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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Club der Survivor-innen



sugarsheep123
27.08.2007, 17:04
Liebe 30+!!!

Ich habe mich heute bei der Brigitte-Community angemeldet und bin nun zum ersten Mal in diesem Forum.

Ich hätte ja nie gedacht, dass wir so viele sind, die sich über das bisher geführte Leben so viele Gedanken machen!

Ich bin merkwürdigerweise immer davon ausgegangen, dass ich die Einzige bin, bei der alles schrecklich schief läuft!

Ich bin immer davon ausgegangen, dass ich mein Leben planen könnte. Leider weit gefehlt. Eigentlich verlief bis zu meinem 30. Geburtstag auch alles nach Plan. Doch, mit der „3“ setzte bei mir etwas aus.

Ich war bis dato eigentlich glücklich verheiratet. Gut, sexuell hätte es besser laufen können, aber, eigentlich war ich zufrieden.

Irgendwann lernte ich durch Zufall einen anderen Mann kennen und warf alle guten Vorsätze über Bord, verlies meinen Mann, um mit dem anderen ein neues Leben anzufangen.
Nach kurzer Zeit hatte ich dies allerdings schon bitterlich bereut – doch es war zu spät! Mann futsch, altes Leben futsch! Der Mann, für den ich alles zurückgelassen hatte, entpuppte sich als Kröte und wollte sich auch nach noch so vielen Küssen nicht in einen Prinzen verwandeln! Dumm war nur, dass ich mit dieser Kröte ein Haus gekauft hatte. Aufgrund der finanziellen Verpflichtungen habe ich versucht, das Beste aus der Situation zu machen. Das hat natürlich nicht funktioniert und somit stand ich zu Anfang des Jahres mit nur 31 Jahren vor einem riesigen Scherbenhaufen!!!

Ich bin aus dem gemeinsamen Haus ausgezogen und vorübergehend in die Wohnung meiner Mutter eingezogen bis ich etwas Eigenes gefunden hatte (mit 31 fühlt sich das ganz toll an :heul: !!!). Ich habe das Finanzielle geklärt und musste auf einmal mein Leben neu ordnen. Und das war irgendwie echt schwierig!!! Alle um mich herum waren verheiratet – oder im Begriff das zu tun – hatten Kinder, Haus und Hof. Ich stand als Single da und kannte mich eigentlich selbst nicht mehr! Auch war ich im Job nicht wirklich zufrieden. Ich verdiene zwar ganz gut aber der Job an sich ist nicht wirklich eine Leidenschaft von mir.

Was ich am schwierigsten fand war herauszufinden, was will ich eigentlich. Wie macht man das? Setzt man sich hin und schreibt die Dinge auf, die einem wichtig sind? Welche Möglichkeiten hat man? Welche Vor- und auch Nachteile hätte die eine oder andere Entscheidung. Das hat alles sehr viel Kraft gekostet.

Letztendlich habe ich einiges über mich selbst erfahren. Es gibt noch viele Dinge, die ich gern ändern möchte, aber ich glaube, ich bin mir selbst schon ein ganzes Stück näher gekommen und werde weiter an mir arbeiten. :smile:

Ich suche in diesem Forum Frauen, denen es ähnlich ergangen ist und würde mich mit Euch gerne über die gemachten Erfahrungen austauschen!!!

Liebe Grüße

Eure Sugarsheep123 :blume:

LaDiva
29.08.2007, 23:04
Hallo Sugarsheep!

Mir ist es ganz ähnlich ergangen: ich war zwar nicht verheiratet, aber über 8 Jahre mit meinem damaligen Freund zusammen als wir mit Freunden ein Haus gekauft haben. Alles war eitel Sonnenschein- nette junge Menschen leben zusammen und verwirklichen ihren Traum von Harmonie. Nur mir wars irgendwie komisch. Plötzlich ging mir auf, dass die Beziehung im Prinzip schon lange eher ein Nebeneinander ist. Es gab auch einige "Schlüsselszenen", die mir während des Umbaus des Hauses die Selbstsucht meines Freundes vor Augen führten.
Es war natürlich die unmöglichste Zeit für eine Trennung (gemeinsamer Kredit, Planung usw.), aber ich hatte das Gefühl, dass ich so nicht leben kann, dass alles verlogen ist und ich mich ewig für meine Feigheit verachten würde, wenn wir wegen materieller Dinge zusammen blieben. Was dann kam, war eine Katastrophe: er zog beleidigt aus, ich stand im Rohbau. Alle "Freunde" haben mich angefeindet und als egoistische Hexe dargestellt. Ich musste mich vor Gott und der Welt (sogar Bank, Finanzamt) rechtfertigen! "Hätten Sie das denn nicht vorher bedenken können?" - Hätte ich, habe ich aber nicht!
Vermeintliche Freunde haben entweder gar nicht mehr mit mir gesprochen oder darauf spekuliert, mir die Wohnung günstig abkaufen zu können...
Das war das allerschlimmste: niemand hat mir zur Seite gestanden, wenigstens gesagt: Ich verstehe dich zwar jetzt nicht, aber du wirst deine Gründe haben, das akzeptiere ich. Kurzum, ich habe gemerkt, dass ich keine Freunde habe. Nur meine Eltern haben mir geholfen. Auch ganz praktisch beim Renovieren.
Ich war damals auch 31, alle in meinem Umfeld waren in der Nestbauphase und ich stand im wahrsten Sinne des Wortes vor den Ruinen. Es war die schlimmste Krise meines Lebens. Ich habe nebenbei noch Vollzeit in einem stressigen Job gearbeitet und manchmal gedacht, ich drehe bald durch.
Das alles ist jetzt 5 Jahre her und im Nachhinein muss ich sagen, dass ich seitdem eine andere bin. Ein bißchen ernsthafter und weniger naiv. Dafür selbstbewußter und autonomer. Aber ich weiß auch, dass es nur wenige Menschen gibt, auf die man sich wirklich verlassen kann. Meist haben sie egoistische Gründe, man merkts nur nicht, wenn alles glatt läuft.
Es waren zwar auch bittere Erfahrungen, aber ich bin froh und stolz auf mich, dass ich nicht getan habe, was "vernünftig" und "normal" ist, obwohl meine innere Stimme dagegen war. Ich habe auf mein Gefühl gehört und das hat sich als absolut richtig herausgestellt.
Ich bin heute sehr glücklich mit allem, lebe immer noch dort (so wie ich will). Mein damaliger Freund hat sich dann mehrfach für sein Verhalten entschuldigt, wollte wieder einziehen... Von wegen!

Melian
16.09.2007, 03:09
Hallo Sugarsheep!

Du hast echt einiges hinter Dir und durchgemacht! Du hast Entscheidungen getroffen, auch wenn Du sie hinterher bereut hast. Dennoch zeugt es von Deiner Stärke, und ich denke, dass Dein Erlebtes Dich noch stärker gemacht hat.
Ich hatte leider nicht diese Stärke, Entscheidungen zu treffen, und habe seitdem ich 19 war mit einem 12 Jahre älteren Mann zusammengewohnt, in seinem Haus, MIT seinen Eltern. Horror! Ich wünschte mir Kinder, und er hat sich 14 Jahre lang nicht erklärt, ob er sie auch will. Als er dann im 14. Jahr auf mein Drängen hin "ja" zu Kindern sagte, schlief er von dem Tag an nicht mehr mit mir. Ich habe es insg. 15 Jahre lang ausgehalten, teils aus Liebe, aber größtenteils aus Angst alleine zu sein. Erst eine Therapie konnte mir auch der Depression und der Beziehung heraushelfen.
Habe danach einen Neuanfang in Münster gewagt und es niemals bereut! Heute führe ich ein unabhängiges Leben mit lieben guten Freunden, aber ohne neuen Partner. Ich fühle mich viel besser als früher, und manchmal dann auch wieder nicht, weil kein neuer Partner da ist.
Die Wehmut ist einfach da. Heute war ich auf einem Klassentreffen. Fast alle sind verheiratet und haben Kinder und Eigenheim, einer legte mir sogar bedauernd seine Hand auf meine Schulter und meinte, ich solle doch nicht traurig sein, dass es mit meiner Familiengründung noch nicht geklappt hätte... nur weil ich sagte, ich sei Single und ohne Kinder!!!!!! *Haare rauf*
Hab die Party schnell wieder verlassen... :knatsch:

Dennoch gibt es Momente, in denen ich stolz bin, dass ich doch noch den Mut zum Neuanfang gehabt habe, und wo ich froh bin, dass mich die Sorgen der Mütter und Ehefrauen nicht plagen.

Nicht unterkriegen lassen!
Liebe Grüße, Melian :blume:

kimtim
20.09.2007, 16:09
Ich reih mich mal mit ein.
Ich bin 37 und das ist meine Geschichte (Kurzform)
Mit 19 geheiratet, 1 Jahr später getrennt (er hat mich geschlagen)
Mit 21 den Vater meiner Kinder Kennengelernt, 7 Jahre und zwei Kinder später Trennung (er wollte keine Verantwortung mehr tragen) Nun gut, alleinerziehend, kleine süsse Wohnung, Job, war eine schöne Zeit.
Mit 30 Mann kennengelernt, waouw, total verliebt, Patchwork Family, alles super... Haus gekauft, liebevoll renoviert und 5 Jahre später will er die Scheidung.
Er war von Anfang an ein Lügner und Psychoar... er hat alle manipuliert, mich als erste.
So nun war ich 2 Jahre alleine, für eine Beziehung nicht zu haben obwohl mir schon gefehlt hat mit jemanden zu reden, gemeinsam einschlafen usw.
Diese 2 Jahre waren die härtesten meines Lebens, aber ich habe sehr viel nachgedacht. Die Kinderlosen W-E meistens alleine zu Hause verbracht und gegrübelt. Teilweise habe ich mich nicht auf meinen Balkon getraut aus Angst dass ich runterspringe. Ich habe funktioniert, war für die Kinder da, ein mindestens 40 Std / Woche Job und mehr nicht.
Nun, es hat sich mit der Zeit entspannt, ich habe viel über mich gelernt und bin "gewachsen".

Vor 6 Monaten lernte ich meinen Freund kennnen, einen Mann den ich noch vor einem Jahr nicht "gesehen" hätte. Er hat nichts vom Profil meiner Exen und damit fahre ich viel besser. Er ist ruhig, tolerant, hilfsbereit und... wir planen absolut nicht zusammen zu wohnen... Das ist das Geheimnis für mich. Ich brauche Freiraum, einfach alleine zu Hause zu sein... Wir sehen uns 3 bis 4 x die Woche und es passt!

Ich wünsche allen die in einer schwierigen Lage sind die Kraft zu finden da wieder heraus zu kommen.
Was uns nicht umbringt macht uns stärker.

LG, Kim