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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Es war einmal,



Golddrops
20.09.2007, 14:46
in einem Gärtchen lang vor unserer Zeit, ein kleines buntblühendes Beetrandjungblümchen, das fühlte sich wohl von einer alten, freilaufenden Töle angepisst.

Nun ist es nicht weiter verwunderlich, dass Wegrandgewächse gelegentlich - neben dem ganzen Abgasmief, dem Dreck und dem Regen - vom Urinstrahl eines Wegstreifenden benetzt werden,

was auch gut ist,
denn organischer Dünger fördert das Wachstum.
Und wäre es nicht so:
Wer am Weges- oder Beetrand seine Blüten zum Himmel reckt,
muss ein wenig Schmutz abkönnen.

Unser wegwucherndes Mimöschen aber mochte reinen Blättchens gen Sonne wachsen und so rief es die freundliche Forenfee herbei
und sprach:

Hilfe!
Ein großer, gemeingefährlicher Pissteufel hat es auf mein Leben abgesehen und seinen Strahl auf mich gerichtet!


Die gute Forenfee, die leider noch einen Termin beim Friseur hatte, den sie nicht absagen wollte,
schrieb dem Inkontinenten nun einen Brief folgenden Wortlauts:

Lieber Pissbruder,

mir ist zugetragen worden, dass Sie - eventuellerweise -
ein weißblühendes Kräutlein mit ihrem Mittelstrahl getroffen
und somit - vielleicht - daran gehindert haben könnten,
sich in sterilgleichem Klima zu einer fremdmeinungsresistenten Großpflanze entwickeln zu können.

Bitte beachten Sie, dass das schuldhafte Bepissen unbescholtener Keimlinge in den hiesigen Gärten verboten ist.
Sollten Sie ihren Strahl ein weiteres Mal dazu benutzen, um in böser Absicht Köpfe zu waschen oder Blüten zu vertreiben,
sehe ich mich dazu gezwungen, Ihre Blase samt Restkörper aus diesem Walde zu entfernen.

Viele Grüße,
Fee

Pissbruder, der nun schon lange Zeit kleine und große Geschäfte dort erledigte, wo Platz für sie war - stets beseelt von dem Gedanken, damit ein gutes Dungwerk zu tun und die Gärten in aller Pracht und Artenvielfalt blühen zu lassen -, war sich keiner Schuld bewusst und so ließ er der Fee nachstehende Antwort zukommen:

Liebe Fee,

als freier Pinkler in freien Gärten tat ich gewiss nichts anderes, als meine Blase auf naturgemäße Weise und in üblicher Form zu entleeren.
Bitte zeige mir doch Ort und Stelle, an der mein harter Strahl Ehre und Stand einer Seichtverwurzelten zerstörerisch getroffen haben soll.

Besten Dank und viele Grüße,
Pissbruder

Nun gaben aber Umstände und Haarstutzergepflogenheiten, dass der Brief nicht die Fee persönlich, sondern lediglich ihren Sekretär erreichte. Der war seinerseits schwer beschäftigt und antwortete deshalb nur kurz und knapp mittels eines Vordruckes:

Lieber Pissbruder,

ich weise Sie nochmals vorsorglich darauf hin, dass das gewaltsame Anpissen von Pflanzen zum Zwecke der Blattzerstörung und Entwurzelung in unseren Gärten verboten ist.
Sollten Sie ein weiteres Mal gegen dieses Gesetz verstoßen, werden Sie ohne weitere Vorankündigung des Waldes verwiesen.

I. A.

Ihr könnt euch vorstellen, wie sehr es Pissbruder betrübte und erschütterte, derart lapidar eines Verpissens angeklagt zu werden, das weder eines war noch von ihm begangen wurde.
Es gingen noch ein paar Vordrucke hin und her, die, des Sachverhaltes ungeachtet, dem Pissbruder eine mögliche Unrechtsbegehung vorwarfen, die in Wahrheit nichts anderes war als eine ortsübliche Blasenentleerung an frei gewähltem Orte, zu frei bestimmter Zeit.

So begab es sich, dass Pissbruder sich nunmehr selbst ziemlich angepisst fühlte, denn er war bei scharfem Verstand und im Bilde seiner Rechte, die er nun durch üble Nachrede und Schlafmützerei missachtet sah.
Also trat er vor die Beete und tat das Widerfahren kund, in bloßer Absicht des Verweisens auf die Tatsache, dass schlampige Mehrgleisigkeit verkehrsschwächend ist, Vorbeischielen auf Dauer blind macht und es bei konsequenter Beibehaltung legitimierter Inkonsequenz in Zukunft heißen könnte:
Die Freipisser von heute sind die Angepissten von morgen.

Die Blümelein jedoch waren zu einem Großteil von der bösen Fee Ignoranz mit einem Obrigkeitszauber belegt; sie nickten nur müde gähnend mit den Köpfchen und bezichtigten Pissbruder der Prall- und Prahlpisserei, machten sich ein wenig lustig über ihn und wandten sich dann wieder der Sonne zu, um unter ihrem warmen Schein ungestört davon zu träumen, Rechtschaffenheit sei eine weitverbreitete Tugend und Rechtsgrundlagen seien gartenimmanente, immerwährende Stetfaktoren und keine Freiheit(en), die man (sich) immer wieder neu schaffen muss.

Die Hofnarrblume kicherte sich in selbstverliebte Hysterie, das Pussykraut versabberte sich anbiedernd in der üblichen Solidaritätsnummer, die Schlichtnelke machte ihrem Namen auf gewohnte Weise Ehre, indem sie mit gelassener Heiterkeit einige Intellektuellensamen vom Stempel fliegen ließ und die Narzisse verlor sich in eitler Blütenshow.

Da wandte sich Pissbruder - enttäuscht wie bestätigt - vom Beete ab und beschloss, seine Blase künftig nicht mehr im Gärtchen zu entleeren, sondern guten Gewissens freipissend durch die Wälder zu stromern und dort den Taubnesseln seinen Dung anzutun - zumindest für eine Weile.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann (ver)pissen sie (sich) noch heute.

Inaktiver User
20.09.2007, 15:25
:allesok: