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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Angst vor dem Glück!?



Kusshand
16.01.2008, 17:43
Wer kennt diese Angst?

Angst vor dem Glück bzw. Angst davor, dieses einfach zuzulassen?

Angst, es zuzulassen, weil es ja nicht von Dauer sein kann, weil es einem genommen werden könnte und man anschließend um so unglücklicher ist!

Dann lieber kein Glück empfinden!?
Keine schöne Alternative!


Liebe Grüße,
Kusshand

Inaktiver User
16.01.2008, 20:16
Hallo Kusshand,

Du kannst ja Gedanken lesen :smile: . Ich habe mich gerade in den letzten Tagen sehr viel mit dieser Frage beschäftigt.

In der Vergangenheit hatte ich sehr viele mehr oder weniger unglückliche Beziehungen, incl. eine gescheiterte Ehe. Vor einem Jahr habe ich dann zufällig einen in meinen Augen etwas seltsamen Kerl kennengelernt... seitdem sind wir ein Paar:freches grinsen:.

Dieser Kerl, also mein Freund ist zärtlich, fürsorglich, leidenschaftlich,... ich vermisse nichts.
Es ist schrecklich. :ooooh: :smirksmile:

Obwohl meine momentane Situation auch sonst für meine Verhältnisse sehr 'rund läuft', bin ich permanent angespannt, gerade so, als lauerte ich darauf, daß dieses 'unverschämte' Glück nur ein Trick ist.
Erst gestern sagte ich zu meinem Freund: 'Manchmal denke ich, mich fällt gleich etwas Schweres auf den Kopf, als Rache dafür, daß es mir jetzt so gut geht.

Tja.

Ängste bahnen sich wohl immer irgendwie, irgendwo einen Weg. Sie ändern einfach nur ihr Gesicht.
Es ist wohl eine dauernde Aufgabe, mit Angst leben zu lernen, dh.

a) die Angst erstmal zu akzeptieren und
b) ihr immer wieder positive Gedanken entgegenzusetzten.

So mache ich es und so nehme ich meiner Angst die Übermacht.

Welche Stategien habt Ihr?

djamilja

Inaktiver User
16.01.2008, 21:04
Ich kenne das auch ein bisschen. Zum einen denke ich aber, es ist ein Irrglaube, Glück sei immer leicht zu "ertragen". Das kann ganz schön anstrengend sein! Dann kommt es mir manchmal auch so vor, als ob viele Leute ein bestimmtes Grundgefühl immer wieder suchen, weil es ihnen vertraut ist. Und deshalb möglicherweise Angst vor dem UNBEKANNTEN Glück haben. Und letztendlich ist das wohl auch eine Frage des Selbstwertgefühls, wieviel Glück man sich selbst zugestehen kann.
Ehrenpreis

Inaktiver User
16.01.2008, 21:22
Glücksgefühle sind ja auch überwältigend. Es ist auch die Intensität dieses Gefühls und der damit einhergehende Kontrollverlust, der Angst auslöst.
In sehr glücklichen Momenten habe ich tatsächlich das Gefühl zu zerspringen :lachen: . Ich glaube, in jedem Moment in dem wir wagen, das 'ungebremste' Glück zu spüren, weitet sich unser Herz.

Inaktiver User
17.01.2008, 02:19
Und letztendlich ist das wohl auch eine Frage des Selbstwertgefühls, wieviel Glück man sich selbst zugestehen kann.

Das ist gerade meine Baustelle.
Es ist nicht so, dass ich davor Angst hätte, Glück zu empfinden oder mich fallenzulassen, sondern dass ich mich oft für unwürdig halte, dieses Gefühl haben zu dürfen bzw. - noch schlimmer - mit einem Menschen teilen zu dürfen, der ja so viel besser/schöner/klüger/... als ich ist.

Lösung hab ich keine, falls ich sie find, sag ihc sie euch :blumengabe:

Kusshand
17.01.2008, 20:25
Ängste bahnen sich wohl immer irgendwie, irgendwo einen Weg. Sie ändern einfach nur ihr Gesicht.
Es ist wohl eine dauernde Aufgabe, mit Angst leben zu lernen, dh.

a) die Angst erstmal zu akzeptieren und
b) ihr immer wieder positive Gedanken entgegenzusetzten.



Ja, ich denke auch, dass es ein sehr wichtiger Schritt ist, die Angst einfach zu akzeptieren, als einen dazugehörenden Teil!

Und dann sollte man natürlich immer wieder versuchen, ihr etwas positives entgegenzusetzen, ihr nicht zu viel Macht zu geben!

Prinzipiell hat die Angst ja auch die Aufgabe, einen zu schützen!
Wenn man vor etwas Angst hat, dann läuft man weg (z.B. vor einem angriffslustigem Tier) - und damit rettet man sich! Die Angst macht einen vorsichtig! Sie ist also auch wichtig!

Nun muss aber die Kunst beherrscht werden, zwischen einer beschützenden Angst und einer eher irrationalen Angst zu unterscheiden, die eher daherrührt, dass man denkt, man muss sich beschützen, z.B. weil man sich nicht zutraut, dass man stark genug ist, auch mit Rückschlägen etc. umzugehen!

Mutige Grüße :blumengabe: ,
Kusshand

Kusshand
17.01.2008, 20:30
Glücksgefühle sind ja auch überwältigend. Es ist auch die Intensität dieses Gefühls und der damit einhergehende Kontrollverlust, der Angst auslöst.

Das ist ein schöner Gedanke :blumengabe: !

Angst vor dem Kontrollverlust!
Glücklich ist man letztlich nur, wenn man loslassen kann!



In sehr glücklichen Momenten habe ich tatsächlich das Gefühl zu zerspringen :lachen: . Ich glaube, in jedem Moment in dem wir wagen, das 'ungebremste' Glück zu spüren, weitet sich unser Herz


Ja, unser Herz weitet sich - ein glückliches Gefühl!
Doch so viel Weite macht dann wieder Angst!?

Das darf man dann nicht zu-lassen! Einfach nur los-lassen!

:blumengabe:

Inaktiver User
18.01.2008, 22:56
Hallo,

ich lese und schreibe hier heute Abend, weil ich vor einer wichtigen Auseinandersetzung Angst habe, weil mein bisheriges Leben sich aufzulösen droht.
Und da lese ich von Euch, dass ihr Angst davor habt, glücklich zu sein. OK.
Ich könnte mir vorstellen, dass da ein Selbstwertproblem vorliegen könnte.
Ich meine, wenn Ihr Euch es nicht wert seid, Glück zu empfinden, quasi Schuldgefühle entwickelt, weil Ihr es möglicherweise seid ...,
ich kann es irgendwie gar nicht verstehen - ich denke,dass jeder die Fähigkeit zum Glück in sich selbst trägt - aber wenn man es selbst sich nicht gestattet, dann kann es doch gar nicht gehen!
Ich denke, Ihr steht Euch auf Euren eigenen Füßen.

Jeder ist es wert glücklich zu sein. Jeder kann sich sein Glück selbst schaffen. Aus sich selbst heraus. Dazu braucht man niemanden anderes.

Gute Besserung
Shonagon

Karla48
18.01.2008, 23:12
Angst vor dem Glücklichsein? Im Gegenteil - her damit! Ich habe eher Angst davor, zu wenig davon abzukriegen. :freches grinsen:

Mit Angst kenn´ich mich nämlich auch aus :lachen: , und damit nimmt man sich ja öfter mal die Möglichkeit zum glücklich sein.
Bis hin zu Panikattacken vor einigen Jahren (beim Autofahren). Ganz gräßlich. Kann kein Mensch gebrauchen. Rückwärtsbenzin fürs ganze Dasein.

Ich versuche, einem überflüssigen Angstgedanken mit dem Kopf entgegen zu steuern:
Also - der Gedanke kommt. Ich sage zu ihm völlig ruhig:
"Ach DU schon wieder. Ich kann dich nicht gebrauchen, ich will dich nicht. Zieh weiter oder hüpf in den Mülleimer."

Das klappt manchmal ganz gut. Es ist halt ein Weg, den ich gehe...Lebenslang.

Eine Angst sich sozusagen "von außen" anschauen war ein Tipp von meinem Therapeuten.
Merken: Ah ja, das ist er wieder, dieser unnötige Kram. Man kann sich versuchen erinnern (wenn man nicht gerade am durchdrehen ist):
War es denn letztes Mal so schlimm, das Befürchtete? Ist das überhaupt eingetreten? Nein! Also - wieso dann diesmal? Und sich dann ablenken. Z.B. rückwärts von 150 zurück zählen in Dreierschritten.

Selbstwertgefühl aufzubauen lernt man ja nun nicht wie Tennis spielen :engel: . Hat man in den ersten Kinderjahren Difizite mitgekriegt, hat man es schwerer als andere. Nicht alles ist eine Frage des "nur wollen müssens", glaube ich jedenfalls. Uns wird das immer suggeriert (vor allem von amerikanischen Ratgeber-Büchern, die in 10 Schritten alles lehren, aber auch alles).
Man kann schon etwas verbessern - nur ein völlig anderer Mensch kann man nicht werden, man wird eine Disposition nicht wegkriegen.

Oder meint Ihr, ich liege da völlig falsch?

Inaktiver User
19.01.2008, 18:40
Hallo,

ich lese und schreibe hier heute Abend, weil ich vor einer wichtigen Auseinandersetzung Angst habe, weil mein bisheriges Leben sich aufzulösen droht.
Und da lese ich von Euch, dass ihr Angst davor habt, glücklich zu sein. OK.
Ich könnte mir vorstellen, dass da ein Selbstwertproblem vorliegen könnte.
Ich meine, wenn Ihr Euch es nicht wert seid, Glück zu empfinden, quasi Schuldgefühle entwickelt, weil Ihr es möglicherweise seid ...,
ich kann es irgendwie gar nicht verstehen - ich denke,dass jeder die Fähigkeit zum Glück in sich selbst trägt - aber wenn man es selbst sich nicht gestattet, dann kann es doch gar nicht gehen!
Ich denke, Ihr steht Euch auf Euren eigenen Füßen.

Jeder ist es wert glücklich zu sein. Jeder kann sich sein Glück selbst schaffen. Aus sich selbst heraus. Dazu braucht man niemanden anderes.

Gute Besserung
Shonagon

...hmmm, das klingt für mich sehr theoretisch und nicht so, als ob Du jemals wahrhaftig tiefes Glück empfunden hättest.

Karla48
19.01.2008, 22:50
...hmmm, das klingt für mich sehr theoretisch und nicht so, als ob Du jemals wahrhaftig tiefes Glück empfunden hättest.

Wieso das?
So etwas ist durchaus erlebbar. Es heißt ja sogar in irgendeiner "Lehre" (weiß jetzt nicht, welche das ist), wer nicht das Glück in sich selbst finden könne, der sei überhaupt nicht fähig, wahres Glück zu empfinden. Das ist vielleicht eher etwas für hoch vergeistigte Menschen, aber die gibt es. Ich könnte Dir theoretisch jemanden zeigen.

Inaktiver User
19.01.2008, 22:57
:smile:

tobaccoflower
28.01.2008, 14:23
Hallo zusammen,
zufällig bin ich auf dieses Thema gestoßen und war total überwältgt davon, dass diese Angst mal in Worte gefasst wurde!
Mir war das nicht bewusst, doch ich merke nun, dass ich sehr ähnlich fühle.Ich WEHRE mich regelrecht dagegen so ein Gefühl in mir zuzulassen, ich suche danach, doch so, wie es sich "vor mich stellt" und sich mir "anbietet", will ich es nicht annehmen.
Lieben Gruß, tobaccoflower

Inaktiver User
04.02.2008, 12:39
Hi,
nach dem Totalabsturz meines Rechners habe ich erst jetzt wieder Gelegenheit hier zu lesen und zu schreiben:

Ich habe die Fähigkeit, Glück zu empfinden und habe viele sehr schöne Glücksmomente erlebt und ich habe keine Ahnung, weshalb Du , Djamilia, aus meinem Beitrag schließt, dass es nicht so sei.
Ich bin gerne glücklich und ich genieße Glück.
Aber wir können gern über Glück und seine Definition diskutieren.

Ich teile nur nicht Eure Angst vor dem Glück.
Liebe Grße
Shonagon

Inaktiver User
04.02.2008, 12:46
Angst, es zuzulassen, weil es ja nicht von Dauer sein kann, weil es einem genommen werden könnte und man anschließend um so unglücklicher ist!

Dann lieber kein Glück empfinden!?
Keine schöne Alternative!




Nein, keine schöne Alternative!

Für mich gilt die Prämisse: Lieber ein Leben voller Höhen und auch Tiefen, als gar nicht gefühlt zu haben.
Am Ende meines Lebens möchte ich sagen können, ich habe richtig intensiv gelebt und nicht nur vor mich hingedümpelt.
Deshalb: Glück, her mit Dir! Und wenn ich Dich verliere und tief falle, dann lohnt sich jede Träne, die ich um Dich weine. Und ich wachse daran.

Divino
17.02.2008, 01:14
Hier gehts doch nirgends um die Angst vor Glück, sondern um Verlustangst, nur anders betitelt. Der einzige Unterschied ist wohl das sehr weit vorausschauende Denken, nämlich vorab schonmal Verlustangst zu haben, bevor ein Verlust auch nur in nächster Nähe zu sehen ist. Jeder Mensch will glücklich sein und es ist das einzige Ziel, dass alle Menschen auf diesem Planeten anstreben. Sei es nun durch einen guten Job, einen tollen Partner, Kinder, neue Schuhe, eine Affäre, Freundinnen, Wohlstand, Haus, Garten, Sport... egal was es ist, das einzige Ziel ist soviele Dopamin-Stöße zu bekommen, wie nur möglich.

Und wer aus Angst vor Verletzungen dem Glück den Rücken kehrt, verletzt seine Seele einfach nur vorab selbst.

Inaktiver User
17.02.2008, 12:07
Divino,
ich glaube, dass denen, die hier mitschreiben, das was Du sagst, schon klar war. Das Problem ist ja, wie überwindet man diese Vermeidungsstrategien und lernt, Glück zuzulassen ohne gleich Angst vor dem Verlust desselben zu haben.

Inaktiver User
26.02.2008, 15:55
Mein Exmann fragte mich im Laufe unserer Trennung: "Warum kannst Du Glück nicht leben?" Eine Frage, die ich nicht beantworten konnte, die mich aber sehr traurig gemacht hat. Und nachdenklich.

Menschen, die Glück "einfach so" leben, sich vielleicht auch gar keine Gedanken über diesen Zustand machen, kennen die Zweifel nicht, die man spürt, wenn man ein angeknackstes Selbstwertgefühl hat. Die Fragen nach dem "Bin ich es wert?", "Meint er/sie wirklich mich?", "Kann das bestehen?" entstehen ja nicht, weil man Spaß hat an der Selbstzerfleischung oder dem ewigen Drama. Sie waren schon vorher da, kommen aus einem Leben vor dieser Beziehung und sitzen so tief, dass der Glaube, der den Gläubigen als das Selbstverständlichste der Welt erscheint, oft dem Zweifel weichen muss.

Was hilft, ist Selbstreflektion, manchmal auch Therapie. Aber einen Schalter gibt es nicht.

Nach 6 Wochen Glück hat mich am Sonntag die Angst wieder eingeholt. Vielleicht ist es auch eine Form von Verlustangst, die aber zumindest bei mir sehr seltsame Haken schlägt. Mehr, als darüber zu reden, kann ich nicht. Es ist eine Gratwanderung zwischen "mich selber erklären" und "dem Gespenst nicht zu viel Raum geben". Ich will verstanden werden, ohne den Stempel "verdreht" auf der Stirn zu haben. Und ich glaube fest daran, dass ich es lernen kann, Glück zu leben.