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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Dossier: Kennen Sie das Gefühl plötzlicher Fremdheit?



BRIGITTE Community-Team
27.07.2007, 12:04
Liebe Userinnen,

das aktuelle BRIGITTE-Dossier handelt davon, wie der eigene Mann plötzlich zum Fremden wird. Dazu lesen Sie im Heft mehrere Fallgeschichten sowie ein Interview mit der Schriftstellerin Mary Higgins Clark, außerdem einen Text von BRIGITTE-Psychologe Oskar Holzberg. Den haben wir auch online (http://www.brigitte.de/liebe/beziehung/dossier-fremder/index.html)- viel Spaß beim Lesen und Diskutieren wünscht Ihnen

Ihr Brigitte.de-Team.

sphinxx
30.07.2007, 09:43
ja, ich kenne dieses gefühl - mehr als mir lieb ist. und in dem artikel von herrn holzberg erkenne ich einen teil meines lebens wieder. nur: diese fremdheit ist nicht plötzlich, sie entwickelt sich schleichend. weil man sich ja auch nicht von heute auf morgen aufgibt, sondern nach und nach...und das dauert manchmal jahre. wenn man dann merkt, was passiert ist, ist es leider meist zu spät.

uneingeschränkt unterstreichen kann ich aus eigener schmerzlicher erfahrung die aussage:
<<<Unbewusst arbeiten wir in unserer Zweisamkeit ständig an Harmonie erhaltenden Maßnahmen. Ich tue nichts, was dich befremdet. Und du tust nichts, was mich befremdet.>>>

dieser artikel hat so vieles von dem bestätigt, was ich inzwischen auch als erkenntnis gewonnen habe. NUR: was mache ich jetzt mit dieser "entfremdeten" beziehung und dem wissen darum? :wie?:

grübelt
die sphinxx

Inaktiver User
01.08.2007, 20:29
ja, ich kenne das gefühl auch und zwar schon sehr lange.
@sphinxx du fragst, was du jetzt mit dieser "entfremdeten" beziehung machst.
ich glaube aber auch, das wir frauen "fremd" werden, wir verändern und doch automatisch mit, wenn sich in einer beziehung eine veränderung anbahnt, oder ?
ich suche das "fremde" auch in mir und ich gebe zu , auch ich habe mir verändert, für mich zum positiven. schmerzlich ist es sehr wohl, wenn man erkennen muss, dass wir nicht alles wissen vom partner, aber auch nicht alles wissen sollten. ich habe sehr oft zu immer zuviel nachgeforscht, nachgefragt, bekam keine antworten auf fragen. das wollen nicht alle männer. manche können dann eben nicht aus sich raus, verschliessen sich und werden eben "fremd".
nur wenn sich beide dann völllig fremd sind, ist eine trennung der bessere weg , damit beide wieder zu sich selber finden können.
hoffe, ich habe jetzt das richtige geschrieben :-)
theresia

sanotima
05.08.2007, 21:58
Das Dossier habe ich mit Schaudern und am Ende auch mit einem gewissen Trostgefühl gelesen.

Für mich ist diese Art Entfremdung schlimmer, als wenn mein Partner gestorben wäre. Seit zwei Jahren suche ich immer wieder Therapeuten auf, um damit zurechtzukommen, dass mein Freund psychisch krank ist. Was es genau ist, weiß ich nicht, ich möchte mich nicht als Hobby-Psychologe betätigen. Ich weiß nur, dass es eine komplexe Geschichte zu sein scheint, die mit Depressionen, Angangsschwierigkeiten, Sucht, Langzeitarbeitslosigkeit und einer Mischung aus Komplexen und Größenwahn, einem Schuss Paranoia, rapiden Stimmungswechseln und - ganz schlimm - dem Projizieren eigener Schwächen auf andere einhergeht. Und er sich nicht behandeln lassen will.

Selbst in Scheidung mit Kindern lebend, war ich zunächst dankbar für seine tatkräftige Hilfe. Zwei, fast drei Jahre lang war alles ganz normal, und wir hatten ein harmonisches Familienleben. Er war ausgeglichen, aktiv, fand in meiner Familie eine Aufgabe und engagierte sich über alle Maßen darin. Wir machten Ausflüge, Sport, kochten schöne Menüs und bastelten uns günstige Traumreisen. Er war zunächst selbständig, dann arbeitslos, ich erst arbeitslos, dann machte ich Karriere, trotz mehrerer Kinder und trotz meines fortgeschrittenen Alters. Da war es dann vorbei. Zwei Jahre haben wir uns gegenseitig zerfleischt und dabei doch immer wieder leidenschaftlich geliebt und Zuflucht beim anderen gesucht.

Das erste Mal stutzig wurde ich, als er mir unterstellte, ich hätte ihm Notizen geklaut. Hallo? Was hat der denn? Das zweite Mal, als ich mir nach Jahren ohne Unterhalt genug erspart hatte, um mir ein wenig Luxus gönnen zu können und er mir Anschaffungen wie Möbel, Bilder, Kleider und Kamera madig machte, weil er inzwischen arbeitslos und ebay-süchtig war. Dann drohte, die Beziehung aufzukündigen, wenn ich einen bestimmten Arbeitsvertrag unterschriebe. Der würde meiner Familie schaden! Karriere und Flugbuchungen stufte er als Beweis für "manisch-depressives Verhalten" ein und demontierte auf diese Weise jahrelang meine Stärken und später meine ganze Persönlichkeit, zog jeden Erfolgsschritt in den Schmutz, über den ich mich freute, und stellte ihn als Beweis für meine angebliche Krankheit dar.

Ich ging zum Neurologen, machte eine Kur, suchte eine Psychotherapeutin auf, quatschte mit Freunden. Keiner fand was. Versuchte, ihn in eine Partnerberatung zu ziehen. Lud ihn ein, finanzierte ihm Reisen, um ihn aus seiner Depression zu holen. Für ein paar Monate funktionierte es immer, dann kam wieder ein neuer Knall.

Zwei Jahre lang versuchten wir, uns zu trennen. Immer wieder ließ ich mich erweichen und machte Versöhnungsversuche, weil er mich ja aus der Lebenskrise geholt hatte und ich meinte, ich dürfte ihn in seiner auch nicht fallen lassen.

Ich bin fast vor die Hunde gegangen dabei, und meine Kinder litten mit mir, trotz vielfacher Unterstützung durch Freunde. Allein die Erwähnung solcher Gespräche mit Freunden und Familie wurde schon als "Mobbing" bezeichnet, Vorschläge von Freunden zur Problemlösung abgetan mit "der ist doch noch durchgeknallter als du", und Jobvermittlungs-Angebote als "Wichtigtuerei".

Als ich mir gar keinen Rat mehr wusste, bin ich alleine in den Urlaub gefahren. Wobei ich fast auf allen vieren zum Flughafen gekrochen bin und trotz Sonne, Harmonie und Vollverpflegung noch eine Woche Panikattacken und Herzrasen hatte.

Ich hatte das Glück, gleich am ersten Tag einen wunderbaren Mann kennenzulernen, der mich hässliches Entlein nahm wie ich war und mich von morgens bis abends nur verwöhnte. Ich kann mich nicht so toll mit ihm streiten wie mit meinem langjährigen Partner, und ich denke auch nicht über Heirat nach. Aber ich habe das Wunder angenommen und eine neue Sichtweise gewonnen. Ich bin noch etwas wert. Es gibt ein Leben nach Scheidung und Midlife-Crisis, und es gibt auch 55-Jährige mit toller Bikini-Figur, die über die Probleme mit 46 nur müde lächeln können.

Dieses Selbstwertgefühl wäre mir über fünf Jahre mit einem depressiven Partner fast abhanden gekommen.

Susysonne
15.08.2007, 00:48
Mit großem Interesse habe ich den Artikel gelesen, der gerade zur rechten Zeit für mich kam.

Ich bin mit meinem Mann seit 18 Jahren zusammen und vor 6 Wochen wurde er für mich richtig fremd. Ich kann es immer noch nicht fassen und denke viel darüber nach.

Er traf sich über Monate heimlich mit meiner Schwägerin zum Kaffee. Ich glaube ihm, dass sonst nichts passiert ist. Aber sie haben sich heimlich getroffen und sie haben über unsere Privatsphäre und Intimsphäre gesprochen. Über unsere Probleme, von denen ich dachte, sie würden unter uns bleiben, keiner würde davon erfahren.

Er hat mich desöfteren angeschwindelt, was mir jetzt nach und nach klar wird. Meine Schwägerin, die mir bis dato so was wie Freundschaft vermittelte, hat mich auch belogen. Auch von ihr bin ich sehr enttäuscht. Ich möchte sie im Moment nie wieder sehen.

Ich fühle mich verletzt und komme über die Sache nicht hinweg.

Er versichert mir immer wieder, er würde mich verstehen. Aber ich glaube es nicht. Er kann mich nicht verstehen, das muss man erst selbst erfahren haben.

Sicher hat es unsere Beziehung zeitweise wieder interessanter gemacht, aber es hat sie auch sehr kaputt gemacht. Ich weiß nicht, wie es weiter gehen soll.

Hätten wir keine Kinder, würde ich wahrscheinlich gehen.

Ich muss mir das einfach mal von der Seele schreiben und bin über Tipps und Rückmeldungen dankbar.

Liebe Grüße

mariechen026
15.08.2007, 22:23
Hallo Frauen,
ja ich habe in dem Artikel meine Situation wiedergefunden, die ich gerade hinter mir habe.Mein Mann hat nach 28 Jahren eine andere Frau kennengelernt und ich wollte dann auch die Beziehung nicht mehr fortsetzen, da er bereits vor 14 Jahren einmal die "Frau seines Lebens" kennengelernt hatte und damals nur "wegen des Hauses" geblieben ist. Ich blöde Kuh habe das natürlich nicht ernst genommen, jetzt im nachhinein denke ich, hätte ich das tun müssen, aber irgendwie habe ich das nicht glauben wollen. Aber jetzt hat er mir klipp und klar gesagt, er liebe mich schon lange nicht mehr und ich hätte es merken müssen, denn er hat mir schon lange nicht mehr das gegeben was zwischen zwei menschen selbstverständlich sein sollte, Berührungen, Umarmungen, Küsse usw., aber ich selber habe tausend Ausreden gefunden. na ja ich habe dann gesagt, für mich ist die Beziehung beendet du kannst gehen. Er hat sich dann auch tatsächlich eine Wohnung gesucht und ich muss sagen, die zeit bis zu seinem Auszug war die schlimmste meines lebens und ich habe mich immer wieder gefragt: Wer ist das, der hier abends nach Hause kommt? Das ist doch nicht der Mann, den ich mal geliebt habe? Ein Fremder! Das ganze hat ca. 8 Woche gedauert, jetzt ist er ausgezogen und ich komme ganz gut damit klar, manchmal verfalle ich noch in TRaurigkeit und fühle mich "unvollständig", aber wenn ich mal mit ihm spreche, empfinde ich gar ncihts mehr. Das Problem ist, dass ich auch sonst gar nichts mehr empfinde. Ich versuche, einen Mann übers Internet kennenzulernen und wenn ich mich dann treffe, empfinde ich nichts, auch wenn der Typ ganz nett ist. Ich denke mal, das ist normal, dafür ist die trennung noch zu frisch. Aber die Trennung bereue ich nicht, es ist besser so.
Liebe Grüße

mariechen026
15.08.2007, 22:27
Hallo, ich würde sagen, das ist ein schwerer Vertrauensbruch, aber ihr beide solltet überlegen, warum konntet ihr nicht über eure Probleme reden. Ich habe in den letzten 10 Jahren auch versucht mit meinem Mann zu reden, habe ihm auch geschrieben, aber keine Antwort erhalten, ich hätte nachhaltiger auf Antworten bestehen sollen, daran ist es letztendlich gescheitert. Versucht es doch einfach, aber wenn du merkst, dass das reden nicht klappt, überlege dir gut, ob du nur wegen der Kinder diese Ehe aufrecht erhalten willst.
liebe grüße

Susysonne
16.08.2007, 14:55
Liebes Mariechen,

du hast Recht, wir hätten mehr miteinander reden müssen.

Wir haben es uns auch nach dieser Geschichte vorgenommen. Im Moment habe ich aber nicht das Gefühl, dass es funktioniert.

Die Erkenntnisse über meinen Mann beschäftigen mich sehr. Ich würde gerne öfter mit ihm genau darüber reden. Doch er kann es nicht mehr ertragen. Er möchte nichts mehr davon hören. Er will von vorne anfangen und das Geschehene ad acta legen.

Bei mir geht das nicht so schnell. Denn ich bin ja die, für die das alles so plötzlich und unerwartet kam.

Deswegen habe ich dann neulich abends (spät in der Nacht) meine Geschicht hier aufgeschrieben.

Ich versuche auch, ihm per Brief meine Gefühle mitzuteilen. Das ist eine gute Sache. Da man beim Schreiben viel überlegt, lange Zeit hat und nichts sagt, was einem hinterher wieder leid tun würde.

Ich finde es aber wirklich interessant, dass es außer mir noch so viele andere Frauen gibt, die Ihren Mann plötzlich als Fremden sehen. Denn genau das habe ich zu ihm gesagt, als ich ES herausgefunden habe.

Danke für deine Rückmeldung.

Dir wünsche ich von Herzen alles Gute!