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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Rat bei Posttraumatischen Belastungssyndrom



Loredanaseven
18.12.2007, 12:10
Vergangene Woche habe einen Unfall miterleben müssen ,bei dem eine Frau tötlich verunglückt ist.Ein Bus hatte Sie überfahren , ich stand hinter diesem Bus und die Frau lag dann direkt vor meinem Augen hinter dem Bus.

Es war ein so entsetzlicher Anblick ,mit dem ich nicht fertig werde.
Zunächst war es noch so, daß ich immerzu weinen mußte und die Vorfälle immerwieder wie ein Film in meinem Kopf abspulten.Immer und immerwieder.

Dann hat sich das ganze in eine völlige Emotionslosigkeit gewandelt.Es ist , als würde ich neben mir stehen und bewege mich in einer Welt aus Watte.Alles rauscht Irgendwie an mir vorbei und ich fühle mich bei allem , was ich tue einfach nur unbeteiligt.

Kennt Jemand dieses Gefühl? Wie geht man damit um ?

Man riet mir, einen Psychologen aufzusuchen ,da es sich um ein Posttraumatisches Belastungssyndrom handele aber ich denke ständig ...
das das doch von allein wieder verschwinden muß.Der Busfahrer ,die Angehörigen des Opfers , die Helfer vor Ort etc.pp haben mit soviel mehr jetzt zu kämpfen als ich und ich grübele immer nach , warum ich es nicht schaffe, da etwas zu verarbeiten.
WIE verarbeitet man soetwas?

Inaktiver User
18.12.2007, 12:24
Loredanaseven,

bitte tu Dir selbst einen Gefallen und mach einen Termin bei einem Psychiater oder Psychotherapeuten, der sich mit PTSD auskennt und eine entsprechende Diagnostik mit Dir durchführt.

Wir können hier keine Ferndiagnosen stellen, aber bitte nimm dies hier sehr ernst:

Ein Trauma kann sich, wenn es unbearbeitet bleibt, manifestieren und Dich langfristig phyisch und psychisch beeinflussen.

Es ist wichtig, JETZT, umgehend nach dem traumatischen Erlebnis aktiv zu werden, um zu verhindern, dass es zu schwerwiegenderen Problemen kommt. Kurz nach einem Trauma, stehen die Chancen gut, über eine vergleichsweise kurze Intervention die Erfahrung so aufzulösen, dass Du sie gut verarbeiten kannst.

Entsprechend solltest Du JETZT aktiv werden und Dir HILFE suchen.

Bitte nimm Deine Gefühle ernst!

Hier (http://www.trauma-informations-zentrum.de/) findest Du Informationen, auch zur Selbsthilfe, aber ich rate Dir dringend, einen Psychiater oder Psychotherapeuten aufzusuchen und Dich untersuchen zu lassen.

Grüssle
Seawasp

Vivi23
18.12.2007, 12:44
Seawasp hat schon alles gesagt, bitte such Dir Hilfe!

Und vergleiche nicht Deins mit dem Leid anderer, die in welcher Weise auch immer auch mit dem Unfall zu tun haben. Jeder einzelne steht dabei für sich, man kann ein Leid nicht mit dem anderen messen. Und möglicherweise ist es für Dich gerade deswegen so schlimm, weil Du es "nur" gesehen hast, während andere helfen konnten und so ihren Schock vielleicht leichter verarbeiten.

Inaktiver User
18.12.2007, 16:53
Liebe Loredanaseven,

ich habe heute morgen hier geschrieben, dass ich in letzter Zeit häufiger Albträume habe. Und genau das, was du erleben musstest habe ich letzte Woche geträumt. Eine Frau wurde von einem Bus oder LKW überfahren. Es war so real, dass ich den ganzen Tag geweint habe und selbst ich nicht weiß, wie ich diese Bilder aus dem Kopf bekommen soll.

Ich schließe mich den anderen auch an und rate dir wirklich einen Therapeuten aufzusuchen. Und auch ziemlich bald, denn die Wartelisten sind recht lang.

Alles Gute für dich :blumengabe:

malea

Loredanaseven
18.12.2007, 19:24
Ich bedanke mich zunächsteinmal für die Antworten.
Da ich heute nocheinmal vom Unfalldienst angerufen wurde, habe ich das Problem gleich angesprochen und bekomme nun morgen Stellen genannt, an die ich mich wenden soll.
Auch dieser Herr hat mir dringend dazu geraten, daß alles sehr ernst zu nehmen und psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Danke, für Eure Anteilnahme !!!!

malea ,

Deine Schilderung hat mir einen Schauer über den Rücken gejagt.
Auch bei mir gab es nämlich einen Traum als "Vorgeschichte".

Am Montag ,in der Nacht vor dem Unfall, träumte ich ,daß mir sämtliche Zähne ausgefallen sind.Ich wachte völlig schockiert auf.Ich weiß nicht ,woher ich es habe aber in Unserer Familie zumindest wurde immer gesagt ,wenn man soetwas träumt, stirbt ein Mensch.

Dienstag früh setzte ich mich in mein Auto und wirklich nur kurz bevor ich die schrecklichen Bilder vor Augen hatte, erinnerte ich mich an diesen Traum.

Nur Sekunden später bog ich in eine Strasse ein ,wo ich dann hinter dem Bus stand und die tötlich verunglückte Frau sah.

Das alles hat mich im großen und ganzen Zusammenhang auch sehr beschäftigt.

Ich danke Dir auch für Dein Schreiben und für den lieben Wunsch an mich.

Loredanseven

HappaHappa
19.12.2007, 21:59
Am Montag ,in der Nacht vor dem Unfall, träumte ich ,daß mir sämtliche Zähne ausgefallen sind.Ich wachte völlig schockiert auf.Ich weiß nicht ,woher ich es habe aber in Unserer Familie zumindest wurde immer gesagt ,wenn man soetwas träumt, stirbt ein Mensch.

Dienstag früh setzte ich mich in mein Auto und wirklich nur kurz bevor ich die schrecklichen Bilder vor Augen hatte, erinnerte ich mich an diesen Traum.

Nur Sekunden später bog ich in eine Strasse ein ,wo ich dann hinter dem Bus stand und die tötlich verunglückte Frau sah.




Hallo Loredana,

einen solchen Traum hatte ich eine zeitlang auch ständig. Entweder waren die Zähne zu Krümeln im Mund geworden und ich konnte sie gar nicht alle ausspucken ... oder sie vielen einfach aus. Ein scheußliches Gefühl.

In der Traumdeutung heißt das nicht unbedingt, dass jemand stirbt, sondern zunächst einmal, dass man an etwas sehr zu beißen hat, dass man sich an einer Lebenssituation die Zähne ausbeißt etc.

Diesen Text habe ich gerade ergoogelt:
"Durch die Analogiesprache der Astrologie wissen wir zumindest, was die Taumsymbole bedeuten. Ein Traum, den relativ viele Menschen schon einmal gehabt haben, der sie tief erschütterte und unerklärbar war, ist z.B. der Traum vom Zähneausfallen. Plötzlich wackeln im Traum die Zähne, fallen eben aus oder werden - fast noch schlimmer - zu Brei im Mund. Zähne werden in der Astrologie nun Saturn zugeordnet, dem Begrenzer, dem Planeten des Alters, der Schicksalsschläge und des körperlichen Zerfalls. Mit diesem Traum muss also eine Angst vor dem Altwerden, er kann aber auch auf eine tiefe seelische Erschütterung hindeuten, die sich durch eine Lebenskrise bereits anbahnt, vom Bewusstein aber noch nicht wahrgenomme wird."

Ohne Dir zu nahe treten zu wollen, aber könnte es sein, dass Du durch etwas anderes (als den Unfall) oder durch momentane Ängste in einem bestimmten Lebensbereich vorbelastet bist? Und dass dadurch dieses Trauma, der Unfall Dir erst so richtig zu schaffen macht? Weil Du vielleicht sonst gerade nicht so stabil durchs Leben gehst?
Dies sind keine Fragen, die Du jetzt beantworten sollst. Sie dienen nur zur Anregung, Dir die Fragen selbst zu stellen und zu überprüfen, ob da was Wahres dran ist.

Lieber Gruß

Loredanaseven
20.12.2007, 03:20
Hallo Loredana,

einen solchen Traum hatte ich eine zeitlang auch ständig. Entweder waren die Zähne zu Krümeln im Mund geworden und ich konnte sie gar nicht alle ausspucken ... oder sie vielen einfach aus. Ein scheußliches Gefühl.

In der Traumdeutung heißt das nicht unbedingt, dass jemand stirbt, sondern zunächst einmal, dass man an etwas sehr zu beißen hat, dass man sich an einer Lebenssituation die Zähne ausbeißt etc.

Diesen Text habe ich gerade ergoogelt:
"Durch die Analogiesprache der Astrologie wissen wir zumindest, was die Taumsymbole bedeuten. Ein Traum, den relativ viele Menschen schon einmal gehabt haben, der sie tief erschütterte und unerklärbar war, ist z.B. der Traum vom Zähneausfallen. Plötzlich wackeln im Traum die Zähne, fallen eben aus oder werden - fast noch schlimmer - zu Brei im Mund. Zähne werden in der Astrologie nun Saturn zugeordnet, dem Begrenzer, dem Planeten des Alters, der Schicksalsschläge und des körperlichen Zerfalls. Mit diesem Traum muss also eine Angst vor dem Altwerden, er kann aber auch auf eine tiefe seelische Erschütterung hindeuten, die sich durch eine Lebenskrise bereits anbahnt, vom Bewusstein aber noch nicht wahrgenomme wird."

Ohne Dir zu nahe treten zu wollen, aber könnte es sein, dass Du durch etwas anderes (als den Unfall) oder durch momentane Ängste in einem bestimmten Lebensbereich vorbelastet bist? Und dass dadurch dieses Trauma, der Unfall Dir erst so richtig zu schaffen macht? Weil Du vielleicht sonst gerade nicht so stabil durchs Leben gehst?
Dies sind keine Fragen, die Du jetzt beantworten sollst. Sie dienen nur zur Anregung, Dir die Fragen selbst zu stellen und zu überprüfen, ob da was Wahres dran ist.

Lieber Gruß

Hallo ,

danke für Dein Interesse !!

Es war interessant zu lesen , was Du gegoogelt hast ; und ich glaube, es ist auch daher interessant ,was ich darauf zu antworten habe - zu diesem Thema hatte ich bereits auch vorher schon etwas eingetragen,deswegen fällt es mir auch nicht schwer.

Tatsache ist , daß ich gerade kurz zuvor ,mehr oder weniger aus heiterem Himmel , damit konfrontiert wurde, daß alle meine Zukunftspläne, die ich mit einem bestimmten Menschen gemacht hatte, über den Haufen geschmissen wurden von seiner Seite aus.

Zudem habe ich vor auch nicht allzulanger Zeit meinen Vater verloren , der immer ein "Fels in der Brandung" für mich war;ich trauere um Ihn und es stimmt also , was da nun geschrieben steht.An manchem hatte ich mir seelisch die Zähne auszubeissen !!

Heute hatte ich ein Gespräch mit einem Polizeipsychologen, an den ich mich gewandt hatte und dabei ist auch etwas zum "Vorschein" gekommen , was ich hier auch gerne erwähnen möchte.

Während ich redete und redete - was sehr, sehr gut tat, es war genau die richtige Entscheidung dies zu tun !! - hörte ich mich sagen , daß mit dem Augenblick des Unglücks etwas anderes fast vollständig "verlorenging" und zwar meine ich damit das hadern wegen der Trennung , wegen der Zukunftspläne, die nun neu bedacht werden müssen ,wegen der Entscheidungen , die ich zuvor dafür getroffen hatte.

...ich hoffe, daß dies nun nicht "zynisch" klingt im Angesichts des Leids, was da entstanden ist für andere.

ich fühlte mich zuvor so tief verletzt und war so unendlich traurig , daß ich etwas "hergegeben" hatte ,was sich nun als "umsonst" erwies usw.usf. aber mir ist in den letzten Tagen auch aufgefallen ,daß mir das Unglück aufzeigte ...

das ich lebe, daß ich Möglichkeiten nun habe, mein Leben neu zu ordnen , daß ICH an Plänen (Umzug in andere Stadt etc.) festhalten kann ,es nicht von der Entscheidung eines anderen abhängig ist , was nun aus MEINEM Leben wird.Das ICH etwas aus LIEBE "aufgegeben" habe und damit nicht hadern muß, es kam von Herzen, weil ich an etwas glaubte und darauf vertraute -

das ich nichts rückgängig machen muß ,sondern wirklich auch "alleine" sehr gut nach vorn schauen kann , etwas wagen kann , wenn ich möchte.Das ich es vielmehr alles "Schicksalweg" sehen kann , der mich in genau die RICHTIGE Richtung nun führt.

Am WE vor dem Unglück sagte ich noch völlig Hilf,-und Kraftlos zu meiner Freundin ...was soll nun bloß werden , was soll ich machen, ich habe keine Lust mehr.Alles ist so schwer.

Heute fühlte ich eine aufkeimende Zuversicht , ich konnte über die Eindrücke des Unfalls lange reden ; ich bin ein bißchen von diesem "Watteempfinden" losgeworden, weil die Tränen in Strömen herauskamen , die ich Tagelang nicht weinen konnte -

ich habe jetzt schon einige Tage nicht an das gedacht , was der andere gemacht hat
sondern habe darüber nachgedacht , was Ich nun tun will.

Es geht mir etwas besser.

Aber es ist wirklich sehr interessant , daß dieTraumdeutung in diesem Fall tatsächlich so richtig liegt und es ist letztendlich auch ein erträglicherer Gedanke, daß ich nicht soetwas Schreckliches "vorhergeträumt" habe ,daß hat mich schwer beschäftigt.

Ich danke nochmals für das Interesse daran und das googeln !!!

Inaktiver User
20.12.2007, 06:29
@loredanaseven
Es war ein so entsetzlicher Anblick ,mit dem ich nicht fertig werde.Zunächst war es noch so, daß ich immerzu weinen mußte und die Vorfälle immerwieder wie ein Film in meinem Kopf abspulten. Dann hat sich das ganze in eine völlige Emotionslosigkeit gewandelt.

...wie "man" damit umgeht" sei dahingestellt, wichtig ist, dass du dir fachliche Hilfe nimmst. Beim Rettungsdienst gibt es auch Begleiter, die Krisenintervension für die wenig oder gar nicht Verletzten Beteiligten an einem Unfall machen, die geschockt und kopflos am Unfallort herumlaufen und sich gefährden können.
Dein Gedächtnis hat als Schutzfunktion jetzt zwar emotionale Funkstille gemacht, damit es "neben dir abläuft", aber es ist da und entscheidend ist, wie du es verarbeitest, um "damit" für immer weiter leben zu können. Bei irgendeiner Extremsituation, die dir jederzeit nochmals im Leben begegnen kann, wird "dein Erlebnis wieder aktiviert". Hol dir bitte Hilfe...:engel:

Overflyer
21.12.2007, 16:24
loredanaseven,

auch ich hatte ein posttraumatisches belsatungssyndrom übelster art.

mir hat es geholfen, mich der situation immer wieder zu stellen. immer wieder den ort aufsuchen, an dem es passiert ist. die flash-backs wurden weniger und verschwanden schließlich fast ganz (ob sie das jemals tun, sei dahingestellt). eine heftige methode, aber es ging relativ schnell.

ich wünsch dir alles gute für deine zukunft

overflyer

Inaktiver User
22.12.2007, 08:56
Weil es mir sehr wichtig ist, möchte ich nochmals unterstreichen, dass sich mit therapeutischer Begleitung ein Trauma kurz nach dem Ereignis gut verarbeiten lässt. Es muss sich dann gar keine PTSD entwickeln. Ist die einmal manifestiert, weil man sich keine Hilfe gesucht hat, kann die Behandlung ein langwieriger Prozess sein. Es gibt immer noch viele Menschen, die damit allein bleiben, sich keine Hilfe suchen.

Diese Menschen leiden dann unter vielfältigen Symptomen, die sie oft gar nicht mit der traumatischen Erfahrung in Verbindung bringen, die aber einschränkend und verstörend sein und sowohl auf körperlicher wie psychischer Ebene das Leben einschränken können.

Daher mein Appell an jeden, der betroffen ist oder betroffen sein könnte: Bitte, sucht Euch Hilfe.

Grüssle
Seawasp