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wolfsmond
03.11.2007, 19:20
Für meinen geliebten Mann.
Ich vermisse Dich sehr mein Schatz!!!

Am 02.03.2007 ist er noch selbst ins KH gefahren. Das wollte er sich nicht nehmen lassen. Verstorben am 20.03.2007 im KH.



Die Welt neu begreifen

Fast 28 Jahre meines Lebens durfte ich an Deiner Seite gehen,
im Krankenhaus hat es mich schier zerrissen, Du konntest kaum noch stehen.
Mein Fels in der Brandung, mein Retter, mein Held,
nun ist sie völlig zusammengestürzt, meine Welt.

Wir waren so ratlos und unendlich erschrocken,
als der Arzt es so teilnahmslos ausgesprochen.
Speiseröhrenkrebs und die Leber ist auch befallen,
bei der Diagnose meint man der Himmel müsse runterknallen.

Das kann doch nicht wahr sein, was ist denn mit Heilung?
Auf diese Frage kam als Antwort nur eine Verneinung.
Es gibt keine Heilung, nur ein Lindern der Leiden,
darauf fällt Dir nichts mehr ein, außer Schweigen!

Es gibt keine Chance, ich will das nicht fassen,
die können Dich doch nicht einfach sterben lassen.

Eine Zeitschiene kann ich ihnen leider nicht nennen,
dafür müsste ich die Krankheit viel genauer kennen.
Der Arzt war sehr ehrlich, das kann keiner bestreiten,
wir wollen Dich durch Dein tiefstes Tal begleiten.

Machte mir bereits konkrete Gedanken wegen einem Treppenlift,
dachte Du bist zu schwach zum Treppensteigen nach all dem Gift.
Doch Du bist noch voller innerer Kraft und Zuversicht.
Und auf ein Zurückkehren nach Hause total erpicht.

Viel zu lange, sehr bange Tage, dauert es mit Deiner Verlegung.
Du musst auf die Onkologie Station – was für eine Begegnung.
Und wieder ein Wochenende und nichts geht wirklich voran,
die müssen Dir doch helfen und endlich etwas tun, oh Mann.

Am Montag dann endlich, folgte eine Untersuchung der anderen,
und somit ein anstrengendes ständiges Hin- und Her-Gewandere!

Am Dienstag haben sie Dir morgens noch Knochenmark entnommen.
Und Du hast den ganzen Tag kaum etwas zu Essen zu Dir genommen.
Der Verteiler für die Chemo wurde Dir am frühen Nachmittag gesetzt.
Ich ging raus auf den Flur, konnte mir das nicht ansehen, war zu entsetzt.

Im Anschluss hatten wir unsere Besprechung mit Deinem behandelnden Doktor.
Das Gespräch verlief gut und die Aussicht auf nach Hause war Dein Motor.
Am nächsten Tag hätte die Chemotherapie begonnen,
aber die Hoffnung ist uns zwischen den Händen zerronnen.

Noch mittags, beim Arztgespräch zeigtest Du Deinen unvergleichlichen Willen.
Diesen kann man Niemanden einflößen, nicht mit den aller stärksten Pillen.
Doch leider konnte auch Dein starker Wille allein, keine Berge versetzen,
sonst wärst Du jetzt hier bei mir und nicht ’’oben’’ bei Deinem Freund Metze!

Den Anruf werde ich in meinem Leben nicht vergessen.
Bin durch die nächtliche Wohnung gerast, wie besessen.
Das gerufene Taxi fuhr mich in Windeseile durch die Nacht.
Sie hatten Dich in das so genannte Todeszimmer gebracht.

Dort lagst Du so friedlich, so still und ohne Schmerzen.
Vor der Tür Rosenblätter, innen auf dem Tisch eine Kerze.
Nachtschwester Sigrid hat mich begleitet und gestützt.
Und Du lagst da – nur mit einem Laken geschützt.

Ich hörte mich sagen: Wölfchen was machst Du denn für Sachen?
Das kannst Du doch nicht bringen, das kannst Du nicht machen.
Musste Dich ganz einfach anfassen und berühren.
Du warst noch ganz warm, das konnte ich spüren.

Das Köpfchen, die Hände, die Arme und das linke Auge halb offen.
Für einen verrückten, ganz kurzen Moment lies mich das hoffen.
Doch die Schwester erklärte, das kommt vor, dass ein Lid wieder aufgeht.
Und damit war meine allerletzte aufkeimende Hoffnung auch schon verweht!

Ganz sanft wie ein Schmetterling drückte ich Dein Lid wieder zu.
Jetzt quält Dich keiner mehr, mein Schatz und Du hast Deine Ruh’.

Ich ging vor die Tür, um auf Mama und unsere Tochter zu warten.
Angst und Verzweiflung machten die Runde in diesem Horrorgarten.

Trank draußen den heißen Kaffee, von der lieben Schwester Sigrid gebracht,
und konnte nur denken: Mein Gott, was hast Du Dir bloß dabei gedacht?!?!?!
Mir meinen geliebten Mann und unserer Tochter den Vater zu nehmen.
Als gäbe es nicht genug Verbrecher die kein Recht haben auf ihr Leben.

Doch Du musstest uns nehmen unser Liebstes auf der Welt.
Ich bin mir sicher, dass diese Kritik Dir ganz und gar nicht gefällt!
Da noch an Gottes Gütigkeit zu glauben fällt äußerst schwer!
Warum mein Mann? Warum der Vater meines Kindes? Warum er?

Doch dieses ganze Fragenkarussell führt zu keiner Antwort.
Wir drehen uns dadurch nur ständig im Kreis und driften fort.

Dann hört man so Sprüche, wie: Wer weiß was ihm alles erspart blieb?
U N D - Das sind eben die Geschichten, die das Leben schrieb.
Ich weiß wie Du Dich fühlst und die Zeit heilt alle Wunden.
Das meiste ist gelogen oder einfach nur frei erfunden.

Wer wie wir, einen solchen Menschen jahrelang an seiner Seite hatte,
der uns immer bedingungslos geliebt, beschützt und gepackt hat in Watte,
der weiß wie unendlich schwer es ist jetzt ohne ihn zu leben.
Den Alltag zu meistern und manchem Kontra zu geben.

Doch für ihn, werden wir den Weg hier weiter gehen.
Versuchen – ohne ihn – auf dieser Welt zu bestehen.

…Die Welt neu begreifen…



traurige Grüße
wolfsmond

swimmi
03.11.2007, 20:55
Hallo Wolfsmond...

Erstmal eine dicke :in den arm nehmen: für dich und viel kraft für die nun kommende zeit!

Dein Gedicht ist sehr schön und ich musste richtig weinen, als ich es gelesen habe. Es passte fast genau auf die Geschchte meiner Mama, allerdings war de Befund ein anderer. Bei mir ist es auch "schon" ein Jahr her, dass ich meine über alles geliebte Mama "hergeben" musste . Aber sie sitzt jetzt oben auf einer Wolke, trinkt Cappuccino und baumelt mit den Füßen:-)

Es tut immer noch so sehr weh...

Ich wünsche euch sehr sehr viel Kraft!

Liebe Grüße
Dani

schach_ulla
03.11.2007, 22:21
Hallo Wolfsmond,
lass dich erstmal :in den arm nehmen:
Und hier ein paar
:Sonne: für Dich Du kannst sie gebrauchen.

Bei deinem Gedicht musste ich weinen.

Mein Mann war auch bis zum Schluss voller Hoffnung (er hatte Darmkrebs) und Optimismus. Er war über einen Monat im KH und es hieß immer, er kommt dann und dann raus und bekommt noch eine Kur und noch mal Chemo. Er konnte dann auch das KH verlassen und es ging ihm recht gut. Doch dann hat der Darmkrebs wieder richtig zugeschlagen und er kam in ein Hospitz, wo er dann nach 2 Tagen gestorben ist, 1,5 Monate nach seiner Operation.
Ich sehe ihn noch heute vor mir, wie langsam alles Leben aus ihm entwichen ist. Es ist alles so ungerecht. Warum er? Er war ein guter Mensch und hat immer Gutes für andere getan und trotzdem musste er mit 48 sterben.

Ich kann Dich so gut verstehen.
Alles Liebe Ulla

Sternzeit2506
04.11.2007, 01:07
Ich habe bisher bei noch keinem Beitrag so bitterlich geweint, wie gerade eben.

Dein Gedicht ist sehr, sehr schön und ich möchte dir alle guten Wünsche schicken, die ich mir nur so vorstellen kann.

Liebe Wolfsmond, wir müssen durchhalten und wir schaffen das bestimmt auch. Irgendwie, irgendwo, irgendwann.

Alles Liebe, Sternzeit

Inaktiver User
04.11.2007, 12:21
Liebe Wolfsmond,

dein Gedicht zu lesen ist furchtbar schwer, weil es so schön ist!

Meine Freundin ist auch an Krebs gestorben und es steckt soviel Wahres in deinem Gedicht, dass es mich schaudern lässt.

DANKE :blume:

und alles Liebe für dich,
malea

Inaktiver User
04.11.2007, 13:05
Liebe Wolfsmond,

dein Gedicht zu lesen ist furchtbar schwer, weil es so schön ist!


malea


ja, es geht so zu Herzen, dass ich es nicht richtig lesen konnte, nur überfliegen und jetzt habe ich nasse Augen und ein wundes Herz

und muss jetzt Mittag kochen...

wäre ich doch nur allein, heute, dann könnte ich es richtig lesen, wie es deinen Worten gebührt, und könnte nach Herzens"lust" weinen, weinen...

wie gut das täte, mal wieder alles rauszulassen


für alle ein :in den arm nehmen: und für dich, liebe wolfsmond ein :liebe:

prinzessin01979
04.11.2007, 14:05
Wunderschön und so traurig zugleich, liebe Wolfsmond! :in den arm nehmen:

Melissa:blume:

wolfsmond
04.11.2007, 19:41
@all

Vielen Dank, dass ihr das Gedicht gelesen habt. Herzlichen Dank auch für Eure lieben Antworten.
Musste das Gedicht unbedingt hier reinstellen, weill ich weiß, dass ihr mich verstehen könnt.

Fühlt Euch ganz fest umarmt!:in den arm nehmen:

vlg
wolfsmond

Inaktiver User
21.11.2007, 05:20
liebe wolfsmond!

ersteinmal möchte ich dich ganz lieb umarmen!

dein gedicht ,hat mich zutiefst berührt.

ich wünsche dir alles liebe und viel kraft!

meine mutter ist vor acht monaten gestorben und ich vermisse sie sehr.

liebe grüsse!

dorothea

wolfsmond
21.11.2007, 18:17
Liebe Dorothea,

vielen Dank für Deine Zeilen.

Für Dich eine dicke Umarmung!
:in den arm nehmen:

Und eine Kerze für Deine Mama.
:kerze:

Alles Liebe und auch ganz viel Kraft für Dich!!!
:Sonne:

vlg
wolfsmond

Inaktiver User
22.11.2007, 08:37
Liebe Dorothea,

vielen Dank für Deine Zeilen.

Für Dich eine dicke Umarmung!
:in den arm nehmen:

Und eine Kerze für Deine Mama.
:kerze:

Alles Liebe und auch ganz viel Kraft für Dich!!!
:Sonne:

vlg
wolfsmond


liebe wolfsmond!:smile:

vielen dank für deine sehr liebe antwort !

für dich ebenfalls,eine dicke umarmung!:in den arm nehmen:

alles liebe und weiterhin, viel kraft!

liebe grüße!

dorothea

p.s. ich hätte für deinen mann sehr gerne eine kerze aufgestellt,weiss aber noch nicht ,wie ich das symbol der kerze herunterladen kann, deshalb mache ich es in gedanken.

wolfsmond
22.11.2007, 19:26
Liebe Dorothea,

lass Dich nochmal drücken!:in den arm nehmen:

Und danke für die Kerze in Deinen Gedanken.

vlg
wolfsmond

P.S.:
Wenn Du die Antwort schreibst, siehst Du doch auf der rechten Seite die smileys und unten in Klammern steht weitere, einfach draufklicken, dann erscheint noch eine weitere Auswahl.
Wenn Du dann ganz nach unten scrollst ist die Kerze auch da. Einmal auf das gewünschte Symbol klicken und wenn Du das Zusatzfenster wieder schließt, steht das ausgewählte Symbol in Deiner Antwort.

Inaktiver User
23.11.2007, 01:01
liebe wolfsmond!

vielen dank für deine liebe antwort!

liebe grüße!!

dorothea


ps.danke,jetzt weiß ich endlich,wie das mit den smileys funktioniert

wolfsmond
23.11.2007, 18:52
Liebe Dorothea,

... gern geschehen!!!

Alles Gute für Dich und ein schönes Wochenende!

vlg
wolfsmond