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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ich fühle mich soo alleinund verlassen.



Indara
21.11.2007, 23:19
Hallo ihr,

Ich möchte mich mal kurz vorstellen:

Ich bin 38 Jahre alt und habe am 02. Oktober meinen Mann sterben lassen müssen. Er hatte einen bösartigen Gehirntumor und als er auch noch eine Lungenentzündung bekam, segten die Ärzte, er müsse nun beatmet werden, aber ob das noch Sinn hätte?

Da er das nicht wollte, bekam er nur noch Morphin gegen die Schmerzen und 20 Stunden später starb er.

In der Situation selbst, war alles ganz richtig und logisch aber jetzt plagen mich Zweifel und Selbstvorwürfe.

Hätte ich ihn nochmal fragen sollen, was er will?
Hätten wir nicht alles probieren müssen, auch auf die Gefahr hin, daß er als "Klumpen Fleisch" da wieder rauskommt?
Hätte ich nicht nochmal versuchen sollen, ihn zu wecken, um mich zu verabschieden?


Wie auch immer, er war Vater von vier Kindern (12, 8, 4 und zwei Jahren) und ein absolut toller Mann.

Jetzt ist er fort und ich bin so alleine. Ich hatte gehofft, daß ich damit würde umgehen können, weil er schon seit Februar 2004 krank war, aber es ist so schwer.

Ich bin traurig, einsam, verloren und so wütend, daß er mir genommen wurde.
Hat jemand ähnliches erfahren?

Danke für jede Antwort

Gute Nacht, Indara

Inaktiver User
21.11.2007, 23:33
Liebe Indara,

bei mir war es etwas Anderes, aber ich schreibe trotzdem, damit Du heute abend schon spürst, dass hier Menschen sind, die Dich verstehen und auch fühlen können, was Dich beschäftigt.

Ich bin nicht wirklich gläubig im kirlichen Sinne, aber ich glaube daran, dass unser Weg bestimmt ist. Wir gehen ihn mit allen Hürden, Höhen und Tiefen. Wenn Du eine Weile hier geblieben bist, mehr von Dir und Deiner Familie, Deinem Mann erzählt hast, wirst Du dazu mehr Antworten bekommen. Denn ich bin nicht die Einzige, die so oder ähnlich denkt.

Es hört sich so lapidar und seicht an, wenn ich schreibe, es war das Beste für Deinen Mann. Das weiß ja letztlich auch niemand, was gekommen wäre, wenn. Es hätte das Wunder, an das wir uns ja alle geklammert haben eintreten können, auch wenn es bei Keinem eintritt. Du mußtest für Deinen Mann entscheiden, und hast ihm ein friedliches und menschenwürdiges Sterben ermöglicht. So hast Du seinen Weg auf dieser Welt begleitet, und nur das zählt.

Letztlich hast Du Deine eigenen Hoffnungen hinten an gestellt, und das entschieden, das aus Deiner Sicht menschlich und würdig war. Ich weiß auch nicht, ob wir unsere Lieben irgendwann wiedersehen -ich träume auch davon. Wenn es so ist, wird Dein Mann Dir dankbar sein, dass Du den Mut und die Kraft aufgebracht hast.

Die Trauer kann Dir niemand nehmen, den Zweifel, ob Du richtig gehandelt hast - vielleicht. Wir hier sind mittlerweile richtig gut in virtueller Trauerbegleitung. Aber wir wissen auch Alle, wie weh es tut, wie viel Verzweifelung und Tränen und Klagen in diesem Forum stecken.

Ich halte Dir mal vorsichtig die Hände entgegen - nimm sie, wenn Dir danach ist.

Leise Grüße von Kranich, die schon 6 Jahre weiter ist.

wolfsmond
22.11.2007, 19:57
Liebe Indara,

ich nehm' Dich erstmal ganz fest in den Arm, wenn ich darf!:in den arm nehmen:
Es tut mir so leid für Dich und es ist ja erst im letzten Monat passiert! Kann auch Deine Wut sehr gut nachvollziehen!

Mein Mann ist im Alter von nur 43 Jahren verstorben. Wir hatten kaum die Möglichkeit die Krebsdiagnosen zu verarbeiten. Er wurde am 02. März, zunächst mit Verdacht auf Hepatitis ins KH eingeliefert und verstarb bereits 2 1/2 Wochen später.
Es war ein Riesenschock für meine Tochter und mich! Anfangs dachte ich immer, egal wie krank - ich hätte ihn so gerne noch bei mir gehabt! (Wie egoistisch!)
Aber gerade gestern sagte meine Tochter (20 J.), (nach einem Besuch bei ihrer Psychologin) zu mir: "Weißt Du Mama, wenn Papa es sich hätte aussuchen können, hätte er es genauso gewollt. Ganz schnell und ohne den langen Leidensweg."
... und Ich musste ihr zustimmen! Genauso hätte er es gewollt.


Nachdem was Du geschrieben hast,

Da er das nicht wollte, bekam er nur noch Morphin gegen die Schmerzen und 20 Stunden später starb er.

In der Situation selbst, war alles ganz richtig und logisch aber jetzt plagen mich Zweifel und Selbstvorwürfe.

Hätte ich ihn nochmal fragen sollen, was er will?

musst Du Dir keine Vorwürfe machen, er wollte doch nicht beatmet werden. Du hast alles richtig gemacht! Zweifel nicht an Deiner Entscheidung.

Ich wünsche Dir auf alle Fälle viel, viel Kraft!!!
Du kannst uns hier immer Dein Herz ausschütten. Lass alles raus.

vlg
wolfsmond

Inaktiver User
22.11.2007, 22:31
Liebe Indara,

ich sehe das auch so wie Kranich und Wolfsmond.

Meine Freundin ist auch an Krebs gestorben und sie hat mir bei unserem letzten Treffen noch gesagt, dass sie auf keinen Fall im Rollstuhl landen, keine Luft mehr bekommen oder Wirr im Kopf sein möchte. Das wäre für sie das Allerschlimmste, was sie sich vorstellen könnte.

Obwohl sie danach noch einen Urlaub für uns gebucht hat ist sie eine Woche später ganz plötzlich von uns gegangen. Unfassbar für uns ...

Aber vielleicht wurde ja ihre verzweifelte Bitte erhört und ihr wurde somit die schlimmste Phase der Krankheit erspart.

So abgeklärt kann auch ich das erst heute sehen. Nach Therapiegesprächen und vor allem nach dem Austausch in diesem Forum.

Liebe verständnisvolle Grüße :blume: ,

malea

Schaf_06
23.11.2007, 17:38
liebe indara,

ich bewundere deine stärke !

du hast in einer situation, wo jede normale reaktion :festhalten - gewesen wäre,deinem mann den größten liebesbeweis gegeben...

er durfte in würde und ruhe gehen...ohne unnötiges leid !

wie groß muss deine liebe sein, dass du ihm das ermöglicht hast...obwohl du alleine mit deinen kindern zurückbleiben musstest.

liebe indara...zweifle bitte nicht an deiner entscheidung. es war ganz bestimmt richtig so !

du hast ganz sicher ihm und letztlich auch dir ganz viel leid, schmerz und kummer erspart...
...denn wenn du hättest zusehen müssen, wie es ihm - durch deine dann auch wohlgemeinte entscheidung - schlecht gegangen wäre, dann hättest du bestimmt noch viel mehr gelitten und gezweifelt als jetzt.

versuch dich nicht zu sehr zu quälen...deine trauer ist schon gross genug.

du hast ihm in dieser schlimmen situation das allergrößte geschenk gemacht!

ich sende dir viele warme gedanken und wünsche dir kraft, das alles durchzustehen.

sei umarmt

vom schaf

Indara
24.11.2007, 23:27
Ich danke Dir!

Freundinnen kann ich im Moment echt gebrauchen.
Mal sehen, ob irgendwann der Verstand wieder über das Herz obsiegt?

gute Nacht und Danke,

Indara

Indara
24.11.2007, 23:30
Ich danke Dir und werde üben, alles raus zu lassen, aber das ist nicht so einfach.
Ich habe lernen müssen, meine Gefühle unter Kontrolle zu halten, damit hier alles läuft.

Schönen Abend noch, Indara

Indara
24.11.2007, 23:33
Ich werde versuchen, es genauso zu sehen.

Danke, Indara

Indara
24.11.2007, 23:34
Als Geschenk habe ich es wirklich noch nicht gesehen.
Mal sehen, ob ich das schaffen kann.

Danke, Indara

Inaktiver User
24.11.2007, 23:41
Hallo Indara,
wenn Du statt auf "Antworten" auf "Zitieren" drückst, ist Deine Antwort einfacher zuzuordnen.

Gib Dir Zeit - das ist wohl das Einzige, was Dir im Moment hilft. Versuche irgendwie durch den Tag und die Nacht zu kommen. Vielleicht hilft es Dir, niederzuschreiben, was Dich bewegt. Wir können hier mit Wut, Tränen, Kummer, Trauer gut umgehen.

LG Kranich

Inaktiver User
25.11.2007, 12:50
liebe indara,

ich bewundere deine stärke !

du hast in einer situation, wo jede normale reaktion :festhalten - gewesen wäre,deinem mann den größten liebesbeweis gegeben...

er durfte in würde und ruhe gehen...ohne unnötiges leid !


Diesen Worten kann ich mich nur anschließen :blumengabe:

prinzessin01979
25.11.2007, 14:40
@ Indira:in den arm nehmen: