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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : die Trauer wird immer schlimmer



schach_ulla
13.11.2007, 08:48
Hallo zusammen,
war es bei euch auch so, dass die Trauer immer schlimmer wurde?
Mein Mann ist am 29.9.2007 an Krebs gestorben (siehe auch Brittes Strang). An seinem Todestag war ich sehr traurig aber ich habe es nicht so gezeigt, da der Schock so groß war.
Danach war ich total traurig aber es lief alles so nebenher ab. Auf der Beerdigung stand ich auch neben mir.
Jetzt 6 Wochen nach seinem Tod bin ich fast zusammengebrochen. Wir hatten am Wochenende ein Großereignis von meinem Verein (Frauenbundesliga und 2. Frauenbundesliga). Früher hat sich darum immer mein Mann gekümmert, jetzt habe ich das mit Hilfe einiger Vereinskameraden getan. Während des Wochenendes ging auch alles einigermaßen gut, aber am Sonntag als alles zu Ende war, da hat es mich voll erwischt, ich habe nur noch geheult und war völlig fertig. Vermutlich liegt es auch daran, dass ich so viel zu tun hatte und wenig geschlafen habe. Aber heute nacht habe ich relativ lange geschlafen und hatte heute morgen wieder totale Weinkrämpfe. Jetzt auf der Arbeit geht es einigermaßen, da ich versuche, mich zusammenzureißen. Was ist das nur und warum wird es nicht besser? Ich stehe manchmal in meiner Wohnung, in der ich während der Woche wohne, auf dem Balkom im achten Stock und frage mich, wie es ist, einfach herunterzuspringen.
Zum Glück kommt es nie so weit, ich will auch wahrscheinlich nicht sterben aber ich will auch nicht so weiterleben.
Als mein Mann noch lebte, war ich manchmal froh, in der Woche für mich zu sein umso schöner waren die Wochenenden. Wenn wir uns mal eine ganze Woche oder länger am Stück gesehen haben, dann kam es öfter mal zu Streitigkeiten.
Aber jetzt denke ich jeden Tag an ihn und wünsche mir ihn herbei. Ich sehe nur seine guten Seiten und sehne mich so nach ihm. Ich glaube, ich liebe ihn jetzt mehr als vorher und das macht mir Angst und ein schlechtes Gewissen. Ich habe ihn auch zu Lebzeiten geliebt aber das nicht so gezeigt, wie er mir.
Es ist alles so schwierig und ich weiß nicht mehr weiter. Das blöde ist, dass ich beruflich und für den Verein so viel zu tun habe, dass ich es nicht schaffe, mir mal Zeit für mich zu nehmen. Auch traue ich mich nicht, mich einfach noch mal krankschreiben zu lassen, da ich als er so schwer krank war und nach seinem Tod schon insgesamt 3 Wochen krankgeschrieben war.
Ich schreibe schon wieder so viel und es klingt bestimmt alles total durcheinander. Ich hoffe, ihr versteht mich trotzdem und könnt mir einen Rat geben.
Liebe Grüße
Ulla

Inaktiver User
13.11.2007, 09:06
Liebe Ulla,

in möchte dich erstmal lieb :in den arm nehmen: !

Es sind doch erst 6 Wochen, nicht schon 6 Wochen. Das ist völlig normal. Dein Umfeld kann doch ruhig wissen, wie schlecht es dir geht. Die Meisten versuchen zu verdrängen, ihre Trauer nicht zu zeigen. Auch ich habe das gemacht. Aber es war ein Fehler. Hätte ich sie zugelassen, wäre es mir nicht nach so langer Zeit so schlecht gegangen.

Was hast du denn für ein Verhältnis zu deinem Chef? Hat er Verständnis für dich?

Ich hab´s schon Vonna geschrieben. Meine Nachbarin hat auch vor einigen Jahren ihren Mann verloren und ist daran fast zerbrochen. Sie war Monate nicht in der Lage zu arbeiten, hat dann letztendlich eine Kur gemacht. Das war das Einzige was ihr geholfen hat. Danach konnte sie auch wieder arbeiten und hat langsam wieder angefangen zu leben und heute ist sie sogar wieder glücklich.

Lass dir Zeit mit deiner Trauer. So viel, wie du brauchst. Es ist wichtig, sie auszuleben. Und wir sind für dich da!

Liebe Grüße,
malea

schach_ulla
13.11.2007, 10:53
Liebe Malea,
vielen Dank für deine tröstenden Worte.
Ich verdränge meine Trauer nicht, ich weine ja auch auf der Arbeit aber meistens nur, wenn es keiner sieht.
Am Wochenende bin ich auch einer unserer Spielerinnen in den Arm gesunken, da ich so heulen musste.

Zu meinem Chef habe ich ein gutes Verhältnis. Es ist nur so, dass wir in dem Projekt, in dem ich gerade arbeite nur sehr wenige Leute sind (was nicht unsere Schuld ist, ich weiß) und ich die anderen ungern hängen lassen möchte. Hinzu kommt noch, dass gerade Saison ist und ich im Verein auch so viel zu tun habe und die auch nicht hängen lassen möchte. Auf der anderen Seite bringt ihnen allen das natürlich nichts, wenn ich zusammenbreche aber momentan bin ich so ein bisschen im Zwiespalt.

Liebe Grüße
Ulla

Inaktiver User
13.11.2007, 12:29
war es bei euch auch so, dass die Trauer immer schlimmer wurde


Liebe Ulla :in den arm nehmen:

diese Frage läßt sich aus Erfahrung leider nur mit "ja" beantworten.
Das kann sich noch über einige Jahre (!) hinziehen, ehe die tiefen Täler weniger tief sind, das geht immer rauf und runter.

Am heftigsten trifft es einem, wenn man körperlich oder nervlich "powert", sich belastet mit Terminen und Pflichten.

Ich habe lange gebraucht, um zu begreifen, dass ich nicht mehr so viel Kraft zur Verfügung stehen habe.
Trauern (auch wenn es "leise im Hintergrund" trauert) kostet dem Menschen viel Energie!!!

Ich kann dir nur raten, schone dich mehr.
Laß die anderen ruhig mal "hängen". Die müssen auch mal ohne deine Tatkraft auskommen können.

Du brauchst wirklich Ruhe, Ruhe und nochmals Ruhe.
Vielleicht kannst du doch mal zur Kur fahren oder ähnliches.



liebe Grüße
Lavendelmond :blumengabe:

Schnupfi
13.11.2007, 12:48
Liebe Ulla,
es tut mir sehr leid, was Dir passiert ist. Und die Trauer, die wellenförmig immer wieder kommt, gehört doch dazu. Es wäre eher nicht normal, wenn Du nach 6 Wochen schon mit allem durch wärst. Und es ist doch schön, dass Du Dich an all die schönen Dinge erinnerst, die Dich mit Deinem Mann verbunden haben. Er wird Deine Liebe sicher gespürt haben.
Trauer, so lange Du traurig bist, das ist völlig in Ordnung.
Alles Gute für Dich!
Schnupfi

britte
13.11.2007, 14:28
Liebe Ulla,
ich kann dich so gut verstehn. Auch bei mir fing das Schlimmste erst nach einigen Wochen an. Die ersten Wochen sehe ich zurückblickend wie hinter einem Nebel, irgendwie unwirklich.
Irgendwann fängt die Welt um einen herum wieder an sich normal zu drehn und der Trauernde merkt dann, dass nur bei ihm nichts mehr so funktioniert wie früher. So ging es mir und ich glaube auch anderen in diesem Forum.
Bei mir ist es jetzt fast dreieinhalb Monate her und die Wellen kommen und gehen. Das Leben ist einfach nicht mehr so wie früher, egal wo ich mich befinde - in der Arbeit oder zuhause mit meinen Kinder. Wir sind aus der Bahn geworfen.
Wie verständlich ist da dein Gedanke auf dem Balkon. Doch wir wissen beide, dass das nicht die Lösung sein kann.
Ich lese oft im Forum und habe volles Mitgefühl, doch irgendwie merke ich immer wieder, dass es zwar gut ist, dass es Menschen gibt, die verstehn. Den Schmerz muss jedoch jede von uns selbst ertragen und durchleben und das tut einfach manchmal nur unendlich weh.
Ich bekomme seit kurzer Zeit Akkupunktur und kann nur sagen, dass es mich innerlich ruhiger werden lässt. Versuche doch auch kleine Oasen für Dich zu finden. Auch wenn es nur kurz hilft, Du brauchst Deine Kraft für die nächste Welle, die mit Sicherheit kommen wird.
Ich denk an Dich und wünsche Dir ganz viel Kraft!
Britte

schach_ulla
14.11.2007, 15:38
Hallo ihr Lieben,
vielen Dank für eure aufmunternden Worte.:smile:

Ich habe heute eine Mail von jemandem bekommen, von der ich dachte, dass sie mich versteht und mir verbunden ist. Aber nein, die Mail war voller Vorwürfe und ich bin jetzt total von ihr enttäuscht. Wie sehr man sich doch manchmal in jemandem täuschen kann. Als mein Mann noch lebte, war sie total nett, aber jetzt...
Aber zum Glück gibt es auch andere Menschen, meine Eltern z.B. unterstützen mich wo sie können und hier im Forum fühle ich mich auch gut aufgehoben.
Nun ist bei mir auch noch ein leichtes Unwohlsein hinzugekommen, ich bin erkältet und habe Kopfschmerzen, was wohl auch daran liegt, dass im Büro gerade in allen Räumen gestrichen wird. :knatsch:

LG am alle
Ulla

Inaktiver User
14.11.2007, 21:43
Ach Ulla,

das tut mir leid. Einmal, dass Du so enttäuscht bist von einer Freundin und das andere, dass Dich zu allem Übel auch noch eine Erkältung erwischt hat. Hoffen wir, dass sich zumindest die wieder ganz schnell verzieht.

Schön, dass Du wenigstens andere Leute um die hast und das mit der Freundin... ich kenne das nur zu gut. Aber bei mir ist es inzwischen so, dass sich ein paar Dinge wieder glätten und normalisieren. Bzw. hat mir eine Freundin jetzt auch einfach mal erzählt, was sie für Probleme im Umgang mit mir als Trauernde hat. Vielleicht geht es Deiner Freundin ja ähnlich. Glaub mir, ich hätte kaum gedacht, dass ich so was mal schreiben würde, denn meine eigenen Enttäuschung diesbezüglich ist noch gar nicht so lange her uns ist sehr groß gewesen.

Erhol Dich erstmal ein bisschen, schau dass Du wieder gesund wirst. Ich wünsche Dir dafür gute Besserung.

Liebe Grüße,
Vonna

schach_ulla
21.11.2007, 08:14
Hallo ihr Lieben,
heute habe ich einen ganz schlechten Tag. Ich habe von meinem Mann geträumt und leider war das ein schlechter Traum. In meinem Traum ist er gestorben und ich konnte nicht bei ihm sein, da ich auf der Flucht vor irgendetwas war.
Als ich dann heute am frühen morgen aufgewacht bin, war ich natürlich total fertig. An der Bushaltestelle habe ich dann angefangen ganz schrecklich zu weinen.
Warum geht es mir nur so schlecht? Ich bin dazu auch noch so ungeduldig und warte so sehnlichst darauf, dass etwas Schönes passiert, aber dadurch setze ich mich auch noch unter Druck. Vielleicht passiert ja was Schönes und ich bekomme es nur nicht mit.
Traurige Grüße
Ulla

Inaktiver User
21.11.2007, 08:51
Liebe Ulla,

für dich :in den arm nehmen: und eine :blume: und :Sonne:

Einen lieben Gruß,
malea

schach_ulla
21.11.2007, 10:44
Liebe malea,
vielen Dank, das kann ich gut gebrauchen.
Momentan geht es schon wieder etwas besser, da ich auf der Arbeit viel zu tun habe. Aber sobald die Arbeit zu Ende ist, werde ich bestimmt wieder ins Grübeln verfallen.

Viele Grüße
Ulla

Schnupfi
21.11.2007, 13:09
Liebe Ulla,
auch Dir wird wieder etwas Schönes widerfahren, ganz bestimmt. Wenn Du gar nicht damit rechnest... Ich drück Dich.

Schnupfi

schach_ulla
28.11.2007, 14:23
Hallo alle zusammen,
gestern war mal wieder ein sehr schlechter Tag. Ich bin auf dem Weg von der Arbeit nach Hause über den Weihnachtsmarkt gegangen. Das hätte ich mal lieber gelassen. Es war echt schwierig, all diese ganze Weihnachtsstimmung zu ertragen und die meisten Menschen gingen paarweise darüber.
Für mich war es eine Abkürzung aber es war eher ein Umweg, da ich als ich dort rüber ging total traurig wurde und nur noch weinen musste.
Heute geht es mir schon wieder etwas besser, ich hoffe das bleibt auch so. Meine Eltern haben für meinen Mann einen Grabstein besorgt (echt toll, dass ich so liebe Eltern habe) und vielleicht schaffe ich es an meinem doch recht ausgebuchten Wochenende, ihn mir mal anzuschauen. Er soll sehr schön sein.
Für mich ist das Grab ein Ort der Besinnung, ich glaube nicht, dass mein Schatz in dem Grab liegt, sondern er ist irgendwo da draußen. Bloß wo? Ich würde so gern ein Zeichen von ihm bekommen, aber vielleicht bekomme ich das ja unbewußt. Ich habe heute nacht wieder von ihm geträumt und das Aufwachen war nicht ganz so schlimm, wie sonst. Vielleicht sind das ja schon Zeichen der Besserung, wer weiß.
Viele Grüße
Ulla