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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Angst vor Krankenhäusern und Krankheiten



Inaktiver User
20.11.2007, 19:23
Liebe Forumsmitglieder

Ich habe ein Problem, dass wahrscheinlich für viele nicht nachvollziebar ist - ich habe Angst vor Krankenhäusern.

Jeder Besuch dort kostet mich eine grosse Ueberwindung und ich mache diese Besuche auch nur bei nahen Bekannten oder Verwandten. Meistens habe ich auch dort noch eine Ausrede.

Mein Vater verstarb leider dieses Jahr an Krebs, und er hatte etliche Therapien, längere Krankenhausaufenthalte und am Ende hat doch nichts geholfen
. Ich habe ihn dort auch besucht, es hat mich jedesmal immense Kraft gekostet. Am Ende, als es ihm so schlecht ging, konnte ich nicht dort reingehen, ohne zuvor ein paar Schlückchen Schnaps zu mir zu nehmen. Er hat mich aber verstanden, weil ihm diese Abneigung gegen Spitäler auch nicht ganz so fremd war. Ich habe ihn auch oft angerufen, so dass ich eigentlich keine Schuldgefühle habe .

Nun hat meine Mutter eine Diagnose bekommen, die dazu führt, dass auch sie ins Krankenhaus muss. Sie befürchtet, dass es was Schlimmes ist, und ich kann ihr weder Trost zusprechen noch sonst irgendwie eine Hilfe sein, denn in meinem Kopf spult schon wieder ein Film ab, dass sich ähnliche Ereignisse wie bei meinem Vater wiederholen könnten. Therapien, Krankenhausbesuche etc.

Ich neige selber sehr stark zum Grübeln und Katastrophendenken (war deshalb auch schon in Therapie, die mir damals auch geholfen hat), und würde am liebsten nichts mehr von Krankheiten und Diagnosen wissen und hören und weit weg gehen.

Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass sich bei mir jetzt Schuldgefühle entwickeln meiner Mutter gegenüber, weil ich ihr keinen Trost spenden kann und selber schon wieder von der Panik der Krankenhausbesuche und das Akzeptieren einer möglichen schlimmen Krankheit bei ihr überrollt werde.

Gibt es jemanden hier, der das nachvollziehen kann und vielleicht sogar einen Weg gefunden hat, dieser Angst ein wenig Herr zu werden? Können kranke Menschen überhaupt so was verstehen, wenn jemand Mühe hat, sie zu besuchen, oder tun sie das als Gefühlskälte oder Desinteresse ab?

Estelle

Leonie12
20.11.2007, 19:45
Hallo:smile:

deine ängste und sorgen kann ich total nachvollziehen..

ich hatte/habe auch angst vor krankenhäuser und krankenheiten und
habe deswegen auch eine therapie von 1 1/2 jahren gemacht..

also du bist bestimmt nicht alleine damit..ganz im gegenteil..

ich verbinde mit einem krankenhaus immer etwas kaltes, die
knallharte realität,komische gerüche und den tod..

wenn ich in ein krankenhaus gehe, fühle ich mich auf einmal
so alleine, fast einsam und ausgeliefert..
echt schlimm..

hast du eigentlich auch angst vor ärzten also arztbesuche??

ich mußte auch in letzter zeit viel ins krankenhaus gehen zu
besuch weil mein onkel an knochenkrebs und meine tante an
brustkrebs erkrankt waren..

diese ständige hingehen hat mir ein wenig geholfen, dass als
was normales anzusehen und beide sind auch gesund wieder
rausgekommen(so weit man das bei krebs sagen kann)

aber das was du geschrieben hast, ich dachte ich habe
das geschrieben und ich dachte auch immer nur mir
geht es so..

was hat den deine therapeutin gesagt, woher deine
ängste kommen können??

bei mir war es,generell die angst alleine zu sein und die
kontrolle zu verlieren..

lg Leonie:smile:

Inaktiver User
20.11.2007, 20:00
Hi Leonie

Das tut gut zu wissen, dass man nicht allein ist mit den Aengsten. :blumengabe:


ich verbinde mit einem krankenhaus immer etwas kaltes, die
knallharte realität,komische gerüche und den tod..


Das geht mir genau so, und es ist auch nicht weggegangen, auch wenn ich öfters dort war, da war jedesmal dieses schreckliche Gefühl.

Mir geht dann so viel durch den Kopf, all diese schrecklichen Krankheiten, und ja, natürlich auch Angst, persönlich sowas zu bekommen. Ich muss mich dann richtig dazu zwingen, an was anderes zu denken.

Woher das kommt, weiss ich nicht genau. Eigentlich war das immer schon so, und als Kind hatte ich immer Angst vor dem Arzt, wenn er mal kommen musste, obwohl er ein netter war.
Es braucht auch heute noch viel, dass ich das Vertrauen zu einem Arzt habe.

Ich hatte eine kognitive Gesprächstherapie, das vor allem wegen diverser Aengste, also nicht spezifisch die Krankenhausphobie, wenn ich das so nennen mag. Die Angst, die Kontrolle zu verlieren, vor allem vor anderen Leuten, war da auch ein Grund. Und überhaupt mein "Katastrophendenken" und Vermeidungsverhalten...

Estelle

Leonie12
21.11.2007, 14:54
hallo du,

tja ich glaube wir haben exakt die selben ängste..

mh, ich dachte immer nur mir geht es so..

also ich kann dich total verstehen..naja, ich gehe
auch heute nicht so gerne in krankenhäuser aber es
war schon mal schlimmer..

ich habe auch einen verhaltentherapie gemacht..
und bei mir hat es auch was mit kontrollfreak zu tun..

und wenn ich irgendetwas körperlich habe, denke ich
immer an das schlimmste..aber ich kämpfe immer wieder
dagegen an und versuche das meine ängste mich nicht
besiegen aber manchmal verliere ich den kampf und
manchmal gewinne ich ihn..

die anderen menschen können ein auch nicht richtig
verstehen und meinen, genieße doch lieber das leben..

mh,als ob mir meine ängste spass machen würden..
echt witzig..

ich war als kind auch ängstlich was krankenhäuser
angeht und dachte immer ich muss da bald hin..

lg leonie:blumengabe:

FallenLeaves
05.12.2007, 12:46
Eigentlich habe die meisten Menschen Angst vor Krankenhäusern. Der typische Geruch, das Leiden was man sieht und man ist ja auch vollkommener Laie. Die Geräter versteht man nicht, bestimmte Prozeduren versteht man nicht und so weiter. Und wenn man dann noch schlechter Erfahrungen macht, dann verschlimmert sich das ganze ja auch. Versuch deiner Mutter trotzdem eine Stütze zu sein, schließlich liegt sie ja tatsächlich drin. Du kannst einfach wieder gehen. Immerhin ein riesen Vorteil!

Inaktiver User
06.12.2007, 10:27
Hallo,

mir geht es ebenso.....

Erst gestern habe ich erfahren, dass eines meiner Kinder nächste Woche einen OP-Eingriff bekommt, danach habe ich leider (!) im Beisein meiner Kinder einen leichte Panikattacke bekommen.
Zu meiner Verteidigung ist zu sagen, dass unser HNO-Arzt mir ziemlich knallhart die Diagnose mitgeteilt hat, nächste Woche
OP und tschüss ( so ungefähr jedenfalls)


Panikattacken kenne ich seit ca. 10 Jahren verbunden mit Flugangst.
Nachdem bei mir längere Zeit eine Schilddrüsenunterfunktion nicht
erkannt worden ist, sind sie dann häufiger auch in anderen Zusammenhängen aufgetreten.
( also Tip: immer auch mal organisch durchchecken lassen, was der Stoffwechsel bzw. Hormonspiegel grad so treibt)

Dann ging es eine Weile gut, dann enormer emotionaler Druck und
das Ganze ging wieder von vorn los...

Für die Umwelt ( außer Flugangst) schlecht nachzuvollziehen.

Wenn ganz speziell meine Kinder solchen Dingen gegenüber stehen, reagiere ich erst panisch, sprich Herzrasen, Halsenge, unendliches Trauergefühl ( könnte nur noch heulen) und danach bin ich förmlich wie zur Salzsäure erstarrt , unfähig zu handeln.
Ich male mir dann die schlimmsten Sachen aus.
Normalerweise bewahre ich den Kiddys gegenüber immer die Fassung, aber die Nachricht war gestern sozusagen wieder mal
das I-Tüpfelchen .....

Hinterher schäme ich mich a) weil ich das nicht immer gut verbergen kann und b) weil es ja nun wirklich schlimmeres gibt
wie z.B. das Entfernen von Polypen..

Auch ich gehöre zu den "Kontroll-Freaks", wie jemand hier so schön schrieb, kann ganz schlecht loslassen, Verantwortung
abgeben etc., Verluste verabeiten usw.
Weiterhin kann ich auch schlecht allein sein, sprich, brauche immer jemanden, mit dem ich kommunizieren kann, kann mich
schlecht auf mich im Ganzen konzentrieren....
Fahre z.B. ungern als Beifahrer wo mit, bin immer lieber selbst am
Steuer, all solche Dinge..
Dinge wie übersteigertes Lampenfieber vor wichtigen Ereignissen, sich die schlimmsten Krankheiten einbilden, unangenehmen Situationen, familiären Belastungen aus dem Weg gehen usw. sind für mich schon fast "normal".

Solange alles in geordneten Bahnen läuft, ich meine geregelten Abläufe habe, mein Umfeld "im Griff" fühle ich mich "wohl".
Aber gesund ist das wohl auch nicht.......:wie?:

Kennt das jemand auch ? Hat vielleicht jemand Tips, wie man
dagegen vorgehen kann ?
Für ganz akute Streßsituationen habe ich Medis bekommen, hab
aber auch Angst, sowas zu nehmen ( Kontrollverlust) bin kein
Freund von solchen Hilfsmitteln, sondern möchte die Problematik
in den Griff bekommen.
Ich habe weiterhin Angst (!), dass die Angst weitere Teile meines Lebens beherrscht..und es immer schlimmer werden könnte.

Freue mich über Antworten

sarah29

Inaktiver User
10.12.2007, 10:40
@ Sarah29

Ich kann dich gut verstehen. Meistens kommt eine angst ja nicht allein. Betroffene sind wahrscheinlich grundsätzlich ängstliche naturen, bei mir ist das jedenfalls so. Ich habe zum beispiel auch flugangst, kann mich aber mittlerweilen etwas damit beruhigen, dass gemäss statistiken das fliegen wirklich ungefährlich ist, mehr noch als andere transportmittel. (Wobei das ungute gefühl des ausgeliefertseins doch bleibt - eben doch kontrollfreak ;-) )

Als mein sohn klein war, hatte ich auch oft fast die panik, wenn er krank war. Später dann, als er als jugendlicher sehr oft des nachts und sogar bei schneegestöber mit dem roller unterwegs war, habe ich nie ein auge zugetan, bis er sicher daheim war.

Ich leide zum glück nicht unter panikattacken, aber diese ängste hatten mich mit den jahren psychisch ziemlich runtergezogen. Als dann noch ein grosses problem im job kam, war ich dort sprichwörtlich geflüchtet, und das war für mich dann der anstoss, fachärztliche und psychologische hilfe zu suchen.

Das hat mir sehr geholfen. Ich konnte das erste mal über meine ängste reden, ohne das gefühl zu haben, "nicht normal" zu sein.
Ich hatte aber "nur" zwei jahre kognitive therapie, also ohne medikamente. Da ich bluthochdruck habe, muss ich betablocker nehmen, die zumindest ein wenig das lampenfieber beheben. Ansonsten sollten medikamente m.m.n. nie eine dauerlösung sein!

Ich kann nicht sagen, dass ich jetzt keine ängste mehr habe (siehe meinen thread betr. krankheiten), es ist einfach besser geworden und passiert weniger oft.
Ich gehe auch besuche machen im krankenhaus, aber ich fühle mich dabei immer noch sehr schlecht und befürchte eben, dass ich das den betroffenen nicht immer erklären kann. Es hat ja nichts damit zu tun, dass man sie nicht sehen möchte.

Wenn ängste aber den alltag beherrschen, sollte man unbedingt professionelle hilfe suchen, ich würde es wieder tun.

Liebe grüsse und viel mut und positive gedanken wünsche ich uns...

Estelle

Zeitnomade
22.12.2007, 13:08
Ich habe im Momant furchtbare Angst. Mein Mann liegt seit 2 Tagen auf Leben und Tod auf der Intensivstation im künstlichen Koma und ich sterbe bald vor Angst. Trage mein Handy ständig bei mir und hoffe, dass es nicht klingelt. Die Angst vor Krankenhäusern ist berechtigt, denn der Aufenthalt dort hat dazu geführt, dass mein Mann jetzt so todkrank ist. Erst hat man ihn nach einer schweren Darmoperation schon nach 6 Tagen entlassen, dann hat er sich dort das Norovirus eingefangen und letztendlich ist zuhause seine OP-Narbe geplatzt, so dass alles in den Bauch gelaufen ist. Nun hilft nur noch hoffen und beten.