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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Geht es euch auch so schlecht?



swimmi
17.11.2007, 20:40
Hallöchen,

in der letzten zeit komme ich hier wenig zum schreiben,aber lesen tu ich hier immer noch regelmäßig, es gibt einem irgendwie Halt...

geht es euch in den letzten Wochen auch so schlecht? Bevor meine Mama letztes Jahr gestorben ist, konnte ich es nie nachvollziehen,wenn Leute sagten: "Ach,der November! Ist immer der schlimmste Monat!" Aber momentan ist es auch bei mir so. seitdem es draußen abends immer so früh dunkel ist und so ein sch... wetter ist, übernimmt die Trauer wieder den größten Teil des Tages. Komischerweise ist Sonntags immer der schlimmste Tag, mit Heulkrämpfen, vielen erinnerungen,die weh tun und und und... Dann habe ich immer Panik vor der arbeit, obwohl ich eigentlich total gerne arbeiten geh und es mich auch ablenkt. dass mit dem dünnhäutig in dem anderen tread stimmt schon, wenn etwas unvorhergesehenes passiert, wie z.B. jemand was falsches sagt,ist sofort der ganze Tag im eimer und die Trauer kommt noch mehr zum Vorschein...
Ist das bei euch auch so?

Und dann wird man gefragt: Warum geht es dir so schlecht? Es istdoch schon ein Jahr her. so langsam sollte es aber wieder normal werden...
Übel oder? Was habt ihr für Erfahrungen gemacht?

habe hier mal einen Spruch gelesen, der den Nagel auf den Kopf getroffen hat (weiß aber nicht,ob er so vollständig und auch so wortwörtlich ging)

Es wird schon wieder
Wieder wie was?
wie vorher?
Es wird nie wieder wie vorher.
es wird wohl wieder
allerdings anders...

Oder so in der art....
An diesen satz muss ich mich seit dem Tod meiner Mutter immer erinnern, wenn mir jemand sagt, dass es bald ja wieder werden muss...

Wenn jemand diesen Spruch hat, wäre ich dankbar für eine PN...

Eine warme :in den arm nehmen:

swimmi

WhiteTara
18.11.2007, 12:06
Hallo Swimmi,

mit dem Spruch kann ich dir leider nicht weiterhelfen.

Aber ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern, als meine Eltern starben: Der Tod meiner Mutter war zu erwarten, wir betreuten sie viele Jahre daheim mit ihrer Alzheimererkrankung und hatten somit einen Abschied auf Raten und waren einigermaßen vorbereitet. Der eher unerwarteteTod meines Vaters nur 3 Wochen später hat mich und meine Geschwister dann doch ziemlich aus der Bahn.

Und heute - fast 6 Jahre später - weiß ich nicht, was ich damals schlimmer fand: Die mitleidigen Blicke "Gott, was soll nun aus dir werden, wie sollst du das verkraften?" oder das tröstend gemeinte "Das wird schon wieder!"

Natürlich ist mein Leben wieder was geworden - aber natürlich wird es nie wieder so wie es einmal war als die gliebten Menschen noch lebten! Schwierig fand ich, dass ich mich irgendwann gar nicht mehr traute, meine Traurigkeit offen zu zeigen, weil ich mich von anderen unter Druck gesetzt fühlte, dass die Zeit des Trauerns doch nun irgendwann einmal vorbei sein müsste. Eine schreckliche Situation, weil man dann mit seiner Traurigkeit auch noch ganz allein dasteht.
Damals war ich ziemlich hilflos in der Situation, verkroch mich in meinem Leid und zeigte nach außen lieber eine selbstsicher Fassade und Fröhlichkeit, weil das einfacher war als immer wieder erzklären zu müssen, dass meine Trauer längst nicht vorbei ist.
Heute würde ich das nicht mehr machen - mich allein verkriechen. Damals war es das erste Mal, dass ich direkt mit dem Tod zu tun hatte und ich wusste nicht recht mit der Situation und meinen Gefühlen umzugehen. Heute ist der Tod etwas, das zu meinem Alltag dazu gehört, denn ich arbeite als Altenpflegerin in einem Heim. In meiner Ausbildung hatte ich Unterricht bei einem Menschen, der mir sehr viele Möglichkeiten zeigte, wie man den Tod sehen kann und auch wie man mit eigener und fremder Trauer umgehen kann. Es gibt viele Wege, man sollte sie nur gehen und nicht an einem Punkt stehen bleiben.

Trauer ist für mich auch etwas, was nicht einfach so endet, weil es vorbei ist. Aber die Art des Trauerns verändert sich mit der Zeit. Ich habe heute auch immer noch Momente, wo mir Erinnerungen hochkommen,mich Gefühle übermannen und ich dann einfach in Tränen ausbreche. Aber ich finde das nicht schlimm - wieso sollte ich das unterdrücken? Es ist dann eben so und ich kann es anderen dann auch so zeigen. Nur weil ich in dem Moment traurig bin, heißt das doch nicht, dass ich nicht 5 Minuten später über irgendetwas fröhlich lachen kann. Ich führe auch kein unglückliches Leben - im Gegenteil, ich war noch nie so zufrieden wie heute.

Für mich ist der November nicht schlimmer oder schöner als andere Monate. Die Düsterheit der Jahreszeit kann auch ihren Reiz haben, die Natur zaubert gerade herrliche Bilder im Nebel. Aber der Lauf der Natur zeigt uns gerade auch, wie vergänglich alles ist, das ruft leichter Erinnerungen des Verlustes hervor.

Swimmi, ich finde es ganz normal, dass manche Tage mehr Traurigkeit und Erinnerungen bergen als andere Tage. Nimm das einfach so wie es kommt, lass die Erinnerungen zu und auch deine Traurigkeit. Versuche mal ganz bewusst zu beobachten, welche Erinnerungen dir kommen und wieso sie dir so weh tun. Setze dich dann ganz bewusst hin und suche die guten Erinnerungen an deine Mutter. Versuche nicht nur traurig zu sein, über das was nun nicht mehr sein kann, sondern erfreue dich an all dem, was du mit deiner Mutter gemeinsam hast teilen dürfen.

Und nutze auch einfach hier oder anders wo die Gelegenheit, dich auszutauschen - das hilft, auch wenn es manchmal schwer fällt.

Wenn mich heute jemand fragt, wieso es mir gerade schlecht geht - oder mir traurige Erinnerungen kommen, dann sage ich das einfach, wie es gerade ist. Ich sage, dass ich traurig bin, dass mir manche Erinnerungen weh machen und dass manchmal eben ein Schmerz hochkommt, den ich schon längst überwunden glaubte. Aber ich kann auch sagen, dass es ok ist, wenn ich diesen Schmerz fühle, dass ich ihn zulassen muss, damit er weniger werden kann. Und ich sage den anderen auch, was ich mir in dem Moment von ihnen wünsche, wie sie reagieren könnten. Manchmal wünsche ich mir ein Gespräch, manchmal nur eine Umarmung und manchmal sage ich auch "Du musst jetzt nichts dazusagen, aber bleib bitte mir" oder "Lasst mich einfach einen Moment allein, ich komme dann wieder zu euch"
Die anderen wissen meist nicht, wie sie reagieren sollen, deshalb ist es hilfreich, wenn man selbst sagt, was man jetzt am ehesten gebrauchen kann, denn nicht jeder traut sich zu fragen, ob er lieber bleiben oder gehen soll.

Es gibt kein Richtmaß, wie lange oder kurz Trauer zu dauern hat - jeder fühlt das individuell für sich und jeder muss seinen ganz eigenen Weg finden, mit diesem Gefühl umzugehen.

:in den arm nehmen: alles Liebe

Eva2
18.11.2007, 15:56
liebe swimmi,
white tara hats ja schon gesagt, es gibt wirklich kein richtmass.
irgendwie holt es uns an manchen tagen einfach ein...
aber du sprichst was an: ach der november...
denke schon, das es da einen zusammenhang gibt.
meine oma (eine ganz lebenslustige) hat so ab 65 jahren im november immer gesagt: ob ich das frühjahr noch erlebe?
(sie wurde 86)
und warum sind denn allerheiligen, allerseelen, volktrauertag, totengedenktag.... alles im november?
die bäume lassen ihre blätter, im oktober war alles noch bunt und schön, jetzt ist halt alles karg.
vielleicht ist es einfach so das die ganzen gefühle kommen, weil die natur anscheindend *stirbt*

und dann denken wir halt, das alles endlich ist.
wir wissen aber auch, es kommt die adventszeit und im sagen wir mal ende februar, die ersten schneeglöckchen.

-ich hab mich glaube ich jetzt off-top verhalten-
sorry.
deine trauer ist ja noch ganz frisch.
aber ich sags noch mal:
egal wie lange es her ist, es gibt immer wieder solche tage.

fühl dich verstanden

alles liebe und vor allem
http://www.hypnose-muenster.de/uploads/RTEmagicC_sonne-6-0.jpg.jpg

Ricarda44
20.11.2007, 07:56
Hallo, Mädels,

ich komme gerade aus einem anderen Strang, und zwar "Tipps für ein glücklicheres Leben". Vielleicht hilft es ja, wenn man sich dort öfter mal umschaut und sich auch der guten Dinge besinnt, die geschehen sind.
Es ist und war nicht alles schlecht im Leben!

Manchmal kommt es einem so vor, aber es wäre ungerecht, das ganze Leben so zu betiteln.

Der Verlust eines lieben Menschen löst immer ganz viel Seelenschmerz aus. Auch auf längere Zeit. Lernen, damit zu leben, das ist das einzige Mittel, um wieder Hoffnung und Zuversicht zu schöpfen. Die Zeit ist dabei ein Helfer.

Was man selber dafür tun kann?
Es wollen, dass es wieder aufwärts geht.

Nein, es wird nie wieder so wie vorher.
Aber anders.
Und das Leben bekommt eine andere und meist höhere Qualität.

Sicher, auch der November mit seinen trüben Tagen drückt da noch etwas auf's Gemüt. Wie kann man das ändern?
Mal mit netten Menschen sich zum plaudern treffen?
Sich hier mal alles von der Seele schreiben?
Einfach dafür sorgen, dass nichts drückt. ES RAUS LASSEN!

Wenn ich es nicht selbst erlebt und bei vielen anderen gesehen hätte, würde ich es so nicht aufschreiben.
Vertrauen haben, das es wieder aufwärts geht - daran darf man glauben.

Liebe Grüße und alles Gute!

:blumengabe:

Ricarda44
20.11.2007, 08:10
Da fällt mir ja gerade noch was zu ein!

Ich hab vor kurzem mit einigen Leuten mal 'nen Test gemacht.
Und zwar habe ich sie gebeten, sich in dem Raum, in dem wir uns befanden, umherzugehen und sich ALLE Dinge zu merken, die blau sind.

Dann saßen sie wieder alle und zählten all die blauen Dinge auf.
Ich hab sie gebeten, die Augen zu schließen und mir alles zu nennen, was rot ist.

UPS!
Da kamen vielleicht wenige Dinge. Nicht mal die Pullover, die sie selbst trugen, waren ihnen im Bewusstsein.

Was sagt uns das?
Auf das, worauf wir uns konzentrieren, wonach wir suchen, das bestimmt unser Wissen und wahrscheinlich auch Fühlen und Handeln.

Vielleicht hilft es Menschen, wenn man anderen hilft?
Dann ist man nicht so fokussiert auf das eigene Leid, sondern lernt auch andere Facetten des Lebens und vielleicht andere Menschen kennen.

Inaktiver User
20.11.2007, 09:09
hallo swimmi !

den spruch den du suchst,kenne ich leider nicht,

das du ,auch ein jahr nach dem tod deiner mutter um sie trauerst,verstehe ich sehr gut.
der tod der eigenen mutter,ist für die meisten menschen ,ersteinmal ein "ausnahmezustand".
das abschiednehmen,das loslassen, zu begreifen,dass die mutter nicht mehr auf dieser welt ist...es tut einfach nur weh.
jeder mensch,geht anders mit seiner trauer um.nimm dir die zeit,die du benötigst ,um deinen schmerz zu "verarbeiten".
es ist schon anmaßend ,dass andere menschen dir sagen,daß deine trauer ja jetzt auch mal vorbei sein könnte.
meine mutter ist vor acht monaten gestorben.
die "stärke" der trauer,hat sich bei mir im laufe der letzten monate,verändert.
auch jetzt kommt es vor, dass ich weine,wenn ich an meine mutter denke.
mittlerweile ist die tiefe verzweifelung über den tod meiner mutter, einer "stillen" trauer,gewichen.
mir hilft es sehr ,mit mir nahestehenden menschen,über den tod meiner mutter, zu sprechen.
vielleicht wäre eine "trauergruppe",genau das richtige für dich.
gib dir die zeit die du brauchst,um deinen schmerz zu verarbeiten. menschen die trauern,durchleben abwechselnd verschiedene trauerphasen,in denen sie mal besser und dann wieder schlechter,mit dem tod des angehörigen,umgehen können.
http://www.medizinfo.de/kopfundseele/depression/deprtrauer.htm


ich wünsche dir alles liebe und viel kraft!


liebe grüße!

dorothea

mandy27
14.12.2007, 23:32
hallo ihr lieben

mir geht es nicht nur schlecht wegen dem november,vor 4 monaten starb ganz plötzlich und unverhofft mein papa ich habe ihn so sehr geliebt nur weiss ich nicht immer wie ich mit meiner trauer umgehen soll ich vermisse ihn so schrecklich denn ich hatte ein super verhältnis zu ihm. es gibt kein tag wo ich nicht an ihn denke und es ist für mich noch so unrealisierbar,warum er? ich weiss wir müsen alle mal gehen aber hat nicht jemand einen tip für mich wie ich damit umgehen könnte? egal wo ich bin alles erinnert mich an ihn, ob ein lied ,ein ort alles! hab das gefühl mir wurde ein teil meines herzens rausgerissen....:heul:

Haferflocke
15.12.2007, 20:26
Liebe Mandy,
ich fürchte, es gibt keinen Tipp oder ein Rezept, wie Du mit dem Tod deines Vaters umgehen sollst oder wie der Schmerz leichter zu ertragen ist. Wenn es den gäbe, stünde dieser Tipp in diesem Forum wahrscheinlich ganz oben. Fakt ist, dass Du da durch musst. Es führt kein Weg um die Trauer herum, nur durch. Du musst es aushalten und nach und nach (wie lange es dauert ist bei jedem ganz unterschiedlich) wird es leichter werden. Es gibt ja einige hier im Forum, die es geschafft haben, mit ihrer Trauer fertig zu werden und aus all ihren Postings ist zu lesen, dass der Faktor, der dabei am meisten hilft, die Zeit ist. Die, die es geschafft haben, sollten uns Vorbild sein. Sie machen uns Mut, dass die Welt für uns eines Tages wieder bunt wird. Jetzt schmerzt dich jede Erinnerung an deinen Vater, irgendwann wirst Du die Erinnerungen wieder genießen können. Sie werden dich lächeln lassen und dann wirst Du all die Erinnerungen hüten wie einen kostbaren Schatz.
Bis dahin wirst Du noch viele schmerzliche Stunden, Tage, Phasen durchleben müssen, aber irgendwann wird es heller. Ich wünsche Dir alles Gute, Haferflocke

mandy27
15.12.2007, 22:07
liebe flocke
ich danke dir für deine lieben worte und ich werde sehen wie die zeit meine wunden heilt aber bis dahin werde ich meine trauer durchleben müssen das ist mir klar.