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teresanna
30.09.2007, 23:02
Hallo,

ich hab mir hier jetzt einige Beiträge durchgelesen und will mir auch ein bisschen die Trauer von der Seele schreiben.

Vor etwas mehr als 7 Monaten ist meine Mama gestorben. Sie war erst 48. Ihr halbes Leben lang war sie ein schwer kranker Mensch. Zwischendurch hat sie sich immer wieder gut erholt und hat einigermaßen gut u. glücklich gelebt. In den letzten Jahren ist es ihr aber immer öfter schlecht gegangen, lange Krankenhausaufenthalte, teilweise schon mehr tot als lebendig, haben sich gehäuft und waren auch eine riesige psychische Belastung für die ganze Familie.
Deshalb war ihr und auch uns (mir und vielen anderen Familienmitgliedern) in den letzten paar Jahren und Monaten vor ihrem Tod eigentlich "klar", dass sie höchstens noch ein paar Jahre leben wird. Meine Mama war auch immer davon überzeugt, dass es schnell gehen wird, wenn sie einmal sterben wird. Ich war mir da nicht so sicher, schließlich sind wir des öfteren monatelang neben ihrem Bett auf der Intensivstation gestanden und haben um ihr Leben gezittert.

Jedenfalls ist es dann schnell gegangen. Unter der Woche hat sie sich schon krank gefühlt, am Samstag Abend ist sie ins Spital gekommen. Sonntag waren Papa und ich noch am Nachmittag bei ihr, da war sie nicht mehr richtig ansprechbar.
Wie ich vom Spital weggefahren bin, war ich total fertig. Ich habe herumgeheult und mich gefragt, wie lange sie noch leiden muss. Eigentlich war es das erste Mal, dass ich nicht darauf gehofft habe, dass es ihr bald wieder gut geht. Sie war erst 2 Monate davor in ähnlichem Zustand monatelang im Krankenhaus und ich hab gewusst, sie wird nicht schnell wieder "gesund". Und da hab ich wirklich erstmals gedacht, ich will dass sie endlich erlöst wird von ihrem leidvollen Leben.
Komisch, weil davor hab ich immer furchtbare Angst vor ihrem Tod gehabt, wenn ich darüber nachgedacht habe. Es waren Ängste vor der Zeit danach, dass ich ihre Aufgaben in der Familie übernehmen muss (sie war ein sehr sozialer, kommunikativer Mensch, hat immer alle zusammengebracht). Jetzt war die Angst irgendwie weg.

Und am Abend ist sie gestorben.
Vom Spital haben sie uns angerufen und gesagt, dass sie reanimiert wird, es aber sehr schlecht aussieht, und wir kommen sollen. Wie ich das gehört habe, war mir aber sofort klar, dass meine Mama jetzt stirbt (d.h. eigentlich war sie da schon tot). Ich war total nervös, es war ein Schockzustand, in dem ich ins Krankenhaus gefahren bin. Trotzdem hab ich da "funktioniert" - das Hirn schaltet da auf eine Art "Automatikmodus" um, man macht instinktiv was in so einer Situation zu tun ist.
Jedenfalls hab ich gewusst, sie ist tot. Ich hab überlegt, was man anziehen soll wenn die Mutter stirbt. Ich hab am Weg ins Spital überlegt, was ich mir später vom Weg merken werde. Ich hab im Radio Nachrichten gehört und mir vorgestellt, dass da vom Tod meiner Mama berichtet wird.

Furchtbar im Spital war, zuerst den langen Gang entlang gehen zu müssen. Ich bin sehr schnell u. zielstrebig gegangen, hab aber das Gefühl gehabt dass mich alle anschauen die entgegen kommen und dass sie sich alle denken, dass da jemand gestorben ist - klingt jetzt sehr blöd, auch für mich.
Auf der Station ist dann schon mein Papa heulend da gestanden. Ich bin sehr froh, dass ich sie noch sehen konnte. Eigentlich ist sie im Bett gelegen, als würde sie schlafen (vom Tubus im Mund mal abgesehen, aber den hab ich sogar in meinen Erinnerungen an meine tote Mama ausgeblendet - er ist in meinem gedanklichen Bild nicht da).
Das Schlimmste war für mich, wie meine Oma (Mamas Mama) am Bett ihrer toten Tochter gestanden ist und geheult hat, warum nicht sie statt ihr dort liegen kann - das werde ich niemals vergessen.

Ich quatsch euch da echt voll... und dabei hab ich noch gar nichts über die Trauer geschrieben. Ich werd dafür mal in einem neuen Posting weiterschreiben....

Celia
30.09.2007, 23:14
Liebe Teresanna,

gerade, kurz vor dem Schlafengehen, landete ich hier bei Dir in Deiner Geschichte.

Ich möchte Dir gerne etwas dazu schreiben: Ich bin unheimlich beeindruckt, wie Du geschrieben hast. Du hast etwas sehr Schreckliches unglaublich schön aufgeschrieben. Eine warme, liebe Seele. Soviel Liebe und Lebendigkeit spricht aus Dir. Das hat mich sofort berührt, traurig aber auch sehr warm.

Es ist gut und genau richtig, was Du tust, es aufzuschreiben und auch auf diese Weise, hier in einer Community, weiter zu verarbeiten.

Ich schicke Dir unbekannterweise einen lieben, lieben herzlichen Gruß.

Celia
:blume:

teresanna
30.09.2007, 23:35
Obwohl meine Mama ein schwer kranker Mensch war und ich eigentlich mit ihrem Tod rechnen musste, ist er für uns alle trotzdem so unvorbereitet gekommen. Auch wenn man immer wieder im vorhinein über den Tod nachdenkt, schiebt man die Gedanken dann doch von sich weg und verdrängt sie.

Vermutlich weil ich, nachdem ich meine Mama das letzte Mal vor ihrem Tod gesehen habe, wollte dass sie nicht mehr leiden muss, war es für mich dann irgendwie "okay" dass sie gestorben ist. Ich habe direkt danach kaum für mich selbst getrauert, sondern mich hauptsächlich nur um meinen Papa gekümmert. Er tut mir so schrecklich leid, ist jetzt so alleine. Das war für mich in der ersten Woche nach ihrem Tod vorrangig. Ich hab Angst um ihn gehabt und war hauptsächlich für ihn da, hab die erste Woche bei ihm gewohnt. Dazu kommt die ganze Begräbnis-Organisation - so hat man wenigstens ein bisschen was zu tun. Natürlich hab ich auch in dieser Zeit immer wieder um sie geweint.
Aber so richtig für mich selbst hab ich erst mit dem Trauern begonnen, wie ich alleine war. Ich hab dann viel Zeit damit verbracht, herumzuliegen und zu heulen. Außerdem war da eine ziemliche Wut auf das Leben an sich: warum ausgerechnet unsere Familie, warum meine Mama? usw.
Mit der Zeit hat es sich gebessert, die "Heulphasen" dauern nicht mehr ewig lang sondern sind meistens nur ganz kurz. Ich kann oft an sie denken od. Fotos anschauen ohne zu weinen. Schließlich bin ich ja auch stolz und froh dass sie meine Mama war - ich hätte sie nie gegen irgendeine andere gesunde eintauschen wollen.
Auch mein Papa kommt inzwischen schon etwas besser damit zurecht, dass sie nicht mehr da ist.

Erst vor wenigen Wochen haben wir ihre gesamte Kleidung ausgeräumt und weggegeben. Bevor wir damit angefangen haben, waren wir kurz sentimental, aber dann gings ohne Probleme. Wir haben sogar über Mamas Eigenheiten gelacht.

Jetzt geht die ganze Erbschaftsgeschichte in ihre finale Phase - obwohl alles klar ist und wir uns einig sind, wer was bekommt, dauert das so lange (die Bürokratie!). Aber seit ich vor ca. 2 Wochen erstmals wieder mit dieser Erbschaft konfrontiert wurde, befinde ich mich aus irgendeinem Grund wieder in einer intensiveren Trauerphase. Total kindisch eigentlich - ich hab losheulen müssen, dass ich nichts erben will sondern nur meine Mama wieder haben will. Geht natürlich nicht, ist mir klar. Aber ich vermisse sie so sehr!

Je länger sie tot ist, desto mehr stört es mich, dass ich nicht mehr mit ihr reden kann. Sie war so ein toller und wichtiger Gesprächspartner. Immer wieder gibt es Dinge, die ich ihr erzählen möchte, oder Situationen wo ich sie anrufen würde. Ich würde alles dafür geben, wie früher mit ihr reden und lachen zu können!

Und wenn ich daran denke das nie wieder tun zu können, das ist überhaupt das Schlimmste. Sie wird mir ewig fehlen, mein Leben ist durch Mamas Tod um so viel trauriger geworden. Ich hoffe, dass es besser wird, aber gleichzeitig weiß ich, dass es nie wieder so werden kann wie früher. Meine Mama fehlt in meinem Leben und das wird ewig so bleiben. Mein Leben wird nie wieder so glücklich sein können ohne sie.

Ich weiß, dass sie schwer krank war und sie endlich von ihrem Leid erlöst ist. Deshalb hab ich mir auch nie länger darüber Gedanken gemacht, ob man ihr Leben nicht doch noch ein bisschen verlängern hätte können. Aber trotzdem taucht in meinen Gedanken immer wieder der eine absurde, komische Satz auf "Ich will meine Mama wieder haben" - das find ich total blöd, weil es ja unmöglich ist und selbst wenn, dann wär sie ja entweder schwer krank oder gesund aber ein anderer Mensch...

Allen anderen, die um einen geliebten Menschen trauern - vielleicht erst seit kurzem - kann ich sagen, dass es besser wird, aber die Trauer trotzdem ewig bleiben wird. Die Trauerphasen werden zwar immer seltener, aber sie kommen doch immer wieder. Wär ja auch komisch, wenn es mir egal wäre dass meine Mama nicht mehr da ist.

Wäre interessant, von Gleichgesinnten zu hören, wie ihr mit eurer Trauer zurecht kommt.
Ich bin übrigens in keinster Weise gläubig. Ich bin an keinen Religionsgemeinschaften interessiert, glaube nicht an irgendwelche Götter und auch nicht an ein Leben nach dem Tod o.ä. Meine Mama ist einfach weg, sowas wie eine Seele existiert nicht und ihr Körper verwest schön langsam vor sich hin. Mit der Vorstellung hab ich auch kein Problem und ich glaub auch nicht, dass man seine Trauer leichter bewältigen kann, wenn man gläubig ist.

lg ta

Ricarda44
01.10.2007, 08:12
Liebe teresanna,

es ist ein unglaubliches Geschenk des Lebens, solch eine Mutter gehabt zu haben. Dieses Geschenk des Lebens setzt sich - so wie Du das alles schreibst - in ihrem Kind fort.
Kann es ein schöneres Geschenk für Eltern geben, dass sie solche Kinder groß gezogen haben?
Nein.
Es gibt nichts Schöneres. Die wichtigste Lebensaufgabe ist doch gute Spuren im Leben zu hinterlassen. Liebe zu geben und Verantwortung zu tragen.
All das ist so.

Du trägst es weiter. Kannste glauben, Deine Mama kann stolz auf ihre Tochter sein!

Ich wäre es jedenfalls, wenn Du mein Kind wärst.

Alles Gute für Dich!

Inaktiver User
01.10.2007, 09:01
Alles, was schön ist,
alles, was heilig ist,
nennt das Wort dir:
eine Mutter

Alles, was Leid heißt,
trostlos entbehren,
klingt in dem Wort dir:
keine Mutter

(Ricarda Huch)


:in den arm nehmen:

Celia
02.10.2007, 10:00
Mein Leben wird nie wieder so glücklich sein können ohne sie.

Liebe Teresanna,

haben Du und Deine Mutter über ihren Tod gesprochen? Was dann sein wird, wenn sie nicht mehr da ist?

Oder:
Kannst Du Dir vorstellen, was Deine Mutter jetzt sagen würde, wenn sie das von Dir liest? Dass Du ohne sie in Deinem Leben nie mehr so glücklich sein wirst, wie mit ihr?

Was glaubst Du, würde sie dazu sagen?

Ist es nicht so, dass Du immer noch mit ihr "sprechen" kannst, weil Du genau weißt, wie sie auf welches Thema reagieren würde?

Ist es nicht so, dass Du genau wüsstest, dass sie unter keinen Umständen wollte, dass Du ohne sie nie mehr so glücklich bist wie mit ihr? Vielleicht würdest Du sagen "Es IST aber so, ich BIN ohne Dich nicht mehr so glücklich!"

Vielleicht würde sie Dich anlächeln, Deine Hand nehmen, Dich drücken und sagen "Ja, jetzt, aber wenn Du langsam loslässt, glaube mir, wirst Du zu einem neuen Glück finden und mich dabei immer im Herzen tragen, weiter mit mir reden, aber nicht mehr an den alten Zustand festhalten."

Der Teil in Dir, der sie so liebt, darf nicht mit ihr sterben. Der muss lebendig bleiben und einen neuen Platz finden. Durch das Loslassen. In genau dem Tempo, das Du für Dich richtig findest.

Einen lieben Gruß
Celia :blumengabe:

teresanna
04.10.2007, 23:09
Danke für eure netten Antworten.
Ich finde dieses Forum toll und habe das Gefühl, dass es mir geholfen hat, mir das alles mal vor "Unbeteiligten" von der Seele zu reden (bzw. zu schreiben).

Liebe Celia, in deinem Beitrag hast du etwas geschrieben, worüber ich noch länger nachdenken werde:

mich dabei immer im Herzen tragen, weiter mit mir reden, aber nicht mehr an den alten Zustand festhalten
Natürlich ist es so, dass meine Mama nicht gewollt hätte, dass ich ohne sie unglücklicher bin. Und natürlich weiß ich, was sie zu welchem Thema gesagt hätte.
Das mit dem anderen Zustand muss ich erst lernen zu akzeptieren, aber ist eine wirklich gute Herangehensweise.

Natürlich wird das nicht immer funktionieren, aber hoffentlich immer öfter. Von Leuten deren Mutter oder Vater schon lange tot ist weiß ich aber, dass Momente der Trauer auch nach Jahren oder Jahrzehnten noch manchmal plötzlich kommen. Objektiv betrachtet ist das aber auch ok so und es wäre eigentlich traurig, wenn's nicht so wäre.

Für meine derzeitige Situation stimmt es leider auch nicht, dass ich IMMER weiß, was sie gesagt hätte. Meine Mama fehlt mir einfach auch als Gesprächspartner für "neue" Alltags-Themen. Irgendwie hat man eben für bestimmte Themen bestimmte Gesprächspartner, und da fehlt jetzt jemand und dadurch werden manche Themenbereiche nicht mehr abgedeckt. Ich hoffe ihr versteht, was ich damit meine... ich glaube, das ist es, was mich oft am meisten daran stört, dass sie nicht mehr da ist. Also für mich ganz persönlich zumindest - wenn daran denke dass mein Papa jetzt alleine ist, dann ist das natürlich viel schlimmer.

Naja, fest steht: ich kanns sowieso nicht ändern. Meine Mama ist tot und sie ist bei weitem nicht die Einzige. Jeden Tag sterben solche Unmengen an Leuten - es ist einfach ganz normal dass Menschen sterben, auch dass sie jung sterben.
Diese komplett nüchterne Betrachtungsweise hilft mir oft am besten, wenn ich wieder mal sehr traurig über den Tod meiner Mama bin.

Schönen Abend noch!
TA

aitsch
25.12.2011, 12:31
Hallo teresanna ,
maine mutter ist gestorbn als ich sieben war.
ich weis wie schmerzhaft das sit sie ist an Krebs gestorben.o
Es ist in Palma am Flughafen passiert,dass war unser ersterFammilien Urlaub zu 3.
Das heißt meine geliebte mama meine oma und ich sie ist beim Rückflug schon am Flughafen eingeschlafen dann ins Koma gefallen und gestorben.
Als ich sechs war wusste ich das s sie bald sterben wird ich habe sie jeden abend gefragt ob sie weiß wann. Ich will dich jetzt nicht mit meinen Problemen voll labern sondern dir helfen!
wenn du oben in einer Wohnung wohnst dann schreib einen großen Zettel zerreiße ihn und werfe ihn aus dem fenster ich sage dir dass hilft wircklich. Oder wenn du im erdgeschoss wohnst dann gehe in den wald schreibe wieder einen zettel stecke ihn in einen schuhkarton und vergrabe ihn im waldboden!
Ich wünsche dir noch viel Glück bei der trauerbewältigung.
deine aitsch:blume:

herta2
25.12.2011, 18:59
Hallo, bin heute auf diese Seite gekommen, weil ich Trost suchte, wie ich meine Trauer verarbeiten kann. Meine Mama ist vor 3 Tagen nicht unerwartet aber doch plötzlich gestorben. Es hat mir unendlich gut getan zu lesen, dass es vielen auch nicht besser geht wie mir. Ich habe heute meiner Mama einen Brief geschrieben. Darin habe ich alles aufgeschrieben, was ich Ihr am Heiligen Abend sagen wollte. Ich dachte Sie hält noch solange durch, aber Sie hat sich einfach aius dem Staub gemacht. Der Schmerz ist unerträglich!!!!!!!!!!

herta2

Simplemind66
26.12.2011, 13:38
:weißekerze:für deine Mama

:in den arm nehmen: für Dich

mipp
28.12.2011, 15:48
Hallo herta 2,

mein tief empfundenes Beileid. Ich weiß, wie du dich fühlst, es ist absolut furchtbar, wenn die Mama einfach nicht mehr da ist. Schlagartig fehlt der Mensch, der dich am besten und längsten kennt, der dich bedingungslos liebt und immer da ist, wenn du jemand brauchst. Da ist auf einmal nur noch Leere.

Ich wünsche dir liebe Menschen, die dir in deiner Trauer zur Seite stehen.

Hier kannst du über deine Trauer schreiben, hier kannst du auch weinen und wehklagen, das hilft und tröstet.

Liebe Grüße
mipp