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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Kollegin ist todtraurig über Trennung von Ehemann



Inaktiver User
24.08.2007, 23:31
Seit einem Jahr haben wir (Großraumbüro) eine neue Kollegin Gaby, die sehr freundlich und sympathisch ist, aber mit der ich wenig zu tun habe, was sich auch aus dem großen Altersunterschied ergibt (sie ist 50, ich bin 35).
Seit einigen Wochen ist sie sehr zurückgegzogen und wirkt sehr abwesend, eine andere Kollegin sah sie vor ein paar Tagen weinend im Waschraum. Heute erfuhr ich (wiederum von einer anderen Kollegin), Gaby habe ihr erzählt, die Adressliste müßte überarbeitet werden, weil sie nächste Woche umziehen würde. Auf die Frage "Oh, ihr zieht um?" kam dann ein "Nein, ich ziehe um." Das hat dann doch für einen Schock gesorgt, denn bislang klang es nicht so, als würde es in der Ehe kriseln. Noch im April plauschten wir über den Urlaub und sie erzählte mir von ihrem bevorstehenden mit ihrem Mann, auf den sie sich sehr freuen würde.
Ich weiß jetzt nicht, wie ich ihr gegenübertreten soll. Gern würde ich ihr was Nettes sagen oder mal nachfragen, wie es ihr derzeit geht, aber ist das angemessen, schließlich kennen wir uns kaum und betreiben immer nur Smalltalk und das nicht mal täglich? Mir hat sie nichts von den Ereignissen erzählt, sollte ich ihren derzeitigen Zustand einfach ignorieren und so tun, als fällt mir nichts auf?

Karla48
25.08.2007, 02:01
Wie wäre es denn, wenn Du ihr einfach eine Blume auf den Tisch legst und einen Zettel "Kopf hoch, liebe Grüße von Mausi Mustermann"?
Über so etwas würde ich mich an ihrer Stelle sehr freuen.

LG Karla

Valentine
25.08.2007, 06:35
hallo,

ich hatte ähnliches bei uns im team erlebt mit einer kollegin und ich habe erstmal nichts gesagt. als es sich ergeben hat, dass wir mal enger zusammen arbeiteten, habe ich ihr gesagt, dass ich sehr betroffen war und dass ich ihre gleichbleibende haltung im team sehr bewundere. sie hat mich nur überascht angeschaut und gelächelt.

grüssle valentine

Aareblitz
26.08.2007, 18:52
Ich finde die Frage sehr schwierig, jeder Mensch ist da anders.

Karla schreibt ja, dass sie sich über eine kleine Aufmerksamkeit freuen würde. Ich hingegen war nach der Trennung von meinem Freund (auch eine lange Beziehung) froh, wenn mich die Kollegen die mir nicht so Nahe standen in Ruhe liessen. Ich habe ihnen in einer entsprechenden Situation kurz gesagt dass wir getrennt sind und war froh, wenn sie mich nicht weiter darauf ansprachen.

Kommt also darauf an ob Deine Arbeitskollegin Typ Karla oder Typ Aareblitz ist :zwinker:

Malina70
26.08.2007, 20:11
Hallo driving,

wenn Du sie in irgendeiner Form darauf anspricht, weiß sie ja, dass über sie geredet wurde. Und ich denke mir, dass ihr das nicht sonderlich gefallen wird. Man fragt sich ja dann automatisch immer, was da wohl alles gesagt wurde und mag nicht zum Objekt des Mitleids werden.

Ich wäre ganz einfach freundlich und nett zu Ihr. Wenn Du sie mal allein triffst, kannst Du durchaus fragen, wie es ihr geht, sie käme Dir in letzter Zeit so still und traurig vor. Diese Form von Aufmerksamkeit und Anteilnahme halte ich für die unaufdringlichste. Schließlich kann sie ja sagen, dass nix ist, wenn sie nicht darüber reden will. Aber ich denke, es wird sie doch freuen, dass es Dir aufgefallen ist.

Viele Grüße,

Malina

Inaktiver User
26.08.2007, 20:37
Ich finde die Idee mit der Blume und dem Zettel klasse! Da ist sie nicht in der Situation, mit dir reden zu müssen, wenn sie vielleicht in dem Moment gerade den Kopf voll und keinen Nerv hat. Wenn du sie drauf ansprichst, dann ist die Situation vielleicht gerade schlecht und sie fühlt sich genötigt, dir zu antworten.

Man weiß nie, wie andere reagieren bzw. ob sie es gut oder schlecht finden, wenn sie angesprochen werden. Ich fand es damals bei meiner Trennung immer gut. Bei uns gingen zuerst Gerüchte hier im Ort um, dass wir uns trennen würden ... der übliche Dorftratsch halt. "Gute Freunde" und Bekannte tratschten fröhlich mit - taten mir gegenüber aber unbeteiligt. Aber eines Tages klingelte eine Frau an meiner Tür, die ich zwar mochte, mit der ich aber bis auf ein Schulprojekt nicht viel gemeinsam unternommen hatte ... die sagte "Marie, ich habe gehört, dass ihr euch trennen wollt - und bevor ich auf den Dorftratsch höre, würde ich es gern von dir selbst hören! Wenn du nicht drüber reden willst, dann ist es auch ok!"

Das fand ich klasse! Und mutig!

Aber manche hätten es vielleicht auch als Neugier und Dreistigkeit empfunden!? Ist eben von Fall zu Fall und von Mensch zu Mensch unterschiedlich!?

Karla48
26.08.2007, 23:38
Mir fällt gerade noch etwas ein:
Ich hatte auch mal zufällig mitbekommen, dass eine Kollegin (andere Abteilung, anderes Stockwerk, kein näherer Kontakt nienicht) weinte und Liebeskummer der Grund war.

Meine kleine Postkarten-Mail "Hallo Annette, ich habe mitbekommen...weiß wie weh das tut...ganz liebe Grüße und jeder Tag ist ein neuer Tag" oder so ähnlich hat sie sehr erfreut. Kein bißchen "zu nahe getreten".
LG Karla

Lukulla
27.08.2007, 16:10
Die Idee mit Karte und Blume auf dem Schreibtisch finde ich auch gut, wenn sicher ist, dass die Kollegin weiss, dass alle wissen, dass sie sich getrennt hat. Sonst könnte es ihr peinlich sein, dass sogar die Kollegin X aus Abteilung BA es weiss.

Falls es unsicher ist, was nach aussen gedrungen ist, würde ich die Kollegin in einem ruhigen Moment, wo sie alleine mit Dir ist, kurz ansprechen, wie es hier schon gesagt wurde: Du wirkst so traurig......das zeigt Anteilnahme.

Ich jedenfalls würde mich freuen, wenn man mir Mitgefühl entgegen bringt, ohne mich auszufragen.

juri
30.08.2007, 23:50
Hallo driving!

Bei uns im Büro herrscht ein recht gutes Betriebsklima. Bei rund 50 Personen kennt man nicht alle gleich gut und kann auch nicht alle gleich gut leiden, trotzdem wird sich umeinander gekümmert. Ist jemand auffällig ruhig geworden oder sieht kränklich aus, wird er/sie auch angesprochen. Darüber hat sich noch nie jemand geärgert.

Im Gegenteil. Die Menschen freuen sich, weil es zeigt, dass sie anderen nicht egal sind. Manchmal wundert man sich, wie redselig selbst die stillsten Kollegen werden können.

Mit den Kollegen verbringen wir doch sehr viel Zeit und da gehört es für mich dazu mehr von ihnen zu wissen (und sie von mir) und nicht nur ihre Arbeitsweise zu kennen.

Du kannst deiner Kollegin den Schmerz, die Trauer nicht nehmen (damit muss sie alleine fertig werden), aber du kannst mit einer Geste für ein kleines Highlight sorgen.

LG juri

Sonne35
31.08.2007, 20:09
Kann man einen anderen Menschen nicht in seinem Schmerz einfach mal in Ruhe lassen? Zumal die Frau ihren Kummer ja offensichtlich nicht zum allgemeinen Thema machen will. Muss man sich da unbedingt hineindrängen? "Ich weiß es jetzt auch schon!"

Und dann noch einen Zettel hinlegen auf dem "Kopf hoch" steht - toller Trost! Das ist ja sowas von daneben. Wie wär's mit einem Aushang am Schwarzen Brett?

Lukulla
31.08.2007, 20:19
Sonne, nun komm mal wieder runter.

Deswegen reden wir hier ja darüber, damit man einen angemessen Ton und Art findet, Mitgefühl auszudrücken.

floridia
01.09.2007, 12:13
Wie wäre es denn, wenn Du ihr einfach eine Blume auf den Tisch legst und einen Zettel "Kopf hoch, liebe Grüße von Mausi Mustermann"?
Über so etwas würde ich mich an ihrer Stelle sehr freuen.

LG Karla

Ist zwar nett gemeint, aber wenn man offiziell nichts von der Trennung weiß, unpassend.

Wenn dir aufgefallen ist, dass sie traurig ist, könntest du sie darauf ansprechen. Dann siehst du ja, wie sie reagiert. Ob sie darüber sprechen möchte oder nicht. Alles andere wäre peinlich für sie.

Aareblitz
01.09.2007, 13:48
Der Ton von Sonne ist zwar nicht besonders freundlich, aber grundsätzlich stimme ich ihr zu.

Wenn mir eine Kollegin, der ich nichts von der Trennung erzählt habe und die mir nicht besonders nahe steht, so eine Nachricht aufs Pult legen würde, dann würde ich mir als erstes Mal überlegen, wieviel wohl über mich gesprochen wird. Ich mag solche Sachen nur mit meinen engen Freunden besprechen und möchte eher nicht, dass Andere solche Themen breitschlagen und mich mitleidig darauf ansprechen, auch wenn es nett gemeint ist.

Inaktiver User
01.09.2007, 22:43
So unterschiedlich wie eure Beiträge, so sind auch meine Gefühle. Bislang habe ich noch nichts gesagt, aber derzeit hat sie auch Urlaub. Ich glaube, ich werde mich zurückhalten und warten, bis sich ein persönliches Gespräch entwickelt. Danke für eure Anregungen!

Inaktiver User
01.09.2007, 23:15
Ich finde die Idee mit dem Zettel auf dem Schreibtisch auch nicht ganz so gelungen und möchte eher davon abraten.
Als mein Mann sich von mir getrennt hat, habe ich es den Kollegen erzählt, von denen ich der Meinung war, dass sie es wissen müssen (weil wir eng zusammen arbeiten) und den Kollegen, mit denen ich befreundet bin. Hätte mir außerhalb dieses Kreises jemand einen Zettel auf den Tisch gelegt, wäre ich sehr irritiert gewesen. Und ich hätte es, ganz ehrlich gesagt, nicht positiv bewertet.
Es mag wirklich lieb gemeint sein, aber manchmal ist Diskretion die bessere Lösung.

Mocca
02.09.2007, 09:56
Warten und sich zurückhalten ist in meinen Augen die beste Lösung.


Wenn kaum jemand "offiziell" vom Anlass der Traurigkeit weiß, gehört es sich nicht, dies durch Zettelchen o.ä. in den öffentlichen Bereich zu zerren.

Etwas ganz Anderes ist es, wenn man an sich einen guten Draht zu der Kollegin hat und diese in einem stillen Moment anspricht: "Du bist in der letzten Zeit so bedrückt/ traurig! Gibts einen Grund dafür? Möchtest du drüber sprechen?" Alles Andere wäre für mich überzogen und würde mich stark an Einmischung in persönnliche Probleme denken lassen. Eine Schulter zum Ausweinen anbieten und diese aufdrängen sind zwei Paar Schuhe.

Mocca