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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Besuche am Grab - wie geht Ihr damit um?



Inaktiver User
09.12.2007, 13:18
Hallo zusammen,

mich bewegt doch immer wieder mal dieselbe Frage und ich interessiere mich, wie andere Betroffene damit umgehen:
wir haben vor drei Jahren ein uns nahestehendes Familienmitglied in sehr jung (Anfang 20) durch eine schlimme Krankheit verloren.
Wir haben den Jungen fast bis zum letzten Atemzug begleitet, von dem Tag an als wir wussten, dass er sterben wird.
Während dieser schweren Zeit haben wir uns professionelle Unterstützung geholt um mit der Situation umgehen zu können, haben offen getrauert und gelernt, mit dem Verlust des Jungen umzugehen.

Anfangs habe ich sein Grab ab und zu besucht, aber das Bedürfnis wird von meiner Seite aus immer weniger.
Nicht zuletzt ist auch meine Weltanschauung so geprägt, dass ich selbst mal kein Grab möchte, wenn ich sterbe - ich möchte in einem Friedwald anonym bestattet werden...oder, wenn es bis dahin möglich ist..."verstreut in alle Winde".

Für mich ist das Symbolisieren der Vergänglichkeit ein Bestandteil meiner Weltanschauung und ich möchte nicht, dass an Dingen festgehalten wird, die man nicht festhalten kann.

Wenn ich am Grab des Jungen stehe, kommt dann doch wieder die Ohnmacht in mir hoch, die mich genau dann in Besitz nimmt, wenn ich das Geburts- und das Sterbejahr lese.
Viel lieber sehe ich mir dann Bilder von ihm an, die wir zu Lebzeiten aufgenommen haben, Bilder auf denen die schönen Momente, die wir gemeinsam erlebt haben, an diese schönen Stunden erinnern.

Wir können sie nicht wiederholen, aber es tut gut zu wissen, dass sie einmal waren und die uns geprägt haben.
Sein Grab ist dagegen für mich wie ein "eingefrorenes Denkmal", das irgendetwas konserviert, das nicht mehr ist....ich weiss nicht, wie ich das ausdrücken soll.

Mich würde einfach interessieren, wie Ihr mit den Gräbern von Eueren Lieben umgeht...bringt es Euch etwas, habt Ihr das Gefühl, Euerem Verstorbenen dadurch näher zu sein oder wirkt es auf Euch auch so "hart", wenn es noch ein sehr junger Verstorbener ist und Ihr die Jahreszahlen lest?

Inaktiver User
09.12.2007, 13:31
Als mein Bruder starb, habe ich bis ca. zwei Jahre nach seiner Beerdigung das Grab nicht besucht. Ich gehe mit solchen Sachen anders um als z.B. meine Mutter, die seit seinem Tode jeden Tag an seinem Grab ist. Ich gehe hin, wenn ich besonders intensiv an ihn denke, und mir diese Gedanken nicht aus dem Kopf gehen wollen. Ich stelle mich dann vor sein Grab, und rede gedanklich mit ihm. Es gibts mir ein gutes Gefühl, das eine tiefe Verbundenheit zu ihm darstellt. Danach gehe ich nach Hause, und fühle mich wohl. Ich habe mich schon oft dabei ertappt, wie ich grinsend den Friedhof verlasse, weil ich genau weiß, dass "er" da ist, und ich unter seiner ständigen Beobachtung stehe, was mich nicht stört.
Sonst gehe ich mit seiner nicht mehr vorhandenen Existenz ganz locker um. Ich erinnere mich an unsere tolle Kindheit, an unsere erste gemeinsame Wohnung, und an seine ersten handballerischen Erfolge, die ich ihm sehr gegönnt habe (er spielte bis zu seinem plötzlichen Tod in der Bundesliga).

Inaktiver User
10.12.2007, 07:57
Hallo Fudschi,

danke Dir für Deinen Beitrag.
Gibt es für Dich z.B. einen (gefühlten) Unterschied, wenn Du zum Grab gehst und wenn Du Bilder von Deinem Bruder ansiehst (wie fühlst Du Dich ihm näher)?

Inaktiver User
10.12.2007, 14:22
Hallo Fudschi,

danke Dir für Deinen Beitrag.
Gibt es für Dich z.B. einen (gefühlten) Unterschied, wenn Du zum Grab gehst und wenn Du Bilder von Deinem Bruder ansiehst (wie fühlst Du Dich ihm näher)?

Ich fühle mich ihm immer nahe, er ist in mir...:blumengabe:

Inaktiver User
10.12.2007, 16:03
Ich fühle mich ihm immer nahe, er ist in mir...:blumengabe:

Hast du schön gesagt, Fudschi_Fan. Genauso empfinde ich es bei meiner Freundin auch. Es ist egal wo ich an sie denke, sie ist doch irgendwie immer bei mir. Manchmal denke ich sogar, mehr als "vorher".

Inaktiver User
10.12.2007, 16:15
Liebe Claudia,

ich glaube, da geht jeder anders mit um.

Ich empfinde ähnlich wie du, wenn ich am Grab meiner Freundin stehe. Ich kann es nicht ertragen. Ich kann es überhaupt nicht aushalten. Alleine geht es schon garnicht. Ich mache oft den Versuch, wenn ich aber schon in der Nähe des Friedhofes bin, geht es mir so schlecht, dass ich einfach nicht hingehen kann. Mir geht es sogar jetzt schlecht, wenn ich wieder darüber nachdenke.
Ich weiß nicht, warum es so ist und es macht mir auch ein sehr schlechtes Gewissen. Aber ich kann meine Gefühle nicht ändern. Viele schreiben, am Grab fühlen sie sich besser und bei mir ist es genau umgekehrt. Ich kann nur hoffen, dass meine Freundin mich versteht und nicht böse auf mich ist.

Und - wie ich im Posting vorher schon geschrieben habe - auch ich fühle mich ihr immer sehr nah!!! Wie ein Engel :engel: ist sie immer bei mir. Klingt kitschig, ist aber so.

Ich glaube, das kann jeder für sich entscheiden und ist gut, so wie man es macht. Aber ich verstehe deine Frage, stelle sie mir immer wieder auch selber.

Vielleicht antwortet ja der ein oder andere noch, würde auch mich freuen.

Liebe Grüße,
malea

schach_ulla
10.12.2007, 16:34
Hallo Claudia,
mein Mann ist Ende September gestorben und ich war erst 5 mal an seinem Grab. Für mich macht es eigentlich keinen Unterschied, ob ich am Grab bin oder nicht, ich denke ständig an ihn. Das Grab ist nur ein Gedenkplatz, mein Mann ist bestimmt nicht dort,
sondern hoffentlich an einem Ort, wo es ihm gut geht. Ich hoffe auch, dass er von dort auf mich aufpasst.
Allerdings tut es mir ganz gut zum Grab zu gehen, weil man dort an einem stillen Ort ist, wo man seinen Gedanken freien Lauf lassen kann. Meine Eltern haben einen sehr schönen schlichten Grabstein ausgesucht, ich bin so froh, dass sie mir das abgenommen haben. Es handelt sich um ein Urnengrab und zwar haben wir ein so großes genommen, dass meine Eltern und ich auch dort begraben werden können.
Das klingt jetzt vielleicht etwas makaber, aber so brauche ich mir darum keine Sorgen mehr machen (es ist ein ganz schöner Verwaltungsakt, jemanden zu beerdigen). Eigentlich wollte ich früher kein Grab für mich, sondern auf See bestattet werden. Aber jetzt, wo mein Mann tot ist, möchte ich ein Grab bei ihm auch wenn das für mich nur ein symbolischer Akt ist.

Viele Grüße
Ulla

PeggySue
11.12.2007, 18:42
Hallo Claudia!
Im Juli starb meine "Lieblingsnachbarin" und gute Freundin mit der ich bis zu ihrem letzten Tag in engem Kontakt stand.
An ihrem Grab komme ich vorbei, wenn ich das Familiengrab pflegen/gießen muss. Mir kommen jedes mal die Tränen, und ja, ich fühle mich ihr an ihrem Grab näher. Ich weiß, dass sie im Angesicht des Todes bestimmte wie die Trauerfeier gestaltet werden sollte, welches ihrer Lieblingsstücke gespielt und wie später die Platte auf ihrem Grab aussehen sollte. Man sieht sozusagen noch "ihre Handschrift". Ebenso nahe fühle ich mich ihr aber auch an Plätzen, die wir beide mochten, und wenn ich auf meiner Terrasse mein Hefeweizen trinke proste ich ihr zu, denn aus dem geplanten gemeinsamen Hefeweizen im Sonnenuntergang wurde leider nichts mehr.:blume:

wolfsmond
11.12.2007, 19:08
Hallo Claudia,

mein Mann ist im März diesen Jahres, im Alter von 43 Jahren, verstorben. Meine Tochter (21 J.) und ich waren anfangs täglich am Grab. Uns hat die Ruhe auf dem Friedhof und das Blumen pflanzen und wässern gut getan. Ja, wir haben das regelrecht gebraucht, damit wir etwas TUN konnten. Hört sich vielleicht albern an, aber es war so.

Meine Tochter geht mittlerweile meist nur noch einmal pro Woche an das Grab. Ich finde das völlig in Ordnung und bedränge sie in keinster Weise. Das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Ich versuche, sooft die Öffnungszeiten es zulassen, (hier wird im Winter um 17 Uhr der Friedhof zugesperrt), ans Grab zu gehen.
Zupfe an den Pflanzen, lese die Blätter herunter, streichle über den Findling, zünde eine Kerze an und rede mit meinem Mann.
Allerdings rede ich fast überall mit meinem Mann. Wir stehen ständig in Kontakt.
Wie schrieb Fudschi? Ich fühle mich ihm immer nah'.

Trotz all der vergossenen Tränen und dem Kummer fühle ich mich am Grab auch irgendwie "aufgehoben"? Klingt vielleicht blöd, aber am Ende wird mein allerletzter Weg mich genau dort hinführen! Eine Stelle, an der meine Überreste wieder neben meinem geliebten Mann ihren Platz finden werden. Für mich fühlt sich das irgendwie richtig an.
(Will mir allerdings noch sehr, sehr viel Zeit damit lassen! Bin mal egoistisch. Mein Schatz Du wirst es mir verzeihen, das weiß ich! Bussi)

Ich empfinde Friedhöfe schon immer als etwas sehr beruhigendes.
War als Kind mit meiner Oma oft dort, um ihr bei der Grabpflege zu helfen. Habe vielleicht deswegen auch ein etwas anderes Verhältnis dazu.

Zum Thema Friedwald fällt mir auch noch etwas ein:
Der Vater meiner besten Freundin ist 4 Wochen und einen Tag nach meinem Mann gestorben. Er wollte anonym beerdigt werden.
Wollte Niemandem zur Last fallen.
Seine Frau und seine Tochter haben seinen Wunsch respektiert. Allerdings hat mir meine Freundin schon vor Monaten gesagt, dass sie damit ein Riesenproblem hat. Sie kann es kaum ertragen, vor diesem Gräberfeld zu stehen und nicht genau zu wissen, wo die Urne ihres Papas begraben wurde.

vlg
wolfsmond

Karla48
11.12.2007, 20:00
...Der Vater meiner besten Freundin ist 4 Wochen und einen Tag nach meinem Mann gestorben. Er wollte anonym beerdigt werden.
Wollte Niemandem zur Last fallen.
Seine Frau und seine Tochter haben seinen Wunsch respektiert. Allerdings hat mir meine Freundin schon vor Monaten gesagt, dass sie damit ein Riesenproblem hat. Sie kann es kaum ertragen, vor diesem Gräberfeld zu stehen und nicht genau zu wissen, wo die Urne ihres Papas begraben wurde.

So eine Erfahrung wurde mir Gott sei Dank erspart.
Unser Vater wollte auch quasi in die Winde verweht werden, der Beerdigungsunternehmer hat uns damals dringend abgeraten.

Und dafür bin ich sehr dankbar!

Nicht auszudenken, man hätte keinen Gedächtnis-Ort...ok, das empfindet jeder anders, aber in dem "Zustand" damals brauchten wir Rat. Und er hat den richtigen gegeben.

Man kann denen, die sich auf See bestatten lassen wollen, nur nahe legen, bitte an die Hinterbliebenen zu denken. Nicht an sich selbst. Man selbst hat nichts davon, wo man nun liegt, oder rumfliegt als Asche, oder...oder...oder....das ist sowas von egal. Seelen SIND und zwar ungebunden an einen Ort.

Und viel Arbeit muß das alles nicht sein - reine Organisations- und Bepflanzungsfrage. Kein Problem.

LG Karla

Monkele
12.12.2007, 12:11
Zum Thema Friedwald- Ich möchte später auch mal in einem Friedwald beerdigt werden, allerdings nicht anonym, sondern mit einem Schild an einem Baum, den ich mir vielleicht sogar selbst ausgesucht habe. Die Entscheidung dahin war eine Entwicklung.

Das Grab meines Vaters besuche ich so oft es mir möglich ist. Das ist für mich ganz anders, als es bei meinen Großeltern war. Dort fühle ich mich ihm besonders nah. Ich freue mich über die schöne Gestaltung des Grabes, sehe die Liebe, die meine Mutter da rein steckt und ich weiß, dass es meinen Vater freuen würde.

"Nebenan" habe ich gerade gelesen, wie es Frain ging, als der Grabstein auf dem Grab ihres Freundes aufgestellt wurde. Für sie bedeutete seinen Namen auf dem Stein zu lesen, dass es jetzt "wirklich" ist, er nie wieder kommt.

Seit einiger Zeit haben wir die Pflege des Grabes der Großtante und des Onkels meines Mannes übernommen. Mein Mann war jesdesmal richtig entsetzt und traurig, wie vernachlässigt das Grab war. Ich mache das sehr gern, denn mit dieser Tante verbinde ich für mich eine liebevolle Aufnahme in die Familie (was ihre Schwester nie konnte), Besuche nach der Geburt unserer Tochter, einfach viele schöne Dinge. Es freut mich, wenn ich auf diesen Friedhof gehe, dort empfinde ich Ruhe, auch wenn es mir mal sehr ins Herz schnitt, als ich von den Kindergräbern das Lied einer Spieluhr hörte.

Vielleicht machen auch die Umstände des Todes etwas aus, wie wir den Besuch am Grab empfinden? Bei meinem Vater war es Erlösung zum Schluss und da ich persönlich der Überzeugung bin, dass es ihm jetzt besser geht, ist es vermutlich ganz anders, wie wenn ich an das Grab eines jungen Menschen gehe.

Peggy- Bei deiner Geschichte mit dem Hefeweizen musste ich daran denken, wie mir mal jemand erzählt hat, dass sie zu bestimmten Anlässen ein Gläschen Sekt am Grab der Freundin trinkt und ein Glas darauf schüttet, weil es etwas Verbindendes zwischen den Beiden war.

Monkele

crazy79
12.12.2007, 21:51
Kurz nach dem Tod meines Bruders war ich sehr häufig an seinem Grab, es war für mich der "beste" Ort um zu trauern. Mittlerweile bin ich sehr viel seltener dort, ich gehe auch nur noch auf den Friedhof, wenn ich das innere Bedürfnis dazu habe, und nicht weil ich irgendwelche Erwartungen erfüllen möchte.
Und wie schon viele geschrieben habe: Ich fühle mich meinem Bruder immer nah, er gehört (genauso wie mein noch lebender Bruder und der Rest meiner Familie) einfach in mein Herz und dazu. Eine besonders starke Verbindung spüre ich jedoch, wenn ich Motorrad fahre - er hat mich damals mit der Leidenschaft angesteckt :)

Inaktiver User
12.12.2007, 22:07
Vielen Dank mal an der Stelle für Euere zahlreichen und einfühlsamen Antworten.

Ich will eine Aussage nochmal etwas vertiefen, bei der ich unsere Situation von damals nochmal intensiver gespürt habe:


Vielleicht machen auch die Umstände des Todes etwas aus, wie wir den Besuch am Grab empfinden

-> unser Familienmitglied starb im Alter von 21 Jahren an Krebs. Wie ich am Anfang geschildert habe, haben wir ihn bis zum bitteren Ende begleitet (teils wir als Familie, teils mein Mann...je nachdem wer gerade zu ihm konnte).
Was mir am Grab jetzt nach den Jahren noch "weh" tut ist die Jahreszahlen anzusehen, sprich: das Geburts- und das Sterbedatum.

Einerseits haben wir -auch dank professioneller Begleitung- den Trauerprozess "mit allen Sinnen" durchlebt (auch gemeinsam mit unseren Kindern, was sehr schwer war), andererseits "sticht" es doch noch, wenn ich an das junge Alter und seine letzten Tage denke.

Ich schaue mir gerne Bilder an, Bilder, die wir gemeinsam aufgenommen haben, z.B. in Paris, als wir mit ihm Eurodisney besucht haben usw.
Ich kann sogar die Bilder ansehen, die wir noch während seiner Krankheit aufgenommen haben (er hat bis zum Ende gekämpft, hat sich noch mit unseren Kindern beschäftigt und diese wertvollen Momente haben wir noch auf Bild).
Beim Betrachten der (letzten) Bilder tut es schon immer wieder auch mal weh, aber es ist aushaltbar.

Nur das Grab als solches...der Stein, auf dem so klar das junge Alter "gemeiselt" und "für die Ewigkeit eingeforen ist"....das wirkt auf mich immer etwas...hm..."gespenstisch" ist vermutlich nicht der richtige Ausdruck.


Ach ja....Thema "verstreut in alle Winde"....ich denke, das muss wirklich jeder für sich mit seinen Angehörigen ausmachen.
Wichtig ist meiner Meinung nach, so früh wie möglich mit seinen Angehörigen über seinen eigenen Tod zu reden und im Dialog zu bleiben.
Bei uns hat sich das durch die Schicksalsschläge ergeben (es gab mehrere tragische Sterbefälle in den letzten Jahren), so dass es auf einmal fast ein "Alltagsthema" wurde, weil wir uns alle Gedanken dazu machen mussten.....


Nochmal ein liebes Dankeschön für die Gedanken von Euch allen!:blumengabe:

Alemanita
13.12.2007, 09:33
Ich würde sehr gerne das Grab meiner Mutter pflegen, zumal sie Blumen sehr mochte, kann aber nicht, weil ich zu weit weg wohne.
Ich war seitdem einmal dort, und ich vermisse es jetzt auch gerade.
Allein wenn ich darüber nachdenke, kommen mir die Tränen.
Aber so ist es nun mal. Ich versuche noch, für mich einen Weg zu finden, ihr nahe zu sein.
Am meisten bringt es mir zur Zeit, alleine an den Strand zu gehen.
Sie liebte die Sonne und das Meer und wollte auch irgendwann dorthin ziehen…Ich habe sogar überlegt, ihr einen Brief zu schreiben und ihn ins Meer zu werfen.Ich weiss, das ist blöd…

Wir haben am Tag ihres Unfall darüber gesprochen, weil es um das Grab meiner Oma ging, ob wir verlängern oder nicht. Deshalb wussten wir auch nochmal genau, wie meine Mama begraben sein wollte..

Monkele
13.12.2007, 12:18
Ich habe sogar überlegt, ihr einen Brief zu schreiben und ihn ins Meer zu werfen.Ich weiss, das ist blöd…


Ich finde daran absolut nichts "blöd"! Wenn dir danach ist, dann tu es. :in den arm nehmen:

Hier steht seit geraumer Zeit ein kleines Tonherz. Ich würde es gern an das Grab des Menschen bringen, für den es gedacht ist, aber leider kenne ich die Stelle nicht. :heul: So bleibt es eben bei mir und erinnert mich, wie sehr viele andere Dinge, an einen ganz besonderen Menschen.

Monkele

Woodstock62
13.12.2007, 16:27
Hallo!

Meine Lieben, von meiner Seite, sind alle anonym beerdigt. Sie wollten es so und wir sind inzwischen 200 km weit weg gezogen, da wäre es gar nicht mehr möglich regelmäßig ein Grab zu pflegen. Wir haben hier im Haus überall Bilder hängen, wir sprechen oft über sie und sie 'leben' eigentlich weiter. Auf dem Friedhof war ich nie mehr nach einer Beerdigung.

Ich möchte auch irgendwann mal anonym beerdigt werden, ob mir der Wunsch erfüllt wird, weiß ich nicht.

Lieben Gruss
Woodstock

Karla48
13.12.2007, 19:14
Wenn man gerne ein Grab hätte, die Arbeiten daran jedoch niemandem zumuten will, dann kann man Grabpflege auch machen lassen. Das kostet vielleicht weniger, als mancher denkt. Wir zahlen im Jahr 25 Euro. Das ist doch ein zumutbarer Betrag.

Wir haben das so geregelt, wobei das Grab sogar nur ein paar km entfernt ist. Aber Zeit und Kraft für aufwändige oder überhaupt Grabpflege hatten wir damals, als diese Entscheidung anstand, nicht. Und - nichts ist schlimmer und würdeloser als ungepflegte Gräber. Also wurde der (wirklich preiswerte) Dienstleister bemüht. Klapp wunderbar. Wenn wir mal dort sind, kümmern wir uns mit um die verwaisten Gräber, teils von Kindern. Schrecklich, so ein Anblick. Es sind oft Ausländer, die jetzt wohl nicht mehr hier sind, und kein Geld für eine Überführung haben.

Man kann Grabbepflanzung übrigens so wählen, daß überhaupt nicht gegossen werden muß, und kann dann nach Bedarf frische Blumen auf das Grab legen oder stellen. Ich finde diese Lösung sehr gut.

LG Karla

Inaktiver User
13.12.2007, 19:16
Wir haben hier im Haus überall Bilder hängen, wir sprechen oft über sie und sie 'leben' eigentlich weiter. Auf dem Friedhof war ich nie mehr nach einer Beerdigung.


Hallo Woodstock,

ja - so wünsche ich mir das auch.
Noch ein paar Räucherstäbchen vor den Bildern, wenn man an mich denken will.....das ist eine schöne Vorstellung :-).

Bine0369
14.12.2007, 12:26
Meine Großeltern sind auch in einem gemeinsamen Urnengrab beigesetzt. Zum einen, weil wir es uns nicht anders leisten konnten und zum anderen, weil weder meine Oma noch mein Opa den Gedanken mochten, in kalter Erde im Dunkeln eingesperrt zu sein.

Ich gehe nicht gerne an ihr Grab, weil mir das nichts gibt. Meine Oma ist mir in vielen Dingen nahe, besonders im Advent. Sie hat kurz nach Weihnachten Geburtstag und ist kurz vor Weihnachten gestorben. Mein Opa ist auch in der Weihnachtszeit gestorben.

Für mich ist ein Grab nicht der richtige Ort zum Trauern. Das tue ich, wenn ich Dinge sehe, die mich an meine Lieben erinnern. Vor 3 Jahren waren mein Mann und ich im Bayerischen Wald. Dort waren wir auch in einem Bleikristall-Geschäft, in dem ich zuletzt mit meiner Oma gewesen bin. Dort fühlte ich mich ihr so nahe, dass wir gehen mussten, weil ich einen Weinkrampf bekam. Dabei war meine Oma zu dem Zeitpunkt schon über 10 Jahre tot.

Mein Mann und ich wollen beide unter den grünen Rasen. Wir können beide mit Gräbern nichts anfangen, obwohl wir gerne mal über einen Friedhof spazieren gehen, weil dort immer eine ganz schöne Atmosphäre herrscht. Aber wir haben beide den toten Daumen und haben auch keine Kinder oder nahe Verwandten, so dass uns dies die für uns beste Lösung erscheint. Aber wer weiß wie es mal wirklich ist, wenn ich meinen Schatz nicht mehr habe. Ich hoffe, es dauert noch lange, bevor ich das herausfinden muss.

Inaktiver User
16.12.2007, 10:02
Hallo Bine,


Meine Großeltern sind auch in einem gemeinsamen Urnengrab beigesetzt. Zum einen, weil wir es uns nicht anders leisten konnten und zum anderen, weil weder meine Oma noch mein Opa den Gedanken mochten, in kalter Erde im Dunkeln eingesperrt zu sein.


ich kann das so gut nachvollziehen.

Was mir auch oft durch den Kopf geht ist, dass unser Familienmitglied kurz vor seinem Tod gesagt hat: "Ich will nicht, dass dann alle am Grab stehen und auf mich 'runterschauen...".

Und auch mich befriedigt das Gefühl, dass nach meinem Tod mein Körper "freigelassen" wird und nicht festgehalten in der Ewigkeit.
Daher wünsche ich mir das Verstreuen meiner Asche......(wenn das nicht möglich ist, den Friedwald...anonym).

prinzessin01979
17.12.2007, 13:10
Da das grab nur wenige meter von meinem elternhaus ist ( wir wohnen ganz nah an der kirche ) , gehe ich mind. einmal die woche zu meinem brüderchen..

Manchmal hatte ich aber auch phasen, da wollte ich nicht hingehen, aber ein wöchentlicher blumenstrauß und jetzt jede woche eine kerze muss/te/ will ich immer hinbringen.

Mir ist mittlerweile der gang zum grab sehr vertraut...

Wenn ich vor dem grab stehe, muss ich aber sagen, fühle ich mich so gut wie nie meinem bruder näher, als wie sonst. Für mich ist er nicht unter dieser erde, sondern ganz woanders..

Wo ich mal beerdigt werden soll, ist mir momentan noch ganz egal, hauptsache ich sehe meinen bruder nach meinem tod wieder..

Lg,
Melissa

Optimistin68
18.12.2007, 22:59
Ich war nach dem Tod meines Papas vor fast drei Jahren erst einmal nach der Beerdigung auf dem Friedhof. Seine Urne liegt dort in einer Wiese - ich weiß nur ungefähr, wo. Es gibt eine zentrale Stele, wo man Blumen oder Kerzen hinstellen kann.

Mir hat es nichts gegeben - er war nicht da. Ich bin ihm näher, wenn ich an ihn denke; und er wird immer in meinem Herzen sein.

Er wollte gern völlig anonym "entsorgt" werden - das war sein eigener Ausdruck - und ohne jedes "Brimborium". Ich denke, wir haben mit dieser Wiesenlösung einen Kompromiss gefunden, der für ihn und für einige unserer Familie ok ist.

Aber manchmal denke ich doch, ich müsste mal zum Friedhof fahren - er liegt 200 km entfernt. Aber wenn ich dann in der Nähe bin, gehe ich doch nicht.

Alemanita
19.12.2007, 09:58
Auch wenn das jetzt vielleicht nicht hierher passt (kann man mir sagen), aber kann es sein, dass das auch regionsabhängig ist?
Bei uns ist eine anonyme Stelle undenkbar, fast alle werden mit einer "Erdbestattung" unter die Erde gebracht, selbst Urnen gibt es so gut wie nicht (eine bei uns auf dem Friedhof).
Als ich meinte, dass meine Mutter ne Erdbestattung haben wird, war mein Freund überrascht, weil es bei ihm nicht üblich ist und nur die wirklich Reichen machen?!

Inaktiver User
19.12.2007, 10:18
Meine Pflegemama ist vor 3 Jahren nach langer und schwerer Krankheit gestorben. Ich habe zwar eine Mutter, mit der ich mittlerweile sehr gut klarkomme, aber diese Pflegemama war auch eine Mutter für mich. Wenn ich noch länger über sie schreibe, laufen die Tränen wieder :(

Meine Oma ist gestorben, als ich 13 war. Nun bin ich 31 und ich war vielleicht 5 Mal an ihrem Grab, obwohl sie die liebste Oma der Welt war.

Ich kann einfach nicht auf den Friedhof. Da muss ich dann immer heulen wie ein Schlosshund. Mittlerweile versuche ich es garnicht mehr, sondern denke immer wieder und fast täglich an meine Oma, meinen Opa und Pflegemama.

Ich bin mir sicher, dass sie es mir nicht übel nehmen würden. Ich denke, sie leben eher weiter, wenn man immer wieder an sie denkt wie wenn man nur seine "Pflichtbesuche" am Grab macht.

Opelius
19.12.2007, 10:29
Meine Mutter empfand es als sehr bitter, dass es von meinem Vater, der im Kriege gefallen ist, kein Grab gibt. Sie wurde mit 30 Jahren Witwe.
Sie hat sich daher um die Grabpflege ihrer vielen gestorbenen Bekannten gekümmert. Sie hoffte, dass wenn sie hier Gräber von Menschen mit keinen oder weit weg wohnenden Angehörigen pflegt, irgendwer in Russland das Grab eines deutschen Soldaten pflegt.
Die Suche über die Krieggräberfürsorge war immer ergebnislos.

Es gab nirgendwo eine Gedenktafel, auf dem der Name meines Vater verzeichnet war. Als meine Mutter vor 10 Jahren starb, haben wir den Namen ihres Ehemann mit auf ihren Grabstein meißeln lassen: mit eisernen Kreuz und Geburts- und Todesjahr.
Ich denke, das war im Sinne meiner Mutter.
Ich besuche das Grab, dass viele hundert Kilometer entfernt ist, zusammen mit meinen Geschwistern jeweils an ihrem Todestag. Die Grabpflege besorgt ein örtlicher Gärtner.

wolfsmond
19.12.2007, 18:14
Hallo Alemanita,

Du kannst schon recht haben, dass es regionale Unterschiede gibt. Aber vermutlich ist es auch eine generationsabhängige Geschichte.
Meine Mutter (77 Jahre) möchte nämlich auch unbedingt eine Erdbestattung, weil der Gedanke an "Verbrennung" sie völlig abstösst.
Einige Tage nach der Urnenbeisetzung meines Mannes hat sie zu mir gesagt: "Ich will aber nicht verbrannt werden, versprichst Du mir das?"
Natürlich würden meine Geschwister und ich, das niemals gegen ihren Willen veranlassen, obwohl ich mit der Erdbestattung massive Probleme habe. Aber so unterschiedlich sind die Empfindungen.

vlg
wolfsmond

Alemanita
19.12.2007, 22:13
Hallo Wolfsmond,
Na ja, meine Mutter war nach dem Alter deiner Mutter zu urteilen eher in deiner Generation...

Mir gefällt der Gedanke an einer Feuerbestattung aber auch nicht so, aber so ein Friedwald finde ich nicht schlecht, habe aber auch erst letztens davon gehört...

Vemi
21.12.2007, 21:59
Mir sind Gräber wichtig.
Es ist einfach ein "anderes"Gefühl des an-sie-Denkens,wenn ich am Grab stehe.
Leider ist es sooo weit weg von hier, so dass ich erst 3Mal dort war.Das schlechte Gewissen darüber plagt mich,besonders aber macht es mich traurig.

Inaktiver User
21.12.2007, 22:11
Auch wenn das jetzt vielleicht nicht hierher passt (kann man mir sagen), aber kann es sein, dass das auch regionsabhängig ist?

Hallo Alemanita,
bei mir hängt es mit meiner Weltanschauung zusammen (..."alles ist vergänglich, nichts kann man festhalten...").

Hallo Zoralein,
ich bin sehr berührt von Deinem Beitrag - bin ja selbst Pflegemama......

monamaus11
29.12.2007, 12:10
ich wünsche ich hätte die kraft, endlich mal wieder auf den Friedhof zu gehen, wo meine Oma, mein Papa, mein Opa und mein Onkel ruhen. Ich kann es aber nicht mehr, ich war so wenige male da und es zerriß mir das Herz, seitdem kann ich es nicht mehr, als ob mich ein inneres zurückhält. ich frage mich, ob ich es jemals wieder schaffen werden.
Ich fühle mich elend und habe ein schlechtes Gewissen, weil ich sie nie besuche. In Gedanken, bin ihc immer da.

Opelius
29.12.2007, 13:26
@ monamaus
ich würde jemanden bitten, mit auf den Friedhof zu gehen. Alleine kann das manchmal sehr schwer sein. Aber in Begleitung von Verwandten oder mit einer Freundin ist das immer auszuhalten.
Desto länger man den Gräbern fern bleibt, desto größer wird die Angst davor - und das schlechte Gewissen.

monamaus11
29.12.2007, 13:33
@ monamaus
Desto länger man den Gräbern fern bleibt, desto größer wird die Angst davor - und das schlechte Gewissen.

ja, genauso ist das *schluchz*
den einzigen den ich mitnehmen würde, wäre mein mann, aber auch das würde mich sehr viel überwindung kosten.
ich kann es nicht erklären, aber irgendwas hinter mich dahinzugehen. rein der gedanke treibt mir grad die ganzen tränen durchs gesicht.

Inaktiver User
29.12.2007, 13:51
Desto länger man den Gräbern fern bleibt, desto größer wird die Angst davor - und das schlechte Gewissen.



Stimmt nicht, ich habe das schon mal hier beschrieben. Ich kann immer einen Bezug zu meinem verstorbenen Bruder halten, auch wenn ich nicht an seinem Grab stehe. Ich besuche sein Grab ausschließlich dann, wenn ich Lust habe, nicht weil es eine Verpflichtung sein sollte.
Liegt aber auch an unserer gemeinsamen Lebenseinstellung, nämlich zu tun und zu machen, was wir wollen/ten...

Inaktiver User
29.12.2007, 14:00
Ich besuche sein Grab ausschließlich dann, wenn ich Lust habe, nicht weil es eine Verpflichtung sein sollte.


Das finde ich auch einen wichtigen Gesichtspunkt.
Mein Mann und meine grosse Tochter sind recht "dankbar" (ungünstiges Wort, mir fällt gerade kein besseres ein), dass ich kein Grab in dem Sinne will.
Beide mögen Friedhöfe (auch) nicht, ich denke, eine Alternative wäre der Friedwald.

Ich habe keine Angst, dass sie mich vergessen könnten (und wenn sie es täten, stünde es nicht mehr in meiner Macht, dies zu beeinflussen, dann wird das seinen guten Grund haben) ich wollte auch keine "Anstandsbesuche" am Grab, wenn sie das innere Gefühl dafür gar nicht haben.

Inaktiver User
29.12.2007, 14:08
Mein Großvater hat ein anonymes Grab, ich weiß auch wirklich nicht mehr, wo es ist. Er starb zwei Tage vor dem 2. Geburtstag meiner Tochter. Aber es ist auch nicht so wichtig, denn auch ihn habe ich - und werde es wohl so lange ich kann - im Herzen.
Und das ist ein wichtiger Punkt. Ich finde hier wird einem immer die Pflicht/Verpflichtung anerzogen. Da ich katholisch erzogen wurde, weiß ich, wovon ich rede.
Wenn ich mal´n Abgang mache, ist es mir egal, was mit mir passiert, denn ich weiß, dass ich bei denen im Herzen bleiben werde, bei denen ich zu Lebzeiten auch im Herzen war.
Ich habe das jetzt wieder erlebt, als vor drei Wochen mein Freund starb, wir haben uns lange nicht gesehen, ich werde auch zu seiner Beerdigung gehen, aber ich werde wohl kaum mal sein Grab besuchen, weil es bei meiner Einstellung dazu eigentlich nicht nötig ist.