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Ila
21.09.2007, 19:03
...oder Auslandssemester? wäre uns eigentlich lieber - aber bringt ein halbes Jahr überhaupt was?
Und wo gibts Infos (allgemeiner Art, schulbezogen, Veranstalter, Erfahrungsaustausch mit Rückkehrern, worauf ist zu achten.....)

PowerToTheBauer
24.09.2007, 00:10
Liebe Ila,
meine beiden älteren Kinder haben ein Schul-Austauschsemester in den USA gemacht. Soll eine wunderschöne Zeit gewesen sein, die sie nicht mehr missen möchten! Sie haben nicht nur die Sprache perfektioniert, sondern auch sehr viel über Land/Leute und Geschichte der USA gelernt (auch das, was in den Geschichtsbüchern nicht unbedingt steht). Im Gegenzug hatte ich zwei Austauschschüler zu Gast, denen ich die deutsche Sprache und Geschichte und Lebensart nahe bringen konnte.
Leider hatte meine Jüngste nicht die Gelegenheit, an einem solchen Austausch teil zu nehmen. Ich hätte es ihr gewünscht, denn es bereichert!

Also hier eine Stimme PRO Auslandsjahr!

Liebe Grüße
Sabine

Inaktiver User
24.09.2007, 00:23
Aus Erfahrung würde ich immer zu einem Jahr raten - das bringt viel mehr als doppelt soviel wie ein Semester.
War früher selbstverständlich (wenn überhaupt) - aber heute scheinen die kürzeren Aufenthalte üblicher zu werden.
Da fehlt einem aber die "Erntezeit" des Ganzen - ein Semester ist zu kurz, um wirklich irgendwo "reinzukommen".

Gruß, Leonie

Inaktiver User
24.09.2007, 07:26
...oder Auslandssemester? wäre uns eigentlich lieber - aber bringt ein halbes Jahr überhaupt was?
Und wo gibts Infos (allgemeiner Art, schulbezogen, Veranstalter, Erfahrungsaustausch mit Rückkehrern, worauf ist zu achten.....)
...kann mich dem Beitrag von Power-Bauer nur anschließen, wenn man in der GYM-Phase ein solches Jahr einbaut, es ist später deutlich erkennbar, dass die Kinder viel früher Selbständigkeit und Eigenverantwortung umsetzen. Wir haben selbst viele Jahre im Ausland gewohnt in Osteuropa und mein großer Sohn lebt seit seinem 15. Lebensjahr in England im Internat und ist jetzt dort an der Uni. Bei allen Kindern ist diese Bereicherung einer solchen Lebenserfahrung deutlich spürbar in jeder Alltagssituation. Der Blick wird so weit für alles. Wenn du Tipps brauchst, bitte per PN...:blumengabe:

grobian
24.09.2007, 14:48
mein sohn ist diesen sommer aus den usa zurück.
er war in der 11. für 10 monate weg.
er selber würde jedem nur raten 10 monate zu gehen.
nach einem halben jahr hat man sich wohl erst so richtig aklimatisiert.
feste freunde gefunden und so.
viel vergnügen
:smile:

Inaktiver User
25.09.2007, 07:47
mein sohn ist diesen sommer aus den usa zurück.
er war in der 11. für 10 monate weg.
er selber würde jedem nur raten 10 monate zu gehen.
nach einem halben jahr hat man sich wohl erst so richtig aklimatisiert.
feste freunde gefunden und so.
viel vergnügen
:smile:
...das ist ein wichtiger Aspekt in dieser Lebensphase, mein Sohn hat vier Jahre das Internat besucht und bei einigen Schülern diese Begleiterscheinungen miterlebt, die nun mal dazu gehören zu Neubeginn und Abschied. Aber ist auch ein Teil des Lernprozesses. Es gab ein Mädchen, das für ein Jahr in England dort am Internat war und in Deutschland am alten Gymnasium nicht mehr den Einstieg fand. Sie konnte wieder nach England und dort ihr Abitur machen. Ist aber auch eine finanzielle Frage, bei uns war der Internatsbesuch des Sohnes "ein Bonbon" des Arbeitgebers...

Ila
25.09.2007, 08:29
Vielen Dank für eure Meinungen! Meine Bedenken waren, dass der Stoff dieses "versäumten" Schuljahres dann fehlt - wie haben eure Kinder das nachgearbeitet? Und nochmal: wie kommt man an seriöse und engagierte Organisationen? Kann man sich über mögliche Schulen und ihre Ausrichtung/Qualität informieren?

Inaktiver User
25.09.2007, 09:01
http://www.internatsberatung.com/
...selbst überzogen dargestellt, wenn du ein einjähriges Segeltourn mit den Kindern machen würdest, hätten sie mehr gelernt als etwas versäumt. Sie lernen zu lernen. ich habe mit so einer Beratung sehr gute Erfahrung gemacht. komplette Begleitung von der Auswahl der passenden Internate bis zur laufenden Kontrolle vor Ort, um für das Kind auf seine Leistung und seine persönlichen Belange das "Richtige" zu finden...

Inaktiver User
25.09.2007, 09:11
Vielen Dank für eure Meinungen! Meine Bedenken waren, dass der Stoff dieses "versäumten" Schuljahres dann fehlt - wie haben eure Kinder das nachgearbeitet?

die meisten, die ich kenne, haben es geschafft - soviel passiert ja gar nicht in der Schule, wenn man es kondensiert.

Aber wenn sich die Schulzeit um ein Jahr verlängert - macht das etwas?
Ich finde, das ist es wert.

Gruß, Leonie

Ila
25.09.2007, 09:43
Aber wenn sich die Schulzeit um ein Jahr verlängert - macht das etwas?
Ich finde, das ist es wert.




Aus Erwachsenensicht mag das schon richtig sein, mich würde das auch nicht stören, obwohl dann G8 mit allen Konsequenzen droht.

Aber mein Sohn möchte auf jeden Fall in "seinen" Klassenverband zurück - was erst mal ja durchaus möglich ist; vermutlich machen sich die Defizite auch erst später - beim Abi? - bemerkbar.

karline: schön - aber ich fürchte, Internat wird dann doch zu teuer:knatsch: , auch wenn mir das gut gefallen würde

Horus
25.09.2007, 09:59
Hallo Ila

Ich war im Gymnasium ein Jahr weg, in Japan. Ein Semester hätte nicht gereicht, um die Sprache zu lernen.
Ich möchte diese Erfahrung nicht missen, es war etwas vom Besten, was ich tun konnte.

Zurück bin ich in meine "alte" Klasse. Habe also den Stoff, den meine Kameraden während meines Auslandjahres durchgenommen haben, verpasst. Nicht ganz alles, denn in der japanischen Schule hab ich trotzdem was mitgekriegt, aber natürlich nicht alles. Musste va. in Französisch für den Rest des Gymnasiums ziemlich an die Säcke und viel nachholen (hätte das Gleiche in Mathe machen sollen, aber das war mir echt zu mühsam...). Dafür war ich in Englisch plötzlich Spitze.
In den restlichen Fächern war das Nachholen eine Sache von wenigen Wochen etwas intensiverer Arbeit, kein Problem.

Muss aber dazu sagen, dass ich nie Schulprobleme hatte und die meiste Zeit des Gymnasiums ohne gross zu Büffeln durchkam (mit Ausnahme von Französischvokabular...). Jemandem mit anderen Voraussetzungen fällt das Nachholen vielleicht etwas schwerer. Aber es ist machbar.

Inaktiver User
25.09.2007, 09:59
Mein Sohn macht jetzt ein Work&Travel-Jahr nach seinem Abitur. Er wollte es sehr gerne. Ich habe darauf bestanden, dass er am Anfang einen einmonatigen Intensiv-Englisch-Sprachkurs macht in Sydney macht(Themen: Australische Wirtschaft, Landwirtschaft, Kultur, Business-Englisch, English-teaching for children).

Die Kosten, die mir insgesamt entstanden sind: Einschließlich der Kaution von 3.000 € = ca. 5.000 Australische Dollar, die das Land bei der Einreise verlangt, habe ich ungefähr 5.000 € bezahlt. Galaube ich, manches kleckerte sich ja. Den Flug von ca. 1.600 € einschließlich Rückflug hat der Vater extra bezahlt.

Ich habe einen Teil meiner Freiberuflichen-Altersvorsorge dafür aufgelöstö

Kinder von verschiedenen Bekannten von uns haben es auch erlebt. Es ist wohl eine Supersache gewesen. Aber ein Jugendlicher ist schnell frustriert zurückgekommen und mein Sohn weiß, dass er ohne Weiteres von mir aus abbrechen kann, wenn es ihm nicht gefällt oder aus anderen Gründen. Ich meine, das muss man auch in seine Gedankengänge einbeziehn, dass es unglücklich verlaufen könnte!

Jetzt wohnt er gerade bei einem wohl lesbischen Paar mit zwei jugendlichen Kindern, praktisch mitten in der Lebensvielfalt.

Wie gerne würde ich tauschen!!!


Auf jeden Fall muss er mit mir einen Oper-Besuch "abrechnen", gerne auch mehrere. Er lebt da einen Monat in einer Gastfamilie mit Halbpension. Und dann zieht er streunend und in der Landwirtschaft arbeitend durch Australien, vielleicht auch Neuseeland.

Ist vielleicht eine Alternative zum Schuljahr in einem fremden Land Einer unserer Bekanntensöhne war ein Jahr an einer Schule in Honduras (ca. 11. Klasse, also hier wäre er in der 11. Klasse gewesen). Meistens ging er wohl nicht zur Schule, weil es eher nicht üblich dort war sich täglich da aufzuhalten.

Aber als Erlebnis muss es einmalig gewesen sein. Und wann macht man das schon im späteren Alter so unbeschwert?

LG herbstblatt2

Inaktiver User
25.09.2007, 11:42
Hallo Ila,

ich war selbst nicht im Ausland während meiner Schulzeit, aber ich habe einige meiner Mitschüler im Englisch-LK erlebt, die entweder in England oder in den USA waren. Das hat auf jeden Fall den Abi-Schnitt deutlich angehoben bei ihnen, da sie in einem ihrer LKs schonmal durchweg gute Punkte kassieren konnten. Das freie Sprechen und Diskutieren fiel ihnen viel leichter als uns anderen und zumindest damals war es so, dass die mündliche Bewertung zu 2/3 in die Halbjahresendnoten einging.
Aus diesen Beobachtungen habe ich für mich beschlossen, dass ich meinen Kindern ein Auslandsjahr ermöglichen würde im Gym, falls sich die Frage eines Tages stellen wird.
Damals (vor 9 Jahren) war es so, dass das Jahr in der 11. statt fand, wo man wirklich nciht viel Stoff verpasst hat.
Wenn man nicht so weit weg möchte, kämen doch England oder Irland in Frage?
LG M

Inaktiver User
25.09.2007, 11:50
Ich war ebenfalls ein Jahr in den USA - in New Jersey bei einer Tante. Schön wars! Und ich hatte mit dem Nachholen des Stoffes auch wenig Probleme.

Muß ja nicht unbedingt so weit weg sein - aber wenn ein Leistungskurs eine Fremdsprache ist, lohnt es sich schon ein Jahr in dem Land zu leben.

Bei mir war es nicht wirklich ein Schüleraustausch, da wir das ja mehr privat gemacht hatten.

Dharma

Amely
25.09.2007, 12:01
Diese Organisation finde ich auch nicht schlecht.
Englisch kann ja heute schon jeder.

http://www.ofaj.org/newsletter/sept2007/newsletter.htm?L=111604&K=IJT32979IJL29454II3826215IS1

Ila
25.09.2007, 22:45
Amely: :blumengabe: ein wertvoller HInweis - wenngleich nicht für "uns", es sei denn, die hätten auch das antike Rom im Angebot.

GB/IRL wären denkbare Alternativen, den Jun ziehts aber schon in die weite Welt (verständlich, find ich). Die Wirkung ist vermutlich auch anders, man ist wohl auch mental weiter weg, wenn nicht mehr die Option besteht, zwischendurch schnell mal heimzukommen.

>Dharma: privat wäre schön, aber leider fehlt die entsprechende Tante

Herbstblatt: herrlich! sowohl, was dein Sohn macht wie auch


Einer unserer Bekanntensöhne war ein Jahr an einer Schule in Honduras ... Meistens ging er wohl nicht zur Schule, weil es eher nicht üblich dort war sich täglich da aufzuhalten.

Aber als Erlebnis muss es einmalig gewesen sein. Und wann macht man das schon im späteren Alter so unbeschwert?

LG herbstblatt2

Horus: > das ist ja auch ein Problem, dass bis jetzt alles ganz easy geht...:knatsch: .. bis auf angewandtes Englisch ...das sollte durch den Aufenthalt schon einen Schub kriegen

:blumengabe: :blumengabe: :blumengabe: Danke für eure Stellungnahmen

Horus
26.09.2007, 08:04
Horus: > das ist ja auch ein Problem, dass bis jetzt alles ganz easy geht...:knatsch: .. bis auf angewandtes Englisch ...das sollte durch den Aufenthalt schon einen Schub kriegen

Hmmm - das klingt wirklichs sehr nach mir.
In dem Fall würde ich mir an deiner Stelle aber wirklich überlegen, ein nicht-englischsprachiges Land zu wählen. Ein Land, dessen Sprache von Grund auf neu gelernt werden muss.
Denn glaub mir - Englisch lernt man auch in einem solchen Land gleich noch so nebenbei. Denn erstens hat man auch in einem solchen Land Englischunterricht in der Schule und zweitens hängt man doch auch oft mit anderen Austauschstudis rum und redet dann natürlich Englisch.

Jedenfalls wars bei mir so. Ich war, bevor ich nach Japan ging, grottenschlecht in Englisch. In Japan wurde in der Gastfamilie und in der Schule kaum Englisch sondern fast ausschliesslich Japanisch geredet (also hab ich das ziemlich schnell gelernt, weil ich ja mitreden wollte) - und dennoch hab ich nach meiner Rückkehr in meine alte Schule bis zum Abi in Englisch nur noch Bestnoten geschrieben und konnte plötzlich flüssig reden. Denn obwohl das Japanische im Vordergrund stand, hab ich das Englisch gebraucht - beim Herumhängen mit anderen Austauschstudis, als Ausweichsprache wenns mit dem Japanischen nicht klappte etc. Und ich hatte intensiven Englisch-Grammatikunterricht in der Schule in Japan. Ausserdem war Englisch meine "Zwischensprache" beim Übersetzen von Japanisch zu Deutsch und umgekehrt und beim Lernen, weils in Japan selbst fast nur Lehrbücher in Englisch für Japanisch gibt und auch die besseren Wörterbücher Japanisch-Englisch und umgekehrt sind.
Ausserdem wollte ich während des ganzen Jahres natürlich auch mal ein Buch oder so lesen - da hab ich halt englische gekauft weils fast nichts anderes gab. Oder ich hab englisch TV geguckt wenn ich mal eine Alternative zu Japanisch wollte.

Der langen Rede kurzer Sinn: ich bin froh, die Chance ergriffen zu haben, in ein nicht-englischsprachiges Land zu gehen und eine ganz andere Sprache zu lernen. Denn Englisch hab ich gleich noch so nebenbei mitgelernt.
Für jemanden, der in der Schule wenig Probleme hat, ist so was absolut machbar.

Inaktiver User
26.09.2007, 08:21
Ich war für drei Monate in Neuseeland. Selbst die drei Monate (drei Monate nur, weil meine Mutter zu der Zeit krank war), haben mir sehr viel gebracht. Persönlich war es einfach eine Auszeit: Ich hatte von den 12 Wochen gerade mal 6 Wochen Schule (die ich auch nicht so ernst genommen habe, da ich eh keine Noten bekommen habe), den Rest habe ich damit verbracht, durch Neuseeland zu reisen (Backpacker) und meiner Gastmutter bei ihren Tieren zu helfen. Es war eine einmalige Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Der "Urlaub" vor dem Abi-Stress tat wirklich gut, der einzige Nachteil war die Gewichtszunahme, die mir sehr zu schaffen gemacht hat (kam mit der Ernährung nicht klar).

Ila
26.09.2007, 10:01
Also krank werden möcht ich jetzt nicht unbedingt...:smirksmile: Und ich bin doch wohl zu sehr Übermutter, um meinem Brütling eine Auszeit hinzuschieben, obwohl ich wahrscheinlich allen anderen dazu raten würde - aus der Einstellung, dass man dabei wesentlich mehr und Wesentlicheres lernt als in der Schule.

Horus: das ist eine interessante Überlegung, die wir so noch gar nicht in unsere Planungen mit einbezogen haben! Mal schauen, was der Zögling dazu sagt...der Sog-Reiz der USA ist (medienbedingt) ziemlich stark, wobei ich ohnedies Kanada vorziehen würde. Kostet allerdings heftig mehr! Japan....wie bist du denn darauf gekommen? Wir haben bislang keine so besondere "Affinität" zu Fernost...

Inaktiver User
26.09.2007, 10:15
*g*, geplant war ein dreimonatiger Urlaub von uns ursprünglich auch nicht, aber der erste Zeitraum, indem ich runterfliegen sollte, der mehr Schule umfaßt hätte, ging wegen der Krankheit meiner Mutter nicht. Also sind wir auf das Sommersemester ausgewichen, welches , da ich auch in die Abschlußklasse gegangen bin, sehr kurz war. Mir hat es gefallen, meine Mutter wußte Bescheid, daß ich mir da eine schöne Zeit gemacht habe und fand es auch gut. Zugegeben, die Anforderungen in der Schule haben mich auch nicht wirklich gefordert, vieles hatten wir schon gehabt und das neue war nicht wirklich anspruchsvoll. Wer also noch etwas gegen das deutsche Schulsystem sagt, sollte sich mal im Ausland umsehen :smirksmile:

Horus
26.09.2007, 11:02
Nun, das wichtigste Kriterium für die Wahl des Landes sollte die Vorliebe des Teenies sein. Denn wenn er/sie in ein Land geht, für das er/sie sich nicht wahnsinnig interessiert, das vielleicht nur eine Kompromiss- oder Zweitlösung ist, dann wirds für den Teenie schwieriger als in dem Land, in das er/sie wirklich hingehen wollte.

Ich wollte nach Japan. Un-be-dingt. Hab keine Ahnung, weshalb mich das Land damals so faszinierte.
Allerdings war meine Mutter alles andere als begeistert davon - huch, Japan, soooo weit weg und so fremd! - und hat mich bearbeitet, mich schliesslich für Kanada anzumelden (bei AFS). Aber blöderweise oder eher glücklicherweise kam dann aus, dass die zu wenig Gastfamilien in Kanada hatten. In Ländern wie Japan jedoch ...
Naja, schlussendlich hat sich meine Mutter mit der Idee nicht nur angefreundet sondern war direkt begeistert davon.
Ein wichtiger Aspekt für sie war die Sicherheit. In Japan gibt es so gut wie keine Strassenkriminalität, da kannst du auch als Frau nachts mitten in Tokyo ganz allein in die U-Bahn. Was in den USA und wohl auch in Kanada anders ist.

Wie gesagt, das wichtigste Wahlkriterium ist sicher die Präferenz des Teenies selbst. Aebr es gibt noch andere Überlegungen.

Ich persönlich finde es sehr schade, wenn diese einmalige Gelegenheit im Leben nicht gleich ganz richtig ausgenutzt wird und stattdessender einfache Weg gewählt wird, sprich: man wählt ein Land, das dem eigenen Kulturkreis sehr nahe steht, und lernt keine andere Sprache als Englisch.
Wie gesagt - Englisch lernt man sowieso, egal wohin man geht. Ausser, man geht in ein lateinamerikanisches Land, da siehts ev. etwas anders aus.

Von den Kleinkinderjahren mal abgesehen, lernt man nie mehr im Leben eine völlig fremde Sprache mit so geringem Aufwand wie während eines Austauschjahres im Gymi. Und man fügt sich vermutlich auch nie mehr so flexibel und offen in eine ganz fremde Kultur ein wie in diesem Alter.

"Auslandjahr und Englischunterricht in USA/Kanada/Australien/NZ" liest sich später in einem CV nicht schlecht. Aber Hand aufs Herz - das steht bei relativ vielen Leuten drin.
Was die Personaler später viel mehr beeindruckt, ist "Auslandjahr und Sprachunterricht in Brasilien/Argentinien/Japan/Russland/Thailand/Südafrika ... "

Natürlich, man soll nicht immer gleich an 10 Jahre später und die Berufswahl etc. denken sondern die Interessen des Betroffenen sollen im Vordergrund stehen. Aber das andere ist auch ein Aspekt, der bedacht werden will.
Eine zusätzliche Sprache neben Englisch (z.B. Spanisch, Russisch, Chinesisch, Japanisch ...) und Erfahrungen in einer anderen Kultur als der "nordhemisphärisch-abendländischen" eröffnen später noch ganz andere Möglichkeiten als die übliche Lösung "Englisch in einem englischsprachigen Land".

Ila
26.09.2007, 11:17
Horus, ich stimme dir in allen Punkten zu. Wir werden die Angelegenheit unter diesen Aspekten noch einmal durchdiskutieren. Vielen Dank für den Anstoß :blumengabe:

Inaktiver User
26.09.2007, 12:07
Aus meiner Erfahrung kann ich nur noch den Tipp geben, daß man bei der Organisation darauf aufpaßt, mit wem sie vor Ort arbeitet. Wenn sie mit einer Schule (meine Schule hatte damals eine Abteilung für Austausche) zusammenarbeit, dann kann es sein, daß die sehr viele Austausch-Schüler im Jahr "durchschleußen". Das hat zwar den Vorteil, daß man gut betreut wird, wenn mal Probleme mit den Familien auftreten (was auch nicht selten ist, gerne aber verharmlost wird), aber das Interesse der anderen Schüler, etc. ist nicht mehr vorhanden. Es heißt dann immer: noch so ein Austausch-Schüler. Wenn die Gruppen dann auch noch recht groß sind (teilweise gibt es an den Schulen 10-15 Deutsche zeitgleich), dann ist es sehr schwierig, Kontakt zu Einheimischen aufzubauen.

Wichtig ist aber definitiv, da stimme ich Horus zu, den Wunsch des Kindes zu berücksichtigen. Für mich wäre damals eine komplett fremde Sprache nichts gewesen. Ich hatte einfach Angst, in komplett anderen Ländern zu gehen, war immer total schüchtern und ängstlich. Nach dem Austausch sah das dann anders aus. Er hat mir sehr viel Selbstbewußtsein gegeben und die Angst vor etwas neuem war auch nicht mehr so groß.

Inaktiver User
26.09.2007, 12:30
Wenn ich die ganzen Beiträge hier lese, speziell von Dir, horus, bin ich so schleckrig, dass ich gleich ca. 17 Jahre alt und Austauschschülerin sein möchte.

Bestimmt spreche ich jetzt nur im Klischee: Haben die Japaner nicht generell winzige Wohnungen? Wie ging denn das? Wie war die Familie, hat die Mutter gearbeitet und wie lief es mit den Mitschülern?

Wenn Du Lust hast, dann erzähle uns doch etwas darüber. Ich will aber auch nicht zu neugierig sein!

In Australien sind die Jugendlichen wirklich rudelweise, schon die aus meiner Stadt hier. Es ergab sich halt. Und mal ehrlich, mein Sohn scheint den einen Monat, in dem er bei einer Familie wegen seines Englischkursese lebt, in einer Familie mit einer Frauen-Frauen-Beziehung gelandet zu sein, mit fast bzw. eigentlich schon erwaqchsenen Kindern.

Er sieht das ein bisschen erstaunt und neugierig. Ge, mit so etwas rechnet man ja gar nicht. Ich finde es prima!

LG und allen einen schönen Tag noch herbstblatt2

Ila
26.09.2007, 21:30
Ja, Horus, mich würden die Details auch interessieren - jetzt ganz ohne Bezug auf meine Ausgangsfrage

Redwitch: Danke für die Info! Das find ich sehr wichtig

Horus
27.09.2007, 15:48
Tja, was soll ich da erzählen? Ich könnte ein Buch füllen damit.


Jedenfalls, als ich mich im zweiten Anlauf für Japan angemeldet hatte (die Organisation, AFS, verlangte für die Anmeldung einen seitenlangen Fragebogen samt Fotos und machte auch Interviews mit mir und meiner ganzen Familie), erhielt ich einige Wochen später einen Brief und viele Fotos von meiner zukünftigen Gastfamilie. Musste dann erst mal auf der Karte nachschauen, wo der Ort, an den es mich verschlagen würde, überhaupt lag... Es gingen ein paar Briefwechsel hin und her - war noch vor dem eMail-Zeitalter - mit Fotos und näheren Infos, so konnten die beiden Familien sich etwas kennenlernen. Und ich begann Vokabeln und Zeichen zu büffeln.

Für die Reise waren wir 4 Schweizer Teenies, die nach Japan gingen, allein. Wir erhielten die Tickets und die genauen Informationen, wurden von einem AFS-Menschen zum Flughafen begleitet und am Flughafen in Tokyo auch von jemandem abgeholt. Alle AFS-Austauschschüler aus der ganzen Welt, die für dieses Jahr nach Japan reisten, kamen innerhalb weniger Tage an und verbrachten anschliessend ca. 10 Tage in einem gemeinsamen Vorbereitungscamp, was eine gewisse Betreuung sicherstellte, den Kulturschock milderte und ersten Sprachunterricht ermöglichte.

Anschliessend reisten wir in Begleitung zu "unseren" Familien, ich wurde am Bahnhof von meiner ganzen Gastfamilie und meiner AFS-Betreuerin abgeholt.

Die Familie lebte in einem Haus - für japanische Verhältnisse recht gross, der Vater führte einen Handwerksbetrieb im Erdgeschoss, die Mutter arbeitete im Büro mit. Mit der Tochter, die in meinem Alter war, sollte ich zur Schule gehen, es gab noch zwei jüngere Söhne.

Als ich ankam, waren noch Ferien, als das Schuljahr begann, kam ich in die gleiche Schule wie meine Gastschwester (wenn auch nicht in die gleiche Klasse) und machte die meisten Unterrichtsstunden mit - nur japanische Literatur nicht, das wurde bei mir ersetzt durch Einzelstunden Sprachunterricht. Allzu viel bekam ich vor allem zu Beginn in der Schule nicht mit, mit Ausnahme von Mathe und von Englisch. Meist büffelte ich still für mich Japanisch, auch in Bio oder Chemie.
Idiotisch an der ganzen Schule fand ich die Schuluniform. Eigentlich sollte auch ich sie tragen, aber das "eigentlich" war für mich ziemlich dehnbar ...

Die Schule dauerte meistens bis so gegen drei Uhr (inkl. Mittagspause, in der der mitgebrachte Lunch verzehrt wurde), danach waren die meisten Schüler - so wie in den USA - in "Clubaktivitäten" engagiert. Ich machte mit bei Kendo (Stockfechten), Kyudo (Bogenschiessen), Ikebana, Shodo (Teezeremonie). Erstens wollte ich so viel wie möglich von der Kultur lernen und zweitens waren diese "Clubaktivitäten", viel mehr als die Schulklasse, der Rahmen, in denen Freundschaften geschlossen wurden. Von diesen Aktivitäten hab ich deutlich mehr profitiert als vom Schulunterricht, auf vielen Ebenen.

Meine Gasteltern waren super, in vieler Hinsicht nicht typisch japanisch, was mir das Einleben erleichterte. Sie sprachen allerdings kaum Englisch. Die Gastschwester konnte besser Englisch, aber mit ihr verstand ich mich ehrlich gesagt nicht sehr gut. Nicht dass wir gestritten hätten, wir konnten bloss nicht viel miteinander anfangen, die Interessen waren zu verschieden. Mit dem älteren Gastbrüder konnte ich es nicht schlecht, aber er pupertierte massiv. Mit dem jüngeren Gastbruder hingegen verstand ich mich super. Ich hatte mein eigenes Zimmer, das Haus war recht geräumig und stand am Fluss, so dass der Dammweg und somit Auslauf- und Joggingmöglichkeiten nicht weit weg waren. Ich wurde auch gut in die Restfamilie (Grosseltern, Geschwister der Mutter etc.) integriert.

Völlig aussergewöhnlich war, dass meine Gastfamilie Mormonen waren. Das wussten wir von Anfang an und bereitete uns im Vorfeld etwas Unbehagen. Auch war ich enttäuscht - ich wollte nach Japan, um Shinto und Buddhismus kennenzulernen, und nicht eine christliche Sekte!
Es entpuppte sich dann aber als komplett problemlos. AFS hatte von der Familie eine Abmachung eingefordert, dass die Gastkinder nicht missioniert wurden - daran hielt dich meine Gastfamilie eisern, sie schleppten mich auch niemals zu ihren Gottesdiensten mit. Etwas mühsamer waren die amerikanischen Missionare aus Utah, die jeweils bei den Mitgliedern der japanischen Mormonengemeinschaft aufkreuzten, also auch bei meiner Gastfamilie. Die versuchten mich zu Beginn zu missionieren. Bei mir haben aber solche Typen eh keine Chance und AFS hat das ziemlich schnell unterbunden.

Shinto und Buddhismus hab ich trotzdem kennengelernt, denn die Restfamilie meiner Gastfamilie waren praktizierende Buddhisten und ich hab mich zudem mit dem Shintopriester des Nachbarschreins angefreundet.

Das ganze Jahr stand mir auch eine AFS-Betreuerin zur Seite, eine junge Mutter in der gleichen Stadt, die in ihrer Schulzeit selber als AFSlerin in den USA war und deshalb gut Englisch sprach. Ausserdem gabs in der Kleinstadt, in die es mich verschlagen hatte, noch drei andere AFSler (wenn auch nicht an der gleichen Schule) aus Neuseeland, Australien und Finnland.

Die Sprache ... zuerst verstand ich gar nichts. Dann gings plötzlich - nach drei Monaten begann ich zu reden, nach sechs Monaten war ich alltagssprachlich recht fliessend, nach einem Jahr kam ich in der Schule mit. Das Schreiben war mühsamer ...


Es war beileibe kein durchwegs positives Jahr, es gab sehr schwierige Phasen und Momente. Aber rückblickend ist die Gesamtbilanz positiv.
Was sicher mit ein Grund war, dass ich ein paar Jahre später, im Studium, gleich nochmals für 2 Semester rüberhing. Allerdings zu einer anderen Familie und in eine andere Stadt.

Inaktiver User
27.09.2007, 16:42
Hallo zusammen,

ein Auslandsjahr während des Schulzeit hat sicher die schon genannten Vorteile. Da ich das nicht selbst gemacht habe, kann ich dazu aber wenig sagen.
Allerdings habe ich während des Studiums ein Jahr im Ausland verbracht und würde das jedem empfehlen. Der Vorteil gegenüber einem Austausch zu Schulzeiten liegt für mich darin, dass man dann schon volljährig und erwachsen ist und dort wirklich selbstständig lebt, was vielleicht in einer Gastfamilie nicht so der Fall ist.

Andererseits: es spricht ja überhaupt nichts dagegen, sowohl zur Schulzeit als auch während des Studiums mal wegzugehen :freches grinsen: ...

LG
goodnight

Inaktiver User
27.09.2007, 19:10
Liebe horus,

danke schön für Deine Erzählung. Sie ist wirklich sehr interessant. :blumengabe: :blumengabe: :blumengabe:

Ich werde das alles hier mal meinen Sohn2 lesen lassen. Er ist 17. Für ihn ist es bestimmt auch interessant.

cucsi
04.10.2007, 02:15
Vor 14 Jahren war ich selbst für 3 Monate in Kanada, im Jahr darauf war meine Austauschpartnerin für 3 Monate bei uns. Vor 5 Jahren hat meine Schwester das selbe Austauschprogramm mit den USA gemacht. Fazit:spielend leicht gute Englisch-Noten kassiert, jede Menge Erfahrung, mehr Selbstständigkeit und Selbstbewußtsein (schüchtern war vorher) und nicht zu vergessen die Freundschaften zwischen uns und unseren Austauschparterinnen, als auch zwischen den ganzen Familien, die dabei entstanden sind und bis heute mit Anrufen, Mails und Besuchen gepflegt werden (so bleibt auch das Englisch erhalten :-)Vorausgesetzt man ist bereit was dafür zu tun, denn mit dem Gegenbesuch hängt nicht nur alles am Schüler selbst ab, sondern von der ganzen Familie. Wahrscheinlich war es nicht immer leicht für unsere Eltern...Aber es hat sich gelohnt, sonst hätten sie es nicht ein zweites mal gemacht...die 3 Monate Abwesenheit in der Schule sind auch überschaubar...Organisiert wurde das ganze vom Oberschulamt Stuttgart, meistens für die 10. oder 11. Klasse, etwa 1 Jahr Vorlauf für Bewerbung etc. sollte man einplanen...meinen eigenen Kindern würde ich auf jeden Fall dazu raten... die unvergessliche Momente auf einem der letzten Nirvana-Konzerte waren es wert!

Inaktiver User
05.10.2007, 22:29
Gehört zwar nicht direkt dazu, aber ich will mal ein Lob für unser Bildungssystem aussprechen: Sohn1 ist jetzt in Sydney für seinen einmonatigen Intensivenglischkurs nach einem Test in die zweithöchste Stufe (6 von 7) aufgenommen worden. Sagt auch, dass er prima mitkommt (hat General English und Business English - letzteres stand für nachmittags u. a. zur Auswahl).

Dabei war er in der Schule in Englisch nicht so besonders und hatte eine 2 oder 3. Die Kommunikation mit seiner Gastfamilie und bei anderen Gelegenheiten läuft auch ganz locker. Er ist selber überrascht! Ganz so schlimm scheint es mit Deutschlands Schulen also nicht bestellt zu sein.