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Dienstreise
05.01.2008, 12:28
Hallo,
Nachstehendes habe ich gestern auf den Schreibtisch bekommen und eben über den Dienst gegeben. Die Diskussion ist für Verbraucher interessant, weil es ab sofort nicht mehr reicht - wie bislang - den Antrag wegzuschicken und das Rückschreiben der Versicherung abzuheften - das Plus an Rechten birgt auch ein Mehr an Eigen-Verantwortung.

bico

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VVG-Novelle: EU-Gesetz stärkt Verbraucherrechte beim Abschluss von Versicherungen

Informationspflicht bringt Papierflut mit ungewissem Ausgang /
Abwicklung per Antragsmodell über das Internet möglich

Umständlich formulierte Anträge, die Versicherungsnehmer durch vorab zu leistende Unterschriften in die Rolle von Bittstellern gezwungen haben, gehören seit dem 1. Januar der Vergangenheit an. Das neue Versicherungsvertragsgesetz (VVG) hat Schluss gemacht mit dem so genannten Policen-Modell, das den Kunden dazu verpflichtet eine Absicherung zu beantragen – ohne die Bedingungen zu kennen, die der Versicherer mit einem solchen Vertrag verbunden hat.

„Die Neuordnung des VVG erlaubt es den Verbrauchern, sich vor Vertragsschluss über Einzelheiten und Ausnahmeregelungen zu informieren“, sagt Oliver Reinking. Damit habe der Gesetzgeber die Versicherungsbranche dazu verpflichtet, in ihrer Geschäftspraxis den Gepflogenheiten anderer Handelsabschlüsse zu folgen. „Kein Verbraucher würde auf den Gedanken kommen ein neues Auto zu bestellen, ohne zu wissen, ob der Wagen in der gewünschten Motorisierung, Farbe und Ausstattung lieferbar ist“, erklärt der Fachmann. Genau das war in der Versicherungsbranche bislang die gängige Praxis. Oliver Reinking ist Dipl.-Mathematiker und Vorstand der Zweibrücker Askuma AG, einer Gesellschaft, die sich auf die Abbildung von Sachversicherungs-Prozessen im Internet spezialisiert hat.

Damit künftige Versicherungsnehmer tatsächlich in die Lage versetzt werden sich umfassend über die Hintergründe ihrer künftigen Versicherungen zu informieren, stehen vor allem Versicherungsmakler vor einem Problem: Im Gegensatz zu Vertretern, deren Angebote an nur eine Gesellschaft gebunden sind, sehen sich Makler vor der Herausforderung, ihren Kunden ab sofort das Kleingedruckte aller Versicherungsanbieter präsentieren zu müssen, die einen Beitrag zu der gewünschten, möglichst individuell zugeschnittenen Absicherung leisten könnten. Oliver Reinking: „Um ihrer Informationspflicht zu entsprechen haben Makler und Vertreter nun die Möglichkeit, zwischen zwei Modellen zu wählen – dem Antragsmodell und dem Invitatio-Modell.“

Das Antragsmodell besagt, dass der Vermittler dem Interessenten vor der Antragsstellung sämtliche Unterlagen, inklusive Verbraucherinformationen und den allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVBs), zur Verfügung stellen muss. All dies sei – so der Gesetzgeber – notwendig, damit ein vollständiges Bild über den tatsächlichen Umfang der angestrebten Versicherung entsteht. Der Versicherungsnehmer muss die Unterlagen bei Erhalt gegenzeichnen. Das ist, so Oliver Reinking, auch per E-Mail möglich und spreche für die Zusammenarbeit von Versicherungsmaklern mit Anbietern, die die Informationen möglichst viele Versicherungsgesellschaften im Internet zusammengefasst haben. Dort sei es zudem sicher gestellt, dass alle Unterlagen stets aktuell zum Abruf bereit liegen.

Bei dem Invitatio-Modell versucht der Versicherer, dem Kunden ein Angebot „auf gut’ Glück“ schmackhaft zu machen. Auch diese, auf dem Postweg oder per Mitarbeiter, zugestellte Offerte muss alle nötigen Unterlagen enthalten. Erst wenn der Interessent das Angebot angenommen hat, tritt dieses in Kraft. Bleibt zudem die ausdrückliche Willenserklärung aus, verfällt der Antrag, die Vorarbeit des Agenten war vergeblich.

Vor allem für Versicherungsmakler sei das Invitatio-Modell mit erheblichen Nachteilen verbunden. Oliver Reinking: „Es nicht eindeutig geklärt, wie die kunden- und risikorelevanten Daten zum Versicherer kommen. Außerdem müsste der Vermittler vom Versicherer in einem weiteren Arbeitsschritt über den Abgabezeitpunkt des Angebotes informiert werden, um sicherzustellen, dass der Interessent das Angebot auch tatsächlich angenommen hat.“ Unter dem Strich bringe das Invitatio-Modell für den Vermittler „eine Menge Laufarbeit mit ungewissem Ausgang.“ Gewinner der Novelle seien zwar in jedem Fall die Verbraucher, davon ist Oliver Reinking überzeugt. Es gelte aber auch an die Menschen zu denken, die mit der Vermittlung von Versicherungen ihren Lebensunterhalt verdienen.

Inaktiver User
05.01.2008, 15:07
Hallo.

Es gibt 3 Modelle und nicht nur zwei:




1 Antragsmodell
Der Kunde erhält gem. § 6 VVG die vollständigen Unterlagen vor Antragsaufname ausgehändigt, dies muss mit Unterschrift auf dem Antrag bestätigt werden. Danach erfolgt Bearbeitung wie bisher.

2 Stellvertretermodell
Der Versicherungsmakler ist in Besitz einer entsprechenden Maklervollmacht. Die vollständigen Unterlagen werden ihm in Textform vor Abschluss zur Verfügung gestellt. Eine entsprechende Bestätigung erfolgt auf dem Antrag. Danach erfolgt Bearbeitung wie bisher.

3 Angebotsmodell (Invitatio)
Der Vermittler reicht, wie bisher, einen Antrag ein. Daraufhin wird ein Angebot gefertigt, das mit den vollständigen Unterlagen an den VN gesandt wird. Der VN muss dies in einer Annahmeerklärung bestätigen. Bei rechtzeitiger Rücksendung per Freiumschlag wird aus dem Angebot der Versicherungsschein und es erfolgt die Abbuchung des Beitrages.

Das Antrags- und das Stellvertretermodell werden in der Praxis bereits seit langer Zeit angewandt. Der Mehraufwand dürfte sich also bei zuverlässig arbeitenden Kollegen im Rahmen halten.

Bei solchen Vermittlern, die an einem schnellen Abschluß interessiert sind:
Schnell rein zum Kunden
Unterlagen auf den Tisch
Unterschrift einfordern
Möglichst schnell weiter zum nächsten Abschlußsollte es, und das ist auch ganz in Ordnung so, eine kleine Bremse geben. Denn gerade von diesen wurde die Kundeninformation und das Kundeninteresse sehr oft hinter den Provisionabschluß gestellt.

Schöne Grüße
justii

Dienstreise
15.04.2008, 15:12
Jo, das gilt aber wohl rechtlich als Grauzone, denn (flappsig gesprochen) überschreibt der Kunde dem Makler seine Geschäftsfähigkeit - also: "Du, Makler, darfst in meinem Namen und in meinem Auftrag entscheiden, was für mich gut ist" Das Problem ist, dass es ja eben dieser Makler ist, der dem Kunden etwas verkaufen will. Ich habe kommende Woche einen Termin mit entsprechenden Fachanwälten und will sehen, was die dazu sagen; das Thema hat mich nämlich eben wieder eingeholt - diesmal geht es um Fragen der Haftung solcher Makler, die keine rechtsrelevante Dokumentation nachweisen können - und das kann praktisch keiner, da der Anfang (so weit ich das bislang verstehe) mit dem Nachweis beginnt, dass sich der Makler in vollem Umfang sachkundig gemacht hat, was die individuellen Belange des Kunden angeht, damit er diesen massgeschneidert beraten kann. Der zweite Doku-Schritt ist dann der Nachweis des eigetlichen beratungsumfangs. Und wenn der Kunde schwört, dass der Makler ihm ausgerechnet DIESE Info nicht gegeben hat, geht für den Makler das Licht aus. Ich bin - wie gesagt - noch am stricken, denke aber, dass das Thema hoch spannend wir ..

a bientot
bico

Inaktiver User
15.04.2008, 15:23
Wie spucke ich jemanden am geschicktesten an.... oder worum geht es hier?


Wenn der Makler einen Maklerauftrag hat, dann ist es seine Pflicht, sich bezüglich der Belange des Mandanten sachkundig zu machen. Gleichzeitig ist es die Pflicht des Mandanten, den Makler über Änderungen zeitnah zu informieren.

Zum Nachweis des Beratungsumfanges gibt es zahlreiche hochwertige Möglichkeiten, die von seriösen unabhängigen Vermittlern angewandt werden (soweit eine Beratung nicht schriftlich erfolgt und dadurch dokumentiert ist).

Ein Beispiel für hochwertige Beratungsdokumentation ist z.B.
eu-protokoll-Dot-eu

Wenn jeder Berater sein eigenes Konzept strickt, kostet das viel Zeit, viel Geld, das Ganze ist äußerst fehleranfällig und überaltert laufend... Wozu also, wenn es hochwertige Lösungen gibt?

Gruß justii

Dienstreise
15.04.2008, 16:05
Ich habe noch mal die Sache mit dem Maklerauftrag (Stellvertreter) nachgeschaut - ein Günther Rodius (Prokurist BCA), schreibt in einem kilometerlangen Beitrag sinngemäß, dass die Stellv-Geschichte als Variante des Antragsmodells gesehen werden kann wobei darauf zu achten sei, dass der Versicherer die Maklervollmacht "in aller RRegel" im Original verlangt. Sei es darum.

Ich habe vorhin noch mit einem Kollegen gesprochen, der auch an dem Thema sitzt. Er meinte, es kommr künftiger wohl weniger darauf an, was in dre Dokumentation stehe, als was nicht darin enthalten ist. Wenn man näher hinschaut ein kompletter Irrsinn -

das erinnert mich ein bissel an die Gewährleistungspflicht für Gebrauchtwagen (auch über das Ziel hinaus geschossen). Zwar werden weniger "Gurken" verkauft aber die Kehrseite ist, dass es keine vernünftigen, bezahlbaren Gebrauchtautos für Fahranfänger und geringe Einkommen auf dem Markt gibt, weil der 200er Mercedes munter in Russland und Indien auf die 500.000 Kilometer-Marke zusteuert, da sich die Händler im Land vor unvorhersehbaren Risiken schützen müssen. *seltsamseltsam*