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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Zusatzvers. der DKV - wie sinnvoll?



Mondschaf
13.01.2008, 17:02
Hallo Zusammen,

ich bin bei der AOK gesetzlich versichert. Meine privatärztlich arbeitende Heilpraktikerin meinte, dass die DKV für ges. Versicherte eine Zusatzversicherung hat, die Kosten teilweise für Heilpraktiker übernimmt. Das wäre der Tarif AM8, wie ich rausgefunden habe. Diese beinhaltet auch Zuschüsse für Brille (trage ich), Auslandskrankenversicherung (hab ich allerdings schon eine) und Zahnersatz (auf den es mir nicht vorrangig ankommt, aber immerhin 25%). Ich fand auf den ersten Blick keinen Haken.

Hat jemand schon diese Versicherung abgeschlossen und wie sind die Erfahrungen? Lohnt sich diese? Die Beiträge würden für eine etwa 30j. Frau um die 12 Euro liegen (ich weiß, die sind individuell).

Ich habe mal einen Auszug aus den Tarifbedingungen kopiert. Ich würde mich sehr über einen kleinen Erfahrungsbericht freuen :blumengabe:

Danke + viele Grüße,
Mondschaf

ERGÄNZUNGSTARIF AM 8

FÜR GKV-VERSICHERTE
KRANKHEITSKOSTENVERSICHERUNG

L e i s t u n g e n d e r D K V

1. Sehhilfen

1.1 Erstattungsfähig sind Aufwendungen für:
■ Sehhilfen (einschließlich Brillenfassungen), und zwar nach Vollendung des 14. Lebensjahres bei Änderung der Sehfähigkeit um mindestens 0,5 Dioptrien, ohne eine solche Veränderung der Sehfähigkeit frühestens 3 Jahre nach Bezug der letzten Sehhilfe.

1.2 Die erstattungsfähigen Aufwendungen werden je Sehhilfe zu 80 % ersetzt, höchstens jedoch bis zum vollendeten 14. Lebensjahr 64 EURO, ab dem vollendeten 14. Lebensjahr 128 EURO. Die Regelung in Nr. 1 ersetzt § 4 Abs. 3.3 AVB.

2. Behandlung durch Heilpraktiker

2.1 Erstattungsfähig sind Aufwendungen für:
■ Leistungen des Heilpraktikers (es dürfen Heilpraktiker im Sinne des deutschen Heilpraktikergesetzes in Anspruch genommen werden), soweit das Honorar im Rahmen der Beträge des Gebührenverzeichnisses für Heilpraktiker 1985 liegt und die
Regelhöchstsätze1 der amtlichen deutschen Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) nicht überschreitet.

2.2 Die erstattungsfähigen Aufwendungen, deren Art und Umfang sich im Einzelnen aus Nr. 2.1 ergeben, werden zu 80 % ersetzt.

3. Zahnärztliche Heilbehandlung: Einlagefüllungen, Zahnkronen, Zahnersatz

3.1 Erstattungsfähig sind Aufwendungen für:
■ Einlagefüllungen,
■ Zahnkronen, Zahnersatz (zum Beispiel Brücken, Prothesen), mit Ausnahme implantologischer Leistungen und Implantatgetragenem Zahnersatz, soweit die Gebühren im Rahmen der Höchstsätze der amtlichen deutschen Gebührenordnung für Zahnärzte bzw. Ärzte liegen und deren Bemessungsgrundsätzen entsprechen.
■ Zahntechnische Laborarbeiten und Materialien,
soweit die dafür in Rechnung gestellten Beträge im Rahmen der in Deutschland üblichen Preise berechnet sind
und bei zahnärztlichen Leistungen anfallen, für die Aufwendungen nach Nr. 3.1 erstattungsfähig sind.

3.2 Die erstattungsfähigen Aufwendungen, deren Art und Umfang sich im Einzelnen aus Nr. 3.1 ergeben, werden zu 25 % ersetzt.

3.3 Wir empfehlen Ihnen, vor der eigentlichen Behandlung einen Heil-und Kostenplan des Zahnarztes vorzulegen. Sie erhalten dann eine Mitteilung über die Versicherungsleistung.

_________________________
1 Das sind der 2,3fache Satz der GOÄ, bei Leistungen nach den Abschnitten A, E oder O der GOÄ der 1,8fache Satz,
bei Leistungen nach Abschnitt M der GOÄ der 1,15fache Satz. Eine Kurzfassung der GOÄ erhalten Sie kostenlos auf
Anforderung.

Inaktiver User
14.01.2008, 17:23
Hallo Mondschaf.

Achtung, für Personen, die bereits eine Sehhilfe tragen, kommt ein Zuschlag zum Beitrag hinzu. Ebenso kann im Zahnbereich ein Zuschlag z.B. für fehlende und nicht ersetzte Zähne hinzu kommen.

Je nach Schwerpunkt kommen für Deinen Bedarf mehrere Tarife in Frage, die Du Dir im Detail mal ansehen solltest:



Inter: GE1 + GZE1
Allianz: AmbulantPlus + 723Plus
Victoria: GE+GEP

Diese Tarife sind alle mit der DKV in einem Preissegment.
Für Fragen komm bitte einfach auf mich zu.

lg. justii

Inaktiver User
14.01.2008, 17:36
Aufgrund eines Telefonates mit der AOK im Verlauf der verg. Woche stellt sich mir wieder einmal die Frage:

"Warum ist ein informierter und aktiver Bürger noch Mitglied bei der AOK?" *verständnislos den kopf schüttel*

Mondschaf
14.01.2008, 18:02
Hallo Justii,

danke für Deine Hilfe!! Die Tarife werde ich mir mal unter Lupe nehmen. Ich hoffe, die gehen auch konform mit der AOK, als Zusatz meine ich.

Wo um Himmels Willen hast Du das mit dem Zuschlag für die Sehhilfe denn herausgelesen? Es steht doch was von Änderung der Sehfähigkeit drin, deshalb geh ich davon aus, dass gemeint ist, dass man aufgrund dieser Veränderung eine andere Brille braucht :peinlich: also man schon eine hat!

Hast Du auch einen Trick bezüglich Heilpraktikeraufwendungen erkannt? Zähne fehlen mir zum Glück noch nicht..

Meine Heilpraktikerin meinte, dass ich mich lieber woanders als der AOK erkundigen soll, die sind nicht so gut informiert :freches grinsen:

Danke + Grüße,
Mondschaf

Inaktiver User
14.01.2008, 19:53
Hallo Justii,

........

Meine Heilpraktikerin meinte, dass ich mich lieber woanders als der AOK erkundigen soll, die sind nicht so gut informiert :freches grinsen:

Danke + Grüße,
Mondschaf

Wie nett formuliert...

Wir hatten letzte Woche ein Gespräch mit der AOK bezüglich bewußter Falschinformation von AOK-Mitgliedern und rechtwidriger Rückwerbeversuche bei wechselwilligen AOK-Mitgliedern bis fast zur Nötigung...

Insofern kann ich Deiner Heilpraktikerin absolut recht geben.

Die Tarife der DKV sind, wie auch die Tarife der anderen Anbieter auf gesunde Kunden kalkuliert. Eine Sehhilfe (Brille) ist eine Einschränkung und bedeutet für die Gesellschaft ein deutlich erhöhtes Risiko. Dies lässt sich die Gesellschaft natürlich bezahlen.

Ist ja auch nachvollziehbar, die Wahrscheinlichkeit, daß ein Brillenträger binnen der nächsten Jahre einmal oder mehrmals eine neue Brille braucht ist deutlich höher als die Wahrscheinlichkeit, daß ein Nicht-Brillenträger in den nächsten Jahren eine Brille braucht.

lg. justii

Inaktiver User
14.01.2008, 21:30
.....

Hast Du auch einen Trick bezüglich Heilpraktikeraufwendungen erkannt? .....
Einen Trick gibts da nicht, die DKV zahlt in diesem Tarif 80% der Aufwendungen. Andere Tarife zahlen 70% bis 100% je nach Tarif, weisen dafür aber oftmals eine Summenbegrenzung auf.

Je nach Schwerpunkt sind diese aber dafür auch bei den Zahn- und Brillenleistungen stärker.

Aber wie gesagt, das mußt Du Dir im Detail ansehen.

lg. justii

Mondschaf
24.01.2008, 19:53
Hallo Justi,

nicht dass Du denkst, ich verfolge das Thema nicht mehr. Ich bin sehr dankbar für Deinen Rat und habe mal von Inter eine Tarifbeschreibung heruntergeladen. Bei den anderen beiden schaff ich das nicht *bin ein DAU* Am Wochenende studiere ich mal den Inter-Tarif.

Liebe Grüße an Dich,
Mondschaf

Inaktiver User
24.01.2008, 22:33
Und nach d. Wo-Ende bekommst die beiden anderen von mir. Ok?
Erinnere mich bitte einfach nochmal kurz daran.
Danke :-)

Nihilsinecausa
29.01.2008, 18:51
> Einen Trick gibts da nicht, die DKV zahlt
> in diesem Tarif 80% der Aufwendungen.

Nein, das stimmt nicht. Das stimmt übrigens nicht für SÄMTLICHE privaten Krankenversicherungen in Deutschland ... insoweit, dass die Prozentsätze sich immer auf die erstattungsfähigen (!) Kosten nach der Gebührenordnung für Heilpraktiker Stand 1985 (!) beziehen und nur dann überhaupt erstattungsfähig sind, wenn es aus schulmedizinischer (!) Sicht eine Indikation zur Behandlung bei einem Heilpraktiker gibt (und das ist eher selten der Fall) und die Art der Diagnosefindung und Therapie ebenfalls aus schulmedinischer (!) Sicht bei einer bestimmten Krankheit sinnvoll sein könnte.

Zudem gibt es Beschränkungen je sog. Krankheitsfall, was z.B. heißen kann, dass für eine Beratung bei einem Heilpraktiker hinsichtlich einer Erkrankungen im Monat maximal z.B. 12,90 EUR erstattungsfähig sind. Diese 12,90 EUR könnten dann z.B. 100 % :-> der erstattungsfähigen Aufwendungen (nach neuer deutscher Rechtschreibung schreibt man "Aufwendungen" - glaube ich - jetzt aber mit "ä") sein und würden von Versicherungen etwaig ebenso vollmundig beworben. Es glaubt doch aber hoffentlich niemand, dass ein Heilpraktiker sich für 12,90 EUR zwei Stunden lang hinsetzt, um eine ausführliche Anamnese zu machen.

Mit dem "Trick" ;-) nur die Gebührenordnung für Heilpraktiker Stand 1985 gelten zu lassen, schlägt man mindestens gleich zwei Fliegen mit einer Klappe, erstens weil wir mittlerweile 23 Jahre weiter sind und ein ganz anderes Preisniveau haben und zweitens weil in der Fassung von 1985 sehr viele Diagnose- und Behandlungsmethoden, die heute üblich sind, noch gar nicht aufgeführt sind und somit (was für eine Überraschung) nicht erstattungsfähig sind.

liebe Grüße
nihil sine causa

Inaktiver User
29.01.2008, 20:48
Das mit 1985 ist tatsächlich auch im neuen, ab 01.01.2008 gültigen Tarif der DKV wieder enthalten. Habe gerade nachgeschlagen. Und auch im Tarif der Victoria. Dankeschön :-)

Die Inter formuliert:


Erstattungsfähig sind die Aufwendungen für ambulante
Heilbehandlung durch Heilpraktiker im Sinne des
deutschen Heilpraktikergesetzes bis zu einem Rechnungsbetrag
von insgesamt
1.023 EUR pro Kalenderjahr,
und zwar für die im jeweils geltenden Gebührenverzeichnis
für Heilpraktiker aufgeführten Leistungen bis
zum jeweils angegebenen Höchstbetrag einschließlich
Arznei- und Verbandmittel.


lg. justii

Nihilsinecausa
29.01.2008, 21:14
Hallo Justii,

die genannten 1.023 EUR pro Kalenderjahr hören sich für manch eine/n vielleicht recht viel an und könnten deshalb etwaig als Anreiz zum Abschluss eines Vertrages dienen ... in der Wirklichkeit erreicht diesen Höchstbetrag als tatsächliche Erstattung aber kaum jemand, es sei denn man/frau hat z.B. MS und ist nachweislich schulmedizinisch austherapiert (nicht jede/r mag sich das antun) usw. usf. Der/Die "normale" Deutsche erhält in der Regel (weil s.o.) diesen Betrag aber nicht erstattet.

Das kann ja auch gar nicht anders gehen. Krankenkassen müssen von den Beiträgen die Therapeutenkosten bzw. einen Teil davon tragen, ihre eigenen Verwaltungskosten, Mietkosten, Mitarbeiterentgelte, Telefonkosten und andere Bürokosten, Heizung, Strom, eigene Versicherung usw. ... d.h. in den meisten Fällen müssen (!) Krankenkassenversicherte mehr durch ihre Beiträge einzahlen als sie im Schnitt bzw. insgesamt herausbekommen, sonst funktioniert das ganze System nicht. Krankenkassen sind nicht die Caritas. Und auch die Caritas wird von "jemandem" finanziert.

liebe Grüße
nihil sine causa

Inaktiver User
30.01.2008, 10:27
Ja, daß im Durchschnitt mehr rein muß als raus kann, das war mir auch schon vorher klar. Darüber brauchen wir auch gar nicht zu diskutieren. Ich denke, das ist auch jedem anderen klar.



Der/Die "normale" Deutsche erhält in der Regel (weil s.o.) diesen Betrag aber nicht erstattet.

Auf welche nachvollziehbaren Grundlagen stützt Du diese Aussage.

Ich kann diese so, aus meiner Erfahrung, nicht bestätigen. Weder durch private noch durch berufliche Erfahrungen...

lg. justii

Nihilsinecausa
01.02.2008, 17:09
Hallo Justii,

ich bin nur gelegentlich hier, weil der allergrößte Teil meines Lebens offline stattfindet :=) … deshalb kommt meine Antwort erst jetzt.

>> Der/Die "normale" Deutsche erhält in der Regel (weil s.o.)
>> diesen Betrag aber nicht erstattet.

> Auf welche nachvollziehbaren Grundlagen stützt Du diese Aussage.
> Ich kann diese so, aus meiner Erfahrung, nicht bestätigen.
> Weder durch private noch durch berufliche Erfahrungen...

… hmmm … das kann ich jetzt gerade nicht nachvollziehen ;o) weil Du ja zuvor schriebst:

> Ja, daß im Durchschnitt mehr rein muß als raus kann,
> das war mir auch schon vorher klar. Darüber brauchen
> wir auch gar nicht zu diskutieren. Ich denke, das ist
> auch jedem anderen klar.

Ich arbeite u.a. seit rund 20 Jahren in verschiedenen Gesundheitsbereichen, u.a. auch hinsichtlich Sinn und Zweck und praktischer Darstellung/Darstellbarkeit (insbesondere der rechtsvertraglichen Belange) der Arbeit sog. gesetzlicher und privater Krankenversicherungen. Ein nicht unerheblicher Teil meiner privaten Kontakte sind KV-Makler und Therapeuten unterschiedlicher Art. Und ich kenne auch genügend Patienten.

Die Idee von Versicherungen grundsätzlich ist ja, für einen mehr oder weniger „plötzlich“ Menschen näherungsweise komplett oder nicht unerheblich finanziell „tot stellenden“ Ausnahmezustand, der aber eben ein solcher Ausnahme-Zustand und nicht der Regelfall ist, vorzusorgen. Die Idee ist nicht, dass man regelmäßig bestimmte Beträge einzahlt, regelmäßig Erstattungen bekommen, die in etwa gleich der eingezahlten Beträge sind oder sogar immer wieder mal darüber, weil wie bekannt die Versicherungsgesellschaften ja noch ganz viele andere Kosten haben, um überhaupt als solches zu arbeiten.

Versicherungskonditionen (und natürlich auch die von KVen) MÜSSEN aus kaufmännischen Gründen immer so gestrickt sein, dass dies berücksichtigt wird, sonst droht mindestens mittelfristig die Insolvenz. Bevor diese konkret droht, aber möglicherweise es dorthin zu gehen scheint, müssen entweder Beiträge bei z.B. gleicher etwaiger Leistung erhöht werden, die Auszahlungen/Erstattungen reduziert werden bzw. teils ganz wegfallen oder eine Kombination aus Beidem stattfinden. Und das ist ja auch genau das, was passiert, was passieren muss.

Auch und insbesondere für private Krankenzusatzversicherungen gilt das oben Gesagte. Sinn und Zweck KANN es aus praktikablen Gründen NICHT sein in dem Sinne: „ich schließe eine Zusatzversicherung ab, WEIL ich immer schon und auch immer mal wieder z.B. zu einem Heilpraktiker wegen Diesem und Jenem wollte, zahle irgendeinen monatlichen eher geringen Betrag ein und erhalte dann mehr raus, als ich eingezahlt habe“. Allerdings werden Versicherungen nicht selten IMNSHO genau in diese suggestive Erlebnisprophezeiung gehend beworben.

Letztendlich kann (muss nicht) es nicht selten teurer sein, bestimmte Versicherungsbeiträge zu zahlen UND privattherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen, die dann eher nur dezent bis gar nicht erstattet wird, als von vorneherein nur die privattherapeutische Hilfe selbst zu zahlen :o)) … die man ggf. in der Einkommensteuererklärung zum Teil oder ganz geltend machen kann.

Ein Beispiel:

Ein weitläufiger ehemaliger Bekannter ist/war Versicherungsmakler (seiner Ansicht nach ein erfahrener „Experte“) für private Krankenversicherungen und private Zusatzversicherungen und war selbst auch über eine der von ihm angebotenen Versicherungen KV-versichert. Einmal befand er sich in einer sehr starken Belastungssituation und wollte, nachdem eine kassenbezahlte konventionelle Kurzpsychotherapie keinerlei Erfolg gezeitigt hatte, die Dienste einer Heilpraktikerin für Psychotherapie (auch mit u.a. Psychologiestudium) in Anspruch nehmen und fragte mich, was meine Ansicht zur Erstattungsmöglichkeit sei.

Ich erklärte ihm den Sachverhalt aus meiner Sicht und machte ihn ebenso darauf aufmerksam, dass (zum damaligen Zeitpunkt) keine private KV psychotherapeutische Leistungen von Heilpraktikern bezahlen würde. Sein Kommentar war „ach was, meine Versicherung zahlt das alles, ich weiß das, ich bin Experte, ich verkaufe ja diese Versicherungen, schließlich hieß es ja in der Werbung 100 % Erstattung“.

Auch die Heilpraktikerin, die meine Sicht aus nahe liegenden Gründen teilte, machte ihn nochmals darauf aufmerksam. Er war aber immer noch der Ansicht, dass das „ weibliche Überbefürchtungen“ seien. Und: seine KV lehnte natürlich die Erstattung dieser Kosten komplett ab.

Auch reichte er noch bei seiner KV eine Rechnung einer Heilpraktikerin ein, die ihn wegen einer umfangreicheren körperlichen Gesundheitsproblematik untersucht hatte und eine Erstanamnese gemacht, die ebenso auf die von mir geschilderten Erstattungsmodalitäten aufmerksam machte. Seine KV erstattete hierfür (d.h. ausführliche Erstuntersuchung und Erstanamnese von insgesamt rund 2 Stunden) einen Betrag von unter 30 EUR, auch mit der Begründung, dass die von ihm konsultierte Heilpraktikerin ja soooooo viel weit mehr als ein Arzt in Rechnung gestellt habe (insgesamt 80 EUR, in Wirklichkeit ein absoluter Schnäppchenpreis) . Nur ist es so, dass aus Krankenkassensicht in der Regel eine „über das übliche Maß hinausgehende“ ausführliche Erstuntersuchung nur für rund 10 bis 15 Minuten bezahlt wird, d.h. egal ob die erforderliche Untersuchung usw. notwendigerweise eine halbe oder 1 oder 2 Stunden dauert, wird nur der Betrag bezogen auf die 10 bis 15 Minuten bezahlt, und zwar teils je nach medizinischer Indikation und Krankheitsfall nur einmal im Monat. Jeder angehende Humanmediziner im Grundstudium weiß aber bereits, dass das in keinster Weise praktikabel ist, sondern halt „leider leider unsere Krankenversicherungskonditionen“ sind.

Und trotz dieser ganz konkreten aussagekräftigen eigenen Erfahrung bewarb dieser KV-Makler nach wie vor seine Versicherungssachen wie s.o. vollmundig.

liebe Grüße
nihil sine causa

Inaktiver User
01.02.2008, 20:27
hm.... darf ich ehrlich sein?

Das ist mir jetzt zu wenig fundiert.
Da hatte ich doch deutlich mehr erwartet.
Das ist nicht mehr als eine Behauptung, die mit einer netten Geschichte bewiesen werden soll. Und das wars?

Ich könnte jetzt auch eine interessanten Kranken- und Versicherungsgeschichte meines leider viel zu früh verstorbenen Schwiegervaters schildern, die vollkommen entgegengesetzt lauten würde. Aber lassen wir das.

Die Darstellung lässt den Eindruck entstehen, als müsse sich jeder Vertrag der Krankenversicherungen rentieren, sonst würden Leistungen verweigert. Die Masse der Versicherungskunden ist ja Gott sei Dank gesund und bedarf keiner solchen Maßnahmen. Diese gesunden Kunden zahlen genauso ihre Beiträge wie die kranken Kunden und tragen diese (auch wirtschaftlich) dadurch mit.

Älter werdende Kassenkunden sind oft kranker und bedürfen öfter entsprechender Maßnahmen. Dem trägt ein steigender Beitrag Rechnung. Die Versicherung wird diesen so kalkulieren, daß die Rechnung passt (gemäß den versicherungsrechtlichen Vorschriften). Und sollte auch mal ein Jahr oder mehrere mit einem Defizit abschließen, so kann dies für die Zukunft gelöst werden.

Hierzu dient auch das Instrument der Annahmepolitik einer Gesellschaft. Man merkt als Berater sehr deutlich, wenn die Schrauben hierfür enger gedreht werden.

Natürlich müssen Rahmenbedingungen und Regeln auch das Miteinander bei Versicherungsverträgen regeln. Wie im restlichen Leben auch, denn sonst werden die von Dir so nett geschilderten "über das übliche Maß hinausgehenden Maßnahmen" die Regel.
Daß solche "Hintertürchen" nur allzu gern von Medizinern & Co. ausgenutzt werden, kann man der täglichen Presse entnehmen.

Audiatur et altera pars.
Da werden Chefarztbehandlungen abgerechnet, obwohl der Chefarzt für eine Woche auf einem Symposium war und der Patient diesen nicht einmal gesehen hat. Und und und...

Dieses schädigende, unfaire und vor allem selbstsüchtige Verhalten, ich möchte beinahe sagen, fast einer ganzen Berufsschicht, hat sicherlich zu einer strengeren Reglementierung geführt. Und das ist auch gut so. Es hätte nicht notwendig werden müssen, daß nach Krankenhausaufenthalten Patienten befragt werden müssen. Es hätte nicht sein müssen, daß Krankenkassen-Detektive auf Symposien Ärzte-Visitenkarten sammeln.....

Wir sollten also das Übel an der Wurzel packen: Bei den Behandlern und der chem. Industrie, denn diese hat niemand mit der Patientenabzocke beauftragt - die mach(t)en dies ganz freiwillig. Sich jetzt über eine strengere Handhabung zu beschweren , naja ..... da sag ich jetzt nichts dazu.

Und der eine oder andere Versicherte wird dies sicherlich auch glauben. Glauben, daß die Kassenbeiträge immer teuerer werden /geworden sind, und die Versicherungen daran schuld sind.

Nochmal: es muß mehr rein, als raus kann
Im langfristigen Durchschnitt und nicht pro Vertrag
Und wenn nicht einige nur an ihrem eigenen Profit interessiert wären, dann wären wir heute, vor allem mit der GKV nicht da wo wir sind (nämlich in Geldnot). Wer diese "Einige" sind, erfahren wir als Eisberg-Spitze aus den Tagesmedien...

Auf dem Land kennen wir eine nette Version dieser Abzocke übrigens auch schon seit meiner Kindheit. Damals kam gelegentlich ein netter Anruf aus der Hausarzt- oder Zahnarztpraxis mit dem Inhalt, daß ja in der letzten Zeit niemand in der Praxis war und daß man doch gelegentlich einmal seine Kassenkarte (ich glaube, damals noch Krankenschein) vorbei bringen solle. Dies hat sich so eingebürgert, daß sicher nicht nur meine Eltern aus lauter Freundlichkeit und trotz vollkommener Gesundheit, gelegentlich mal dem Hausarzt eine kleine Zusatzabrechnung zukommen haben lassen.

Unmöglich?
Ich kann garantieren, daß dies heute noch praktiziert wird.
Ich selbst war bei so einem Anruf in 2006 anwesend und war fassungslos, daß die so Angesprochenen auch tatsächlich sofort die Karten gebracht haben.

Wer ist Schuld, daß die Kassen- und Versicherungsbeiträge steigen? Wer ist schuld, daß Regelungen strenger gehandhabt werden müssen? Corruptissima re publica plurimae leges.

Leid tragende sind die Patienten, das Gesundheitssystem und (man mag es kaum glauben) die jungen Mediziner, die unter den Folgen auch der Praktiken ihrer Vorgänger täglich zu leiden haben.
Nihil fit sine causa.

Wenn wir einen schwarzen Peter verschieben, dann bitte in die richtige Richtung. Aber zurück zum Thema. Leistungen, die zugesichert sind, werden auch bezahlt. Unabhängig davon, ob sich das für die Kasse rechnet oder nicht. Gegebenenfalls ist dies gerichtlich durchsetzbar...

Gruß justii

Mondschaf
17.02.2008, 17:50
Hallo Justi,

wenn man eure Ausführungen so liest, lohnt es sich überhaupt, eine Zusatzversicherung abzuschließen? Wird man dabei nicht dazu verführt, öfter Leistungen von HP in Anspruch zu nehmen, als tatsächlich nötig?

Eine Kollegin erzählte übrigens letztens, dass auch sie für ihren Sohn eine Zusatzvers. bei der DKV abschloss. Die machten wohl keine Einschränkungen, als sie die neue Brille geltend machen wollten - obwohl er bei Vertragsabschluss schon eine hatte. :wie?: Das deckt sich doch nicht damit?


Achtung, für Personen, die bereits eine Sehhilfe tragen, kommt ein Zuschlag zum Beitrag hinzu.

Viele Grüße an Dich :smile:

Inaktiver User
18.02.2008, 08:12
Ob es sich lohnt, hängt vom Einzelfall ab.

Wer ein entsprechendes Vermögen hat um ab sofort entsprechende (versicherte) Kosten "aus der Portokasse" zu bezahlen, für den ist es wohl zumeist eher sinnvoll, die Beiträge statt an eine Versicherung zu zahlen, dem persönlichen Vermögen zuzuschlagen (Verzinsung).

Wer kein solches Vermögen hat oder ein solches erst ansparen muß, und durch entsprechende Rechnungen belastet wird, für den ist eine solche Versicherung durchaus sinnvoll, da diese auch schon kurzfristig leistet, auch wenn noch keine entsprechenden Summen einbezahlt sind (Wartezeiten beachten).

Die Erhebung eines Zuschlages bleibt natürlich die Entscheidung der Versicherung. In der Regel wird dieser meiner Erfahrung nach jedoch verlangt. Die Wahrscheinlichkeit, daß ein "schon Brillenträger" öfter mal eine neue Brille braucht ist ja doch höher, als daß ein "nicht Brillenträger" mal eine neue Brille braucht.

Lieben Gruß
justii