PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Warum Mama?



KeksundKruemel
18.09.2007, 15:37
Es waren zwei Wochen im August, die wir, Kruemel und ich, mit meinen Eltern bei uns verbracht haben. 500km trennen uns von einander. Da ist die Freude groß, wenn man sich endlich nach ein paar Monaten wiedersieht.
Wir haben alles mögliche unternommen und hatten viel Freude miteinander.
Am 19. August sind meine Eltern wieder nach Hause gefahren. Abends haben wir miteinander telefoniert, am darauffolgenden Abend auch. Bei uns war es üblich, dass wir alle 2-3 Tage miteinander telefonierten. Hauptsächlich Mama und ich.
Der Dienstag war für mich ein normaler Arbeitstag. Bis der Anruf meiner Schwester kam: Mama liegt nach Hirnblutung im Koma!
Den Mittwoch und Donnerstag waren wir, meine Schwester, mein Papa und ich, bei ihr. Ihre beste Freundin war noch bei ihr, wir haben mit ihr geredet, sie gestreichelt, gebetet. Jeden Arzt herbeigerufen um Hoffnung zu hören. Doch kein Arzt konnte sie uns geben. Nicht bei dieser Stärke der Blutung. Am Freitagmorgen kurz nach 8 Uhr rief die Klinik an. Das Herz hat aufgehört zu schlagen!
Heute vor vier Wochen ist es passiert. Gestern vor vier Wochen haben wir miteinander das letzte Mal telefoniert. Sie hat mir erzählt, dass ihre Freundin mit Mann da war. Sie hätten so einen Spaß gehabt. Hätte ihnen vom Urlaub erzählt, dass sie sich schon ein Haus bei uns angeschaut hätten, da sie alles verkaufen und zu uns runterziehen wollten.
Am Sonntag, als sie fuhren, meinte Mama noch zu mir, sie wolle gar nicht wissen, wann ihre Lebensuhr aufhört zu schlagen und das sie weiß, dass es noch nicht alles gewesen wäre in ihrem Leben und sie noch etwas ganz neues anfangen würde.

Meine Mama, meine Freundin, die beste Mama der Welt, die liebevollste, die herzlichste, die aufopfernste Frau, die ich kenne. Ich war immer das Mamakind, wir sind uns doch so ähnlich. Sie vermisste mich und wollte in meine Nähe ziehen.
Ich sehe sie vor mir, sehe den gemeinsamen Urlaub, sehe sie am Sonntag, als wir uns umarmten und sie dann losfuhren. Und jetzt? Jetzt ist sie nicht mehr da. Ich kann es nicht begreifen!!

Mein Papa tut mir so leid! 42 Jahre waren die beiden verheiratet. Beim Durchschauen der Alben immer wieder die Beschriftung: so verliebt wie am ersten Tag! Er ist nun alleine. Sicher, wir telefonieren fast täglich, aber das ist doch nichts im Gegensatz zu der Zeit mit Mama. Manchmal liegt mir mein Satz auf der Zunge, wenn ich ihn anrufe: ist Mama auch da?
Warum Mama? Warum gerade sie?

wolfsmond
18.09.2007, 16:06
Liebe Keks,

es tut mir sehr leid, dass Du Deine Mama hergeben musstest.
Kurz :in den arm nehmen: wenn ich darf.

Wünsche Dir und Deiner Familie, ganz besonders Deinem Papa, viel, viel Kraft und Menschen die Euch in dieser schweren Zeit unterstützen können.

wolfsmond

Inaktiver User
18.09.2007, 16:22
Das wünsche ich euch auch sehr!

Für deine Mama :kerze:
und für dich :in den arm nehmen:

malea

KeksundKruemel
19.09.2007, 12:16
Danke für Eure Worte.

Es ist so unbegreiflich, so unwiderruflich, so unabänderbar. Es nimmt mir die Luft, wenn ich an sie denke.
Wir hatten so darauf gehofft, dass sie es schafft, wieder zu uns zurück zu kommen.

Der Pfarrer meinte beim Trauergespräch, dass kein Mensch ein Recht auf 80 Jahre Leben hat und das es unser Egoismus ist, der uns traurig macht. Für Mama war es so am besten, so, unter diesen Umständen.
Aber dieser Umstand hätte gar nicht erst passieren dürfen. Sie war doch den Tag davor noch so voller Tatendrang!

Ich möchte sie wiederhaben! Sie war doch erst 61 Jahre alt!
Meine Eltern hatte soviele Pläne, Mama war so voller Elan wegen den anstehenden Veränderungen.

Ich könnte nur heulen. Warum sie??

meine_Dicke
19.09.2007, 20:44
Laß Dich (uns ) mal drücken. :in den arm nehmen:

Als ich Deine Zeilen las, dachte ich, das hätte ich geschrieben. Meine Mutti ist vor knapp 3 Monaten auf die gleiche Art und Weise von mir gegangen. Und sie war auch erst gerade 70 geworden.

Sie fehlt mir so unendlich.

Ich wünsche Dir viel Kraft für die nächste Zeit. Das einzige, was mich "aufrecht" hält, ist die Gewißheit, dass es Ihr dort, wo sie jetzt ist, gut geht. Und das sie auf uns heruntersieht und sich wünscht, das es uns gutgeht.

Das wünschen wir uns auch. Nur leider weiß ich noch nicht genau wie.

Mir tut es gut, hier im Forum zu lesen und zu schreiben. Bin froh, das es Euch alle gibt! :blume:

KeksundKruemel
20.09.2007, 14:19
Hallo meine_Dicke,

das mit Deiner Mutter habe ich gelesen. Es tut mir sehr leid!
Für uns Trauernde ist es so unsagbar grausam, auf diese schnelle Art einen so wichtigen Menschen zu verlieren.
Wir konnten uns nicht darauf vorbereiten, wir wurden einfach vor vollendete Tatsachen gestellt und müssen nun irgendwie damit klar kommen.
Mama hatte noch soviel vor und sie wurde dessen beraubt. Sie tut mir so leid!

Hattest Du auch das Gefühl, dass Deine Mutter im Koma "da" war und mitbekommen hat, dass man bei ihr war und was geredet wurde?
Immer wenn wir bei ihr waren ging der Blutdruck und der Puls hoch, die Hand zuckte. Als wir nachschauten, ob auch die Füsse geschwollen waren und die Bettdecke hochhoben, zuckte der Zeh, so als wäre es eine natürliche Reaktion auf den plötzlichen Luftzug. Außerdem sah es so aus, als kämen Tränen aus einem Augenwinkel.
Ein Arzt meinte, es wäre nicht auszuschließen, dass sie alles mitbekommen würde, denn oft würden frühere Komapatienten davon sprechen und dass sie einfach nicht die Möglichkeit hatten, durchzudringen.
Ein anderer Arzt jedoch und das macht mich neben der Trauer auch jetzt wieder total wütend, sprach uns (er stand auf der einen Seite des Bettes, wir auf der anderen) und fragte nach, als Mama im Koma vor uns lag, ob wir Organe spenden wollen. Wie kann ein Mensch so sein? Mama lebte und er fing immer wieder gierig an, von den Organen zu sprechen!! Wären wir nicht so betäubt gewesen, wir hätten sicher anders reagiert.

Als wir im Urlaub Minigolf spielen waren, machte Kruemel kleine Filmchen mit der Kamera. Und ich höre mich noch darauf, sie solle doch Bilder machen statt Filme. Wie froh bin ich jetzt darüber!

Keksundkruemel

Elch
20.09.2007, 16:47
Liebe Keks,
am 17.09. waren es 9 Jahre, dass meine geliebte Mama von uns gegangen ist. Sie starb 6 Tage nach einem Sturz an Hirnblutungen (der Hirndruck wurde zu groß). Sie war erst 57, war 31 Jahre mit meinem Vater verheiratet, hat 3 kinder groß gezogen. Ich war damals 27.
Noch heute vermisse ich sie. Auch ich war ein richtiges Mamakind. Wir haben sehr oft, alle 2-3 Tage, telefoniert. Wir waren uns so ähnlich - im Guten wie im Schlechten...:freches grinsen:

Mein Vater wäre fast zugrunde gegangen, es war die Liebe seines Lebens. Sie waren total unterschiedlich - sie die Extrovertierte, Fröhliche, Unternehmungslustige,Emotionale. Er der Belesene, Introvertierte, Zurückhaltende.

Sie war bei meiner Hochzeit vor 1 Jahr nicht dabei - und doch war sie immer da. Wenn ich mir vorstelle, wie oft ich noch heute an sie denke, 9 Jahre nach ihrem Tod. Manchmal kann ich nicht glauben, dass es so lange her ist. Manchmal kommt es mir ewig vor.

Ich kann so gut verstehen, wie du dich fühlst. Es ist der Mensch, den man vom ersten Augenblick sah und mit dem einen was ganz ganz Enges verbindet. Wenn man dann noch dazu ein "Mamakind" ist (im positiven Sinne), ist die Verbindung noch enger. Ich heule jetzt noch sofort los, wenn ich von ihr schreibe.
Ich glaube, ich habe damals nicht genug, nicht richtig getrauert. Es ist wichtig zu weinen, zu trauern, zu vermissen, zu leiden.

Ich wünsche dir, dass du zurecht kommst und trauerst. Deine Mama wird immer bei dir sein. Immer. :in den arm nehmen:

Sternzeit2506
20.09.2007, 17:48
Liebe Keks,

ich musste schlucken, als ich deine Nachricht las. Meine Mutter ist vor 5 Jahren im Alter von 67 gestorben. Sie ging mit Rückenschmerzen ins Krankenhaus und kam nicht wieder. Bei einer Biopsie wurde versehentlich daneben gestochen, dass sich 12 Liter Blut im Bauchraum ansammelten, bemerkte man leider zu spät. Sie ist nach drei Wochen auf der Intensivstation an Multiorganversagen gestorben. Meine Mutter lag im künstlichen Koma und die Schwester sagte mir manchmal, dass sie spüren würde, dass ich da sei, denn der Blutdruck stieg und die Medikamente schlugen schlechter an. Die Schwester sagte es liege daran, dass sie nicht schlafen will, weil ich da bin. Als ich an ihrem Bett saß und darauf wartete, dass sie für immer einschlief (nachdem alle Lebenserhaltenden Maßnamen eingestellt wurde), überkam mich plötzlich eine wahnsinnige Übelkeit. In dem Moment, als ich aufstand um am Fenster frische Luft zu holen, kam die Null-Linie auf dem Monitor. Ich denke häufig, dass meine Übelkeit etwas mit der Verbindung zu meiner Mutter zu tun hatte.

Mich hat der Tod meiner Mutter genauso getroffen wie dich. Es ist unfassbar, seine Mutter zu verlieren, sie fehlt mir ungemein. Gerade jetzt ganz besonders, wo mein Mann vor zwölf Wochen verstorben ist. Das Leben ist so ungerecht. Die meisten im Freundes- und Bekanntenkreis haben noch beide Eltern, den Mann/die Frau und teilweise sogar noch Oma und Opa. Und ich, ich habe niemanden mehr.

Ich wünsche dir und Krümel alles, alles Gute für die bevorstehende schwere Zeit. Sei versichert, dass hier alle an euch denken und mit euch fühlen. Mit persönlich tut es sehr gut, hier im Forum zu sein und ich hoffe sehr, dass es auch dir hilft.

Alles Liebe, Sternzeit

meine_Dicke
20.09.2007, 20:53
Hallo KeksundKrümel,

ich hoffe, Du hattest heute einen "ertragbaren" Tag. Meiner ging so.
Am schlechtesten geht es mir, wenn ich allein im Auto sitze. Ich weiß auch nicht warum, aber sowie ich allein dort bin, laufen mir die Tränen und ich habe das Gefühl, ich halte es vor Schmerz und Trauer nicht aus.
Aber eben immer nur, wenn ich allein im Auto bin. Zu Hause oder woanders ist das nicht so, jedenfalls nicht so schlimm.

Als meine Mutti im Koma lag, hatte ich nicht das Gefühl, das sie mich hört. Ich habe immer auf solche Dinge, wie das zucken der Finger, der Augenlider, der Zehen usw. geachtet, aber bei Ihr kam nichts. Schon in dem Moment, als ich sie bewußtlos fand, hatte ich das Gefühl, sie kommt nie wieder, das eigentliche ICH ist schon weg.
Am Tag ihres Todes hatte ich dann das Gefühl, als wenn es ihr gut geht. Sie sah ruhiger aus als sonst. Und mit einem Mal hatte ich dann das Gefühl, als wenn ihre tote Mutter mit im Raum war.
Ein paar Stunden später ist sie eingeschlafen. Ich bin gleich hin. Sie lag da, so ruhig und friedlich und wieder war ihre Mutter da. Das gab mir ein gutes Gefühl. Ich wußte, das es ihr gut geht, da wo sie jetzt hingeht...

Nur leider hielt dieses Gefühl nicht sehr lange an. Ich vermisse sie so furchtbar. Irgentetwas passiert und ich denke, das mußt du unbedingt Mutti erzählen. Und dann wird es mir wieder bewußt. Es ist einfach schrecklich ohne meine Mutter; sie fehlt mir so sehr.

Warscheinlich werden wir sie immer vermissen, nur hoffe ich, der Schmerz wird irgentwann weniger........

:blume: :blume: :blume: :blume:

KeksundKruemel
21.09.2007, 08:46
Ja, es ist so schrecklich unfair. Wie oft fallen mir im Moment alte Menschen auf und ich frage mich (ich weiss, es ist ein unmöglicher Gedanke, aber in der jetzigen Situation vielleicht auch irgendwie verständlich), warum sind die schon alle so alt und Mama mußte so früh gehen. Es ist so ungerecht. Warum werden richtig böse Menschen alt? Wo ist die Gerechtigkeit?

Eure Schicksale berühren mich sehr. Umso mehr, als das ich bisher bis auf den Tod meiner Großeltern keinen Kontakt damit hatte, all die Jahre nicht. Ich war so naiv! Und wenn ich mal daran dachte, meinen Eltern könnte etwas passieren, dann verdrängte ich den Gedanken direkt, weil ich es mir gar nicht vorstellen wollte und konnte.
Und jetzt lese ich von Euch, von all den geliebten Menschen, die einfach so gehen und bei jedem bleibt die Frage nach dem "Warum?".
Ich habe solche Angst, dass meinem Krümel etwas passiert. Oder natürlich auch Papa. Oder was ist, wenn mir etwas passiert? Was wird aus Krümel? Für mich war immer klar, dass nur Mama und Papa sie großziehen könnten und sollten.
Und nun??

Mama, ich vermisse Dich so sehr!

Keksundkruemel

Elch
21.09.2007, 09:31
Lieber Keks,
ich verstehe deine Gedanken sehr gut! Ich kenne sie, denn ich hatte sie auch. Auch ohne eigenes Kind habe ich Angst bekommen. Ich war nach dem Tod meiner Mutter überzeugt, dass mein Vater auch sehr bald, noch im Jahr danach, stirbt. Ich rechnete fest damit. Ein halbes Jahr nach meiner Mutter starb meine Omi - sie war 89 und hätte ihren 90. Geburtstag groß feiern wollen.
Meine Mama war ihr jüngstes Kind und ihr Tod hat sie aller Kraft beraubt. Am Grab meiner Omi bin ich dann völlig zusammengebrochen, habe so geweint als weinte ich da eigentlich um meine Mutter.

Danach war ich erst recht überzeug, dass mein Vater jetzt auch stirbt - und weißt du was, nach all dem Schmerz wünschte ich es fast, damit es dann mal ein Ende hat mit all dem Leid und niemand mehr sterben kann...

Er starb gottseidank nicht und lebt heute noch. Niemand und nichts schützt einen davor, dass einem geliebten Menschen etwas passiert und dass er stirbt.
Und niemand weiß vorher, wann und wie es passiert.

Und das ist auch sehr sehr gut! Versuch, dir nicht allzuviele Gedanken um dich, dein Kind und deinen Vater zu machen. Auch wenn es schwer ist. Du wirst es nicht wissen, wie es weitergeht und machst dich nur verrückt vor Sorge.

Der Tod ist so schrecklich, weil er so endgültig ist und so unvorhersehbar. Und weil uns plötzlich nur noch Erinnerungen bleiben und keine Zukunft.

LaDiva
22.09.2007, 18:23
Liebe Keks,
es tut mir so sehr leid, dass du deine Mutter verloren hast!
Ich kann es gut verstehen, weil mein Vater im Juni auch ganz plötzlich gestorben ist. Ich habe hier auch schon dazu geschrieben.
Er ist kurz vor seinem 66 Geburtstag einfach umgefallen, wurde reaminiert, war aber wahrscheinlich schon hirntot. Er lag noch zwei Tage auf der Intensivstation.
Auch mein Vater hat zwei Tage vorher, als ich ihn das letzte Mal gesehen habe, gesagt, dass er gar nicht darüber nachdenken will, was ihm passieren könnte. Wir hatten über Freunde von ihm gesprochen, von denen viele sehr krank sind. Um zwei Tage später dann das...
Das Schlimme für mich ist: es gibt keine Erklärung und keinen Trost.
Die Worte des Pfarrers, den du zitierst, finde ich zynisch. Natürlich kann man es nicht aussuchen, aber trauern und auch wütend sein, ist berechtigt.
Natürlich ist es egoistisch, dass man gerne noch lange Zeit mit dem geliebten Menschen bei Gesundheit verbracht hätte.
Na und?

KeksundKruemel
25.09.2007, 14:33
Hallo LaDiva,

glaube mir, in dem Falle bin ich gerne egoistisch.

Woran ist Dein Papa gestorben?

Heute sind es fünf Wochen her, dass Mama plötzlich ins Koma fiel.
Ob man irgendwann erfährt, warum es genau so sein sollte? Ist es wirklich vorherbestimmt, wann und auf welche Weise man sich verabschiedet?
Oft habe ich hier gelesen, dass es dem Mensch, der gegangen ist, dann gut geht. Aber wie kann es Mama gut gehen, wenn sie uns alle so traurig sieht? Ihr war es doch immer das wichtigste, dass es uns gut geht, dass wir es gut haben.
Es ist so widersprüchlich!!
Wir haben uns den Abend zuvor noch am Telefon unterhalten und sie erzählte mir von einer Bekannten im Ort, die in dem Monat, an dem sie das erste Mal Rente bezogen hat, einfach gestorben ist. Diese Frau, genauso alt wie Mama, wurde am Freitag beerdigt, an dem Tag, an dem Mama starb. Wie schnell kann es gehen, dass es einen selber trifft!
Es ist so grausam LaDiva, was Deinem Vater, meiner Mama und all den anderen hier widerfahren ist. Ja, es ist menschlich, das Gefühl, wenn es passiert und die Zeit danach, unmenschlich!

Keksundkruemel

LaDiva
25.09.2007, 21:37
Liebe Keksundkruemel,

mein Vater ist am plötzlichen Herztod gestorben. Er hatte seit ein paar Jahren einen Schrittmacher, aber ich habe mir immer gesagt, den haben viele. Er war kurz vorher noch bei allen Vorsorgeuntersuchungen und alles war ok!
Ich finde es manchmal unerträglich wie Mitmenschen (wahrscheinlich aus positiver Absicht) reagieren. " Er war vorher ja nicht richtig krank und hat nicht gelitten"- stimmt, aber er hätte mindestens 20 Jahre mehr verdient, er hatte noch so viel vor und hat das Leben geliebt!
" XY ist auch so früh gestorben"- mag sein, aber er war nicht mein Vater.
Kaum jemand kann einfach sagen, ja- es ist unbegreiflich, ungerecht und schlicht eine Katastrophe. Warum muss man immer versuchen, dem etwas positives abzugewinnen?
Es ist alles so grotesk: gestern habe ich einen Stein ausgesucht, der Steinmetz hat mich behandelt, als würde ich mir eine neue Handtasche aussuchen!
Erst hinterher habe ich gedacht, was hast du da eigentlich getan? Es war der Grabstein für Papa...

KeksundKruemel
26.09.2007, 10:00
Eben LaDiva,

es gibt nichts posivites daran!
War jemand vorher lange krank, hat er gelitten. Die Angehörigen konnten sich vielleicht darauf einstellen, je nachdem wie schwer die Krankheit war. Geht jemand überraschend, ist der Schock wohl einfach noch viel größer. Aber in beiden Fällen ist die geliebte Person einfach nicht mehr da. Also nichts mit positivem!

Mein Papa geht ein bis dreimal täglich zu Mama und redet mit ihr. Das finde ich gut und auch normal. Die beiden hatten immer soviel zu bereden, über alles. Da wurden noch Entscheidungen, egal welcher Art, gemeinsam getroffen. Und nun ist er alleine. Ich wohne sehr weit weg und kann nicht so oft hinfahren. Dafür telefoniere ich alle zwei Tage mit ihm, frage nach Neuigkeiten, was er gemacht hat etc. Er fährt nun auch öfter ins Nachbardorf und trifft dort Bekannte und/oder fährt einfach bei denen vorbei. Mit denen telefoniere ich auch ab und an, höre nach, wie Papa ausschaut, wie es ihm geht, was sie zusammen gemacht haben. Papa war halt immer der stillere Teil der beiden und über andere erfahre ich dann halt noch ein wenig mehr, was er mir vielleicht nicht sagen mag. Ich sorge mich halt um ihn.

Ich würde so gerne die Zeit zurückdrehen und noch intensiver diese beiden letzten Wochen Urlaub mit meinen Eltern verbringen!

Du schreibst, Dein Papa hatte noch soviel vor und bei meiner Mama war es ja genauso - deshalb verstehe ich die Aussage, die ich nun schon öfter gelesen habe, nicht, dass der Mensch geht, wenn er mit sich im reinen ist und alles erledigt hat.

Gruss

Keksundkruemel

Inaktiver User
26.09.2007, 11:07
Liebe KeksundKrümel,

ich drück dich auch mal aus der Ferne......

In dem Jahr, in dem meine Tochter geboren wurde, starben meine beiden Grossmütter, die ich sehr geliebt habe, kurz hintereinander, ganz plötzlich. Von einer konnt ich mich verabschieden, sie hat auf mich gewartet, dafür bin ich heute noch dankbar.

Mir war, als ob ein Stück meiner Sicherheit und meiner Vergangenheit wegbricht, auf einmal war ich nachgerückt, in der Generationenfolge. Nun waren meine Eltern die Grosseltern-Generation, und ich nicht länger das Kind, sondern die Erwachsenen-Generation.

Ich spür heute noch die Lücke. Ketzerische Gedanken: lieber will ich als erste sterben, als dass mich alle alleine lassen.....

Niemand hat es "verdient" oder nicht verdient zu sterben - aber das Kostbare am Leben ist, dass es endlich ist.
Ich glaube, dass wir in solchen Momenten daran erinnert werden, wie begrenzt unsere Tage sind, und dass wir gut und liebevoll mit den Menschen, die wir lieben, umgehen.

Ich wünsch dir Orte und Menschen, die dir in deinem Schmerz beistehen und dich halten.

Liebe Grüsse

teichmuschel
26.09.2007, 12:01
Liebe KeksundKrümel,

warum Mama? - Das habe ich mich am 30.04.2006 auch gefragt. An diesem Tag ist sie gestorben. Zwei Tage vorher hatte sie einen Schlaganfall und war nicht mehr ansprechbar.
Bis heute frage ich mich warum - auch wenn ich weiß, dass ich darauf nie eine Antwort finden werde.

Seit dem Tod meiner Mutter (mein Vater starb als ich 13 Jahre alt war) ist meine Welt eine andere geworden. Sie fehlt mir so sehr, die Rückenstärkung die sie mir durch ihr DASEIN vermittelt hat ist nicht mehr vorhanden.

Es gibt wenig Menschen mit denen ich über meine Mutter noch reden kann. Viele verstehen es nicht, da sie ja schon fast 17 Monate tot ist und ich immer noch sehr um sie trauere.
Es ist schön hier in diesem Forum zu lesen, dass dies "normal" ist und egal wie man trauert es nie "falsch" sein kann.

Ich habe leider keine Worte des Trostes oder eine Antwort auf Deine Fragen. Ich kann Dir nur ganz liebe Gedanken schicken und viel Kraft und Zuversicht für Deine/Eure Zukunft.

Liebe Grüße
Teichmuschel

KeksundKruemel
26.09.2007, 14:13
Vielen Dank, Ihr seid wirklich lieb. Dasselbe wünsche ich Euch auch!

Es ist schon "komisch". Warum meinen die Menschen, dass man nur kurze Zeit trauern muß/kann/sollte und sich manche abwenden und es einfach nicht verstehen, wenn es nicht so ist? Vielleicht haben diese selber noch keinen nahestehenden Menschen verloren?
Ich sehe gerade, wie es sich mit der Trauerkleidung verhält. Es ist doch jedem selber überlassen, ob er schwarz tragen möchte oder nicht. Mein Papa wurde nach zwei Wochen bereits darauf angesprochen, warum er denn immer noch schwarz trägt und das müsse doch nicht sein.
Für ihn und in ihm ist jetzt alles dunkel und er sagt, er kann einfach nichts helles tragen.
Man zeigt bzw. muß seine Trauer nicht durch die Kleidung zeigen, aber man kann, wenn man es möchte! Immer dieses Geschwätz!

Nein, eine Antwort werden wir nicht finden, aber trotzdem stelle ich mir diese Frage täglich.

Gruß

Keksundkruemel

meine_Dicke
27.09.2007, 12:18
Hallo,

mit der "Trauerkleidung" geht es mir genauso.

Keiner, bzw. fast keiner kann verstehen, das ich auch 3 Monate nach dem Tod meiner Mutter immer noch schwarz trage.
Früher habe ich auch gesagt, eine Farbe drückt doch meine Gefühle nicht aus und das ich bestimmt nicht schwarz tragen werde.
Und heute? Ich kann gar nicht anders. Meine Gefühle sind auch schwarz und ich möchte schwarz tragen!!!
Aber ich merke immer mehr, das mich alle komisch angucken und teilweise auch sagen: muss das denn immer noch sein?

Jaaaaaaaaaaaaaaa, für mich muss das sein.

Lieben Gruß an Euch alle

KeksundKruemel
05.10.2007, 08:14
Sechs Wochen sind es nun her, dass Mama ging.
Heute nacht habe ich wieder von ihr geträumt. Ich habe geträumt, sie wäre bei mir gewesen. Ich habe ihren Geruch wahrgenommen, fühlte mich berührt und es war, als wäre das auch außerhalb des Traumes so gewesen. Es war schön und gleichzeitig war es auch ein sehr verwirrender und schrecklicher Traum, weil Mama auch mit der Dunkelheit kam und mich zu sich rief.
Wie lange werden mich diese dunklen Träume noch heimsuchen?

Ach Mama, Du fehlst mir so sehr!

Deine Tochter

Alemanita
05.10.2007, 23:28
Hallo,
ich umarme dich. :blume:
Bin hier gelandet, weil ich auch meine Mama verloren habe, eigentlich derselbe Vorgang wie bei dir.
Ist erst 5 Tage her, und ich dachte, ich guck mal hier rein.
Glaube aber nicht, dass ich hier weiter lesen werde.

Es ging uns genauso wie dir, bei uns ist nur noch mehr Wut dabei, weil die Behörden uns Steine in den Weg legen, meine Mama ein paar Jahre jünger war und mein Vater selbst noch wegen einem Unfall schwer verletzt ist.

Ich hoffe nur, ich komme bald zum trauern, zur Ruhe.

Wúnsch euch viel Kraft. Ich glaube, ich habe sie.

KeksundKruemel
10.10.2007, 08:13
Hallo Alemanita,

das tut mir sehr sehr leid!
Fühl' Dich umarmt!

Wie geht es Deinem Vater? Ich hoffe besser!!!

Gruß

Keksundkruemel

mondmuschel
19.10.2007, 15:48
Hallo KeksundKruemel,

ich bin nun heut edas erste mal auf dieser seite und möchte dir sagen, dass ich dich wahnsinnig gut verstehen kann. meine mama ist vor einem halben jahr verstorben. sie war sehr lange krank und hat in den letzten monaten wahnsinnig gelitten. ich hab emir oft gewnscht, dass sie endlich von all dem leid erlöst wird. ich war bereit sie dafür herzugeben, damit sie das alles nicht mehr erleben muss. nun sitze ich hier und der schmerz wird irgedwie jeden tag größer. sie war mein ein und alles. meine basis, meine verbündete. sie war ein wundervolle frau.

der tag an dem sie starb ist mein geburtstag. und auch da sagen alle, ich solle doch dem ganzen etwas positives abgewinnen. dies sei ein zeichen für die verbundenheit meiner mam aund mir. der tag meiner geburt als der tag an dem sie endlcih erlöst wurde...usw.

aber ich muss damit leben, dass der tag an dem sie mir kuchen gebacken und blumen gebracht und mich im arm gehalten hat und der ist, an dem ich sie am meinsten vermissen werde.

meine mama und ich haben uns immer kleine zettelchen und briefchen geschrieben. einer ist mir besonders wichig. auf dem schrieb sie: "und nun kommt etwas ganz allein nur für dich: das band zwischen dir und mir, mama und tochter, das wird nei zerreissen." und in diesem moment kann ich das fühlen und das ist ein ganz kleiner trost.

ich bin sicher, das band, zwischen deiner mama und dir wird auch nie zerreissen.

KeksundKruemel
26.10.2007, 15:19
Liebe mondmuschel,

es tut mir sehr leid, dass auch Du Deine Mama verloren hast.

Du schreibst, sie war sehr krank und hat gelitten. Man sagt dann immer: es war besser für sie. Ich finde aber, es hätte gar nicht so sein dürfen.
Ich war immer so naiv oder nein, ich habe einfach verdrängt: Meine Mama, mein Papa sind einfach immer da. Punkt!
Und dann, entweder kommt es, ich sage mal schleichend, oder wie bei mir einfach über Nacht und es ist alles anders.

Das mit den Zettelchen, die ihr euch geschrieben habt, finde ich sehr sehr schön. Und dadurch sollte man sich immer bewusst machen, wie viel Glück man doch selber hatte, eine solche Mama gehabt zu haben.
Ich durfte sie 39 Jahre erleben....die Allerbeste! 39 Jahre wurde ich von ihr geliebt, 39 Jahre hat sie mir beigestanden, mir zugehört, immer an meiner Seite gestanden. Das allein macht mich zu einem Glückskind. Das, und das Wissen, dass ich ihr auch viel zurückgegeben habe. Sie wusste, wie lieb ich sie hatte, wie viel sie mir bedeutete.
Und darüber bin ich wirklich froh!

Gruß

Keksundkruemel

corst
29.10.2007, 10:50
Hallo Alle Miteinander,
endlich ein Platz an dem ich mich ausheulen kann,
Beim durchlesen der Zeilen ist mir endlich mal bewußt geworden, das auch Ander leiden.
Meine Mama ist vor ziemlich genau einem Jahr qualvoll an Lungenkrebs gestorben, ich habe sie dein anderthalb Jahre bis zu Ihrem Tode so gut wie es eben guing begleitet und bis zum letzten Atemzug die Hand gehalten. Aber heute noch mache ich mir Vorwürfe über ungesagte Worte, über Sachen die wir nicht gemeinsam durchführen konnten und was es alles so gibt.
Habe selbst noch Familie und mein Schwiegervater ist in der letzten schweren Zeit meiner Mutter auch an Krebs erkrankt, so das ich teilweise an einem Tag 2x ins Krankenhaus gefahren bin, zur Bestrahlung und Chemo und was es alles so gibt.
Bis heute habe ich nocht die Muße und Zeit gefunden zu traueren und das zieht mir alle Kraft weg.
Heulen kann ich immer, wenn ich an Mutti debke und wache morgens mit dem Bild der sterbenden Mutti auf und gehe so ins Bett. Das jetzt schon seit einem Jahr.
Ich kann jedem nur wünschen, die Karft u haben an der Trauer zu arbeiten, sie überrollt einem sonst nur.

mondmuschel
29.10.2007, 21:53
Liebe Keksundkruemel,
danke für deine liebe antwort! du sprichst mir aus der seele! behalte dir diese gefühl, ein glückskind zu sein! gerade habe ich so sehr geweint, weil mir mama so fehlt und die tage beinahe unerträglich sind ohne eine umarmung von ihr! und nun bin ich froh, doch noch hier im forum vorbeigeschaut zu haben.

sei weiter tapfer (so gut es geht :-))

liebe grüße

mondmuschel
29.10.2007, 22:06
hallo corst,

mir tut es aufrichtig leid, dass du deine mutter verloren hast! das was du schreibst kenne ich gut. man hat unzählige bilder im kopf, die weh tun, furcht und unendliche traurigkeit auslösen. man kann eigentlich mit niemandem darüber reden. weil es dinge sind, die man nicht in worte fassen kann. dass du im letzten moment bei deiner mama warst macht es dir nicht leichter, die dinge zu verarbeiten. aber du hast deiner mama damit etwas gegeben, wozu nur sehr wenige in der lage sind. du hast sie begleitet und ihre hand gehalten. ich wünsche mir manchmal auch, ich wäre diese eine nacht bei ihr geblieben. der gedanke, dass sie allein in ihrem zimmer lag ist sehr schlimm für mich. ich glauben, du wirst irgendwann deinen frieden finden und die schlimmen bilder werden mit der zeit verblassen und platz machen für schöne erinerungen.

ich wünsch dir viel kraft!