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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Nächte wie diese!



Ilse
22.11.2007, 11:32
Es gibt Nächte, wie die vorhergegangene in denen man wach liegt und die Trauer sich schwer und erdrückend auf die Brust legt und einem die Luft zum atmen nimmt.

Ich liege wach und die Erinnerung an meinen Vater kommt wieder hoch, die Gedanken an die schönen Zeiten schleicht sich in das Gehirn und dann kommt die bitterste aller Erinnerungen, an den Anruf, die Worte „ich muss dir was sagen, Papa ist tot.“

Unwillkürlich steigen mir die Tränen wieder hoch, ich wälze mich von einer Seite zur anderen und doch kann ich die Tränen nicht unterdrücken, an schlafen ist nicht mehr zu denken.

Kopfschmerzen machen sich breit, immer wieder die Frage nach dem warum. Das innerliche flehen, „ Papa, komm doch bitte wieder zurück!“ Obwohl ich ganz genau weiß, alles bitten und betteln nützt mir nichts, diesen Wunsch wird mir mein Paps nicht erfüllen egal, wie sehr ich es mir auch wünsche.

Ich steh auf, versuche mich abzulenken doch nichts nützt. Ich rauche eine Zigarette, trinke einen warmen Kakao und dennoch friere ich.

Ich starre auf die Uhr in der Hoffnung diese Nacht ist bald vorbei doch die Zeiger der Uhr scheinen still zu stehen. Obwohl sonst die Zeit ohne meinen Papa viel zu schnell vergeht und ich Angst habe, dass ich mich eines Tages nicht mehr daran erinnern kann, wie er ausgesehen hat.

Endlich bricht der Tag herein, kaputt quäle ich mich in die Arbeit, hoffe dass mich meine Arbeit ablenkt und auf andere Gedanken bringt.

Ein fröhliches „Guten Morgen!“ meiner Kollegen dringt an mein Ohr. „Was soll an so einen Morgen schon gut sein“?

„Los reiß dich zusammen, das Leben geht weiter!“ ……

Nur der Schmerz bleibt!

Bine0369
22.11.2007, 12:27
Liebe Ilse,

eine vorsichtige :in den arm nehmen: für Dich.

Victoria64
22.11.2007, 16:36
Liebe Ilse, ich drück dich mal - und kann dir sagen: Es wird besser werden! Ich habe vor einem Jahr meinen Vati und vor 8 Wochen meine Mutti verloren (sie waren über 80 und hatten einen langen beschwerlichen Sterbeprozess, den ich gemeinsam mit meinen Geschwistern begleitet habe und der uns an unsere Grenzen geführt hat) und habe viele Nächte gezittert und gefroren und geweint. Nachdem ich nun im Traum beide Sterbetage nochmals durchlebt habe (allerdings mit den von mir gewünschten Änderungen - so kam ich noch rechtzeitig und konnte selbst die Hand meiner Mutter halten, als sie zum letzten Mal Atem holte), kann ich wieder ohne Medikamente schlafen. Der Körper braucht etwas länger...Aber so ganz allmählich wird das Leben wieder normal und lebenswert.
Lass dich nicht entmutigen und lass ihn zu - den Schmerz. Ich dachte - ich könnte ihn wegschieben und verstandesmäßig beschließen, dass nun alles gut ist...Hat nicht funktioniert. Dann wird man krank. Weihnachten wird sicher hart werden - aber das schaffen wir auch!
Liebe Grüße
Victoria

Ilse
23.11.2007, 07:02
Liebe Bine,

:blumengabe: danke, eine Umarmung hilft manchmal mehr als jedes Wort.




Liebe Ilse, ich drück dich mal - und kann dir sagen: Es wird besser werden! Ich habe vor einem Jahr meinen Vati und vor 8 Wochen meine Mutti verloren (sie waren über 80 und hatten einen langen beschwerlichen Sterbeprozess, den ich gemeinsam mit meinen Geschwistern begleitet habe und der uns an unsere Grenzen geführt hat) und habe viele Nächte gezittert und gefroren und geweint. Nachdem ich nun im Traum beide Sterbetage nochmals durchlebt habe (allerdings mit den von mir gewünschten Änderungen - so kam ich noch rechtzeitig und konnte selbst die Hand meiner Mutter halten, als sie zum letzten Mal Atem holte), kann ich wieder ohne Medikamente schlafen. Der Körper braucht etwas länger...Aber so ganz allmählich wird das Leben wieder normal und lebenswert.
Lass dich nicht entmutigen und lass ihn zu - den Schmerz. Ich dachte - ich könnte ihn wegschieben und verstandesmäßig beschließen, dass nun alles gut ist...Hat nicht funktioniert. Dann wird man krank. Weihnachten wird sicher hart werden - aber das schaffen wir auch!
Liebe Grüße
Victoria

Liebe Victoria,

vielen Dank für Deinen Zuspruch :blumengabe:

Es gibt Tage, da ist es besser und ich fühl mich "gut". Dann aber ohne ersichtlichen Grund kommt die Trauer wieder hoch und überrollt mich, wie eine Lawine. Ohne Vorwarnung schleicht sie sich hoch und ich, gerade noch lachend bin aufeinmal furchtbar traurig.

Ich weiß, dass es für meinen Papa besser war, dass er eingeschlafen ist, weil damit sein Leidensweg zu Ende ist. Aber ich habe Angst, dass er aus meinen Gedächnis verschwindet, da sein Gesicht langsam verblasst.

Keine Ahnung wie ich das beschreiben soll.... ich denke viel an meinen Papa aber ich kann ihn mir ohne ein Foto anzusehen nicht mehr bildlich vorstellen.

Viele Leute meinen sie haben das Gefühl, dass der verstorbene noch bei ihnen ist, wenn sie mit ihm reden..... nur ich spüre die Nähe meines Vaters nicht, egal wie oft ich versuche mit ihm zu reden ....

Meine Eltern waren 54 Jahre zusammen und jetzt kommt auch noch die Angst dazu, dass sich meine Mutter aufgibt. Wir bemühen uns wirklich und schauen, dass wir so oft als möglich bei ihr sind aber das zerrt auch an den Nerven, da sie sich gegen alles sperrt.

Nochmals einen Elternteil zu verlieren, dass würde über meine Kräfte gehen.

Weihnachten würde ich am liebsten aus den Kalender streichen, da ich weiß, dass meine Mutter an Weihnachten sehr leiden wird, sie hat ja auch schon eines ihrer Kinder verloren und war an Weihnachten schon immer ziemlich angeschlagen.

Die Trauer zulassen klingt so einfach aber die Leute um mich rum, erwarten sich wohl eher, dass ich die Ilse bin die sie kennen, immer heiter und einen Witz auf den Lippen.

Liebe Grüße

Ilse

teichmuschel
23.11.2007, 08:29
Liebe Ilse,

ich kann Deine Ängst gut nachvollziehen. Meine Mama starb am 30.04.2007, im Alter von 73 Jahren. (Mein Vater starb als ich 13 Jahre alt war). Freitag morgen hatte sie einen Schlaganfall - Sonntag früh ist sie dann gestorben.
Meine Geschwister und ich waren die ganz Zeit bei ihr gewesen - was mir ein großer Trost ist. Aber ich vermisse sie unendlich.
Die Trauer hatte und hat in mir ein Gefühlchaos ausgelöst, das ich niemals für möglich gehalten hätte.
Zuerst dachte ich, wenn das Trauerjahr einmal rum ist wird es besser (hatte sich so in meinem Kopf festgesetzt). Aber das stimmte nicht. Nach einem Jahr fiel ich noch einmal in ein tiefes Loch und auch heute - gerade jetzt im November - überkommt mich die Trauer häufig und manchmal auch heftig.

In der ersten Zeit nach dem Tod meiner Mutter hatte ich auch Angst, dass ich vergesse wie sie ausgesehen hat - wie sie spricht. Ich bekam sie einfach nicht mehr vor mein "geistiges" Auge. Heute habe ich keine Probleme mehr damit. Ich kann mir meine Mama immer und überall gut vorstellen - aber Du siehst das hat lange gedauert.
Was ich nach wie vor vermisse ist das Gefühl, dass sie bei mir ist. Auch wenn manche schreiben, das sie das Gefühl haben - wenn sie etwas erlebt oder gesehen haben - "Oh, da muss ich gleich mal meine Mama anrufen und es ihr erzählen" und dann die Erkenntnis kommt - das geht nicht mehr - sie ist tot. Das Gefühl hatte ich noch nie. Für mich ist es jede Sekunde gegeänwärtig, dass sie tot ist. Nie mehr wieder kommt.
Aber ich hoffe, eines Tages dieses Gefühl zu bekommen, dass sie bei mir ist. Vielleicht geht das aber auch erst, wenn ich mit mir und meiner Trauer nicht mehr so "sehr" beschäftigt bin.
Oh man, ich würde es gerne besser erklären, aber ich glaube im Niederschreiben von Gefühlen bin ich nicht so ein Ass.

Liebe Grüße
Teichmuschel

Ilse
23.11.2007, 08:53
Liebe Teichmuschel,

fühl dich mal lieb :in den arm nehmen:

Mir wurde auch gesagt, dass es nach 1 Jahr besser wird, was ich aber nicht recht glaube. Aber mein Paps ist ja auch noch nicht lange tot obwohl es mir wie eine Ewigkeit vor kommt, er starb am 25.08.2007.

>> Oh man, ich würde es gerne besser erklären, aber ich glaube im Niederschreiben von Gefühlen bin ich nicht so ein Ass.>>

Keine Sorge, ich versteh schon was du meinst weil es mir nicht viel anders geht.

Es ist im Moment für mich fast so als hätte mein Vater nie wirklich existiert....hm, auch nicht die richtige Wortwahl...keine Ahnung, wie man das richtig beschreiben kann....

Das verstehen wohl nur Menschen, die das gleiche durch gemacht haben bzw. durch machen.

Ich hoffe auch, dass sich dieses Gefühl das er bei mir ist eines Tages bei mir einstellt. Bisher hatte ich noch nicht das Gefühl, dass er sich in meiner Nähe aufhält, mich berührt, im Raum ist oder solche Sachen von denen man so oft hört und das ist es auch, was ich so sehr vermisse.

Der Fels in der Brandung, mein Paps fehlt mir einfach ganz wahnsinnig!

Liebe Grüße

Ilse

Haferflocke
23.11.2007, 10:02
Liebe Ilse,
hab ein bißchen Geduld, Du wirst deinen Vater sicher bald in irgendeiner Weise um dich spüren können.
Ich habe meinen Freund fast zur gleichen Zeit verloren wie Du deinen Vater. Im August. Er war erst 28.
Ich kann ihn nicht dauernd spüren, ich spüre auch keine Berührungen oder ähnliches. Ich habe einfach das Gefühl, dass er da ist, er meine Worte hört, meine Liebe spürt und er mich behütet. Das macht mich dann ganz ruhig. Am Anfang habe ich mich auch so nach dieser Nähe gesehnt, aber ich war zu verzweifelt...ich war wie taub. Erst seit ich es schaffe, ein bißchen mehr zu akzeptieren, dass er nie zurückkommen kann, ist er immer wieder bei mir...
Vielleicht mußt Du deine Trauer ein bißchen mehr loslassen, damit dein Vater zu Dir kommen kann. Und dieses Loslassen heißt in dem Fall nicht, dass Du ihn verlierst. Im Gegenteil...
Liebe Grüße,
Haferflocke

minouminou
23.11.2007, 10:15
Liebe Ilse,

ich möchte Dich heute auch drücken, :in den arm nehmen: ! Ich kenne die Nächte, die Du beschreibst leider auch zu gut! Am Anfang als meine Papa verstorben ist, war ich immerzu müde und schlapp und wollte nur schlafen. Ich war so k.o. dass ich auch schlafen konnte! Es ist jetzt zwei Monate her und im Moment ist es so, dass die Schlaflosigkeit dran ist. Ich habe sowieso das Gefühl, dass meine Trauer sich auch meines Körpers bemächtigt und sich auch physisch auswirkt.

Ich habe immer total Angst seine Stimme zu vergessen und seinen Geruch. Sein Aussehen kann ich mir noch ganz gut herholen, ich schaue allerdings auch jeden Tag viele Fotos an. Was soll ich machen, wenn ich seine Stimme nicht mehr höre? Wenn ich nicht mehr hören kann, wie er meinen Namen sagt (hab ich jetzt schon Schwierigkeiten), wie er am Telefon sagt, ich geb Dir mal die Mama (das war sein Standardsatz, grins) usw.? Ich habe auch Angst, wenn irgendwann nicht mehr von ihm gesprochen wird, bei Verwandten, Freunden usw. Bei meiner Patin hab ich das schon mal angesprochen, sie hat mich dann gedrückt und meinte, wir werden immer wieder von ihm reden, so wie wir es auch mit den Großeltern machen. Ich glaube auch, trotz aller Angst vor dem Vergessen, dass eines immer bleiben wird, nämlich meine Sehnsucht nach ihm und deswegen werde ich ihn nie ganz vergessen. Das Gefühl zu wissen, dass man von diesem Menschen ganz geliebt wurde und ihn auch liebte, das wird immer bleiben. Und daher kann ich ihn gar nicht vergessen. Denn so wie mich mein Papa lieb gehabt hat, so wird kein Mensch mich mehr lieb haben.

Du hast geschrieben, dass Dir Dein Fels in der Brandung so sehr fehlt. Das stimmt, und daher spürst Du ihn ja ganz arg, weil Du ihn so vermisst! Das Ziehen im Herz wird Dich immer begleiten, vielleicht wird es etwas weniger. Aber ganz weg wird es nie sein, und deswegen wirst Du ihn nie ganz vergessen!!! Ganz bestimmt!!!

Wir (Mama und ich) waren letzten Mittwoch bei einem Gedenkgottesdienst für die Verstorbenen seiner Palliativstation, das war sehr ergreifend. Da wurde auch die einzelnen Namen verlesen. Ich hab fast die Ganze Zeit geheult. Meine Mama nur als sein Name aufgerufen wurde. Sie ist leider immer so apathisch und teilnahmslos. Das belastet mich auch, ich hab jetz dauernd Angst um sie. Aber ich hab ihr ganz eindringlich gesagt, sie darf mich nicht auch noch alleine lassen. Seitdem hab ich das Gefühl, dass sie wieder ein bißchen mehr an der Welt teilnimmt.

Liebe Ilse, ich schick Dir ganz liebe Grüße.

Minouminou

Victoria64
24.11.2007, 13:44
Liebe Ilse, ich kann dich sehr gut verstehen! Auch die Angst um deine Mutter! Nun, man hört das nicht gerne - aber man muss als Kind seiner Eltern eben auch akzeptieren, dass die Eltern als Paar zusammenlebten und vielleicht auch als solches sterben wollen. Meine Eltern waren 60 Jahre verheiratet und uns war klar, dass der eine nie ohne den anderen weiterleben wollte. Meine Mutti starb 10 Monate nach meinem Vati. Ich tröste mich damit, dass sie nun wieder zusammen sind - so wie sie es wollten. (Und das, obwohl ich nicht christlich bin.)
Wenn es also sein sollte, dass deine Mutti nicht ohne deinen Vati leben kann, dann bleibt dir nichts weiter, als diesen Weg zu begleiten. Vielleicht braucht sie aber auch nur noch etwas mehr Zeit, um sich zu finden. Ich wünsche es dir!

Natürlich hat jeder eine andere Art, um mit der Trauer zurechtzukommen. Meine Schwester geht fast täglich ans Grab - ich meide den Friedhof weiträumig. Die Namen meiner Eltern auf dem Grabstein zu lesen, halte ich noch nicht aus. Du schreibst, dass du Angst hast, das Gesicht deines Vatis zu vergessen. Ich denke, das liegt an deiner Panik - du wirst es nicht vergessen! Wenn du die Augen schließt und zur Ruhe kommst und dich an schöne Momente mit ihm erinnerst, ist es wieder da!
Ich wünsche dir viel Kraft!
Viele liebe Grüße
Victoria

Ilse
26.11.2007, 09:39
Hallo,

an den Wochenenden geht es mir etwas besser da ich da nicht alleine bin aber unter der Woche ist es oft ziemlich schlimm und ich fühle mich Frühmorgens oft wie erschlagen.

@ Haferflocke,

leider habe ich ja akzeptiert, dass mein Vater nie wieder kommt. Was das loslassen betrifft, keine Ahnung ob ich schon richtig los gelassen habe. Nur wie macht man sowas richtig? Ohne ganz zu vergessen? Genau das ist nämlich meine Angst, dass ich mich eines Tages gar nicht mehr richtig an meinen Vater erinnern kann.

@ minouminou,

das sich meine Trauer meines Körpers bemächtigt und sich auch physisch auswirkt, hat mir mein Arzt bereits bestätigt. Meine Rückenschmerzen sind auf den Physichischen Stress zurück zu führen. Solange ich noch damit beschäftigt war, die ganzen Wege zu erledingen und mich um alles gekümmert habe, hatte mein Lörper wohl keine Zeit zu regagieren. Jetzt wo die "Ruhe" eingekehrt ist, begann mein Körper zu reagieren was sich bei mir mit Verspannungen und Rückenschmerzen auswirkte.

Das du mit deiner Mutter bei dem Gedenkgottesdienst warst, finde ich sehr schön.
Beim Begräbnis meines Vaters habe ich meiner Mutter auch das Versprechen abgenommen, dass sie mir das nicht auch noch antun kann.

Nur mein Vater hat mir auch versprochen, dass er weiter kämpft.
Was er leider nicht getan, geschafft hat.
Nun kann ich mich nicht mehr richtig, an den Klang seiner Stimme erinnern.

Aber du hast recht, ich werde ihn nie ganz vergessen. Weil mich nie wieder jemand so lieben wird, wie mich mein Paps geliebt hat (mit Ausnahme meiner Mutter). Danke :in den arm nehmen:

@ Victoria,

hm, deine Worte haben mich sehr zum nachdenken angeregt. :blume:


Am Donnerstag meinte meine Mutter noch zu mir, dass sie am liebsten meinen Vater folgen würde, weil sie sich jetzt wo mein Papa nicht mehr da ist ungebraucht vor kommt.

Ich war nach dieser Aussage von ihr ziemlich wütend und habe ihr ein egoistisches denken vorgeworfen. Doch irgendwie kann ich sie auch verstehen, meine Geschwister und ich haben alle unser eigenes Leben, unseren Job und stehen auf eigenen Füßen.

Sie allerdings sitz im Rollstuhl und jetzt wo mein Vater nicht mehr da ist, sie ihn nicht mehr füttern muss und sich nicht mehr um ihn kümmern muss, hat sie gar keine Aufgabe mehr.

Nach deinen Worten, versteh ich sie jetzt ein bisschen mehr.

Dennoch, wenn ich daran denke, dass ich auch noch meine Mutter verliere.....

Ich hoffe, dass mir das noch sehr lange erspart bleibt.

Liebe Grüße
Ilse

Haferflocke
26.11.2007, 18:04
Liebe Ilse,

ich weiß auch nicht so richtig, wie man das macht, das loslassen. Ich weiß nur, dass ich ich meinen Freund erst immer wieder um mich spüre und dadurch ein wenig Frieden finde, nachdem ich es ein geschafft habe, all das Schreckliche zumindest zeitweise anzunehmen. Mich nicht mehr ununterbrochen gegen die Realität, dass ich mein Leben jetzt ohne ihn leben muss, zu wehren. Das gelingt mir längst nicht immer. Zwischendurch bin ich so verzweifelt, dass ich schreien könnte, dann ist das Sehnen so groß und überwältigend und dann kann ich ihn meist auch nicht spüren....Der Schmerz überlagert alles andere.
Auf jeden Fall heißt loslassen nicht vergessen, ich glaube es hat wirklich mehr damit zu tun, sich nicht mehr dauerhaft gegen den Tod seines geliebten Menschen zu stemmen...Das ist so schwer, der Kopf weiß es schon lange, aber bis das Herz begreift und anfängt zu akzeptieren, das dauert..
Ich weiss nicht, vielleicht kommt es einfach mit der Zeit, dass Du deinen Vater spüren kannst. Und ich glaube, je mehr Du es Dir wünschst, desto schwieriger wird es. Es ist wie so oft im Leben.
Deine Befürchtungen, dass Du all die schönen Erinnerungen an Deinen Vater vergessen könntest, kann ich gut verstanden. Ich habe am Tag "danach" angefangen, alles aufzuschreiben, jede Kleinigkeit, jede Erinnerung, jeden Spruch....Ich hatte das Gefühl, alles auf Papier bannen zu wollen, weil auch ich Angst habe, irgendwann Dinge zu vergessen....Das Schreiben hilft mir sehr. Und auch jetzt schreibe ich ihm jeden Tag in meinem Tagebuch. Vielleicht kann es auch für Dich eine Lösung sein....

Ich wünsche Dir viel Kraft,
Haferflocke

minouminou
01.12.2007, 18:49
Liebe Ilse,

habe heute einen ganz schlimmen Abend. Ganz arg Sehnsucht, die Frage toben in meinem Kopf: wie soll es weitergehen, was wird aus meiner Mama, aus mir, ich glaub ich schaff das nicht, ich werd mich nie mehr so fühlen wie früher, nie mehr so sicher.

Wenn ich sein Bild anschaue laufen mir die Tränen übers Gesicht, warum ist er weggegangen?