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Susiheidrun
24.10.2007, 19:50
Liebe Mittrauernden,
als mein Mann am 31. August 2007 beerdigt wurde, hat man mich mit beerdigt. Zwar funktionierte ich schon nach einer gewissen Zeit wieder, doch bin ich eher wie ein Robotor, der seine Pflichten erfüllt. Gut, dass ich Kinder habe und einen tollen Beruf. All das lenkt mich schon sehr von dem schrecklichen Verlust ab. Auch ist es ganz gut, dass mich jetzt noch viele Veränderungen vollkommen in Schach halten, die mit diesem neuen Leben einhergehen. Aber ich selbst bin tot. Ich hatte teilweise vor Kummer solche körperlichen Schmerzen, dass ich dachte, ich würde tot umfallen. So viele Menschen kämpfen um ihr Leben oder sterben - aber ich bleibe am Leben. Als ich mal einen Film über einen Kometen sah, der auf die Erde einschlagen könnte, dachte ich für mich - ist mir doch piepegal.

Wie schafft Ihr es, mit Eurem aufgezwungenen neuen Leben umzugehen? Gibt es wirklich noch etwas anderes, als zu funktionieren?

hamburger_deern
24.10.2007, 21:33
Liebe Susiheidrun -
ich möchte dich erstmal ganz fest drücken und dir sagen, wie sehr ich mit dir fühle.
ich versuche hier, gemeinsam mit anderen forumsmitgliedern über den gewaltsamen tod meiner besten freundin hinweg zu kommen - weshalb ich aber dir genau schreiben möchte: im alter von 9 jahren habe ich meinen vater verloren, auch er war nur anfang 50, meine mutter gerade mal mitte 30, plötzlich allein mit zwei kleinen kindern. der schmerz, die trauer, all das begleitet uns noch heute. und dennoch - auch wenn es dir jetzt noch nicht so scheint - das leben kann wieder schön sein. und deinen kindern zu liebe (ich sage das aus eigener erfahrung!) sprich mit ihnen auch über deinen schmerz. meine mutter hat uns zu liebe jahrelang nur funktioniert und nie ihren schmerz mit uns geteilt; das hat uns sehr stark voneinander entfernt und mit anfang 20 war der tod meines vaters noch so unaufgearbeitet, dass ich regelrechten hass auf meine mutter entwickelt habe, weil sie uns nie geholfen hat, indem sie schwäche gezeigt hat. inzwischen haben wir alle eine therapie hinter uns und haben wieder (vielleicht das erst mal seit dem tod meines vaters) ein gutes verhältnis. lass es deinen kindern zuliebe nicht so lange dauern! schreib deine gefühle hier auf, rede mit anderen --- ich weiß, dass sich jetzt für dich alles wie eine plattitüde anhören muss - mir geht es ähnlich, wenn man mit mir über den tod meiner freundin reden will. aber vielleicht können meine worte dir wenigstens ein wenig helfen!
du bist nicht allein! wirklich! und du musst nicht allein dadurch! ich fühle sehr mit dir und wünsche dir alle kraft der welt!
alles gute!

Karla48
24.10.2007, 22:05
Liebe Susiheidrun,
auch ich möchte Dich herzlich und warm drücken und Dir sagen, daß ich mit Dir fühle.
Einen Todesfall zu verkraften, das ist wohl eines der schwersten Arbeitsstücke des Lebens für uns. Auch ich mußte damit schon zurechtkommen. Man fragt mich immer "Und, wie bist du darüber hinweg gekommen?". Ich kann dann nur sagen "Darüber hinweg komme ich nicht wirklich, aber ich kann normal weiterleben und das Leben auch wieder genießen, fast so wie früher".
Wir brauchen Zeit, um zu trauern. Zeit, die Wunden heilen zu lassen. Es ist wirklich so: Die Zeit heilt. Irgendwann denkt man nicht mehr stündlich an "ihn", irgendwann nicht mehr täglich, und irgendwann nicht mehr wöchentlich. Nach etlichen Jahren passierte es mir, daß ich seinen Todestag nicht registriert habe. Ich war dankbar darüber und froh.

Und es kommt auch darauf an, was man glaubt. Ich für meinen Teil denke, daß der Verstorbene auf der anderen Seite in einem angenehmen Zustand ist. Daß es ihm gut geht, und daß er immer noch "da" ist, nur anders. Er sieht vielleicht die anderen schon früher Verstorbenen, auch seine Tiere, und ist bestimmt glücklich.
Was würde er sich für mich wünschen, könnte er es mir direkt sagen? Nun: Ganz sicher, daß ich die Tränen abwischen kann und "normal" lebe. Glücklich bin. Auch ohne ihn.

Außerdem habe ich ein Seminar mitgemacht. Trauerbegleitung nach einem griechischen Psychologen, Ch(K?)ara...dingsbums. Googel mal, das findest Du bestimmt irgendwo in Deiner Nähe auch.

In unserem Ort wurde jetzt ein "Trauercafé" eingerichtet für Trauernde. Vielleicht tut Dir die Begegnung mit anderen Betroffenen gut, mir hat es damals geholfen. Man ist nicht alleine, es gibt andere, die einen gut verstehen, die genauso dastehen wie wir selbst. Halte mal Ausschau.

Die Aspekte zu den Kindern, die meine Vorrednerin beschrieb, fand ich sehr einleuchtend. Aber auch psychologische Beratung ist ein Weg, der sich lohnen kann - für Euch alle. So etwas gibt es auch kostenlos, die Telefonseelsorge (bundesweit Telefon 1110111 oder 1110222 kann die genauen Adressen für Dich sofort sagen).

Vor Dir liegt ein Weg, wo täglich alles ein bißchen besser wird, oft unmerklich, aber nach einiger Zeit merkst Du dann: Doch, es ist besser geworden. Nimm jeden Tag für sich, Du schaffst den Donnerstag, also schaffst Du auch den Freitag. So kann man es schaffen! In Deiner Situation ist die Vorstellung von erneutem Lebensglück so abenteuerlich fern, man kann nicht daran glauben. Und doch ist es so. Glaub mir.

Vielleicht hast Du einen Gott, zu dem Du beten kannst. Mir hilft das immer sehr. Inzwischen verstehe ich auch manchmal die Antworten ;-). Laß nichts unversucht, was Dir helfen kann.

Ganz liebe Grüße :in den arm nehmen:
Karla

Inaktiver User
25.10.2007, 06:34
Liebe Susiheidrun,

meine Vorschreiberinnen haben gut geschrieben, dem ist kaum etwas hinzuzufügen.

Von mir auch erstmal eine liebe, stille Umarmung :in den arm nehmen:

Deine Gefühle des "tot-seins" sind nicht ungewöhnlich. Insofern ist mit dir in deiner Situation "alles in Ordnung", so makaber das jetzt auch klingen mag.
Ich kenne das auch aus eigener Erfahrung.

Dir bleibt vorerst nichts anderes übrig, als weiterhin zu funktionieren - das ist schonmal ein Anfang ! Es ist schon eine Leistung, dass du funktionierst und deinen Kindern noch Mutter bist, und dass du sogar noch deinem Beruf nachgehen kannst.
Hut ab vor so viel Kraft !

Mit der Zeit, erst unmerklich, dann langsam deutlicher, wirst du spüren, dass das Lebendig-Sein in dich zurückkehrt.
Versuche hin und wieder auf deine Wahrnehmung der Umwelt zu achten.
Wie blau ist heute der Himmel?
Haben die Bäume noch ihre Blätter?
Fühlt sich die Herbstluft nicht schön an?
Die Creme auf deiner Haut, duftet sie nicht angenehm?
War diese Tasse Kaffee jetzt nicht ein wahrer Genuss?

Auf die Art lernst du wieder zu spüren und sogar Dankbarkeit zu empfinden, für die "kleinen" Dinge des Lebens, die in Wahrheit doch alle auch auf ihre Art "groß" sind.

Im Lauf der Jahre (ich habe 5 gebraucht!) wirst du wieder ein ganzer heiler Mensch sein.
Nicht mehr der, der du vor dem Tod deines lieben Mannes warst, sondern ein neuer Mensch, aber dennoch DU :blumengabe:


Die Frage ist nicht, ob du "dieses Leben" willst, denn du hast es schon.
Die Frage ist, ob du dieses Leben so leer lassen willst, wie es jetzt noch ist.


Nur Mut :blumengabe: Auch du schaffst das.
Wenn du magst, findest du hier immer einen kompetenten Gesprächspartner.

ellebaer
25.10.2007, 08:51
Liebe Susiheidrun,

auch ich drücke Dich wortlos :in den arm nehmen:

Es ist schon viel gesagt und alles richtig: Du funktionierst, ja nichts anderes habe ich mind. 1 Jahr lang nach dem Tod meines Mannes gemacht: funktioniert.

Ich erinnere mich noch gut, an den körperlichen Schmerz, an die Leere, an den Druck, an Verzweiflung in meiner Umwelt, an so viel.

Und doch stimmt es, die Zeit ist Dein Freund, jeder braucht seine eigene Zeit und auch Du wirst irgendwann erleben, wie sich quasi unmerklich Dein Leben wieder öffnet, Du wieder lachst und Dich freust.

Eine Aufgabe ist wichtig, Deine Kinder brauchen Dich.
Ich hatte keine Kinder, aber 2 Katzen. Sie nahmen keine Rücksicht auf meinen Wunsch, ihm möglichst schnell zu folgen. Sie waren da und haben unerbittlich gefordert, genau wie Deine Kinder. So manches mal habe ich "geflucht" und doch verdanke ich ihnen mein Leben. Ohne sie und viele Freunde, die sich in der Zeit sehr um mich gekümmert haben, hätte ich nicht überlebt. Und nichts anderes tust Du in der ersten Zeit: ÜBERLEBEN!

Ich hatte ausreichend Medikamente, ich habe von Tag zu Tag gelebt und überlegt, wann ich ihm nachfolgen kann, wann ich alles geregelt habe, ... und doch habe ich es nicht getan.

Was ich meine: es geht nicht darum, ob Du dieses Leben willst. Du wirst schlicht nicht gefragt, und das ist ok so. Du bist verantwortlich und diese Verantwortung wird Dir zurück ins Leben helfen. Ganz sicher!

Mir hat eine Gesprächstherapie sehr geholfen, ein Unbeteiligter, der mit mir gemeinsam Gefühle und Gedanken reflektiert hat, es ging nur um mich. Der mir geholfen hat (ein verdammt schwieriger Weg), wieder Zugang zu meinen Gefühlen zu finden und mich nicht wie eine wandelnde Tote zu benehmen.

Dein Leben wird sich ändern, ich weiß es sehr genau, mein Mann ist heute vor 11 Jahren von den Fahrer eines Kleinlasters getötet worden. Es tut weh, verdammt weh, aber ich weiß, dass es gleich vorbei geht. Und ich dann den Garten winterfest machen werde.

Grüße, ellebaer

Inaktiver User
25.10.2007, 10:22
mein Mann ist heute vor 11 Jahren von den Fahrer eines Kleinlasters getötet worden.



Ellebaer :in den arm nehmen:
Ich schicke dir herzenswarme Grüße in deinen Garten. Sie warten dort auf dich ;-)


Gruß von Gärtnerin zu Gärtnerin
Gruß von Seele zu Seele
:blumengabe:

Sternzeit2506
25.10.2007, 16:13
Liebe Susiheidrun,

ja, du willst dieses Leben. Glaube mir.

Ich habe mich nach dem Tod von meinem Mann vor 16 Wochen tagtäglich über mehrere Wochen mit Selbstmordgedanken beschäftigt. Ich könnte dir jetzt spontan alle Möglichkeiten nennen, die nicht klappen und hatte auch schon einen konkreten Plan, wie mein Selbstmord aussehen würde. Ich habe in Gedanken den Abschiedsbrief verfasst und mir überlegt, was ich mit meinen Katzen machen könnte. Aber Gott sei Dank bin ich von diesem Tripp nun wieder runter. Ich habe superliebe gute Freunde und tolle Schwiegereltern, die mir gar nicht die Chance ließen, diesen Plan durchzuführen, da sie mich ständig abgelenkt haben und regelmäßig bei mir das Telefon geklingelt hat, ob es mir auch ja gut geht. Und sie haben mir auch gezeigt, wie wichtig ich für sie bin.

Auch ich habe nur funktioniert und funktioniere auch weiterhin nur. Nach 20 Jahren ist es sicherlich auch kein Wunder und wenn es stimmt, dass man 1/3 der Zeit benötigt, um über den Verlust "hinwegzukommen", dann habe ich noch eine sehr, sehr lange Zeit vor mir. Es gibt katastrophale Zeiten, wie die komplette letzte Woche, in der ich nur geweint habe und zu nichts anderem fähig war. Allerdings schieben sich zwischenzeitlich auch durchaus nette Momente in mein Leben und ich nehme diese nun viel intensiver wahr, als vor Franks Tod. Dinge verschieben sich in ihrer Wichtigkeit.

Liebe Susiheidrun, du hast noch eine sehr schwere Zeit vor Dir - ich und viele andere aus diesem Forum sicherlich auch - aber du wirst sehen, dass es weitergeht. Jeder Tag, der vorübergeht, macht das Leben ein winzig kleines Stückchen leichter. Zuerst kaum spürbar, aber in Summe dann doch.

Ich drücke dich ganz doll und sende dir tausend liebe Grüße.
Sternzeit

Inaktiver User
25.10.2007, 21:11
Liebe Susiheidrun,

wie die Anderen auch kann ich Dir nur sagen: Ja, Du willst das Leben. Jede, die Dir geantwortet hat, weiß das aus eigenem Erleben. Mein Partner ist am 9. 11. vor 6 Jahren gestorben - über 15 Jahre meine Liebe.

Heute geht es mir wieder gut, aber damals konnte ich mir nicht vorstellen, dass ich überhaupt noch den nächsten Tag schaffe. Nimm Dir Deine Zeit, schreibe hier auf, was Dich bewegt. Ein Tagebuch ist auch gut, aber hier bekommst Du eine Art sprechendes Tagebuch -Du wirst Menschen finden, die jeden Deiner Tage und jeden Moment Deiner Trauer nachvollziehen können, weil sie es eben auch persönlich erlebt haben. Im richtigen Leben gibt es nicht so viele davon.

Liebe Grüße von Kranich:blumengabe:

Susiheidrun
25.10.2007, 22:20
Liebe Mitfühlende,
ich bin ganz erstaunt, dass ich plötzlich auf meinen Beitrag so viele liebe Antworten bekommen habe. Es ist wirklich sehr tröstend, dass es ganz viele Menschen gibt, die mitfühlen können. So sehr sich Freunde und Familie auch bemühen zu helfen, nur wer dieses Elend selbst erlebt hat, weiß was in einem vorgeht.

Selbstmordgedanken habe ich keine. Aber mir erscheint mein Leben selbst wertlos. Ich vertraue darauf, dass etwas daran sein muss, dass alle sagen, es würde mit der Zeit besser werden. Ich versuche, den Schmerzen nicht auszuweichen, sondern sie auszuhalten. Aber manchmal ist das so schrecklich. Heute Abend war ich bei einer Veranstaltung, die mich ein bisschen abgelenkt hat. Es war ein klein wenig normales Leben. Doch anschließend fiel ich ins Bodenlose. Auf der Rückfahrt musste ich so weinen, dass ich schon dachte, ich müsste anhalten. Die Gefühle überwältigen einen eben manchmal.

Es ist so schön, hier auf diesen Seiten, Tröstendes zu lesen, aber auch vom Schicksal anderer zu erfahren. Ich muss dabei immer bitterlich weinen, weil ich den Schmerz so verstehe. Aber das Weinen hilft mir. Ich versuche alles, um mein Schicksal in Würde anzunehmen. Meine Kinder helfen mir unsagbar. Ich bemühe mich, für sie da zu sein, ohne eine Fassade aufzubauen. Viele Menschen haben dieses familäre Glück nicht. Trotzdem fühle ich mich wie der ärmste Mensch auf der Welt.

Ich danke Euch für Eure netten Worte. Ich habe mich in einer Trauergruppe angemeldet und auch schon eine Therapie begonnen.

Vielleicht kommt einmal der Tag, an dem ich denen helfen kann, die gerade einen Menschen beerdigt haben, den sie liebten.
Gute Nacht
Susiheidrun

britte
26.10.2007, 06:53
Liebe Susiheidrun,
ich bin sicher, dass auch bei uns irgendwann wieder Leben möglich sein wird. Wie lange dieser Weg dahin dauern wird ist nicht vorraussehbar. Ich denke, es ist zur Zeit auch nur wichtig den jeweiligen Tag zu überstehen. Bei mir war gestern ein ganz mühsamer Tag, heute morgen genht es wieder ein bischen besser.
Ich kann mir auch überhaupt nicht vorstellen wie mein neues Leben überhaupt aussehen kann, aber ich denke, das ist auch gar nicht wichtig. Das neue Leben wird kommen und seinen Platz einnehmen.
Du schreibst, dass deine Kinder dir eine große Hilfe sind. Wie gehen sie mit ihrer Trauer um? Können sie mit dir darüber sprechen?
Ich finde es auch gut, dass du Anschluss zu einer Trauergruppe suchst und eine Therapie begonnen hast. Ich gehe auch einmal pro Monat zu einer Therapeutin und spreche mit ihr über alles, was mir grade wichtig ist.
Das Forum hier ist mir auch wichtig geworden, denn auch ich habe die Erfahrung gemacht, dass Freunde und Familie mich nur wenig auffangen können.
Ich wünsch dir ganz viel Kraft heute,
liebe Grüße
Britte

ellebaer
26.10.2007, 08:35
.... Auf der Rückfahrt musste ich so weinen, dass ich schon dachte, ich müsste anhalten. Die Gefühle überwältigen einen eben manchmal.


auch ich weine manchmal ganz plötzlich, oft im Auto, wenn irgendein spezieller Song gespielt wird, oder in der Kirche (wenn ich mal hingehe), oder auch Veranstaltungen, wenn mich etwas besonders berührt. Es ist ok unds geht vorbeit.

LG, ellebaer

ellebaer
26.10.2007, 08:38
Ellebaer :in den arm nehmen:
Ich schicke dir herzenswarme Grüße in deinen Garten. Sie warten dort auf dich ;-)


Gruß von Gärtnerin zu Gärtnerin
Gruß von Seele zu Seele
:blumengabe:

:blumengabe: zurück, ist zwar mittlerweile alles verwelkt, aber ein paar Rosen habe ich noch.
Vielen Dank für Deine Grüße, sie haben zwar die Brombeere nicht gehindert, mich ordentlich zu zerstechen beim Versuch sie zu bändigen, aber sie waren da, (die Grüße von Seele zu Seele) im Garten.

LG, ellebaer

Inaktiver User
26.10.2007, 16:07
:lachen: schön, dass sie da waren ! :in den arm nehmen:



und die Brombeere, oh oh, "böses" Ding :zwinker:, unerhört !

Karla48
26.10.2007, 17:09
Hallo Susiheidrun, wie geht es Dir heute? Halten die Kinder Dich ordentlich in Schwung? Was kochst Du am Wochenende, und vor allem: Hast Du auch was gegessen? (Mir schlägt Aufregung immer auf den Magen, bin dann appetitlos).

LG Karla

Susiheidrun
26.10.2007, 17:28
Hallo Karla,
die Kinder sind jetzt alle unterwegs. Sie sind ja schon ziemlich groß. Es geht aber mit dem Alleinsein. Heute hatten wir Pizza, am Sonntag gibt es Sauerkraut. Morgen treffe ich mich mit meiner Freundin, die auch alleine ist. Am Sonntag treffen wir uns mit mehrern Kolleginnen zusammen mit unseren Hunden und machen einen schönen Herbstspaziergang. Mir wird die Decke nicht auf den Kopf fallen.
Und wie geht es Dir? Was wirst Du machen?
Susiheidrun

Karla48
26.10.2007, 21:18
Schönschön, Menge los bei Dir. Das hilft doch irgendwie, den Tag zu überstehen, nicht wahr?
Hier ist Arbeit angesagt bis morgen Abend, später tanzen gehen (Disco für junggebliebene ältere von "früher", viele Freunde).
Sonntag 10 Uhr Gemeinde und danach NICHTS, und nochmals nichts. Anschließend nichts. Erholen von Samstag :-)
:lachen:
Relaxter Sonntag mit "Lindenstraße" (nicht hauen, ich guck das schon gefühlte Jahrzehnte) und eventuell "Tatort", zu mehr reicht es Sonntag nicht. Bloß keine Termine, keine Action.

Essen ist vorbereitet - Fisch mit Blattspinat und Sahnesoße, morgen Spaghetti irgendwas (hab ich alles da). Gleich schlupf ich in mein frisch bezogenes und gewaschenes Daunenbett, und meine Katze wird sich an mich ranschnuckeln. *schnurr* *liebhab* Die Kleine versüßt mir jeden Tag, so stressig er manchmal auch sein mag. Sie merkt auch, wenn "Mama" mal schlecht drauf ist, "Mama" weint...dann wartet sie ab, was ich mir wünsche und kommt gggs ganz dicht ran mit ihrer ganzen Liebe. Einfach himmlisch.

Gute Nacht!
LG Karla

Susiheidrun
28.10.2007, 09:45
Liebe Karla,
wenn Du allein bist und nichts machst - wie fühlst Du Dich da? Ich kann mit dem Alleinsein schon ganz gut umgehen. Aber in den ersten Tag, als ich aus dem Krankenhaus kam, wenn da meine Kinder weggingen, habe ich mir schnell den Hund geschnappt und ganz lange Spaziergänge gemacht. Jetzt geht es schon viel besser. Ich freu mich aber, wenn die Kinder wieder da sind und Leben in der Bude ist.
Bis bald
Susiheidrun

Karla48
28.10.2007, 16:01
Ok, definiere "nichts". :lachen:

Nichts heißt in erster Linie: Nichts Geplantes, nichts irgendwie "Nützliches" "Geplantes" oder gar Haushalt/Küche/Büro.

Kann sein: TV, Heimverschönerungen (kommt alltags zu kurz), Balkonblumen betütern, Schmuck entwerfen, mit Katze im Bett einen schönen Schmöker lesen, telefonieren, Brief schreiben, Internet (huhu!), schlafen, am Küchentisch in Ruhe die Zeitung lesen, ein Bild malen, mit Gott reden...

Seele baumeln lassen, das was mir Spaß macht tun, das was keinen Spaß macht, nicht tun. Oder eben "gammeln", berieseln lassen von Radio oder TV, mit der Katze rumschmusen, vom Bett aus auf dem Balkon meine Blumen genießen (!! ich liebe es!!).
Dabei fühle ich mich glücklich und zufrieden.

Früher mußte bei mir ständig irgend etwas los sein, ich konnte Ruhe nicht gut ertragen. Das hat sich geändert. Jetzt brauche ich das ab und zu, sonst kann ich mich nicht aufladen.

Ich verstehe, daß Du den Trubel der Kinder gewöhnt bist und Dich freust, wenn sie zurück sind. Das ist glaub ich ganz normal. Ich freu mich auch, wenn meine Lieben eintrudeln. Aber eben auch über die Stunden, wo ich für mich alleine sein kann. Ohne die könnte ich nicht glücklich sein.

LG Karla

Susiheidrun
28.10.2007, 18:04
Liebe Karla,
ich konnte immer gut allein sein und mich mit mir selbst beschäftigen. Im Moment empfinde ich das aber als sehr bedrückend. Es macht mir Angst, mir vorzustellen, dass ich irgendwann mal ganz alleine bin. Ich hatte so einen tollen Mann, so eine schöne Zukunft. Wir waren ganz sicher, zusammen glücklich alt zu werden. Wir waren so viel füreinander. Es wird lange dauern, bis ich mich wirklich daran gewöhnen kann, dass das alles nicht mehr da ist.:heul:

schach_ulla
29.10.2007, 08:41
Liebe Susiheidrun,
lass dich erst mal :in den arm nehmen:

Mein Mann ist am 29.9. gestorben und am 9.10. beerdigt worden.
Ich bin auch völlig fertig und funktioniere momentan nur noch.
Da ich keine Kinder habe, sind momentan meine Eltern meine einzige Stütze.
Ich wollte auch so gerne mit meinem Mann zusammen alt werden und weiß nicht, wie ich es ohne ihn überstehen soll :wie?:
Alles ist so verdammt schwer.

Mir tut es gut, dass ich arbeiten gehen kann, da der Job Spaß macht und mich ablenkt. Auch habe ich ein sehr zeitintensives Hobby, was mich auch sehr auf Trab hält.

Ich sehe momentan keinen Sinn in meinem Leben aber ich habe die Hoffnung, dass ich diesen bald finde. Meine Familie und meine süße Patentochter helfen mir dabei.

Liebe Grüße
Ulla

Susiheidrun
29.10.2007, 22:40
Liebe Ulla,
bei Dir ist alles noch viel frischer. Bei mir sind es jetzt über zwei Monate. Die erste Zeit zu Hause war am schwersten. Da hatte ich diesen Dauerdruck, ich dachte, ich sterbe. Jetzt kann ich mich schon mal ablenken. Das letzte Wochenende aber war wieder ein Rückfall. Solche Rückfälle wird es noch oft geben. Es ist mir ein Trost, ins Internet zu gehen, auf diese Seite z.B., und nachzuschauen, was so "los" ist. Man hat das Gefühl, dass noch Leben vorhanden ist. Sonst fühlt sich so vieles so tot an. Sich immer wieder mit dem Schicksal auseinander zu setzen, einfach nur Anteil zu haben und mitzuweinen, hilft mir sehr. Ich wünsche uns viel Kraft.
Susiheidrun

Susiheidrun
02.11.2007, 21:23
Tag der Traurigkeit
Heute bin ich besonders traurig, denn Du warst mir so nahe. Wir waren bei Real und Promarkt zum Einkaufen. Ich dachte, jeden Augenblick würdest Du mit dem Einkaufswagen erscheinen. Das Bild von Dir, alles, was Du tust - ist so tief in mir gespeichert. Seit über zwei Monaten habe ich Sehnsucht nach Dir, doch ich habe Dich so real vor Augen. Du bist so zum Greifen nahe, aber ich kann Dich nicht greifen. Diese Sehnsucht ist so schmerzhaft. Sie wird niemals vergehen. Das kann auch nicht besser werden. Das glaube ich nicht.
Susiheidrun

Karla48
02.11.2007, 22:58
Ja, diese Gefühle kenne ich. Ganz genau. Das ist es, was man fühlt und denkt "es wird nie wieder anders". Meine Erfahrung ist (und nicht nur meine!):
Doch, es wird anders.
Am Anfang muss man durch dieses dunkle Loch durch, später weiß man gar nicht mehr genau, wie man das geschafft hat. Aber dann, fast unmerklich, Tag für Tag geschieht ein kleines Wunder:
Man verbringt Momente, dann Minuten, dann Tage, an denen man nicht an den Verstorbenen denkt. Später dann kann es eine ganze Woche sein. Und der Schmerz wird auch weniger. Denn das Leben hält trotz allem viel Schönes für Dich bereit.

Es gibt es schönes "Bild", eine Geschichte, die ich sehr anschaulich finde:

Ein Mann fragt Gott "Wo verdammt noch mal warst Du eigentlich, als es mir so beschissen ging, daß ich dachte, ich sterbe an meinem Schmerz und schaffe es nicht mehr??? Da hätte ich dich gebraucht! Ob ich jetzt noch mit dir was anfangen kann, wo es mir wieder gut geht, weiß ich eigentlich nicht. Du hast mich im Stich gelassen!"

Gott antwortet "Nun, ich habe Dich damals auf meinen Händen getragen, über viele Meilen, aber Du hast mich in Deinem Schmerz nicht wahrnehmen können. Ich bin immer bei Dir, vertrau mir".

Rückblickend kann ich sagen:
So war es bei mir, glaube ich. Er hat mich getragen, aber ich fühlte mich nicht getragen. Und doch war es so! Es gibt keine andere Erklärung dafür, daß ich es geschafft habe, zu überleben.

Schau mal, so ähnlich kann es uns doch auch mit Menschen gehen. Sie lieben uns, aber wir merken es nicht, fühlen es einfach nicht. Und doch ist es so! Nicht alles, was wir nicht bemerken, ist nicht existent.

Dieser Schmerz läßt uns fast völlig verzweifeln und wir haben Angst daran zu zerbrechen. Aber glaube mir: Du wirst das überstehen. Es werden wieder gute Momente, Minuten, Stunden und Tage kommen. Hab ein wenig Geduld. Lebe Stunde für Stunde, Tag für Tag und denke möglichst nicht soweit im Voraus. Du kannst da momentan nichts realistisches voraussehen und machst Dich nur verrückt.

Vor allem weine, wenn Dir danach ist. Das ist ein Stück Heilung.
Ich denk an Dich,
gute Nacht,
liebe Grüße,
Karla

Susiheidrun
03.11.2007, 14:47
Liebe Karla,
was Du schreibst, ist mir ein großer Trost. Ich bin eigentlich ein religiöser Mensch. In dieser extremen Situation habe ich des öfteren gezweifelt. Deine Erfahrungen damit geben mir ein bisschen Hoffnung, dass ich zu einem späteren Zeitpunkt anders denken kann. Eines der wichtigsten Dinge im Leben, ist die Hoffnung. Das habe ich jetzt bitterlich erfahren. Wie oft habe ich mir gewünscht, mein Mann hätte mich einfach nur verlassen, und ich hätte jetzt die Chance, all meine Kraft einzusetzen, um ihn zurückzugewinnen oder ihm ein neues Leben zu gönnen. Doch wäre er am leben, das würde mich sehr trösten. Mein Mann ist aber tot, und ich kann nichts mehr für ihn tun.
Meine Hoffnung ist, dass ich irgendwann damit leben kann. Vielleicht habe ich sogar durch Dich jetzt ein bisschen Hoffnung, dass ich Gott an meiner Seite spüren kann - wenigstens später einmal.
Susiheidrun
:kerze:

Karla48
03.11.2007, 15:06
Jetzt bin ich richtig gerührt. Es ist vollbracht: Sie hofft wieder! Halleluja, bin ich froh!!

Doch, kannst Du etwas für Deinen Mann tun. Ich glaube jedenfalls daran. Ich schreibe Dir den "religiösen Kram" als PN, das ist mir zu persönlich.

Übrigens ging es mir mal genau umgekehrt:
Ein Mann hatte mich verlassen und ich konnte nicht loslassen. Da dachte ich hätte den Mann ein Laster überrollt oder was weiß ich, dann wäre klar, ich kann ihn nicht mehr als Partner haben. So aber blieb lange das Gefühl, ich hätte nicht genug getan, wäre nicht gut genug gewesen usw. blabla...Weißt schon.
Jemanden zu verlieren ist einfach so unsäglich schwer, daß wir scheinbar immer nach Wegen suchen, uns in eine vermeintlich bessere Alternative hineinzudenken.

LG Karla - schau in die PNs rein bitte