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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Sind Menschen mit Angst "normal"?



silli1973
05.01.2008, 09:44
Guten MOrgen ihr lieben,

ich habe mal wieder Angstzustände noch und nöcher. Meine Hauptangst ist die Angst allein zu sein. In einem anderen Part hier habe ich gute Tipps geben können, doch ich selbst kann sie auch irgendwie nicht ausführen. Ist das nicht verrückt?? Apropo verrückt. Sagt mal, ihr da draußen, mit den Angstzuständen (warum auch immer) fühlt ihr euch auch so, als wärd ihr nicht normal??? Ich habe manchmal die Angst das man durch die Angst wirklich irgendwann verrückt werden kann. Ich weiß das wir uns da alle nur reinsteigern und Ängste haben, die nicht wirklich realistisch sind (zum größten Teil jedenfalls). Warum sind wir so "anders" und steigern uns so da rein?? Warum machen wir uns diese Ängste? Warum können wir sie nicht einfach beiseite legen und "normal" leben und "normal" mit Gefühlen umgehen??

Ich habe momentan eine Krise mit meinem Freund und panische Angst allein zu sein. Ich denke teilweise an Trennung, aber ich könnte es gar nicht. Denn erstens bin ich mir nicht sicher ob ich mich trennen will oder nicht, da ich grad auch ne Depri habe und zweitens habe ich eine panische Angst allein zu sein. Woher kommt sowas?? Ok ich war immer schon als Kind allein. Aber ist denn nicht mal langsam gut?? Bei meiner letzten und vorletzten und vorvorletzten Trennung (um nicht zu sagen bei jeder TRennung) krieg ich panische Anfälle. Ich schlafe nachts nicht, vor Angst. Wenn ich dann doch mal wegschlummer werd ich wach mit nen Puls von 180 und einem Adrenalinstoß mit dem ich von hier bis Paris laufen könnte. Dann stehe ich den ganzen Tag unter voller Anspannung, aus Angst sich zu langweilen, zu entspannen und traurig zu sein. Denn ich empfinde allein sein soooo schlimm, dass ich denke, allein ist das Leben sinnlos. Keiner da, mit dem man abends reden kann, keiner der einen in den arm nimmt usw.

IST DAS NOCH NORMAL???? Oder kann man von sowas echt "verrückt" werden? Springt irgendwann ne Sicherung um und man ist "geisteskrank"?

Ich habe solche Angst. Die größte wohl vor mir selber :-( Heul

Und trotz Therapien krieg ich es nicht in den Griff, normal zu denken und zu handeln.

KENNST DAS JEmand???? Brauche ein paar Mutworte

Inaktiver User
05.01.2008, 09:47
Hallo silli,
mit Angstzuständen kenne ich mich nicht aus, deshalb kann ich dazu nicht viel sagen.

Aber eins möchte ich doch loswerden: Warum ist es für Dich so wichtig, "Normal" zu sein?
Was ist denn normal überhaupt? Wer bestimmt, was normal ist?

Sei Du selbst, und wenn dazu Angst vor dem Alleinsein gehört, dann gibt es dafür Gründe und Ursachen, die Du finden musst. Du kannst an Dir arbeiten, Du kannst dafür sorgen, dass es Dir besser geht.
Aber nimm nicht dieses imaginäre "normal" als Ziel

Normal ist gar nichts und niemand.

silli1973
05.01.2008, 09:52
Das stimmt schon. Ich habe nur Angst davor irgendwann mit einer Zwangsjacke um die Tische zu laufen in einer Psychiatrie. (war drei Monate dort und habe solche Fälle gesehen)

Inaktiver User
05.01.2008, 09:57
Also wenn Du mit einem Puls von 180 aufwachst, könnten es auch körperliche Ursachen sein (Nahrungsmittel) das kann ja dann nicht nur psychisch sein.

Wenn Du nicht gern allein bist, dann würde ich mich in solchen (Trennungs)Phasen viel verabreden, ob normal oder nicht, ist doch egal, jeder ist da anders. Wie wäre es denn, wenn Du vorübergehend bei einer Freundin wohnst, wäre es dann auch so?

silli1973
05.01.2008, 10:01
Also wenn Du mit einem Puls von 180 aufwachst, könnten es auch körperliche Ursachen sein (Nahrungsmittel) das kann ja dann nicht nur psychisch sein.


Doch es ist nur Angst. Angst aufzustehen und zu merken man ist allein.

Wenn Du nicht gern allein bist, dann würde ich mich in solchen (Trennungs)Phasen viel verabreden, ob normal oder nicht, ist doch egal, jeder ist da anders. Wie wäre es denn, wenn Du vorübergehend bei einer Freundin wohnst, wäre es dann auch so?

Das kann ich nicht, ich habe einen Sohn der ist 8. Bitte sag jetzt nicht, dann bist du nicht allein. Bin ich rein theoretisch auch nicht, ich für mich fühle mich aber allein.
Ich kann es euch nicht beschreiben, aber es ist dann wirklich die Hölle. Die Hölle auf Erden. Ich bin den ganzen Tag dann rappelig und turbo aufgeregt und angespannt. Irgendwann falle ich dann vor Erschöpfung zusammen und kriege meine Depris. Dann geht es runter bis zur Verzweiflung und Sinnlosigkeit. Ich denke ich für mich bin irgendwie nur allein und komme damit überhaupt nicht kalar. Ich brauche mehr Selbststärke und mehr Selbstvertrauen. Das versuche ich mittlerweile seit 4 Jahren aufzubauen mit Therapeuten, aber es klappt nicht. Ich falle immer wieder in das alte Muster zurück :-( heul

Inaktiver User
05.01.2008, 10:45
Hm, kann ich jetzt nicht beurteilen, ob es "nur" an der Einsamkeit liegt, oder am Job, an der Wohnform, usw. Wenn Du schon Erfahrung mit Therapeuten hast, kann es sein, dass es nicht die richtige Therapieform ist? Es vergehen im Durchschnitt 8 Jahre, bis jemand die richtige Therapieform bzw den richtigen Therapeuten gefunden hat. Und auch mit Kind gibt es andere Wohnformen als nur in einer Wohnung. Jeder ist anders, ist es normal, allein mit Kind zu wohnen und glücklich zu sein? Vor 100 Jahren z.B. sicher nicht. Die Normalität deines Zustandes, nämlich gut zu Leben, wird dann erst eintreten, wenn Du so lebst, wie Du zufrieden bist, das zu erreichen, würde ich Dir gern Mut machen. Aber was ist schon normal?

Karla48
05.01.2008, 11:14
Ich denke, daß Dir eine Beratung mit einem Psychologen gut täte. Er kann Dir helfen, Dich aus dem Gedanken-Karussell zu befreien. Ängste haben alle Menschen, nur die Ausprägung ist verschieden. Man wird nicht einfach so "verrückt", da schnappt nix rum, keine Bange. Eine Psychose ist etwas anderes. Ängste zu haben kann krankhaft sein, aber das ist nicht gleichzusetzen mit einer Geisteskrankheit. Sondern ansich gut behandelbar.

Es gibt spezielle Foren für Deine Fragen, google doch mal.

An einem Tag, wo Dich die Angst sozusagen "überrollt" kannst Du auch mit der Hilfe der Telefonseelsorge rechnen:
0800/ 111 0 111 und 0800/ 111 0 222 , gebührenfrei, bundesweit, 24 Stunden.

LG Karla

Inaktiver User
05.01.2008, 11:49
Hallo silli,

ja, Angst ist normal und somit sind Leute mit Ängsten auch normal.

Ich glaube, dass wenn Du Dich permanent hinterfragst und Dich mehr oder weniger als 'versagend' oder 'unnormal' empfindest, nicht weiterkommst. Ja, wahrscheinlich gibt es irgendwo eine Erklärung dafür, woher Deine Ängste kommen. UND es gibt mit Sicherheit eine neurologische Prädisposition bei Dir, weshalb sich die Ängste bei Dir so verselbständigen.

Will sagen: Vergiss nicht die körperliche Ebene auf die Du - so wie Du Deinen Zustand schilderst - nicht den 'willentlichen Einfluss' hast, wie Du ihn gerne hättest. Wenn das limbische System die Oberhand hat, kommt man mit dem Großhirn kaum dagegen an.

Wenn Du Dir auf 'alternative' Art und Weise helfen lassen möchtest, dann geh in eine entsprechende Klinik, die auf allen Ebenen mit Dir arbeitet. Ansonsten würde ich mir an Deiner Stelle überlegen, ob Du nicht doch wieder Medikamente nehmen solltest. Es geht eben oft nicht anders um die Kurve zu kriegen und das ist erstmal das Wichtigste, denke ich. Und es ist nicht das Schlechteste. Alles andere verstärkt nur Deine Selbstzweifel.

Ich hoffe, dass Dein Therapeut gleichzeitig Neurologe / Psychiater ist - oder dass Du wenigstens einen zusätzlich hast. Wenn Du seit 4 Jahren in Therapie bist und immer noch so zu kämpfen hast, dann MUSST Du auf verschiedenen Ebenen etwas tun - wenn Du Dir helfen willst. Ängste können sich wie Schmerzen 'chronifizieren'. Da kannst Du lange die (längst zurückliegenden) Ursachen gefunden haben und trotzdem noch Angst empfinden.

Inaktiver User
05.01.2008, 12:15
P.S.: Selbst wenn Du keine Angst vor Entspannung hättest, könntest Du nicht von jetzt auf gleich entspannen: Das musst Du und Dein Körper erst wieder lernen. Ist aber auch völlig normal.

Auch Entspannung ist / macht übrigens 'Sinn'.
Sogar Ängste und Depressionen haben ihren 'Sinn'.
Aber Dir etwas in diese Richtung zu schreiben hat kaum Sinn. Du kannst es in Deinem Zustand weder annehmen noch umsetzen ....

Was gibt es Dir denn, die vielen Anfragen zu starten?
Was geben Dir die Antworten?

Inaktiver User
05.01.2008, 12:51
Hallo Silli :blumengabe: ,

ich kenne auch das Gefühl, "nicht mehr normal zu sein", seit ich diese Angstzustände habe. Ich glaube, dass andere Leute es mir sofort ansehen, dass ich gerade Angst habe und wenn ich diesen Gedanken habe, wird die Angst in dem Moment noch stärker.

Mich beschäftigt immer wieder, ob ich mich in der Realität befinde oder ob diese Angst, wenn sie wieder da ist, mich "in eine andere Welt holt". Es kommt mir so vor, dass ich dann nicht mehr zwischen real und nicht real unterscheiden kann und DAS macht mir große Angst, was für mich auch bedeutet, dass ich das Gefühl habe, die Kontrolle über die Situation und über mich zu verlieren (das macht mir fast noch größere Angst). Es ist, als würde ich in einen Sud gezogen.

Ich kann mir auch vorstellen, nachdem ich die Beiträge hier gelesen habe, dass eine Selbsthilfegruppe etwas für mich sein könnte - ein Austausch mit anderen, denen es ähnlich geht, stelle ich mir irgendwie beruhigend vor. Zumal ich dann auch sehen würde, dass auch andere "ganz normale" Menschen von solchen Ängsten betroffen sind.

Inaktiver User
05.01.2008, 13:09
Ursachen von Ängsten sind tatsächlich sehr vielfältig... bei manchen entsteht eine Panikattacke schon, weil sie statt bei Hunger einfach ein Vollkornbrötchen zu essen, in ihren Körper horchen und die Angst so immer weiter verstärken.

Ängste können aber auch entstehen, wenn man unter einem inneren Konflikt leidet und Gefühle, wie Wut, über einen längeren Zeitraum kein angemessenes Ventil finden.

Je mehr man sich selbst unter Druck setzt, weil man die Angst nicht haben möchte, um so stärker wird sie vermutlich.

Vielleicht wäre ein erster Schritt die Angst einfach zu akzeptieren. Anstatt von sich zu verlangen sie nicht haben zu dürfen. Schließlich ist Angst zunächst einmal ein Gefühl wie jedes andere auch.

Außerdem habe ich noch ein paar Fragen an Dich:

In welchen Situationen verspürst du keine Angst?

Machst du Sport?

Wie ist deine allgemeine Lebensführung? (Mahlzeiten, Alkohol, Zigaretten, ausreichend Schlaf, Ruhe bzw. Lärm, mal Spaziergehen, Arbeitszeiten etc.)

Hast du dich körperlich mal durchchecken lassen?

In welchen Momenten fühlst du dich wohl?

Wer oder was tut dir wirklich gut?

Gehst du fürsorglich mit dir und deinem Körper um?

Alles Gute!

R*:blumengabe: