PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : 2007-bisher ein schlimmes Jahr!



LaDiva
20.08.2007, 21:45
Ich habe in diesem Jahr meine beste Freundin und meinen Vater verloren.
Bisher lief in meinem Leben alles relativ glatt.Es gab Problemchen-die waren zu lösen. Es sind Menschen gestorben- aber die waren sehr alt. Und jetzt das.
Ich fühle nur Trauer und Wut.
Warum stirbt erst meine Freundin langsam und qualvoll an Krebs? Sie war erst 41 und hatte zwei kleine Kinder. Sie war der einzige Mensch mit dem 100ig auf einer "Wellenlänge" war und mich blind verstanden habe. Sie musste ein Jahr leiden und war zwischen Hoffnung und Verzweiflung hin und her gerissen.
Dann starb mein Vater ganz plötzlich. Er ist mit 65 einfach tot umgefallen (plötzlicher Herztod). Ich kann es immer noch nicht fassen, es ist jetzt 2 Monate her: mein Papa ist tot. Er war so ein liebenswürdiger, lebenslustiger Mensch mit feinsinnigem Humor. Ständig gehen mir Szenen meiner Kindheit durch den Kopf: wir am Strand, wir beim Schlittenfahren und wie er mir Tanzen im Hof beigebracht hat ...
Ich heule während ich das schreibe, wie immer wenn ich alleine bin.
Ich bin auch wütend. Ich sehe Männer seines Alters und Frauen im Alter meiner Freundin und denke: darum leben die? Das ist natürlich absolut ungerecht, ich kenne diese Leute nicht und sie haben auch Freunde und Familie. Wahrscheinlich sind sie sogar nett.
Trotzdem muss ich immer an Depeche Mode's "Blasphemous rumours" denken. Kennt ihr das noch? "I think that god has a sick sense of humour.." Ich habs vorher jahrelang nicht mehr gehört.
Ich reagiere wütend auf Tröstungen, weil es einfach nicht mehr gut werden kann. Wenn Menschen in meiner Anwesenheit über Bagatellen nörgeln, möchte ich sie anschreien: Sei froh, dass du lebst.
Das Schlimmste aber ist, dass die Menschen in meiner Umgebung indirekt (nicht offen) mir zeigen, dass sie jetzt gerne wieder zur Tagesordnung übergehen würden. Ein bißchen getrauert und gut ist. Aber ich bin noch lange nicht soweit. Kann mich wer verstehen?

lolitamaus
20.08.2007, 21:53
Hallo
Ich kann dich gut verstehen mein Vater verstarb letztes jahr auch plötzlich und einer guten freundin ihr freund auch . Er hat auch 2 kleine kinder hinderlassen.
Es ist für alle sehr schwer und man. unbegreiflich.
Ich zünde eine Kerze für deine verbliebenen an und denk an dich..

Inaktiver User
20.08.2007, 21:54
Ich habe in diesem Jahr meine beste Freundin und meinen Vater verloren.
Bisher lief in meinem Leben alles relativ glatt.Es gab Problemchen-die waren zu lösen. Es sind Menschen gestorben- aber die waren sehr alt. Und jetzt das.
Ich fühle nur Trauer und Wut.
Warum stirbt erst meine Freundin langsam und qualvoll an Krebs? Sie war erst 41 und hatte zwei kleine Kinder. Sie war der einzige Mensch mit dem 100ig auf einer "Wellenlänge" war und mich blind verstanden habe. Sie musste ein Jahr leiden und war zwischen Hoffnung und Verzweiflung hin und her gerissen.
Dann starb mein Vater ganz plötzlich. Er ist mit 65 einfach tot umgefallen (plötzlicher Herztod). Ich kann es immer noch nicht fassen, es ist jetzt 2 Monate her: mein Papa ist tot. Er war so ein liebenswürdiger, lebenslustiger Mensch mit feinsinnigem Humor. Ständig gehen mir Szenen meiner Kindheit durch den Kopf: wir am Strand, wir beim Schlittenfahren und wie er mir Tanzen im Hof beigebracht hat ...
Ich heule während ich das schreibe, wie immer wenn ich alleine bin.
Ich bin auch wütend. Ich sehe Männer seines Alters und Frauen im Alter meiner Freundin und denke: darum leben die? Das ist natürlich absolut ungerecht, ich kenne diese Leute nicht und sie haben auch Freunde und Familie. Wahrscheinlich sind sie sogar nett.
Trotzdem muss ich immer an Depeche Mode's "Blasphemous rumours" denken. Kennt ihr das noch? "I think that god has a sick sense of humour.." Ich habs vorher jahrelang nicht mehr gehört.
Ich reagiere wütend auf Tröstungen, weil es einfach nicht mehr gut werden kann. Wenn Menschen in meiner Anwesenheit über Bagatellen nörgeln, möchte ich sie anschreien: Sei froh, dass du lebst.
Das Schlimmste aber ist, dass die Menschen in meiner Umgebung indirekt (nicht offen) mir zeigen, dass sie jetzt gerne wieder zur Tagesordnung übergehen würden. Ein bißchen getrauert und gut ist. Aber ich bin noch lange nicht soweit. Kann mich wer verstehen?

Oh ja, ich kann Dich sehr gut verstehen.:in den arm nehmen:
Anfang des Jahres habe ich 2 schlimme Erlebnisse gehabt. Erst starb meine Oma 2 Tage nach meinem Geburtstag. Das kann ich rational nachvollziehen, sie war 87 Jahre alt und sie ist ihren Weg zu Ende gegangen. Ich vermisse sie.
Einen Monat später wurde ein 10 jähriger Junge - ein Freund meiner Kinder keinen Kilometer von mir entfernt ermordet von einem Kinderschänder. Da komme ich nicht drüber hinweg. Mir kommen noch heute die Tränen, bei Festen im Ort, wo der Junge nicht mehr da sein kann.
Für mich ist es sehr schlimm, dass keiner mehr darüber redet. Es ist, als ob nichts passiert wäre. Ich komme oft am Haus des Mörders vorbei.
Ich kann damit nicht gut leben.
Als ich im Urlaub war, habe ich einen Jungen gesehen, der haargenau so aussah wie das ermordete Kind. Mir sind echt die Tränen gekommen.
Vielleicht ist das für die anderen nur ein Selbstschutz, damit sie nicht daran zugrunde gehen.

Woodstock62
20.08.2007, 21:55
ich drück dich mal... ich hatte 2000 so ein jahr, erst meine großeltern in der gleichen nacht, 5 monate später mein vater, dann ein paar wochen später ein freund...

die meisten gehen zur tagesordnung über, weil sie mit trauer, mit deiner trauer nicht umgehen können. sie haben vielleicht noch keinen lieben menschen verloren und kennen das gefühl nicht und fühlen sich deswegen dir gegenüber hilflos. nimms nicht persönlich! das geht fast allen trauernden so... steck deinen lieben ein kerzlein an und stell es ins fenster. mit ein bissi übung kannst du mit ihnen dann sprechen.

alles liebe
woodstock

Miriam68
20.08.2007, 22:41
Liebe LaDiva,

Ich :in den arm nehmen: dich erstmal, das ist wirklich schlimm.
Bei mir war 2006 so scheusslich... Bei dir ists das jetzige Jahr ...


Ich wünsche dir ganz, ganz viel Kraft, um das alles durchzustehen. :blumengabe:

Liebe Grüsse

Miriam68

Ricarda44
21.08.2007, 08:14
Liebe LaDiva,

ja, es ist entsetzlich, wenn man im eigenen Kopf und Körper diese Hoffnungslosigkeit, Trauer und Wut spürt und nicht so das Gefühl hat, das andere das nachvollziehen und schon gar nicht nachempfinden können.

Zur Tagesordnung übergehen?
Ja, das ist sicher richtig.
Für Dich jedoch noch nicht.

Wir alle, die einen lieben Menschen, oder so wie Du sogar 2 Menschen, plötzlich verloren haben, brauchen unterschiedlich viel Zeit, um mit diesen schmerzlichen Verlusten im Leben klar kommen zu lernen.

Und selbst, wenn man damit klar kommt, geht man zwar auch wieder zur Tagesordnung über. Aber es ist und bleibt ganz, ganz lange Zeit anders. Dazu muss man fühlen können, was Du jetzt fühlst. Das können viele andere Menschen aber nicht, denen Dein Vater und Deine Freundin nicht so nah standen wie Dir.

Bei vielen Menschen ist es auch Hilflosigkeit, die sie dazu treibt, schnell einen Strich unter das Geschehene ziehen zu wollen. Du weißt doch, dass schmerzliche Gefühle wirklich weh tun. Das mögen einige nicht zulassen, wohl auch aus dem Grund, weil sie es nicht aushalten können oder möchten.

Nimm es ihnen nicht übel. Jeder Mensch versucht irgendwie "seine Haut zu retten". Du nimmst den Schmerz bewusst an. Und das wiederum wird Dir helfen.

Ich wünsche Dir viel Kraft. Bleib einfach hier und schreib uns, was Dich bewegt. Oft ist es schon entlastend, wenn man einfach seine Gefühle hier dar legen kann und das bei Menschen, die selbst Nahestehende verloren haben.

Liebe Grüße an Dich!

Inaktiver User
21.08.2007, 15:55
Liebe LaDiva,

deine Worte haben mich total berührt. Ich bin seit Wochen hin und hergerissen, ob ich hier mal schreiben soll, konnte mich aber irgendwie nicht durchringen.

Ich habe Ähnliches durchgemacht wie du! 2006 ist meine beste Freundin (seit 34 Jahren) mit 44 Jahren an Krebs gestorben. Sie hat 5 Jahre gekämpft, wie deine Freundin immer zwischen Hoffen und Bangen. Auch sie hatte 2 kleine Mädels und einen älteren Sohn.
Ich bekomme jetzt schon wieder Herzrasen, weil ich darüber schreibe. Ich bin auch noch lange nicht drüber weg.
Mein Fehler war, ich habe Anfangs versucht, das zu überspielen. Ich hab meine Trauer nicht richtig ausgelebt und wurde ein Jahr später richtig krank! Ich bekam auf einmal Panikattacken aus heiterem Himmel.
Nachdem ich körperlich für gesund erklärt wurde, hat meine Ärztin mich zu einer Neurologin überwiesen. Nach langen Gesprächen sagte sie zu mir: Sie sind nicht psychisch krank, Sie trauern! Und das ist gut so!!
Nach weiteren Gesprächen mit ihr und einer Freundin, die Psychologin ist, ging es mir gesundheitlich endlich wieder besser.

Mit den Bagatellen emmpfinde ich auch genau wie du, und finde es selber Ungerecht. Aber ich kann nichts dagegen machen. Am liebsten würde ich mir die Ohren zuhalten, wenn wieder irgendwer krank ist. Ich kann da ganz schlecht mit umgehen.
Die Neurologin sagte auch, das nicht nur der Tod an sich, sondern auch die schwere Zeit der Krankheit (die man als Freundin doch hautnah miterlebt) aufgearbeitet werden muss.

Ich rate dir, so schnell wie möglich Hilfe anzunehmen; wenn du dazu bereit bist. Das Forum hier wird dir sicher auch ersteinmal eine große Hilfe sein.

Liebe Grüße und ganz viel Kraft,:blume:

malea

cartouche
21.08.2007, 17:23
Liebe LaDiva Ich kann mich nur allen meinen Vorschreibern anschliessen. Bleib im Forum, schreibe so oft Du Zeit und das Gefühl hast Du musst es rauslassen. Es ist ein gutes Gefühl wenn man hier anklickt und es hat sich wieder einer gemeldet. Und heule,heule wann immer Du kannst. Ich nehme da keine Rücksicht auf andere Menschen und ich bin erst gestern wieder mit dieser Einstellung in offenen Türen gelaufen. War im Krankenhaus, in dem Krankenhaus,wo meine Frau vor drei Monaten gestorben ist,mir war natürlich anzusehen dass ich irgendwie, aber dann habe ich das der Schwester erzählt und da habe ich einen Spruch gehört der mich nicht mehr loslässt. Weinen sie, nur Menschen weinen und wer nicht weint ist kein Mensch. Ich wünsche Dir alles Gute, lass Dich nicht von solchen Sprüchen wie, das Leben geht weiter usw. beeinflussen. Dein Leben ist es um das es geht nicht das von somebody. Machs gut.

Inaktiver User
21.08.2007, 17:40
"Weinen sie, nur Menschen weinen und wer nicht weint ist kein Mensch."

Schön!!!
LG, auch an cartouche
:heul: malea

LaDiva
23.08.2007, 20:44
Alle zusammen: Danke für eure Worte! Es ist gut zu hören, dass ich nicht "abnormal" ist, wie ich empfinde.
Natürlich funktioniere ich auch irgendwie. Ich gehe jeden Tag zur Arbeit, mache so dies und das und denke immer: was tust du da eigentlich? Beide sind tot. Du müßtest dich auf die Straße stellen und laut schreien, dass das nicht sein darf.
Es gibt sogar Situationen, in denen ich das Geschehene vergesse oder besser verdrängt habe. Ich sehe, im Kino läuft ein Film und denke, dass ich mit meiner Freundin reingehen könnte. Im nächsten Moment fällt mir ein, dass ich das nie wieder tun kann.
Ich kann es einfach noch nicht im mein Denken aufnehmen.
Morgens werde ich wach und habe manchmal kurz den Gedanken, dass es vielleicht nur ein böser Traum war.
Dazu kommt, dass ich mir Sorgen um meine Mutter mache, für die das alles wahrscheinlich noch viel schlimmer ist. Ich versuche ihr beizustehen und stark zu sein, obwohl ich eigentlich selber so jemanden bräuchte.
Ich war immer jemand, der eher anderen bei Problemen geholfen hat. Wahrscheinlich sehen mich alle als toughe Macherin, die gut klar kommt. Aber ich sage ihnen ja auch nichts, aber hier ist es einfacher..

Inaktiver User
24.08.2007, 08:59
Ich sehe, im Kino läuft ein Film und denke, dass ich mit meiner Freundin reingehen könnte. Im nächsten Moment fällt mir ein, dass ich das nie wieder tun kann.

Liebe LaDiva,

genauso geht es mir auch. Wir sind ja eigentlich davon aus gegangen, dass wir zusammen alt werden und irgendwann mal als "Omis" zusammen auf ner Parkbank sitzen.

In solchen Momenten andere zu trösten (wie bei dir deine Mutter) ist besonders schwer, denn eigentlich braucht man den Trost dringend selber. Bei mir haben auch alle immer gedacht "Mensch, kommt die aber gut damit zurecht". Aber so war es nicht. Immer wenn ich allein war und nicht beschäftigt war gingen mir die Gedanken rund um meine Freundin nicht mehr aus dem Kopf (Hoffentlich geht es ihr jetzt gut! Hätte ich es besser machen können? Warum habe ich sie nicht nochmal angerufen?) Entspannen war so garnicht drin.
Oft genug geht es mir auch heute noch so. Aber es wird langsam besser. Wie gesagt, Gespräche und Tagebuch schreiben haben mir sehr geholfen. Eine Freundin hat damals zu mir gesagt "Bleib fröhlich". Erst hab ich gedacht, die hat ja gut Reden. Aber der Spruch ist mir bis heute im Gedächtnis geblieben. Und immer wenn ich daran denke, lache ich wieder!
Ich :in den arm nehmen: dich mal ganz herzlich

malea

Inaktiver User
26.08.2007, 13:31
Dieses Jahr ist wirklich schlimm. Im Januar ist der Arbeitskollege, mit dem ich eng zusammen gearbeitet habe und gelegentlich auch privat mal was gemacht habe, gestorben.
Im Mai hat mich die "Liebe meines Lebens" einfach so verlassen, weil er Probleme mit seinem Leben hat, zeitgleich hat man Krebs bei mir diagnostiziert, ich hatte eine OP und bin seitdem krankgeschrieben und gestern ist mein Vater gestorben. Am Anfang sah es aus wie magen-Darm-Grippe, aber warscheinlich hat er ein Magengeschwür gehabt und ist innerlich verblutet....
Bis vor kurzem habe ich immer gedacht, nach einem Tief gehts bergauf, aber jetzt denke ich, was wohl noch alles kommt.....

Euch viel Kraft

Monika

Inaktiver User
26.08.2007, 15:27
Dir auch viel Kraft, Monika !! :in den arm nehmen::blumengabe:

ambivalentia
27.08.2007, 20:07
2007... ja, auch für mich so ein Jahr. Meine Oma ist im Februar gestorben. Ich bin bei ihr aufgewachsen, sie war meine Mama. Aufgrund meines völlig chaotischen "Familien"lebens war sie mein roter Faden, meine Konstante. Ich weiß nicht, was ohne sie aus mir geworden wäre. Noch immer ist es total surreal, dass sie nicht mehr hier ist. Auch wenn die Umstände nicht so grausam sind wie bei manch anderem (sie war alt, sie konnte rel. friedlich sterben..) macht der Schmerz hier wenig Unterschied. Und ich rede mit niemandem mehr darüber. Alle sind erstaunt, dass ich immer noch nicht damit klar komme... wo sie doch so alt war! Aber ich kann nicht aufhören, an ihre Sterbewoche zu denken..und viele andere Dinge. Ich vermisse sie so unendlich.... Den einzigen Trost finde ich darin, dass ich sie nun immer bei mir weiß und auch sehen kann, welche Sachen sie nun nicht mehr erdulden muß...

Trambambuli
31.08.2007, 00:39
Ich habe in diesem Jahr meine beste Freundin und meinen Vater verloren.
Bisher lief in meinem Leben alles relativ glatt.Es gab Problemchen-die waren zu lösen. Es sind Menschen gestorben- aber die waren sehr alt. Und jetzt das.
Ich fühle nur Trauer und Wut.
Warum stirbt erst meine Freundin langsam und qualvoll an Krebs? Sie war erst 41 und hatte zwei kleine Kinder. Sie war der einzige Mensch mit dem 100ig auf einer "Wellenlänge" war und mich blind verstanden habe. Sie musste ein Jahr leiden und war zwischen Hoffnung und Verzweiflung hin und her gerissen.
Dann starb mein Vater ganz plötzlich. Er ist mit 65 einfach tot umgefallen (plötzlicher Herztod). Ich kann es immer noch nicht fassen, es ist jetzt 2 Monate her: mein Papa ist tot. Er war so ein liebenswürdiger, lebenslustiger Mensch mit feinsinnigem Humor. Ständig gehen mir Szenen meiner Kindheit durch den Kopf: wir am Strand, wir beim Schlittenfahren und wie er mir Tanzen im Hof beigebracht hat ...
Ich heule während ich das schreibe, wie immer wenn ich alleine bin.
Ich bin auch wütend. Ich sehe Männer seines Alters und Frauen im Alter meiner Freundin und denke: darum leben die? Das ist natürlich absolut ungerecht, ich kenne diese Leute nicht und sie haben auch Freunde und Familie. Wahrscheinlich sind sie sogar nett.
Trotzdem muss ich immer an Depeche Mode's "Blasphemous rumours" denken. Kennt ihr das noch? "I think that god has a sick sense of humour.." Ich habs vorher jahrelang nicht mehr gehört.
Ich reagiere wütend auf Tröstungen, weil es einfach nicht mehr gut werden kann. Wenn Menschen in meiner Anwesenheit über Bagatellen nörgeln, möchte ich sie anschreien: Sei froh, dass du lebst.
Das Schlimmste aber ist, dass die Menschen in meiner Umgebung indirekt (nicht offen) mir zeigen, dass sie jetzt gerne wieder zur Tagesordnung übergehen würden. Ein bißchen getrauert und gut ist. Aber ich bin noch lange nicht soweit. Kann mich wer verstehen?
Liebe LaDiva,

ich habe im letzten Jahr meine Mutter verloren und vor 4 Wochen in Italien meinen Schwager Giancarlo. Ich kann mit Dir fühlen und weiß, wie Dir zu Mute ist. Ich habe mich vor einem halben Jahr einer Trauergemeinschaft angeschlossen unter professioneller Leitung. Hier sind nur Trauernde versammelt und können sich austauschen und das bringt mir ungemein viel. Das würde ich Dir auch empfehlen.

Mein Spruch für Dich wäre:

"Weil deine Augen so voller Trauer sind

Weil Deine Augen so voll Trauer sind,
und Deine Stirn so schwer ist von Gedanken.
Lass mich Dich trösten, so wie man ein Kind
in Schlaf einsingt, wenn letzte Sterne sanken.
Die Sonne ruf ich an, das Meer, den Wind.
Dir ihren hellsten Sonntag zu schenken.
Den schönsten Traum auf Dich herabzusenken.
Weil Deine Nächste so voll Wolken sind.
Und wenn Dein Mund ein neues Lied gebinnt.
Dann will ich Meer und Wind und Sonne danken.
Weil Deine Augen so voll Trauer sind,
Und deine Stirn so schwer ist von Gedanken..."

Mascha Kaleko

Liebe Grüße
von Renate
und Gott möge Dir viel Kraft verleihen

LaDiva
31.08.2007, 22:21
Liebe Renate,
ein schönes Gedicht.... Ich bin 37 und fühle mich wie 10...
Zu meinem Vater habe ich immer Rückerts "Kindertotenlieder" im Kopf:
"Du bist mein Schatten am Tage
und in der Nacht mein Licht;
du lebst in meiner Klage
und stirbst im Herzen nicht."

so ist es.
Und doch habe ich das Gefühl richtig archaisch Luft machen zu müssen. Ich hab's mit dem Schreien (allein im Wald) versucht-aber das war es nicht.
Es ist so unfair.