PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Organe des Vaters spenden?



Schneckentempo1
20.09.2007, 13:53
Guten Tag zusammen

Nicht ganz unerwartet, aber früher, als wir gerechnet haben, ist unster Vater gestern Abend gestorben.

Er hatte eine schwere Herz- und eine leichte Niereninsuffizienz, so dass er für eine Organspenge nicht mehr in Frage kommt... - dachte ich zumindest.

Heute kam nun ein Anruf von der Augenklinik, ob sie die Hornhäute meines Vaters entnehmen können.

Ich habe nun ganz arge Gewissenskonflikte. Einerseits möchte ich niemals ein Spenderorgan und bin eigentlich gegen Organspende, weil ich meine, dass ein Mensch ein Recht auf einen ruhigen und würdigen Tod und auf die Totenruhe habe. Und ich weiss auch, dass sie einem Toten zur Entnahme der Hornhaut die ganzen Augen entnehmen und ich habe echt Skrupel, jemandem die Augen meines Vaters anzuvertrauen einfach so.... Andererseits ist da draussen jemand, der wieder sehen könnte mit der Hornhaut meines Vaters.

Wie würdet ihr entscheiden? Ich meine, es ist ja nicht mein Körper, über den ich hier entscheiden muss und das ist ganz schön schwierig. Auch habe ich Angst, später das Gefühl zu haben, ich hätte meinen Vater im Stich gelassen. Leider habe ich mit meinem Vater nie darüber gesprochen und von meinen Geschwistern ist jemand dagegen und jemand einverstanden.



Liebe Grüsse

Schnecke

Simplemind66
20.09.2007, 14:07
Hallo Schnecke,
erst einmal ganz herzliches Beileid.:in den arm nehmen: Das sind jetzt schwere Entscheidungen für dich.Ich trau mich kaum zu antworten,aber dir scheint es sehr wichtig zu sein:



Wie würdet ihr entscheiden?

Da wäre jeder im Gewissenskonflikt und jeder denkt da anders.


Einerseits möchte ich niemals ein Spenderorgan

Wenn Du mit Hilfe fremder Hornhaut auf einem Auge wieder sehen könntest wenn dir sonst ein Leben im Dunkel droht....das ist nicht bös gemeint!


Ich persönlich habe einen Spenderausweis und gehe regelmäßig zur Blutspende,weil ich möchte das auch mir geholfen wird wenn ich es brauche.


Wäre ich an deiner Stelle würde ich so entscheiden wie dein Vater es gewollt hätte.Als Tochter kennst du ihn ja doch sehr gut.

Alles Gute für Dich und viel Kraft für die nächste Zeit.

Egal wie du dich entscheidest; für dich ist sie die richtige.

fuechsine
20.09.2007, 14:27
Liebe Schnecke, mein herzliches Beileid -
und dann auch noch die "schwierigste" Frage überhaupt stellen.
Da traut man sich kaum zu antworten, aber Du möchtest es.

Ich persönlich stehe Organspenden sehr zweispältig gegenüber.
Knochenmark oder Blut sind für mich kein Problem, da ich als lebender Mensch zustimmen kann. Organe verpflanzen greift für mich in Gottes Ordnung ein und es gibt eine sehr kontrovärse Diskussion darüber, wann ein Mensch wirklich tot ist.

Du hast mit deinem Vater darüber nicht gesprochen. Deshalb würde ich jetzt Dein Befinden als Entscheidungsgrundlage nehmen.
Du wirst mit der Erinnerung leben müssen und ein Vater ohne Augen im Grab kann für Dich zum Alb werden, wenn Du nicht aus Überzeugung handelst.
Dein Vater ist nicht der einzige Spender und es geht hier nicht um eine 100% Übereinstimmung eines überlebenswichtigen Organes, für welches nur dein Vater als Spender in Betracht käme.

Alles Liebe

rainbow13
20.09.2007, 15:01
Auch von mir mein herzliches Beileid.

Ich verstehe auch Deinen Konflikt, aber bedenke, mit der Organspende kann ein anderer Mensch vielleicht wieder sehen.

Ich würde die Einwilligung geben, ich selbst besitze auch einen Organgspendeausweis.

Wie würdest Du denn im umgekehrten Falle entscheiden? Würdest Du für Dich oder einen Deiner Lieben "fremde" Oragane annehmen, sollte die Notwendigkeit bestehen?
Vielleicht bringt Dich Deine Antwort auf diese Frage ein bisschen weiter.

Alles Liebe
Rainbow

Schneckentempo1
20.09.2007, 15:27
Auch von mir mein herzliches Beileid.

Ich verstehe auch Deinen Konflikt, aber bedenke, mit der Organspende kann ein anderer Mensch vielleicht wieder sehen.

Ich würde die Einwilligung geben, ich selbst besitze auch einen Organgspendeausweis.

Wie würdest Du denn im umgekehrten Falle entscheiden? Würdest Du für Dich oder einen Deiner Lieben "fremde" Oragane annehmen, sollte die Notwendigkeit bestehen?
Vielleicht bringt Dich Deine Antwort auf diese Frage ein bisschen weiter.

Alles Liebe
Rainbow

Guten Tag euch dreien

Danke für eure Antworten.

Für mich ist der Fall klar: ich möchte kein fremdes Organ. Weil ich weiss, dass dafür jemand sterben musste und auch, weil ich weiss, dass mir damit kein so einfaches Leben gegeben würde, wie es vielleicht den Anschein hat. Ich müsste starke Medikamente nehmen, hätte vermehrt Infektionen und Pilzerkrankungen und auch immer die Angst vor einer Abstossung. Auch wäre mir der Gedanke, z.B. mit dem Herzen eines andern Menschen zu leben unerträglich.

Bei der Hornhaut sieht es aber anders aus: ich weiss nicht, ob die Transplantierten auch so starke Medikamente nehmen müssen, da die Hornhaut praktisch nicht durchblutet ist. Jemand stirbt nicht, wenn kein Spenderorgan gefunden wird, sondern ist blind und das stelle ich mir noch schrecklicher vor als den Tod vor Augen zu haben.

Ich habe übrigens keinen Spenderausweis, denn ich möchte keine Organe spenden. (Ich bin der Meinung, dass der Mensch ein Recht auf einen ruhigen und friedlichen Tod hat, ausserdem weiss ich nicht, wie tot denn ein Hirntoter wirklich ist. Immerhin können hirntote Männer Erektionen habe und Frauen Kinder austragen....)

Hätte ein Verwandter von mir z.B. Probleme mit Niere oder Leber, könnte ich mir aber eine Lebendspende vorstellen, bei einem Neffen oder einer Nichte, würde ich sogar ziemlich sicher spenden.

Ich habe mit meinen Geschwistern gesprochen und sie möchten die Hornhaut spenden, da unser Vater ja wirklich tot ist. Und so werde ich dem keine Steine in den Weg legen.

Aber wisst ihr was? Ich möchte wirklich nicht in den Schuhen einer Mutter stecken, deren Kind vielleicht einen Unfall hatte und dem nun die Organe entnommen werden sollen. Ich merke, wie schwierig dies schon ist, bei jemandem diese Entscheidung zu fällen, der tot ist. Wie viel schwerer muss es erst sein, wenn es sich um einen jungen Menschen handelt, dessen Herz noch schlägt und dessen Körper noch warm ist.

Liebe Grüsse

Schnecke

Simplemind66
20.09.2007, 16:26
Liebe Schnecke
Ich muß doch noch einen kurzen Nachtrag zu einem Satz schreiben...


Weil ich weiss, dass dafür jemand sterben musste

Der Mensch ist nicht für den Kranken gestorben, sondern durch andere Umstände. Er gibt als Spender lediglich anderen Menschen die Chance ein neues Leben zu beginnen. Unter anderem auch Kindern!Und lebt dadurch vielleicht ein Stückchen weiter...

Elch
20.09.2007, 16:50
Das möchte ich auch noch bestätigen! Das ist ganz wichtig, sich den Unterschied klar zu machen: er ist nicht FÜR einen anderen Menschen gestorben. Er ist leider gestorben. Und ich fände es wunderbar, wenn aus dem Tod eines geliebten Menschen noch IRGENDWAS Gutes entstehen könnte.
Wenn gar ein anderer Mensch dadurch weiterleben, wieder sehen oder wieder selbstständig atmen könnte.
Auch wenn ich tot bin und noch jemandem nützen könnte, würde ich das gerne tun.

Wenn ihr könnt, dann freut euch, dass selbst im Tod euer Vater noch einem anderen Menschen helfen konnte.

Siljastern
24.09.2007, 07:59
In meinem Freundeskreis gibt es zwei Menschen denen durch Organspende ein neues Leben geschenkt wurde. Eine knapp 30jährige Frau die durch eine Nierenspende wieder am Leben teilnehmen kann, vorher alle zwei Tage zu Dialyse usw. Dann noch das Kind einer Freundin, ist im Alter von zwei Jahren Herztransplantiert worden. Inzwischen ist es 12 Jahre alt, muss zwar täglich Medikamente nehmen aber ist ein wunderbar fröhlicher und ausgelassener Mensch.

Nicht nur aus diesem Grund schliesse ich mich Simplemind und Elch an.

Schön, dass Ihr dem für Euch sehr sehr traurigen Ereigniss für andere etwas positives tun konntet!

Schneckentempo1
24.09.2007, 10:33
Guten Morgen

Letzte Woche, genau 24 Stunden nach dem Tod meines Vaters habe ich schliesslich die Augenklinik angerufen und gesagt, dass sie die Honhäute entnehmen könnten. Vor allem, weil die Empfänger wirklich viel Lebensqualität gewinnen (sie müssen keine Medikamente nehmen wegen der spärlichen Durchblutung der Hornhaut) und weil mein Vater ja schon einen Tag lang tot war, sein Herz nicht mehr schlug.


Grüsse

Schnecke

Merya
24.09.2007, 11:20
Liebe Schneckentempo

Auch von mir mein Beileid.

Ich freue mich, dass du dich für die Hornhautentnahme entschieden hast. Ein anderer Mensch gewinnt dadurch immens an Lebensqualität. Ist das nicht ein schönes Gefühl?

Ich persönlich stehe der Organspende völlig positiv gegenüber. Mein Mann, ich und unsere beiden Töchter sind typisiert, gehen Blutspenden und haben einen Organspenderausweis.

In meinem Bekanntenkreis gibt es auch 2 Menschen, die mit einem fremden Organ leben. Bei einer Frau war es besonders tragisch, sie hatte gerade 4 Wochen vorher ein Baby zur Welt gebracht und daheim ein 4 jähriges Kind, als sich ihre Leber, aufgrund einer Medikamentenunverträglicheit komplett verabschiedete. Sie lag eine Woche im Koma, als sie erwachte, hatte sie eine neue Leber.

Das ist jetzt ein Jahr her, sie ist natürlich eingeschränkt, wird das auch immer bleiben, aber sie ist sowas von lebensfroh und dankbar, jammert nie, beklagt sich nie.

Ihre Spenderin war eine verunfallte Frau, etwa in ihrem Alter, das wurde ihr gesagt. Sie sagt, sie denkt ganz oft an diese Frau und wird ihr ein Leben lang dankbar sein, dass sie ihr ein zweites Leben mit ihrem Mann und ihren Kindern geschenkt hat.

Du hast es richtig gemacht!

Liebe Grüße
Merya

Inaktiver User
24.09.2007, 22:17
ich denke dabei an meine eigenes kind und stelle mir vor..was wohl wäre wenn ihr leben von einer organspende abhängen täte? aber keiner spenden würde...

ich habe seit 14 jahren einen Organspendeausweis...und kann natürlich nur für mich hier sprechen..

Schneckentempo1
26.09.2007, 10:59
ich denke dabei an meine eigenes kind und stelle mir vor..was wohl wäre wenn ihr leben von einer organspende abhängen täte? aber keiner spenden würde...

ich habe seit 14 jahren einen Organspendeausweis...und kann natürlich nur für mich hier sprechen..


Hallo Xenia

Deinen Gedankengang kann ich gut verstehen. Andererseits weiss ich seit dem Tod meines Vaters, wie es sich anfühlt, wenn einem Familienmitglied Organe entnommen werden sollen. Ich glaube nicht, dass ich es zugelassen hätte, wenn sie ihm das Herz oder die Nieren hätten herausnehmen wollen. Für mich ist dies eine Störung des Totenfriedens und der Gedanke, dass meinem toten Vater ein Organ entnommen wird (auch wenn es nur die Augen sind) war für mich doch sehr quälend und ist es immer noch. Ich habe ein wenig das Gefühl, ich hätte ihn im Stich gelassen.

Ich weiss für mich, dass ich niemals ein Fremdorgan möchte (und ich möchte mir die hammerhaften Medikamente nicht antun wollen). Und übrigens: die potentiellen Organempfänger sterben nicht, weil niemand spenden will, sondern weil sie schwer krank sind. Das ist ein Unterschied.

Aber wenn ich ein krankes Kind hätte? Ich weiss es wirklich nicht. Wie gesagt, einem Neffen würde ich eine Niere oder die Hälfte meiner Leber spenden. Blut- oder Knochenmark sowieso.

Schnecke