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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wenn Freunde sterben...



Inaktiver User
11.12.2007, 10:30
Er kündigt sich langsam aber sicher an - der nächste Abschied, von jemand, den ich ins Herz geschlossen habe. Es ist egoistisch und bestimmt nicht richtig - aber ich frage mich, wie lange dieser Mensch noch mein Leben begleiten wird, er ist alt, sehr krank und ich mag ihn. Viele Jahre war er ein Halt für mich, manchmal ein Ratgeber, wir haben uns auch gestritten und manchmal hat er mich genervt. Er ist ein Freund.
Jetzt lässt seine Kraft nach, mehr und mehr. Wenn ich bei ihm bin, glaube ich manchmal, daß er nicht mehr ganz da ist, er wirkt nicht unglücklich, aber er ist nicht mehr konzentriert, klar und präsent, sondern scheint irgendwo anders mit seinen Gedanken zu sein.

Gestern gab es eine Verschlechterung. Nichts ernstes, rein medizinisch gesehen. Dennoch kommt der dunkle Schatten näher.

"Junge Menschen können sterben - alte Menschen müssen sterben". Der Tod ist was ganz natürliches, jaja...aber auch wenn ein Alter geht, hinterlässt eine Lücke, als Individuum, als Freund, die durch nichts und niemand zu füllen ist.
Es ist für mich schwer, den Tod zu akzeptieren. Er ist erschreckend, beängstigend, unbegreifbar, endgültig.

Es sind schon sehr viele Menschen aus meiner Umgebung gestorben, und jedes Mal fehlt einer mehr...unersetzbar. Insofern wird das Leben ärmer, wenn man älter wird. Ich weiß, daß es "natürlich" ist, aber es ist schwer...und manchmal macht es Angst.
Ruby

silli1973
11.12.2007, 12:23
Ach RUby, erstmal ein dickes Drücken an dich :in den arm nehmen: :in den arm nehmen:

Ich kenne deine GEdanken nur zu genüge. Auch ich habe Angst gehen lassen zu müssen und mich irgendwann ganz allein hier auf dieser Welt wiederzufinden.

Genieße die Zeit die du mit ihm noch hast, sag ihm alles, was du ihm noch sagen willst und lass den Schmerz einfach zu. Mache ihm die Zeit die er noch hat, so angenehm wie möglich. Verbringe Zeit mit ihm, les ihm was vor (hört sich doof an, weiß ich), spiel mit ihm Spiele, halte ihm die Hand etc etc etc. Denn ich glaube er hat im augenblick sicherlich viel mehr ANgst.

Ich kann mich damit auch nicht abfinden. Manchmal hab ich mir gesagt, warum hat man uns nicht gefragt, ob wir überhaupt auf die Welt kommen wollen, wenn wir doch sowieso wieder gehen müssen und soviel Schmerz ertragen müssen. Hm, tja, da das nicht geht, versuche ich den Gedanken zu vertreiben. Es bring mich ja nicht wirklich vorwärts.

Ich wünsche dir in jedem Fall erstmal noch ganz viele Stunden, Tage, Wochen etc. mit diesem Menschen. Doch lass ihn irgendwann gehen, denn leiden hat keiner verdient und dann sei ihm der Friede auch gegönnt. :-) Stell dir vor, du wärst an seiner Stelle und überlege was du dir wünschen würdest. Erfülle ihm noch den ein oder andern Wunsch, ich denke das wird dir vielleicht beim gehenlassen helfen. :-)

Bussi und gaaaaaaaaaaaanz viel Kraft, Mut und Stärke für dich.

MadamG
11.12.2007, 14:40
[QUOTE=Ruby
Es sind schon sehr viele Menschen aus meiner Umgebung gestorben, und jedes Mal fehlt einer mehr...unersetzbar. Insofern wird das Leben ärmer, wenn man älter wird. Ich weiß, daß es "natürlich" ist, aber es ist schwer...und manchmal macht es Angst.
Ruby[/QUOTE]

Nein, liebe Ruby, das Leben wird nicht ärmer, sondern immer reicher. Es treten neue Menschen, die man kennenlernt hinzu und die "alten" behält man geliebt in Erinnerung.

Das Leben ist immer Bereicherung. Selbst Schmerz und Verlust kann einem in Erfahrungswerten wachsen lassen.

Ich weiss es ist nicht gerade ein guter Trost für Dich im Moment. ich wünsche Dir auf jeden Fall viel Kraft und Stärke um diesen geliebten Menschen loslassen zu können.

Liebe Grüße, ich drück Dich :in den arm nehmen:
GIna

Inaktiver User
11.12.2007, 15:43
Hi Ihr beiden,
vielen Dank für Eure Antworten.
Schön, daß da jemand mitfühlt...

Er hat weniger Angst als ich, eigentlich gar keine...hat sich abgefunden, ohne resigniert zu sein. "Es ist gut wie es ist" meint er. Erstaunlich, wie ruhig manche werden, wenn es ernst wird.

Ich komme mir wie ein dämlicher Egoist vor...loslassen ist eine schwere Kunst, zumal wenn man weiß, so einer kommt nicht wieder.

Es kommen ständig neue Menschen in mein Leben, das ist wahr.
Aber die jahrelange Vertrautheit, die man mit jemand hatte, lässt sich so schnell nicht wieder beizaubern, und oft wartet man vergebens. Manche sind eben doch nicht zu ersetzen, lassen den Rest des lebens eine Lücke zurück und ich ertappe mich oft dabei, daß ich jetzt schon, mit 49, ganz oft an "früher" denke (dafür hab ich meine Oma immer ausgelacht...).
Mittlerweilen habe ich ganz viele liebe Menschen auf der anderen Seite - mehr als hier im Leben.
Das ist irgendwie unheimlich.

Ich gehe viel unter Menschen und komme mit den meisten gut zurecht - aber welche von "meinem Stamm" finde ich nur ganz ganz selten. Vielleicht werde ich mal eine alte Einzelgängerin, auch wenn ich das bewusst gar nicht will.

MadamG
11.12.2007, 16:00
Liebe Ruby,

ja es ist ungeheuer schwer loszulassen und es gibt Menschen, die können durch nichts und niemanden ersetzt werden. Sollen sie ja auch nicht.

Es ist eine Form von Egoismus sich an einen Menschen zu klammern, der eigentlich gehen will. Verstehe bitte nicht falsch.

Aber ist es nicht wundervoll, dass Du diesen geliebten vertrauten Menschen die letzte Strecke seines Wegs begleiten darfst? Dass er nicht von heute auf morgen weg war, sondern dass ihr noch Zeit habt miteinander zu reden und Zeit zu verbringen?

Man sieht leicht immer alles als selbstverständlich an. Ich habe vor einem Jahr meine Mutter verloren und es war auch sehr schwer. Heute jedoch bin ich dankbar, dass sie so friedlich eingeschlafen ist und dass wir sie alle noch auf ihrem Weg begleiten durften.

Und letzendlich müssen wir alle diesen Weg gehen.....

Dicke Umarmung :blumengabe:
Gina

shannen
12.12.2007, 22:06
Liebe Ruby,

ich kann mir vorstellen wie schlecht es dir geht und wie schlimm es ist einen lieben Freund loslassen zu müssen. Gerade dass man sich von liebe Menschen verabschieden muß macht auch mir eine große Angst vor dem älter werden.

Dennoch bin ich davon überzeut dass der Tod für den Sterbenden eine Erlösung und etwas schönes ist.Leiden unter dem Tod müssen die,die zurück bleiben. Ich glaube auch daran dass man nach dem Tod seine geliebten Freunde und Verwandte in irgenseiner Form wieder begegnen wird.
Wenn es deinem Freund sehr schlecht geht wird sein baldiger Tod eine Erlösung von seinem Leiden sein,vielleicht kann dich dieser Gedanke etwas trösten.

Liebe ruby ich wünsche dir von ganzem Herzen ganz viel Kraft.

Liebe Grüße shannen

Inaktiver User
13.12.2007, 10:13
leider hat es die gesellschaft von heute ziemlich verlernt oder verdrängt es eher mit dem anteil "tod" umzugehen. ich empfinde es allerdings als vorteil wenn man wenigstens die chance hat sich vorzubereiten wenn ein nahestehender mensch alsbald weggeht. gerade wenn der betreffende nicht alt ist.

ich hab vor sehr langen jahren einen nur wenige jahre älteren engen freund sehr plötzlich durch einen unfall(bike), der so eigentlich gar nicht hätte passieren dürfen, verloren. der schuldige, welcher für diesen tod des freundes eigentlich verantwortlich war, stand nicht dafür gerade, es gab noch nicht mal eine richtige untersuchung oder gerichtsverhandlung dazu, obwohl eindeutig versäumnisse und schlamperei der grund für den unfall waren.
wenns so läuft verfolgt einen das ein leben lang, wirklich abschließen kann man das nicht.
gruß von nemesis

Inaktiver User
14.12.2007, 09:26
leider hat es die gesellschaft von heute ziemlich verlernt oder verdrängt es eher mit dem anteil "tod" umzugehen. ich empfinde es allerdings als vorteil wenn man wenigstens die chance hat sich vorzubereiten wenn ein nahestehender mensch alsbald weggeht. gerade wenn der betreffende nicht alt ist.

ich hab vor sehr langen jahren einen nur wenige jahre älteren engen freund sehr plötzlich durch einen unfall(bike), der so eigentlich gar nicht hätte passieren dürfen, verloren. der schuldige, welcher für diesen tod des freundes eigentlich verantwortlich war, stand nicht dafür gerade, es gab noch nicht mal eine richtige untersuchung oder gerichtsverhandlung dazu, obwohl eindeutig versäumnisse und schlamperei der grund für den unfall waren.
wenns so läuft verfolgt einen das ein leben lang, wirklich abschließen kann man das nicht.
gruß von nemesis


Das ist natürlich noch viel schlimmer; ein plötzlicher, nicht aufgeklärter Tod eines Menschen, der einem nahe steht...das wird man nicht los, es verfolgt einen (habe das auch schon erlebt...)

Ich habe schon so viele mir nahestehende Menschen verloren, daß ich eigentlich gelernt habe müsste, damit umgezugehen. Aber nein - es wird eher jedes Mal schlimmer. Erst gestern habe ich erfahren, daß jemand, mit dem wir früher befreundet waren, schlimm an Krebs erkrankt ist - er ist knapp über 50 Jahre alt und ein sehr lebenslustiger Mensch. Irgendwann haben sich unsere Wege getrennt, weil er eine andere Auffassung von "lustig" hatte als wir und er sehr viel getrunken hat und ohne Zigarette im Mund sich unwohl fühlte. Er hat uns übel genommen, daß wir das anders handhaben...jetzt liegt er im Krankenhaus, es sieht nicht gut aus.
Ich werde mich mal melden - es geht mir nahe, obwohl wir uns ewig nicht gesehen haben.

Schon wieder...

liebe Grüße, Ruby

Inaktiver User
16.01.2008, 09:21
Er ist nicht mehr im Krankenhaus, die können nichts mehr für ihn tun.
Sie haben ihm genau gesagt, was er hat und daß es eine Frage von Wochen/Monaten ist. Schmerztherapie steht jetzt im Vordergrund. Er wird immer schwächer, ist sehr traurig - und noch viel zu jung. Heute nacht konnte er nicht schlafen und hat uns sehr früh angerufen, weil er mit meinem Mann reden wollte.

Es gibt kaum eine unmenschlichere Krankheit als diesen verdammten Krebs!

Inaktiver User
24.04.2008, 17:16
Er ist gestorben.
Kein friedlicher Tod - sondern einer, der unversöhnlich mit Angst, ja Panik und Schmerzen kam....ganz traumatisch für die Frau...sie war seit Tagen bei ihm. Er ist in dem Moment gestorben, als sie mal ganz kurz das Zimmer verlassen hat...

Viel zu jung...

Gräßlich.

Inaktiver User
24.04.2008, 21:13
Liebe Ruby :blume: ,

genau so


Er ist in dem Moment gestorben, als sie mal ganz kurz das Zimmer verlassen hat...


ist es bei den Todesfällen in meinem Umfeld auch fast immer gewesen.
Ob man das nur allein schaffen kann? Es ist seltsam.

Lieben Gruß an Dich - T.

Inaktiver User
25.04.2008, 10:55
Liebe Ruby :blume: ,

genau so



ist es bei den Todesfällen in meinem Umfeld auch fast immer gewesen.
Ob man das nur allein schaffen kann? Es ist seltsam.

Lieben Gruß an Dich - T.

Seltsam..ist in fast allen Fällen, die ich kenne, auch so gewesen.
Ein Arzt hat mir mal gesagt, daß Sterbende oft so lange "warten", bis sie alleine sind... kann man sich kaum vorstellen, daß man im letzten Moment seines Lebens noch eine bewusste Entscheidung treffen kann...
Liebe Grüße, Ruby

Inaktiver User
25.04.2008, 11:03
:kerze:

ohne Worte


Dharma

Nadine75
26.04.2008, 17:51
Seltsam..ist in fast allen Fällen, die ich kenne, auch so gewesen.
Ein Arzt hat mir mal gesagt, daß Sterbende oft so lange "warten", bis sie alleine sind... kann man sich kaum vorstellen, daß man im letzten Moment seines Lebens noch eine bewusste Entscheidung treffen kann...
Liebe Grüße, Ruby

Ja, das..
oder einen Moment, wo es ruhig ist in der Nacht.

((((( Ruby )))) viel Kraft

Inaktiver User
02.06.2008, 13:31
Danke Euch allen...

...und der nächste macht sich auf den Weg.
Heute erfahren: ein Nachbar, gesund gelebt, lebensfroh, fit, hat Krebs - Tumore sitzen schon in Wirbelsäule, Lunge, hat NICHTS davon gemerkt, bis auf einmal der Husten kam...kriegt Chemo.
Sieht ziemlich hoffnungslos aus - man spricht von Linderung, nicht von Heilung. Alptraum.

Verdammt, was ist denn nur los?

Inaktiver User
07.06.2008, 20:33
Hallo Ruby,
ich habe mich vor einigen Jahren zur Hospizlerin ausbilden lassen.
Man hat uns auch gesagt, dass viele Menschen sterben, wenn sie gerade mal kurz alleine gelassen werden. Es soll viele Menschen geben, die lieber alleine sterben wollen und das auch steuern können.
Mir geht es auch im Moment nicht so gut. Mein Vater wird wohl nicht mehr lange leben.
Manchmal hört man von so vielen Menschen, die schwer krank sind und ist dann fassungslos.
Oft denke ich, ich wäre nicht traurig, wenn ich nicht geboren worde wäre.
Ich wünsche Dir alles Gute
edelgard

Inaktiver User
10.06.2008, 09:46
Hallo Ruby,
ich habe mich vor einigen Jahren zur Hospizlerin ausbilden lassen.
Man hat uns auch gesagt, dass viele Menschen sterben, wenn sie gerade mal kurz alleine gelassen werden. Es soll viele Menschen geben, die lieber alleine sterben wollen und das auch steuern können.
Mir geht es auch im Moment nicht so gut. Mein Vater wird wohl nicht mehr lange leben.
Manchmal hört man von so vielen Menschen, die schwer krank sind und ist dann fassungslos.
Oft denke ich, ich wäre nicht traurig, wenn ich nicht geboren worde wäre.
Ich wünsche Dir alles Gute
edelgard


Hi liebe Edelgard,
das klingt nicht gut. Ich habe recht früh beide Eltern verloren (meine Mutter starb nach langer Krankheit, als ich 20 war, mein Vater, als ich 34 war...) Das ist noch viel schmerzhafter und eingreifender, als wenn Freunde sich verabschieden und ein Meilenstein im Leben. So wird es nie mehr werden...
Ich kann Dir nur sagen, daß es besser wird, die Zeit die Wunden vernarben lässt und man zwar nie seine Eltern vergißt, aber ein wenig von dem Schmerz, der der Abschied mit sich brachte. Ist zumindest bei mir so. Die schönen Erinnerungen überwiegen jetzt.
Ist ja auch schon lange her...

Komisch, meine Reaktion war anders...ich klammere mich regelrecht ans Leben und sehe es als was sehr Wertvolles an, das jeden Tag vorbei sein kann. Ich bin dankbar, daß es mir gut geht - meiner Familie - und manchmal habe ich ein schlechtes Gewissen - das ich mopsfidel bin, während um mich rum eine schlimme Krankheit nach der anderen, ein Todesfall nach dem anderen, passieren. Es ist nur eine Frage der Zeit...wir müssen alle gehen und können uns nicht aussuchen, wie. Ich geniesse es, solange ich darf...

Unserem Nachbarn geht es schlecht. Er hat Angst, ist psychisch danieder, weint viel. Er will keinen Besuch, nur seine Frau. Sie ist auch ziemlich fertig, hat unglaublich abgenommen, ist nur noch ein Schatten ihrer selbst. Sie hat trotzdem Hoffnung.

Ich drücke Dir und Deinem Vater ganz feste die Daumen.
Liebe Grüße sendet Dir Ruby