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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Gibt es wirklich irgendwann Heilung?



Dreier
29.11.2007, 16:06
Hallo, ihr Lieben,

wird man wirklich eines Tages sagen können: das Leben ist wieder schön - auch ohne den geliebten Partner an seiner Seite? Oder bleibt es immer ein dahinvegetieren? Ich kenne eine ältere Dame (72), die ist nach 5 Jahren noch so tief in der Trauer, daß sie hin- und wieder Suizidgedanken hat - sie aber gottlob immer gleich verwirft. Sie ist noch so verzweifelt. Wenn ich mir überlege, ich müßte immer so weiterleiden wie jetzt nach knapp 8 Monaten, das könnte ich nicht aushalten.

Ich bin erst 47. Wenn ich überlege, ich muß vielleicht noch 40 Jahre so leben - das geht doch nicht. Manchmal habe ich schon ein wenig meinen inneren Frieden gefunden, aber an die Zukunft mag ich nicht denken. Vielleicht gibt es hier noch jemanden (außer Kranich/Frain), der seine Trauer schon fast bewältigt hat. Ich würde gern von ihr/ihm hören, wie sich das "anfühlt".

Traurige Grüße von

Heike

LaDiva
29.11.2007, 22:07
Liebe Heike,
ich hatte hier schon etwas länger nicht geschrieben, aber merke, dass sich die Trauer bei mir "verändert". Ich habe meinen Vater und meine beste Freundin verloren. Ich weiß, dass das etwas ganz anderes ist, als den Tod des Partners zu erleben. Und noch dazu so früh wie du. Aber es war trotzdem schwer für mich.
Bei mir löst sich langsam die Last, die wie eine Bleiplatte auf mir lag.
Ich kann wieder an schöne gemeinsame Erlebnisse denken (ohne gleich loszuheulen) und über manche Situationen aus der Vergangenheit lachen. Ich mache das nicht mehr mit Wehmut, sondern freue mich, dass ich wir soetwas zusammen erlebt haben. Ich lerne neue Leute kennen und führe innerlich Zwiesprache mit beiden.
Trotzallem bleibt sowas wie eine Narbe, die manchmal deutlicher ist und manchmal in den Hintergrund tritt. Aber die Zukunft sehe ich meist positiv. Ich habe solche Aussagen früher immer für sentimental gehalten, aber beide sind meine stillen Begleiter, die beruhigend und stützend wirken. Am meisten hilft mir die Vorstellung, was beide dazu gesagt hätten, dass ich vor Trauer wie gelähmt bin. Wichtig ist aber für mich auch, die Trauer- die natürlich immer noch da ist und bleiben wird- nicht zu verbergen. Wenn ich plötzlich losweine, ist das so. Ich finde, damit müssen andere leben können.
Heilung, wie du fragst, gibt es aus meiner Sicht leider nicht. Aber die Trauer wird bei mir weniger quälend und bestimmt den Alltag nicht mehr völlig.
Liebe Grüße

Inaktiver User
29.11.2007, 22:08
Hallo liebe Dreier,

ich habe zwar nicht meinen Mann verloren, wie du, sondern meinen Jüngsten im Teeniealter, aber der Trauer- u.Heilungsprozess wird wohl sehr ähnlich sein.

Wie es sich anfühlt, wenn man soweit ist?

Großartig.
Wie neugeboren.

Im wahrsten Sinne des Wortes.

Dennoch bleibt "etwas" zurück. Aber es ist tragbar und sogar irgendwie "wertvoll". Schwer zu beschreiben.

Bei mir ist "es" jetzt 5 1/2 Jahre her. Die ersten 3 Jahre waren oft grausam, im vierten Jahr wurde es besser, im fünften Jahr war sowas wie Heilung zu spüren und im letzten halben Jahr bin ich förmlich aufgeblüht.

Ich bin stärker, froher und kreativer als vorher, als mein Leben noch "normal" war.

Wenn ich dir einen Rat geben darf:
Nimm dir die alte Dame nicht als "Vorbild" oder Maßstab. Ich glaube, bei Alten ist das irgendwie anders, viele gehen lieber dem altvertrauten Partner hinterher, als dass sie nochmal ein neues Leben starten ohne den Partner. Im Alter fehlt die Kraft oft dafür.

Hier im Forum sind grad viele frisch-trauernde aktiv.

Es gibt aber hier mehrere, die ihre Trauer weitgehend bewältigt haben. Und nicht mehr oder nur selten aktiv mitschreiben. Daher wirst du vllt. nicht so viel Resonanz auf deine Frage bekommen, wie erhofft.



Nur Mut :blumengabe:

Inaktiver User
29.11.2007, 22:56
Ich hoffe, ich darf trotzdem, was schreiben.
Ja, es geht mir heute wieder gut - so wie Lavendel das auch geschrieben hat. Aber es hat bei mir auch seine Zeit gedauert, in der ich viel geweint, viel getrauert und viel geschrieben habe.

Ich war 43, als mein Partner starb. Für mich war auch ein Thema, dass ich das Gefühl hatte nie wieder lachen zu können, aber so viele Jahre noch vor mir zu haben. Ich glaube auch, dass das der Unterschied zu der alten Dame ist. Irgendwann wurde bei mir der Wille, mein Leben wieder liebenswert zu gestalten immer stärker. Und irgendwann war er stärker als das Bedürfnis zu trauern. Dabei half mir natürlich auch der Gedanke, dass es noch so viel Lebenszeit gibt.

Irgendwann kam auch der Gedanke, dass es im Leben auch wieder jemand anders geben könnte, das ich mein 5-jähriges Patenkind als erwachsenen Mann sehen möchte, dass ich noch mal nach Island fahren möchte, usw. Ich fing wieder an Pläne zu machen. Aber es war ein fliessender Prozess - ich habe nicht bewußt damit begonnen. Es war normal, wie eben Leben so von Tag zu Tag ist.

Wie Lavendel auch schrieb - viele gehen hier irgendwann weg, wenn es ihnen besser geht. Es braucht ja auch dafür Zeit und auch Kraft, sich immer wieder mit der Traurigkeit zu beschäftigen. Ich kann das heute auch nicht immer, aber ich komme immer wieder hierhin zurück, weil es auch eine wunderbare Insel geworden ist, auf der ich ausruhen kann, wenn doch mal wieder eine Träne kullert. Das ist geblieben, und das finde ich auch gut.

Liebe Heike - gib Dir Zeit und trauere so lange wie Du es für Dich als richtig spürst. Die Trauer wird sich davon schleichen, Dein Mann wird trotzdem bei Dir bleiben. Da brauchst Du keine Angst vor zu haben:in den arm nehmen:

Ricarda44
29.11.2007, 23:36
Ja, viele gehen fort, weil es ihnen besser geht. Lassen wir sie mit einem Lächeln aus diesem Forum ziehen.

Frain, Lavendel, ja und auch ich - wir sind auf dem Weg, wo Ihr erst noch hinkommen werdet. Es waren Zeiten der Trauer, der Hoffnungslosigkeit, des Haltsuchens, der immer wiederkehrenden Fragen, ob eine Zukunft noch lebenswert sei.

Habt Geduld, Ihr Lieben.
Niemand ist mit seinem Schicksal allein.
Den Schmerz empfindet jeder ganz individuell.
Aber wir wissen alle, wie er sich anfühlt.

Und wir 3 z. B., Frain, Lavendel und ich, können Euch sagen: Es wird wieder besser.
Zwar anders, aber besser als jetzt.
Tiefgründiger, trotzdem leichter.

Habt Vertrauen, denn wir sind nur eine Auswahl von denen, die es gemeistert haben.

Wenn es Euch mal schlecht geht und die ganze Welt wieder grau in grau ist, lasst Euch in dieses Gefühl fallen und lasst die Tränen raus.
Und wenn sie dann geflossen sind, denkt bitte dran:
Hier, also auch wir, sind Menschen, denen es so gegangen ist.
Wir haben dieses Leid schmerzhaft selbst erfahren.

Denkt dann einfach mal dran, dass wir in diesen Momenten der Hoffnungslosigkeit gern hinter Euch stehen würden, Euch die Hand auf die Schulter legen würden und Euch sagen würden:
Ihr seid nicht allein.
Auch wenn es uns schon besser geht: Wir stehen hinter Euch und Euch zur Seite.

Frain, Lavendel? Ist das so o.k.?

Alles Liebe Euch allen!

Inaktiver User
29.11.2007, 23:45
Ach Ricarda, ich hatte noch überlegt, ob ich Dir schnell eine PN schicken sollte, um Dich hierher zu rufen.:blumengabe: :in den arm nehmen:
Du hast es genau richtig beschrieben - es gibt nichts zu ergänzen.
Ich habe ja und tue es immer noch viel geschrieben in der tiefttraurigen Zeit. Vielleicht weil ich so nach innen gekehrt war, habe ich Worte gefunden, die ich heute nicht mehr entdecken kann. Ich habe gestern in Marko´s Strang schon ein Gedicht für ihren Sohn hinterlassen. Hier ist noch eines, was bei mir so der Anfang vom Hellerwerden war:
Grautöne




Grau wie verbranntes Holz – grau

Grau wie zerkratztes Glas – grau
Grau wie die Farbe des gequälten Wortes - grau



Grau wie der Schnee auf der Strasse – grau
Grau wie die fallenden Regentropfen – grau
Grau wie die Farbe der Tränen - grau



Grau wie das tosende Meer – grau
Grau wie die Kraft des Sturmes – grau
Grau wie die Farbe der Ohnmacht – grau



Grau wie der Novemberhimmel – grau
Grau wie die Schleier des Nebels – grau
Grau wie die Farbe der fliegenden Seele – grau



Grau wie die Schuppen der Fische – grau
Grau wie die Federn des Kranichs - grau
Grau wie die Farbe der stillen Hoffnung - grau



Grau wie der Silberstreif` am Himmel – grau
Grau wie der glitzernde Diamant – grau
Grau wie der Schlüssel zum Glück - grau

prinzessin01979
30.11.2007, 00:36
Ja, viele gehen fort, weil es ihnen besser geht. Lassen wir sie mit einem Lächeln aus diesem Forum ziehen.

Frain, Lavendel, ja und auch ich - wir sind auf dem Weg, wo Ihr erst noch hinkommen werdet. Es waren Zeiten der Trauer, der Hoffnungslosigkeit, des Haltsuchens, der immer wiederkehrenden Fragen, ob eine Zukunft noch lebenswert sei.

Habt Geduld, Ihr Lieben.
Niemand ist mit seinem Schicksal allein.
Den Schmerz empfindet jeder ganz individuell.
Aber wir wissen alle, wie er sich anfühlt.

Und wir 3 z. B., Frain, Lavendel und ich, können Euch sagen: Es wird wieder besser.
Zwar anders, aber besser als jetzt.
Tiefgründiger, trotzdem leichter.

Habt Vertrauen, denn wir sind nur eine Auswahl von denen, die es gemeistert haben.

Wenn es Euch mal schlecht geht und die ganze Welt wieder grau in grau ist, lasst Euch in dieses Gefühl fallen und lasst die Tränen raus.
Und wenn sie dann geflossen sind, denkt bitte dran:
Hier, also auch wir, sind Menschen, denen es so gegangen ist.
Wir haben dieses Leid schmerzhaft selbst erfahren.

Denkt dann einfach mal dran, dass wir in diesen Momenten der Hoffnungslosigkeit gern hinter Euch stehen würden, Euch die Hand auf die Schulter legen würden und Euch sagen würden:
Ihr seid nicht allein.
Auch wenn es uns schon besser geht: Wir stehen hinter Euch und Euch zur Seite.

Frain, Lavendel? Ist das so o.k.?

Alles Liebe Euch allen!

Jetzt kullern die Tränen über mein Gesicht:heul: , so schön wie Du das geschrieben hast, liebe Ricarda:blume:

Ich werde in tiefster Hoffnungslosigkeit, die mich bisher immer noch überfällt, an Deine und Euch Lieben anderen, Worte denken.

Melissa:blumengabe:

Inaktiver User
30.11.2007, 00:52
Jetzt kullern die Tränen über mein Gesicht:heul: , so schön wie Du das geschrieben hast, liebe Ricarda:blume:

Ich werde in tiefster Hoffnungslosigkeit, die mich bisher immer noch überfällt, an Deine und Euch Lieben anderen, Worte denken.

Melissa:blumengabe:

Einmal Melissa zur Gute Nacht knuddeln:in den arm nehmen: Schlaf gut.
Tränen erleichtern auch - sie geben der Seele wieder mehr Platz.

Inaktiver User
30.11.2007, 07:25
Irgendwann wurde bei mir der Wille, mein Leben wieder liebenswert zu gestalten immer stärker. Und irgendwann war er stärker als das Bedürfnis zu trauern


Ich denke, HIER liegt der Schlüssel !
Und was mir eben besonders auffiel....
"mein Leben wieder liebenswert zu gestalten..."

Wie wunderbar, wenn das Leben nicht nur lebenswert, sondern auch liebenswert ist
:liebe:

Frain, Ricarda.... ihr habt wunderbar geschrieben. Ich überlege, ob ich das nicht oben anpinne.
Sozusagen zum Ausdrucken für die, die Halt und Zuversicht brauchen.

Was meint ihr?

Inaktiver User
30.11.2007, 08:24
Ich denke, HIER liegt der Schlüssel !
Und was mir eben besonders auffiel....
"mein Leben wieder liebenswert zu gestalten..."

Wie wunderbar, wenn das Leben nicht nur lebenswert, sondern auch liebenswert ist
:liebe:

Frain, Ricarda.... ihr habt wunderbar geschrieben. Ich überlege, ob ich das nicht oben anpinne.
Sozusagen zum Ausdrucken für die, die Halt und Zuversicht brauchen.

Was meint ihr?
Gute Idee - könntest Du die beiden anderen Hoffnungsstränge gleich mit anpinnen? Letztlich ist der Sinn und ZWeck von uns Allen doch, in der Trauer begleitet und getröstet zu werden, um zu heilen und wieder am Leben Freude zu haben.

Sozusagen eine Art Unterforum:Mut und Hoffnung.:blumengabe:

frangipani
30.11.2007, 11:01
Ihr habt das wirklich sehr schoen ausgedrueckt - vielen Dank dafuer auch von mir.

@ Lavendel - deine Zeilen sind genau die richtigen fuer meine Mutter. Sie sagte neulich - mein Bruder starb ja vor etwas mehr als 3 Jahren - das erste Mal: "ich kann wieder besser durchatmen"

.. nach dem, was du schreibst, habe ich Hoffnung, dass sie ihr Leben bald auch wieder als liebenswert sieht.

Danke euch.
frangipani

Dreier
30.11.2007, 12:27
Hallo ihr Lieben,

[FONT="Arial Black"]bei allen, die mir eine Antwort geschickt habe, möchte ich mich ganz herzlich bedanken. Es ist sehr, sehr tröstlich zu erfahren, daß man irgendwann wieder -richtig- leben kann, wieder Freude im Leben empfindet. Es hat mir sehr viel Hoffnung gegeben, daß ich es schaffen werde. Der Schlüssel liegt, wie frain schon sagte, im Zitat von Lavendelmond: Der Wille zum heilen muß vorhanden sein.

Allerdings ist es wohl auch ganz wichtig, den Schmerz zuzulassen, ihn aushalten, ihn "über sich hinwegrollen lassen" (O-Ton von einer Kollegin). All das werde ich tun und weiterhin dieses Forum besuchen. Hier kann ich meine Gedanken, wenn ich sie nicht mehr für mich behalten kann, ausdrücken und weiß, das sie auf Menschen stoßen, die genauso leiden oder gelitten haben wie ich es jetzt tue. Und manche erst ganz am Anfang stehen. Da merke ich dann, daß es schon ein klitzekleines bißchen besser geworden ist bei mir.

Seit alle hier im Forum ganz herzlich gegrüßt und umarmt. Ich komme mir vor, wie in einer großen "Trauerfamilie", fühle mich hier sehr wohl.

Heike

fuechsine
30.11.2007, 18:18
ein bißchen sachte, Ihr Lieben...
fühl mich doch ein bißchen überrannt

liebe Grüße

Inaktiver User
30.11.2007, 18:25
ein bißchen sachte, Ihr Lieben...
fühl mich doch ein bißchen überrannt

liebe Grüße

Womit genau fühlst du dich überrannt, liebe Fuechsine? :blumengabe:

fuechsine
01.12.2007, 06:37
mit dem Festpinnen da oben - es ist nicht mein erstes Bedürfnis, wenn ich in einem Trauer-Thread ankomme.

Inaktiver User
01.12.2007, 09:48
Ach so :niedergeschmettert:

Hm. Ich mach mal eine Umfrage. Wenn das einen Überforderungscharakter hat, ist es besser, die Nadel zu lösen.

Mal sehen, was die Mehrheit sagt, okay? :blumengabe: