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Maja8411
18.08.2007, 13:20
Hallo!

Zunächst einmal, ich habe lange überlegt hier zu schreiben, aber ich habe mich schließlich dazu entschieden es zu tun, da ich angesichts der Probleme, die ich zur Zeit mit mir rumschleppe, weder ein noch aus weiß. Zugegeben, sehr positiv klingt diese Einleitung nicht, aber sie entspricht vielleicht tatsächlich meiner momentanen Verfassung und ich werde versuchen hier bei der Darstellung meines Problemes so ehrlich wie möglich zu sein.

Bevor ich hier aber loslege erstmal zu meiner Person: Also, ich bin 22 Jahre alt (werde in einem Monat 23) und studiere in Bayern Lehramt auf Gymnasium im 2. Semester (komme jetzt dann in's 3.) mit der Fächerverbindung Englisch und Italienisch. So weit so gut. Seit einiger Zeit (und wenn ich ehrlich bin in wechselnen Abständen durch mein Studium hindurch) habe ich sehr große Zweifel an meiner Berufung als Lehrerin, was sogar so weit geht, dass sich meine Gedanken nur noch um dieses Thema drehen und ich überhaupt keine innere Ruhe mehr finde.

Wenn man so will dominieren diese Gedanken mittlerweile mein ganzes Leben (nun, vielleicht etwas überspitzt ausgedrückt, aber viell. nicht einmal allzusehr) und mit Schrecken stelle ich seit einiger Zeit fest, dass ich fast Gefallen darin finde, mich durch die bewusste Konfrontation mit meinen Zweifeln und Unsicherheiten bzgl. des Lehrberufs selber zu quälen. Es geht sogar schon so weit, dass ich mich selber in einer Art Opferposition sehe und es sozusagen als mir auferlegt betrachte so zu leiden, vielleicht auch, weil ich nicht mutig genug bin mir selber einzugestehen, dass das Lehramt möglicherweise doch nichts für mich ist und ich einfach das Falsche mache, bzw. ganz einfach die Konsequenzen zu ziehen und doch etwas anderes zu mache.

Wie stehe ich also zum Lehrberuf bzw. was ist es was mich, wenn ich an meine berufliche Zukunft denke, so leiden lässt?

Zunächst einmal einfach nur "Angst". Ich habe ganz einfach und schlichtweg Angst, nicht als Lehrerin geeignet zu sein, der Vielzahl an Verantwortungen und Aufgaben eines (Gymnasial-)Lehrers nicht gewachsen zu sein und als Konsequenz dessen zu versagen. Nun ist ja das Absurde, dass ich eigentlich noch überhaupt keine Berufs- oder Praxiserfahrung habe (abgesehen viell. von meinem 3-wöchigen Orientierungspraktikum, während dessen ich einmal eine 5. und eine 6. Klasse in Englisch unterrichten durfte) und eigentlich alles was ich über meine Eignung/Uneignung weiß meiner persönlichen Einschätzung entspringt.

Vielleicht sollte Spezifischer werden hinsichtl. meiner Ängste bezogen auf den Lehrberuf: Es klingt viell. komisch, aber ich habe ganz einfach Angst in diesem Beruf/der Ausübung dieses Berufes "unterzugehen", nicht mehr Herr meiner selbst zu sein bzw. in eine Opferrolle zu gelangen. Da ich durch zwei jüngere Schwestern, die beide noch auf's Gymnasium gehen, immer mal wieder was über die Situation dort mitbekomme (oft eher negative Sachen, wie z. Bsp., dass über einen Lehrer, den aus irgendeinem Grund kein Schüler leiden kann, ständig hergezogen wird; dass Schüler bewusst Schwächen an Lehrern suchen, um dann auf diesen herumzuhacken; dass einem Lehrer durch freche, aufmüpfige Schüler das Unterrichten absichtlich unmöglich gemacht wird; und ich könnte hier noch beliebig weiterschreiben...).

Dass das, was ich da so von den beiden höre (inklusive meist ihrer Feststellung: "dass du dich nur entschließen konntest Lehrerin zu werden wo doch alles soo schrecklich ist!") eben nicht gerade sehr positiv ist, geht ja aus meinen Beispielen hervor. Ich frage mich nun also: Kann ich das überhaupt? Kann ich damit umgehen, als Lehrerin möglicherweise von meinen Schülern nicht gemocht oder sogar gemobbt zu werden? Besitze ich genügend Selbstsicherheit, Ausdauer und Stärke, um nicht an einer solchen unbefriedigenden Arbeitssituation zugrunde zu gehen? Und ich frage mich auch: Kann ich überhaupt mit Kritik umgehen? Denn vieles was man als Aufmüfigkeit oder Agression von Seiten der Schüler bezeichnet, ist ja zunächst einmal schlicht und ergreifend deren Versuch sich Aufmerksamkeit zu verschaffen oder viell. auch ihr Selbst auszutesten, muss also nicht unbedingt gleich mal als negative, gemeine Absicht dem Lehrer gegenüber interpretiert werden.

Allerdings: kann ich da immer so genau unterscheiden oder bin ich da nicht doch Opfer meiner selbst und beziehe mehr auf mich selber als eigentlich nötig ist??
Ihr seht also schon, mit welchen Fragen ich mich hier so herumschlage, und das ist nur ein kleiner Teil davon. Meine Schlussfolgerung lautet irgendwie: Jemand, der so viele Zweifel an sich selbst und an den Lehrberuf hat, kann doch nicht den anspruchsvollen Beruf eines (Gym.-)Lehrers ausüben. Oder doch? Das ist im Moment mein Problem. Nun fragen sich aber sicherlich auch viele warum ich mich denn eigentl. für ein Lehramtsstudium entschlossen habe, wenn ich alles so negativ sehe: Nun ja, da gibt es viele Gründe, aber keiner von diesen drückt, glaube ich, mein besonderes Interesse/Leidenschaft für den Lehrerberuf aus.

Es sind so banale Gründe wie, dass ich später eine sichere Stelle haben möchte und ein festes Gehalt, also berufliche Sicherheit. Das war mir immer schon sehr wichtig. Und dann: Ich interessiere mich sehr für Sprachen und Literatur, und mein jetziges Studium ist insofern von der Fächerwahl her schon die Verwirklichung eines persönlichen Traumes von mir. Und um mir schließlich doch noch selber zu widersprechen: Ich hatte eigentl. immer eine positive Vorstellung/Meinung von Lehrern und ihrem Beruf bzw. ihren Aufgaben.

Ich habe es mir schön vorgestellt, mit jungen Menschen zu arbeiten und ihnen sowohl die Freude und Begeisterung für meine Fächer zu vermitteln als auch so eine Art Begleiter/Berater für sie sein zu können, und ihnen ein Verständnis von der Welt zu vermitteln bzw. ihnen zu helfen zu eigenständigen verantwortungsbewussten jungen Menschen heranzuwachsen. Wie man sieht hatte ich also sehr große Visionen. Nur: waren die nicht etwas zu hoch gesteckt? Ist mein Verständnis vom Lehrerberuf nicht viell. lange Zeit ein unrealistisches und überholtes gewesen, habe ich mir nicht eher an Illusionen geglaubt? Vielleicht auch ganz einfach, weil ich die Realität des Gymnasial- oder allg.

Schulalltags (die eben gerade heutzutage nicht mehr eine durchgängig "rosige" ist) nicht wahrhaben wollte und mir ganz einfach ein gutes Gewissen einreden wollte? Irgendwie bin ich wirklich mit meinem Latein am Ende, und ich könnte ewig so weiterfragen/-grübeln usw., aber ein wirkliches Weiterkommen ist einfach nicht drin.

Ach ja, möglicherweise fragen sich jetzt auch einige weshalb ich denn dann überhaupt noch weitermache bzw. weiterstudiere, wenn ich ja so viele Zweifel habe und alles so negativ sehe: Nun, da müsste ich gleich nochmal ganz weit ausholen, denn es ist eine ganz lange Geschichte wie es überhaupt zu meiner Entscheidung für das Lehramtsstudium gekommen ist, und das würde dann, glaube ich, wirklich zu weit führen und zu unübersichtlich werden. Zunächst einmal: ich habe bereits eine Ausbildung und ein Studium abgebrochen.

Die Ausbildung war in der Krankenpflege und ich habe sie abgebrochen, weil es einfach nicht das Richtige für mich war. Zum Studium: das war bereits ein Lehramtsstudium (auch Gym.lehramt, nur Fächerverb. anders: Englisch/Franz.) und ich habe es damals abgebrochen, weil ich damals schon so große Zweifel hatte. Das neue Studium habe ich aufgenommen, weil ich nicht wirklich eine Alternative zum Lehramt sah und noch aus einigen anderen Gründen. Was vielleicht für meine Lage auch eine große, wenn nicht sehr große Rolle spielt: Ich komme aus einer sehr schwierigen Familie, mit einem agressiven Vater, der früher (und auch heute noch) häufig trank, sich eigentlich nie um die Kinder und meine Mutter gekümmert hatte und uns alle tyrannisierte.

Mein Vater hat mich jahrelang psychisch unterdrückt und fertiggemacht, und ich leide bis heute immens an diesen Erfahrungen. Hinzu kommt, dass mein Vater sehr besserwisserisch, dominant und jähzornig ist, und ich, würde ich das Studium abbrechen, das Schlimmste befürchten müsste. Rückhalt gibt es auch von meiner Mutter keinen, die ebenfalls kein Verständnis für mich besitzt. Zusätzlich zu dem jahrelangen Leiden in meiner Familie kommt noch hinzu, dass ich (viell. gerade deshalb?), jahrelang (von der 6. bis zur 13. Klasse) massiv von meinen damaligen Mitschülern gemobbt und ausgegrenzt wurde, woran ich auch bis heute (gerade auch im sozialen Bereich) noch sehr leide.

Nun ja, ich glaube ich höre jetzt auf, da ich sonst wirklich vom Hundertsten ins Tausendste komme und ohnehin schon viel mehr geschrieben habe, als ich eigentlich wollte. Zunächst einmal möchte ich mich für diese lange Nachricht entschuldigen... ich hatte echt nicht die Absicht so viel zu schreiben. Ich weiß auch nicht, ob es irgendjemand schafft sich durch diese Nachricht durchzuquälen, aber ich wäre jedem Menschen, der es trotzdem tut, und der vielleicht auch noch seine Meinung zu den von mir beschriebenen Problemen äußern möchte, sehr dankbar.

Wie man vielleicht aus meinem Beitrag herauslesen kann, bin ich momentan in einer für mich immens belastenden Situation und sehe mich aus der Fülle der ganzen Probleme gar nicht mehr aus. Ich hoffe wirklich, dass mir jemand helfen kann, oder mir zumindest einen Tip was ich tun kann, um mir Hilfe zu suchen. Es ist mir wirklich sehr wichtig! Ich danke euch allen!

Mit freundlichen Grüßen, Maja

Inaktiver User
18.08.2007, 13:53
Huihui. Das ist ja mal ein ganz schön großer Textblock, voll mit Gefühlen :zwinker: Ich kenne Berufszweifel und Zukunftsängste aus meiner eigenen Studienzeit. (Noch garnicht lange her:-)))

Ob du der Aufgabe einer Lehrerin gewachsen bist, wirst du nicht im Vorfeld theoretisch (im Kopf) lösen können. Erst wenn die Situation eintritt, wirst du wirklich wissen, ob du geeignet bist und ob dir der Beruf Spaß macht. Außerdem wächst man mit Sicherheit auch an der Herausforderung. Und es gibt folgenden Spruch: Ängste sind blockierte Wünsche... :smirksmile:

Du greifst mit deinen Gedanken, im Grunde genommen eine fiktive Situation aus der Zukunft vorweg. Und daher meine Frage an Dich:

Kannst Du daran zum JETZIGEN Zeitpunkt etwas ändern???

Das Einzige was du momentan machen kannst, ist dein Studium möglichst gewinnbringend und schön für DICH zu gestalten und deshalb wäre eine viel wichtigere Frage:

Wie gefällt dir dein Studium, deine aktuelle Lebenssituation? Und was sind die Dinge in denen du dich derzeit wohl, stark und kompetent fühlst?

Gäbe es eine Alternative zu dem Lehrerjob, der insgeheim oder ganz offensichtlich dein Herz höher schlagen lassen würde?

Welche Möglichkeiten hast du hier und heute dein Selbstbewußtsein zu stärken und mehr Selbstvertrauen zu entwickeln, damit du nicht so häufig von Zweifeln geplagt wirst?

In welchen Situationen tauchen die Zweifel auf? (Bei mir vorzugsweise wenn ich müde und überarbeitet bin und ich sage mir dann, dass ich zu einem anderen Zeitpunkt in dem ich mich besser fühle weiter darüber nachdenke. Denn wenn ich ausgeschlafen und optimistisch bin, kann ich konkrete Pläne schmieden, anstatt in Selbstzweifeln zu versinken) :freches grinsen:

Vielleicht hast du ja Lust, dich der ein oder anderen Frage zu stellen. Hier ganz offen, oder nur für Dich.

Alles Gute!

R*:blumengabe:

Maja8411
18.08.2007, 15:11
Hallo RobinHood!

Als erstes möchte ich mich für deine Antwort bedanken. Mit den Denkanstößen und Fragen, die du an mich gerichtet hast, hast du mir glaub ich tatsächlich schon ein bisschen weitergeholfen, insofern als sie mich dazu angeregt haben nochmal in mich selber zu schauen und den Ursachen meiner Ängste und Zweifel nachzuforschen. Sehr gerne werde ich versuchen Antworten auf die von dir formulierten Fragen zu geben.

Bevor ich damit beginne muss ich dir aber erstmal recht geben: Ich kann an meiner jetzigen Situation nichts ändern, und auch das ganze Hin-und Herüberlegen, ob ich für den Lehrberuf geeignet bin, das geistige Durchspielen von Situationen anhand derer ich das abschätzen könnte usw., all das bringt mich im Endeffekt auch nicht wirklich weiter. Wirklich darüber urteilen können werde ich wohl erst, wenn ich annähernd so viel Berufserfahrung oder -einblick besitze, um das einschätzen zu können. Dazu muss ich übrigens sagen, dass ich ab Mitte September ein einmonatiges Blockpraktikum an einem Gymnasium machen werde, durch das ich mir (hoffentlich) etwas mehr Klarheit über meine Eignung für's Lehramt verschaffen können werde.

So weit also der Plan. Das Problem ist allerdings ganz einfach, ganz gleich ob sinnvoll oder nicht, ich komme einfach nicht von diesem ständigen Nachgrübeln und den damit verbundenen Ängsten los, ganz gleich was ich auch mache, um mich davon zu befreien. Du hast mich gefragt, wann und in welchen Situationen diese Ängste auftreten: Das ist ganz unterschiedlich und läuft nicht nach einem bestimmten Schema ab. Die ganzen Zukunftszweifel usw. treten allerdings sehr häufig in Situationen auf, in denen ich mich allgemein nicht wohl fühle, also vereinfacht gesagt in depressiven Phasen, welche ich leider sehr häufig durchlaufe. Da genügt dann schon ein vollkommen unwichtiges Ereignis, um eine ganze Lawine von Sorgen und Zweifeln loszulösen. Oft sind das so Phasen, in denen ich mich sehr geschwächt fühle, mich zu nichts aufraffen kann und alles um mich herum (mich selber eingeschlossen) negativ sehe und beurteile - depressive Phasen eben. Das komische daran ist allerdings, dass diese Phasen immer wieder auch von sehr euphorischen Phasen durchbrochen sind, in denen ich wiederum alles voller Optimismus sehe, mich voller Kraft und Elan fühle und mir alles zutraue. Das sind einfach immer so Schwankungen, die ganz unerwartet und willentlich überhaupt nicht steuerbar eintreten. Meistens jedoch überwiegen die so genannten depressiven Phasen, in denen ich von mir selber schlecht denke und mir gar nichts zutraue. Was mich jedoch sehr belastet ist schon allein die Willkürlichkeit nach der diese Phasen auftreten, also dass ich dies gar nicht beinflussen oder steuern kann. Vielleicht lässt sich so auch eine gewisse Grundanspannung in mir, und auch das ständige Zweifeln, erklären, weil ich ganz einfach Angst vor diesen Phasen habe, Angst ihnen ausgeliefert zu sein und zum Opfer zu fallen.

Nun ja, ist alles sehr kompliziert, ich weiß, und ich hoffe mal, dass ich alles annähernd so beschrieben habe, dass man es auch verstehen und nachvollziehen kann. Du fragst mich wie mir mein Studium und meine aktuelle Lebenssituation gefallen: Also was das Studium selber betrifft kann ich eigentlich nur sagen, dass ich damit sehr zufrieden bin. Es entspricht genau meinen Interessen und ich lerne nicht aus Zwang für Prüfungen und so, sondern einfach, weil es mir wahnsinnig Spaß macht und ich wirklich den Willen habe mein Wissen zu erweitern und zu vertiefen. Mit meiner momentanen Lebenssituation sieht es da allerdings schon etwas anders aus: Ich habe hier an meinem Studienort eigentlich fast keine Freunde und verbringe sehr viel Zeit alleine. Ich weiß nicht woran das genau liegt (an mir selber vermutlich), aber irgendiwe habe ich es zu Studienbeginn nicht so richtig geschafft den Anschluss an meine Kommilitonen und Kommilitoninnen zu finden und soziale Kontakte erstrecken sich eigentlich hauptsächlich auf oberflächliche Bekanntschaften und Kontakte. Dazu muss ich sagen, dass diese soziale Isolation, dieses "Außenvor stehen" mich eigentlich schon sehr belastet, dass ich mir aber gleichzeitig immer selber im Weg stehe, wenn es um das Knüpfen neuer Kontakte und das Vertiefen von Freundschaften geht. Mein Problem, und das ist wirklich ein Grundproblem von mir, ist ganz einfach, dass ich mich anderen Menschen gegenüber nicht, oder nur sehr schwer, öffnen und Vertrauen fassen kann. Das ist eine Tatsache, die, glaube ich, auch sehr stark mit den Erfahrungen zusammenhängt, die ich während meiner Kindheit und Jugendzeit, aufgrund des langjährigen, massiven Mobbings usw. gemacht habe, zusammenhängt. Vielleicht bin ich einfach zu oft enttäuscht worden. Ich glaube, dass ich eigentlich ein sehr sozialer Mensch bin und eine ausgeprägte soziale Ader besitze (Freunde und Bekannte bestätigen mir das immer wieder), dass aber irgendetwas in mir selber durch diese Erfahrungen blockiert ist und ich es einfach nicht schaffe über meinen eigenen Schatten zu springen...

Nun noch zu deiner Frage, ob ich für mich selber, abgesehen vom Lehramt andere Berufsalternativen sehe: Also, um ehrlich zu sein sehe ich keine wirklichen Alternativen für mich, oder kann mir zumindest nichts anderes so richtig vorstellen. Vielleicht bin ich aber einfach nur zu ratlos oder zu ängstlich, da genauer nacher nachzuforschen. Was ich mir schon überlegt habe, wäre vom Gymnasial- auf das Grundschullehramt zu wechseln, das wäre auch nicht so schwer, da ich ja in meinem Englischstudium schon einige Scheine erworben habe, die mir da angerechnet würden. Allerdings bin ich bzgl. des Grundschullehramts genauso ratlos wie bzgl. des Gym.lehramts: ich denke zwar, dass ich möglicherweise mit kleineren Kindern besser umgehen könnte und eigentlich sind mir die Kleineren sogar lieber als die Größeren, aber ich weiß ganz einfach nicht, ob ich mir vorstellen kann ein ganzes Leben lang mit Grundschulkindern, also Kindern im Alter von ca. 5/6-10 Jahren zu arbeiten. Die Kleinen können ja oft auch ganz schön stressig sein und fordern einen sehr, oft gibt es dann in jeder Klasse noch mindestens einen der unter Aufmerksamkeitsstörungen oder Hyperaktivität leidet... Hm.. weiß nicht, ob das was für mich wäre. Ob ich soviel Ausdauer und Geduld für die Kinder mitbringen würde? Eigentlich wünsche ich mir am meisten einen Beruf in dem ich ruhig und für mich selber arbeiten kann, und vor allem nicht von anderen Menschen abhängig bin, gerade aufgrund meiner Schwierigkeiten im sozialen Bereich. Aber momentan bin ich ganz einfach wirklich ratlos, welcher Beruf der Richtige für mich sein könnte, und eigentlich wünsche ich mir im Moment nur etwas Ruhe, um mal wirklich einfach für mich selber im Stillen reflektieren zu können...

Nun ja, ich denke dabei belasse ich es dann mal, damit die Nachricht nicht wieder allzulang wird. Ich bedanke mich nochmal für die Antwort und würde mich auch über neue Reaktionen sehr freuen.

Viele Grüße, Maja

mondfisch
18.08.2007, 22:17
Liebe Maja,

du machst dir hier einen Kopf um Dinge, die noch gar nicht eingetroffen sind. Warum denn soweit im voraus planen? Du hast die Studienfächer belegt, die dich am meisten interessieren und deinen Neigungen und Talenten entsprechen. Das ist doch wunderbar. Aber wer in dreiteufelsnamen zwingt dich denn, Lehrerin zu werden, wenn du gar nicht so am Unterrichten interessiert bist? Hast du dich eigentlich schonmal beraten lassen, welche Möglichkeiten dir noch offen stehen? Vielleicht noch der eine oder andere Studiengang noch hinten dran und dein Berufsbild ist schon wieder ein anderes?

Setz dich doch nicht selber so unter Druck, als wäre dein Leben schon festgeschrieben. Du wirst dich noch so oft in deinem Leben verändern...lass dir doch alle Optionen offen. Geh einfach mal zu einer Berufsberatung und informier dich über die Fülle der Möglichkeiten.

Die Sorgen die du dir machst, macht sich doch jeder. Das ist ganz normal. Auch wer nicht studiert und direkt mit der Ausbildung anfängt, wird sich spätestens im 2. Lehrjahr fragen: Will ich das überhaupt den Rest meines Lebens weitermachen? Und wie viele Leute haben mehrere Berufe gelernt oder wie in deinem Fall, mehrere Fachsemester belegt, weil sie unschlüssig sind.

Mach dir also keine Gedanken über Dinge, die ja gar nicht eintreffen müssen. Ich kenne viele Akademiker, die sagen: Eigentlich hatte ich ja auch mal das und das studiert, weil ich ursprünglich dies und jenes werden wollte.... Also: Kopf hoch!:in den arm nehmen:

Inaktiver User
18.08.2007, 22:42
Liebe Maja,
ich kenne Deine Selbstzweifel aus meiner eigenen Studienzeit, ich habe auch nach Neigungen studiert und endlich nach langer Zeit abgeschlossen -für mich selbst.
Es war ein langer Weg bis dahin und aus meinen Erfahrungen kann ich Dir nur sagen: ich bereue es, nicht zielstebig genug gewesen zu sein. Ich habe mir viel Wissen angeeignet, aber nicht marktorientiert studiert und ich komme wegen meiner Familie, die ich inzwischen habe, nicht so einfach an einen Job.

Für Lehramtstätigkeiten bin ich nicht geeignet, das weiß ich genau (aus ähnlichen Gründen, wie Du sie im Anfangsposting beschrieben hast).
Für Dich wäre eine Beratung wichtig, bei der Du über Dich selbst mehr erfährst. Ich möchte das auch jetzt bald angehen, denn ich kenne meine Schwächen sehr genau und möchte daran arbeiten.

Ich wünsche Dir, dass Du Deine Selbstzweifel bald überwindest und einen Weg findest.:blumengabe:

vijikartik
20.08.2007, 09:09
Liebe Maja,

vielleicht ist diese Antowrt sehr verspaetet, aber immernoch will ich Ihnen etwas sagen. Ich lernte Deutsch hier in Chennai am Goethe-Institut. Ich hatte die Gelegenheit, Deutschlehrerin zu werden und habe sie ergriffen. Ich unterrichte Deutsch seit Nov. 2006 - waehrend meine Training bekam ich die schlimmste Noten, aber immernoch wurde ich zum Lehrerin. Deutschunterricht macht mir Spass. Ja, ich weiss, das ist ganz anders als Gym-Lehrerin zu werden, aber Sie sollen selbstvertraut sein. Oder, wenn Sie sich voellig ueberzeugt haben, sollen Sie andere Berufe finden, wofuer Sie geeinigt sein. Aber, persoenlich fuehle ich, dass Sie zuerst einmal versuchen, Gym-Lehrerin zu werden und gleichzeitig auch nach anderen Gelegenheiten suchen, falls Sie mit Ihrem Beruf als Lehrerin nicht zufrieden wuerden. Alles Gute!

Inaktiver User
20.08.2007, 09:27
Liebe Maja!


Ich bin Gymnasiallehrerin, habe aber schon vor mittlerweile vor mehr als 20 Jahren mein 2. Staatsexamen abgelegt. Damals gab es im Studium keine Möglichkeit Praktika zu machen, d.h. ich stand erst nach dem kompletten Studium das erste Mal vor einer Klasse. Ich hatte Glück, kam gut zurrecht, aber ich hatte auch viele Studienkollegen, die gar nicht zurechtkamen und fast daran zugrundegingen.

Der Lehrerberuf ist nicht zu unterschätzen! Die Kids haben ein untrügliches Gespür für die Schwächen des Lehrers und hauen genau in diese Kerbe. Deswegen solltest du dich auf jeden Fall nochmals gut beraten lassen, ob es andere Möglichkeiten für dich gibt.

Du hast ja den Vorteil des Praktikums. Da erfährst du sehr schnell, wie es sich anfühlt vor einer Klasse zu stehen. Dann solltest du entscheiden, evtl. einen anderen Weg einzuschlagen, auch erst nach dem Studium gibt es noch Alternativen.

Meiner Erfahrung nach ist es sehr schwer, das Zurechtkommen mit Schülern zu lernen. Besonders zwischen der 7.u.10 Klasse sind sie "gnadenlos". Ich kenne auch viele Kollegen, die aus der Meinung heraus, sie müßten "durchhalten" krank geworden sind.

Also, mein Tipp: Nutze das Praktikum und scheue dich dann nicht vor einer Entscheidung.

Lieben Gruß
Imagine

Inaktiver User
20.08.2007, 13:38
Liebe Maja,

meinem Sohn (20) geht es z.Zt. ähnlich wie dir, nur er macht sich da nicht ganz so viele Gedanken drüber wie du. Er hat im Januar eine Lehre als Technischer Zeichner beendet und ist in diesem Beruf nicht wirklich glücklich. Er kommt jeden Tag nachhause und sagt es wäre mal wieder langweilig gewesen (Bürojob).
Letzte Woche hat er uns eröffnet, dass er sich überlegt hat noch eine Ausbildung als Handwerker zu machen, am liebsten Schreiner. Das ist garnicht so einfach, zumindest finanziell, weil er schon eine eigene Wohnung hat. Deswegen haben auch wir erst hin- und her überlegt, ob das wirklich Sinn macht. Allerdings, sein Leben lang jetzt einen Beruf auszuüben, der ihm keinen Spaß macht? Das wird seine Lebensfreude erheblich trüben. Also unterstützen wir ihn jetzt in seinem Vorhaben. Schreiner und technischer Zeichner lässt sich vielleicht auch mal ganz gut kombinieren.

Vielleicht gibt es für dich auch Alternativen, wo die gleichen Interessen von Vorteil sind. Unter arbeitsamt.de im BerufeNet kann man sich ganz gut beraten lassen.
Bei uns macht jetzt eine "internationale Schule" (englichsprachig) auf für Kinder ab 3 Jahren bis zum Abitur (da heißt es anders). Vielleicht wäre das ja was für dich?!:lachen:
Viele Grüße,
malea