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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Nach 2 Jahren trauer ich immernoch um meine Schwiegermutter.



Lilapause30
04.10.2007, 11:30
Hallo ihr lieben.
Ich bin neu hier und etwas ängstlich, über meine Gefühle zu schreiben.
Es ist nun schon 2 Jahre her,das meine Schwiegermutter gestorben ist. Damals lag sie im Hospitz und wir haben sie fast bis zum Ende begleitet.Ich war die ganze Zeit stark für meinen Mann und habe alles ertragen.Es ist für mich,das erste mal gewesen,einen Menschen sterben zu sehen. Es war so schlimm zu sehen, wie sich ein Mensch durch Krebs verändert. Wir saßen alle am Totenbett und warteten darauf, das sie ihren letzten Atemzug macht.Wir mußten, wegen unserm Kind nach Hause und eine Stunde später kam der Anruf, das sie es geschafft hat.
Ich bin dann am nächsten Tag wieder arbeiten gegangen.Als die Beerdigung war hatte ich Urlaub.Bei der Beerdigung hatte ich in der Kapelle auch geweint, aber am Grab bei der Beisetzung ging alles, wie ein Film an mir vorbei.Ich wollte für mein Mann stark sein,damit er es übersteht.
So ging es mir gut, bis zu einem Gespräch mit seiner Stiefmutter.Die steht auf Isoterik und glaubt das die Menschen nach dem Tod irgendwann wiedergeboren werden usw. Sie hat an dem Tag so viel erzählt und damit meine ganze Wahrnehmung durcheinander gebracht. Ich war so verwundbar,das ich es in mir aunahm wie ein Schwamm. Ab da an kam diese Unruhe, Herzrasen, schlechtes schlafen ich wollte nur im Bett bleiben und keinen Menschen an mich ran lassen.
So nach und nach wurde es besser und alles war wieder Oke. Bis jetzt nach zwei Jahren durch eine blöde Situation, alles wieder anfing.Nur nicht ganz so schlimm.
Ich weiß nicht, ob ich alles nur verdrängt habe. Das für mich schlimme ist, das ich es nicht schaffe,mich an meine Schwiegermutter so zu erinnern, wie sie war,als es ihr noch gut ging.
Ich hoffe, ihr könnt mir helfen.

Inaktiver User
04.10.2007, 15:43
Ich weiß nicht, ob ich alles nur verdrängt habe. Das für mich schlimme ist, das ich es nicht schaffe,mich an meine Schwiegermutter so zu erinnern, wie sie war,als es ihr noch gut ging.


Hallo Lilapause,

ich kann dich gut verstehen. Meine Freundin ist auch an Krebs gestorben. Um sie so in Erinnerung zu behalten, wie sie immer war (bevor sie von der Krankheit gezeichnet war) habe ich mir ihr schönstes Foto rausgesucht und eines, wo sie ganz typisch ausschaut. Die beiden Fotos habe ich im Wohnzimmer stehen, wo ich sie jederzeit ansehen kann.
Ab und zu kann ich inzwischen auch ganz gut all unsere Fotos ansehen, vom Jugendalter bis zuletzt.

Das prägt sich dann so ein, dass die Erinnerung an sie immer mehr die guten Zeiten sind als die, wo sie krank war.

Vielleicht würde dir das auch erstmal helfen.

Die Stiefmutter deines Mannes scheint dir schon einiges erzählt zu haben, was dich verwirrt hat und dich unbewusst beunruhigt. Ist das so? Was hast du denn für ein Verhältnis zu ihr und wie war ihr Verhältnis zu deiner Schwiegermutter?

Viele liebe Grüße :blumengabe:
malea

Lilapause30
10.10.2007, 13:43
Hallo malea,
Danke für Deine Antwort.
Sie hatte an dem Tag viel erzählt, und es war nicht mal negativ. Es war nur zum falschen Zeitpunkt.Ich war halt sehr labil und dieses Gespräch hat meine syntome ausgelöst. Ich war 2 Wochen krank.
Ich wollte nur im Bett bleiben, konnte schlecht schlafen, hatte erhöhten Blutdruck,sodas ich Tabletten nehmen mußte. Ich weiß nicht,warum gerade dieses Gespräch das ausgelöst hat. Wenn ich heute unter Stress stehe, kommt gerade dieses Gespräch wieder hoch und ich kriege ähnliche Symtome.
Ich bin ein sehr realistischer Mensch und halte nichts von Isoterik. Sie beschäftigt sich wahrscheinlich damit, weil sie keine richtigen Herausforderungen hat. Sie geht ja auch nicht zum Arzt, erst wenn der Schamane ihr nicht helfen kann.
Meine Schwiegermutter kannte die Stiefmutter nicht. Sie war nur froh, wenn sie was unschönes von Ihr gehört hat. Schließlich hat die ihr den Mann weggenommen.Bei mir ist es so, ich mag die Frau eigentlich, solange sie ihren Glauben oder was das ist für sich behält. Ich verstehe sie auch nicht. Sie eine sehr intelligente Frau und beschäftigt sich mit irgedwelchen Glaubensrichtungen, die unreal sind.

Biggi87
15.10.2007, 17:52
Liebe Lilapause,
ich kann dich sehr gut verstehen und glaube ganz fest, dass das was du gerade durchmachst eigentlich ganz normal ist. Ich habe meinen Vater vor fast drei Jahren durch Krebs verloren und dieses nach einer viel zu kurzen Zeit der Trauer wohl zu schnell verdrängt und nicht verarbeitet. All diese schrecklichen Bilder stürmten wieder auf mich ein, ich wurde unruhig und bekam richtige Panikattacken. Alles war zuviel und ich hatte wirklich Angst verrückt zu werden. Am meisten habe ich die guten Zeiten vermisst und hatte Angst mich nie wieder an etwas positives erinnern zu können. Vor allem nicht an meinen Vater, wie er vor seiner Krankheit war. Ich musste nur weinen wenn ich an ihn dachte. Dann habe ich dieses Forum hier entdeckt und habe mich getraut, mir meine Trauer von der Seele zu schreiben. Das ist für mich echt hart gewesen, auch von diesen vielen Schicksalen hier zu lesen. Aber nach einiger Zeit habe ich gelernt, das Verdrängen gar nichts bringt.
Mittlerweile kommen die Erinnerungen wieder, auch die schönen und ich bin sehr froh, mich diesem Forum anvertraut zu haben.
Vielleicht hilft es dir auch, einen grossen Schritt weiterzukommen und dich wieder mit Freude an deine Schwiegermutter zu erinnern. Die Geschichte mit der Isotherik war sicher nur der Auslöser dir deine Trauer bewusst zu machen und hat nichts besonderes zu bedeuten. Mein Rat an dich: Nimm dir alle Zeit die du brauchst um deinen Verlust zu verarbeiten, spreche über den Menschen den du vermisst und schreibe dir deine Gefühle von der Seele. Ich schicke dir eine grosses Krafpaket und umarme dich. Biggi

Inaktiver User
15.10.2007, 18:18
Ich habe meinen Vater vor fast drei Jahren durch Krebs verloren und dieses nach einer viel zu kurzen Zeit der Trauer wohl zu schnell verdrängt und nicht verarbeitet. All diese schrecklichen Bilder stürmten wieder auf mich ein, ich wurde unruhig und bekam richtige Panikattacken. Alles war zuviel und ich hatte wirklich Angst verrückt zu werden.

Genauso ist es mir auch ergangen mit meiner besten Freundin. Auch ich hab gedacht, ich werd verrückt. Erstmal hab ich die Panikattacken garnicht mit dem Tod in Verbindung gebracht. Aber es war doch so. Es ist immer wieder erstaunlich, wie sehr sich das "Erlebte" in der Trauer bei Vielen hier ähnelt.

Aber das ist es gerade, was einem hilft. Das Schreiben und zu sehen, man ist mit seinen Gefühlen nicht allein.

Biggi, geht es dir denn heute besser? Was hast du gegen die Attacken gemacht?

LG,
malea

Biggi87
16.10.2007, 11:28
Liebe malea,
auch wenn es für die Beteiligten schrecklich ist,aber auch mich tröstet es sehr, dass auch andere diese Emfpindungen haben. Einfach zu wissen, dass man nicht allein ist. (und vor allem nicht verrückt)

Zu deiner Frage: Mir geht es ein wenig besser, da ich jetzt weiss, dass meine Angstgefühle einen Grund haben und dass meine Trauer auch nach den 3 Jahren nicht annormal ist. (bei akuten Attacken sage ich mir das ganz bewusst vor, sie gehen dann gott sei dank, schnell vorbei). Die meiste Zeit bin ich ziemlich zuversichtlich. Die "Gefühlsachterbahn" bekomme ich durch das Aufschreiben meiner Empfindungen besser in den Griff.

Schreib doch mal wie du dir hilfst und es dir inzwischen geht!Biggi

Inaktiver User
16.10.2007, 14:59
Zu deiner Frage: Mir geht es ein wenig besser, da ich jetzt weiss, dass meine Angstgefühle einen Grund haben und dass meine Trauer auch nach den 3 Jahren nicht annormal ist. (bei akuten Attacken sage ich mir das ganz bewusst vor, sie gehen dann gott sei dank, schnell vorbei). Die meiste Zeit bin ich ziemlich zuversichtlich. Die "Gefühlsachterbahn" bekomme ich durch das Aufschreiben meiner Empfindungen besser in den Griff.

Schreib doch mal wie du dir hilfst und es dir inzwischen geht!Biggi

Liebe Biggi,

meine Antwort ist gleich (=) deine Antwort!!

Ganz genauso geht es mir auch.
Wenn ich merke, oh nein, jetzt gehts wieder los, weiß ich jetzt warum das so ist, halte es aus und prompt geht die Attacke wesentlich schneller vorüber als noch vor einem halben Jahr.
Und an solchen Tagen schreibe ich dann auch in mein Tagebuch, das ich eigens für meine Gefühlsachterbahn (das trifft es genau!!!) zugelegt habe und auch hier im Forum.

Anfangs hab ich nur hier im Trauerforum geschrieben und gelesen, inzwischen tausche ich mich aber auch in anderen Bereichen aus. Es gibt hier tolle Stränge und Kontakte, die mich echt auch aufmuntern.

Also, ich will damit nicht sagen, dass mein ganzes Leben traurig verläuft. So ist es bei Weitem nicht. Ich denke, du weißt schon wie ich das meine. Eigentlich bin ich eine Frohnatur und gerade deshalb hat es mich selber so erschreckt, dass nun ausgerechnet ich solche Attacken haben kann. Aus psychischen Gründen auch noch. Das heißt, meine Ärztin hat ganz klar gesagt: "Sie sind nicht psychisch krank, sie trauern - und das ist gut so!"

In diesem Sinne freu ich mich auch über deinen Kontakt :blumengabe:

LG,
malea