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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Sterbehilfe in Holland oder der Schweiz



rejane
23.10.2007, 16:27
Liebe Community,
eine Freundin hat mich gerade telefonisch um Hilfe gebeten. Ihre Eltern sind beide schwer und unheilbar erkrankt und haben jetzt beschlossen, gemeinsam zu sterben. Da meine Freundin Ausländerin ist und mit dem Internet nicht so gut zurecht kommt, habe ich ihr Hilfe versprochen.
Die Eltern stellen sich offenbar vor, in Holland oder der Schweiz aktive Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen. Bloß wie macht man das? An wen kann man sich wenden? Wie sieht es rechtlich aus, wenn meine Freundin "Hilfe zur Sterbehilfe" leistet. Sie ist in der Altenpflege tätig und hat Sorge, dass sie um Ihren Job fürchten muss, wenn ihr Vorhaben bzw. das ihrer Eltern bekannt wird.
Hat hier jemand Erfahrung mit diesen Dingen? Habe schon das halbe Internet abgeklappert und Massen an Diskussionen zu diesem brisanten Thema gefunden. Aber Adressen ? Fehlanzeige!
Vielen Dank für schnelle Antworten!
Rejane

Inaktiver User
23.10.2007, 17:22
Ich habe mich erstmal erschrocken, hier so ein Thema zu finden. Dieses Forum ist voll mit Menschen, die trauern, weil jemand gegangen ist. Mit diesem Strang wird meines Wissens erstmals hier die andere Seite - geplantes, unterstütztes Sterben - eröffnet. Auch eine Seite des Themas Tod - es gibt immer mehr Menschen, die sich lange Qualen ersparen wollen und eben diesen Weg vorher klären möchten.

Mein Stiefvater war Mitglied in der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben. Die Homepage kann man ergooglen und bekommt darüber auch Hinweise auf Holland und Schweiz. Aktive Sterbehilfe ist dort meines Wissens aber genauso untersagt wie bei uns. Mein Stiefvater ist aber mit fast 90 einfach nicht mehr wach geworden, so dass uns als Angehörige die Überlegung erspart blieb. Ich weiß nicht, wie ich in der Situation reagiert hätte.

fuechsine
23.10.2007, 17:57
Hallo,
ja - ich habe auch diese Information. Dies müßte als Anlaufstelle funktionieren. In Holland kann man dies legal und nach Anhörung offiziell in einer Klinik tun - aber ich weiß nicht mehr, ob dies auch für Ausländer gilt. Im holländischen Internet versuchen.

Mein vielleicht "ungewollter" Rat ist:
gehe keinen Schritt weiter, als das Problem wirklich an Dich delegiert wird. Forciere nicht.
Oft stecken unerträgliche Schmerzen und das Nichtmehraushalten hinter diesem Wunsch. Bestärke die Fragende, dass sie nicht eigenmächtig bzw. ohnmächtig etwas unternimmt.

Ich könnte Dir auf Anhieb zwei Kliniken mit Palliativ-Stationen in Hessen nennen, wo Lebensqualität und Schmerzfreiheit oberstes Gebot sind. Leider kann niemand versprechen, dass immer Schmerzfreiheit geleistet werden kann. Und manchmal ist das Leben gelebt und es ist genug. Das sollte aber jeder mit sich ausmachen.
Ich würde niemanden damit behelligen, denn der, der agiert, lebt schließlich dann damit weiter.
Liebe Grüße

_muschelkalk
23.10.2007, 18:09
Ich habe diese Doku (http://www.daserste.de/doku/beitrag_dyn~uid,y540gnqxpfa2awf5~cm.asp) gesehen und fand sie sehr interessant.

Dort ging es um einen unheilbar Kranken, ohne Aussicht auf Besserung. Es sollte niemand in dem Vorhaben bestärkt werden, aber ich denke schon, dass man es akzeptieren kann.

Vielleicht hilft dir der Link zu der damaligen Doku weiter.

LG

Inaktiver User
23.10.2007, 18:26
Ich habe diese Doku (http://www.daserste.de/doku/beitrag_dyn~uid,y540gnqxpfa2awf5~cm.asp) gesehen und fand sie sehr interessant.


Meine schwerkranke Mutter will auch sterben und hat mich dabei um Hilfe gebeten. Ein sehr mühsamer und schwieriger Prozess mit vielen Rückschlägen!
Nach den Erfahrungen, die ich gemacht habe, ist Dignitas tatsächlich die beste Anlaufstelle, wenn man bewusst und begleitet aus dem Leben scheiden möchte ... wobei ich natürlich hoffe, dass es bei meiner Mutter "von selber" geht, bevor sie mich so drängt, mich zu kümmern, dass ich dann nicht anders kann ...

Inaktiver User
23.10.2007, 21:27
Dieses brisante Thema ist meiner Meinung nach hier völlig okay.

Mehr kann ich jetzt nicht sagen, bin sehr erschöpft, habe meine Mutter gestern ins Pflegeheim bringen müssen, gegen ihren Willen. Das war hart.

Ich wünsche allen einen Kraft- und Weisheitsengel, die mit diesem Thema sich auseinandersetzen müssen.

Mein Sohn hatte als Krebspatient vorübergehend auch den Wunsch zu sterben und dachte über Selbstmord nach, wie er mir anvertraute.
Ich bin unendlich dankbar, dass er mich nicht bat, ihm dabei zu helfen.

Inaktiver User
23.10.2007, 21:31
Mehr kann ich jetzt nicht sagen, bin sehr erschöpft, habe meine Mutter gestern ins Pflegeheim bringen müssen, gegen ihren Willen. Das war hart.

Ich schick dir so viel Kraft, wie in meine Hände passt, dazu Zuversicht und die Hoffnung, dass sie sich dann doch leicht eingewöhnt, weil eben doch manches besser geht als zuhause ...

Inaktiver User
23.10.2007, 21:37
danke :kuss:
ich fühle, du hast "große Hände" :smirksmile:

damit gestärkt gehe ich jetzt :schlaf gut:schlafen

Inaktiver User
24.10.2007, 01:07
Dieses brisante Thema ist meiner Meinung nach hier völlig okay.

Mehr kann ich jetzt nicht sagen, bin sehr erschöpft, habe meine Mutter gestern ins Pflegeheim bringen müssen, gegen ihren Willen. Das war hart.

Ich wünsche allen einen Kraft- und Weisheitsengel, die mit diesem Thema sich auseinandersetzen müssen.

Mein Sohn hatte als Krebspatient vorübergehend auch den Wunsch zu sterben und dachte über Selbstmord nach, wie er mir anvertraute.
Ich bin unendlich dankbar, dass er mich nicht bat, ihm dabei zu helfen.

Danke Lavendelmond - die Meinung hatte ich auch, war mir aber nicht so ganz sicher. Deswegen wollte ich das auch am Anfang direkt ansprechen. :blumengabe:

Für Dich eine:blumengabe: als etwas Schönes, eine:Sonne: für Licht und Wärme, damit Du mal zur Ruhe kommst und einmal :in den arm nehmen: zum Trösten für die harte Zeit.

Vergeß nicht bei Allem, dass es Dich auch noch gibt - zwar mit viel Kraft, aber nicht unendlicher Reserve. Manchmal müssen die Batterien auch aufgefüllt werden:blume:

Aviva
24.10.2007, 01:26
:niedergeschmettert:

Hallo

Woher kommt Deine Freundin denn? Das beste waere wahrscheinlich, Infos in ihrer Muttersprache zu besorgen - auch fuer die Eltern. Wikipedia listet so einiges an Adressen (bis ganz nach unten scrollen).

http://de.wikipedia.org/wiki/Sterbehilfe

Z.B. http://www.exit.ch/wDeutsch/

Auf Englisch waere das Stichwort 'assisted suicide'. In England ist dieses Jahr der Fall einer Aerztin durch die Presse gegangen, die an einer schrecklichen Krankheit litt, die sie nach und nach laehmte. Sie hat dann in der Schweiz unter aerztlicher Aufsicht Selbstmord begangen.

Ich wuensche Deiner Freundin viel Kraft...

rejane
24.10.2007, 14:12
Hallo Ihr Lieben,
ich danke euch sehr für eure Anteilnahme und eure Ratschläge. Ich bin mir auch sehr wohl bewußt, dass die Thematik in diesem Forum meist eine andere ist. Habe daher auch etwas gezögert, mein Anliegen hier einzustellen; es schien mir aber auch kein anderes Forum passend.
Meine Freundin kommt aus der Ukraine und spricht gut Deutsch, hat aber in Deutschland schon oft dummer Sachen erlebt - aus Unwissenheit meist - so dass sie sich natürlich absichern möchte.
Ich habe ihr Dignitas und die Gesellschaft für humanes Sterben empfohlen und sie wird sich bei mir melden, wenn sie weitere Hilfe braucht.
@Lavendelmond
Ich habe schon in mehreren Pflegeheimen gearbeitet und weiß um die Nöte der Bewohner und ihrer Angehörigen. Ich hoffe, dass deine Mutter ein Heim mit liebevoller Pflege erwischt hat. Du hast sie sicher nicht ohne Not dort untergebracht, aber manchmal geht es eben nicht anders!
Viel Kraft dir und nochmal danke an alle!
Rejane

_muschelkalk
24.10.2007, 14:38
Liebe Grüße an deine Freundin und viel Kraft für euch beide.

Schön, dass du für deine Freundin da bist.

:blume:

Schneckentempo1
24.10.2007, 14:45
Ciao du

Ich bin selber noch unschlüssig, ob ich überhaupt für Sterbehilfe bin.

Aber diese Infos kann ich dir geben: in der Schweiz ist die sogenannte passive Beihilfe zum Suizid nicht strafbar. (Es ist allerdings jedes Mal eine Riesensache, alles wird gefilmt und der Staatsanwalt muss ausrücken.)

Nähere Infos kann man bei der Gesellschaft Dignitas erhalten. (www.dignitas.ch). Es ist so, dass der/die Kranke noch selber in der Lage sein muss, dass Mittel zu nehme, das heisst, z.B. das Glas an den Mund zu führen. Ebenfalls muss er/sie bei zurechnungsfähig sein. Dann muss ein Arzt gefunden werden, der ein Rezept austellt, was nicht so einfach ist.

Aber: am besten bei Dignitas anfragen.

Schnecke

Schneckentempo1
24.10.2007, 14:45
[QUOTE=Schneckentempo1]gelöscht, da ich dem Thema mit gemischten Gefühlen gegenüber stehe. PNs werden jedoch beantwortet.

Inaktiver User
24.10.2007, 17:37
Hallo Rejane,
ich habe einen sehr guten Eindruck von diesem Heim. Ist auch nicht so ein "Koloss", sondern mit etwa 60 Bewohnern übersichtlich.
Es ist sehr sauber, riecht gut, die Bewohner sind gut gekleidet und gepflegt, es werden regelmäßig Aktivitäten und Unterhaltsames geboten.
Die Pflegedienstleitung empfinde ich als unterstützend und ehrlich.
Ich bin guter Hoffnung, dass meine Mutter dort trotz allem einen guten Lebensabend haben wird. Sogar Hunde dürfen Besuche machen, und sie hängt doch so an meiner Cora.

Inaktiver User
24.10.2007, 17:38
P.S.:

Falls hier eine Diskussion über das Für und Wider der Sterbehilfe entstehen sollte, bitte ich vorsorglich um besondere Rücksichtnahme auf Gefühle.
Laßt uns dieses Thema behutsam (!) angehen



:blume: