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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Monitor-Bericht zur Riesterrente



Inaktiver User
10.01.2008, 22:36
Hallo,

habe soeben den Bericht des Politmagazins Monitor über die Riesterrente gesehen. Es hieß, die Riesterrente werde nicht auf Sozialleistungen angerechnet, sei unpfändbar usw. Dem Monitor-Bericht zufolge ist es jedoch so: Wenn die durch Berufstätigkeit erworbenen Rentenansprüche unterhalb des Grundsicherungssatzes liegen, besteht Anspruch auf Alterssozialhilfe, auf die jedoch entgegen anders lautender Ansagen die Riesterrente angerechnet werden wird (!!!). Die Betroffenen haben sozusagen während ihres Erwerbslebens privat mit ihrem versteuerten Einkommen "geriestert", um im Alter ihre eigene Sozialleistungen zu finanzieren. Der Gewinner ist der Staat, nicht der Versicherte!

Davon betroffen sind vor allem Geringverdienende, bei denen es bereits langfristig absehbar ist, dass ihre Rente mit einiger Wahrscheinlichkeit einmal unterhalb der Grundsicherung liegen wird, doch auch Erwerbstätige mit mittlerem Einkommen und durchschnittlich 32 Beitragsjahren werden betroffen sein (!!!).

Ich werde das weiter verfolgen und klug überlegen, wie ich handele. Spontan fühle ich mich auf alle Fälle derartig gelinkt, dass ich am liebsten morgen aus meinem Riestervertrag ausscheren würde.

Geschockte Grüße, Annika

DerExperte
11.01.2008, 00:54
Noch auf der „10th Euro Finance Week“ (im November 2007) behauptete Herr Riester: „Riestern lohnt sich in jedem Fall!".
Er wurde dort auch (von einem Zuhörer) auf die Unterschiede zwischen Theorie und Praxis angesprochen, schien aber das Problem mit der Grundsicherung und dem Verkauf in der Praxis ohne Beratung überhaupt nicht zu verstehen -- und überhaupt müsse er jetzt eigentlich weg.
Soviel zu Herrn Riester.

"Riestern" lohnt sich eben in vielen Fällen nicht.
Wichtig ist vor allem der Hinweis, besser die Hinweise auf die Nachteile, die sich mit der Riester-Rente ergeben. Wo Vorteile sind, gibt es auch Nachteile. Das muß man dann gewichten und selbst entscheiden, ob dieser Weg richtig ist. Manchmal ja, manchmal nein.

Wir bezahlen sogar zwangsweise über Steuern ein solches System.

Beste Grüße,

DerExperte

Inaktiver User
11.01.2008, 05:55
Hallo Annika75

Immer und immer wieder stelle ich derartige Sachverhalte hier im Forum ein. Mit dem Erfolg, daß dann ein paar streng staatsgläubige zur Höchstform auflaufen und eine Schimpfkanonade auf mich loslassen.


Schon 2002, gerade also als Riester eingeführt worden ist, wurde vor den erheblichen Schwachstellen des Riesterns bereits in den Medien gewarnt. Seit dem ist Vater Staat immer nur zur Verbesserung bereit, wenn er z.B. von der EU dazu gerichtlich gezwungen wird (sehr bürgerfreundlich also).

Seit dem predigen die kritischen Betrachter (wie WISO, Plusminus, Frontal21 und andere) regelmäßig über diese Sachverhalte. Besonders kritisch sehe ich dabei, daß man leider feststellen muß, daß auf der einen Seite per Gerichtsbeschluß eine Benachteiligung beendet wird und gleichzeitig die Fachleute auf der anderen Seite ständig neue Bürgerunfreundlichkeiten feststellen und entdecken.

Trotz dieser negativen Medienpräsenz werden immer mehr Riesterverträge abgeschlossen. Blindes Vertrauen auf Staat und Finanzwirtschaft prägen hier das Bild. Da aber noch immer zu wenige Bürger auf dieses findige Geldbeschaffungssystem des Staates und der Finanzwirtschaft "herein fallen", wurde von der Politik sogar eine eigene "Bürger-Akademie" ins Leben gerufen, die in Volkshochschulen und bei Betriebsveranstaltungen etc. den Bürgern eintrichtern sollen "was richtig für sie ist".

Bei Interesse gibst Du in die obige Forum-Suche einfach mal "justii" und "Riester" ein. Du wirst erstaunt sein, welche Fallen das Riestern noch alles für uns Bürger bereit hält. Du wirst aber auch überrascht sein, mit welcher Findigkeit mancher diese Tatsachen vom Tisch wischt und ganz schnell wieder in die Werbe-Parolen zurück findet.

Viel Spass beim Lesen.

justii

Madiba
11.01.2008, 07:42
Danke Justii, auch wenn es nicht mir galt.. Ich geh mal auf die Suche. :smirksmile:
Ich hab den Monitorbericht leider nicht sehen können, sondern nur ein lächerliches kleines Interview mit Herrn Riester gerade eben im Morgenmagazin, bei dem er sich ganz schön gewunden hat mit seinen Formulierungen.
*puh*

Rest
11.01.2008, 08:09
Den Monitor-Beitrag gibt es auch unter http://www.wdr.de/themen/global/webmedia/webtv/getwebtv.phtml?ref=400016

Wenn ich Geld auf die hohe Kante lege, muss ich damit rechnen, dass ich im HartzIV-Falle zunächst davon leben muss, bevor ich Sozialleistungen erhalte.
Wieso sollte das bei Riester-Kapital im Alter anders sein?
Um Versicherungen zu sponsern?

Inaktiver User
11.01.2008, 08:43
Ich kanns nicht glauben. :ooooh: Hab das heute bei spiegel.de gelesen. Natürlich wird aus den Ministerien strengestens dementiert und das sei ja alles verzerrend wiedergegeben. (wahrscheinlich weil es nur 10 statt 12 Millionen zukünftige Rentner betrifft :gegen die wand: )

Ich hab schon immer Vorbehalte gegen die Riesterklamotte gehabt, die Penetranz, mit der Banken einem die Verträge aufschwatzen wollen, machte mich von Anfang an misstrauisch.

Gottseidank hab ich immer dankend abgelehnt und auch zukünftig nicht vorgehabt, sowas zu unterschreiben.

Der Brüller wäre, wenn in 30 Jahren nur noch für alle eine "Kopfpauschale" von weiß ich 1000 Euro (in 30 Jahren..da sind 1000 Euro weniger wert als heute) für die Rente gezahlt wird und der Rest vom nennen wir es mal "Rentenunterstützungsamt" käme, wenn man keine private Vorsorge hat. Dann werden selbst Leute mit 45 Beitragsjahren von diesem Passus hinweggeweht und müssen ihre Riesterrente zunächst als Sozialhilfeersatz verwenden.

Inaktiver User
11.01.2008, 08:57
Den Monitor-Beitrag gibt es auch unter http://www.wdr.de/themen/global/webmedia/webtv/getwebtv.phtml?ref=400016

Wenn ich Geld auf die hohe Kante lege, muss ich damit rechnen, dass ich im HartzIV-Falle zunächst davon leben muss, bevor ich Sozialleistungen erhalte.
Wieso sollte das bei Riester-Kapital im Alter anders sein?
Um Versicherungen zu sponsern?
Es sollte deshalb anders sein, weil die Bürger bei Riester-Einführung im Gegenzug auf einen Teil ihrer Ansprüche verzichtet haben. Du erinnerst Dich?

Bei Riester-Einführung wurden die Rentenansprüche von Neu-Rentnern deutlich abgesenkt. Diese so entstandene Lücke sollte (angeblich) durch die Riesterförderung/Riesteranlagen ausgeglichen werden.

Gleichzeitig wurde aber offensichtlich nach Möglichkeiten gesucht, wie man verhindern kann, daß der rentengeminderte Bürger diesen Ausgleich am Ende auch kassieren kann.

Gruß justii

Madiba
11.01.2008, 09:00
Den Monitor-Beitrag gibt es auch unter http://www.wdr.de/themen/global/webmedia/webtv/getwebtv.phtml?ref=400016

Wenn ich Geld auf die hohe Kante lege, muss ich damit rechnen, dass ich im HartzIV-Falle zunächst davon leben muss, bevor ich Sozialleistungen erhalte.
Wieso sollte das bei Riester-Kapital im Alter anders sein?
Um Versicherungen zu sponsern?
Wäre ich Geringverdiener mit der Aussicht auf eine sehr kleine Rente ließe das nur eine logische Konsequenz zu.
Warum jeden Monat einbezahlen, wenn es doch am Endergebnis rein gar nichts ändert?

Inaktiver User
11.01.2008, 09:06
Ich hab es auch schon angesprochen..auch als "Besserverdiener" mit 45 Beitragsjahren kann man sich nicht zurücklehnen. Wer weiß denn was 2030 ist? Es werden immer mehr Rentner, die Beiträge können aber nicht unermeßlich steigen. Ergo wird es weitere Einschnitte geben müssen. Am Ende wird es auch bei 45 Beitragsjahren so im Jahr 2030 für alle vermutlich so sein (fiktiv)

Grundsicherung Rente: 1.500 Euro

aufgeteilt auf
Rentenpauschale für jeden Rentner: 1.000 Euro
Aufstockung durch den Staat: 500 Euro (wenn keine Rücklagen)

Bekommt man nun 300 Euro Riesterrente, werden die zunächst auf die 1.000 Euro Pauschale draufgerechnet, der Staat legt dann statt 500 Euro nur 200 Euro zu, damit man bei 1.500 Euro ist. Fertig. Herzlichen Glückwunsch. Der Staat spart Milliarden, die Finanzwirtschaft hat sich dumm und dusslig verdient.

Inaktiver User
11.01.2008, 09:10
Wäre ich Geringverdiener mit der Aussicht auf eine sehr kleine Rente ließe das nur eine logische Konsequenz zu.
Warum jeden Monat einbezahlen, wenn es doch am Endergebnis rein gar nichts ändert?

Ja bist Du denn verrückt....

Damit machst Du doch dem Staat einen gewaltigen Strich durch den Finanzhaushalt in 20, 30 oder mehr Jahren. Stell Dir vor, diese Einstellung greift um sich?

Dann müsste der Staat nicht nur die selbst geschaffene Rentenlücke durch Sozialhilfe o.ä. auffüllen (der Mensch muß ja leben), sondern der Staat müsste auch noch auf die sehnlich erwarteten Steuereinnahmen aus der Versteuerung der Riesterrente verzichten. tztztztz....

lg. justii
PS... die obige Anrede war natürlich als Scherz gemeint, ich wolle Dich nicht beleidigen oderso.... :blumengabe:

Madiba
11.01.2008, 09:23
PS... die obige Anrede war natürlich als Scherz gemeint, ich wolle Dich nicht beleidigen oderso.... :blumengabe:
:freches grinsen:

Da kauf ich mir doch lieber monatlich einen schönen Kasten Bier...

Mach ich eh.. *g*:smirksmile:

Inaktiver User
11.01.2008, 09:28
Selbst der Rürup hat zugegeben, dass dieser Fallstrick existent ist und die DRV hat klargestellt, dass es viele betreffen wird. Die offiziellen Stellen sprechen aber von Verzerrung und Verfälschung. Ja nee is klar.

Rest
11.01.2008, 09:59
Damit machst Du doch dem Staat einen gewaltigen Strich durch den Finanzhaushalt in 20, 30 oder mehr Jahren. Stell Dir vor, diese Einstellung greift um sich?
"Finanzhaushalt in 20, 30 oder mehr Jahren."
Wovon träumst Du? "Nachhaltigkeit"?

Ja bist Du denn verrückt...? 20, 30 Jahre ... phhh....

Was wir brauchen sind Konsumenten!
Geld ausgeben! Das kurbelt die Wirtschaft an.
Das schaft (evtl.) Arbeitsplätze.
Das lässt die aktuelle Regierung gut aussehen.

In ein paar Jahren sind die Politiker von heute in irgendeinem Aufischtsrat oder in Pension oder sonstwo..
Und wenn es in 20, 30 Jahren viele Arme gibt, ist die dann aktuelle Regierung nicht dafür verantworlich, denn die Fehler wurden ja in der Vergangeheit von anderen "Verantwortlichen" begangen.

Inaktiver User
11.01.2008, 10:28
:freches grinsen:

Da kauf ich mir doch lieber monatlich einen schönen Kasten Bier...

Mach ich eh.. *g*:smirksmile:


:freches grinsen:

Inaktiver User
11.01.2008, 13:50
Den Monitor-Beitrag gibt es auch unter http://www.wdr.de/themen/global/webmedia/webtv/getwebtv.phtml?ref=400016

Wenn ich Geld auf die hohe Kante lege, muss ich damit rechnen, dass ich im HartzIV-Falle zunächst davon leben muss, bevor ich Sozialleistungen erhalte.
Wieso sollte das bei Riester-Kapital im Alter anders sein?
Um Versicherungen zu sponsern?

@Rest,

genau dieser Eindruck, nämlich dass die Riester-Rente im Fall der Fälle im Gegensatz zu anderen Vermögenswerten nicht angerechnet wird bzw. erstmal aufgebraucht werden muss, bevor Ansprüche auf Sozialleistungen geltend gemacht werden können, wurde meiner Auffassung nach in den Medien vermittelt und auch auf meine ausdrückliche Nachfrage hin im Beratungsgespräch bestätigt, und zwar ohne Hinweis auf irgendwelche Ausnahmen wie die gesetzliche Grundsicherung! Und genau das macht mich ja so sauer!!! Riester ist ja nun weiß Gott nicht die einzig denkbare Form einer Altersvorsorge, für mich war das schon ein wesentliches Argument pro Riester.

LG, Annika

Inaktiver User
11.01.2008, 14:07
Ich habe jetzt ein sehr ungutes Gefühl.
Vor einem Jahr habe ich eine Riester-Rente abgeschlossen.
Beim Beratunggespräch klang alles so plausibel. Bin bei der Skandia.
Ich bin total verunsichert, was tun jetzt?
Ehrlich gesagt, ich weiß nicht mal ob ich so gesehen "Geringverdiener" bin. Habe so 2800 Brutto im Monat. :wie?:
Sorry, vielleicht komme ich hier sehr naiv rüber, aber ich habe mich einfach noch nicht damit beschäftigt.
Ich dachte nach Abschluss der Riester-Rente, so toll, jetzt habe ich was für meine Altersvorsorge getan...
Würdet Ihr jetzt den Vertrag kündigen? Was denn anstatt Riester?
Bin etwas hilflos!
Grüße, Apfelbacke

Inaktiver User
11.01.2008, 14:13
Ich hab den Monitorbericht leider nicht sehen können, sondern nur ein lächerliches kleines Interview mit Herrn Riester gerade eben im Morgenmagazin, bei dem er sich ganz schön gewunden hat mit seinen Formulierungen.
*puh*

Noch schlimmer: Olaf Scholz, in dessen Ministerressort die Riesterrente fällt. Stand für ein Interview nicht zur Verfügung, spontane Reporterfragen hat er souverän ignoriert. In einer schriftlichen Stellungnahme aus dem Ministerium hieß es dann sinngemäß, Monitor habe ein falsches Verständnis von Gerechtigkeit.

Tja, ich dann wohl auch. Ich bezahle also 30 Jahre lang und länger erkleckliche Beiträge (die mir dann logischerweise nicht zur anderweitigen Vermögensbildung zur Verfügung stehen - muss ich ja auch machen, denn schließlich lebt die Mehrzahl der Rentner ja angeblich nicht von der Staatsrente allein, sondern auch von Zins-, Miet- und allen erdenklichen sonstigen Einkünften) ein, um das laufende System zu finanzieren, und wenn ich dann trotz lebenslanger Erwerbstätigkeit, unverschuldeter Arbeitslosigkeit, Kindererziehung... mangels erworbener Rentenansprüche im Alter bedürftig werde, sage ich ganz generös: Lass' mal, Vater Staat, ich hab' ja was gespart.

Und Nachbar x, dessen Rentensansprüche ebenso gering sind und der aber im Gegenzug zu mir nichts gespart hat, hat dasselbe monatliche Einkommen wie ich, eben nur anderweitig finanziert.

Das soll gerecht sein?

Bin immer noch sauer und habe schon die Kündigungsklauseln studiert. LG, Annika

Inaktiver User
11.01.2008, 17:09
Bei vorzeitiger Kündigung muss man wohl auch die Steuervorteile zurückzahlen.

sattimaus
11.01.2008, 17:41
stimmt, muss man zurückzahlen, man kann den vertrag aber auch ruhen lassen.


sattimaus

Chris2008
11.01.2008, 17:45
Klar ist es nicht toll, wenn es erst hieß, dass Riester nicht auf Sozialleistungen angerechnet wird und sich diese Info nun als unvollständig herausstellt.

Aber:
Wir arbeiten doch daran und dafür, später nicht nur auf die Grundsicherung /Sozialhilfe angewiesen zu sein.
Heute also keine Sparförderung zu nutzen und nicht zu sparen, weil man später mal auf Grundsicherung angewiesen sein könnte und das Ersparte dann angerechnet wird?
Da wird für mich das Kind mit der Wanne ausgekippt.

clematis61
11.01.2008, 19:05
Ich kann mich nur anschließen.

Mein GöGa hat im Dezember einen Riestervertrag abgeschlossen und ist nun stinksauer....

Er will ihn kündigen, aber das bringt ja auch nix, nur Verlust.

Ich hoffe, dass nun alle etwas aufgerüttelt wurden und die Politiker in Zugzwang kommen.

Schon lang habe ich den Eindruck, dass wir uns derartige Verträge schnell aufschwatzen lassen, weil sich kein normaler Mensch mit den Klauseln im Kleingedruckten auskennt.

Ist sicher so gewollt, von denen die daran verdienen.

Der kleine Mann ist mal wieder der Dumme:freches grinsen:

Inaktiver User
19.02.2008, 12:02
Im Zusammenhang mit der Anrechnung von Riester-Anlagen ist eine Forderung der Industrie sicherlich interessant:


Industrie fordert:
Die gesetzliche Rente soll generell auf das Niveau der Grundsicherung abgesenkt werden. (http://www.brigitte.de/foren/showpost.html?p=3498513&postcount=162)



Aber auch Vater Staat beteiligt sich wieder einmal an der Schlechterstellung der Riester-Sparer. Das Finanzministerium macht eine Rolle rückwärts zu Ungunsten der Sparer:


Riester-Fonds werden schlechter gestellt (http://www.brigitte.de/foren/showpost.html?p=3572164&postcount=163)
Man muß schon Augen und Ohren ganz fest zudrücken um nicht zu bemerken, daß hier etwas ganz gewaltig schief läuft.

Gruß justii

Mittwoch
19.02.2008, 12:19
Für wen lohnt sich denn die Riester-Rente? Wenn ich meine Versicherungsfrau frage, blubbern mir nur die Ohren, aber schlauer bin ich dann auch nicht...

Inaktiver User
19.02.2008, 12:54
Riestern lohnt sich nach meinem Dafürhalten nur für kinderreiche Familien mit nur einem Verdiener, welche die absolut maximale Förderung ausschöpfen können.


Bei allen Anderen ist dies sehr zweifelhaft (auch wenn dies viele nicht gern hören) und selbst bei den kinderreichen Familien möchte ich im Endeffekt nicht die Hand dafür ins Feuer halten.


Grundsätzlich möchte ich Dir zwei Fakten ans Herz legen.
Altersversorgung ist ein Kapitalanlageproblem und kein Versicherungsproblem. Beides ist strikt zu trennen.
Für die Kapitalanlage gilt: Mach nur, was Du auch wirklich verstehst und lass die Finger von dem, was Du nicht verstehst oder von dem Du nur glaubst es zu verstehen

Die meisten Vermittler glauben nur, das Riestern zu verstehen (und sollten deshalb die Finger davon lassen). Wie sonst wäre es erklärbar, daß die definitiv vorhandenen vertraglichen Mängel des Riesterns bisher in keinem Fall von einem dieser Vermittler-Fachleute aufgedeckt worden ist?

Es wäre doch genau umgekehrt anzunehmen, daß speziell diese im Riestern ausgebildeten "Fachleute" auf die Mängel stoßen und diese an die Öffentlichkeit bringen um eine Verbesserung zu erreichen. Doch von diesen "Fachleuten" werden diese kundenunfreundlichen Regelungen tot geschwiegen oder unter den Tisch geredet.

Nachdenkenswert, wie ich finde....

Mittwoch
19.02.2008, 13:14
Danke, aber warum nur für kinderreiche Familien? Ich meine, was ich einzahle, kriege ich doch auch als Alleinstehende, wenn fertig angespart ist oder nicht?

Inaktiver User
20.02.2008, 21:41
Interessante Ansicht von Geldanlage:
Ich bekomme doch, was ich einbezahlt habe...

Du legst doch nicht wirklich Geld an, um am Ende nur das heraus zu bekommen, was Du einbezahlt hast oder? Zurück zu Riester...



Du allein hast die Möglichkeit 1x die Förderquelle I anzuzapfen
Eine Familie mit 2 Kindern hat 4x die Möglichkeit die Förderquelle I anzuzapfen

Wer profitiert also stärker? Die Familie (und das ist ja auch gut so).
War das jetzt wirklich die Frage?


Ich bekomme doch, was ich einbezahlt habe...
Schon mal was von Inflation gehört? Wenn Du bekommst, was Du einbezahlt hast, dann kannst Du Dir mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr das kaufen, was Du heute dafür kaufen könntest.

Wenn Du über eine Laufzeit 25.000.-Euro einbezahlst und am Ende nur noch eine Kaufkraft von 7.000.-Euro ausbezahlt bekommst, würdest Du dies dann als Altersversorgung bezeichnen? Wohl kaum.

Wenn Dir ein Sparvertrag eine zusätzliche mtl. Rente von 100.-Euro in 30 Jahren verspricht, dann hast Du bei 2,5% Inflation nach 30 Jahren nur noch eine Kaufkraft von 47.-Euro.

Aber das alles gibt es auch heute schon.
Der Vater eines meiner Mitarbeiter hat in den 60er Jahren für eine Versicherung gearbeitet. Er hat damals eine Lebensversicherung abgeschlossen - für die Altersversorgung. Damals war der Beitrag an seiner Belastungsgrenze. Mehr wäre kaum gegangen.
Nach 40 Jahren !!!! hat er seine lang ersehnte Versicherung ausbezahlt bekommen und konnte mit diesen 5000.-DM doch tatsächlich eine Anzahlung auf ein Wohnmobil leisten.

5000.-DM = 2500.-Euro => Kein Mensch käme auf die Idee, dies als Altersversorgung bezeichnen. Oder etwa doch?

lg. justii

Mittwoch
21.02.2008, 11:34
So hatte ich das nicht gemeint, aber trotzdem danke.

Inaktiver User
21.02.2008, 18:47
Hallo,
darf ich mal dumm fragen *schäm*, wie man denn auf garantiert sichere Weise (also keine Aktien, Aktienfonds usw.) und bei nur kleiner monatlicher Beitragszahlung (also unter 100 Euro im Monat) mehr als mit einem Riestervertrag erzielen kann? Sparbücher? Banksparpläne? Oder was gibt es da?
Danke:blumengabe:

LG fabiola

Inaktiver User
21.02.2008, 19:23
Keine Aktien und keine Aktienfonds?
Willst Du dann auch Riesterfonds außen vor lassen?

Sind Riester-Anlagen sicher? Welche Riester-Anlagen sind sicher?

Schöne Grüße

justii

Inaktiver User
21.02.2008, 19:28
Bitte entschuldige:blumengabe: ich habe wirklich keine Ahnung, deshalb frage ich hier, denn bei Banken wird man ja nicht neutral beraten, sondern soll immer gleich etwas aufgeschwatzt bekommen, so leider meine Erfahrung:wie?:

Also gibt es nichts 100%ig Sicheres bei kleiner monatlicher Sparrate, das wenigstens die Inflation auffängt, fürchte ich?

LG fabiola

Inaktiver User
21.02.2008, 21:39
Das ist doch eine klare Frage *lächel*

Im Moment kannst Du mit einem guten Tagesgeldangebot (4% bis 6% Verzinsung) der Inflation ein Schnippchen schlagen. In der Regel auch schon mit kleinen Beträgen...

Allerdings nur, wenn wir von der vom statistischen Bundesamt veröffentlichten Inflation und nicht von der gefühlten (individuellen) Inflation sprechen.

Aber das Ganze hat eigentlich mehr mit Kapitalanlage und weniger mit Versicherung zu tun. Wir befinden uns mit dieser Frage also im falschen Forum => Kapitalanlage-Forum (http://www.brigitte.de/foren/forumdisplay.html?f=81)

Gruß justii

Inaktiver User
22.02.2008, 06:00
Vielen herzlichen Dank! :blumengabe:

LG fabiola

der_held
09.03.2008, 15:03
Hallo :-),

ich glaube, dass justii etwas zu schwarz malt.

Ok, es ist zutreffend, dass Riesterverträge auf die Grundsicherung angerechnet werden, wenn die staatliche Rente zu niedrig ist. Allerdings gab es direkt nach der Veröffentlichung dieser Erkenntnis auch die Ankündigung, dass das geändert wird. Und spätestens, wenn das die ersten Sparer betrifft, wird das auch passieren.

Das Tagesgeldkonto ändert auch bei einer Verzinsung von 5-10 % nichts am Problem, dass das vorhandene Ersparnisse auf die Grundsicherung angerechnet wird.

Ein sicherer Riestervertrag (wenn man keinen aktienbasierten Vertrag abschließt) - naja, was kann passieren? Die Versicherungsgesellschaft geht pleite. Die Inflation frisst alles auf. Dem Staat fällt irgendetwas Lustiges ein, wie man darauf irgendwelche Steuern oder Abgaben verlangen kann. Auch andere Anlageformen bergen ein gewisses (wenn auch sehr überschaubares) Risiko. Man sollte nicht so tun, als wäre ein Tagesgeldkonto völlig risikofrei. Es gibt übrigens auch Sparpläne mit Bundesschatzbriefen - und da ist das Geld nur weg, wenn Deutschland pleite geht :-).

Und für wen sich die Riesterrente lohnt - darüber gibt es immer mal wieder unterschiedliche Meldungen: Für Gutverdiener wegen der Steuerersparnis oder für Menschen mit vielen Kindern aufgrund der hohen staatlichen Zulagen für Kinder.

lg,
Ein Held

Inaktiver User
11.03.2008, 09:26
huuups... 2x

Inaktiver User
11.03.2008, 09:28
Hallo :-),

ich glaube, dass justii etwas zu schwarz malt.

Ok, es ist zutreffend, dass Riesterverträge auf die Grundsicherung angerechnet werden, wenn die staatliche Rente zu niedrig ist. Allerdings gab es direkt nach der Veröffentlichung dieser Erkenntnis auch die Ankündigung, dass das geändert wird. Und spätestens, wenn das die ersten Sparer betrifft, wird das auch passieren.

.......

Weil der Staat in den kommenden Jahren ungeachtet der demographischen Entwicklung sicherlich mehr Geldgeschenke verteilen kann als zu Beginn des Riestern's.

Seit Beginn des Riesterns sind ja inzwischen ein paar Jahre vergangen (Wer schon älter war und gleich am Anfang einen 12-Jahresvertrag abgeschlossen hat, hat schon die Hälfte der Laufezeit rum) und man möchte meinen, daß der Staat inzwischen durch Gerichte und die EU zu kapiert hat, daß Bürgerfreundlichkeit eine Grundpflicht ist. Aber weit gefehlt, denn Riester-Neuerungen lassen viel Spielraum um langfristig den Riester-Sparern das Geld aus der Tasche zu zaubern:

Financial Times Deutschland - Wohn-Riestern rächt sich im Alter (http://www.ftd.de/boersen_maerkte/immobilien/:Immobilien Wohn Riester Alter/327423.html)

Abgesehen besagt eine aktuelle Studie (http://www.fr-online.de/in_und_ausland/finanzen/geld_und_recht/?em_cnt=1297607&), daß 6 Jahre nach dem Riester-Start noch immer fast 17% der Riestersparer die Förderung gar nicht beantragt und weitere 13% noch nicht einmal wissen, ob sie überhautp Förderung bekommen/bekämen.

Der Staat verhält sich hier, wie ein verantwortungsloser Versicherungs- oder Kapitalanlagevermittler. Hauptsache dat Ding is abgeschlossen un dat Geld wechselt still und heimlich den Besitzer. Oder warum ist man nicht mit der gleichen Intensität daran interessiert, daß bestehende Riestersparer endlich ihren Vertrag verstehen und ihre Möglichkeiten nutzen?

Jeder der auf seine Förderung verzichtet ist doch ein Traum-Bürger für den Staat. Erst auf Förderung verzichten und dann auf das selbst angelegte Geld auch noch hohe Steuern zahlen. Besser kann das Riester-Geschäft doch gar nicht laufen. Ich sehe da keine Schwarzmalerei ;-) sondern absoluten Realismus, kombiniert mit ein wenig Weitblick.

Und beim neuen Wohn-Riestern wurde darauf geachtet, daß auch ja nichts unkompliziert wird, sondern daß sich im Gegenteil fast überhaupt niemand mehr auskennt. (http://www.wmd-brokerchannel.de/bc/bcref.php4?id=68079&pd=30496&rf=2153159)Die Grundlagen sind gelegt, später braucht man nur noch ernten...

lg. justii