt Größe! Was war dem denn vorangegangen? Hattest Du Dich beschwert oder ist er ganz von selber drauf gekommen? Ich glaube, wenn meine Eltern durch so eine Bitte um Verzeihung das Leiden in der Vergangenheit anerkennen würden, dann könnte ich ihnen auch entgegen kommen.

Massashi
meine eltern sind von selber draufgekommen.
sie haben mir und meinen Kindern in einer persönlich schweren zeit sehr geholfen, was mich aber wiederum so beeinflusste, das ich mich ihnen gegenüber irgendwo schuldig fühlte, ständig rücksicht auf sie nahm und mir persönlich viel versagte. das haben sie gesehn, wussten aber nicht, wie sie reagieren sollten, da ich in ihre zukunft fest eingeplant war. das gefüge einer mehrgenerationenfamilie funktioniert im alltag nur mit zugewiesenen plätzen und aufgaben.

der spruch "kinder das haben wir doch nur für euch getan", lag ihnen bestimmt oft auf der zunge. natürlich wollten sie nur das beste, aber sie haben nicht gefragt, ob ich das will.

sie sind nicht mit allem einverstanden, wie ich meine kinder erziehe, aber sie halten sich nach eindeutiger ansage meinerseits raus. bei meinen eltern muss halt alles ein konkretes ziel haben und zügig gehen. :smile:

mittlerweile sind meine eltern soweit, mich gehen zu lassen, wenn ich einmal gehen will. mein vater hat seine firma aufgegeben, wir erzielen am markt keinen ausreichenden umsatz mehr.
es wird auch akzeptiert, das die enkel eine andere form leben wollen. sie haben, da wo wir leben, kaum zukunft.
das macht meine eltern sehr betroffen, aber sie begreifen.
ist nicht leicht zu sehn, das nichts bleibt wie es war, vieles nicht in die zukunft zu retten geht.
für sie war leben planbar, für mich und meine kinder ist es das nicht mehr.
ich glaube, diese erkenntnis tut ihnen furchtbar weh.

mutter
21.02.2008, 19:12
aber an meinem 40. geburtstag, nahm mich mein vater ganz fest in den arm, schaute mich lange an und sagte, mädel kannst du uns verzeihen, das wir es dir manchmal so schwer gemacht haben.


Das ist so wunderschön zu lesen.

Ich habe meinen Papa nach Jahren, im Dezember letzten Jahres, 4 Tage vor seiner Herz-OP gedrückt. Bis dahin hat er das nur bei meinen Schwestern gemacht .. und mir die Hand gereicht. Ich dachte mir dass es das letzte mal sein könnte. Beim Besuch auf der Reha hat er mich dann in den Arm genommen. Bei allem was "passiert" ist, ist er eben doch mein Papa.
Ändern werd ich ihn nicht, nur mir geht es seitdem besser.
LG

Ricarda44
23.02.2008, 20:43
Ich war ein "Verkehrs:kuss: unfall" :freches grinsen:
Als ich auf die Welt kam, war meine Mum 40. Und da war ich gar nicht mehr so geplant, aber dadurch halt das Nesthäkchen. Meine beiden Schwestern waren schon aus dem Haus.

Meine Eltern hatten so einen Arbeitstag von früh um 4 bis abends 22.00 Uhr.... im Winter waren sie dann auch mal früher drinnen, Beruf + Haushalt + Viehzeug + Landwirtschaft nebenbei.

Irgendwie bin ich so "nebenbei" groß geworden, aber stand trotzdem im Mittelpunkt. Selbst Kindergeburtstage wurden gefeiert und gut organisiert...wenn die Eltern dann auch schon mal auf dem Feld arbeiteten oder halt Heu machten. Dann mussten eben Opa und Geschwister anrücken und als Aufpasser her halten.

Das Leben war so richtig schön geregelt, aber meine Eltern haben echt ganz viel geschuftet immer nach dem Motto "Ihr Kinder sollt es mal besser haben".

Sonntags bin ich früh, wenn Vaters dann mal "Erlaubnis" :zwinker: hatte zum Ausschlafen, bei ihm ins große Bett gekrochen und dann hat er mir abenteuerliche Geschichten erzählt vom Fuchs und den Trauben, die immer zu hoch hingen und von seinem Vater, der im ersten Weltkrieg war, von Grafen und Gutsherren, die er als Kind erlebt hat und was die Kids damals so alles angestellt haben und all solche Sachen.

Wenn er nach Hause kam mit seinem LKW, stand ich meist schon in den Startlöchern, um ihn mindestens 1000 m vorher abzufangen, um mit zu fahren oder später durfte ich dann auch selber fahren. Gabs was zu reparieren, lag ich mit unter'm LKW und war stolz, mindestens genauso ölverschmiert und verdreckt darunter wieder hervor zu kriechen :freches grinsen: (auch wenn ich nur 'nen Schraubenschlüssel gereicht hatte).

Meine Mutti war der herzlichste und allerliebste Mensch in meinem Leben. Das Herz soooo groß, nicht nur für ihre eigenen Kids, sondern auch für andere und vor allem auch für die Enkelkinder; trotzdem war sie konsequent, quirlig und sooo super fleißig. Ich kann das heute irgendwie noch immer nicht nachvollziehen, wie sie das immer alles so auf die Reihe bekommen hat. Da wir Haus, Hof, Viehzeug (Schweine, Kühe, Bullen, Hühner, Enten, Gänse, Katzen, Hund) hatten und diese alle vom "eigenen Acker und eigenen Wiesen" ernährt wurden; der große Garten (1500 qm) top in Ordnung war und uns u. a. auch gut mit Obst und Gemüse versorgte, komme ich mir heute manchmal etwas wehleidig vor, wenn ich dann mal das Gefühl habe, "etwas" nicht schaffen zu können. Da frag ich mich dann immer "Wie haben die das blos früher alles auf die Reihe bekommen?!":wie?: Das Haus sah von außen und innen immer aus "wie geleckt". Wenn da mal Leute aus dem Dorf kamen, meinten die oft, man könne echt vom Fußboden bei uns essen. Na, das konnten die sich aber auch klemmen, denn niemand konnte so gut kochen und backen wie meine Mama :kuss:

Oh, ich kann mich an so viele Episoden erinnern, die mir heute noch ein Grinsen ins Gesicht bringen, aber das alles aufzuzählen, würde echt den Rahmen sprengen. Aber ein oder zwei werde ich mal hier lassen:

Einmal waren meine Mutter und ich (ich war da wohl so 11 oder 12) beim Abwaschen und da entrutschte mir so ein Satz über rundliche Leute..... Da nahm meine Mama drohend 'nen Kochlöffel und fragte noch mal nach: "Waaaas hast du gerade gesagt???!!!!" Sie war selbst etwas rundlich :zwinker:
Ich nutzte das gleich mal zur Flucht und sie kam aber recht zügig hinterher...... Oh wei :ooooh: Ich raus. Ums Haus. Und sie mit den Worten "Na, warte, wenn ich dich kriege....." hinterher.
Ich: "VAAAATTTTIIIII"..... Da riss mein Paps dann auch schon die große Scheunentür auf und ich konnte gerade noch so rein flüchten. Schnell schloss er das Ding ab und meine Mutter stand davor. Aus der Puste, aber lachend und nun mit uns beiden herum toddernd.

Einmal hat mich mein Vater in den Kartoffelkeller gesperrt. Uiii, pfui, da waren garantiert immer irgendwelche Spinnentiere drinnen.... :ooooh: :knatsch:
Da hatte ich (8) nämlich versucht zu bügeln und vergessen, das Bügeleisen wieder aufrecht zu stellen. Und gerade so aus Zufall kam mein Vater dann mal rein, weil das ja auch so lange stille war und er mich 'ne ganze Zeit nicht gesehen hatte.....da war das schon ganz schön am kokeln :ooooh:
Ja und dann musst ich ab in den Keller. Fand ich echt dooof :knatsch:

Wie ich denn da so stand im dunklen Keller und überlegte, was ich denn nun anfangen sollte, sah ich die Kellerluke nach draußen durch die so die Sonne blinzelte.
Hmmmmm, ich also über die ganzen Kartoffeln rüber und mal geschaut, ob das 'ne Fluchtmöglichkeit ergäbe........
Jahaaaaahaaha! Ein wenig gedrückt und die Luke fiel nach außen um :lachen:
Ich schnell raus. 1 Schuh hat ich bei der über die Kartoffelnkrabbeln-Aktion verloren, aber egal. Ich war wieder an der :Sonne: Schnell die Klappe wieder vorgestellt und mich verkrümelt. Vaters guckte aber auch gleich rein und fand dann halt den einen Schuh.
Na, ich musste dann mit in den Garten, die Erdbeeren gießen, damit ich nicht wieder Dummheiten mache.
Ich und Dummheiten!!!! :engel:

Ja so und anders ging's bei mir zu in der Kinderzeit. Die Jugendzeit war nicht weniger angenehm. Mein Mopedtank war immer voll und Taschengeld so nebenbei gab's auch öfter mal. Pflichten hatte ich irgendwie so gut wie keine. Na, o.k., am Wochenende halt beim Abwasch mithelfen. Dafür hab ich dann später auch viel freiwillig gemacht, wenn ich dann mal Langeweile hatte. Wie zum Beispiel etliche Zentner Kohlen von einem Schuppen in den anderen transportiert, damit sich meine Eltern abends drüber freuen konnten, dass das schon fertig war.

Als ich dann später samstags zum Tanz ging, durfte am Sonntagfrüh vor meinem Fenster kein Rasen gemäht werden!!!! :lachen: Genau! Da hatte mein Vater dann nämlich Verbot dort herumzupoltern. DAS war angenehm mittags dann aufzustehen, sich an den Mittagstisch setzen zu können und so.... :freches grinsen:

Ich bin froh drüber, dass das alles so unbeschwert lief und hab das so für meine Kids auch übernommen. Wir haben relativ wenig Konflikte, dafür um so mehr Herzlichkeit und Verständnis für einander. Sie sollen ihre Kindheit und Jugendzeit auch genießen. Man hat sie ja nur einmal.

mutter
24.02.2008, 18:37
Ricarda das ließt sich so schön wie ein Märchen


Eine der schönsten Zeiten in meiner Kindheit war, da waren meine Eltern schon geschieden, die Ferien bei meinem Papa. Er hatte noch nicht wieder eine Frau. In den Ferien waren wir 3 Mädels bei ihm in Ferien, es ging ziemlich locker zu. Am schönsten war, wenn mein Papa im Sommer Abends den offenen Kamin auf der Terrasse anfeuerte, Salat aus dem Garten holte, ... das Fleisch auf den Rost legte ... und nach und nach das halbe Dorf zum Abendessen zusammenlief ( Das Dorf hatte nur 12 Häuser). Vor dem Kamin stand ein großer Styroporblock, darauf das Brett mit dem Fleisch und die Schüssel mit dem Salat daneben. Es war herrlich.
Viel zu früh, für uns Kinder hat er eine Frau gefunden und es war aus mit den wilden Freiheiten in den Ferien.

Oder wir gingen zum Abendessen zum Wirt. Wir tolten in dem Obstgarten mit den Wirtskinder, die Erwachsenen ratschten und gegessen wurde nebenbei auf den Bäumen.

Heute ist der Biergarten ein beliebter In-Treff vor den Toren Münchens *g*


Meine Mama rümpfte immer die Nase wenn Sie den Koffer öffnete mit der zu waschenden Wäsche
LG:blumengabe:

Ricarda44
24.02.2008, 19:25
Na, es war kein Märchen. Aber ich bin mir schon bewusst, dass meine Kindheit und Jugendzeit eine schöne war. Das gibt mir heute noch Kraft.

Ich kenne es aber von meinem verst. Mann auch so, dass es da anders lief: REGELN!!!!! PFLICHTEN!!!!! DIE HABEN ZU PARIEREN!!!!!
Und wehe, wenn nicht. Dann wurde schon mal der Ledergürtel gezogen.
Als deren Kinder dann erwachsen waren, kamen die Klagen und das Gejammer "ES KÜMMERE SICH JA NIEMAND UM SIE" (also die Eltern). Konnte ich schon gut verstehen, die wollten endlich ihre Ruhe haben von dem Stress, denn so beliebt waren Mutter und Vater da nicht.

Och, naja, Haue hab ich auch 2 x bekommen. Einmal, da war ich 16 oder so und wollte morgens mit dem Fahrrad zur Schule fahren. Mein Vater war gerad noch da und pumpte Luft nach, da kam meine Mutter und meinte, ich solle mehr anziehen oder so. Da rutschte mir raus "Du spinnst wohl" oder so. Da bekam ich dann die Luftpumpe direkt ins Kreuz mit den Worten, dass ich mir sowas nicht nochmal erlauben sollte. Na, die Lektion hatte ich aber gleich gelernt!!!!!

Und einmal, da war ich mit dem Moped unterwegs und hatte mich gepackt. Mein armes Moped war völlig zerledert, bei mir ging das gerade noch so. Aber vor lauter Panik, weil das Teil schon wieder kaputt war, hatte ich mich abends eingeschlossen und meinen Vater selbst nach gutem Zureden nicht geöffnet. Als ich dann öffnete, war er mächtig sauer. So dass ich gleich eine gefangen hatte. Allerdings auch mit den Worten: "Das ist nicht für das kaputte Moped, sondern dafür dass du dich eingeschlossen hast!"
Ja, klar...... ich Idiot. Mein Papa hat mir alles immer repariert. Sein Spruch war immer, Hauptsache ich komme heil nach Hause und fahr niemanden um. Ist alles materiell, kann man alles ersetzen. Nur Gesundheit und Leben nicht.

Diesen Spruch hat auch mein Großer schon mal für sich übernommen. Genauso wie er mir nicht dämlich kommen braucht oder laut werden darf. DAS sind Dinge, die einfach laufen.... aus Erfahrung heraus.

Ich finde, selbst wenn einige schlechte und ganz schlechte Erfahrungen gemacht haben: Man muss es ja nicht ins eigene Leben mit den eigenen Kindern übernehmen. Diesen Teufelskreislauf zu unterbrechen wäre schon ideal. Und ich denke, das tut einem selber gut und den Kindern sowieso.
Damit hat man dann schon mal gute Voraussetzungen für die Enkelkinder geschaffen.

Ich drücke allen die Daumen, dass sie es so schaffen können.
Oftmals ist es ja so, dass Eltern, die schlagen oder sonst ungerecht waren, auch so behandelt wurden. Sie haben es oftmals nicht anders kennengelernt und waren der Meinung, das ist der einzig richtige Weg.

Ich finde schon, dass es Mut und Kraft erfordert, wenn man diesen Kreislauf durchbricht.

Inaktiver User
24.02.2008, 20:47
Ich bin 1963 geboren. Als drittes Kind - drittes Mädchen. Bei fast sämtlichen verwandtschaftlichen Treffen, wurde mir von meinen Tanten erklärt, du warst gar nicht geplant, du hättest ein Junge werden sollen.

Zur Erklärung, mein Vater hatte nach der Arbiet zuviel getrunken und ist mit dem Firmanfahrzeug gegen einen Baum gefahren und war schwerst verletzt. Er hat eine Platte im Kopf und ist seitdem querschnittgelähmt. Das war vor meiner Geburt?!

Meine Mutter hatte einen schweren Herzfehler und war oft ziemlich schlecht dran.

Trotzdem bauten unsere Eltern ein Haus, wir waren immer adrett angezogen und galten als wohlerzogen - bis auch mich!

Ich war der Rebell, meine Mutter schlug mich, ich log sie an, sie schlug mich noch mehr, ich lernte nicht, sie sperrte mich nach der Schule in mein Zimmer, ich durfte nicht raus zum spielen damit ich meine Schulnoten verbessere. Sie hat mir während der Woche sämtliche Bücher und Zeitschriften weggenommen und den Radio, damit ich nur für die Schule lerne - ich bin mit verschränkten Armen am Schreibtisch gesessen.

Wir mußten auch viel arbeiten, wichtig war am Abend dem Vater das Bier vom Keller holen, wehe du bist nicht gleich aufgesprungen, wenn er dir anschaffte, dass er ein Bier möchte, mach mal dies, mach mal jenes........

Wenn ich vor was Angst hatte, oder was nicht wußte, oder irgendwas blödes fragte, was Kinder halt so fragen, wurde ich ausgelacht, Erklärungen bekam ich nie. Und ab meinem 15. Lebensjahr war ich - nicht nur ich, auch meine Schwestern - eine Schlampe, eine Hure, eine von der Strasse und das ging so lange bis wir einen festen Freund hatten und der was darstellte, da galt dann nur der sog. "Schwiegersohn" wir Töchter nicht. Wir sind daran gemessen worden, was wir daher brachten! Und was soll ich euch sagen, wir sind alle drei geschieden!

Manchmal bin ich froh, dass ich keine Kinder habe, obwohl ich gerne einen Stall voll gehabt hätte, wer weiß wie ich meine Kinder behandelt hätte.

Irgendwann hab ich es mal geschafft mich mit meinen Eltern auseinander zu setzen, konnte normal mit ihnen reden, aber eine Herzlichkeit kam nie so richtig auf.

Auch als meine Mutter starb, sie hat mir so leid getan, weil sie so mit ihrem Schicksal haderte, sie wollte noch so viel machen, nachdem ihr Mann gestorben war und dann mußte sie früher gehen, trauerte ich zwar um sie, aber da ist keine Lücke! Das mag sich jetzt ganz böse anhören, ist es aber nicht, ich bin ihr ja nicht böse, ich vermisse sie aber auch nicht!

Und mit meinem Vater geht mir genauso, er lebt jetzt in einem Heim und ich besuch ihn, weil man das als Tochter so macht, aber mein Herz ist nicht dabei! Leider

Gott, hört sich das alles grausam an, ist aber leider so. Aber glaubt mir ich bin ein ganz normaler Mensch, habe Humor und meistere mein Leben recht gut!

Inaktiver User
14.03.2008, 09:28
...ist nachvollziehbar und klingt auch nicht schlimm, wenn du in deinen Lebenserfahrungen deinen Weg gefunden hast. Es ist in bestimmten Situationen wichtiger, seine Seelenverwandtschaften zu finden, die einen höheren Stellenwert haben als die "zufälligen Wahlverwandtschaften" nach Goethe...:smirksmile:

geniesserin
31.03.2008, 00:37
Hallo Ihr Lieben,
ich bin heute zufällig hier herein gestolpert und beim Lesen dieses Threads kamen mir jede Menge Gedanken hoch... daher hab ich mich gleich registriert um mir hierzu auch was vom Herzen zu schreiben.

Ich bin Jahrgang 1960, einzige -gewollte Tochter aus normalem "Mittelstand". Meine Eltern haben mich sehr behütet aufgezogen. Letztlich habe ich ihre Erziehung als normal empfunden, fand natürlich auch einiges damals schon nicht so klasse.... Inzwischen bin ich selbst Mutter eine mittlerweile 14jährigen Sohnes (auch ein Einzelkind) und mir ist erst jetzt, wo ich selber erziehe, vieles richtig bewusst geworden. Was ich hier teilweise so gelesen habe hat mich mitunter sogar entsetzt....Allerdings ging es mir ja auch ähnlich.

Die Erziehung war relativ streng, gestraft wurde gerne mit Schlägen, teilweise auch mit Kochlöffel oder Gürtel:ooooh: Ich habe oft Strafen bekommen, weil ich gelogen habe (nicht wegen des eigentlichen Vergehens...)- ich frag mich heute wieso ich wohl gelogen habe... Bei Noten die nicht eine Eins waren, gab es auch die Frage- wieso nicht eine Eins? Es war irgendwie nie gut genug. Es gab immer diese Wunderkinder von Nachbarn o.ä., die in der Schule nur super waren, vermutlich nie was falsch machten (und eventuell sogar übers Wasser liefen)- ich fühlte mich meistens 'zu schlecht'- für mein Selbstbewusstsein war das nicht so hilfreich. Meine Eltern haben mich sicher sehr lieb gehabt (sie sind beide seit 2002 verstorben u. ich kann leider nicht mehr darüber reden..) und haben das Beste getan, von dem sie meinten dass es angemessen war.

Ich habe mein Kind noch nie geschlagen, und unterstütze es immer in seinen Bemühungen. Er ist sehr selbstbewusst und "cool" und ich muss sagen ich bewundere ihn dafür. Genau DAS wollte ich so- ich bin bisher mit dem Erfolg meiner bzw. unserer Erziehung sehr zufrieden.

Später als bereits Erwachsene habe ich noch recht lange im Haus meiner Eltern gewohnt (meine Mutter wurde schwer pflegebedürftig u. so half ich) und die Reglementierungen gingen auch mit 30 noch weiter, als ich meinen jetzigen Mann kennenlernte. Ich kann heute garnicht fassen, dass ich es einfach nicht geschafft habe, mich davon zu befreien...

Es tut mir sehr gut, zu lesen, wievielen Gleichaltrigen es offenbar sehr ähnlich erging. Schade nur auch zu sehen, wie sehr so eine Erziehung den Menschen formt... umso schöner, dass wohl die Meisten bei den eigenen Kindern so anders erziehen.

Liebe Grüße, Geniesserin

Birgitpepper
02.04.2008, 22:05
Liebe Geniesserin, doch, bei mir war es halt ähnlich. Nur meine Eltern leben noch, sie erfreuen sich sogar guter Gesundheit, und ich habe sie lieb. Nur wenn ich an meine Jugend denke, gruselt's mich noch ein bisschen. Nicht dass sie mich geschlagen hätten, das gab's eigentlich kaum. Aber generell hat meine Mutter mir einfach keine Luft zum Atmen gelassen - da wurde alles unter ihrer Kontrolle gehalten. Die dusseligen Kleidervorschriften von damals sind mir da immer noch ein Symbol für diese Bevormundung. Ich erinnere mich noch mit Schrecken an meinen durchwühlten Kleiderschrank zuhause, da hätte ich kein eigenwilliges Tiwel nach meinem Geschmack unterschmuggeln können. Als mal eine Sprtjacke fehlte, wurde ich in der Schule von ihr angerufen und musste in der Pause Rede und Antwort stehen, wo die Jacke geblieben ist...Ich habe Kinder und werde Sohn und Tochter auf jeden Fall mehr die eigenen Erfahrungen machen lassen. GELASSENHEIT ist angesagt! Meine kleine Tochter ist erst drei, hat aber auch schon manchmal klare Vorstellungen was sie anziehen will und was nicht. Heute, aus dem zeitlichen Abstand, kann ich über meine Eltern auch schmunzeln, da hilft Humor schon viel. Meine Mutter hat manchmal immer noch die Vorstellung, ich würde mich nach ihren Vorstellungen anziehen...das belustigt mich heute, im Ernst lasse ich mir bei mir selbst, meinem Mann oder den Kindern natürlich nicht reinreden.
Beste Grüße
Birgit

Birgitpepper
02.04.2008, 22:05
Liebe Geniesserin, doch, bei mir war es halt ähnlich. Nur meine Eltern leben noch, sie erfreuen sich sogar guter Gesundheit, und ich habe sie lieb. Nur wenn ich an meine Jugend denke, gruselt's mich noch ein bisschen. Nicht dass sie mich geschlagen hätten, das gab's eigentlich kaum. Aber generell hat meine Mutter mir einfach keine Luft zum Atmen gelassen - da wurde alles unter ihrer Kontrolle gehalten. Die dusseligen Kleidervorschriften von damals sind mir da immer noch ein Symbol für diese Bevormundung. Ich erinnere mich noch mit Schrecken an meinen durchwühlten Kleiderschrank zuhause, da hätte ich kein eigenwilliges Teil nach meinem Geschmack unterschmuggeln können. Als mal eine Sportjacke fehlte, wurde ich in der Schule von ihr angerufen und musste in der Pause Rede und Antwort stehen, wo die Jacke geblieben ist...Ich habe Kinder und werde Sohn und Tochter auf jeden Fall mehr die eigenen Erfahrungen machen lassen. GELASSENHEIT ist angesagt! Meine kleine Tochter ist erst drei, hat aber auch schon manchmal klare Vorstellungen was sie anziehen will und was nicht. Heute, aus dem zeitlichen Abstand, kann ich über meine Eltern auch schmunzeln, da hilft Humor schon viel. Meine Mutter hat manchmal immer noch die Vorstellung, ich würde mich nach ihren Vorstellungen anziehen...das belustigt mich heute, im Ernst lasse ich mir bei mir selbst, meinem Mann oder den Kindern natürlich nicht reinreden.
Beste Grüße
Birgit

geniesserin
04.04.2008, 12:18
Hallo liebe Birgit,
wow- das klingt ja auch nett. Solche extremen Vorschriften habe ich bezüglich Kleidung usw.. nicht bekommen. Allerdings war ich -mit knapp 30- fast schweißgebadet wenn ich abends mal ausgehen wollte. Ich hab dann immer eine "Ansprache" bekommen.

Heute seh ich es so, ich hätte mich wohl abgrenzen müssen. Habe ich aber irgendwie niemals gelernt. Ich habe immer versucht angepasst und lieb zu sein.

Das sind alles so Dinge die ich bei der Erziehung meines eigenen Sohnes strikt anders gehandhabt habe. Natürlich ist es manchmal schnell getan, einem Kind die eigene Meinung überzustülpen- ob Kleidung oder Anderes- sie wehren sich ja zu bestimmten Zeiten auch nicht wirklich. Aber wenn ich mein Kind jetzt erlebe, dann sehe ich wie selbstbewusst und sicher er mit allem umgeht- auch mit uns. Für uns nicht immer leicht und angenehm, aber den Preis bezahle ich gern. Offenbar hat -wenn man die Beschreibungen hier vor meiner so liest- doch ein extremer Umbruch diesbezüglich stattgefunden. Viele sind damals so ähnlich erzogen worden. Die meisten machen es jetzt mit eigenen Kindern völlig anders- find ich super :knicks:

brighid
05.04.2008, 14:11
ich bin jahrgang 60, eine sandwichtochter. (das mittlere mädchen)

ich habe mit meinen eltern, die sich heute mit anfang 7o einer guten gesundheit erfreuen, meinen frieden gefunden.
ich weiss, auch aus meiner eigenen geschichte heraus, dass sie egal was passierte versucht haben, dass beste aus ihrer eigenen geschichte und unseren bedürfnissen zu tun.
und ich bin nur froh, dass sie noch da sind und uns als mädchen mehr als gefördert haben.
klar hätte manches besser laufen können- aber betrachte ich auch ihre herkunftsgeschichten, dann muss ich sagen: sie haben sich ehrlich mühe gegeben. mit allem.