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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Angst & Panik - der Strick zieht sich zu...Hilfe...



jada
15.01.2008, 18:34
Hallo ihr alle.

Ich habe mich gerade schon durch einige andere Threads zum Thema gelesen, wollte aber keinen fremden Thread für meine Probleme "klauen", deshalb eröffne ich lieber einen eigenen. Und hoffe auf viele Antworten, Ratschläge, Meinungen. Entschuldigt, wenn es länger wird.

Ich habe seit einigen Monaten immer wiederkehrende Übelkeitsattacken. Anfangs beängstigte mich das nicht so sehr. Kann mal vorkommen, dachte ich. Irgendwann wurden die Attacken häufiger und ich merkte: das ist ja Angst. Ich bin nicht krank, ich bin in Panik.

Aber diese Erkenntnis bringt keine Erleichterung. Seit zwei Monaten geht es rapide bergab, und die angstbesetzten Situationen weiten sich mehr und mehr aus. Erst war es das Bahnfahren (weil man im Falle der Übelkeit nicht einfach abhauen kann), dann Restaurants, der Friseur, etc etc. Mittlerweile bin ich auch bei der Arbeit unter extremer Anspannung, höre panisch in meinen Körper hinein, mir ist dauernd übel, ich esse sehr wenig. Zuhause geht es mir gut.

Die Grundsituation ist die: ich habe eine extreme Angst vor Kontrollverlust, vor dem was die Leute dann von mir denken, wenn ich mich in der Öffentlichkeit übergebe oder auf der Arbeit aus einem Meeting rausrenne. Wenn ich eine akute Panikattacke habe, ist mir sehr übel und gleichzeitig habe ich Bauchkrämpfe (manchmal auch wirklich Durchfall).

Ich habe das Buch von Doris Wolf gelesen und versuche nach Kräften, damit zu arbeiten, aber: es wird nicht besser. Schlimm ist, dass diese Attacken wirklich dann erst nachlassen, wenn ich aus der Situation raus bin. Habe mich vor einigen Wochen todesmutig zum Friseur begeben. Mit dem Resultat, dass ich eine Stunde lang vollkommen panisch und zitternd dort saß und es mir erst besser ging, als ich da raus war. Ich dachte echt, ich kotz dem gleich vor die Füße. Keine Spur von Abebben der Panik! Wie kann das sein, frag ich mich.

Ich weiß langsam nicht mehr weiter. Seit einer Woche nehme ich Citalopram 20mg und einen Therapieplatz habe ich mir auch soeben gesucht. Aber es geht mir zur Zeit so elend, dass ich nicht arbeiten kann. Bin diese Woche krankgeschrieben. Ich weiß, das ist Vermeidungsverhalten. Aber immer, wenn ich so eine Situation trotzdem wage, kommt es zur Katastrophe, zu dieser nicht abebbenden Panik.

Bitte helft mir, was kann ich denn tun? Ich traue mich gar nicht mehr, z.B. ins Kaufhaus oder zum Friseur zu gehen. Vor allem auch, weil ich ja wirklich dann zuweilen neben der Übelkeit wirklich Durchfall bekomme und dringend eine Toilette brauche (da kann ich dann halt nicht abwarten, bis ich ruhig bin - in die Hose machen wäre ein HORROR, oh mein Gott).

Mein Leben wird täglich eingeschränkter, ich werde immer deprimierter. Hoffnung habe ich momentan eigentlich keine mehr. Und erst recht keine Ahnung, wie ich aus diesem Teufelskreis ausbrechen soll. Das Medikament hat die Panik erstmal noch schlimmer gemacht. Mein Hausarzt hat Blut und Schilddrüse untersucht, ist alles ok.

Verdammt, ich will doch einfach nur LEBEN...

Karla48
15.01.2008, 18:43
Panikattacken hatte ich früher auch. Ich konnte nicht auto fahren. Ganz fiese Sache, diese Angst. Wer das nicht kennt, ahnt ja nicht, was man durchmacht!

Du hast also schon einen Therapeuten gefunden, sehr gut! Und beim Facharzt warst Du auch schon, super.

Das Citalopram hat bei mir damals eine grausamste Übelkeit ausgelöst. Ich habe das abgesetzt, obwohl mein Arzt mir riet, nochmal mehr oder weniger davon zu nehmen, das müsse man nur ausprobieren...nee danke, dauernd k**** das geht GAR nicht!! Konnte ich nicht einen einzigen Tag länger aushalten.
Mir half dann unproblematisch ein anderes Medikament.

Kann es sein, daß Deine Übelkeit auch daher kommt? Bäh, wenn ich an dieses dauernde Gefühl in der Kehle, gleich ginge es wieder los, zurückdenke....neiiiiiin, das war dermaßen schlimm!!

Und Übelkeit als Nebenwirkung ist sehr bekannt und sehr häufig! Besteht darauf, wenn Du das für eine Möglichkeit hältst, ein anderes Medikament zu probieren. Die Ärzte sind da unterschiedlcih drauf. Manche meinen, drei Tage durchziehen, wenn dann nicht verträglich, weg damit. Andere wollen einen längeren Zeitraum probieren.

Ich verstehe Dich gut! Es fühlt sich nicht mehr an wie ein lebenswertes Leben,w enn man den ganzen Tag nur eines versuchen muß: Nicht zu k******.

Die Panikattacken-Therapie ist eigentlich gut gelaufen bei mir, man muß schon noch durch einige Situationen durch, sich durchkämpfen, aber man schafft das. Der Therapeut gibt einem Werkzeuge in die Hand, die einem helfen, und die funktionieren auch, darauf kann man sich verlassen!

Grund für die Panik sind tief liegende Ängste und Störungen, die in einer anderen Therapieform aufgearbeitet worden sind in meinem Fall. Weil der Panik-Mensch nur die eine Seite behandelte. Sozusagen die "technische". Aber man muss in die Tiefe, um zu sehen, was eigentlich los ist. Und dann wird man richtig "frei". Also so war es jedenfalls bei mir.

Erzähl Du mal, was Du denkst: Nebenwirkung ja/nein...usw.?
LG Karla

Inaktiver User
15.01.2008, 18:53
Hallo jada,

ich habe mal eine ganz andere Frage.

Hast du Angst vor Erbrechen? Angst vor Erbrechen ganz allgemein, egal ob zu Hause oder in der Öffentlichkeit?

Das gibt es nämlich auch. Ich weiß, wovon ich rede bzw. schreibe. Deshalb hatte ich auch Panikattacken.

Bei dir kann es natürlich auch ganz anders sein. Es ist nur eine Frage.

Liebe Grüße
Mabell

jada
15.01.2008, 18:56
Liebe Karla,
danke für Deinen schnellen Beitrag.
Das Citalopram hat die Übelkeit eigentlich nicht verschlimmert. Mit der fing ja vor Monaten schon alles an. Nebenwirkungen "nur" Kopfschmerzen, Schlafstörungen und mangelnder Appetit. Ich nehme es ja erst seit einer Woche...auf dem Beipackzettel steht, dass die Nebenwirkungen langsam abklingen. Naja.

Ach, ich bin grad so hoffnunglos und kann mir nicht vorstellen, dass mir ein Therapeut helfen kann. Und fühle mich so schwach und versagermäßig, weil ich es nicht schaffe, trotz Übelkeit und/oder Durchfall eine Situation durchzustehen. Und das wo wich doch weiß, dass Vermeidung mich immer nur noch mehr in Teufels Küche bringt :knatsch:

LG jada

jada
15.01.2008, 19:03
Hallo jada,

ich habe mal eine ganz andere Frage.

Hast du Angst vor Erbrechen? Angst vor Erbrechen ganz allgemein, egal ob zu Hause oder in der Öffentlichkeit?

Das gibt es nämlich auch. Ich weiß, wovon ich rede bzw. schreibe. Deshalb hatte ich auch Panikattacken.

Bei dir kann es natürlich auch ganz anders sein. Es ist nur eine Frage.

Liebe Grüße
Mabell

Hallo.
Ich habe gewissermaßen Angst vor dem Erbrechen, ja. Zuhause find ich es zwar schlimm, aber es macht mir keine Angst, das halte ich aus. Das Erbrechen in der Öffentlichkeit (auf der Straße, aber auch Arbeit, Restaurant etc) ist jedoch im Moment eine ziemlich Horrorvorstellung. Gepaart mit den Darmkrämpfen...uaaahhh.

Meine persönliche Vorstellung der Hölle (bitte lacht jetzt nicht): in einer "öffentlichen" Situation sich übergeben zu müssen und womöglich gleichzeitig in die Hose sch****

Es ist vielleicht die "soziale Komponente", die mich fertig macht, denn zuhause geht's ja. Vor der Arbeit esse ich nur noch ganz wenig, denn vor lauter Übelkeit krieg ich nix runter. Restaurant fällt aus den selben Gründen flach - in Panik ist mein Magen wie zugeschnürt und jeder Bissen macht das schlimmer.

Heut morgen las ich in der Zeitung erst vom Norovirus (Plötzliches Erbrechen, schwere Durchfälle) und bekamm glatt schon wieder eine Panikattacke ("Wenn ich mich anstecke, um Gottes Willen!"). Das auch noch. Puh, ich bin ein Angstwrack. Ich bin total durchgeknallt, so komm ich mir vor.

Karla48
15.01.2008, 19:08
Jada, es ist Bestandteil des psychischen Problems (sozusagen "klassisch"), daß man glaubt, da könne einem keiner helfen.

Kann aber doch! Wenn Du es nicht glauben kannst, glaub ich es so lange für Dich mit. :smile: Ich habe einfach eine positive Erfahrung gemacht mit der Therapie. Es gibt immer einen Weg im Leben, so auch hier! Nicht verzweifeln! Nicht nötig! Wirklich nicht! :in den arm nehmen:

Inaktiver User
15.01.2008, 19:10
Hallo jada,

ich kann dich sehr gut verstehen. Es geht mir wie dir.

Google doch mal nach Emetophobie. Ich kann dir auch gerne per PN einige Seiten schicken.

Viele Jahre habe ich gedacht, ich bin damit alleine und bin völlig bescheuert. Das ist aber nicht so. Wenn ich vom Norovirus nur höre, wird mir ganz anders.

Du bist damit nicht allein!

Liebe Grüße
Mabell

Karla48
15.01.2008, 23:13
Nein um Himmels Willen - Du bist doch nicht durchgeknallt.
Du hast momentan lediglich eine Angst-Erkrankung (wie Millionen anderer Leute auch). Diese Art Erkrankung nimmt seit Jahren stark zu in der Bevölkerung. Kein Wunder, der Druck und die Angst vor allem Möglichen nicht Kontrollierbarem werden immer stärker...(Benzin, Putschin, Bush, Steuern, Renten unsicher, Überschwemmungen, andere Naturkatastrophen und so weiter und so weiter). Die Medien sind auch nicht gerade unschuldig, berichten sie doch so gerne über Angstmachendes. Ich kenne eine Menge Menschen, die die Nachrichten nicht mehr schauen, weil sie sie nicht mehr aushalten möchten. Löst Ängste aus. Logisch. Hoffnung ist ein Fremdwort in den Nachrichten :freches grinsen:

Die Angsterkrankung ist gut behandelbar! Glaub mir. Ich sage das nicht so dahin, sondern weil ich eine Angsterkrankung ziemlich zügig losgeworden bin (entgegen meiner Erwartungen natürlich:-))

Ich hoffe sehr für Dich, daß Dir bald geholfen werden kann. Kann Dein Arzt nicht eilig für eine entsprechende Reha für Dich sorgen? Schnellstens beantragen, denn stationär macht man die allerbesten ersten Schritte, die man sich wünschen kann!
Geh nochmal zu ihm und frage nach. Das ist ja nicht zumutbar, noch monatelang nichts tun zu können. Die Krankenkasse kann auch helfen, die muß den Antrag als eilig weiterleiten, das hilft.

Mädel ich habe echt viel Mitgefühl für Dich, ich sehe es direkt vor mir, wie Du daheim bist und leidest und zweifelst. Wenn ich nur was tun könnte...
LG Karla

jada
16.01.2008, 11:28
Liebe Karla,
danke für Deine Worte. Das ermutigt mich gerade ein bißchen :blumengabe:

Ich hab eben erfahren, dass ich sofort einen (ambulanten)Therapieplatz bekommen kann bei der Psychologin, also ohne längere Wartezeit. Nächste Woche kann ich wieder hin. Das ist schonmal gut. Ich dachte auch schon dran, vielleicht in ne Tagesklinik zu gehen für ein paar Wochen? Da gibt bei mir in der Stadt ja einige...mal sehen, wenn es nicht schnell besser wird, wär das vielleicht eine Lösung. Was meinst Du?

Ich versteh irgendwie nicht, wie das alles kam. In so kurzer Zeit wurde ich plötzlich total handlungsunfähig. Und das Schlimme ist, ich nehme mir immer vor, meiner Angst nicht nachzugeben, und das klappt bei kleineren Sachen auch ganz gut. Aber manchmal ist mir dann eben zuhause schon so übel im Vorfeld, und dann denke ich "Hm, jetzt könntest Du wirklich Magen-Darm haben, und wenn Du jetzt rausgehst und in die U-Bahn steigst, biste aber schön angeschmiert"

Ich kann es oft einfach nicht unterscheiden, wann diese Symptome körperlich sind und wann psychisch. Denn ab und zu wird ja jedem mal "in echt" übel oder er hat Durchfall, das ist bei mir natürlich nicht anders. Wenn ich das bloß mit Sicherheit unterscheiden könnte, wann es vom Kopf kommt...dann wär ich vielleicht mutiger.

Ich hab mir vorgenommen, in den nächsten Tagen mal ein paar Sachen zu trainieren. Mal ne halbe Stunde mit der U-Bahn herumzufahren oder mich alleine in ein Cafe setzen oder so. Und das auszuhalten. Damit ich nicht jeden Tag isolierter werde. Weiß eh schon nicht, wie ich Montag wieder arbeiten soll. Vermutlich muss ich das einfach machen, d.h. durchhalten, auch wenn es mir dabei noch so dreckig geht. Vielleicht wird's dann irgendwann besser...ich hoffe es.

rosaschaefchen
08.05.2008, 11:38
Hallo jada,
die Worte von karla haben mich jetzt auch ein wenig beruhigt.
Da es mir im Moment ähnlich geht mit der Übelkeit, hervorgerufen durch eine Depression, würde es mich brennend interressieren wie es dir heute geht :-)
Ganz liebe Grüße
Silke

Inaktiver User
08.05.2008, 19:28
Die Grundsituation ist die: ich habe eine extreme Angst vor Kontrollverlust, vor dem was die Leute dann von mir denken, wenn ich mich in der Öffentlichkeit übergebe oder auf der Arbeit aus einem Meeting rausrenne. Wenn ich eine akute Panikattacke habe, ist mir sehr übel und gleichzeitig habe ich Bauchkrämpfe (manchmal auch wirklich Durchfall).


ja.
so ist das.
meine erfahrung war, dass sich mein zustand erst gebessert hat, als ich ihn als kankheit angenommen habe und mir wirklich wochenlang erlaubt habe, gewisse dinge einfach NICHT zu tun.
ich habe jahrelang über meine ängste hinweggelebt, weil ich dachte, ich müsse da jetzt durch.

du versuchst ja, deine krankheit zu heilen, suchst therapie, nimmst medikamente (die mir übrigens gut geholfen haben).
lass dir und deinem körper doch mal ein bisschen zeit, geh nicht arbeiten, geh mal nicht zur friseurin.... lass die änste ein stück weit zu.
das ist keine flucht, wenn du gleichzeitig therapie machst und an dir arbeitest.
dein körper will dir mit der angst etwas sagen. wer anfängt, zuzuhören, anstatt immer nur dagegen zu kämpfen, hat die angst schon ein stück weit besiegt.

bei mir gibt es heute, ein halbes jahr nach dem zusammenbruch, noch dinge, die ich nicht mache (weite wege mit dem auto fahren). manche meinen, das sei eine einschränkung meiner lebensqualität.
ich fühle mich wohl in meinem leben, auch ohne lange autostrecken.
ich habe gelernt zu unterscheiden, was meine lebensqualität ist und was "die gesellschaft" darunter versteht.

also lass dir zeit, das antidepressivum wird helfen, die therapie wird helfen.
:blumengabe:

Lizzie64
09.05.2008, 16:08
kurze anmerkung:

jadas beiträge sind 4 monate alt, wir wissen leider nicht, wie es ihr aktuell geht.

ich hoffe und wünsche dir, jada, das hier gilt: no news = good news!

schöne pfingsten wünsche ich allen! :Sonne: :blumengabe: