PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Mein Mann ist tot



britte
27.09.2007, 14:34
Am 3. August ist mein Mann im Alter von 53 Jahren völlig unerwartet gestorben. Er war ein paar Tage lang im Krankenhaus, weil der Verdacht auf eine Virusinfektion vorlag und der Hausarzt meinte, die sollen dort mal genauer nachschauen, was er hat. Doch auch im Krankenhaus hat keiner das Ganze als bedrohlich angesehen. Es liefen die üblichen Untersuchungen. Die Schwester hielt es nicht einmal für nötig ihm beim Waschen behilflich zu sein, da er doch im Zimmer "rumspringe". Am nächsten Morgen kam ein Anruf aus der Intensivstation, dass er in einen septischen Schock gefallen sei. Ich verbrachte den ganzen Tag bei ihm auf Intensiv; Man tat alles, um ihn wieder zu stabilisieren. Abends um 23Uhr ist er gestorben. Er hat auf keine Behandlung mehr angesproche.
Am Tag vorher hat er noch Zukunftspläne geschmiedet, wenn es ihm wiederbesser geht.
Die erste Zeit nach seinem Tod war angefüllt mit Besuchen, Telefonaten, Organisatorischem,... Jeder wollte helfen. Die Verwandten, also seine Eltern und Geschister kamen 500km weit angereist. Irgendwie war ich wie aufgezogen. Ich hatte keinen Hunger mehr, brauchte kaum mehr Schlaf. Tausend Gedanken schwirrten mir im Kopf rum. Verschiedenste Gefühle lösten einander ab.
Ich blieb fünf Wochen von der Arbeit zuhause, solange bis meine drei Kinder wieder Schule hatten. Seit drei Wochen arbeite ich wieder.
Sechs Wochen lang hat sich die ganze Welt irgendwie nur um den Tod meines Mannes und um unseren Verlust gedreht. Danach wurde plötzlich alles um uns herum ganz ruhig. Die Welt drehte sich für alle weiter, nur unsere alte Welt gibt es nicht mehr.
Ich denke, jetzt bin ich im Alltag angekommen. Ich spüre jetzt einen Schmerz, den ich in dem ganzen Trubel nie in dieser Dimension wahrgenommen habe. Für meine Arbeit und meine KInder (18, 16 und 10 Jahre) funktioniere ich so gut ich kann. Doch in jeder halbwegs ruhigen Minuten schreit mein Inneres vor Schmerz.
Mir wird jetzt erst wirklich bewußt, wie groß unser Verlust ist. An so vielen Kleinigkeiten.
Ich bin froh, dass ich auf dieses Forum gestoßen bin, da ich den Eindruck bekommen habe, dass es hier vielen Nutzern ähnlich geht oder ging.
Danke, dass ich mal alles rauslassen konnte!

teichmuschel
27.09.2007, 15:59
Liebe Britte,

es tut mir unendlich leid für Dich und Deine Kinder. Es ist kaum auszuhalten einen geliebten Menschen, der einen viele viele Jahre im Leben begleitet hat so zu verlieren.
Ich würde Dir gerne ein paar tröstende Worte schreiben - aber ich finde keine.
Ich denke an Euch und wünsche Euch alles erdenklich Gute für die kommende Zeit, vor allen Dingen Kraft und Zuversicht Euch in eurer neuen Welt zurecht zu finden.
Schreiben war für mich in der Vergangenheit auch eine gute Möglichkeit meine Trauer immer wieder ein kleines Stückchen zu bewältigen.
Lass Dich ganz vorsichtig drücken und liebe Grüße
Birgit

Elch
27.09.2007, 16:51
Liebe Britte,

ich denke an dich! Es tut mir so leid für dich und für euch. Ich selbst habe bisher "nur" den Tod meiner Mutter (mit 57 Jahren) miterleben müssen, nicht den Tod meines Partners.
MIr vorzustellen, wie das ist, bricht mir allein schon das Herz.

Ich wünsche dir viel Kraft!
LG, Elch

Tirina
27.09.2007, 17:28
Liebe Britte,

es tut mir sehr sehr leid für dich und deine Kinder. Es ist so unendlich schwer zu verstehen.

Die richtig schlimme Zeit kommt erst, wenn Ruhe eingekehrt ist, so wie bei dir jetzt. Meine Kinder waren damals 7 und 8 Jahre und für beiden hat geholfen, dass sie so kleine Sachen auf das Grab meines Mannes gestellt und ihm Bilder gemalt haben.

Ich selbst musste natürlich stark sein, ich konnte ja schlecht umfallen oder so. Mir haben meine Freunde geholfen. Ich konnte sie zu jeder Tages- und Nachtzeit anrufen. Menschen, die ich eigentlich früher nicht leiden konnte, haben mich einfach so in den Arm genommen und gesagt, wie leid ihnen das alles tun würde. Meine Kollegen haben mich, wenn ich einen Sch...tag hatte (und davon gab es weiß Gott viele) in Ruhe gelassen und mich einfach meine Arbeit machen lassen.

Man muss trauern, solange man selbst das für richtig hält und sich nicht von anderen Menschen drängeln lassen.

Sei ganz lieb umarmt und gedrückt.

Tirina

Inaktiver User
28.09.2007, 14:50
Liebe Britte, obwohl ich nie in einer ähnlichen Situation war, rührt mich dein Beitrag sehr. Mir kommen beinahe die Tränen, weil du den Verlust so plastisch beschreibst.


Ich denke, jetzt bin ich im Alltag angekommen. Ich spüre jetzt einen Schmerz, den ich in dem ganzen Trubel nie in dieser Dimension wahrgenommen habe. Für meine Arbeit und meine KInder (18, 16 und 10 Jahre) funktioniere ich so gut ich kann. Doch in jeder halbwegs ruhigen Minuten schreit mein Inneres vor Schmerz.

Eine ganz besonders schwere Situation und es kostet sicher viel Kraft auf der Arbeit und mit den Kindern die Fassung zu bewahren. Kannst du denn mit den Kindern zusammen trauern? Weint ihr zusammen? Sehr persönliche Frage, aber manche Kinder sind in solchen Situationen sehr einfühlsam.
Dein Inneres aufgewühlt und voller Schmerz. Natürlich. Und gerade die Kleinigkeiten, an die man sich erinnert, tun weh.
Die Frage ist, was dir gut tut. Wie du am besten trauern kannst. Was kannst du gar nicht vertragen? Vielleicht hilft es dir auch etwas aufzuschreiben (einen Brief an deinen toten Mann), ein Bild zu malen, einen Baum zu pflanzen..
Ich wünsche dir ganz viel Kraft und auch den Mut über schmerzhafte Dinge zu sprechen, was du ja hier schon getan hast. Das ist doch erst einmal sehr positiv.
Ganz liebe Grüße aus Holland
Steffi

britte
28.09.2007, 18:10
Hallo zusammen,
danke erstmal für die lieben, einfühlsamen Antworten!
Am Anfang, kurz nachdem mein Mann starb, zeigten meine Kinder eine große Verbundenheit. Wir wirkten, wie mir einige Menschen sagten, sehr zusammengehörig bei der Beerdigung. Mein großer Sohn nahm mich auch erstmal in den Arm, nachdem er erfahren hatte, wie schlecht es seinem Vater ging (er war zu dem Zeitpunkt bei einem Rockfestival weit weg und musste erst zurückkommen) und sagte: Mama, ich pass auf euch auf. Auch meine 16-jährige Tochter und mein 10-jähriger Jüngster waren unter Schock. Doch mittlerweile gehen besonders die beiden Großen wieder ihre eigenen Wege. Sie gehen beide auf eine neue Schule, die sie sehr fordert und ansonsten sind die Freunde natürlich sehr wichtig. Vor ein paar Tagen fragte ich mal meine Tochter, wie es ihr so geht mit dem Tod ihres Papas. Sie wollte aber nicht darüber reden und sondert sich auch sonst viel in ihrem Zimmer ab. Mein Jüngster hat Probleme in Deutsch. Seit die Schule wieder losging sind die Hausaufgaben eine Quälerei. Er hat auch schon zwei schlechte Diktate geschrieben; er kann sich einfach nicht konzentrieren. Seinen ganzen Frust bekomme ich ab. Das ist ja irgendwie normal, doch langsam wächst mir alles über den Kopf. Die Nerven liegen einfach blank. Erst heute hat mir mein Jüngster gesagt, dass mit Papa alles viel schöner war und ich ihn nur quälen würde. Ich glaube, er will einfach wieder unser altes Leben zurück, doch das kann ihm keiner geben. Ich hätte es ja auch gerne zurück.
Aufs Grab geht keiner von den dreien gerne. Mein Jüngster sagte mal: Mama, was soll ich da. Da liegt ja nur sein Körper. Papa ist jetzt im Himmel. Ich gehe meistens alleine und bin auch gerne dort. Ich denke, jeder von uns trauert ein Stück alleine.
Anfangs hatte ich den Anspruch, dass wir alles richtig gut regeln müssen, damit wir zurechtkommen; mit dem Haushalt usw. Doch das habe ich mittlerweile schon ein wenig abgelegt. Ich gestehe mir jetzt zu, dass bei uns vieles chaotisch abläuft, denn unser altes Leben gibt es nicht mehr und das neue Leben braucht Zeit.
Ich habe auch nicht genug Kraft viel mehr als das Nötigste durchzusetzen. Ich bin einfach selbst sehr dünnhäutig und jede noch so kleine Konfrontation mit einem meiner Kinder schlaucht mich total. Ich bin heute mittag, nach den Hausaufgaben nur noch dagesessen und habe geheult. Das sind dann die Momente, in denen man denkt: das schaff ich nie.
Aber irgendwie wird es schon weitergehn.
Danke fürs zuhören. Ich kann mich eigentlich überhaupt nicht leiden, wenn ih mich so schwach fühle, aber ich hoffe, es ist ok, dass ich dasalles geschrieben habe.
Liebe Grüße
Britte

Sternzeit2506
28.09.2007, 19:46
Liebe Britte,

zunächst einmal musst du dich niemals bei uns entschuldigen, für das was du hier schreibst. Hier darf jeder sagen, was er möchte und ich weiß selbst am besten wie gut es tut, sich hier einfach alles von der Seele zu schreiben. Gerade heute - an einem besonders schlechten Tag - habe ich das mal wieder voll in Anspruch genommen.

Ich habe eben über deine Kinder nachgedacht und daran, wie es mir ging, als mein Vater starb. Ich war damals 11 und meine Eltern waren geschieden, aber wenn ich so nachdenke, dann weiß ich, dass ich damals nicht an meine Mutter gedacht habe, sondern nur an mich und mein Leben. Von daher würde ich den Aussagen deines Kleinsten keine Bedeutung schenken, denn er meint es nicht so. Keine Bedeutung schenken, ist nicht richtig ausgedrückt, aber mir fehlt gerade das passende Wort. Ich denke, du weißt schon, was ich meine.

Ich wünsche dir ganz viel Kraft für die nächste Zeit. Ich bin noch nicht sehr viel weiter als du, aber ich weiß, dass es durchaus auch mal "gute Tage" gibt, auch wenn meist danach das Loch umso tiefer wird.

Ich drücke dich und sende liebe Grüße,
Sternzeit

LaDiva
28.09.2007, 21:17
Liebe britte!
es tut mir so leid für dich, dass du deinen Mann so früh verloren hast!! Ich weiß wie schwer es ist, wenn der Alltag wiederkommt. Alles geht seinen Gang und man meint, die Welt müßte doch stillstehen.
Ich habe keine Kinder und kann deshalb schwer nachvollziehen, wie du dich als Mutter fühlt. Ich kann dir nur sagen, dass ich mit 16 meinen geliebten Opa verloren habe. Trotz aller Trauer und der Tatsache, dass für eine Jugendliche das Leben weitergeht, wollte ich unbedingt alles tun, um meiner Oma das Leben nicht noch schwerer zu machen. Ich habe mir Sorgen um sie gemacht.
Ich denke, deine Kinder sorgen sich auch um dich und trauern gleichzeitig um ihren Vater.
Wichtig ist, dass du jemanden zum Reden und "Sich einfach gehen lasssen " hast?

Tirina
28.09.2007, 22:10
Vor ein paar Tagen fragte ich mal meine Tochter, wie es ihr so geht mit dem Tod ihres Papas. Sie wollte aber nicht darüber reden und sondert sich auch sonst viel in ihrem Zimmer ab. Mein Jüngster hat Probleme in Deutsch. Seit die Schule wieder losging sind die Hausaufgaben eine Quälerei. Er hat auch schon zwei schlechte Diktate geschrieben; er kann sich einfach nicht konzentrieren. Seinen ganzen Frust bekomme ich ab. Das ist ja irgendwie normal, doch langsam wächst mir alles über den Kopf. Die Nerven liegen einfach blank. Erst heute hat mir mein Jüngster gesagt, dass mit Papa alles viel schöner war und ich ihn nur quälen würde.

Mein ältester Sohn (damals 7) hat durch den Tod meines Mannes auch ziemliche Probleme gehabt, er war zwar in der Schule, aber nur körperlich anwesend, mehr nicht. Wobei dies nicht sein einzigstes Problem war, es kam halt nur wesentlich schneller zum Vorschein.

Mein Sohn hat sich mit mir auch nicht unterhalten, das konnte er gar nicht. Er hat das einfach ausgeblendet. Ich hab dann einen sehr guten Freund/Kumpel gefragt, ob er nicht mal versucht, sich mit ihm zu unterhalten, ganz unverfänglich. Mein Kumpel hat es wirklich geschafft, ihn zwischen Flapsereien und Videospielen usw. dazu zubringen, zu erzählen, von ganz allein. Mein ältester Sohn ist vielleicht dadurch ein totales Mamakind, auch heute noch, wo er fast 20 ist. :liebe:

Liebe Grüße

Tirina

Lisu
28.09.2007, 22:47
Liebe Britte,
fühl' dich gedrückt von mir.
Mein jüngerer Bruder starb vor mittlerweile 15 Jahren sehr plötzlich und unerwartet. Ich war damals gerade mit der Schule fertig. Meine Mutter hatte von Anfang an, eigentlich bis heute, ein sehr großes Bedürfnis, viel über unseren "Kleinen" zu sprechen, ihre Empfindungen mitzuteilen, ihren Schmerz zu artikulieren. Und ich - ich habe mich, so gut es ging, vor ihr verschlossen. Ich kann bis heute nicht erklären, aber ich hätte mir eher die Zunge abgebissen, als ihr etwas von meiner eigenen Innenwelt zu erzählen. Zuhören, das konnte ich, aber bis heute kann ich mit ihr nicht über meine Trauer sprechen.
Das habe ich mit Freundinnen und meinem Freund getan oder in Tagebüchern aufgeschrieben.

Fühl' dich nicht verletzt, wenn deine Kinder (noch) nicht mit dir über den Verlust ihres Vaters sprechen können. Sie wollen nicht abweisend sein, aber sie können im Moment vielleicht nicht soviel Nähe zulassen.

Setzt dich nicht unter Druck, stark sein zu müssen. Du hast wahrscheinlich gerade den dramatischsten Verlust erlebt, den man sich vorstellen kann.
Ich denke an dich!

Susanne

Leonie
29.09.2007, 01:05
liebe britte,

ich wünsche dir viel kraft :in den arm nehmen: :in den arm nehmen:

leonie

britte
29.09.2007, 08:15
Hallo Ihr Lieben,
erstmal danke dafür, dass Ihr bereit seid Euch so sehr in die Situation von anderen reinzuversetzen. Das finde ich total berührend und es tröstet auch ein wenig in dieser besch... Situation. Ihr habt doch selbst eigentlich genug zu tun mit Eurer eigenen Trauer und dem veränderten Leben.
Ich bin heute morgen recht down aufgewacht. Irgendwie saß mir der gestrige Tag noch in den Knochen. Aber im Moment, nachdem ich Eure Antworten gelesn habe, geht es mir irgendwie echt besser.
Das Schwierige in dieser Situation finde ich ist, dass es einerseits gilt mit der eigenen Trauer und mit dem eigenen Verlust leben zu lernen. Das ist schon schwer genug.
Andererseits empfinde ich aber auch eine riesige Last für meine Kinder, seit mein Mann nicht mehr da ist. Ich denke immer, ich muss jetzt aufpassen, dass nichts den Bach runter geht. Klar weiß ich, dass auch meine Kinder erstmal trauern und das Leben neu in den Griff bekoomen müssen. Aber dadurch, dass mein Jüngster eben grade in die 4. Klasse gekommen ist, in der sich die weitere schulische Laufbahn entscheidet, und die anderen Beiden eine neue Schule angefangen haben, belastet mich das doppelt. Ich habe da so ne richtige Panik in mir, dass etwas schief geht und ich bin schuld. Ich weiß selbst, dass das total bescheuert ist, aber das Gefühl ist an Tagen wie gestern einfach da. Alles ist zuviel und ich denke, das schaffe ich nie.
Genauso ist es mit dem Verteilen mit Pflichten im Haushalt. Das war bei uns schon immer ein Kampf, obwohl keines von den Kindern viel tun muss. Mein Mann und ich haben uns fast alles aufgeteilt. Aber selbst das Wenige, das jeder beizutragen hatte, war oft mit Stress verbunden. Jetzt, wo alles erstmal an mir hängt, kommt trotzdem kaum Bereitschaft von den Kids rüber mich zu unterstützen. Ich weiß, dass es jetzt an mir liegt neue Grenzen zu ziehen, aber irgendwie ist mir das alles zu viel. Ich fühle mich enttäuscht und habe nicht die Kraft die Situation konstruktiv anzugehen. Ich hoffe immer, es wird besser werden und nach und nach werden wir uns einspielen. Doch bei dem Chaos in mir drin frage ich mich auch: wie soll das gehen?
Ich wünsch Euch einen schönen Tag.

Liebe Grüße

Britte

Inaktiver User
29.09.2007, 17:44
Hallo britte:smile:

Eine schwere Bürde für dich,die Trauer in dir,die alltäglichen Probleme mit den Kindern.

Könntest du dich mit deinen Kindern nicht einmal zusammen setzen? Eine kleine Familienkonferenz halten.

Teil dich den Kindern mit wie du dich fühlst,deine Ängste nicht alles zu schaffen ,mit Haushalt und Schule und der großen Traurigkeit.

Frag sie doch was sie für Vorschläge haben,beziehe sie mit ein,in deine Gedankenwelt.
Kinder ob groß oder klein,haben ein gutes empfinden für solche Situationen und sicher auch eine Meinung dazu.

Auch inerhalb der Familie,kann man sich kleine Briefe schreiben,wenn es mit sprechen stockt. Oder ein großes Heft,in das jeder ab und zu etwas reinschreiben kann,wo jeder von euch darin lesen kann.

Es tut so weh,ich weiss. Ich gehe auch fast immer alleine zum Friedhof, meine Tochter sagte daselbe wie deine Kinder und sie haben recht.
Möglichkeiten ? Trost ? Ich bin mir auch nicht sicher,ob dir meine Gedanken etwas bringen.

Ich fühle mit dir, Gruß Melia :blumengabe:

Inaktiver User
29.09.2007, 19:58
Ich habe selbst keine kinder; kann daher zu dem thema kaum etwas sagen. Ich glaube aber das das trauern der kinder völlig anders ist, als dass der erwachsenen. Es gibt Bücher und Ratgeber für kindliche Trauer. vielleicht kannst Du Dir da helfen lassen, um nicht auch noch das thema alleine zu tragen.

Ricarda44
30.09.2007, 09:10
Guten Morgen, Ihr Lieben!

@ britte
Ja, es ist so: Kinder trauern anders.
Sie spüren den Verlust und sind eine ganze Zeit lang innerlich sehr traurig. Aber sie haben die Gabe, schneller als Erwachsene zum Alltagsgeschehen übergehen zu können. Sie sind noch im Wachsen und Reifen - vielleicht liegt es daran, dass auch ihre seelischen Wunden schneller verheilen. Ich hab's bei meinen gesehen und mich auch bei meinem Großen gewundert, wie schnell er zur Tagesordnung übergegangen ist.

Zunächst hab ich gedacht "Da kommt noch was", aber das hat er anders ausbalanciert. In dem Teeniealter spielen Freunde eine große Rolle, in deren Gruppe auch ein gewisses "Auffangen" statt findetet nach dem Motto "Wir sind trotzdem da". Ich glaube, Kinder haben einen größeren Pool, in den sie sich fallen lassen können.

Einige Monate nachdem mein Mann verstorben war, verstarb die Mutter eines Freundes meines Sohnes. Und irgendwie hatte er dann genug damit zu tun, seinem Freund zur Seite zu stehen. Wohl auch aus dem Wissen heraus, dass dieser es jetzt noch viel schwerer hätte als er.

Ich bin dankbar dafür, dass Kindern ein größerer Schutzmantel gegeben ist.

Dass Du, liebe britte, nun versuchen willst, dem Familienleben so annähernd einen Rahmen geben willst, der alle zusammen hält, auffängt usw., ja, das ist schon eine "innere Verpflichtung", die man trägt. Nur nichts den Bach runter laufen lassen.
Jaaa, ich kenne es auch.

Das ist in so fern gut, dass Du die volle Verantwortung übernimmst und Dich nicht jammernd in die Ecke wirfst und sagst "Ich schaff das nicht".

Doch, Du schaffst es!
Du schaffst es anders.
Es ist nicht Deine Aufgabe jetzt 2 Personen darzustellen, sondern es ist Deine Aufgabe dafür zu sorgen, dass Du Deine Energie behältst und drauf vertraust, dass eines Tages wieder ganz viel Normalität in Deinem Leben Platz haben wird.

Undenkbar?
Ja. Gebe ich Dir recht.
Jetzt, zu diesem Zeitpunkt ist es noch so.
Du fühlst es noch ganz anders.

Ich kann Dir nur aus der Ferne sagen: Es wird wieder besser.
So oberflächlich wie sich diese Worte anhören mögen, es sind einfach Tatsachen, die ich Dir berichten kann, da ich so eine Zeit selbst durchlebt hab.

Wenn Du was gut machen willst, dann versuche nicht, perfekt sein zu wollen. Sei gut zu Dir und das wird sich auch auf das Wohlfühlen Deiner Kinder auswirken.

Dass mit dem lieben Deutsch und Deinem Jüngsten - ja, das solltest Du als größte Aufgabe annehmen. Suche mit ihm gemeinsam Hilfe. Gibt es in der Schule Fördermöglichkeiten? Sind Freunde vorhanden, die gegen ein geringes Entgelt helfen würden. Wie sieht es aus mit Schülerhilfe?

Weißt Du, man muss nicht vom Leben erwarten, dass alles glatt geht. Selbst wenn alle Möglichkeiten, die Ihr findet, um Deinem Spross deutschmäßig in die Spur zu helfen, nichts nützen - hehe, dadurch wird er kein schlechterer Mensch. Davon geht die Welt nicht unter und auch niemand bricht sich dadurch das Bein.

Verspannt Euch deswegen mal nicht so dolle. Aber wie ich das so raus lese, seid Ihr schon ziemlich verbiestert darin. Mach Deinem Sohnemann begreiflich, dass es nicht das wichtigste im Leben ist, in Deutsch Einser und Zweier zu schreiben, sondern dass er immer mit der Wichtigste in Deinem Leben sein wird.

Für alles andere findet man Lösungen oder auch nicht. Was Bestand hat, ist Eure Mutter-Kind-Beziehung. Eine Zensur ist nur eine Äußerlichkeit, die von irgendwem von außen aufgedrückt wird auf Grund irgendwelcher Festlegungen, die irgendwer getroffen hat.

Das ist nichts, was man nicht klären kann. Ihr werdet Wege finden. Aber versucht beide, aufzuhören Euch deswegen zu verkrampfen. Damit würdet Ihr die Unzufriedenheitsspirale nur noch höher schrauben.
Ich würde auch mal mit Lehrer/Lehrerin sprechen und fragen, ob es die Möglichkeit gibt, dass Sohnemann mal z. B. über einen Aufsatz, den er zu Hause schreiben darf, eine gute Note zu bekommen, die ihn wieder motiviert. Und wenn möglich zu einem Thema, das ihm Spaß macht (Hobby zum Beispiel).

Ich denke, wenn er wieder Motivation hat, ist er auch viel zugänglicher und sieht bei dem Wort "Diktat" nicht gleich rot. Wir haben alle irgendwann mal 'n Brett vorm Kopf, wenn uns etwas so geärgert hat, dass wir nur noch aggressiv drauf reagieren können.

Das wäre so mein Rat für Dich, liebe britte: Entspann Dich. Dann wird es Stück für Stück einfacher.
Und wenn die Kinder nicht über Trauer und Papa sprechen möchten, dann ist das halt so. Sie kommen von alleine, wenn ihnen was durch den Kopf geht und sie es rauslassen möchten. Sie wissen ja, wo Du bist.

Denkst mal drüber nach, ja?

Liebe Grüße!

wanderin
01.10.2007, 22:51
Liebe Britte!
Ich fühle so mit Dir mit. Mein Mann ist am 11.8. gestorben.Ich hab kein wirkliches Leben mehr danach.Es ist alles anders.Ich habe ähnliche Dinge im Krankenhaus erlebt.(Ich glaube, wahrscheinlich sollte man das nicht sagen, dass in den Krankenhäusern von den Ärzten sehr viele Menschen legal ermordet werden).Was das Schlimme ist, dass es so sinnlos ist etwas dagegen zu unternehmen, weil mein Mann deswegen nicht mehr lebendig wird und er endgültig tot ist.Ich wollte ihn doch immer beschützen,ihn lieben, für ihnda zu sein. Und dann konnte ich nichts mehr tun. Es ist schön,dass Du Kinder hast, Du hast so vieles noch von Deinem Mann, sie sind da,Deine Kinder,eure Kinder. Pass gut auf sie auf,liebe sie,Dein Mann würde sich so freuen darüber.Ich hab "nur" Hund und Katz und bin auch froh darüber. Es ist etwas so Gemeinsames, unsere Tiere, die wir gemeinsam geliebt haben, auf sie muss ich aufpassen ganz im Sinn von meinem lieben Mann.
Bitte verzweifle nicht,Bussi Deine Wanderin
Übrigens: Es ist das erste Mal,dass ich mir nicht nur meinen Schmerz in diesem Forum von der Seele schreibe,sondern versuche auch auf andere Sorgen einzugehen.Ist das der erste Schritt ins Leben? Vielleicht können wir gemeinsam wieder Schritte ins Leben machen?

britte
03.10.2007, 09:30
Hallo zusammen, erst mal danke für die vielen Antworten. Ich komme erst heute wieder dazu mic mit etwas Ruhe an den PC zu setzen und zu antworten. Ich wollte dies nicht mit Hektik tun.
@ Ricarda
Danke für Deine Tipps. Du hast es richtig erkannt, die Panik saß mir letzte Woche total in den Knochen. Ich hatte einfach keine Kraft all den Alltagsproblemen entgegenzutreten. Das Wochenenende verlief dann etwas ruhiger und sehe da, auch das Verhältnis zu meinen Kindern entspannte sich. Ich glaube, ich muss in erster Linie immer wieder darauf achten, dass bei all dem Schmerz und all dem Chaos und all dem Neuen immer wieder etwas Ruhe reinkommt. Wenn es mir einigermaßen geht, dann geht es auch den Kindern besser.
@Wanderin
Danke für Deine Antwort. Ich denke auch, dass es ein richtig gutes Zeichen ist, dass Du außerhalb Deines Thread geantwortet hast. Ich glaube das selbst erlebte Leid macht uns bestimmt auch stärker und fähiger, um anderen in ähnlichen Situationen eine echte Hilfe sein zu können. Ich würde Dich gerne auch ein Stück begleiten.
@ alle
Ich wünsche Euch einen schönen sonnigen Tag, an dem Ihr all das leben könnt, was in Euch ist: egal ob lachen oder weinen.
Liebe Grüße
Britte

schach_ulla
03.10.2007, 22:18
Liebe Britte, liebe Wanderin,
ich fühle so mit euch. Mein Mann ist am Samstag gestorben und ich kann gar nicht aufhören zu weinen.
Ich hoffe, es ist ok, wenn ich mal etwas länger die ganze Leidensgeshichte erzähle. Ich muss mir das einfach mal von der Seele schreiben:
Im April bekam er die Diagnose, dass er Darmkrebs hat. Ich verdrängte das, da ich im Internet gelesen habe, dass Darmkrebs, wenn er rechtzeitig entdeckt wird, heilbar sein kann. Und so dachte ich, er bekommt Chemo, Strahlen und dann wird der böse Tumor wegoperiert. Aber leider kam es ganz anders. Mein Mann bekam zwar Chemo und Strahlen und der Tumor wurde auch im August wegoperiert. Aber kurz nach der Operation bekam ich einen Anruf von dem Arzt und er sagte unumwunden: "Es sieht nicht gut aus. Der Krebs hat gestreut und hinter dem Bauchfell sind Metastasen". Ich war total geschockt und in der Intensivstation bei meinem Mann habe ich nur geweint. Er wusste es noch nicht und hat mich getröstet und meinte, alles wird gut. Der Arzt sagte mir, ich solle ihm nicht erzählen, wie schlecht es um ihn steht. Außerdem meinte er, dass man, wenn es ihm besser geht, den Krebs mit einer erneuten Chemo verkleinern und das Leben verlängern kann.
Aber es wurde nie richtig besser. Nach 40 Tagen konnte mein Mann endlich das Krankenhaus verlassen und war dann bei meinen Eltern, da ich etwas weiter weg arbeiten musste. Hätte ich gewußt, wie kurz er noch lebt, ich hätte unbezahlten Urlaub genommen. Aber die Ärzte sagten, er könnte mit dem Krebs noch einige Zeit leben (es klang wie mehrere Monate oder Jahre) und auch mein Mann sagte (inzwischen hatte ihm eine unsensible Ärztin gesagt, dass er Metastasen hat), ich solle arbeiten.
Bei meinen Eltern ging es ihm richtig gut und wir machten uns alle Hoffnungen. Doch dann ist er letzten Mittwoch hingefallen, da seine Beine ihn nicht mehr getragen haben und kam für einen Tag ins Krankenhaus. Die konnten aber nichts für ihn tun und er kam in ein Hospitz. Dort ging es ihm 2 Tage gut (ich kam Donnerstag abend und er machte viele Pläne. Er sei nicht ins Hospitz gekommen um zu sterben). Am Samstag aber begrüßte er mich mit den Worten "Heute habe ich einen schlechten Tag". Und am Nachmittag konnte er dann nicht mehr und starb in meinen Armen. Ich bin so schrecklich traurig und hilflos. Hätte ich ihm helfen können? Warum war ich nicht länger für ihn da, ich hätte doch den Job für einen Monat aussetzen können.
Ich hoffe, er ist an einem Ort, wo es ihm gut geht.
Ich fühle mich leer und bin so dankbar, dass meine Eltern für mich da sind. Aber mein Mann fehlt mir so sehr.
Viele Grüße
Ulla
(und sorry, dass es so lang geworden ist)

Tirina
03.10.2007, 23:10
[QUOTE=schach_ulla]Liebe Britte, liebe Wanderin,
ich fühle so mit euch. Mein Mann ist am Samstag gestorben und ich kann gar nicht aufhören zu weinen./QUOTE]

Liebe Schach_Ulla,

es tut mir unendlich leid für dich. Ich kann dir gar nicht weiter helfen als dich ganz fest zu umarmen.

Liebe Grüße

Tirina

britte
04.10.2007, 10:39
Liebe Ulla,
erstmal finde ich es sehr gut, dass Du Dich gleich in diesem Forum angemeldet hast. Der Tod Deines Mannes ist noch so frisch. Es gibt so viele Fragen, so viele Dinge, die getan und organisiert werden müssen. Ich kann Dich so gut verstehen.
Auch bei meinem Mann gab es im Behandlungsverlauf einige Ungereimtheiten. Noch einen Tag vor seinem Tod sagte mir eine unsensible Krankenschwester, die ich bat ihm beim Waschen behilflich zu sein: "Wieso soll ich dem Mann helfen, der springt doch noch im Zimmer rum." Ich war fassungslos, da ich ja sah, dass es ihm sehr schlecht ging. Mein Mann reagierte allerdings ganz anders, als ich ihm davon erzählte. Er sagte nur: "Das ist nicht schön; Gott vergib ihr." Ich war damals ganz erstaunt, denn normalerweise reagierte er nicht auf diese Art und Weise.
Die eigentliche Todesursache wurde dann erst bei einer Obduktion festgestellt. Meine Hausärztin brachte mich in einem Gespräch darauf, dass er, wohl aus Unwissenheit, auch noch mit den falschen Medikamenten behandelt wurde. Ich war im ersten Augenblick nur noch entsetzt und sauer. Doch mittlerweile habe mich etwas beruhigt. Ich denke, die Ärzte sind auch nur Menschen. Sie behandeln Symptome, sie untersuchen der Reihe nach, sie haben Prognosen, die aus ihren Erfahrungswerten stammen.
Doch jeder Mensch ist anders.
Mein Stiefvater starb vor vier Jahren an einer ähnlichen Krebserkrankung wie Dein Mann. Zuerst haben sie sechs Wochen lang alles mögliche untersucht - ohne Befund. Dann haben sie den Bauchraum geöffnet und starken Krebsbefall festgestellt. Er hat dann nur noch eine Chemo überlebt. Auch bei ihm sagte eine Arzt einen Tag vor seinem Tod, dass die wirkliche Leidenszeit noch vor ihm liegen würde. Zwölf Stunden später war alles vorbei. Keiner von uns konnte bei ihm sein. Die Krankenschwester fand ihn tot in seinem Bett.
Liebe Ulla, bitte mach Dir keine Vorwürfe, dass Du keinen Sonderurlaub genommen hast. Das ändert nichts mehr, es quält Dich nur. Dein Mann hat ja selbst zu Dir gesagt, Du sollst arbeiten gehen. Auch mein Mann wollte das bei mir. Ihr habt Euch auch aus der Entfernung gegenseitig gestützt. Ich denke, Dein Mann hat auch bis zum Schluss gekämpft; am letzten Tag merkte er dann wahrscheinlich, dass seine Kraft zu Ende ist. Er hat auf Dich gewartet und ist in Deinen Armen eingeschlafen. Sei dafür dankbar. Ich bin so froh, dass ich meinen Mann in dieser Stunde begleiten durfte. Meine Mutter weint noch heute darüber, dass sie es bei meinem Stiefvater nicht konnte.
Versuch jeden Tag für sich zu überstehen, nimm Hilfe an, wenn sie Dir angeboten wird. Es tut total weh alleine weiterleben zu müssen, aber irgendwie werden wir es schaffen.
Sei ganz lieb gegrüßt,
Britte

schach_ulla
04.10.2007, 13:24
Liebe Tirina, liebe Britte,
vielen Dank für eure tröstenden Worte. Es tut gut zu wissen, dass man nicht alleine ist und andere mit einem trauern.
Ich war mit meinem Mann 7 Jahre verheiratet, insgesamt kannten wir uns 10 Jahre. Ich bin dankbar für jedes einzelne Jahr aber um so schlimmer fühle ich mich jetzt.

Seid auch gedrückt
Ulla

SusanneS.
07.10.2007, 12:27
Liebe Britte, Liebe Wanderin - liebe Schach-Ulla

erst mal: lasst euch einfach mal in den Arm nehmen und drücken.
zweitens: ich finde es gut, dass ihr eure Trauer offen in Worte fasst

Mein Mann starb vor 12 Jahren an Krebs - ich wurde zwei Tage später 21, die Jungs waren 8, 6 und 3.

Wie Britte empand ich auch....6 Wochen wurde ich in Watte gehüllt und danach sollte der Alltag anfangen. Dabei hatte ich doch meinen Alltag verloren und es hat ziemlich lange gedauert, bis ich wieder einen neuen - meinen Alltag gefunden habe.
Oft stand ich gefühlmäßig am Abgrund ohne Halt - aber irgendwie ging es doch weiter.
Von heute aus gesehen fehlen meinem Leben etliche Monate. Ich kann mich kaum daran erinnern. Es sind Bruchstücke....

Aber langsam, ganz langsam sind meine Füße auf einem Boden gelandet auf dem ich Stehen konnte. Und irgendwann wollte ich auch wieder.

Ehrlich gesagt fand ich damals den Satz : Zum Glück hast du deine Kinder! nicht immer hilfreich. Manchmal dachte ich, wenn sie nicht wären, müsste ich mich nur um mich kümmern....(aber das waren nur Momentaufnahmen - ich bin froh, dass ich sie habe - wir uns haben)

Was ich heute weiß: Jeder hat seine eigene Art zu trauern. Und jedem sollte die Möglichkeit dazu gegeben werden. Kämpft dafür.

In einem Buch las ich damals den Satz: Gut wird es nie mehr.
Diesen Satz habe ich lange auch gesagt - heute nicht mehr. Mein Leben ist gut, das Leben meiner Jungs ist gut.
Es ist nicht das Leben von vorher und wäre er nicht gestorben wäre mein /unser Leben heute ganz anders.
Aber trotzdem ist es gut.
Es hat keinen Sinn über hättste, wennste, wärste nachzugrübeln.

Es gibt einen Mann in meinem Herzen - und es gibt immer den Platz in meinem Herzen für meinen verstorbenen Mann. Er hat seinen Platz in unserem Leben - und es kommt trotz allem vor, dass die Trauer um ihn ihre Zeit fordert - auch heute noch.

Aber wie gesagt: mein Leben ist gut. Es war eine schreckliche Erfahrung - sie hat unser Leben nachhaltig geprägt. Aber sie hat uns eben auch zu den Menschen gemacht, die wir heute sind - und das meine ich durchaus positiv.

Es gibt Menschen, die alle Erinnerungen wegräumen müssen, andere lassen alles unverändert. Gesteht euch und euren Kindern zu so damit umzugehen, wie ihr selbst das braucht.

Ich habe Stunden auf dem Friedhof zugebracht - irgendwann war das vorbei. Meine Söhne waren nur sporadisch - und meist allein. Wenn sie halt was ganz spezielles mit Papa bereden wollten. Wobei wir alle vier davon überzeugt sind, dass im Grab kein Papa ist. Der ist bei Gott - der zugelassen hat, dass wir ohne Mann / Papa weiterleben müssen - der uns aber durch diese Zeit hindurchgeholfen hat.

Und wenn euch jemand von außen sagt, ihr müsst euch so oder so verhalten....pfeift drauf. Ihr müsst heute überstehen und morgen. Und das müsst ihr - allein. Also auf die Art und Weise wie es euch gut tut. Das könnt nur ihr alleine herausfinden.

Und das fängt schon bei den !Äußerlichkeiten! an. Ich hätte mir nie vorstellen können schwarz zu tragen - und konnte nach dem Tod meines Mannes nichs farbiges an mir haben. Für mehrere Monate. Es wurde Frühling bis irgendwann der Wunsch kam: jetzt . Ich war beim Friseur, ging nach Hause und räumte den Schrank um. Bis dahin hatte ich schon oft gehört: komm doch mal aus dem Schwarz raus. Aber es hat einfach bis zu diesem Tag gedauert.....

Ich wünsche euch ganz viel Kraft!

Seid ganz lieb gegrüßt

Susanne

britte
07.10.2007, 20:06
Liebe Susanne,
erstmal danke für Deinen Beitrag. Ich kann mich in vielen von Deinen Äußerungen wiederfinden und das ist sehr wohltuend.
Auch ich kenne den Gedanken: Ohne die Kinder hätte ich es leichter. Ich hatte den Gedanken immer dann, wenn ich keinen Boden mehr unter den Füßen fühlte und das Gefühl hatte, dass mir alles über den Kopf wächst. Vor einigen Tagen war das noch so.
Aber natürlich würde ich meine Kinder in Wirklichkeit niemals missen wollen. Sie sind das Liebste, was mir noch geblieben ist und ich weiß, dass es ohne sie viel schwerer wäre.
Gefühlsmäßig bin ich auch sehr, sehr wackelig, mal denke ich etwas positiver und kann auch mal über was lachen und dann gibt es wieder Stunden voll Schmerz und Trauer. Ich versuche jetzt auch bewußt einen Tag nach dem Anderen zu überstehen und freue mich, wenn alles gut gelaufen ist. Ein Tag, dafür reicht meine Kraft immer gerade aus. Wenn es mir ganz schlecht geht, hilft mir mein Trauertagebuch am meisten. In ihm kann ich alles Gedanken niederschreiben und vieles ein wenig besser verarbeiten.

Auch ich fand schwarze Kleidung bisher absolut unpassend für mich. Ich habe mich darin nie wohlgefühlt. Seit mein Mann gestorben ist, habe ich immer dunkle Sachen an. Helle Kleidung entspricht nicht meinem Lebensgefühl.

Ja so ändert sich das Leben. Ich habe den Eindruck, auch die Trauer ändert sich immer wieder. Aber, nachdem ich ein paar bessere Tage hinter mir habe, hoffe ich, dass unser Leben irgendwie und irgendwann auch wieder gut sein kann.
Das wünsche ich Euch allen von ganzem Herzen.
Liebe Grüße
Britte

schach_ulla
07.10.2007, 22:41
Liebe Susanne,
vielen Dank für das in Armnehmen, das kann ich jetzt sehr gut brauchen.
Am Dienstag ist die Beerdigung von meinem Mann und ich habe etwas Angst davor. Angst, dass ich zusammenbreche.
Immer wenn ich morgens aufwache, hoffe ich, dass es nur ein Albtraum war, aber leider ist es das nicht. Es ist noch alles so frisch und ich bin froh über die schönen Erinnerungen, aber wenn ich dann daran denke, was wir noch alles machen wollten, dann fange ich wieder an zu weinen.
Wird man jemals wieder normal leben können?
Zum Glück habe ich meine Eltern und viele liebe Menschen, die mit einem trauern. Auch habe ich eine kleine Patentochter, so habe ich wenigstens ein Ziel für das es sich lohnt zu leben.
@alle: Seid alle herzlich gegrüßt. Ich wünsche uns allen Kraft, dass wir damit zurecht kommen. Ich glaube auch, tief in mir drinnen ist Kraft aber momentan versteckt sie sich.

LG Ulla
:wie?:

britte
08.10.2007, 19:18
Liebe Ulla,
ich denke ganz fest an Dich und wünsche Dir ganz viel übernatürliche Kraft für diesen schweren Tag morgen.
Alles Liebe
Britte

Inaktiver User
08.10.2007, 22:15
Liebe Britte,

ich möchte nur kurz einwerfen: Kannst du dir nicht auch etwas Hilfe organisieren? Ich meine das ganz pragmatisch. Eine Freundin, die mal kommt und kocht für euch. Oder die einfach öfter da ist und vielleicht das Üben mit deinem Sohn übernimmt.

Nimm dir Zeit für dich. Die Trauer für drei Kinder mit zu übernehmen, kannst du nicht. Lass dir helfen. Ich glaube, das ist eine gute Gelegenheit, um Freunde um Hilfe zu bitten. Die guten Freunde werden da sein.

Ich wünsche dir alles Gute. Und schreib es dir von der Seele. Auch das hilft. Dafür ist dieses Forum wirklich gut.

:blumengabe:

schach_ulla
10.10.2007, 20:44
Liebe Ulla,
ich denke ganz fest an Dich und wünsche Dir ganz viel übernatürliche Kraft für diesen schweren Tag morgen.
Alles Liebe
Britte
Liebe Britte,
vielen Dank für deinen Zuspruch. Gestern war nun die Beerdigung und es waren ganz viele liebe Leute da. Fast meine ganze Familie, seine Schwestern, seine Kollegen und ganz wichtig ganz viele aus unserem Schachverein. Sogar Offizielle von unserem Landesverband. Und sogar mein Chef war da, obwohl er dafür über 500 km fahren musste. Es tat total gut, alle diese lieben Menschen zu sehen. Aber die Lieder und die Situation waren so traurig, dass ich ständig weinen musste. Und dann draußen am Grab, mensch das war so schwer.
Und heute ist es auch sehr schwer, ich bin total lustlos und traurig. Ich habe vorhin seinen letzten Liebesbrief gelesen, den er an mich geschrieben hat und der war so schön und so traurig gleichzeitig. Aber es hilft mir, an die schönen Stunden zu denken aber trotzdem ist es so ungerecht, dass ein geliebter Mensch mit so vielen Plänen für unsere Zukunft gehen muss. Ich hoffe, er sieht mich und kann mich trösten, doch momentan fühle ich mich so elend, dass ich nicht weiß, wie man mich trösten kann.
Vielen Dank an alle, die das hier lesen und darauf antworten. Es ist so tröstlich, wenn man sich alles von der Seele schreiben kann und weiß, andere sind in einer ähnlichen Situation und können trotzdem noch tröstende Worte finden. Ich bewundere eure Kraft und hoffe, dass meine auch wieder kommt und ich trauern kann und trotzdem weiterleben kann.

britte
11.10.2007, 19:36
Liebe Ulla, ich kann so gut nachfühlen, wie es Dir wohl zumute ist. Ich weiß noch genau, wie ich mich am Tag der Beerdigung gefühlt habe. All die Menschen, die ihm die letzte Ehre gaben, der Gottesdienst,... Als ich nach dem Beisammensein das erste Mal am Grab stand mit all den Kränzen und Blumen legte sich eine unheimliche Schwere auf mich. Heute denke ich, dass diese Schwere ein Teil meines neuen Lebens geworden ist. Mal spüre ich sie mehr, mal weniger.
Ich wünsche Dir ganz viel Kraft, Ulla, um jeden neuen Tag überstehen zu können.
Ich hatte diese Woche ein paar schmerzhafte termine zu überstehen. Ich musste zur Bank und zum Notar. Nachdem ich davor sogar ein paar bessere Tage hatte, hat mich das alles ziemlich zurückgeworfen. Die Trauer fühlt sich wieder genauso an wie am Anfang. Morgen habe ich noch einen besonders schweren Gang vor mir. Nachdem mein Mann so unvorhersehbar schnell im Krankenhaus gestorben ist, baten mich die Ärzte eine Obduktion machen zu dürfen, um die eigentliche Todesursache feststellen zu können. Schweren Herzens willigte ich ein; ich wollte auch wegen möglichen Familienkrankheiten für meine Kinder eine Antwort haben. Ja, das Ganze dauerte zwei Monate. Morgen habe ich einen Termin bei seinem Hausarzt, um die Ergebnisse zu besprechen. Irgendwie weiß ich, dass ich da durch muss, auch wenn da Ergebnis an seinem Tod nichts mehr ändert. Aber trotzdem habe ich wahnsinnige Angst davor. Ich nehme mir dieses Mal Verstärkung mit. Beim Notar war ich ganz alleine und danach ging es mir ziemlich schlecht.
Irgendwie ist das alles ganz schön sch.... Aber Euch geht es genauso. Es tut irgendwie gut zu fühlen, dass es Menschen gibt, die das alles wirklich verstehen. Und zwar deshalb, weil sie es selbst erlebt haben.
Ich wünsche Euch einen schönen Abend.
Liebe Grüße
Britte

Inaktiver User
12.10.2007, 07:46
Liebe Britte,
:in den arm nehmen: viel Kraft für heute!

LG,
malea

Inaktiver User
12.10.2007, 08:40
Ich :in den arm nehmen: dich auch mal.

schach_ulla
12.10.2007, 09:22
Liebe Britte,
ich wünsche Dir auch viel Kraft für heute. Es ist gut, dass Du nicht alleine dorthin gehst.:blumengabe:

Ich war mit meinem Vater zusammen bei einem Erbanwalt, da konnte ich auch nicht alleine hin. Da mein Mann kein Testament hat, müssen da einige Dinge geregelt werden, da seine Mutter sehr weit weg wohnt und sie keinen Kontakt hatten.
Und da ich das nicht alleine schaffe, habe ich mir einen Anwalt geholt.
Das dauert alles so lange und ich brauche den Erbschein jetzt so nötig, da da einiges Finanzielles dran hängt. Zu all dem Kummer kommen jetzt auch noch solche Probleme hinzu. Wir hatten eine Eigentumswohnung, die noch nicht abbezahlt ist, aber von einem Gehalt ist das so schwer zu bezahlen, außerdem haben wir noch andere finanzielle Belastungen, die ich jetzt alleine tragen muss. Ich weiß überhaupt nicht mehr, wo mir der Kopf steht, nur Probleme und ich brauche doch eigentlich die Zeit um zu trauern.
Viele Grüße an euch alle
Ulla

hexenpatti
12.10.2007, 09:37
Hallo zusammen , ich heisse patricia und mein Mann ist auch gestorben 8.8 .07 und es ist ein richtes tiefes loch entstanden ,wir haben auch kinder 5 und 3 jahre jung .mein Mann war herzkrank und er hätte auch schon ein kunstherz bekommen aber sein blut hat geklomt und so die maschine hat ausgesetzt und hat dabei schlanganfalle bekommen insgesammt 7 stück und er lag 3 wochen im koma ,ich weis nicht nicht wie es weiter geht kann nachts ni9cht schlafen tagsüber bin ich genervt usw.im schlafzimmer geh ich erst gar nicht rein ,der große sagt wenn ich von kiga nachhause komme steht papa wieder in der tür (ich sage dann papa kommt nicht mehr nachhause ,papa schaut dir von himmel raus runter .wir vermissen ihn so sehr ich muss leider unterbrechen bye ein lieben grüß zu euch

schach_ulla
12.10.2007, 18:31
Liebe hexenpatti,
sei ganz herzlich gedrückt :in den arm nehmen:

Ich konnte auch zuerst nachts nicht schlafen, hab dann ein pflanzliches leichtes Beruhigungsmittel genommen und dann ging es ganz gut. Hab es nur am Anfang genommen und kann jetzt ohne schlafen. Allerdings wache ich immer sehr früh auf.

Ich wünsche Dir ganz viel Kraft.

Lieber Gruß
Ulla

britte
13.10.2007, 21:45
Hallo zusammen,
erstmal danke für eure guten Wünsche und euer Mitgefühl.
Ich habe den Termin beim Hausarzt meines Mannes einigermaßen gut überstanden. Er war reht einfühlsam und hat sich viel Zeit genommen mir alles zu erklären. Herausgekommen ist, dass mein Mann im Grunde genommen schon vorher sehr krank war und schließlich eine bakterielle Infektion ihn das Leben gekostet hat. Das für uns alle so unfassbare, nämlich dass er so schnell stirbt, hätte zu einer anderen Zeit wohl genauso eintreten können. Ich habe ihn nie als so krank empfunden, er hat noch bis zwei Wochen vor seinem Tod gearbeitet. Im nachhinein kommt einem das eine oder andere Erlebnis in den Sinn und ich frage mich, ob er wohl geahnt hat, dass er nicht mehr viel Zeit hat.
Ich hatte die letzten zwei Tage Besuch von meiner Mutter, außerdem haben sich zwei meiner Kinder einen Magen-Darm-Virus eingefangen. Irgendwie ist das Leben schon seltsam. Manchmal tut mir die scheinbare Normalität des Alltags am meisten weh und ich weiß nicht, wie ich sie aushalten soll.
Ich wünsch euch ein schönes Wochenende mit viel Sonnenstrahlen für eure Herzen.
Liebe Grüße
Britte

schach_ulla
16.10.2007, 06:33
Hallo zusammen,
Britte, ich hoffe, deinen Kindern geht es wieder besser.

Ich bin gestern wieder arbeiten gegangen und es tat mir ganz gut. Aber abends fiel ich dann wieder in ein tiefes Loch und geschlafen habe ich auch nur einige Stunden, danach konnte ich nicht wieder einschlafen. Mir geht so viel im Kopf rum und jetzt am Morgen bin ich schon wieder total verzweifelt. Es wird alles schwerer statt leichter. Warum kann nicht etwas Schönes passieren, was mich ein bischen aufbaut? Ich weiß, es braucht alles Zeit, aber es ist trotzdem schwer.
Ich gehe gleich wieder zur Arbeit, wenigstens gelingt mir da einiges und ich sehe, dass es noch sinnvolle Dinge gibt, die ich hinbekomme.
Ich :in den arm nehmen: euch alle.
Viele Grüße
Ulla

britte
16.10.2007, 10:12
Liebe Ulla,
ich sitze auch bei der Arbeit und habe kurz ins Forum geschaut.
Bei mir hat es einige Zeit gedauert bis ich wenigstens bei der Arbeit einigermaßen entspannt war. Und auch das ist ganz unterschiedlich, je nach Tagesverfassung. Inzwischen bin ich richtig froh über meine Arbeitsstelle.
Was mir geholfen hat in meiner Verzweiflung war, dass ich versucht habe dieses Chaos in mir zu akkzeptieren. Mein Leben ist zerbrochen, ist Chaos pur. Und genauso sieht mein Inneres oft aus. Ich habe aufgehört dagegen anzukämpfen.
Lass Dir Zeit, Ulla. Dein Leben ist grade einfach besch... Irgendwann wird es uns wieder besser gehen.
Ich denk an Dich.
Liebe Grüße
Britte

Inaktiver User
16.10.2007, 10:32
Britte, ich umarm dich auch mal. Von ganzem Herzen. Es wird auch fuer euch die Sonne wieder scheinen. Viel Kraft und Mut !

Ganz liebe Gruesse,
Lunita (mit Traenen in den Augen)

Inaktiver User
16.10.2007, 10:32
Manchmal tut mir die scheinbare Normalität des Alltags am meisten weh und ich weiß nicht, wie ich sie aushalten soll.

Ja, das kenne ich.

Aber es ist ja auch nichts mehr so, wie vorher. Nichts ist mehr "normal". Nimm das - wenn es geht - einfach so hin. Vielleicht musst du bei Feiern plötzlich aufbrechen und gehen, wo du früher länger geblieben wärst. Oder oder oder...

Hört sich vielleicht blöde an, aber nimm dich ernst in diesem "neben dem Normalen stehen", schwing mit, wie es gerade kommt.

Ich glaube, wenn man versucht, auf Biegen und Brechen normal sein zu wollen, lebt man gegen sich. Es gibt immer Menschen, die Verständnis haben und Respekt haben, auch in dieser ungewöhnlichen Situation.

Irgendwann kommt wieder eine Normalität, ich meine aber, eine andere.

schach_ulla
20.10.2007, 17:26
Hallo ihr Lieben,
heute ist wieder ein ganz schwerer Tag für mich.
Erst einmal schlafe ich zur Zeit wieder viel zu kurz, ich glaube, ich sollte mal wieder eine Beruhigungstablette nehmen, ich habe nur immer so eine Angst, dann die Kontrolle zu verlieren, aber ich muss mal schlafen, sonst breche ich zusammen.
Dann habe ich noch eine Beileidskarte gefunden, die ich noch nicht gelesen hatte und die war so schön und traurig, dass ich schon wieder ganz bitterlich weinen musste. Wird es auch irgendwann besser? Ich würde so gerne ein bisschen etwas Schönes erleben und sei es nur, dass ich mich für jemand anderen freue oder so. Im Augenblick finde ich alles doof und mache mir über alles Sorgen. Aber das ist wohl auch ein Zeichen, dass mir noch nicht alles egal ist und das ist wohl ein gutes Zeichen.
Liebe Grüße
eine sehr traurige Ulla :heul:

Inaktiver User
20.10.2007, 17:28
Im Augenblick finde ich alles doof und mache mir über alles Sorgen.

Ein Spaziergang draußen?
Ein Besuch im Botanischen Garten?

Ich konnte es anfangs manchmal besser ohne Menschen aushalten.

schach_ulla
20.10.2007, 17:38
Liebe Zitronenmond,
ich hab gerade einen kleinen Spaziergang gemacht und es tat ganz gut. Ich bin zur Zeit auch ohne Menschen, da meine Eltern, bei denen ich am Wochenende bin, gerade weg sind.
Aber wenn ich alleine bin, dann verfalle ich ins Grübeln.

LG Ulla

Inaktiver User
20.10.2007, 17:53
Ich würde so gerne ein bisschen etwas Schönes erleben und sei es nur, dass ich mich für jemand anderen freue oder so.

Liebe Ulla :in den arm nehmen: ,

das hab ich letze Woche auch so gedacht und am 18. hab ich dann was ganz besonders Schönes erlebt. Du kannst es in Anita`s Strang nachlesen. Ich hab sehr sehr lange auf so etwas gewartet.
Ich wünsche dir und allen, die mitlesen, dass es euch ganz bald besser geht.

Liebe Grüße,
malea

Inaktiver User
20.10.2007, 18:05
Aber wenn ich alleine bin, dann verfalle ich ins Grübeln.


Jo, kenne ich auch.
Ich habe eine sehr gute Freundin, zu der kann ich sagen "Ich möchte heute einfach nicht alleine sein, ich möchte auch gar nicht groß reden, ich möchte einfach irgendwo dabei sein. Kann ich mit euch auf den Spielplatz... zum Grillfest... mitgehen?" Und das tat dann auch immer richtig gut. Weil man einfach anderen "Input" hat.

schach_ulla
20.10.2007, 18:16
das hab ich letze Woche auch so gedacht und am 18. hab ich dann was ganz besonders Schönes erlebt. Du kannst es in Anita`s Strang nachlesen. Ich hab sehr sehr lange auf so etwas gewartet.

Liebe malea,
ich hab dein Erlebnis gelesen und das klingt total schön.
Vielen Dank für die lieben Wünsche.

schach_ulla
20.10.2007, 18:18
Ich habe eine sehr gute Freundin, zu der kann ich sagen "Ich möchte heute einfach nicht alleine sein, ich möchte auch gar nicht groß reden, ich möchte einfach irgendwo dabei sein. Kann ich mit euch auf den Spielplatz... zum Grillfest... mitgehen?"
Ich versuche momentan auch viel zu machen, um nicht ins Grübeln zu kommen. Da ich aber so wenig schlafe, werde ich dabei leicht müde oder verliere die Lust und dann höre ich auf und fange wieder an zu grübeln.
Irgendwie dreht es sich dann im Kreis.

Inaktiver User
20.10.2007, 23:35
Naja, dann muss es sich jetzt wohl mal im Kreis drehen. :smile:

Ich glaube, ich habe niemals vorher so sehr vorgeführt bekommen, dass ich nichts in der Hand habe.
Manches muss man einfach aushalten.
Das ist das Schreckliche daran, glaube ich.

Susiheidrun
21.10.2007, 17:57
Liebe Unbekannte,
wir scheinen ein ähnliches Schicksal zu haben. Darum schreibe ich Dir, ich darf doch "Du" sagen? Am 22. August ist mein Mann im Alter von 53 Jahren gestorben, doch viel plötzlicher und unerwarteter als bei Dir. So wie es aussieht, hat er sich das Leben genommen. Er hinterlässt mich, gerade 50 Jahre alt geworden und vollkommen schockiert, und 3 Kinder (16, 16, 18). Es ist jetzt gerade zwei Monate her. Auch bei mir waren zunächst ganz andere Dinge akut, die mich von meiner Trauer etwas abgelenkt haben und auch noch ablenken. Doch allmählich ahne ich, was da Schreckliches auf mich zukommt. Ich kann den Schmerz, den ich empfinde, kaum beschreiben.

Vielleicht können wir uns ein wenig austauschen und gegenseitig trösten. Ich melde mich wieder bei Dir. Vielleicht lässt Du in der Zwischenzeit auch etwas von Dir hören.

Susiheidrun

britte
23.10.2007, 19:16
Liebe Susiheidrun,
ich denke auch, dass sich unsere Situation sehr ähnelt. Wie geht es dir denn gerade so? Wie reagieren deine Kinder? Du hast ja von mir bestimmt schon einiges gelesen.
Ich wünsch dir auf alle Fälle ganz viel Kraft jeden Tag durchzustehen.
Liebe Grüße
Britte

Liebe Ulla,
auch ich kenne das Gefühl, dass ich denke, der Schmerz in mir hört niemals auf. Ich kann mir überhaupt keine Zukunft vorstellen. Es reicht nicht mal bis zum nächsten Wochenende. Die Stimmung wechselt einfach zu plötzlich. Früher habe ich mich auf jeden freien Tag gefreut, aber heute habe ich mittlerweile richtig Angst davor. Die Wochenenden fühlen sich ganz anders an als füher. Es gibt sie nicht mehr. Urlaub, Weihnachten,..., alleine der Gedanke daran treibt mir die Tränen in die Augen. Und das, obwohl ich Kinder habe, die sich darauf freuen und die leben wollen. Aber etwas in mir kann da noch nicht mitmachen. Es ist ein Spagat.
Gut, dass es auch bessere Tage gibt.
Liebe Zitronenmond,
es tut gut zu lesen, dass wieder ein ,zwar anderes, aber normales Leben kommen wird. Auch wenn ich es mir überhaupt nicht vorstellen kann, es macht doch ein bischen Hoffnung, denn du hast das alles auch durchlebt. Danke für deine Teilnahme.

schach_ulla
23.10.2007, 20:57
Liebe Britte,
schön wieder von Dir zu hören.
Meine freien Tage verbringe ich zur Zeit damit, mich um meine Wohnung und die ganzen Papiere etc. zu kümmern. Somit ist ein freier Tag eigentlich viel schlimmer als ein Arbeitstag.
Ich habe in meiner Wohnung viele Erinnerungen an Wulf gefunden, z.B. Liebesgedichte von ihm und Fotos. Sie sind alle so schön und treiben mir dennoch die Tränen in die Augen.
Es war so eine schöne Zeit und nun ist sie plötzlich mit einem Schlag weg.
Aber andere hier im Forum haben es geschafft, wieder ein normales Leben zu führen und daran sollten wir uns aufrichten.
Wir schaffen es, auch wenn ich im Moment noch nicht sehe, wie aber wir werden es schaffen. Es tut gut, mich mit Dir und den anderen auszutauschen, man sieht, man ist nicht allein und andere haben einen ähnlichen Verlust erlitten und wir können uns alle gegenseitig trösten.
Sei ganz lieb :in den arm nehmen:
Ich wünsche Dir ganz viel Kraft (und mir auch).
Auf dem Bild ist meine Nichte, deren Patentante ich bin. Sie gibt meinem Leben noch einen Sinn und ich will versuchen, für sie da zu sein auch wenn ich sie nicht so oft sehen kann.
Liebe Grüße
Ulla

britte
24.10.2007, 10:18
Liebe Ulla,
danke für deine lieben Zeilen.
Ich glaube es auch. Wir werden es schaffen! Irgendwie.
Doch bis dahin ist wohl noch ein langer Weg.
Bei mir gab es auch schon bessere Tage. Tage, an denen ich, wie du auch, unheimlich viel Energie investierte in schriftliches und organisatorisches. Tage, an denen ich sogar Kleinigkeiten an der Wohnung veränderte. Doch weisst du, was ich vermisse? Mich mal ganz entspannt zurücklehnen zu können und den Augenblick geniesen können ohne dass gleich wieder tausende von Gedanken in meinem Kopf Purzelbäume schlagen. Ich sehne mich nach Ruhe, nach loslassen können. Und genau das kann ich nicht. Ich kann mich ablenken, ich kann furchtbar viel erledigen;... aber der Schmerz in mir lauert ständig im Hintergrund. Manchmal hilft es mir etwas an die frische Luft zu gehen, dann geht es ein bischen besser. Aber irgendwie bin ich anders geworden, mir selbst manchmal fremd. Ich war auch früher schon sehr selbstständig, habe alleine oder mit Kind Freunde besucht. Mein Mann war eher ein Stubenhocker und hatte oft keine Lust. Aber jetzt will ich oft niemanden mehr besuchen. Vielleicht ist es die Normalität der anderen, die für mich nicht mehr greifbar ist. Ich weiß auch nicht.

Ein anderer Teil in mir funktioniert noch. Es ist mir wichtig, dass es meinen Kindern gut geht und dass alles einigermaßen ok läuft.
Auch im Job geht es.
Doch sobald es ruhiger wird fängt es an weh zu tun.

Ich wünsche Dir liebe Ulla und all den anderen viel Kraft für heute.
Britte

schach_ulla
24.10.2007, 10:43
Doch weisst du, was ich vermisse? Mich mal ganz entspannt zurücklehnen zu können und den Augenblick geniesen können ohne dass gleich wieder tausende von Gedanken in meinem Kopf Purzelbäume schlagen. Ich sehne mich nach Ruhe, nach loslassen können. Und genau das kann ich nicht. Ich kann mich ablenken, ich kann furchtbar viel erledigen;... aber der Schmerz in mir lauert ständig im Hintergrund.

Liebe Britte,
mir geht es genauso. Ich möchte auch einfach mal nur ausspannen und den Augenblick genießen. Aber immer, wenn ich mal Ruhe habe, dann kommen die traurigen Gedanken und dann ist es vorbei mit der Ruhe.
Ich war auch immer sehr selbsständig, ich habe ja auch in der Woche in Wolfsburg gearbeitet (300km von meinem Mann entfernt) und es ging ganz gut, da wir immer telefoniert haben und die Wochenenden waren dann sehr schön.
Jetzt bin ich immer noch in Wolfsburg und an den Wochenenden erst mal bei meinen Eltern in Kiel.
Aber jetzt mag ich auch gar nichts so richtig machen. Ich merke aber, wenn ich z.B. spazieren gehe, dass mir die frische Luft gut tut aber ich tue mich immer so schwer, mich aufzuraffen.

Aber es muss für uns beide weitergehen, unsere Männer möchten das ganz bestimmt und sie wollen auch nicht, dass wir traurig sind. Aber es ist so verdammt schwer.

Trotz des Herbstwetters wünsche ich Dir und allen anderen ganz viele :Sonne:
Ulla