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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Es ist doch schon 3 Jahre her!



Biggi87
07.09.2007, 18:09
Hallo!

Heute schreibe ich zum erstem mal in einem Forum, weil ich euch nach dem was ich hier lesen durfte vertraue und ich hoffe das ihr mir vielleicht helfen könnt.
Vor ca. 3 Jahren ist mein Vater an einem Krebsleiden verstorben. Es war eine heftige Zeit, aber ich war immer froh, dass meine Familie und ich ihm bis zum Ende beistehen konnten und wir auch nach der Diagnose schöne Zeiten verlebt haben. Ich war sehr traurig und habe viel geweint in dieser Zeit. Nach einiger Zeit ging es besser und ich habe viele auch schöne Dinge getan und scheinbar sehr vieles verdrängt. Jetzt wo es mir gut gehen sollte (neuer Job z.B.) emfinde ich plötzlich seltsame Gefühle, plötzliche Angst,riesige Nervösität, Mutlosigkeit u.s.w. Und plötzlich denke ich wieder an meinen Vater und stelle fest; Er fehlt mir so sehr, ich habe Angst ihn zu vergessen und habe Trauergefühle als sei er erst gerade verstorben. Kennt Ihr dieses Gefühl? Ich habe Angst mit anderen darüber zu sprechen weil ich befürchte, dass man nach "so langer Zeit" kein Verständnis haben wird. Leider kann ich nicht von meinem Papi träumen oder irgendetwas empfinden wenn ich an seinem Grab stehe, ich möchte nicht das er ganz aus meinem Leben verschwindet.

fuechsine
07.09.2007, 18:22
Liebe Biggi, -hallo:blumengabe:

ich bin nur eine Laien-Psychologin, aber könnte es sein, daß in Deinem Leben auch andere Dinge zu betrauern sind?
Und da Du die Trauer um Deinen Vater kennst, sie sich jetzt als Signal für dieses Gefühl als "bekannt" zurückmeldet?
Aber selbst wenn es so ist, wie Du glaubst, daß der Verlust um Deinen Papa und der Schmerz nochmal zurückkommen muß, fände ich es normal.
Ich habe vor zwei Jahren meinen Mann verloren und es kommt immer wieder in Wellen zurück. Mal mehr und mal weniger heftig.
Meine Schwägerin lebt im 4.Jahr ihrer Trauer und sagt, das 3. Jahr sei das schlimmste gewesen. Ich glaube, sie war einfach vorher durch ihre Psycho-Tabletten sehr wattiert gewesen.
Vielleicht magst Du ja noch ein bißchen mehr schreiben?

Liebe Grüße

Biggi87
07.09.2007, 20:02
Hallo fuechsine,
ja, ich glaube wattiert ist der richtige Ausdruck. Nicht durch Tabletten, aber durch Funktionieren. Schnellstmögich wieder an die Arbeit, meine Mutter unterstützen und mir selbst nach Möglichkeit nichts anmerken lassen. Ich habe mir keine Zeit gelassen richtig Abschied zu nehmen und die Erfahrungen mit der Krankheit zu verarbeiten. Heute spreche ich zum ersten Mal seit min. 2 Jahren über diese Dinge und es fällt mir sehr, sehr schwer.
Trotzdem merke ich schon jetzt dass es mir gut. Danke fürs Zuhören (lesen)

wolfsmond
07.09.2007, 20:40
Hallo Biggi,

es tut mir sehr leid, dass Du Deinen Papa durch diese schreckliche Krankheit verloren hast.

Wenn Du Dir Deinen Kummer von der Seele schreiben möchtest, bist Du hier genau richtig. Man muss sich nicht großartig erklären und wird dennoch verstanden.

Ich drück' Dich, wenn ich darf, und wünsche Dir viel Kraft!!!

vlg
wolfsmond

Inaktiver User
11.09.2007, 08:35
"Jetzt wo es mir gut gehen sollte (neuer Job z.B.) emfinde ich plötzlich seltsame Gefühle, plötzliche Angst,riesige Nervösität, Mutlosigkeit u.s.w."

Liebe Biggi!

Meine beste Freundin ist auch vor 2 1/2 Jahren an Krebs gestorben. Sie hat 5 Jahre gekämpft.
Genau wie dir ist es auch mir ergangen. Natürlich war die Trauer in den ersten Monaten am schmerzhaftesten. Aber dann, nach ca. 1 1/2 Jahren hatte ich die gleichen Gefühle, wie du sie beschreibst. Plötzliche Angstattacken, Nervosität etc. Ich wusste erst auch überhaupt nicht, was mit mir los war.
Nachdem meine Ärztin gesundheitlich alles andere ausgeschlossen hatte, habe ich eine Neurologin aufgesucht, die auch eng mit Psychologen zusammen arbeitet. Nach langen Gesprächen sagte sie dann, ich sei nicht psychisch krank, sondern ich trauere - und das sei gut und richtig so. Auch wenn schon soviel Zeit vergangen ist. (Dafür hat ja nicht jeder Verständnis).Ich hatte den Tod meiner Freundin nie richtig verarbeitet, dazu gehören besonders auch die 5 Jahre der Krankheit.

Der Tipp einer Psychologin, meine Gefühle aufzuschreiben (egal ob für dich in einem Tagebuch oder hier im Forum) hat mir echt geholfen. Ich habe mit Tagebuch-schreiben angefangen und bin erst durch den Rat meiner Schwester auf dieses Forum gekommen.
Und es hilft mir wirklich sehr.
Wenn du ein bisschen hier liest, wirst du schnell merken, dass viele die gleichen Gefühle haben wie du, und somit, dass es ganz normal ist, was du durchmachst (ich habe erst immer gedacht, jetzt ist es soweit - jetzt wirste verrückt)!

Ich wünsch dir alles Liebe und :in den arm nehmen:

LG,
malea

Biggi87
11.09.2007, 15:50
Liebe Malea,
ich danke dir sehr für deine Antwort. Ich habe in den letzten Tagen viel hier im Forum gelesen und es ist genau wie du schreibst. Dadurch das ich merke wie vielen Menschen es so geht wie mir, ist mir zumindestens die Angst genommen "verrückt zu werden". Ich weiss jetzt, ich bin nicht allein. Die schweren Schicksale der Menschen die hier schreiben berühren mich sehr und ich habe schon jetzt gelernt, dass ich jedes Recht habe "auch noch jetzt" um meinen Vater zu trauern. Ich habe mich nach meinem Beitrag zum ersten Mal getraut meine Mutter auf meine Gefühle anzusprechen und es hat uns beiden sehr gutgetan uns einmal über unsere Trauer auszusprechen. Auch ihr geht es noch nicht gut, obwohl sie sich einen grösseren Freundeskreis geschaffen hat und auch die Familie immer für sie da ist, fühlt sie sich oft einsam.
Plötzlich erinnere ich mich immer mehr an die Zeit der Krankheit und des Sterbens und es tut immer noch genau so weh. Ich wusste gar nicht mehr dass ich soviel weinen . Aber ich bin zuversichtlich, dass vielleicht auch die schönen Erinnerungen wiederkommen. Ihr habt mir auf jeden Fall geholfen einen Anfang zu machen. Biggi

Biggi87
11.09.2007, 15:52
Danke Wolfsmond, deine Worte machen Mut. Biggi

ann_weber
26.09.2007, 18:31
Liebe Biggi!

Auch von mir herzliches Beileid.
Mein Vorschlag: mach Dir eine Kerze an; mir persönlich gibt es immer das Gefühl von Nähe!

:in den arm nehmen: Auch ich drücke Dich.

Grüße Ann