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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Bräuchte Rat



Ladyfish
23.07.2007, 16:40
Hallo,
ich möchte hier mal eine Frage stellen, mit der ich mich schon seit einigen Wochen herumschlage.
Zwar muß ich kurz ausholen, aber werde mich kurz fassen :)
Seit knapp einem Jahr bekomme ich Harz4 (Studium abgebrochen, kein Geld und auch aus gesundheitl. Gründen). Ich habe erstmal einige Zeit gebraucht um mich damit abzufinden und auch in dieser Zeit eine neue Therapie begonnen (mache schon seit fat 7 Jahren immer mal wieder Therapie, weil ich primär unter Magersucht leide)
In der Therapie geht es ziemlich zur Sache, weil ich stark am essen arbeite.
Mein Hauptproblem ist, ich bin nun bei einer Massnahme, die sicher auch gut ist (es wird mir dort geholfen ein konkretes Berufsziel zu finden), aber ich habe das Problem, dass ich nicht wirklich mitarbeiten kann. Beim Erstgespräch wurde ich nach meinen Zielen oder Wünschen gefragt und ganz ehrlich ich habe momentan weder Ziele, noch Wünsche ich bin einfach erschöpft.
Bewerbungen schreiben, Gespräche führen, Leben neu ordnen, essen...
Ich habe weder Appetit, noch hunger (esse aber nach Plan und Uhrzeit), kann schlecht schlafen und bin völlig unbeteiligt und was Freude ist kann ich in den letzten Wochen auch nicht mehr sagen.
Nun muß ich aber doch irgendwie mein Leben auf die Reihe bekommen und auch bei dieser Maßnahme mitarbeiten (was ich im Grunde ja will).
Was würdet ihr mir raten bzw was kann ich tun? Meine Therapeutin ist im Urlaub (sie diagnostizierte übrigens Dysthymie oder so ähnlich zur Magersucht).
Ich fühle mich einfach etwas überfordert im Moment.
Danke fürs lesen und viele Grüße
Ladyfish

Blondine
23.07.2007, 17:00
Ladyfish,

was genau hast Du studiert, wie weit bist Du gekommen, hast Du gerne studiert und gefiel Dir Dein Fach ... möchtest Du in diese Richtung weiter denken ???

Bestimmt sind diese oder ähnliche Fragen der Einstieg in Dein Therapiegespräch.

Ich denke, Du bist einfach richtig erschöpft und fertig.

Also, gehs ruhig an.
Und, erhole Dich!

Bestimmt wirst Du die Antworten auf viele Fragen noch finden, aber eben selbst und wenn die Zeit daür reif ist.

Gruß, B.

Inaktiver User
23.07.2007, 17:29
Hallo Ladyfish,
wie wäre es mit einer Selbsthilfegruppe (zusätzlich zur Therapie).
Dort sind Menschen die in der gleich oder zumindestens in einer vergleichbaren Situation stecken. Und du kannst dich dort austauschen. Hilfe bekommen deinen Alltag zu bewältigen.
Zusätzlich würde ich dir noch empfehlen, kleine Schritte zu machen. Du musst nicht alles sofort erledigen. Schreibe dir eine Prioritätenliste.
Liebe Grüße
Selueh

Inaktiver User
23.07.2007, 17:48
Hallo Ladyfish,

dass du erschöpft bist nach alldem was in letzter Zeit auf dich eingestürmt ist kann ich mir vorstellen. Versuch trotzdem dir was Gutes zu tun, dir Zeit zu nehmen für dich und Dinge die die Freude machen. Bist du denn mit deiner Therapeutin zu frieden? Fühlst du dich bei ihr gut aufgehoben? Ansonsten würde ich mir jemand anderen suchen, denn es hört sich für mich fast so an als hättest du eine leichte Depression oder auch ein Burn-out-Syndrom... Hat sie in die Richtung mal was gesagt?

Kopf hoch!!!! :o) Auch wenn man's nicht glauben kann wenn es einem schlecht geht, aber ALLES WIRD BESSER!!!!

Ladyfish
23.07.2007, 18:21
oh danke für eure schnelle Antwort!
Ich habe Religionswissenschaft studiert und ja, es hat mir gefallen. Allerdings habe ich die Essstörung schon während meiner ganzen Studienzeit und auch während des größten Teils meiner Stuidenzeit gearbeitet. Daher ist das Studium einfach zu kurz gekommen und ich hatte eben leide mehr interesse am dünnsein, als am studieren. Das klingt sehr banal, aber für mich war es einfach leider so. Das war auch mit ein Grund warum ich gesagt habe, jetzt erstmal schluss mit Studium. Es hätte mir momentan einfach nichts gebracht, weil ich viel zu sehr mit mir beschäftigt bin. Die Therapie ist sehr gut, ja :)

Mein größtes Problem ist einfach, daß ich mich neuorientieren soll mit Hilfe dieser Maßnahme, aber einfach nicht sagen kann, wo ich im Moment meine interessen hätte, weil ich einfach..ja irgendwie nichts weiß zur Zeit

Inaktiver User
23.07.2007, 22:41
Mein größtes Problem ist einfach, daß ich mich neuorientieren soll mit Hilfe dieser Maßnahme, aber einfach nicht sagen kann, wo ich im Moment meine interessen hätte, weil ich einfach..ja irgendwie nichts weiß zur Zeit

Es ist schwer, wenn man etwas wollen soll...und nicht kann.
Aber vielleicht kannst Du Dich zurückerinnern an die Zeit vor Deiner Erkrankung, auch bis in die Kindheit zurück:
was hat Dir früher Freude bereitet? (Vielleicht geht's Dir wie mir, und Du wirst ganz traurig bei diesem Gedanken...aber es hilft trotzdem!)
was konntest Du gut?
was kannst Du heute gut, selbst wenn es Dir momentan keine Freude bereitet?
was liest Du, welche Art Bücher stehen da?

Könnte Dich, so gemein das klingt, das Thema Frauen/Mädchen und Gesundheit interessieren? Vielleicht hast Du auf dem Gebiet, gerade nach Deiner Krankheit, da etwas zu geben ?

Oder frag' doch mal, wenn in dieser Massnahme nicht ohnehin angeboten, nach einem "Eignungstest" bzgl. Deiner Begabungen...
auch wenn der keine Klärung bringt, kann er Dich vielleicht wieder ein bisschen stolz auf Dich und Deine Stärken machen?
Ich bin sicher, dass Du einen Grund dafür hast!

Liebe Grüße, T.

Zeitnomade
24.07.2007, 17:26
Du steckst wahrscheinlich in einer tiefen Depression.Vielleicht solltest Du mal ein freiwilliges soziales Jahr einlegen, in der Zeit kannst Du Dir in Ruhe überlegen, was Du wirklich willst. Sicher wirst Du Erfahrungen sammeln, die Dich stärken, denn z. B. in der häuslichen Pflege wirst Du Menschen kennen lernen, die Dich wirklich brauchen und Dir dankbar sind, wenn Du zu ihnen kommst. Diese Erfahrungen werden Dir bei Deinen persönlichen Problemen sehr helfen.

Ladyfish
25.07.2007, 09:52
Hallo,
ich bin nicht sicher, ob ich für so ein soziales Jahr nicht schon zu alt bin(34). Sonst wäre das eventuell eine Idee, wenn man dabei Geld verdient, denn das muss ich leider (wie wir alle).
Ja es ist schwierig etwas zu wollen im Moment. Ich wüßte schon was ich will, nämlich mal bisschen Ruhe, aber das ist eben auf Dauer keine Lösung. Nun mal sehen, was mich morgen erwartet. Ich wünschte nur, ich könnte etwas wollen, denn sonst stehe ich so da, als wäre ich völlig planlos und das will ich ja auch nicht.
Liebe Grüße!

Inaktiver User
25.07.2007, 12:35
Hallo Du,
ich finde, es steht Dir in Deiner Rekonvaleszenz (...wenn überhaupt schon?) zu, zunächst mal "rezeptiv" zu sein, zuzuhören, - Du machst ja mit, das ist doch schon viel!
Erklär Deine Situation, frage die Leiter der Massnahme, was sie Dir bieten und raten können.
Und versteh' gleichzeitig, dass diese Massnahmen vom Zeitpunkt her natürlich nicht auf den Punkt zugeschnitten sein können, an dem jeder Teilnehmer gerade steht.
Es ist doch eine Orientierung, kein Wettlauf zum Ziel!
Für viele ist sicher auch schon das blosse Hingehen, Frühaufstehen, Bewerbungen erstellen eine Neuorientierung - an der Form, noch nicht inhaltlich.
Gruß, T.

flutterby
25.07.2007, 12:59
Hallo Ladyfish,

das, was du schreibst, erinnert mich an eine Freundin von mir. Sie litt Jahre lang an Bulimie / Magersucht. Immer im Wechsel, je nach Verfassung.

Sie hat viele Therapien gemacht, wurde in die Psychiatrie eingewiesen und zwangsernährt, ... Alles ganz furchtbar. Woher ihre Probleme kamen, war klar, aber ändern konnte sie lange nichts. Das hat sich erst dann langsam geändert, als sie zu einer Therapeutin gekommen ist, zu der sie einen echten Draht hatte. Ausschlaggebend war hier - so merkwürdig das für Außenstehende vielleicht klingen mag - dass sie nie auf die Uhr gesehen hat und "die Zügel lang gelassen hat". Meine Freundin hat (natürlich gelenkt von der Psychologin) das Tempo bestimmt, in der die Therapie ablief. Es gab aber keinen Druck und keine Erwartungshaltung.

Nach einiger Zeit ging es meiner Freundin besser und sie sagt, dass sie es nur dieser Frau zu verdanken hat, dass sie zurück ins Leben gekehrt ist, Spaß hat und vor allen Dingen Genuss beim Essen verspührt.

In dieser Zeit hat sie sich vollkommen auf sich konzentriert und darauf, körperlich und psychisch wieder fit zu werden. Arbeit suchen, Gespräche mit möglichen Chefs führen, usw. finde ich, ist im Moment sicherlich einfach zu viel für dich.

Meine Idee wäre es, dass du dir eine Beschäftigung suchst, die dich nicht stresst, überfordert oder in einen starren Rahmen presst. Einfach etwas, was dir Freude macht, wobei du Erfolge siehst und was dich ein bißchen vom Thema Essen ablenkt. Magst du Musik? Vielleicht kannst du dir ein Keyboard kaufen und ein wenig spielen, oder malen, stricken, irgend etwas, wobei du die Seele baumeln lassen kannst.

Dein Leben und dein Wohlbefinden sind dein höchstes Gut. Um solche Dinge wie Job usw. kannst du dich kümmern, wenn es dir besser geht.

Ladyfish
25.07.2007, 16:42
Hallo nochmal und danke für die Antworten. Es tut mir sehr gut mic hier auszutauschen.
Ich könnte mir schon vorstellen, daß es für einige wichtig ist wieder einen geregelten Tagesablauf, früh aufstehen etc zu bekommen.
Durch meine lange Therapieerfahrung strukturiere ich meine Tage allerdings gut durch. Morgens nach Stellen suchen, mittags Bewerbungen schreiben und dazwischen ist ja auch der Haushalt noch da, der erledigt werden will und einkäufe die gemacht werden wollen und ich koche mir jeden Tag etwas und abends für meinen Freund und durch ihn (obwohl ich sowiso frühaufsteher bin) ist die Nacht auch um halb acht zu ende :) das ist aber sehr in Ordnung für mich.
Im Moment versuche ich mir eine Stelle zu suchen, die passen würde und hatte auch schon einige Einladungen, aber es ist bisher nicht mehr daraus geworden (fast glaube ich, ich wirke zu undynamisch im Moment).
Meine neueste Bewerbung wäre in einem Spielzeugladen. Das würde mir fürs erste gute gefallen. Es klingt nicht hektisch und auch sonst angenehm.
Mal sehen, wie offen ich mit der Dame von der Massnahme sein kann. Das entscheide ich dann morgen nach Bauchgefühl..

Viele liebe Grüße und herzlichen Dank für eure Anteilnahme :)


Meine Therapeutin behandelt mich übrigens ähnlich flutterby. Leider ist sie zur Zeit im Urlaub und nunja ich hätte auch ein schlechtes Gewissen im Moment hinzugehen, da ich das essen sehr vernachlässigt habe aufgrund von Appetitmangel (ich esse aber nach Uhr)